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Bholanaths Initiation

Obwohl Ma nicht mehr davon gesprochen hatte, erinnerte sich Bholanath an das Datum seiner vorgesehenen Initiation. Mit der vagen Idee, allem, was geschehen könnte, aus dem Weg zu gehen, eilte er ohne Frühstück in sein Büro. Damit hatte er unbeabsichtigt die Bedingung erfüllt, bis zum Ende des Einweihungsrituals zu fasten. Zur geeigneten Stunde ließ Ma ihm im Büro ausrichten, er solle heimkommen. Bholanath antwortete, er habe zu tun und könne nicht kommen. Daraufhin ließ Ma ihm ausrichten, sie werde selbst ins Büro kommen, wenn er nicht sofort heimkäme. Dies wollte er nicht riskieren, daher ging Bholanath zögernd nach Hause. Ma forderte ihn auf, sich zu waschen und die frischen Kleider anzuziehen, die sie ihm reichte. Sie hatte eine Sitzmatte für ihn ausgebreitet, auf der Bholanath Platz nahm und gefaßt wartete, was weiter geschähe. Ma ging im Zimmer auf und ab. Er sah, daß sie sich in einem Bhava befand. Wohltönende Mantras von feierlichem, ehrfurchtgebietendem Rhythmus strömten ihr von den Lippen. Nach einer Weile setzte sie sich neben ihn. Er hörte, wie sie ein einziges Mantra leise für sich wiederholte. Indem er sich vorbeugte und sein Ohr nahe an  ihre Lippen brachte, konnte er dieses Mantra deutlich hören. Er folgerte richtig, daß es für ihn bestimmt war.
      Als die feierliche Stimmung verklungen war, gab Ma ihm detaillierte Anweisungen, wie er das Mantra benutzen solle. Er zweifelte ihre Unterweisung nicht an, da er aus eigenem Wissen über Rituale ersah, wie perfekt sie ihm jede Einzelheit der Initiation erläuterte.

Dieses Ereignis bezeichnete einen neuen Abschnitt ihrer Beziehung, die in jeder Phase vorbildlich war: als Betreuer und junger Schützling, als Freunde, als Guru und Shishya [Schüler] und als Gefährten, die einander vollkommen verstanden und ohne zu fragen vertrauten. Es war eine einzigartige Beziehung, für die uns keinerlei Parallele bekannt ist. In späteren Jahren, als die Devotees begannen, die Ankunft ihrer geliebten Ma auf der Erde zu feiern, fiel Bholanath naturgemäß die Rolle eines Priesters zu, der Anandamayi Ma rituell verehren konnte. Kein anderer kam für diesen außergewöhnlichen Dienst in Frage.
      Ma selbst änderte ihre Haltung ihm gegenüber nicht. Sie holte weiterhin für alle Reisen seine Erlaubnis ein, sie leistete ihm die Dienste, um die er sie bat, z.B.  massierte sie ihm die Füße, wenn er müde war. Sie behandelte ihn wie einen guten Freund, mit Humor und Verständnis; wenn er über irgendetwas verstimmt war, brachte sie ihn wieder zu guter Laune. Sie sagte oder tat nie etwas, das ihn in seiner Stellung als Oberhaupt der immer weiter wachsenden Familie herabgesetzt hätte, die sich um sie herum sammelte, sobald sie ins Rampenlicht der Öffentlichkeit trat.

