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Westliche Schüler

Von seinem kleinen Kutir (Hütte) am Ufer des Ganges breitete sich Swami Sivanandas Einfluss über die ganze Welt aus. Er verstand die Probleme der Menschen in Ländern, die er nie gesehen hatte und begleitete sie auf dem spirituellen Weg.

Swami Sivananda erkannte, dass er durch die englische Sprache sehr viele Menschen in der ganzen Welt erreichen konnte. Er dachte, sprach, schrieb und sang auf Englisch. Nicht nur die westliche Welt profitierte davon, sondern auch die moderne indische Jugend, die den Kontakt mit ihrer Kultur und Religion durch das Wetteifern mit der westlichen Zivilisation verloren hatte. Swami Sivanandas Bücher erweckten das Interesse für ihr spirituelles Erbe. Swami Sivananda gewann den rationalen hinterfragenden Geist von Westlern und westlich orientierten Indern. Er glich seine Herangehensweise der Ebene des Menschen an, den er traf – er war ein Kind unter Kindern, ein Erwachsener unter Erwachsenen, ein orthodoxer Brahmane unter hinduistischen Pandits (Gelehrten) und konnte auch gut mit Menschen aus dem westlichen Kulturkreis umgehen.

Seine klar verständlichen, praktischen, erhebenden und kraftvollen Bücher übten eine starke Anziehung auf Westler aus. Seine Lehren der verschiedenen Wege des Yogas wurden begeistert von ihnen aufgenommen und so wurde es ihnen ermöglicht, über jedes Problem, das sie mit ihren spirituellen Praktiken oder ihrem Leben hatten, zu korrespondieren. Kein Brief an Swami Sivananda blieb unbeantwortet und alle spürten durch seine wunderbaren Briefe eine vertraute Verbindung zu ihm. Alle die ihm schrieben, waren inspiriert und berührt durch seine Weisheit und seinen Eifer, sie zu unterstützen und zu leiten. Er kümmerte sich um seine ausländischen Schüler genauso wie um seine indischen Schüler und Anhänger.

Der erste Kontakt mit Europa kam aus Lettland, wo sich eine Gesellschaft den Lehren des Yoga in seiner ursprünglichen Form widmete und in den 1930er Jahren in Kontakt mit Swami Sivanandas Schriften kam. Die Gesellschaft war so begeistert, einen Meister gefunden zu haben, der die Grundsätze des Yoga in eine einfache und für alle verständliche Sprache gefasst hatte, so dass sie bald zu einer Zweigstelle der Divine Life Society wurden. Ein führender Kopf dieser Bewegung war Harry Dikmann, der einen regelmäßigen Schriftverkehr mit Swami Sivananda pflegte.

Swami Sivanandas Bücher wurden ins Lettische übersetzt und von Lettland breiteten sie sich nach Estland aus, wo ebenfalls eine Zweigstelle der Divine Life Society entstand.

Swami Sivanandas Bücher wurden dann von Louis Brinkfort ins Dänische übersetzt und erschienen in den Zeitschriften von Kopenhagen. Brinkfort gab Vorträge in Dänemark, Norwegen und Schweden sowie erste Hatha Yoga Vorführungen und Unterricht fanden statt.

Der Belgier Dr. Heinz Baumblett wurde durch Swami Sivanandas Lehren inspiriert. Er hielt viele Vorträge, in denen er auch Abschnitte aus Swami Sivanandas Büchern vorlas und die er mit Gebeten, Kirtan und OM-Singen schloss, wie Swami Sivananda es empfahl.

Ein bulgarischer Geistlicher folgte Swami Sivanandas Lehren, pflegte einen regelmäßigen Schriftverkehr mit ihm und übersetzte viele seiner Artikel zur kostenlosen Verbreitung. Mit seinem Freund Boris Sacharow setzte er Swami Sivanandas Grundsätze vom selbstlosen Dienen in die Tat um und half den Armen und Kranken. Swami Sivanandas Einfluss breitet sich nach England, Mexiko, Kenia und andere Länder des afrikanischen Subkontinentes aus. Zweistellen der Divine Life Society entstanden in Mombasa, Nakaru, El Dovet, Teheran, Ägypten, Rangun, Shanghai und Bahrein.

Dann kam der Zweite Weltkrieg. Obgleich Swami Sivananda weit entfernt vom Geschehen lebte, schrieb er an seine europäischen Schüler so, als ob er in jedem Augenblick bei ihnen sei. Diese Worte spiegelten sein ganzes Herz wider. In einem Brief an Dr. O.C. Pfaus in Deutschland schrieb er: „Die Schwäche und Grausamkeit, derer das heutige Europa angeklagt wird, gab es in allen Nationen zu allen Zeiten der Geschichte. Sie werden nicht durch Revolutionen oder Organisationen einiger Weniger verschwinden. Kein Grundgesetz, keine Absichtserklärung, keine Gesetzgebung kann über Nacht eine perfekte Welt voller Harmonie, Frieden und Reichtum bringen. Das Heil der Welt hängt vom Heil des Individuums ab. Vollkommenheit der Welt wird durch individuelle Vervollkommnung erreicht.

Nur eine Generation von Jesussen, Buddhas und Vivekanandas kann die perfekte Traumwelt verwirklichen. Eine solch vollkommene Welt ist durch Supermenschen möglich. Die quälenden Gräueltaten von heute sind die große Dunkelheit vor der Morgendämmerung. Es ist eine notwendige Schule, durch die Generationen gehen müssen, um die Sinnlosigkeit ihrer Bemühungen, die Leere ihrer Errungenschaften, die Endlichkeit ihrer Gewinne und die Schmerzhaftigkeit ihrer Freude erkennen zu können.

Der gnädige Gott manifestiert nur seine extreme Güte, indem er uns durch solch grausame Zeiten schickt. Wenn wir zum Weinen gebracht werden, dann deshalb, weil unsere Triebe durch eine solch schmerzhafte Operation schneller und früher aufgelöst werden können. Verzweifle niemals. Wenn Verzweiflung sich in dein Herz schleicht, ist das eine Warnung dafür, dass das Licht des Glaubens erloschen ist. Entferne alle Schwächen und Verlangen aus deinem Herzen mit Glauben, Geduld, religiösem Fleiß und durch die beständige Praxis.“

Die meisten Schüler in Europa und anderen Gebieten konnten während dieser schweren Jahre keine Briefe an Swami Sivananda schreiben. Aber sobald der Krieg beendet war, wurde die Kommunikation wieder aufgenommen. Sie schrieben wieder an Swami Sivananda und freuten sich sehr, wieder Kontakt zu ihm aufnehmen zu können.

Vor dem Krieg besuchten viele Europäer den Ashram in Rishikesh. Nach dem
Krieg kamen viele Amerikaner. Viele andere schrieben und luden Swami Sivananda als Teil seiner vorgesehenen Weltreise nach Amerika ein. Allerdings wurde die Reise aufgrund von Swami Sivanandas schlechtem Gesundheitszustand abgesagt und er schrieb: „Menschen aus allen Teilen des Erdballs kommen hierher und erhalten spirituelle Führung. Durch Briefwechsel gebe ich auch Führung. Es ist ausreichend, wenn die göttliche Botschaft alle Teile der Welt erreicht. Es ist nicht nötig, dass ich dazu von hier weggehe. Mein England ist hier, mein Deutschland ist hier.“

Ein anderes Mal erklärte er: „Es ist ein Nachteil, immer auf Reisen zu sein. Man kann ein paar Menschen durch Vorträge aufwecken. Man kann eine Zuhörerschaft anregen. Aber wenn man ihnen nicht dauerhaft Inspirationen durch Bücher geben kann, werden sie die Vorträge in der Hektik des Alltags bald wieder vergessen haben. Wäre ich immer auf Reisen gewesen, hätte ich nicht all diese Bücher schreiben können. Es ist im Interesse des Dienstes an Gottes Kindern, dass ich mich hierher zurückgezogen habe. Um spirituelle Literatur zu schaffen, ist diese Abgeschiedenheit absolut notwendig.“

Mehrere Anhänger aus anderen Regionen der Welt baten Swami Sivananda, seine Schüler aus dem Ashram zu senden, um ihnen zu helfen, Swami Sivanandas Lehren zu verbreiten und spirituelle Zentren zu errichten.

Der erste war Swami Satchidananda, der nach Ceylon (dem heutigen Sri Lanka) eingeladen wurde. Nachdem er 13 Jahre dort gewesen war, wurde er in die Vereinigten Staaten von Amerika und andere Länder eingeladen. Durch diese spirituellen Zentren verbreitete er Swami Sivanandas Lehren und Bücher. Mit den Swamis Paramananda (kleines Foto) und VenkatesanandaDer nächste war Swami Vishnu Devananda, der Hongkong, Australien, die USA und Kanada, wo er dann endgültig blieb, besuchte. Die Sivananda Yoga Vedanta Zentren, die er in Kanada und vielen anderen Ländern gründete, verbreiten Swami Sivanandas Lehre.

