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Wege zum Unendlichen

 

3. Wie man Gott in sich hineinruft

Was immer zuvor gesagt wurde, ist sehr wichtig und eine Grundlage für die spirituelle Praxis. Das vorherige Kapitel ist inhaltlich nur schwer zu erfassen, denn es beschreibt eine völlig neue Denkweise.

Doch jetzt wird es etwas einfacher, wenn auch nicht weniger bedeutungsvoll, d.h. es geht um die Kunst, Gott in das eigene Selbst hineinzurufen. Mit welcher Methode geschieht es, wenn man irgendetwas in sich aufruft? Man ruft einen Hund oder eine Katze zu sich. Das Tier nähert sich. Man bietet einer Kuh etwas Gras zu fressen an, und sie kommt langsam heran. Man winkt einen Freund zu sich heran usw.

Kann man Gott auch auf diese Weise rufen? Wann auch immer man jemand ruft, nennt man ihn beim Namen. Wenn Leute einen Hund streicheln, geben sie ihm einen Namen. Elefantentreiber geben ihrem Elefanten einen Namen. Wenn sie den Elefanten bei Namen nennen, bleibt er stehen. „Heb’ deinen Rüssel!“ Er hebt ihn. „Vorwärts!“ Er bewegt sich. „Stopp!“ Er bleibt stehen. Dem Elefanten wird beigebracht, ihren zugedachten Namen zu erkennen.

Wenn man den Namen von jemand nennt, fühlt sich derjenige direkt angesprochen. Selbst wenn er schläft, wird er sofort erwachen, wenn sein Name genannt wird. Wenn es plötzlich heißt: „Hans steh’ auf!“ fühlt er sich angesprochen und reagiert. Hans reagiert jedoch nicht, wenn es heißt: „Josef steh’ auf!“ Jeder identifiziert sich mit seinem Namen. Diese Identifikation ist derart stark, dass sie selbst den Schlaf durchdringt. Wenn man im Schlaf völlig unbewusst wäre, wie sollte es wohl möglich sein, sich des eigenen Namens zu erinnern, wenn man gerufen wird und erwacht?

Gott wird auch mit Namen angerufen. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der allmächtige Schöpfer durch das Wiederholen eines Namens angerufen, den man mit der Natur Gottes assoziiert. Der Name Gottes ist eine Beschreibung der Charakteristik Gottes. Wenn ein Neugeborenes nach indischer Tradition einen Namen erhält, berücksichtig man bei der Namensvergebung den Stand von Sonne, Gestirne, den Tag der Geburt usw., die das Kind beeinflussen könnten. Der Name sollte in früheren Tagen den tatsächlichen Charakter und seine Natur zum Ausdruck bringen. Heutzutage hingegen erhalten Kinder irgendwelche Allerweltsnamen, vergleichbar mit Bäumen, die entweder Birke, Eiche oder sonst wie heißen. In den Namen der Kinder findet sich heutzutage nichts Besonderes oder Schönes mehr.

Für Gott kann ebenfalls ein Name angenommen werden, vorausgesetzt der ausgewählte Name indiziert die Macht und die Majestätik, die man damit verbindet. Dieses Mantra, den der Einzelne für sein Japa Sadhana verwendet, sollte also ein Indikator für den Namen Gottes sein. Das Mantra, das man wiederholend singt, in das man möglicherweise auch initiiert wurde, ist der so genannte Modus Operandi, um dem eigenen Geist mit der verehrten Natur Gottes zu erfüllen. In den Schriften findet man über Vishnu mehr als eintausend unterschiedliche Namen, die das absolute Sein charakterisieren, und es handelt sich dabei nicht um irgendwelche Namen.

Es gibt unendlich viele Wege Gott anzurufen, insoweit wie es unendlich viele Qualitäten gibt, die der Einzelne mit Gott assoziiert. Man kann IHN bei jedem nur erdenklichen Namen anrufen, vorausgesetzt dieser Name steht im Einklang mit Seiner Natur. Welches sind Seine Qualitäten? Sie sind von außerordentlicher Leistungsfähigkeit und unermesslicher Macht, allmächtig. Er wird als allmächtig angesehen. ER ist die größte und nicht erfassbare Kraft, der man nicht widerstehen kann. ER ist das Wunderbarste, Zauberhafteste, das Schönste, etwas Unvergleichbares, Unvorstellbares, von Freude erfüllendes, als würde man reinsten Nektar trinken.

