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Göttliche Erkenntnis


Murti Upasana

Murti Upasana

Ein Stück weißes oder buntes Papier ist wertlos. Man wirft es weg. Wenn aber der Stempel oder das Bild des Königs oder Kaisers auf dem Papier ist - wenn es eine Banknote ist -, wird es sicher im Portemonnaie oder Koffer aufbewahrt. Genauso ist ein gewöhnliches Stück Stein wertlos für dich. Du wirfst es weg. Wenn Du aber die Steinmurti von Shri Krishna in Pandharpur oder jede beliebige andere Murti in einem Schrein betrachtest, neigst Du den Kopf und faltest die Hände, denn der Stempel des Herrn ist auf dem Stein.

Eine Flagge ist nur ein Stück gefärbter Stoff, aber für einen Soldaten steht sie für etwas, das ihm sehr wertvoll ist. Er ist bereit, sein Leben zu geben, um die Fahne zu verteidigen. Genauso ist das Bild für den Gläubigen sehr wertvoll. Es spricht in seiner Sprache der Frömmigkeit zu ihm. So wie die Fahne im Soldaten Kriegswerte entstehen läßt, so läßt das Bild Frömmigkeit im Gläubigen entstehen.

So wie ein Kind das mütterliche Bhava der zukünftigen streichelnden, sorgenden und schützenden Mutter entwickelt, wenn es mit dem aus Stoffresten gemachten Spielzeugkind seiner Vorstellung spielt und das Kind in seiner Vorstellung stillt, so entwickelt auch der Gläubige das Gefühl der Hingabe, wenn er das Pratima verehrt und sich darauf konzentriert.

Das Bild - ein Symbol für Gott

Das Pratima, das Bild, ist nur ein Symbol für das Göttliche. Der Gläubige sieht darin keinen Block aus Stein oder einen Klumpen Metall. Für ihn ist es ein Abbild Gottes. Es ist wertvoll, da es das Kennzeichen des Herrn trägt und für etwas steht, das für ihn heilig und ewig ist.

Wenn Du ein Bild verehrst, sagst Du nicht: »Dieses Bild ist aus Jaipur gekommen. Prabhu Singh hat es gebracht. Es wiegt fünfundzwanzig Kilo. Es ist aus weißem Marmor. Es hat mich fünfhundert Rupis gekostet.« Du überlagerst alle Attribute des Herrn auf das Bild und betest: »Oh Antaryamin! Du bist alldurchdringend. Du bist allmächtig, allwissend und gnadenvoll. Du bist die Quelle von allem. Du bist aus Dir selbst. Du bist Sat-Chid-Ananda. Du bist ewig und unveränderlich. Du bist das Leben meines Lebens, die Seele meiner Seele! Gib mir Licht und Erkenntnis. Laß mich immer in Dir bleiben.« Wenn deine Hingabe und Meditation intensiv und tief wird, siehst Du nicht das Steinbild. Du siehst nur den Herrn, der Chaitanya ist.

Ein Medium, um Gemeinschaft mit Gott herzustellen

Götterbilder sind nicht eitle Launen von Bildhauern, sondern leuchtende Kanäle, durch die das Herz des Gläubigen zu Gott hingezogen wird und auf Ihn zufließt. So wie man die Klangwellen von Menschen auf der ganzen Welt über einen Radioempfänger einfangen kann, ist es möglich, mit dem allgegenwärtigen Gott über das Medium des Götterbildes zusammen zu sein. Das Bild selbst bleibt ein Bild, aber die Verehrung erreicht Gott.

Es gibt Menschen, die leichtfertig sagen »Oh, Gott ist ein allgegenwärtiges, formloses Wesen. Wie kann Er auf dieses Bild beschränkt sein ?« Sind sich diese Menschen jemals seiner Allgegenwart bewußt ? Sehen sie immer Ihn, und Ihn allein, in allem ? Nein. Ihr Ego hält sie davon ab, sich vor den Götterbildern zu verneigen, und bringt aus diesem Grund diese hinkende Ausrede vor.