1959 wurde Swami Chidananda nach Amerika, Europa usw. eingeladen. Seither hat er regelmäßig viele Länder sowohl in der westlichen Welt, als auch Malaysia, Singapur, Hongkong, Japan usw. besucht. Nach dem Mahasamadhi (Verlassen des Körpers; Verschmelzen mit der absoluten Wirklichkeit) von Swami Sivananda wurde Swami Chidananda zum Präsidenten der Divine Life Society gewählt und setzte sein großes Werk, die Zweigstellen der Divine Life Society und andere Zentren in der ganzen Welt zu besuchen, fort. Swami Krishnananda (als Generalsekretär) und Swami Madhavananda (als Vizepräsident) blieben im Ashram in Rishikesh und setzten dort Swami Sivanandas ruhmreiche Mission fort.

1961 wurde Swami Venkatesananda nach Australien und Ceylon eingeladen und von dort sandte Swami Sivananda ihn auf die dringende Bitte der Divine Life Society in Durban nach Südafrika. Nach drei Jahren in Südafrika begannen seine Welttourneen. Er verbreitete Swami Sivanandas Lehren und gründete zahlreiche Zentren bis zu seinem Mahasamadhi im Jahre 1982. So wurden Swami Sivanandas Lehren weltweit verbreitet.

Menschen aus westlichen Ländern wurden in Sannyas (Entsagung) eingeweiht, gingen zurück in ihre eigenen Länder und gründeten dort Ashrams und Zentren. Hervorzuheben ist besonders Swami Sivananda-Radha aus Kanada.

Swamiji mit einigen seiner engesten Schüler 

Manche der ausländischen Besucher hatten Fotoapparate und Filmkameras
dabei. So sahen Millionen von Zuschauern in Kanada, Frankreich, Belgien und der Schweiz Szenen von Swami Sivananda und dem Ashramleben. Auch viele ausländische Journalisten besuchten Swami Sivananda. Er wurde als einer der größten spirituellen Führer des modernen Indien zitiert. Das wiederum beeinflusste viele ausländische Suchende (wie auch Touristen) Rishikesh zu besuchen. Seine Lehren verbreiteten sich mehr und mehr. Die meisten dieser Besucher waren vom ersten Treffen mit Swami Sivananda tief beeindruckt und viele Touristen wurden bei ihrem ersten Besuch zu seinen Schülern. Eine Dame aus Israel, Assia Malkiely, schrieb über den Einfluss, den ihr erstes Treffen mit Swami Sivananda auf sie ausübte:

„Ihm gegenüber sitzend und zuschauend, während er ein Dutzend und mehr Arbeiten zur gleichen Zeit erledigt, fühlte ich meinen spirituellen Durst gestillt, so wie sich ein durstiger Wanderer in der Wüste fühlen würde, wenn er mitten in der Wildnis eine Quelle erfrischenden Wassers findet. All meine Zweifel haben sich ohne Worte aufgelöst, als ich feststellte, dass alles in uns latent vorhanden ist, alle Antworten auf unsere Zweifel. Wir müssen nur lernen, wie man sie entfaltet.“

Ein anderer Sucher aus Holland, Albert Bonwinclaster, schrieb von seinem
ersten Treffen:

„Sein Anblick erfüllte mich im selben Augenblick mit einem unermesslichen Gefühl von Freude. Seine Augen ruhten auf mir und er sprach ein paar freundliche Willkommensworte. Es waren keine Worte lang erwarteter großer Weisheit, aber nichts hätte mich glücklicher gemacht. Es waren ein paar einfache Worte, erfüllt von göttlicher Liebe und Mitgefühl. Es war eine strahlende Atmosphäre so voller Frieden, dass ich zu meinem Quartier eilte, um in mir eine nie gekannte Freude zu finden, ein Licht, das ich nie zuvor gesehen hatte. Die bloße Anwesenheit von Swami Sivananda konnte mich überzeugen, wovon keine Bücher mich hatten überzeugen können.“

Dr. Maryse Choisy, Herausgeberin der ’Psyche’, kam mit der Vorstellung in den Ashram, dort einen Inder zu treffen, der nichts von westlicher Wissenschaft und Kultur wusste. Sie schrieb:

„Ich spürte in ihm sofort die Anwesenheit der wahren Weisheit, nach der wir uns alle sehnen, woher wir auch kommen mögen… Swami Sivananda weiß alles, was man an einer westlichen Universität lernen kann und noch viel mehr, was man dort nicht lernen kann. Der hartnäckigste Materialist muss diese Aura spüren, diesen Magnetismus, diese Gelassenheit, diese Heiligkeit, die Swami Sivananda umfließt. Was mich am meisten berührt hat als besonders bewundernswert und neu an ihm, ist die Art und Weise, wie er das Göttliche in jeden Augenblick des Lebens bringt. Sei es Psychologie, Medizin, Philosophie oder Religion, Swami Sivananda hat uns etwas zu lehren.“

Swamiji mit Swami Sivananda-Radha aus KanadaDie meisten der Menschen aus der westlichen Welt, die zu Swami Sivananda kamen, hatten einen christlichen Hintergrund. Viele hatten ihren Glauben aufgegeben und waren auf der Suche nach alternativen spirituellen Werten. Wenn sie aber in Kontakt mit Swami Sivananda kamen, vertiefte und bereicherte sich ihr Verständnis des Christentums und sie wurden von den Lehren Jesu auf einer völlig neuen Ebene inspiriert. Dr. R.T. Werther aus Perth, ein Jude, der sich viel mit dem Christentum auseinander gesetzt hatte, besuchte Rishikesh zur Weihnachtszeit. Er schrieb darüber: „Dort und nur dort fand ich den Frieden, der kommt, wenn alle inneren Konflikte gelöst sind. Ich sah, dass sich dieser sogenannte ’Mensch einer anderen Nationalität und Religion’ genau in Übereinstimmung mit den Lehren unseres Meisters, Jesus Christus, befand. Ja, hier fand ich das wahre Christentum, das ich in der westlichen Welt nicht finden konnte.“

Erich Pierschel schrieb in seinem Buch „Indien - Geheimnis und Mysterium“: „Christus wird hier im Sivananda Ashram genauso geehrt wie Krishna. Zu Weihnachten wurden wir Europäer von Swami Sivananda gebeten, die Geburt Christi auf der Bühne darzustellen. Denken Sie nur, im Land von Mutter Durga, Vishnu und Brahma wurden wir gebeten, das Christentum zu verherrlichen. Diese Toleranz erscheint unglaublich.“

Ein christlicher Professor schrieb, dass er in Swami Sivanandas Büchern die Deutungen vieler unklarer Passagen aus dem Alten und dem Neuen Testament fand.

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Zweigstellen

Swami Sivananda flößte seinen Schülern seinen Geist ein, so dass sie wirklich seine unsichtbare Gegenwart in ihrer Mitte fühlen konnten und versetzte sie so in die Lage, im Ausland Divine Life Zentren zu organisieren. In weniger als 2 Jahren entstanden Zweigstellen der Divine Life Society auf der ganzen Welt. Das geschah mittels zweier sehr interessanter Methoden. Als erstes gelangte eine Adresse in seine Hände, was bedeutete, dass ein Paket mit Broschüren und Flugblättern an diese Person ging. Zweitens inspirierten die Artikel, die er regelmäßig für verschiedene Journale in ganz Indien und auch ins Ausland lieferte jeden, der mit ihnen in Kontakt kam – vom Sannyasin-Schüler, der sie kopierte, bis hin zum Drucker und Korrekteur, den Herausgeber und die Tausenden von Lesern. Nach dem Lesen der Artikel begannen sie Sadhana (spirituelle Praxis) zu praktizieren und wenn sie feststellten, dass sie davon einen Nutzen hatten, wollten sie den Autor kontaktieren. Sie schrieben und ihre Namen wurden in Swami Sivanandas Adressen-Register aufgenommen.

Im Verlauf einer Diskussion bemerkte Swami Sivananda:
„Das ist mein Adressbuch, in dem ich die Adressen all derer notiere, die irgend wie in Kontakt mit Divine Life kommen − Herausgeber von Journalen, Professoren, Schulleiter, europäische und amerikanische Sadhakas (Gottsuchender) usw. Wann immer ein neues Buch herauskommt, schicke ich Bücher an verschiedene Leute, die daraus Nutzen ziehen werden. Die letzten 25 Jahre habe ich diese Datei ständig aktualisiert. Die Adressen all dieser Sadhakas aufzuschreiben ist für mich eine höhere Form von Sadhana. Diese Art Meditation nützt nicht nur uns, sondern auch anderen. Suchende aus der ganzen Welt korrespondieren mit mir regelmäßig. Ein gelegentlich gesendetes Buch, eine Broschüre oder ein Faltblatt wirken wie ein Tonikum. Dieses Adressregister gibt Tausenden spirituelle Nahrung.“

Wenn der anfängliche Enthusiasmus abkühlte, verließ Swami Sivananda sie nicht. Sie erhielten weiterhin seine Faltblätter, Broschüren und Magazine. Das wirkte Wunder und brachte gleichzeitig ein spirituelles Erwachen über die Welt, ohne dass Swami Sivananda irgendwo hingehen musste. Viele seiner ersten Schüler wurden dadurch inspiriert, sich der Mission anzuschließen. Einzelne wurden durch Swami Sivananda ermuntert, ihren Anteil an diesem spirituellen Erwecken unter ihren Freunden und Bekannten zu leisten und eine Zweigstelle der Divine Life Society zu gründen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich viele dieser Zweigstellen unter der göttlichen Führung von Swami Sivananda zu dynamischen Einrichtungen. Sie führten Sadhana-Kurse und Konferenzen durch, hielten Zeremonien an besonderen Festtagen ab, druckten und verteilten Flugblätter und Broschüren mit Swami Sivanandas Lehren.