Es gibt viele kleine schöne Dinge in der Welt, eines schöner als das andere. Auf Grund des unsteten Geistes schauen verschiedene Dinge zu unterschiedlichen Zeiten schön aus, doch man kann die Schönheit als solches nie wirklich erfahren. Schönheit als solches kann nicht wirklich durch die Sinne erfahren werden, durch die man die Dinge sieht. Mit den Sinnen sieht man nur Formen; sie sind nicht in der Lage abstrakte Dinge einzuschätzen. Mathematik, Gravitation und Gleichungen sind beispielsweise Gedanken, die nicht zu Objekten der Sinnesorgane werden können. Man kann Mathematik oder Gravitation usw. nicht wirklich sehen, doch das Verstehen dieser Prinzipien gibt Befriedigung. Die Lösung algebraischer Gleichungen macht Freude, nicht weil es sich um Objekte handelt, sondern sie vermitteln eine intellektuelle Schönheit, die zur Befriedigung führt.

Es gibt unterschiedlich Schönes in dieser Welt. Die unmöglichste Form von allen Schönheitsempfindungen erfährt man durch die Architektur. Das Taj Mahal zum Beispiel stellt eine solche Architekturschönheit dar. St. Paul’s in London, der Kölner Dom oder der Petersdom in Rom sind derartig anmutende Schönheiten. Man sieht diese Bauten und ist irgendwie verliebt in die Majestätik, die Struktur, Anordnung, Komposition, die verbauten Materialien bei den Gebäuden. Wie wunderbar!

In Südindien kann man den Minakshi-Tempel von Madurai oder den Tempel von Rameswaram bewundern. Beides sind wundervolle Bauwerke von einfacher aber majestätischer Architektur. Je umfangreicher das benötigte Material zur Gestaltung eines Bauwerks, desto einfacher wirkt die Formation.

Eine Skulptur ist eine subtilere Form von Schönheit. Eine Skulptur gewinnt durch das Material, wie z. B. durch bei Verwendung von Marmor oder durch bestimmte Strukturen, wohlgeformten Oberflächen des Gesteins. Hier braucht man natürlich weniger Material als bei Gebäuden. Wenn man eine Skulptur entdeckt, sollte man einmal genauer hinschauen. Worauf achtet man eigentlich? Schaut man auf die Steinstruktur? Vielleicht achtet man auf den Gesamteindruck, die Form, die man in den Stein gehauen hat, denn auch hier liegt Schönheit.

Das Malen ist eine noch weitaus subtilere Form von empfundener Schönheit. Man braucht viel weniger Materialaufwand als bei den Skulpturen. Manchmal ist man durch ein schönes Bild wie betäubt. Die Deckenmalereien von Michelangelo oder Bilder von Picasso, Rembrandt und vielen anderen faszinieren Malern auf der ganzen Welt. Man kann sich kaum von ihnen lösen, wenn man sie anschaut. Man ist wie hypnotisiert von den Darstellungen, Anordnungen in den Gemälden, den Farbgebungen usw., von dieser Kunst als solches.

Subtiler als das Bild ist die Musik. Musik bedarf keiner Materialien, nur der Klang fasziniert. Darum kann man sich durch den Klang von Musik viel mehr gefangen fühlen als durch das Betrachten von Bildern, Skulpturen oder Architektur. Durch Klangerlebnisse kann man schier dahinschmelzen, denn der Klang ist das subtilste Element in dieser Welt. Musik ist schön, wenn sie für die Ohren schön klingt, wohingegen die Malerei, Skulpturen und Architektur schön für die Augen sind. Das Eine sind sichtbare, das Andere hörbare Schönheiten.

Als weitere Schönheit gilt die so genannte intellektuelle Schönheit. Dieses ist die Schönheit der Literatur. Viele sind entzückt vom Studium klassischer Literatur. Hierzu bedarf es nicht des Klangs. Der Klang ist eines der fünf Elemente, d.h. selbst im Klang ist noch eine gewisse ‚Grobheit’ vorhanden, wohingegen bei intellektuellen Aktivitäten selbst diese ‚Grobheit’ nicht mehr vorhanden ist. Man befindet sich wie in einem Lichtrausch reiner Gedanken. Allein durch das Denken oder durch Gedankenspiele kann man Glück erfahren. Das individuelle Denken wird zur Freude. Wenn diese Art des Denkens zur Schönheit wird, dann geschieht dies durch die Literatur, eine dramaturgische Darstellung, und man ruht nicht eher, bis man den Text beendet hat.

