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Autobiographie von Swami Sivananda

 

   Kapitel 1 -  Ich bin geboren

 

Die gesegnete Vorgeschichte - Shri Dikshitar

Auf dieser gesegneten Erde, von der allein aus man nach Befreiung streben und sie erreichen kann, in die sogar Devas (Götterwesen) hineingeboren werden wollen und müssen, um endgültige Seligkeit zu erlangen, erscheinen von Zeit zu Zeit einige wenige Mahatmas (große Seelen), deren einzige Bestimmung im Leben es ist, rundherum Liebe, Licht, Freude und Barmherzigkeit auszustrahlen, den Armen und Hilflosen zu dienen, den Hoffnungslosen und Niedergeschlagenen Trost zu spenden, die Unwissenden aufzuklären, spirituelles Wissen unter den Menschen zu verbreiten und der leidenden Menschheit ungetrübtes Glück zu bringen. Das sind die Heiligen und Weisen, Arhats (vollkommene Seelen) und Buddhas, Fakire und Bhagavatas, die die Erde zu verschiedenen Zeiten an verschiedensten Orten geziert haben. In der Bhagavad Gita heißt es:

"Nachdem er die Welt der Rechtschaffenen erlangt und sich dort eine Ewigkeit lang aufgehalten hat, wird der, der vom Yoga abgekommen ist, in einem reinen und gesegneten Haus wiedergeboren. Oder er wird sogar in einer Familie weiser Yogis geboren; aber eine solche Geburt ist in dieser Welt sehr schwer zu erreichen." (Kap. VI, 41-42)

Shri Appaya Dikshitar war ein solcher Mensch. Er wurde in Adaipalam bei Arni im Bezirk Nord-Arcot geboren. Ich hatte das Vorrecht, der Familie eines so bedeutenden Heiligen anzugehören.
 
 
Ein Riese unter Genies

Shri Appaya Dikshitar, einer der größten Namen in der Geschichte Südindiens, ist der angesehene Verfasser von mehr als 104 Sanskrit-Werken über verschiedene Wissensgebiete. Seine Werke über Vedanta zeugen von seinem hohen intellektuellen Niveau. Alle Vedanta-Schulen haben sich von seinen einzigartigen, unvergleichlichen Werken anregen lassen. Von seinen philosophischen Arbeiten ist "Chaturmatasarasangraha" zu Recht berühmt für seine Gleichbehandlung der Lehrsätze der vier großen Schulen, Dvaita, Vishisht-advaita, Shiva-advaita und Advaita, denen seine Begriffe "Nyayamuktavali", "Nyamayukhamalika", "Nyayamanimala" und "Nyayamanjari" (die zusammen das Chaturmatasarasangraha bilden) entsprechen.

Auf fast allen Gebieten der Sanskritliteratur, Dichtung, Rhetorik und Philosophie war er unerreicht, nicht nur unter seinen Zeitgenossen, sondern auch unter Gelehrten mehrerer Jahrzehnte vor und nach ihm. "Kuvalayananda" gilt allgemein als eines der besten Werke über Rhetorik. Seine Gedichte zur Lobpreisung Shivas sind bei Shiva-Anhängern sehr beliebt. Unter dem Titel "Parimala" hat er auch einen gelehrten Kommentar über den Vedanta verfaßt; er ist ein einzigartiges Denkmal philosophischer Gelehrsamkeit.

Shri Appaya Dikshitar besaß einen scharfen Verstand. Er wurde bereits zu Lebzeiten verehrt und genießt auch heute noch große Achtung. Einmal besuchte er ein Dorf, den Geburtsort seiner Frau. Die Dorfbewohner, die stolz darauf waren, ihn einen der Ihrigen nennen zu können, bereiteten ihm einen großartigen Empfang. Es herrschte große Aufregung: "Der große Dikshitar kommt zu uns."