Die erste dieser Zweigstellen, die Quilla Gujjar Singh Branch in Lahore, ver öffentlichte im ersten Jahr seines Erscheinens das Divine Life Magazine im Ashram, bevor die Sivananda Publication League in Rishikesh alle Veröffentlichungen übernahm.

Am 29. September 1949 anlässlich der Eröffnung einer Divine Life Society Zweigstelle in Singapur, gab Swami Sivananda die folgenden Anweisungen: „Mindestens drei begabte Menschen voller Energie sollten sich darum kümmern, die Zweigstellen in Schwung zu bringen und zu vielen Aktivitäten zu bewegen. Die Zweigstellen sollten jeden Monat regelmäßige inspirierende Nachrichten geschickt bekommen. Briefe aus den Zweigstellen sollten unverzüglich beantwortet werden. Zu Eröffnungsfeiern, Jahrestagen usw. sollten die Zentren Glückwunschschreiben erhalten. Jemand sollte die Entwicklung der Zentren verfolgen und die jeweiligen Leiter unterstützen indem er sie von Zeit zu Zeit zu größerer Aktivität inspiriert.

Die Divine Life Society ist schneller gewachsen, als wir erwartet hätten. Obwohl viele tüchtige Helfer kommen, fehlen uns immer noch tatkräftige Leute. Die Mitarbeiter hier im Ashram sind überlastet.

Am wichtigsten ist es, die laufende Arbeit kontinuierlich fortzuführen und die Menschen, mit denen wir in Kontakt kommen, zu pflegen. Mein Adressbuch hilft mir dabei. Mittlerweile halte ich die Adresskartei verschlossen. Sie ist für mich am kostbarsten. Es ist der Kanal, durch den ich der Welt dienen kann. Ich habe Puroshottamanandaji gebeten, besonders auf die zwei Koffer mit Manuskripten in meinem Kutir zu achten. Selbst wenn es Hochwasser geben sollte
und alles andere in meinem Kutir zerstört wird, werde ich nicht zulassen, dass diese zwei Koffer Schaden nehmen. Man kann mich in einen Wald bringen, hundert Meilen weg von hier; aber gebt mir mein Adressbuch und diese beiden Koffer mit. Ich werde von vorne anfangen und von dort aus eine neue Institution aufbauen.

In dem Adressbuch habe ich Adressen verschiedenster Menschen – von Ministern, Maharajahs, Maths (Klöstern) und Ashrams, Lehrern, Philosophen und Wissenschaftlern. Sobald ich eine Adresse erhalte, arbeite ich damit. Die Adresse kann auf verschiedene Weise zu mir gelangen: durch die Briefe, die mir viele Menschen schicken, aus Zeitschriften, aus Büchern, die wir zur Rezension oder als Geschenke für die Bibliothek erhalten. Ich bin immer aufmerksam auf der Suche nach Adressen und wenn ich eine erhalte, trage ich sie sofort in das Register ein.

Umgehend schreibe ich einen Brief, sende ein Päckchen Broschüren und Bücher, lasse die Adresse in die Versandliste für das Divine Life Magazine eintragen, schicke ein Exemplar unserer Zeitschrift „ The Divine Life“, nehme den Namen in die Prasadliste auf usw. Früher habe ich jede Adresse regelmäßig mit Briefen versorgt. An einem Tag bekam der Empfänger gleich drei Briefe! Und in den ersten zwei Wochen gab es einen regelrechten Fluss von „Göttlichem Leben“ (Divine Life) in sein Haus. An einem Tag bekam er die Zeitschrift, am nächsten Tag einen Brief, am dritten Tag ein Päckchen mit Flugblättern, an einem anderen Tag Prasad (geopferte Nahrungsmittel), dann Bücher usw.

So habe ich weltweit Kontakt zu vielen Menschen hergestellt. Unsere Absicht dabei sollte nicht sein, sie für unsere Institution zu gewinnen, sondern wir sollten den echten Wunsch haben, ihnen zu dienen und natürlich werden auch sie der Sache dienen. Auf diese Weise wird die spirituelle Bewegung wachsen.

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Divine Life Spirit – Der Geist göttlichen Lebens

„Weder hier im Ashram noch in den Zweigstellen sollte es irgendwelches Gezeter um Position und Macht geben.“ Swami Sivananda ließ keinen Zweifel bezüglich dieses wichtigen Punktes bei der Leitung des Vereins.

In der Tat schlugen die ursprünglichen Regeln für die Zweigstellen vor, dass alle Leiter und Mitarbeiter der Zentren, obwohl sie alle selbstlose ehrenamtliche Helfer waren, die von sich aus die Zentren gründeten und die Verantwortung übernahmen, die spirituellen Namen Guru-Das (Diener des Meisters) und Haridas (Diener Gottes) annehmen sollten. Auch am Hauptsitz, also im Ashram, bestand Swami Sivananda auf den Geist selbstlosen Dienens. Sobald er herausfand, dass der Kopf eines Mitarbeiters anzuschwellen begann, bildete er stillschweigend einen anderen aus und übertrug diesem die Arbeit. Der Erstere lernte so die Lektion, dass für Swami Sivanandas Mission keiner unentbehrlich war, obgleich jeder willkommen war, seinen Teil beizutragen. Diese Methode tat dem betreffenden Aspiranten gut, indem sie ihn vor dem größten Feind göttlichen Lebens schützte, dem Egoismus, der sich zuerst als Stolz manifestiert und dann seine vielfältigen Zweige entfaltet wie Selbstsucht, Habgier, Streben nach Macht usw.

Swami Sivananda setzte ein Beispiel für den wahren Geist des Dienens. In den Jahren 1946 und 1947 sahen Besucher mit der größten Verblüffung, wie dieser Heilige Gästen und Ashrambewohnern im Speisesaal Essen servierte. Er verbeugte sich vor jedem und sagte: „Roti, Bhagavan“ („Fladenbrot, oh Erhabener“) und „Dhal, Bhagavan“ („Linsen, oh Erhabener“) und so weiter. Im Sommer nahm er einen großen Fächer und fächerte den Speisenden Kühlung zu.

Einmal musste die Divine Life Society Geld per Postanweisung als Stipendium an einen Studenten schicken. Der Ashramleiter sollte unterschreiben und es versenden. Als das Formular Swami Sivananda zur Prüfung vorgelegt wurde, unterzeichnete er als Sekretär der Gesellschaft. „Ich habe es selbst unterschrieben, lasst das Geld heute noch anweisen“, sagte er. Es machte ihm nichts aus, wenn jemand ihn als Präsident oder Leiter oder mit einem geringeren Titel bezeichnete. Der Dienst musste effizient und reibungslos, ohne Aufschub und Bürokratie erfolgen. Nicht durch Titel und Macht motivierte er zur Arbeit, sondern durch Liebe und persönliches Beispiel und indem er bei den Mitarbeitern hohen Idealismus weckte.

Swamiji sagte einmal:
„Überarbeite dich nicht. Bringe andere dazu, etwas zu tun. Du solltest lernen, andere durch Freundlichkeit, Liebe und Zuneigung zur Arbeit zu motivieren. Das ist nicht leicht. Man muss dafür seinen Egoismus reduzieren. Man muss sich auf eine niedrigere Ebene begeben und die Mitarbeiter loben, Loblieder und Hymnen auf sie singen und sie respektieren. Man muss sich anpassen, sich auf sie ausrichten und ihnen entgegenkommen. Man muss eins mit ihnen werden.“

Wenn ein Sekretär oder leitender Mitarbeiter des Ashrams ein wenig nachlässig in seiner Disziplin war, genügte Swami Sivanandas Haltung ihm gegenüber, ihn wieder aufzurichten. Er ließ ihn fühlen, dass ohne ihn die Mission zusammenbrechen würde. Swamiji nahm den Ratschlag des kleinen Mannes an und hielt sich fest daran.

Obwohl die Divine Life Society selbst so umfassend ist und ihre Ziele und Werte alle Aspekte des menschlichen Lebens beinhaltet, gründete Swami Sivananda noch weitere Einrichtungen zu besonderen Zwecken. Im Rückblick kann man sich nur über den Scharfsinn und die Weitsichtigkeit wundern, mit der er sie alle aufbaute. Es ist eindeutig, dass er die Notwendigkeit vorhersehen konnte, lange bevor sie entstand. Er sah Krisen voraus, lange bevor sie eintraten und nicht nur die Probleme, sondern auch deren Lösungen. Er zeigte sie auf und warnte die Menschheit davor.