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Dieser Zeitpunkt näherte sich nun schnell, aber in Bajitpur ging alles noch still und friedlich zu. Nach ihrer Selbst-Initiation widmete sich Ma etwa fünfeinhalb Monate lang einem intensiven, zielgerichteten, unablässigen, allumfassenden Sadhana. Es fand seinen Höhepunkt in der Erfahrung, den die Taittiriya Upanishad (II, 1) so beschreibt: »Wer ES erkennt, hat ALLES erlangt.«
      Wenn man sie über diese Periode ihres Lebens befragte, sagte Ma, das Sadhana, durch den der Mensch sich selbst zu verwirklichen strebt, sei unendlich vielfältiger Natur und habe zahllose Aspekte. Sie lernte sie alle aus direkter Erfahrung kennen, als sie Sadhaka wurde. In dieser Phase praktizierte sie unzählige Formen der Verehrung, nicht nur die der verschiedenen Hindu-Gottheiten, sondern auch nichthinduistische Wege, mit dem höchsten Wesen in Beziehung zu treten. Als Gelehrte sich staunend und überrascht über die Tiefe und den Umfang ihres religiösen Wissens äußerten, sagte sie, sie habe nicht einmal ein Tausendstel dessen mitgeteilt, was in jenen sechs Monaten in Bajitpur geschehen sei. Das Unendliche manifestiert sich auf unendliche Weise; jeder Funken ist ein Ganzes in sich selbst. Es ist dem Menschen aufgegeben, ein Wanderer, ein Pilger zu werden und nach Erkenntnis zu dürsten. Jede echte Suche führt mit Gewissheit zur Erfüllung.
      Ma‘s Sadhana kam mit Bholanaths Einweihung zu Ende. Zugleich fing ihre eigene nahezu dreijährige Schweigephase an. Sie begann zu schweigen, als hätte die innere Seligkeit ihren Ausdruck in äußerer Stille gefunden. Die Periode des Mauna [Übung des Schweigens] dauerte wahrscheinlich von Dezember 1922 bis Dezember 1925. In dieser Zeit kam Bholanaths jüngster Bruder Jamini Kumar einmal zu Besuch nach Bajitpur. Er war sehr enttäuscht über das Schweigen seiner Schwägerin. Bedrückt folgte er ihr überallhin und beschwor sie, mit ihm zu sprechen. Ma war zu ihren jüngeren Verwandten immer die Güte selbst. Eines Tages setzte sie sich in der Yoga-Stellung des Siddhasana zu Boden. Mit den zusammengelegten Spitzen von Daumen und Zeigefinger zog sie um sich herum einen unsichtbaren Kreis auf den Boden, indem sie sich mit einer sehr raschen und eleganten Bewegung nach jeder Seite um 180 Grad drehte. Wenig später kamen einige Mantras über ihre Lippen. Danach sprach sie zunächst leise, dann mit allmählich normaler Stimme. So erfüllte sie den Wunsch ihres jungen Schwagers, sich mit ihr zu unterhalten. Er war sehr froh. Dann löschte sie den imaginären Kreis wieder, wie sie ihn gezogen hatte, und setzte ihr Mauna fort. In der ganzen Schweigephase sprach sie nur ein oder zweimal, als es dringend notwendig wurde, aus dem Inneren des Kreises mit Bholanath.
      Später interessierten sich viele berühmte Gelehrte für diesen Aspekt ihres Sadhana-Lila. Spekulationen und Theorien wurden erörtert, aber wie Pandit Gopinath Kaviraj klar sagte, paßte sie in keine der bekannten Kategorien aus den heiligen Schriften. Ma sagte gelegentlich auf ihre unnachahmliche, ebenso schlichte wie tiefgründige Weise über diese Lila:
      »Die Yogaübungen glichen den Spielen früherer Jahre - beide waren gleich natürlich und ungezwungen.«
      Auf die Frage, ob es nötig sei, Sadhana zu üben, wenn man einen physischen Körper angenommen habe, um diese Bindung zu neutralisieren, antwortete Ma:
      »Welches Urteil sich wer immer über diesen Körper bildet, das beruht auf seiner Sicht. Andere sagen, wenn in früheren Leben Sadhana geübt wurde, dann findet er im letzten Leben seinen Höhepunkt. Aber wenn wir hier von Sadhana sprechen, woher lernte dieser Körper, ihn auszuüben? Niemand hat ihn irgendetwas gelehrt! Sagte ich nicht vielmals, daß Sadhana nur ein Spiel ist? Und sage ich nicht manchmal: »Laßt uns diesen oder jenen Ort besuchen«, obwohl ich den Ort schon kenne? Es war in Wirklichkeit einfach ein Kheyala, sonst nichts.«