Der berühmte Gast wurde von einer großen Menschenmenge begrüßt, die zusammengeströmt war, um einen Blick auf den "Löwen des Vedanta" zu erhaschen. Eine neugierige alte Dame kam, auf ihren Stock gestützt, um das "Phänomen" zu sehen. Mit Rücksicht auf ihr Alter ließ die Menge sie nach vorne durch. Sie starrte Shri Appaya eine Weile lang an. Schwache Erinnerungen an ein bekanntes Gesicht gingen ihr durch den Kopf. Sie grübelte: "Ich muß dieses Gesicht schon einmal irgendwo gesehen haben" und rief plötzlich: "Warten Sie, oh ja, sind Sie nicht der Ehemann von Achcha?" Der große Gelehrte bestätigte ihre Vermutung mit einem Lächeln. Die Dame ging enttäuscht nach Hause zurück und bemerkte: "Was für ein Aufhebens sie machen - dabei ist es nur der Mann von Achcha!" Sri Appaya verewigte diesen Vorfall in einem halben Vers und drückte darin eine Welt von Weisheit aus: "Asmin Grame Achcha Prasiddha" - "In diesem Dorf gebühren Ruf und Vorrang Achcha.

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Eine bedeutende spirituelle Persönlichkeit

Shri Appaya gilt bei vielen als Avatar (Inkarnation) von Shiva. Als er zum Tempel von Tirupati in Südindien kam, verweigerten die Vaishnavas (Anhänger Vishnus) ihm als einem Shaiva (Shiva-Verehrer) den Zutritt. Aber siehe da! Am nächsten Morgen hatte sich die Vishnu Murti (Bild, Statue) in einen Shiva verwandelt! Der Tempelvorsteher war verblüfft, bat Dikshitar um Verzeihung und flehte ihn an, die Murti wieder in Vishnu zurückzuverwandeln, was der große Heilige selbstverständlich tat.

Shri Dikshitar lebte Mitte des 16. Jahrhunderts. Auf dem Gebiet der Dichtung machte er dem Gelehrten Jagannatha Konkurrenz. Er vertrat keine von der Vedanta-Lehre Shankaras abweichenden Ansichten, trug aber hitzige Auseinandersetzungen mit Vallabha-(Name eines Vaishnava-Heiligen, der die Shuddhadvaita-Philosophie begründete) Anhängern in Jaipur und anderswo aus. Sein Werk "Siddhantalesha" ist die vortrefflichste Übersicht über die lehrmäßigen Meinungsverschiedenheiten unter den Nachfolgern Shankaras. Er war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten und Gelehrten, die Indien je hervorgebracht hat. Es gibt zwar keine eingehende Überlieferung seiner Lebensgeschichte, aber seine Werke zeugen ausreichend von seiner Größe.
 
 
Mein Geburtsort

Pattamadai ist ein reizender Ort inmitten grüner Reisfelder und Mangohaine, zehn Meilen von Tinnevelly in Tamil Nadu gelegen. Der Kanadiankal, ein schöner Arm des Tambraparni, umfließt Pattamadai wie eine Girlande, ähnlich wie der Sarayu oder Kaveri Ayodhya oder Srirangam einrahmt. Der Tambraparni wird auch Dakshina Ganga (Ganges des Südens) genannt. Er fließt durch felsiges, kupferhaltiges Gestein, nach dem er seinen Namen erhielt (Tambra bedeutet Kupfer). Sein Wasser ist frisch und gesund. Pattamadai ist bekannt für die Herstellung sehr schöner Strohmatten. Die seidenähnliche Matte, die in der Sivananda-Sammlung ausgestellt ist, wird allgemein sehr bewundert.

Mein Vater, Shri P.S. Vengu Iyer von Pattamadai war ein Nachkomme von Shri Appaya Dikshitar. Er war der Schatzmeister des Ettiapuram-Fürstentums, eine tugendhafte, reine Seele, ein Shiva-Anhänger und ein Jnani (Weiser). Der Herrscher von Ettiapuram und die Öffentlichkeit allgemein verehrten ihn. Die Leute pflegten zu sagen: "Vengu Iyer ist ein Mahan, ein Maha Purusha (große Seele, Meister)." Richter Subramania Iyer war einer seiner Schulkameraden und brachte ihm höchste Achtung entgegen. Mein Vater vergoß Freudentränen -Ananda-bhashpam- , wann immer er "Shivoham, Shivoham" (ich bin Shiva) aussprach. Sein Großvater, Pannai Subbier, war ein bedeutender Grundbesitzer von Pattamadai.