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Der Bund der Weltreligionen

Der Bund der Weltreligionen wurde am 28. Dezember 1945 gegründet. Keiner konnte sich vorstellen, dass in dieser erleuchteten Zeit Aufruhr im Namen der Religion entstehen würde. Vor dem inneren Auge des Weisen jedoch war die Zukunft so deutlich wie die Gegenwart zu sehen und er konnte das Unheil erkennen, welches Indien kurz darauf heimsuchen würde.

Während der Eröffnungssitzung des Bundes beschrieb Swami Sivananda das ewige Fundament, auf dem er das edle Gebäude dieses Bundes errichtet hatte:

„Die Quintessenz des Glaubens stimmt in allen Religionen genau überein. Die kleinen Unterschiede, die man sehen kann, beziehen sich lediglich auf oberflächliche Unwichtigkeiten. Schenkt ihnen deshalb keine übertriebene Aufmerksamkeit, sondern versteht die Grundlagen. Dann wird es keinen Raum für Auseinandersetzungen, Missverständnisse und Streit geben. Harmonie und Brüderlichkeit werden sich durchsetzen. Die Menschheit wird eins werden, sich so fühlen und danach leben. Man kann diese süße Einheit nicht durch soziale Gemeinschaften, esoterische Bruderschaften, politische Parteien oder begeisternde weltliche Programme und Schlagworte erreichen. Sie alle berühren nur den äußeren Rand des Menschen. Berühre seinen wesentlichen Teil, seine wahre spirituelle Natur.“

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Die Welt-Sadhu-Vereinigung

Ebenso bedeutend war die Gründung der Welt-Sadhu-Vereinigung. Als Swami Sivananda auf diese ungenutzte grenzenlose Quelle der Kraft hingewiesen hatte, die fruchtbringend zum Wohl der Menschheit genutzt werden könnte, wurden auch die indische Führung und andere Nationen darauf aufmerksam. Der Hauptunterschied zwischen seiner Herangehensweise und der der Politiker war natürlich, dass er bei allem, was er tat, stets das Wohl aller Beteiligten zum Ziel hatte. Wie edel ein Argument auch sein mochte, Swami Sivananda begünstigte nie eine Gruppe zu Lasten anderer. Er hatte erkannt, dass Sadhus, also Menschen, die der Welt entsagt hatten, am besten geeignet waren, sich aktiv an nationalen Tätigkeiten zu beteiligen. Davon hatte nicht nur die Nation einen Vorteil, sondern auch sie selbst. Obwohl er immer den Dienst an Kranken und Armen als den höchsten verherrlicht hatte, betonte er, dass die Aufgabe eines Sadhus die spirituelle Erweckung sei sowie die Massen auf den Weg göttlichen Lebens zu führen. Der Sadhu soll sich im sozialen Dienst engagieren, um anderen ein Vorbild zu sein. Er sollte aber nicht seine erste Pflicht, die spirituelle Erweckung der Menschheit, vernachlässigen. Sogar sozialer Dienst sollte nur in diesem Geist geleistet werden. Das war das Ziel bei der Gründung der Sadhu-Vereinigung. Einzelheiten der Gründungsversammlung erschienen im folgenden Bericht, in der Aprilausgabe 1947 im „The Divine Life Magazine“:

„Am Mittwoch, dem 19. Februar 1947, dem höchst erfolgversprechenden Tag
von Maha Sivaratri (Shiva geweihter Feiertag), wurde die Welt-Sadhu Vereinigung durch Swami Sivananda gegründet. Die Eröffnungsversammlung war informell, weil Swami Sivananda die Idee zur Gründung dieser Organisation erst wenige Tage vor Sivaratri gekommen war und wie es für ihn typisch war, wollte er sie nicht einen einzigen Augenblick länger als nötig verschieben. Deshalb blieb keine Zeit, die Gründung anzukündigen oder viele Delegierte einzuladen. So trafen sich Swami Sivananda und einige andere am 19. Februar 1947 um 4.30 Uhr nachmittags zu diesem Zweck im Yoga Sadhana Kutir des Sivananda Ashrams. Nach dem einleitenden OM-Singen wurden die üblichen Kirtans (Mantras, Gebete) gesungen.

Swami Sivananda hielt eine kurze Rede, in der er die Notwendigkeit einer solchen Vereinigung aller religiösen Orden der Welt deutlich machte. Er zeigte auf, wieviel wirkungsvoller die Wiederbelebung wahrer Religion, spiritueller Bildung, echter erhebender Arbeit und Förderung von Einheit und Harmonie zwischen den Menschen durch solche Vollzeittätige sein könne, die ihr Leben dem Dienst an der Welt gewidmet haben. Der Durchschnittsmensch, dessen Zeit gänzlich vom Broterwerb in Anspruch genommen wird, findet kaum eine Atempause für seine eigene spirituelle Praxis. Die Massen suchen deshalb Führung und Hilfe bei Sannyasins, Mönchen und tief spirituellen Menschen, damit sie ihnen den Weg aus dem Labyrinth irdischer Existenz zu zeigen.

Bis jetzt wurden sie jedoch immer als eine isolierte Gruppe außerhalb der weltlichen Gesellschaft angesehen, als Folge ihrer Selbstisolierung zum Zweck des Sadhana und der Selbstentwicklung. Diese Isolierung hat dazu geführt, dass sie den Bezug zur restlichen Welt verloren haben. Jetzt ist die Zeit gekommen, wo sie den Kontakt mit den sich abmühenden Menschen in den Städten und auf dem Lande wiederbeleben sollten, sie lernen die Probleme und Schwierigkeiten von Familienvätern, Hausfrauen und gewöhnlichen Menschen auf der Straße kennenund verstehen und können dadurch tatsächlich effektiv spirituell-geistlich arbeiten und ihre Position als Führer und spirituelle Ratgeber der Menschheit rechtfertigen. Nur eine Koordination und Vereinigung aller Sadhu-Bruderschaften und Mönchsorden aller Länder der Welt wird sie zu einem machtvollen Faktor werden lassen, der diese Rolle übernehmen kann.“ Die Vereinigung mit Hauptsitz in Rishikesh wurde dann offiziell für gegründet erklärt. Ziel und Gegenstand ist die Vereinigung aller heiligen Menschen, Mönche, Sannyasins, Fakire und Bhikshus (Wandermönche) in der ganzen Welt sowie die weltweite Erneuerung der Spiritualität durch ihre selbstlosen Bemühungen. Sie wird alles Notwendige tun, um die obigen Ziele zu fördern und Sadhus entsprechend auf diese Aufgabe vorbereiten. Die Versammlung schloss mit dem Friedensgebet.“

Etwa ein Jahrzehnt später wurde diese Idee wieder aufgegriffen und der Bharat Sadhu Samaj (indische Sadhu-Vereinigung) gegründet. Ähnlich haben die Christen im Westen „Kreuzzüge“ begonnen, um Seelen für Gott zu gewinnen. Im Nachhinein kann man das Verständnis und die Weitsicht Swami Sivanandas nur bewundern.

Als Swami Sivananda am 9. April 1956 die erste Sitzung der Bharat Sadhu Samaj Tagung eröffnete, sagte er: „Der Bharat Sadhu Samaj wird sich für den spirituellen Aufschwung Indiens und der ganzen Welt einsetzen. Sadhus und Sannyasins sind wirkungsvolle Kräfte, unerschöpfliche Energiequellen; und das sind sie durch Entsagung, Leidenschaftslosigkeit und Meditation geworden. Wenn sie ihre Energien richtig nutzen, können sie mühelos die moralische und spirituelle Erneuerung nicht nur Indiens, sondern der ganzen Welt bewirken. Ihre Unterweisung wird die Herzen der Menschen durchdringen. Indien ist bereits ein spirituelles Land, das wird auf die westliche Welt wirken und sie wird ebenso spirituell erhoben werden. Es muss auch einige Sannyasins geben, die sich ganz der Meditation widmen.“

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Dynamische spirituelle Erweckung

Der Ashram, seine Bewohner, die Divine Life Society und die anderen Einrichtungen waren nur Werkzeuge. Die Mission bestand in der spirituellen Erweckung der Menschheit insgesamt. Es war nicht genug, wenn die Handvoll
Aspiranten, die sich im Ashram um ihn versammelt hatten, sich spirituell entwickelten. Swami Sivananda ließ sie niemals auch nur einen Augenblick vergessen, dass ihr eigenes Seelenheil im Erwecken der Menschheit lag.

Gelassen, friedlich, glücklichDurch den Dienst an der Mission war das Seelenheil der Auserwählten und Gesegneten, die dabei mitwirkten, garantiert. Sie führten Gottes Werk um Seinetwillen durch und Swami Sivananda wurde niemals müde, sie an diese großartige Tatsache zu erinnern. So schaffte er das Gute für alle gleichzeitig. Es ist schwierig sich vorzustellen, was für eine gewaltige Aufgabe das war. Selbst ein Wissenschaftler vervollkommnet zuerst seine Instrumente, bevor er sie einsetzt. Aber hier war ein Superwissenschaftler, der es wagte, äußerst empfindliche Produkte mit Maschinen und Instrumenten herzustellen, die sich selbst noch in der „Experimentierphase“ befanden. Die Belastung, die diese Methode für ihn mit sich brachte, hätte jeden anderen Menschen oder selbst einen Yogi zerbrochen.