Jede Sprache hat ihre Klassiker, z.B.: Goethes Faust, Schillers Räuber, die Philosophie von Kant oder Hegel. Dazu gehören auch neuzeitliche Bücher deutscher Literatur von Thomas Mann oder Elke Heidenreich und viele Übersetzungen aus aller Welt. Entweder ist man erfreut über die Gedankentiefe, den Inhalten oder dem Schreibstil.

Es gibt auch Redner, die vor großen Zuschauermengen hervorragend und anschaulich sprechen können. Man wird als Zuhörer gefesselt, nahezu in den Bann geschlagen. Diese Redner sprechen über ihre einfachen Ideen in geradezu verständlicher Weise. Manchmal wird man mehr von der Art, manchmal von den Inhalten oder aber von der majestätischen Persönlichkeit gefesselt. Der eigene Geist ist wie hypnotisiert, wird erhoben und am Ende ist man irgendwie erfrischt. Diese Art der Schönheit hat auch ihre Reize.

Es gibt viele Schönheiten. Gott ist wundervoll. Doch diese Schönheit Gottes kann nicht mit der Schönheit von Architektur, Musik, Malerei oder Literatur verglichen werden. Es ist etwas ganz anderes, denn hier geht es um die Schönheit der eigenen Seele. Darum liebt man sich selbst so sehr. Innerlich ist jeder Mensch etwas Wunderschönes. Bei dieser Schönheit geht es nicht um das Gesicht, obwohl manchmal die innere Schönheit auf dem Gesicht reflektiert wird. Dann hat dieser Mensch eine wundervolle Ausstrahlung. Wenn im inneren Geist Harmonie vorherrscht, dann fühlt auch diese Persönlichkeit die Offenbarung in sich selbst. Übrigens diese Schönheit drückt sich dann auch in seinem Schreibstil, seiner Handlungsweise usw. aus.

Es gibt besorgte, gefasste, gestörte, gepeinigte und glückliche Seelen. Alles ist möglich, obwohl die Seele im Grunde vollkommen ist. Die Schönheit, die Art, wie man diese Welt wahrnimmt, ist eine Reflexion der Symmetrie der eigenen Seele. Die äußere Erscheinung eines Menschen ist ein Spiegelbild seines seelischen Zustands. Wer chaotisch denkt und Objekte in einer konfusen, zerstreuten Art und Weise betrachtet, dessen Schönheit wird nicht vollkommen in der Seele offenbart, denn er sieht die Objekte nicht richtig, sondern wie durch beschädigte Brillengläser.

Schönheit ist eine Reflexion des spirituellen Inneren. Die größte Schönheit befindet sich im Menschen, denn man liebt sich mehr als irgendjemand anders. Man kann nicht alle so lieben wie sich selbst, denn die größte Schönheit befindet sich in einem selbst.

Das Schönste, was in einem selbst verborgen ist, ist nichts weiter als allmächtige Schönheit, die alles durchdringt. Darum wird Gott als das Wundervollste, das Schönste, die höchste Kunst, als das Vollkommenste und als das Mächtigste bezeichnet, das den Menschen verzaubert. In der Srimad Bhagavata heißt es, dass Sri Krishnas Persönlichkeit selbst Amor verzaubert, und Amor würde vor Scham in den Boden versinken.

Schöne Dinge, seien sie visuell, hörbar oder intellektuell, sind Formen der Schönheit des absoluten Seins. Das Universum ist derart vollkommen, d.h., wenn man einzelne Dinge in ihrer Vollkommenheit sieht, erscheint alles schön. Die Menschen stapeln hier und dort auf Marktplätzen Holz auf. Diese Holzscheite sind nicht schön anzusehen. Doch wenn sie richtig bearbeitet und zu Tischen oder Stühlen verarbeitet wurden, wirken die zuvor hässlichen Hölzer vom Straßenrand, die man kaum beachtet hatte, auf einmal wunderschön. Welche eine wundervolle Arbeit, heißt es dann, was für ein schöner Tisch. Aufgrund des Arrangements wurde aus dem hässlichen Stück Holz schönes Mobiliar.