In Pattamadai gibt es eine ausgezeichnete höhere Schule, die der gelehrte, inzwischen verstorbene Ramashesha Iyer gegründet und geleitet hatte. Alle Einheimischen von Pattamadai haben ein gutes Gehör für Musik und können gut singen. Pattamadai hat viele hervorragende Musiker hervorgebracht. Ich wurde als dritter Sohn von Srimati Parvati Ammal und P.S. Vengu Iyer am Donnerstag, dem 8. September 1887 bei Sonnenaufgang, im Aszendenten des Sterns Bharani, geboren. Mein ältester Bruder, Shri P.V. Viraraghava Iyer, war der persönliche Assistent des Radschahs von Ettiapuram. Mein anderer Bruder, Shri P.V. Sivarama Iyer, war Inspektor bei der Post. Mein Onkel Appaya Sivam war ein bedeutender Sanskritgelehrter. Die Leute im Bezirk Tinnevelly verehrten ihn sehr. Er hat viele philosophische Bücher auf Sanskrit geschrieben. Meine Eltern gaben mir den Namen Kuppuswamy.

In meiner Jugend besorgte ich immer Blumen und Baelblätter, flocht schöne Kränze und half meinen Eltern bei der Shiva Puja (Verehrungsritual).

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Entwicklungsphase

Als Schoßkind in einer Familie von Heiligen und Philosophen genoß ich eine sehr gute Erziehung. Die Leute und der Radschah (Herrscher) von Ettiapuram bewunderten meine Kondition, meinen gesunden, starken Körper sowie meine angenehmen Umgangsformen und positiven Eigenschaften. Ich war von Natur aus kühn, mutig, sorglos und liebenswürdig. Besonders in den Dörfern gab es früher gar keinen Raum für Entstehung schlechter Gewohnheiten. Umgebung und Atmosphäre waren höchst förderlich für Erziehung und Kultur. Als Junge war ich außergewöhnlich lebhaft und umtriebig.

Noch heute erinnere ich mich genau daran, wie ich auserwählt wurde, die Begrüßungsansprache vorzulesen, als Lord Ampthill, der damalige Gouverneur von Madras, 1901 zur Jagd in die Kurumalai-Berge kam. Ich sang auch ein schönes englisches Willkommenslied auf dem Bahnsteig von Kumarapuram bei Koilpatti. Bei der jährlichen Preisverteilung in der Schule erhielt ich gewöhnlich viele Bücher als Geschenke. Einmal bekam ich sogar eine wertvolle Gesamtausgabe von Shakespeares Werken und Macaulays Reden und Schriften. 1903 legte ich die Abschlußprüfung an der höheren Schule von Ettiapuram ab. Dann trat ich in das "S.P.G. College" in Trichinopoly ein, das von dem Geistlichen und späteren Bischof H. Packenham Walsh geleitet wurde.

Am College interessierte ich mich für Theateraufführungen. 1905 spielten wir den "Mittsommernachtstraum" von Shakespeare, bei dem ich die Rolle der Helena übernahm. Die Madurai- Tamil-Sangam-Prüfung bestand ich ehrenvoll. Ich wählte den medizinischen Zweig und gab drei Jahre lang eine medizinische Zeitschrift mit dem Namen "Ambrosia" heraus. Ich war ausgesprochen ehrgeizig und begeisterungsfähig.