Die „Korrespondenzabteilung“ war eines der einzigartigen Merkmale von Swami Sivanandas Mission. Kein anderer Heiliger oder Yogi hatte solch umfangreiche Post. Er wartete nicht, bis er gefragt wurde, sondern förderte die Korrespondenz aktiv, während viele in seiner Position es als Belästigung angesehen hätten und wo doch Aspiranten ihre Zweifel durch das Lesen seiner Bücher hätten klären können. Mehr noch, Swami Sivanandas Bücher erweckten niemals Zweifel oder Konflikt beim Leser, sondern sie legten den Weg klar und deutlich dar. Tausende Menschen auf der ganzen Welt betrachten sich als Schüler von Swami Sivananda und folgen seiner Lehre gemäß seinen Büchern. Sie haben dadurch gewaltigen spirituellen Fortschritt erreicht, ohne ihm jemals geschrieben zu haben.

Ebenfalls einzigartig war, dass er darauf bestand, dass Aspiranten bestimmte Vorsätze fassen und ein spirituelles Tagebuch (Muster siehe Anhang) führen sollen. Er sagte: „Fasse ein paar Vorsätze für die Praxis an Neujahr. Jeder Vorsatz kann entsprechend der individuellen Veranlagung, Vorlieben und dem Entwicklungsstadium gestrichen, verändert oder hinzugefügt werden. Ändere nicht plötzlich deine Natur oder deine Art zu leben. Man kann schnell wachsen und sich auf dem spirituellen Weg entwickeln, seine Willenskraft verstärken und die Gedanken und Sinne beherrschen, indem man sich an die Vorsätze hält. Wenn man aus Mangel an Selbstkontrolle, unbewusst oder der Umstände wegen einen seiner Vorsätze nicht eingehalten hat, sollte man einige Malas (Gebetsketten) Mantras wiederholen oder auf eine Mahlzeit verzichten, um sich an die Vorsätze zu erinnern und dem Geist die Wichtigkeit der Vorsätze einzuprägen. Das Formular mit den Vorsätzen sollte in zweifacher Ausfertigung ausgefüllt und eine davon mit der Unterschrift an den Guru geschickt werden, so dass man nicht in die Versuchung gerät, seine Anstrengungen zu lockern, einen Vorsatz zu ignorieren oder durch faule Ausreden zu brechen. Kein Schwert ist schärfer als dieses Tagebuch, um den großen Dieb, der sich in dir versteckt – deinen eigenen Geist − zu töten. Das Tagebuch ist noch besser als ein Erzieher. Durch Führen des Tagebuches kann man an Ort und Stelle seine Fehler korrigieren, mehr Sadhanaund Yoga-Praxis üben und sich rasch entwickeln. Sei ehrlich beim Führen des Tagebuches: Du führst es zu deinem eigenen Nutzen. Schluss jetzt mit den Problemen, die du die ganze Zeit aufgrund von Sinnesbefriedigung hattest. Sei ernsthaft und beginne ab sofort mit deiner spirituellen Praxis. Ein spirituelles Tagebuch ist eine Peitsche, um den Geist zu Rechtschaffenheit und zu Gott zu treiben. Wenn man regelmäßig ein Tagebuch führt, wird man Trost, Frieden des Geistes und raschen Fortschritt auf dem spirituellen Weg erfahren. Führe es täglich und erlebe die wunderbaren Ergebnisse.“ Die regelmäßigen Korrespondenten waren jene, die ein Tagebuch führten, jeden Monat eine Kopie an Swami Sivananda schickten, ihre Schwierigkeiten und Erfahrungen zum Ausdruck brachten und um Swamijis Führung baten. Dann gab es noch solche, die Swami Sivanandas Büchern folgten und die seinen Segen suchten, um Hindernisse zu überwinden. Andere wiederum unterstützten die Mission mit Spenden. Oft hatten sie einen unaufgeforderten Brief von Swami Sivananda bekommen. Das war eine interessante Arbeitsmethode von Swami Sivananda. Er nannte das „kreative Korrespondenz“. Selbst ein zufälliger Besucher des Ashrams fand einen Brief von Swami Sivananda vor, wenn er nach Hause zurückkehrte. Dies war der Anfang einer ganzen Reihe von Briefen. Leute erhielten kostenlose Bücher und Info-Blätter von Swamiji. Sie schrieben zurück und bedankten sich dafür. Normalerweise wäre der Vorgang damit abgeschlossen. Aber für Swami Sivananda hatte er erst begonnen! Der letzte Brief kam immer von ihm. Wenn Leute erfuhren, dass er ein Weiser war, den man leicht erreichen konnte und der ihnen gern aus ihren Problemen heraushalf, erzählten sie ihren Freunden davon und so wuchs die Korrespondenz-Abteilung.

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Sadhana–Wochen

Eine andere Methode, die Swami Sivananda einführte, war die Durchführung von Sadhana-Wochen. Während der Oster- und Weihnachtsfeiertage kamen im Ashram ernsthafte Gottsucher aus allen Teilen des Landes zusammen und wurden intensiv in den verschiedenen spirituellen Praktiken unterrichtet. Er stellte ein ausgefeiltes Sadhana-Programm zusammen, das vielfältige Übungen einschloss, wie Japa  (Mantra-Wiederholung), Meditation, Likhita Japa(Schreiben von Mantras), Asanas, Schweigen, selbstloser Dienst usw. Swami Sivananda selbst, andere Meister und ältere Aspiranten hielten Vorträge, um den Teilnehmern der Sadhana-Woche eine gute theoretische Grundlage zu bieten und die in der Woche erlangte Schwingung aufrechtzuerhalten. Sie kehrten sehr viel reicher aus Rishikesh zurück, als sie gekommen waren.

Die nachstehenden „Informationen für die Teilnehmer der Divine-Life- Sadhana-Woche“ wurden im „Divine Life Magazine“ für die Teilnehmer an der ersten Sadhana-Woche im Ashram in der Weihnachtswoche 1939 veröffentlicht. Sie geben eine Vorstellung von Swami Sivanandas eigenem Weg idealen Lebens und davon, wie sich Aspiranten nach seiner Erwartung in ihrem Leben selbst trainieren sollten:

1. Die Verpflegung ist den Vorlieben, Gewohnheiten, Veranlagung und Konstitution der Teilnehmer überlassen. Es gibt keine strengen Regeln. (Natürlich ging Swami Sivananda von vegetarischer Kost aus. Bis heute gibt es in Rishikesh und Umgebung auch in Restaurants nur vegetarisches Essen und keinen Alkohol. Anmerkung des Herausgebers).

2. Vorgeschrieben ist für die Sadhana-Woche: - am 26.12. – Brot, Reis, Dhal (Linsensuppe), Gemüse ohne Salz, Milch ohne Zucker - am 27.12. – nur Milch – kein Reis, Dhal oder Früchte - am 28.12. – Reis, Brot, Dhal, Gemüse, Milch ohne Zucker - am 31.12. – Süßigkeiten zum Nachtisch An allen anderen Tagen gibt es normales Essen mit Reis, Brot, Dhal und Gemüse ohne besondere Einschränkungen.

3. Um 9 Uhr morgens und abends gibt es Milch. Am 27. gibt es anstatt Mittagessen um 12 Uhr mittags Milch.

4. Die obigen Mahlzeiten werden von der Ananda Kutir-Küche bereitgestellt. Wer will und wem diese Verpflegung nicht zusagt, kann sich selbst etwas anderes organisieren.

5.Fasten ist nicht zwingend vorgeschrieben; es ist den Mitgliedern selbst überlassen.

6. Bitte informiere den Sekretär am 24. darüber, ob du am normalen Essen teilnimmst oder fastest etc. und trage Einzelheiten ins spirituelle Tagebuch ein.

7. Es ist nicht notwendig zu sprechen. Zur angegebenen Zeit kann man sich
Essen und Milch von der Küche holen.

8. Auf Tee muss ganz verzichtet werden. Wer an Tee gewöhnt ist, kann am 25. und 31. Dezember Tee trinken.

9. Die Teilnehmer sollten möglichst in Padma (Lotussitz) oder Siddha Asana („Meistersitz“, wo man auf einer Ferse sitzt und den anderen Fuß im halben Lotus hat) sitzen. Morgens werden die Pratasmarana Stotras von Sri Sankaracharya, die Siva Stotras und die Guru Stotras gemeinsam wiederholt. Alle Teilnehmer sollen diese Gebete im einheitlichen Takt melodisch rezitieren.

10. Bei der morgendlichen Praxis von Japa, Meditation, Mantra-Schreiben und
Svadhyaya (Studium der Schriften) sollten die Teilnehmer ununterbrochen in einer Asana sitzen. Wenn sie ihre Position dazwischen einmal wechseln müssen, sollten sie Körper, Hände und Beine nicht unnötig viel bewegen und dadurch andere ablenken. Häufiges Wechseln der Asana sollte nicht vorgenommen werden.

