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Karma Yoga von Swami Sivananda

 

Einführung

Man darf nicht vergessen, dass Karma , Bhakti , Yoga und Jnana  sich nicht gegenseitig ausschließen. Karma Yoga führt zu Bhakti Yoga , welcher wiederum zu Raja Yoga  führt. Raja Yoga bringt Jnana mit sich. Para Bhakti (höchste Hingabe) ist nichts anderes als Jnana. Bhakti, sei dir dessen bewusst, ist von Jnana nicht trennbar. Im Gegenteil, Jnana verstärkt Bhakti. Karma reinigt das Herz. Bhakti beseitigt die Schwankungen des Geistes. Raja Yoga festigt den Geist und zerstört Sankalpas .

Jeder Yogaweg ist eine Erfüllung des vorhergehenden. Bhakti Yoga ist die Erfüllung von Karma Yoga, Yoga (d. h. Raja Yoga) die von Bhakti Yoga und Karma Yoga und Jnana Yoga die aller drei vorhergehenden.

Die Praxis des Karma Yoga bereitet den Aspiranten auf den Empfang von Wissen um das Selbst vor. Er wird dadurch zu einem geeigneten Adhikari (Aspiranten) für das Studium des Vedanta . Unwissende Menschen stürzen sich voreilig auf Jnana Yoga, ohne zuerst eine vorbereitende Ausbildung im Karma Yoga zu haben. Das ist der Grund, warum sie kläglich daran scheitern, die Wahrheit zu erkennen. Die Unreinheiten lauern im vierteiligen Geist (Antahkarana) . Der Geist ist ausgefüllt mit Zuneigungen und Abneigungen, Eifersucht und Ähnlichem mehr. Sie können über Brahman  nur sprechen. Sie ergehen sich in allen möglichen sinnlosen Kontroversen, eitlen Debatten und trockenen, endlosen Diskussionen. Ihre Philosophie ist nur ein Lippenbekenntnis. Um es mit anderen Worten zu sagen: Sie sind nur „Lippen-Vedantins“ . Wirklich notwendig ist aber praktisches Vedanta als unaufhörliches, selbstloses Dienen.

„Arbeiten um der absichtslosen Arbeit Willen“ ist leicht gesagt. Doch wenn es um die Praxis geht, wenn man tatsächlich versucht, es umzusetzen, wird man bei jedem Schritt zahllosen Schwierigkeiten begegnen. Nur ein Jnani  kann völlig uneigennützig und ohne Motiv handeln. Einzig ein Sannyasin, der der Welt entsagt hat, kann selbstlos tätig sein. Der Geist eines Familienmenschen ist von vielen Wünschen durchdrungen. Er erwartet Früchte für seine Handlungen. Aber allmählich kann auch er den Geist davon entwöhnen, Belohnungen zu erwarten. Es ist alles eine Frage der geistigen Disziplin. Nach und nach wird seine selbstsüchtige Natur zerstört. Er wird die Herrlichkeit von Nishkama Karma Yoga verstehen. Dann wird er fähig sein, ohne Absichten zu arbeiten, ohne Früchte für seine Handlungen zu erwarten. Selbstverständlich ist dies eine Frage der Zeit. Man muss geduldig und beharrlich sein.

Zwei Dinge sind für die Praxis des Karma Yoga unbedingt erforderlich. Der Karma Yogi sollte den Früchten der Handlung nicht verhaftet sein. Dafür weiht er seine Handlungen auf dem Altar Gottes mit dem Gefühl von Ishwararpana . Verhaftungslosigkeit befreit von Sorgen und Angst. Verhaftungslosigkeit macht einen Menschen vollkommen mutig und furchtlos. Wenn er seine Handlung zu den Lotosfüßen des Herrn darbietet, entwickelt er Hingabe zu Gott und kommt Ihm näher und näher. Allmählich fühlt er, dass Gott unmittelbar durch seine Indriyas, Werkzeuge, wirkt. Das Erledigen seiner Arbeit ist ihm nun keine Anstrengung oder Bürde mehr. Er fühlt sich sehr wohl. Die schwere Last, die zuvor aufgrund seiner falschen Vorstellungen auf ihm lag, ist nun völlig verschwunden.