In der Schule war ich ein ungeheuer fleißiger Junge. Während meiner Studienzeit am Medizinischen Institut in Tanjore fuhr ich in den Ferien nie nach Hause. Ich verbrachte die ganze Zeit im Krankenhaus. Ich hatte freien Zutritt zum Operationssaal. Ich war einmal hier, einmal dort und erwarb so chirurgische Kenntnisse, wie sie normalerweise nur Studenten höherer Semester besaßen. Ein alter Assistenzchirurg mußte sich einer Prüfung unterziehen; er gab mir seine Lehrbücher, um sie ihm vorzulesen. Dadurch konnte ich mich an theoretischem Wissen mit älteren Studenten messen. Ich war in allen Fächern der Beste.

Ich hatte von einem sehr engagierten Assistenten am Mannargudi-Krankenhaus gehört. Ich wollte werden wie er. In aller Bescheidenheit darf ich erwähnen, daß ich ein größeres Wissen besaß als viele Ärzte mit angesehenen Titeln. Meine Mutter und meine Brüder wollten mich dazu überreden, in ein anderes Fach zu wechseln, aber ich hielt unerschütterlich an meinem Entschluß fest, denn ich hatte eine große Vorliebe für die Medizin. Meine ganze Freizeit verbrachte ich mit dem Studium aller möglichen medizinischen Bücher.

Im ersten Studienjahr an der Medical School konnte ich bereits Prüfungsfragen beantworten, die andere nicht einmal im letzten Jahr wußten. Ich übertraf die Klasse in allen Fächern. Im ersten Jahr studierte ich Oslers Heilkunde bei Dr. Tirumudi Swami. Das bedeutete ein außergewöhnliches Vorrecht für mich. Lieutenant-Colonel Hazel Wright mochte mich gern. Dr. Jnanam lobte mich als Zierde der Institution. Sogar in den Ferien arbeitete ich im Krankenhaus und lernte viel Neues dabei.

Ich kam auf die Idee, eine medizinische Zeitschrift ins Leben zu rufen und arbeitete sofort die Einzelheiten aus. Meine Mutter gab mir hundert Rupien für die Anlaufkosten. Ich bat ayurvedische Ärzte um Beiträge über Ayurveda. Ich selbst schrieb Artikel zu verschiedenen Themen und veröffentlichte sie in der neuen Zeitschrift, die ich "Ambrosia" nannte, unter mehreren Pseudonymen.

Nach ihrem ersten Erscheinen im Jahr 1909 gewann die Zeitschrift rasch an Beliebtheit. Berühmte Leute begannen, Beiträge dafür zu schreiben. Einmal wollte meine Mutter ein Fest feiern und brauchte ungefähr 150 Rupien, um die Ausgaben zu decken. Ich konnte ihr sofort mit diesem Betrag aushelfen.

"Ambrosia" wurde vier Jahre lang erfolgreich verlegt, bis ich nach Malaysia aufbrach. Sie hatte Halbquartformat, 32 Seiten pro Ausgabe und eine gefällige Aufmachung. Ihre Themen waren interessant und für praktizierende Ärzte sehr nützlich. In den Seiten von "Ambrosia" war ein deutlicher spiritueller Hauch zu spüren. Im Unterschied zu anderen medizinischen Zeitschriften wurzelte sie in den Lehren der alten Weisen. Spiritualität lag schon in meiner Jugend in meiner Natur.

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Prüfungen im Leben

Die Zeitschrift allein befriedigte mich nicht. Ich wollte eine Stelle annehmen, zu meinem eigenen Lebensunterhalt und um der Zeitschrift finanziellen Rückhalt zu verschaffen. Daher verließ ich Trichinopoly und trat in Madras in Dr. Hallers Apotheke ein. Hier mußte ich die Bücher führen, Arzneien zubereiten und ausgeben und Patienten versorgen. Ich mußte harte Arbeit leisten. Ich erledigte alles und fand trotzdem noch Zeit für die Redaktion und Auflage von "Ambrosia". Ich brachte alte Ausgaben aus Trichinopoly mit und verteilte sie an hohe Beamte und einflußreiche Leute, um ihre Unterstützung zu gewinnen. Ich beschloß, woanders eine bessere Stelle zu suchen. Schließlich entschied ich mich, mein Glück in Malaya (dem heutigen Malaysia) zu versuchen und schrieb an Dr. Iyengar, einen Freund, der vorher in der Nähe von Dr. Haller praktiziert und sich später in Singapur niedergelassen hatte, daß ich plante, nach Malaysia zu kommen und verließ Madras mit dem Dampfschiff "Tara".