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Zur Authentizität des Sadhana sagte Ma: »Sadhana muß mit den Anweisungen der Schriften übereinstimmen. Wenn ihr die Anweisung an einer Stelle nicht findet, findet ihr sie an einer anderen. Wieviel kann schließlich geschrieben werden? Auf einem Eisenbahnfahrplan könnt ihr die Namen der großen Städte sehen. Wenn ihr immer weiter reist, seht ihr manches, was nicht in den Reisebeschreibungen steht; aber alle Hinweise sind in den Schriften orhanden. Wenn ihr irgendwann auf Ausnahmen stoßt, was den Sadhana dieses Körpers angeht, dann wißt ihr, daß sie vom orthodoxen Weg abweichen. Aber zumindest werdet ihr sie als unorthodoxe Übungen erwähnt finden! Also habt ihr sie doch gefunden!
      Es ging hier nicht um allmählichen Fortschritt. Einige spätere Stadien traten früher ein, oder in der normalen Reihenfolge - es gab keinen Unterschied zwischen höher und niedriger, später und früher oder grundlegender und weiter fortgeschritten. Alles kam von innen. Manchmal hörte ich deutlich: ›Wiederhole dieses Mantra!‹ Ich fragte dann: ›Zu wem gehört das Mantra?‹ Sogleich kam die Antwort: ›Zu Ganesha oder zu Vishnu oder zu einer anderen Form.‹ Wieder stieg eine Frage in mir auf: ›Wie sieht er aus?‹ Dann schien aus meinem Köper eine Form Gestalt anzunehmen und sich wieder darin aufzulösen. Glaubt nicht, ich wäre nur den Gestalten begegnet, die ihr verehrt. Auch Formen, die euch fremd sind, haben sich genauso manifestiert und wurden von mir verehrt. Deshalb findet ihr mich so vertraut mit den rituellen Details unzähliger Arten der Gottesverehrung. Dann kam mir der Gedanke: ›Warum überhaupt Gott verehren? Du bist alles!‹ Augenblicklich erfuhr ich, daß das Wissen um die Teile sich im ganzheitlichen Wissen auflöst - Ich war das Eine, das als die Vielfalt erscheint.
      Dieser Körper geht also auf die Verständnisebene des Fragestellers ein. Welche Grenzen können den Meinungen über diesen Körper gesetzt werden? Aber wenn ihr einem bewährten Weg folgt, könnt ihr das Ziel (der Gottverwirklichung) erreichen, und jenseits dessen liegen weitere, noch unerreichte Offenbarungen. Doch wo die Unterscheidung zwischen dem Erreichbaren und dem Unerreichten nicht aufkommt, ist das Absolute selbst. Was ihr hört, hängt davon ab, wie ihr auf dem Instrument spielt. Für diesen Körper sind unterschiedliche Meinungen ohne Belang.« Gopinath Kaviraj fasst Ma‘s Sadhana-Lila folgendermaßen zusammen:
      »In diesem Spiel begann sie in Unwissenheit und schritt fort durch verschiedene Formen selbstauferlegter Disziplin, wie z.B. die Übung des Schweigens, Einschränkungen bei der Ernährung, Japa und Yoga-Übungen, Puja und andere Riten. Auch das Aufdämmern des Wissens bildete einen Aspekt dieses Spiels. Ein Gefühl von Schmerz und seelischer Dürre und die darauffolgende Glückseligkeit der Vereinigung hatten in diesem selbstinszenierten Drama ihren  jeweils eigenen Platz ... Man darf dies nicht als Beispiel einer geteilten Persönlichkeit und ihrer Tätigkeit mißverstehen - es ist vielmehr das Resultat  eines immerfort wachsamen, seiner selbst bewußten Willens, der die  Doppelrolle eines Sadhaka auf dem Weg durch Licht und Schatten eines disziplinierten Lebens und eines stillen Zeugen im Hintergrund spielt, der seinen eigenen Auftritt auf der Bühne beobachtet und dirigiert.«
      Diese Worte von Gopinath Kaviraj wurden ihr von Didi vorgelesen.
Ma gab dazu folgenden Kommentar:
      »Spielen? Was nicht ist, soll als wirklich dargestellt werden? Zu einer festgelegten Zeit und zur Unterhaltung der Zuschauer, nicht wahr? Dann sind auch Proben erforderlich, damit der Schauspieler alles in geordneter Folge räsentieren kann.
      Wo nur Eins ist, wie kann man da zwischen Darsteller und Zeugen unterscheiden? Bedenkt: alles, was ein großes Feuer niederbrennen kann, das kann auch ein kleiner Funken bewirken - die Feuersbrunst und der kleine glimmende Span sind eins. Wenn ihr sagt ›das Ganze und sein Teil‹, ist es immer noch dasselbe: Einheit. Wenn es nichts anderes als das Eine gibt, was soll dann das Schauspiel sein, und was die Wirklichkeit?«
      Die stillen Tage in den zeitlosen bengalischen Dörfern sollten für die Leute um Nirmala bald nur noch Erinnerung sein. Der Zeitpunkt war nahegekommen, an dem Ma öffentlich als Persönlichkeit von überragendem spirituellen Maß auftreten sollte. Die Personen, die den Kern ihrer Gemeinde bilden sollten, waren beinahe bereit, sie in ihrer Mitte aufzunehmen als die Erfüllung einer unausgesprochenen, aber tief empfundenen Sehnsucht nach dem anderen Leben, das unbefriedigt von den vereinzelten Freuden dieser Welt auf nichts Geringeres zielt, als auf die allumfassende Freude, die traditionell als Selbstverwirklichung oder Gottverwirklichung gerühmt wird.
      Nur zur Vereinfachung stellen wir eine Übergangsphase in einem Leben heraus, das keinerlei Veränderungen von einem Zustand zu einem anderen kannte. Ma begann scheinbar nach einem Leben des Sadhana, zu einer kompetenten und aufnahmefähigen Zuhörerschaft über das religiöse Streben nach Gottverwirklichung zu sprechen. In diesem Zusammenhang zitieren wir aus einem Brief, in dem Ma selbst die Fragen eines Mannes beantwortete, der ihre außerordentliche Aura des Transzendenten schnell erkannt hatte.
      »Ich schreibe (wie du wünschtest) ein wenig über die erste Phase meines Sadhana. Der Klang von Kirtan zog mich an, erfüllte mich mit Seligkeit ... als würde ich auf Wellen von Freude davongetragen. Eine Kraft von außen setzte diesen Körper in jubilierende Bewegung. Ich war dabei meiner selbst vollkommen bewußt ... Wenn die allumfassende Freude sich legte, sehnte ich mich nach einer Wiederholung dieser höchsten Glückseligkeit. Ich wollte sie mit der ganzen Welt teilen - ich dachte: ›Mögen alle Wesen diese unbeschreibliche Freude erfahren‹ ...« (Brief an Pran Gopal Mukhopadhyaya)
      So trafen in Dacca die Suche nach göttlicher Gnade (kripa) und ein grenzenlos überströmendes Mitgefühl für die Menschheit auf spektakuläre Weise zusammen und bestimmten die zukünftige Lebensweise für Ma’s Gefolgsleute.

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