Die Karma-Lehre ist ein integraler Bestandteil des Vedanta. Sie erhellt das Rätsel des Lebens und das Rätsel des Universums. Sie bringt einem jeden Ermutigung, Befriedigung und Trost. Sie ist eine offenkundige Wahrheit. Glücklicherweise haben auch die Menschen im Westen begonnen, ihre Wichtigkeit und Wahrhaftigkeit anzuerkennen. Sogar die Amerikaner glauben voll und ganz an diese Lehre. Jeder vernünftige Mensch wird sie anerkennen müssen. Es gibt keine andere Möglichkeit, das Mysterium des Handelns zu verstehen. „Was der Mensch sät, das wird er ernten“ gilt nicht nur für die physische Ebene, sondern auch für den Bereich der Moral. Jeder deiner Gedanken erzeugt in dir, ebenso wie jede deiner Taten, bestimmte Neigungen, die dein Leben jetzt und später beeinflussen werden. Wenn du selbstlose Karmas ausübst, wirst du in die Gefilde der Wonne und des Friedens aufsteigen. Karma Yoga ist die unterste Stufe der spirituellen Leiter. Doch er erhebt uns in unsagbare, erhabene Höhen. Sein Glanz ist viel zu groß, als dass man ihn beschreiben könnte. Er zerstört Stolz, Selbstsucht und Tamas. Es erzielt wundervolle Ergebnisse. Er unterstützt Wachstum und Entwicklung.

Freiheit ist das Geburtsrecht des Menschen. Freiheit ist Satchidananda . Freiheit ist Unsterblichkeit. Freiheit ist Frieden, Wissen und Wonne. Absichtlich oder unabsichtlich, bewusst oder unbewusst streben alle nach dieser Freiheit. Ganze Nationen kämpfen auf dem Schlachtfeld für die Freiheit. Ein Räuber raubt, um Freiheit von seiner Notlage zu erlangen, aber sein Vorgehen ist umständlich und folgt einem Umweg. Jeder deiner Schritte führt dich näher zu Gott und zur Freiheit.

Du kannst dasselbe Ziel auf verschiedenen Wegen erreichen. So wie du den Berg Kailash auf unterschiedlichen Pfaden erklimmen kannst, zum Beispiel über Badri Narayan oder Almora oder Gangotri oder Ladhak, so kannst du auch das Lebensziel auf unterschiedlichen Wegen erreichen, nämlich auf dem Weg der Arbeit (Karma Yoga), der Liebe (Bhakti Yoga), der Geisteskontrolle (Raja Yoga) oder der Selbstanalyse und des Wissens (Jnana Yoga). Genauso wie du Kalkutta mit dem Zug, dem Auto, dem Dampfer oder dem Flugzeug erreichen kannst, so kannst du auch das Ziel des Lebens oder deine spirituelle Bestimmung auf einem dieser vier Pfade erreichen. Shri Krishna  sagt in der Bhagavad Gita:

ye yathā māṃ prapadyante tāṃstathaiva bhajāmyaham
mama vartmānuvartante manuṣyāḥ pārtha sarvaśaḥ

„In der Weise, in der die Menschen zu Mir kommen, werden sie von Mir belohnt; auf jede Weise beschreiten die Menschen Meinen Weg, o Arjuna .“ [BhG 4.11]