Ich war nicht an so lange Reisen gewöhnt. Ich hatte keine Ahnung, welche Nahrungsmittel ich mitnehmen, was für Vorbereitungen ich für meine Laufbahn in Malaysia treffen sollte und wieviel Geld ich brauchen würde. Ich packte meine Sachen und nahm auch ein großes Paket Süßigkeiten mit, die meine Mutter liebevoll für mich vorbereitet hatte. Ich gehörte einer strenggläubigen Familie an und hatte Bedenken wegen des nichtvegetarischen Essens an Bord. Als ich jung war, hatte ich eine große Vorliebe für Süßspeisen. Während der Reise schaffte ich es, mich davon zu ernähren und trank viel Wasser dazu. Da ich an eine solche Kost nicht gewöhnt war, kam ich halbtot in Singapur an!

Es war ein kühnes, verwegenes Abenteuer, sich in die hohe See der Ungewißheit zu stürzen. Ich hatte kein Geld, auf das ich im Falle eines Sinneswandels oder Scheiterns meiner Erwartungen hätte zurückgreifen können. Aber ich war voll riesiger Hoffnungen und sprang ins kalte Wasser, um mein Schicksal herauszufordern. Willensstärke und eiserne Entschlossenheit trugen viel dazu bei, mein Leben und meine spirituelle Entwicklung zu formen. Keine vielversprechende Stellung wartete auf mich in den fernen Sümpfen von Malaysia; ich war völlig unbekannt und besaß weder Freunde noch eine finanzielle Absicherung. Ich mußte ganz von vorne anfangen und zu Beginn gegen enttäuschende Rückschläge ankämpfen. Aber später entwickelte sich alles zu meinem Vorteil und meine Stellung festigte sich.

Gleich nach der Ankunft ging ich zu Dr. Iyengar. Er gab mir ein Empfehlungsschreiben an einen seiner Bekannten, Dr. Harold Parsons, einen praktischen Arzt in Seremban, der Hauptstadt von Negri Sembilan. Als ich in Seremban ankam, stellte sich heraus, daß Dr. Parsons gerade nicht da war. Inzwischen war das wenige Geld, das ich gehabt hatte, aufgebraucht. Ich war höchst zuversichtlich, eine Stelle zu bekommen. Dr. Parsons selbst brauchte keinen Assistenten. Aber ich konnte ihn so beeindrucken, daß er mich bei A.G. Robins einführte, dem Direktor einer nahegelegenen Gummiplantage mit einem eigenen Krankenhaus.

Zu meinem Glück brauchte Herr Robins gerade einen Assistenten für das Krankenhaus der Plantage. Er war ein schrecklicher Mensch mit einem heftigen Temperament, ein Riese von einem Mann, groß und kräftig. Er fragte mich: "Können Sie ein Krankenhaus ganz allein leiten?" Ich antwortete: "Ja, sogar drei." Er stellte mich sofort ein. Ein dort lebender Inder hatte mir gesagt, ich solle - in Übereinstimmung mit ihrer Politik - die Stelle nicht unter 100 Dollar im Monat annehmen. Herr Robins stimmte einem Anfangsgehalt von 150 Dollar zu.

Der für das Krankenhaus verantwortliche Arzt war gerade weggegangen und man erzählte mir, er sei nicht besonders fachkundig gewesen. Ich erwarb mir schnell einen guten Überblick über die Krankenhausausstattung und den Vorrat an Arzneimitteln. Die Arbeit nahm mich ganz in Anspruch. Auch hier wartete harte Arbeit auf mich. Ich mußte Arzneien herstellen und ausgeben, Bücher führen und persönlich Patienten betreuen, wie schon bei Dr. Haller in Madras. Ungewohnte Belastungen begannen, sich auf mich auszuwirken und nach einer Weile war mir danach, die Stellung aufzugeben, aber Herr Robins ließ mich nicht gehen.