Darum ist Schönheit ein Muster der Vollkommenheit, und das höchste Muster, das alles einschließt, ist Gott der Allmächtige. Kann man die Schönheit des alles einschließenden Gottes spüren? Man kann IHN als die größte Kraft bezeichnen. Diese Art der Hingabe, wo man Gott als unbeugsame Kraft annimmt, wird als Aishvarya-Pradhana-Bhakti bezeichnet. Ein Beispiel dafür ist Bhishma, der Bhagavan Sri Krishna als die absolut erdenkliche Macht bezeichnete. ER ist unvergleichlich kraftvoll, doch ER ist auch schön.

Sri Krishnas Körper wurde als eine unnachgiebige Kraft beschrieben, stärker als Granitstein, so, als wäre ER ein Diamant oder eine wohlgeformte Vollkommenheit der Kunst. Wenn es sich hier nur um eine Inkarnation handelte, wie muss dann erst das Original aussehen?

Gott ist süß wie Honig und nicht nur Kraft und Schönheit. Honig mag man als die süßeste Sache der Welt bezeichnen. Es gibt auch einige Heilige, die Gott als ‚Honig’ bezeichnet haben. Der Heilige Ramalinga Swami beispielsweise rief immer: ‚Oh Honig, oh Honig, bitte komm! Honig der Glückseligkeit, bitte komm!’ Er konnte Gott nicht anders anrufen. Kann man sich vorstellen, wie überall der Honig tropft. Was für ein Geschmack! Welche Süße! Welch’ eine Freude!

Man sieht oder hört es als etwas Wunderschönes; man versteht es als eine große Kraft und man fühlt und schmeckt ES ebenfalls. Alle Sinnesorgane bis hin zum Intellekt sind von der Schönheit verzaubert.

Dieses ist die Kunst des Bhakti-Yoga, wo Gott als der absolute Vater im Himmel gesehen wird, und wo die Schönheit und das Majestätische des einen Gottes besonders betont werden. Man liebt IHN von ganzem Herzen. Man schreit: „Ich kann ohne IHN nicht leben.“ Das Wiederholen eines Mantras, auch Japa Sadhana genannt, ist die Kunst, eine besondere Charakteristik Gottes auszuwählen. Dieses ausgewählte bzw. initiierte Mantra sollte den persönlichen Neigungen entsprechen. Man sollte kein Mantra verwenden, das einem entweder nicht bekommt oder zusagt, oder dessen Bedeutung man nicht versteht. Es ist die Pflicht des Gurus das richtige Mantra für seinen Schüler für dessen Japa auszuwählen.

Ein Mantra ist in Wirklichkeit eine Formulierung, eine besondere Anordnung von Wörtern oder Silben, die in ihrer geschlossenen Form eine bestimmte Schwingung erzeugen, und damit eine bestimmte Wirkung erzielen. Nach indischer Tradition handelt es sich um eine Art Formel, die besonders beschrieben wird. Ein Mantra ist kein normaler Name, wie der Name für einen Baum oder Strauch. Ausgewählte Wörter oder Silben werden zu scheinbaren Kunstwörtern, Sätzen oder eben diesen Mantras zusammengefügt. Das Rezitieren dieser Mantras erzeugt in ihrem Zusammenklang - der Silben/ Wörter untereinander - bestimmte Aktionen, Schwingungen, Reaktionen, wie eine chemische Verbindung. Es entsteht eine neue Kraft, ein neues Element, aus der Zusammensetzung verschiedenster Silben oder Wortverbindungen, die als Mantra bezeichnet werden. Jedes neue Mantra entwickelt so seine eigene individuelle Kraft.

Ein Mantra wird zu einem Gedanken eines großen Sehers, Rishi genannt. Jedes Mantra hat seinen Seher oder Rishi. Wenn man ein Mantra rezitiert oder singend wiederholt, sollte man sich zuerst den Namen des Rishis vergegenwärtigen, der dieses Mantra ins Leben gerufen hat. Es heißt, man sollte auch immer, bevor man ein Buch liest, dem Autor seine Referenz erweisen. Danach kann man mit dem Lesen beginnen. Nicht einfach das Buch aufschlagen und mit dem Lesen beginnen. Man erweist zuerst einen kleinen Respekt demjenigen gegenüber, der das Buch geschrieben hat.