Diese vier Unterteilungen sind nicht unumstößlich. Es gibt keine eindeutigen Abgrenzungen zwischen den vier Wegen. Sie sind nicht unverrückbar. Diese Wege sind jeweils entsprechend für das vorherrschende Temperament bzw. die vorherrschende Veranlagung im einzelnen Menschen gemacht. Der eine Weg schließt den anderen nicht aus. Der Weg der Handlung passt zu einem Menschen mit karmischen Neigungen. Der Weg der Liebe eignet sich für einen Menschen mit gefühlsbetontem Naturell. Der Weg des Raja Yoga ist auf einen mystisch veranlagten Menschen zugeschnitten. Der Weg des Vedanta bzw. Jnana Yoga ist passend für einen Willens- und Vernunftmenschen. Jeder Weg geht in den anderen über. Letztendlich laufen all diese Wege zusammen und werden zu einem. Es ist sehr schwierig zu sagen, wo Raja Yoga endet und Jnana Yoga beginnt. Alle Aspiranten der verschiedenen Wege treffen sich über kurz oder lang an einem gemeinsamen Kreuzungspunkt.

Ein Karma Yogi übt Selbstaufopferung, um sein kleines Ich zu töten. Ein Bhakta (Gottergebener) übt Selbstaufgabe, um seinen Egoismus zu zerstören. Ein Jnani übt Selbstverleugnung. Die Methoden sind verschieden, aber alle möchten dieses kleine, anmaßende „Ich“, das die Hauptursache des menschlichen Leidens ist, zerstören. Wenn dies erreicht wurde, treffen sie sich am selben Ziel.

sarvaṃ karmākhilaṃ pārtha jñāne parisamāpyate

„Alle Handlungen gipfeln in ihrer Gesamtheit in Erkenntnis, o Partha .“
[BhG 4.33]

Gleichermaßen erlangt der Bhakta Wissen (Jnana). Shri Krishna sagt im zwölften Kapitel der Bhagavad Gita:

„Diesen Verehrern, die immer in Harmonie sind und in Liebe verehren, gebe ich den Yoga der Unterscheidung, durch den sie zu Mir kommen.“

Im achtzehnten Kapitel der Bhagavad Gita sagt Shri Krishna:

„Durch Hingabe erkennt er Mich im Wesen, was und wer Ich bin; wenn er Mich dann im Wesen erkannt hat, geht er unverzüglich in das Höchste ein.“

Karma, Liebe und Yoga sind alles Mittel zu einem Zweck. Jnana ist der Zweck. So wie Flüsse ins Meer münden, so vereinigen sich Karma, Liebe und Yoga im Meer des Jnana.

Karma Yoga bereitet den Geist auf den Empfang des Lichts oder der Weisheit vor. Es weitet das Herz und zerstört alle Hindernisse, die dem Weg zur Einheit und dem Einssein entgegenstehen. Bhakti und Meditation sind auch geistiges Karma. Es kann kein Jnana ohne Yoga geben. Die Frucht des Bhakti ist Jnana. Hast du nun die Natur der vier Yogas und ihre Beziehung untereinander verstanden?

Jede Handlung ist eine Mischung aus Gut und Böse. Es kann in dieser Welt weder eine vollkommen gute, noch eine vollkommen böse Handlung geben. Dieses physische Universum ist eine relative Ebene. Wenn man handelt, so wird dies sowohl etwas Gutes als auch etwas Böses bewirken. Versuche deshalb, so zu handeln, dass es ein Maximum an Gutem hervorruft und ein Minimum an Bösem. Gute Taten bringen eine gute Wirkung und schlechte Taten eine schlechte Wirkung. Aber wenn einem die Geheimnisse der Arbeit und die Techniken des Yoga bekannt sind, kann man sich vollkommen von den Fesseln des Karmas befreien. Das Geheimnis besteht darin, ohne jegliche Verhaftung und Egoismus zu handeln. Die zentrale Lehre der Bhagavad Gita ist die Verhaftungslosigkeit gegenüber den Handlungen. Shri Krishna sagt zu Arjuna:

„O Arjuna, arbeite ohne Unterlass. Es ist deine Pflicht, immer zu arbeiten, aber erwarte keine Früchte. Das Los des Mannes, der Früchte erwartet, ist in der Tat erbärmlich! Er ist der elendste Mensch dieser Welt.“