Als ich später im Johore Medical Office arbeitete, nutzten meine Assistenten meine Güte und Nachsicht über Gebühr aus und erfüllten ihre Pflichten nur sehr nachlässig. Ich mußte ihre ganze Arbeit ebenfalls erledigen. Dabei konnte ich mich nicht einmal über zuviel Arbeit beklagen, aus Furcht, daß mein Arbeitgeber dann streng mit ihnen ins Gericht gehen würde. Das Problem der Überlastung dauerte während der ganzen Zeit in Malaysia an; trotzdem machte ich weiter.

Ich war fast sieben Jahre im Gutskrankenhaus bei Seremban tätig, danach wechselte ich nach der Rückkehr von Dr. Parsons aus dem Kriegsdienst auf sein Betreiben ans Johore Medical Office. In Johore arbeitete ich drei Jahre lang, bevor ich mich von allen weltlichen Betätigungen zurückzog.

In Malaysia kam ich mit vielen armen einheimischen und vertraglich verpflichteten ausländischen Arbeitern sowie mit den örtlichen Bewohnern unmittelbar in Berührung. Ich lernte malayisch und sprach mit den Einheimischen in ihrer Muttersprache.

Ich half den Plantagenarbeitern sehr gut und war bei allen beliebt. Ich gewann gleichermaßen die Wertschätzung meines Arbeitgebers und der Beschäftigten. Ich diente immer gern. War ich diesen Moment gerade im Krankenhaus, so war ich im nächsten Augenblick bei einem armen Kranken zu Hause, um ihm und seiner Familie zu helfen. Dr. Parsons war Aufsichtsarzt des Gutskrankenhauses und schätzte mich sehr. Ich unterstützte ihn auch bei seiner privaten Arbeit. Ab und zu verwendete ich mein Einkommen, um Freunden und Patienten zu helfen. Ich ging sogar soweit, einige meiner eigenen Wertsachen zu verpfänden.

Sowohl für die Unternehmensleitung wie für die Arbeiter war ich ein Vertrauter. Wenn die Straßenkehrer streikten, kam der Plantagendirektor gewöhnlich nur zu mir. Ich ging dann von einer Partei zur anderen, um zu vermitteln. Über meine eigene Arbeit hinaus besuchte ich andere Krankenhäuser und erwarb besonders bakteriologische und andere Fachkenntnisse.

Es gab damals nicht ein einziges verfügbares englisches Buch über Medizin, das ich nicht gelesen und verarbeitet hätte. Darüber hinaus half ich auch noch meinen Assistenten und unterrichtete sie täglich eine Weile, um sie dann mit einem Empfehlungsschreiben an andere Krankenhäuser zu schicken, wobei ich ihre Fahrtkosten und einen Betrag für Notfälle aus eigener Tasche bezahlte. Bald war ich in Seremban und Johore Bahru bekannt. Der Bankdirektor verpflichtete mich zu Dank, indem er meine Schecks jederzeit, sogar an Feiertagen, einlöste. Aufgrund meiner menschenfreundlichen Art und Hilfsbereitschaft wurde ich jedermanns Freund. Ich wurde rasch befördert; mein Gehalt und mein Lebensstil wuchsen gleichermaßen. Das alles erreichte ich nicht an einem Tag, sondern mit unablässiger harter Arbeit, unnachgiebiger Zähigkeit, fleißiger Anstrengung und unbezähmbarem Vertrauen in die Grundsätze von Güte und Tugend und ihre praktische Anwendung im täglichen Leben.

Während meiner Zeit in Malaysia veröffentlichte ich zahlreiche Artikel über allgemeine Gesundheit in der "Malaya Tribune" in Singapur.