Der Autor eines Mantras ist ein Rishi. Man muss ihm Respekt erweisen, sich innerlich hingeben und um seinen Segen bitten, denn sein Gedanke ist die verbale Offenbarung in Form dieses Mantras. Dieses Gedenken bringt den Übenden in direktem Kontakt mit Rishi, von dem dieser Gedanke ursprünglich formuliert wurde. Durch den unmittelbaren Gedankenprozess des Rishis erfährt man dessen Segen. Man denke an etwas und man wird gesegnet. Wenn man gedanklich die Sterne, Brahma-Loka usw. berührt, erfährt man deren Segen. Wann immer man also sich zu Japa Sadhana hinsetzt, sollte man zunächst des Rishis gedenken, von dem das betreffende Mantra ausgegangen ist.

Es gibt etwas Schönes und Göttliches, das in der Kombination der Buchstaben und Silben enthalten ist, sodass deren Klangfolge etwas vollständig Neues erzeugt. Dieses Muster, die Kombination, das Arrangement der Buchstaben in ihrer spezifischen Anordnung wird bei einem Mantra als Chandras-Meter bezeichnet. Dieser Begriff Meter bedeutet die Methode, in der die Wörter/ Silben ausgewählt und mit anderen Buchstaben kombiniert wurden, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen.

Es gibt also die Rishis oder die Seher der Mantras und die Kombination von Buchstaben, die einen chemischen Effekt erzeugen; dann gibt es die Chandas oder Meter; den Gedanken an das Idol, der sich während der Rezitation des Mantras in dem Geist des Übenden aufhält. Das Idol ist das Göttliche darin. Das Mantra ist der verbale Ausdruck eines Musters des Göttlichen, an das beim Üben gedacht wird.

Einige Wissenschaftler, die mit dieser Art von Wortschöpfungen und deren geometrischen Reihen vertraut sind, die durch das Wiederholen bestimmter Namen erzeugt werden, haben herausgefunden, dass man die besondere Form des Göttlichen, an die man gerade denkt, vor sich im Sand oder auf dem Boden, im Wasser usw., wie eingraviert, erkennen kann. Vorausgesetzt das Singen geschieht in der richtigen Art und Weise, dann werden diese Muster erzeugt. Das Mantra darf natürlich nicht so daher gegrummelt oder schnell und lustlos wiederholt werden, sondern muss betont langsam, hörbar, jedoch leise und artikuliert gesungen oder gesprochen werden, wobei man den Klang der Wort- bzw. Silbenfolgen liebt.

Daneben bedarf es einer Disziplin der eigenen Gedanken, Sadhana Shakti genannt. Bekannt sind: Rishi Shakti, Chandas Shakti, Devata Shakti und das Sadhana Shakti desjenigen, der rezitiert. Alle zusammen erzeugen einen außerordentlichen Effekt, aufgrund dessen viele Menschen den Weg des Japa wählen, um hier ihre Freiheit zu verwirklichen.

In der Bhagavadgita heißt es von Krishna, dem Herrn, dass Japa das größte aller spirituellen Opfer ist. Warum sollte man all die materiellen Opfer mit Ghee und den unzähligen Gelehrten bringen? Allein der reine Gedanke, der sich in Form eines Mantras artikuliert, führt zu dem erwünschten Segen, den man sonst kaum zu erträumen oder zu erhoffen wagt.

Mantra Japa ist die Kunst, Gott im Inneren von sich selbst anzunehmen. Man nimmt Gott in Form der Charakteristik an, die man sich vorstellt. Jeder hat irgendeine Vorstellung von Gott. Diese Idee bestimmt die Art und Weise, wie Gott sich dem Menschen offenbart.

So wie eine Skulptur in Marmor gemeißelt wird, so schält sich die Statue heraus. Die Vorstellung über die Skulptur ist die Form, die das Material in der Skulptur annimmt. Darum ist Gott nichts weiter, als die Form der eigenen Gedanken. So wie man denkt, so ist ER. So wie man Seine Antwort erwartet, so wird ER antworten, denn der eigene Geist ist ein Miniatur-Empfänger der großen Macht, die vom kosmischen Sein ausgeht, und die selbst keine Form hat. Gott ist in allen Formen.