Du kannst nicht alles Übel aus dieser Welt entfernen. So wie bei Gicht und Rheuma Schmerz und Schwellung von einem Gelenk zum anderen wandern, so wie bei Blutvergiftung und Diabetes oder bei Karbunkeln, wenn eine Beule geheilt ist, eine weitere an einer anderen Stelle auftaucht, so manifestiert sich auch anderswo ein weiteres Übel, sobald das erste an seinem Platz ausgelöscht ist. Sozialarbeiter bedauern das Schicksal von jungen Witwen und versuchen, diese wieder zu verheiraten. Sie denken, dass sie dem Land damit einen Dienst erweisen. Aber so taucht ein anderes Unheil auf – es wird schwierig, andere Mädchen zu verheiraten. Sie bleiben ledig. Dies ist ein anderes Übel. Sozialarbeiter versuchen, der Prostitution ein Ende zu bereiten. Das ist lobenswert. Aber da die Leidenschaft sehr mächtig und unkontrollierbar ist, beginnen jene, die sich eine Heirat nicht leisten können, Frauen der Familie heimlich zu belästigen und ihre Würde zu verletzen. Auch die Gesetzgebung kann dem nicht abhelfen. Heimliche Prostitution nimmt überhand. Diese Welt ist voller Gauner. Sie ist wie der Schwanz eines Hundes. Versuche ihn gerade zu biegen. Doch sowie du die Hände wegnimmst, krümmt er sich erneut. Genauso ist diese Welt. So viele Avatare (Erscheinung Gottes auf Erden), so viele Yogis (jemand, der Yoga praktiziert), Acharyas (Lehrer, Meister), Heilige und Propheten sind in diese Welt gekommen und haben gepredigt. Sie ist noch immer verbrecherisch, sie ist unverändert. Deshalb versuche nicht zu sehr, diese betrügerische Welt zu verbessern. Dies kann niemals gelingen. Verbessere du dich zuerst. Dann kann die ganze Welt verändert werden. Wie kannst du der Welt helfen, wenn du selbst schwach und unwissend bist? Es ist wie mit dem Blinden, der den Blinden führt. Beide stürzen unweigerlich in einen tiefen Abgrund.

Die größte Hilfe bzw. den größten Dienst, den du der Welt erweisen kannst, ist das Weitergeben des Wissens über Gott. Spirituelle Hilfe ist die höchste Hilfe, die du der Menschheit geben kannst. Die Wurzel menschlichen Leidens ist Avidya (Unwissenheit). Wenn du diese Unwissenheit in den Menschen beseitigen kannst, erst dann können sie für immer glücklich sein. Der Weise, der versucht, das Unwissen zu beseitigen, ist der größte Wohltäter auf dieser Welt.

Beseitigst du den Hunger des Menschen, indem du ihm zu essen gibst, so ist dies nur eine vorübergehende physische Hilfe. Es enthebt ihn drei Stunden lang seines physischen Verlangens. Dann stellt sich der Hunger wieder ein. Der Mensch bleibt im selben unglücklichen Zustand. Die Errichtung von Krankenhäusern, Rasthäusern und Garküchen zur Verteilung von kostenlosen Speisen, Kleiderspenden etc. sind nicht die höchste Form von Hilfe. Die Not ist nicht beseitigt. Die Welt bleibt in ihrem elenden Zustand, auch wenn du Millionen von Krankenhäusern und Armenküchen baust. Erlange Brahma Jnana (göttliches Wissen), gib dieses Wissen überall weiter und beseitige somit die Unwissenheit im Menschen. Erst dann werden alle Not, Kümmernisse und alles Übel vollständig ausgelöscht sein.

Dient ein Mensch der Welt, dient er in Wirklichkeit sich selbst. Wenn der Mensch anderen hilft, hilft er in Wirklichkeit sich selbst. Dies ist ein weiterer wichtiger Punkt. Allgemein sind weltlich eingestellte Menschen mit Egoismus aufgeblasen, wenn sie anderen helfen. Es erfüllt sie mit Stolz. Diese Welt will von niemandem Hilfe. Es gibt den einen allmächtigen Ishwara, der dieses Universum kontrolliert und lenkt. Er kann sofort unzählige Tilaks , Newtons, Shakespeares, Napoleons, Valmikis  und Yuddhishthiras  erscheinen lassen. Wenn du jemandem dienst, denke, dass Gott dir diese Gelegenheit gegeben hat, dich durch das Dienen zu verbessern, zu korrigieren und zu formen. Sei diesem Menschen dankbar, der dir eine Chance zum Dienen gab.