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Erste Lektionen im Dienst an der Menschheit

Ich verlegte mich besonders auf mikroskopische Studien und tropische Medizin. Anschließend zog ich nach Johore Bahru bei Singapur und arbeitete dort drei Jahre lang mit Dr. Parsons und Dr. Green zusammen. Die Ärzte Parsons, Green, Garlik und Glenny lobten mich als äußerst fähigen Arzt und bewunderten meine geschäftige, gewandte und tüchtige Art. Ich war glücklich, fröhlich und zufrieden. Ich pflegte alle Patienten sorgfältig. Nie verlangte ich ein Honorar. Ich fühlte mich glücklich, wenn sie von Krankheit und Beschwerden frei waren. Menschen zu dienen und das, was ich habe, zu teilen, entspricht meiner angeborenen Natur.

Ich heiterte die Menschen mit meinem Witz und Humor auf und ermunterte die Kranken mit liebevollen, aufbauenden Worten. Die Kranken spürten sofort eine neue Gesundheit, Hoffnung, Mut, Lebenskraft und Vitalität. Überall fanden die Menschen, ich hätte eine besondere heilende Gabe und rühmten mich als einen sehr netten, angenehmen Arzt mit einem liebenswürdigen, hochherzigen Charakter. In Ernstfällen pflegte ich nachts Wache zu halten. Ich verstand die Gefühle der Kranken und bemühte mich, ihre Leiden zu lindern.

Ich wurde Mitglied des Royal Institute of Public Health, der Royal Asiatic Society und des Royal Sanitary Institute in London. Während meines Aufenthalts in Malaysia veröffentlichte ich ein paar medizinische Bücher wie "Hausmittel", "Früchte und Gesundheit", "Krankheiten und ihre tamilischen Bezeichnungen", "Entbindungskalender", "14 Vorträge über öffentliche Gesundheit". Ich gab vielen Arbeitslosen Obdach, Essen und Kleidung und brachte sie in irgendeiner Anstellung unter.

Meine Ansichten waren liberal. Der Geist der Entsagung war in mir verwurzelt. Unehrlichkeit, Diplomatie und Doppelzüngigkeit sind mir fremd. Ich war sehr offen, ehrlich, schlicht und aufrichtig. In dem Krankenhaus, in dem ich arbeitete, bildete ich viele junge Leute aus und brachte sie nachher in verschiedenen Krankenhäusern unter. Ich wandte meine ganze Energie und Zeit auf, menschliches Leid zu lindern und versuchte, Armen und Kranken rund um die Uhr mitfühlend zu helfen. Diese Art selbstlosen Dienstes reinigte mein Herz und Gemüt und führte mich auf den spirituellen Weg.

In meiner Jugend fand ich großen Gefallen an gepflegter Kleidung und meiner Sammlung kurioser, phantastischer Gold-, Silber- und Sandelholz-Kunstwerke. Manchmal kaufte ich goldene Ringe und Halsketten und trug sie alle auf einmal. Wenn ich ein Geschäft betrat, verlor ich keine Zeit mit der Auswahl. Ich nahm alles, was ich sah. Feilschen und Handeln liegen mir nicht. Ich bezahlte die Ladenrechnungen ohne nähere Prüfung. Selbst heute noch kaufe ich viele Bücher für die Bibliothek der Forest University, für die Schüler im Ashram, wenn ich in einen Buchladen komme.
Ich hatte viele Hüte, trug sie aber nie. Manchmal trug ich eine Filzkappe oder einen seidenen Turban wie ein Radschputen-Prinz. Lange Zeit bereitete ich mir mein Essen selbst zu. Radfahren war meine liebste körperliche Betätigung. Gäste bewirtete ich liebevoll und aufmerksam. Malaysia war ein Land der Verlockung, aber nichts konnte mich verführen. Ich war rein wie ein Kristall und hielt mich an meine tägliche Praxis der Verehrung, des Gebets und des Studiums der Schriften. Ich spielte Harmonium und sang Bhajans (Lieder) und Kirtans (Mantras). Auch in Malaysia praktizierte ich Anahata Laya Yoga (Auflösen des Bewußtseins durch Konzentration auf innere Klänge) und SwaraSadhana (eigene spirituelle Übungen).

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