11. Bei allen gemeinsamen Veranstaltungen sollen die Teilnehmer nicht umherschauen. Die Haltung muss bewegungslos und die Gedanken konzentriert sein. Andere sollen nicht durch unnötige Geräusche, lautes Atmen, Schütteln von Armen oder Beinen, Niesen, Schluckauf oder andere Laute gestört werden. Alle Teilnehmer sollten ihr Möglichstes tun, um eine ruhige Atmosphäre im morgendlichen Satsang, während der stillen Mantra-Wiederholung und bei der Meditation aufrechtzuerhalten.

12. Geistige Mantra-Wiederholung erfolgt ohne Lippenbewegungen und ohne
Mala (Gebetskette). Das gilt grundsätzlich für alle gemeinsamen Veranstaltungen. Wenn jemand für sich allein außerhalb der offiziellen Veranstaltungen Japa macht, kann er das Mantra geistig flüsternd oder laut, mit oder ohne Mala rezitieren.

13. Wenn jemand während des Morgensatsangs schläfrig oder müde wird, kann er die stille Mantra-Wiederholung oder die Gebete etwa 10 Minuten lang im Stehen fortsetzen. Während dem Stehen oder Sitzen sich bitte geräuschlos verhalten, damit die Aufmerksamkeit der anderen nicht abgelenkt wird.

14. Beim Japa rezitiert man das Ishta-Devata- bzw. das Guru-Mantra (Mantra des Aspektes Gottes, der einem persönlich liegt und in das man eingeweiht worden ist). Es soll beibehalten und nicht gewechselt werden. Sowohl beim Likhita Japa wie bei der Mantrameditation nimmt man dasselbe Mantra.

15. Schriftliche Mantrawiederholung wird klar und deutlich mit Tinte in ein gesondertes Notizbuch geschrieben. Mantras können auf Sanskrit, in lateinischen oder in den Buchstaben der Muttersprache geschrieben werden.

16. In der Meditationshalle befindet sich ein Bild von Krishna. Morgens brennt
dort auch eine Öllampe. Bhaktas (Gottesverehrer) können Tratak mit dem Bild
üben, andere mit der Flamme der Lampe oder dem OM-Zeichen. (Tratak = Fixieren eines Gegenstandes; Meditationstechnik)

17.Ununterbrochenes Kirtan-Singen mit dem Maha Mantra findet statt. Es muss gleichmäßig gesungen werden. Die Melodie darf nicht ständig geändert werden. Es sollte keine Pause dazwischen geben. Jeder Teilnehmer leitet das Singen eine halbe Stunde lang an und die anderen wiederholen im Chor.

18. Am 31. Dezember kochen alle Teilnehmer zusammen und verteilen das
Essen an Sadhus, Meister und Arme. Am Ende gibt es Prasad. Dabei werden die Teilnehmer in der Küche ihren Teil beitragen. Entsprechend der finanziellen Möglichkeiten werden Sadhus und Mahatmas eingeladen.

19. Am 28. Dezember schreiben die Teilnehmer einen Aufsatz über die praktische Seite des Sadhanas. Am 29. Dezember versuchen sie beim Abendsatsang etwas vorzutragen. Eine Kopie der Abschlussarbeit bitte dem Leiter der Divine Life Society zur Veröffentlichung übergeben. Name und Adresse bitte deutlich auf die erste Seite schreiben.

20. Die Teilnehmer bekommen einen Vordruck eines spirituellen Tagebuches.
Dieses ist als Richtlinie gedacht. Alle Einzelheiten über Mantra-Wiederholung,
tägliche Übungspraxis, Konzentration und Meditation sollen in einem gesonderten Notizbuch festgehalten werden: Jeder Punkt auf einer Seite mit täglichen Eintragungen. Am Ende des Notizbuches schreibt man Hindernisse, Schwierigkeiten und Erfahrungen beim Sadhana auf. Nach dem Lesen des Tagebuches gibt Swami Sivananda per Post weitere Anleitungen. Das spirituellen Tagebuch und die Mantra-Notizbücher bitte vor dem 1. Januar Swami Sivananda übergeben. Um das tägliche Sadhana ohne Ablenkung oder Unannehmlichkeit durchführen zu können, bitte mitbringen:
(1) Ein Gefäß für Trinkwasser
(2) eine Sturmlaterne und eine Taschenlampe
(3) eine Uhr
(4) eine Sitzunterlage aus Hirschleder oder Kushagras
(5) die Bhagavad Gita,
(6) eine Rudraksha- oder Tulsi-Mala (Rudraksha = Samen eines Baumes,
gilt dem Shiva als heilig; Tulsi = Vishnu oder Krishna geweihter Strauch)
(7) Bettzeug mit einer Decke.

Weitere aufschlussreiche inspirierende Anweisungen finden sich in der Märzausgabe von 1947 im Magazin der Divine Life Society:

Senior-Swamis des Ashrams führen Asanas vor„Wenn du an der Sadhana-Woche teilnehmen willst, komme mit der richtigen spirituellen Einstellung. Betrachte sie nicht als Wochenendurlaub. Im Gegensatz zu Picknicks oder Ausflügen ist das eine andere, ernsthaftere Angelegenheit. Du brauchst nicht überernst oder düster zu sein, aber Urlaubslaune ist dabei fehl am Platz. Das
würde die feierliche Atmosphäre stören und dich auch nicht den maximalen spirituellen Nutzen daraus ziehen lassen. Im Beruf trägt man seine Dienstuniform. Zu besonderen Anlässen und Feiern zieht man festliche
Kleider an. Komme zur Sadhana- Woche nicht wie zu einer Hochzeit oder einer offiziellen Versammlung. Trage einfache Kleidung, die
hilft, deinen Geist auf die Spiritualität auszurichten. Zumindest in dieser einen Woche sollten Männer Dingen wie Morgentoilette, sorgfältiges Kämmen und Bürsten des Haares, Trimmen des Bartes, Auftragen von Haaröl usw. keine besondere Aufmerksamkeit widmen und Frauen sollten keine Parfüms, Make-up, Nagellack usw. verwenden. Man sollte das Bewusstsein ganz darauf ausrichten, ein Sadhaka (Gottsuchender) zu sein, der nur gekommen ist, um ernsthaftes Sadhana zu üben. Es wurde auch angekündigt, dass (1) wer sich vornimmt, in dieser Woche nicht zu rauchen, aber seinen Vorsatz bricht und (2) wer nicht pünktlich zum Unterricht kommt, eine Rupie Strafe zahlen müsste. Aspiranten, die das weiche Herz von Swami Sivananda kannten, dachten, sie könnten dies ignorieren und hofften, dass Swami Sivananda es auch ignorieren würde. Aber damit waren sie im Irrtum. Im Bericht über die Sadhana-Woche heißt es: „Am 31.12. gab Swamiji den Sadhakas nach den Morgengebeten und der Meditation wertvolle Anweisungen. Als Disziplinarmaßnahme sammelte er – wie in der Schule – Bußgelder von den Sadhakas ein, die nachlässig am Unterricht teilnahmen und die Regeln nicht einhielten. Die Bußgelder wurden nachmittags an Bedürftige verteilt. Wer kein Geld hatte, musste das rechte Ohr mit der linken Hand und das linke Ohr mit der rechten Hand berühren und sich mehrmals so tief verbeugen, dass die Ellenbogen den Boden berührten. Das war eine neue Erfahrung für viele Sadhakas, die gedacht hatten, Swami Sivananda würde wie gewöhnlich ihre Fehler unbemerkt durchgehen lassen. Die Sadhana-Wochen waren spirituelle Trainingslager. Es gab natürlich auch Vorträge zur Theorie. Sie waren aber nur als Hilfe für die spirituelle Praxis gedacht. Die Praxis war am wichtigsten. Zu Brahmamuhurta (Zeit vor der Morgendämmerung) fand die gemeinsame Meditation statt, von der niemand ausgenommen war.