Schmerz ist der beste Lehrer dieser Welt. Der Mensch lernt täglich nützliche Lektionen durch Schmerz, Leid, Armut, Entbehrung und Krankheit. Schmerz öffnet ihm die Augen. Er ist ein versteckter Segen. Er ist der süße Bote Gottes. Kunti Devi  sagte:

„O Krishna! Lass mich immer an Dich denken. Gib mir immer Schmerz. Ich könnte dich vergessen, wenn ich Freude bekomme.“

Bhaktas  sind glücklich auch im Leid. Sie heißen den Schmerz immer willkommen. Stoiker verhalten sich ebenso.

Schmerz bessert, erzieht und diszipliniert die Seele. Er verleiht dem Herzen Barmherzigkeit. Er fördert Ausdauerfähigkeit und Geduld. Er erweicht ein hartes Herz. Er bringt Willenskraft hervor. Er erfüllt das Herz mit Mitgefühl. Er macht stolze Menschen demütig. Er reinigt das Herz. So wie Eisen auf dem Amboss durch Hitze geformt wird, so wird auch der Charakter des Menschen durch Schicksalsschläge, Erschütterungen und Schmerzen geformt. So wie unreines Gold durch wiederholtes Schmelzen im Schmelztiegel rein wird, so wird auch der Mensch durch das Feuer des Schmerzes gereinigt.

Die Philosophie zielt darauf ab, die Ursache dieser Schmerzen zu finden und versucht, den Schmerz durch geeignete Mittel zu beseitigen. Es ist große Not, die den Geist des Menschen auf Gott ausrichtet. Schwere Tiefschläge ziehen den Geist des Menschen von den Sinnesobjekten ab und lenken ihn auf den spirituellen Weg. Schmerz und Armut, Übel und Not formen den Charakter eines Menschen mehr als Freude und Wohlstand. Armut hat ihre eigenen Vorteile. Tadel und Schicksalsschläge sind bessere Lehrmeister als Lob und Ehre. Schmerz ist ein besserer Lehrer als Vergnügen. Armut ist ein besserer Lehrer als Wohlstand. Schmerz und Armut machen den Menschen ausdauernd. Shri Shankara, der größte Philosoph und das größte Genie, das die Welt jemals hervorbrachte, wurde in eine sehr arme Familie hineingeboren. Jesus wurde als Sohn eines Zimmermanns geboren. Arme Leute strengen sich an, um Großes zu erreichen, während die Kinder der Reichen ein Leben in Luxus und Trägheit führen. Sie sind sorglos. Mehrere Schicksalsschläge erzeugen sofort Viveka  und Vairagya , verändern den Blickwinkel und wecken das innere spirituelle Feuer.

Die Eindrücke kleiner und großer Handlungen fließen zusammen und bilden Neigungen. Die Neigungen entwickeln sich zum Charakter. Der Charakter bildet den Willen. Wenn ein Mensch einen starken Charakter hat, besitzt er einen starken Willen. Karma erzeugt den Charakter und der Charakter wiederum erzeugt den Willen. Menschen mit riesiger Willenskraft haben diese durch in zahlreichen Inkarnationen geleistetes Karma entwickelt. In einer einzigen Geburt kann ein Mensch keinen mächtigen Willen entwickeln. Er vollbringt in vielen Geburten unterschiedliche gute Taten. Die Kraft dieser Handlungen sammelt sich und in einem Leben wird aus diesem Menschen, der sich so sehr mühte, plötzlich ein Riese wie Buddha , Jesus und Shankara.

Keine Handlung ist umsonst. Nichts geht verloren. Geduldige, unermüdliche Anstrengung ist notwendig.