Eine Stütze für den spirituellen Anfänger

Bilderverehrung ist für Anfänger sehr notwendig. Es ist nicht jedem möglich, den Geist auf das Absolute oder Unendliche zu fixieren. Gott überall wahrzunehmen und die Gegenwart Gottes zu praktizieren, ist für den gewöhnlichen Menschen nicht möglich. Die große Mehrheit braucht eine konkrete Form, um Konzentration zu üben. Der Geist will eine Stütze, wo er sich festhalten kann. Er kann in den Anfangsstadien keine Vorstellung vom Absoluten haben.

Das Bild ist eine Stütze für den Anfänger. Es ist eine Stütze für seine spirituelle Kindheit. Es erinnert an Gott. Das materielle Bild bringt die geistige Vorstellung.

Jeder ist ein Bilderverehrer

Bilderverehrung gibt es nicht allein im Hinduismus. Christen verehren das Kreuz. Sie haben das Bild des Kreuzes im Geist. Die Mohammedaner haben im Geist das Bild des Kaba Steins, wenn sie zum Beten hinknien. Alle Menschen auf der ganzen Welt - außer einige Yogis und Vedantins - sind Bilderverehrer. Sie stellen sich das eine oder andere Bild vor.

Das geistige Bild ist auch eine Art von Bild. Der Unterschied ist nicht ein Unterschied der Art sondern nur des Grades. Alle Verehrer, egal wie intellektuell sie auch sein mögen, schaffen sich eine Form im Geist und lassen den Geist auf diesem Bild ruhen.

Jeder verehrt Bilder. Bilder, Zeichnungen, usw. sind nur Formen der Pratima. Ein grobstofflicher Geist braucht ein konkretes Symbol als Stütze oder Alambana; ein subtiler Geist verlangt ein abstraktes Symbol. Auch ein Vedantin hat das Symbol Om, um seinen umherschweifenden Geist festzuhalten. Nicht nur die Bilder oder Darstellungen aus Stein und Holz sind Bilder. Dialektiker und Führer werden auch zu Idolen. Warum sollte man also Bilderverehrung verdammen?

Wenn Bilder lebendig werden

Der Gott in Dir hat die Kraft, die schlummernde Göttlichkeit im Bild zu erwecken. Regelmäßige Verehrung, Puja und andere Formen, unser inneres Gefühl der Anerkennung der Göttlichkeit im Bild sichtbar zu machen, enthüllt die darin schlummernde Göttlichkeit. Das ist wirklich ein Wunder und Mirakel. Das Bild wird lebendig. Das Bild spricht. Es beantwortet deine Fragen und löst deine Probleme.
Für einen Gläubigen ist das Bild eine Fülle von Chaitanya oder Bewußtsein. Der Gläubige sieht tatsächlich den Herrn im Bild. Er schöpft Inspiration aus dem Bild. Das Bild führt ihn. Es spricht zu ihm. Es nimmt eine menschliche Gestalt an, um ihm auf verschiedenste Art zu helfen.

Das Bild von Gott Shiva im Tempel von Madura, Südindien, half dem Holzfäller und der alten Frau. Das Bild im Tempel von Tirupati nahm menschliche Gestalt an und legte im Gericht Zeugenschaft ab, um Seinen Verehrern zu helfen. Die Bilder in den Tempeln von Tirupati, Pandharpur, Palani, Kathirgama, usw. sind mächtige Gottheiten. Sie sind Pratyaksha Devatas. Sie erfüllen den Gläubigen Wünsche, heilen ihre Krankheiten und gewähren ihnen Darshan. Wunderbare Lilas werden mit diesen Gottheiten in Verbindung gebracht.

Für einen Bhakta oder Weisen gibt es kein Jada, keine unbelebte Materie. Alles ist Vasudeva oder Chaitanya: Vasudevah Sarvam Iti. Narsi Mehta wurde vom Raja geprüft. Der Raja sagte: »Oh Narsi, wenn Du ein aufrichtiger Verehrer von Shri Krishna bist, wenn Du sagtst, daß das Bild Shri Krishna selbst ist, mach, daß sich das Bild bewegt.«

Dem Gebet Narsi Mehtas gehorchend bewegte sich das Bild. Der heilige Stier Nandi aß vor dem Bild Shivas die Speisen, die Tulsidas geopfert hatte. Die Murti spielte mit Mira Bai. Für sie war sie voll Leben und Chaitanya.