Während der Sadhana-Woche bestand Swami Sivananda darauf, dass Ashrambewohner morgens herumgingen, die Besucher weckten und sie zur Meditation in die Bhajan-Halle begleiteten. Wenn ein Besucher fehlte, fragte Swami Sivananda den zuständigen Ashrammitarbeiter und nicht den Besucher selbst: Der Mitarbeiter hatte seine Pflicht vernachlässigt. Swamiji gab uns sogar ausgefeilte Anweisungen über die „Kunst des Weckens“: „Schreit nicht. Das würde einen Nervenschock auslösen. Sagt zuerst sanft OM und wartet. Wenn er nicht aufwacht, wiederholt es etwas lauter. Seid nicht ungeduldig. Wenn er reagiert, wartet noch einen Augenblick, ob er auch wirklich aufsteht. Manchmal könnte es sein, dass er nach seiner Antwort noch einmal einschläft. Halte das nicht für Zeitverschwendung. Es ist ein wunderbarer Dienst an Gott, großartiger als Meditation. Du hilfst der spirituellen Entwicklung einer verwandten Seele.“ Yogastunde für Gäste

Bei alledem war es Swami Sivanandas persönliche Anwesenheit und aktive Teilnahme, die am meisten Inspiration brachte. Er bewegte sich unter den Sadhakas, als wäre er einer von ihnen. Schriften wie die Bhagavad Gita, Upanishaden, Ramayana, Bhagavatam usw. wurden mit Hingabe studiert. Geistige Mantrawiederholung und Mantraschreiben wurden systematisch mit einer kurzen Einführung unterrichtet, gefolgt vom eigentlichen praktischen Sadhana. Swami Sivananda ermunterte zum Wetteifern, um Anreiz für größere spirituelle Anstrengungen zu schaffen. Es gab einen Asana-Wettbewerb und einen Wettbewerb im Mantra-Schreiben. Während der Gita-Jayanti- Feierlichkeiten gab es auch einen Wettbewerb im Rezitieren der Gita, gelegentlich auch einen Wettbewerb im Schreiben von Aufsätzen. Dann wurden Preise verliehen. Ein oder zwei Sadhakas bekamen den ersten und zweiten Preis. Aber Swami Sivananda konnte nicht wirklich solche Unterschiede machen, deshalb rief er auch die Namen aller anderen auf und verlieh ihnen allen den ersten Preis. Kinder erhielten nützliche Sachen wie Füllhalter, Bleistifte usw., die Älteren Swami Sivanandas Bücher mit Widmung.“ Während der Sadhana-Wochen gab es unweigerlich auch Karma-Yoga-Unterricht. Hier ein Bericht einer solchen Veranstaltung vom September 1945: „Weil Swami Sivananda sich nicht mit Anweisungen, Ratschlägen und Tipps begnügte, leitete er drei Mal in diesem Monat ein besonderes Programm in Form einer Karma-Yoga-Stunde. Nach dem Signal der Glocke gingen alle Besucher und Bewohner gemeinsam nach draußen vor den Ashram. Der erste war Swami Sivananda selbst – bereit für die Aufgabe, mit hochgebundenem Dhoti und einem Handtuch als Turban um den Kopf.

Dann folgte zur Verwunderung vorbeiziehender Pilger und der örtlichen Bevölkerung ein unvergessliches Schauspiel. Mit Schaufel und Besen begann Swami Sivananda die Straßenränder und das Gangesufer zu reinigen. Ein oder zwei Besucher aus gehobenen Kreisen zögerten einen kurzen Moment, aber der Anblick von Swami Sivananda, der mit dem rechten Arm bis zum Ellenbogen in einem Abflussrohr steckte, um den Rinnstein zu reinigen, ließ sie alles vergessen und sie begannen auch wie gewöhnliche Arbeiter zu arbeiten. Indem er mit eigenen Händen Mist und Abfall von der Straße räumte, zeigte Swamiji, dass die Kraft des persönlichen Vorbildes bei weitem das beste Überzeugungsmittel ist, um andere zu selbstlosem Dienst zu inspirieren. Während er den Korb mit tropfnassem Müll auf dem Kopf trug, blitzten seine inneren Gefühle einen Augenblick auf, als er ernst sagte: „Denkt daran, ’Sarvam khalvidam Brahma’ (Alles ist wahrlich Gott)! Es gibt nichts Schlechtes, Schmutziges oder Unreines in dieser Welt. Alles findet im Geist statt. Fühlt, dass alles Gott ist. Dann werdet ihr den Geist, die Vision und Einstellung eines wahren Karma-Yogi bekommen. Betrachtet eine Arbeit nie als niedrig oder untergeordnet. Alle Handlungen sind Verehrung des alles durchdringenden Höchsten Geistes. Solches Handeln bindet euch nicht. Es führt zur Selbstverwirklichung. Wiederholt:

Kayena vacha manasendriyairva buddhyatmana va prakriter svabhavat,
Karomi yad yat sakalam parasmai narayanayeti samarpayami.
Ich bringe alles, was ich mit meinem Körper,
meinem Geist und meiner Seele tue, Gott dar.“

Diese Karma-Yoga-Stunden verwandelten alle in völlig neue Menschen, erfüllt mit dem Geist des Dienens und einem neuen Zug von Demut.

Zusätzlich zu den Sadhana-Wochen organisierte Swami Sivananda Sommertrainingskurse, insbesondere für Lehrer und Schüler von Schulen und Colleges. Sie waren natürlich auch für andere offen. Der Lehrplan umfasste alle wichtigen Praktiken für persönliches Sadhana: wie man gemeinschaftliche Übungspraxis anleitet und systematische spirituelle Werbung zur Verbreitung des „göttlichen Lebensstils“ in einem nicht-sektiererischen Sinn.

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Geburtstage

Die Divine Life Society feierte die Geburtstage der Propheten aller Weltreligionen. Von besonderer Bedeutung für die Mitglieder, als auch für die Schüler und Anhänger war Sivananda Jayanthi (Swami Sivanandas Geburtstag). Es ist interessant, wie diese Feier ursprünglich entstand: 1936 war Swami Sivananda auf einer Vortragsreise. Einige seiner Schüler im Ashram hatten die Idee seinen Geburtstag zu feiern, aber sie wussten sein Geburtsdatum nicht. Sie hatten von Swami Sivananda selbst nur den Monat, das Jahr und die Sternenkonstellation erfahren, unter der er geboren wurde. Einer von Swamijis Schülern, Swami Satyananda aus Ceylon, war ein talentierter Astrologe. Die Schüler baten ihn, das genaue Datum festzustellen. Daraufhin erstellte er ein Horoskop. In der Zwischenzeit hatte jedoch Paramananda eine andere Idee. „Shivas Geburtstag feiern wir am Sivaratri-Tag“, sagte er. Und so wurde 1936 der Geburtstag an Sivaratri (Fest zu Ehren Shivas) gefeiert.

Swami Paramananda beschreibt diese erste Geburtstagsfeier im Ashram: „Damals waren nur sechs bis sieben Schüler im Ananda Kutir. Eines Tages war Swami Sivananda in Sitapur und leitete dort gemeinsames Kirtansingen und Unterricht über spirituelle Praxis. Ich lud einige Mahatmas aus Rishikesh zu unserem Abendsatsang ein. Wir nannten es Swami Sivanandas Geburtstag, aber ich hatte keine Ahnung, wann er wirklich Geburtstag hatte. Es war eine Gelegenheit für uns, die Meister aus Rishikesh und dem Swarg Ashram über das Leben und die Mission von Swami Sivananda sprechen zu hören. Die Reaktion von Schülern und Aspiranten war sehr gut. Es brachte Swami Sivananda den Herzen der Schüler näher und vertiefte ihre Hingabe.

Gemäß dem Horoskop von Swami Satyananda, stellte sich heraus, dass der 8. September der Geburtstag und der 8. September 1937 das goldene Jubiläum, der 50ste Geburtstag von Swami Sivananda war. Die Leitung des Ashrams beschloss, dieses Ereignis zu feiern. Schüler, die außerhalb des Ashrams lebten, begrüßten diese Idee. Viele Schüler aus ganz Indien kamen, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Für sie war es einmal mehr eine goldene Gelegenheit Swami Sivananda zu sehen und zu hören. Diejenigen, die nicht teilnehmen konnten, baten um Swami Sivanandas Segen für die entsprechenden Feiern an ihren jeweiligen Orten. Alle führten dasselbe Programm wie im Ashram durch: gemeinsame Meditation am frühen Morgen, Prozession mit Mantrasingen durch die Straßen bei Sonnenaufgang, Sadhus und Bedürftige speisen, Drucken und Verteilen von Flugblättern mit Swami Sivanandas Botschaft und Anleitungen zur spirituellen Praxis. Den Abschluss bildete ein Satsang oder ein öffentliches Treffen mit Ansprachen von Gelehrten, Yogis und Heiligen. Der Satsang schloss mit einem gemeinsamen Gebet für das Wohlergehen der ganzen Menschheit. So wurde die Geburtstagsfeier zu einer weiteren von Gott geschickten Gelegenheit, die Lehre göttlichen Lebens zu verbreiten. Seitdem wurde Swami Sivanandas Geburtstag mit immer größerer Begeisterung im Ashram und in der ganzen Welt gefeiert. Besonders nach Swami Sivanandas Indien-Reise im Jahre 1950 nahmen diese Feiern Ausmaße eines großen religiösen Festes an. In den großen indischen Städten organisieren die dynamischen Zentren der Divine Life Society Geburtstagsfeiern in großem Umfang, die in keinerlei Weise hinter der Feier im Ashram selbst zurückstehen. Sie kompensieren die physische Abwesenheit von Swami Sivananda, indem sie seine spirituelle Anwesenheit durch intensive Hingabe und Gedanken an ihn sowie durch Vorträge über sein Leben und seine Mission von Gelehrten und Heiligen, die ihn und seine Lehren sehr gut kannten, präsent machen.“ Immer, wenn er eine Aufgabe in Angriff nahm, die den Menschen Gutes bringen sollte, war Swami Sivananda so aktiv, dass er Tag und Nacht darüber nachdachte und auch andere dazu brachte, sich intensiv damit zu beschäftigen. Bessere und effektivere Weisen fielen ihm ständig von selbst ein. Eine ganze Weile herrschte in diesem bestimmten Bereich des Ashrams dann eine erwartungsvolle festliche Stimmung voller Geschäftigkeit, bis das, was er wollte, perfekt, systematisch und kompetent erledigt war. Seine Schüler hatten diesen Geist schon in sich aufgesogen und zeigten ihn zum Beispiel bei der Feier seines Geburtstages. Ein Artikel vom Januar 1949 im Divine-Life-Magazine berichtet den Rest der Geschichte: „Geburtstagsfeier: Auf der ganzen Welt feiern Anhänger von Swami Sivananda jedes Jahr am 8. September seinen Geburtstag. Einige der ersten Schüler Swamijis haben inständig gebetet, dass eine Gedächtnisfeier häufiger stattfinden möge, mindestens einmal im Monat, so dass sie das Fest der Geburt von Siva-anandam (Glücksverheißung und Wonne) ständig im Herzen tragen können. Wir freuen uns, berichten zu können, dass dies nun Wirklichkeit geworden ist: seit dem 8. Oktober finden jeweils am 8. jedes Monats besondere Anlässe mit Kirtan, Gebeten und spiritueller Praxis im Ashram statt.“ Wenn das bedeutete, dass jemand eine Mala mehr Mantras wiederholte als gewöhnlich, etwas länger meditierte oder einen zusätzlichen selbstlosen Dienst leistete, würde Swami Sivananda jeden Tag zum Feiern seines Geburtstages oder den von jemand anderem ermuntern.