Unwissende Menschen nehmen törichterweise an, dass Wissen von außen kommt. Dies ist leider ein Fehler. Alles Wissen kommt von innen. Dieses äußere Universum bedeutet nichts. Es ist nur ein Pünktchen oder Tropfen in der Unendlichkeit. Es ist wie der Hufabdruck eines Kalbes. Es ist lediglich Spandabhasa (Reflexion der Schwingung) – eine läppische Erschütterung in einem Zipfel Brahmans, wo nur Maya  herrscht. Alles, was man von außen erhält, ist nur eine Andeutung, ein äußerer Reiz. Der ganze Wissensspeicher ist im Atman bzw. im Selbst. Der Atman ist das Lagerhaus (Bhandara) des Wissens. Der von außen kommende Reiz stößt auf die Quelle und es kommt zur Zündung. Wissen strömt hervor. Alles Sadhana  und jede Yoga-Praxis zielt nur darauf ab, den Schleier zu lüften. Wenn der Schleier gelüftet ist, wenn der Vorhang fällt, wenn die Hüllen zerrissen sind, dann erstrahlt der Sadhaka  in göttlicher Pracht. Er erlangt Wissen über das Selbst. Sämtliche Geheimnisse des Kaivalya , das ganze Wissen über den Atman wird enthüllt wie die Amalaka-Frucht  in der Hand. Zu unserem Unglück verdichtet das gegenwärtige indische Bildungssystem den Schleier der Unwissenheit und verfestigt das Ego.

Die Menschen arbeiten mit unterschiedlichen Motiven. Einige arbeiten in der Gesellschaft, um sich einen Namen zu machen und berühmt zu werden. Einige arbeiten für Geld. Einige arbeiten für Macht. Einige arbeiten, um Freuden im Himmel zu erringen. Einige errichten Tempel in dem Glauben, so von ihren Sünden rein gewaschen zu werden. Einige führen Yajnas  aus, um einen Sohn zu bekommen. Einige graben Wasserspeicher, damit man sich auch nach dem Tod ihrer erinnere. Einige gestalten wunderschöne öffentliche Gärten, damit sie solch liebliche Gärten auch in Svarga  genießen können. Einige sind wohltätig mit dem Ziel, im nächsten Leben als reiche Grundbesitzer geboren zu werden.

Wer dagegen selbstlosen Dienst leistet, ohne irgendwelche Früchte zu erwarten, wird ein mächtiger Yogi. Ein Karma Yogi kennt das Geheimnis der Arbeit. Er vergeudet seine Energie nicht unnötig. Er bewahrt und lenkt die Energie. Er kennt die Wissenschaft der Selbstbeherrschung. Er verwendet die Energie für gute Zwecke, die einer Vielzahl von Menschen maximalen Nutzen bringen.

Dies ist Geschick im Handeln, wovon die Gita im zweiten Kapitel spricht. Er entwickelt einen starken Willen und einen starken Charakter. Man sollte Geduld haben. Nur dann erzielt man enorme Ergebnisse. Die Menschen sind im Allgemeinen ungeduldig und erwarten Siddhis  nach ein wenig selbstlosem Dienst. Der wahre Karma Yogi, der den Menschen mit Bescheidenheit und Bhava dient, wird der wahre Herrscher dieser Welt. Er wird von allen geehrt und respektiert. Die Ehre stellt sich ganz von selbst ein. In selbstlosem Dienst liegt eine verborgene Kraft.

„Der Karma Yogi verwirklicht im Laufe der Zeit in sich selbst Atma Jnana (Wissen und Erkenntnis vom Selbst).“ [BhG 4.38]

„Wer die Einheit gefunden hat (ausgewogen und harmonisch ist), gelangt zum ewigen Frieden, nachdem er den Früchten des Handelns entsagt hat; nur wer die Einheit nicht gefunden hat (der Unstete, Unausgewogene), vom Wunsch Getriebene, Verhaftete, ist gebunden.“ [BhG 5.12]

 


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