Vedanta und Bilderverehrung

Ein Pseudovedantin schämt sich, sich vor einem Bild im Tempel zu verbeugen. Er hat das Gefühl, daß sein Advaita sich verflüchtigen könnte, wenn er sich verbeugt. Lies die Lebensgeschichten der berühmten Tamil Heiligen Appar, Sundarar, Sambandhar, usw. Sie hatten höchste advaitische Verwirklichung. Sie sahen Gott Shiva überall. Und doch besuchten sie alle Tempel Shivas, verbeugten sich vor dem Bild und sangen Hymnen, die aufgezeichnet wurden. Die dreiundsechzig Nayanar Heiligen kehrten den Tempelboden und zündeten im Tempel Lichter an. Sie waren Analphabeten, erlangten aber die höchste Verwirklichung.

Tulsidas hatte kosmisches Bewußtsein. Er sprach mit dem alldurchdringenden, gestaltlosen Herrn. Und doch, seine Leidenschaft für Gott Rama mit dem Bogen in der Hand verschwand nicht. Tukaram hatte ebenfalls dieselbe kosmische Erfahrung wie Tulsidas. Er singt in seinem Abhanga: »Ich sehe meinen Herrn alldurchdringend, so wie Süße das Zuckerrohr durchdringt.« Und doch spricht er immer von seinem Herrn Vitthala von Pandharpur mit den Händen auf den Hüften.

Mira verwirklichte ebenfalls ihr Einssein mit dem alldurchdringenden Krishna, und doch wurde sie nicht müde, immer wieder zu wiederholen: »Mein Giridhar Nagar.« Bilderverehrung steht der vedantischen Sicht nicht entgegen. Sie ist eher hilfreich. Wenn ein Mensch in der Meditation Fortschritte macht, geht die Form im Formlosen auf, und er wird eins mit der gestaltlosen Essenz.

Stufen auf der spirituellen Leiter

Es ist nicht falsch, am Beginn ein Bild zu verehren. Der Verehrende muß Gott und Seine Eigenschaften auf das Bild überlagern. Er muß an den Antaratman denken, der im Bild verborgen ist. Schließlich beginnt er zu fühlen, daß der Herr, den er verehrt, im Bild, im Herzen aller Geschöpfe und in allen Namen und Gestalten des Universums ist. Er beginnt, Seine Gegenwart überall zu spüren.

Bilderverehrung ist nur der Beginn von Religion. Sicher ist sie nicht das Ende. Dieselben Hinduschriften, die für Anfänger Bilderverehrung vorsehen, sprechen von Meditation über das Unbegrenzte und Absolute und Kontemplation über die Bedeutung des Tat Twam AsiMahavakya für fortgeschrittene Aspiranten.

Die Hindus wissen, daß die Bilder, Kreuze und Halbmonde einfach eine Reihe von Symbolen darstellen, um den Geist am Anfang festzuhalten und Konzentration zu entwicklen, viele konkrete Haken, um spirituelle Vorstellungen und Überzeugungen festzumachen. Das Symbol ist nicht für jeden notwendig. Es ist im Hinduismus nicht verbindlich. Ein fortgeschrittener Yogi oder Weiser braucht es nicht. Das Symbol ist wie die Tafel, die für das Kind in der untersten Klasse nützlich ist. Diejenigen, die es nicht brauchen, haben kein Recht zu sagen, daß es falsch ist. Wenn sie behaupten, es sei falsch, zeigen sie nur ihre Unwissenheit. Jedes kennzeichnet eine Phase des Fortschritts. Die menschliche Seele macht diverse Versuche, das Unendliche und Absolute je nach Stärke, Grad und Entwicklung zu erfassen und zu verwirklichen. Sie steigt höher und höher, sammelt immer mehr Kraft, verschmilzt schließlich selbst im Höchsten und erlangt Einheit und Identität.

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