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Seine Stimme wurde unsterblich

Im Oktober 1940 fuhr Swami Sivananda nach Kalkutta, um eine Schallplatte mit seiner Stimme aufzunehmen. Swami Kaivalyananda (ein Sannyasin-Schüler von Swamiji, der in Kalkutta die Publication League für die Veröffentlichung verschiedener Werke von Swami Sivananda organisiert hatte) hatte sich sehr engagiert und die Hindustan Musical Products dafür gewonnen, die inspirierenden Reden und Kirtans von Swami Sivananda auf Schallplatten aufzunehmen. Swami Sivananda nutzte diesen Besuch in der größten Stadt Indiens, sie spirituell wachzurütteln. Er sprach auf vielen Veranstaltungen und kehrte am 13. November 1940 in den Ashram zurück.

Vor dem Dehra Dun Hospital13 Aufnahmen waren gemacht worden. Swami Sivananda liebte die Vorstellung sehr, dass seine Botschaft und der Name Gottes auf diese Weise verbreitet würden. Später schrieb er dazu im Divine Life Magazine: „Höre dir die Kirtans an, bevor du schlafen gehst und auch früh am Morgen. Du wirst höchsten Frieden und Wonne genießen. Es ist sowohl Studium der Schriften wie auch Meditation. Du wirst keine schlechten Träume haben. Dein Geist wird rein. Du entwickelst einen ausgeglichenen Geist, innere spirituelle Kraft und einen starken Willen. Der innere Drang nach einem spirituellen Leben wird entstehen. Das ist wie ständiger Satsang für dich, mitten in der geschäftigen Welt voller Lärm, Streit und Unruhe. Lebe im Geist dieser Lehren und erlange Moksha (Befreiung) noch in diesem Leben.“ 1944 ließ Swami Sivananda in Bombay zehn weitere Schallplatten aufnehmen. Seine große Indienreise eröffnete noch einen anderen Weg, seine Stimme unsterblich zu machen: Tonbandaufnahmen. Das erste Mal wurden seine Reden im Oktober 1950 in Dharmapuram aufgenommen. Seine Rede wurde aufgezeichnet und zu Swamijis Überraschung schon am nächsten Tag übertragen. Noch einmal während der gleichen Reise wurde in Bombay sein Vortrag über die Bhagavad Gita auf Band aufgezeichnet. Paramanandaji und Saradanandaji waren entzückt: Es war so aufregend, Swami Sivanandas Stimme einfangen zu können während er sprach und sie danach gleich wieder anhören zu können! Gleich nach Swami Sivanandas Rückkehr in den Ashram im November 1950 fuhren die beiden nach Bombay und kauften ein Tonbandgerät für den Ashram. Swami Sivananda war so begeistert von dieser Neuheit, dass er sich persönlich damit beschäftigte, es bestens zu nutzen. Als das Gerät kam, erholte er sich gerade im Krankenhaus von Dehra Dun. Aber nichts konnte ihn davon abhalten, Stunden am Stück damit zu verbringen, Saranandaji alle seine Ansprachen und Lieder aufzeichnen zu lassen. Die Ärzte, die diesen außergewöhnlichen „Patienten“ betreuten, waren verblüfft über die Energie, die Swami Sivananda willentlich mobilisieren konnte.

Hier eine der Reden, die er damals aufzeichnete:
„Oh Mensch! Sei nicht entmutigt, wenn sich Kummer, Schwierigkeiten und schwere Prüfungen im täglichen Lebenskampf offenbaren. Du bist Herr deines Schicksals. Du bist göttlich. Lebe danach, fühle es, verwirkliche es. Gewinne spirituelle Stärke und Mut von innen. Lerne, die Quelle anzuzapfen. Tauche tief in dich hinein. Lass dich hineinsinken. Stürze dich in die heiligen Fluten der
Unsterblichkeit. Du wirst erfrischt, erneuert und belebt werden. Verstehe die Gesetze des Universums. Bewege dich feinfühlig in dieser Welt. Lerne die Geheimnisse der Natur kennen. Lerne, wie du deine Gedanken beherrschen kannst. Erobere den Geist. Die Gedanken zu bezwingen, ist wahres Bezwingen der Natur und der Welt. Murre und grolle nicht, wenn Probleme und Kummer dich treffen. Schwierigkeiten stärken deinen Willen, vergrößern dein Durchhaltevermögen und richten deinen Geist auf Gott. Begegne ihnen mit einem Lächeln. In deiner Schwäche liegt deine wahre Stärke. Überwinde die Schwierigkeiten eine nach der anderen. Das ist der Beginn eines neuen spirituellen Lebens, eines Lebens der Ausdehnung, der Herrlichkeit und des göttlichen Glanzes. Dehne dich aus, wachse. Baue positive Tugenden auf wie Stärke, Geduld und Mut. Beginne ein neues Leben. Nimm einen neuen Standpunkt ein. Bewaffne dich mit Unterscheidungskraft, Heiterkeit, Einsicht, Eifer und unerschrockenem Geist. Eine strahlende Zukunft erwartet dich. Lasse die Vergangenheit ruhen. Du kannst Wunder vollbringen. Gib die Hoffnung nicht auf. Du kannst die Auswirkungen negativer Einflüsse und antagonistischer Kräfte, die vielleicht auf dich einwirken, neutralisieren.Du kannst dein Schicksal ändern und aufheben – viele haben das schon erreicht. Behaupte, erkenne, verwirkliche: Du bist das unsterbliche Selbst, der Atman. Fordere dein Geburtsrecht jetzt ein. Du hast dein Schicksal durch Gedanken und Taten geschaffen. Du kannst es durch rechtes Denken und Handeln auflösen. Falsches Denken ist die Wurzel allen menschlichen Leidens. „Ich bin das unsterbliche Selbst“ ist richtiges Denken. Handle in der Überzeugung der Einheit, selbstlos, mit Atma-Bhava, im Gefühl, dass das höhere Selbst alles ist. Das ist richtiges Handeln. So etwas wie Sünde gibt es nicht. Sünde ist ein Irrtum, eine Schöpfung des Geistes. Die junge Seele muss im November 1950 ein paar Fehler begehen. Fehler sind deine besten Lehrer. Denke, „Ich bin das reine Selbst“ und die Vorstellung von Sünde wird sich in Luft auflösen.“

Swami Sivananda-Radha aus Kanada schenkte Swami Sivananda später ein Tonbandgerät und nahm Bänder mit Liedern und Ansprachen von Swami Sivananda mit nach Kanada. Viele andere folgten ihrem Beispiel.

Der Inhaber eines deutschen Verlags nahm eine inspirierende Rede von Swami Sivananda über Meditation auf Tonband auf und brachte sie als Langspielplatte heraus.

1959 stellten Swami Sivananda-Hridayananda und Swami Shantananda Dialoge aus Liedern und Schriften von Swamiji zusammen und zeichneten sie auf. Diese „Einakter“, in denen Swami Sivananda die Hauptrolle übernahm, waren: (1) Ziel des Lebens; (2) Ein Morgen mit Sivananda; (3) Praxis des Bhakti–Yoga; (4) Vedanta für den modernen Menschen; (5) Sivananda - Liebling der Kinder, (6) Bhagavad Gita; (7) Siva Gita (eine Autobiographie); (8) Ananda Gita (in Form von Fragen und Antworten); (9) Sangita Ramayana und (10) Essenz der Bhagavatam (Lieder).

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