In einem Marmorblock kann man sich jede Form von Statue vorstellen. Ein Steinblock ist unpersönlich, doch die Persönlichkeit der Form einer bestimmten Statue hängt von dem Gedanken des Steinmetzes ab. Aus einem Marmorblock kann Gott oder ein Teufel, ein Pferd, ein Elefant oder ein Löwe gemeißelt werden. Jede erdenkliche Form kann von einem Künstler aus einem Marmorblock gebildet werden.

Alle Formen sind im formlosen Sein verborgen. Man kann sowohl sagen, Gott hat keine Form, als auch gleichzeitig behaupten, er sei ein Steinblock und ohne Gestalt. Doch man kann aus einem unpersönlichen Steinblock eine Gestalt mit unendlich vielen Möglichkeiten einer Gestaltung meißeln.

Ähnlich kann aus einer völlig losgelösten universalen alldurchdringenden eintönigen Existenz jede Form entstehen. Auf diese Weise kann jeder selbst wählen, was er erwartet. Je vollkommener die Vorstellungen über Gott sind, desto besser, und desto schneller stellen sich Erfolge in der Verwirklichung ein. Je unvollkommener die Vorstellungen über Gott sind, desto weniger erfolgreich wird das Bemühen sein. Gott kann sich im Handumdrehen einstellen oder aber er benötigt je nach Vorstellung sehr lange.

Wer glaubt, Gott sei weit entfernt, für den wird es lange bis zur Verwirklichung dauern, denn man hat sich für eine große Entfernung entschieden. Wenn ER sich nur an einem Ort befindet, braucht ER natürlich seine Reisezeit. Wenn ER sich im Himmel befindet, dann braucht es ebenfalls seine Zeit, bis Er den Übenden erreicht.

Doch wenn man akzeptiert, dass jegliche Entfernung durch Seine alldurchdringende Existenz aufgehoben ist, dann erfolgt die unmittelbare Verwirklichung. Da bei Gott Raum und Zeit nicht existieren, braucht ER auch keine Entfernungen zu überwinden und ER wird im Handumdrehen verwirklicht. ER ist im Hier und Jetzt, vorausgesetzt das Herz eines Menschen bittet darum. Doch wenn es irgendwelche Vorurteile oder Vorbedingungen gegenüber Gott gibt, man in die ablenkenden Formen dieser Welt gebunden ist und entsprechend denkt, darf man sich nicht über entsprechende Reaktionen wundern.

Die einzige Disziplin, die es zu entwickeln gilt, ist, ES wirklich zu wollen. Wenn man etwas wirklich will, muss es kommen. Häufig wünscht man etwas, doch es stellt sich nicht ein, denn man macht es irgendwie falsch oder man will es nicht wirklich. Man kann sich nicht viele Dinge gleichzeitig wünschen, denn das beeinträchtigt die Intensität der einzelnen Wünsche. Der Geist ist sein eigener Psychologe. Er kennt sich selbst sehr genau, und man kann ihn nur schwer überlisten. Wenn man zwei Dinge gleichzeitig wünscht, die sich materialisieren sollen, so haben beide nur einen Effekt von 50%. 100% sind deshalb nicht möglich, weil das Unterbewusstsein zur Hälfte mit einer anderen Sache beschäftigt ist. Je nachdem, wie viele Dinge man gleichzeitig wünscht, teilt sich das Unterbewusstsein in seinen Aktivitäten auf.

Gott ist kein Bruchteil. ER schließt alles ein, d.h. in dem Sinne, wie man etwas in dieser Welt wünscht, wird es auch gefunden. Viele Menschen fürchten, wenn Gott kommt, würden sie die Welt, die Familie, ihr Geld und ihre Verbindungen verlieren, all diese Schönheiten dieser Welt würden verschwinden, wenn Gott kommt. Dieses wird befürchtet. Verliert man wirklich die ganze Welt, wenn Gott kommt? Dieser Zweifel beschleicht selbst weit fortgeschrittene Sucher, denn es ist für alle kaum vorstellbar, dass die ganze Welt in Gott enthalten ist.

Darum wird die Welt nicht aufgegeben. Der Gedanke, die Welt abzulehnen, erhebt sich in der spirituellen Praxis nicht. Man versucht vielmehr in der Meditation die Welt einzuschließen. Die Welt ist ein Spiegelbild seines eigenen Originals, das im Absoluten zu finden ist. Selbst alle Menschen sind Schatten der wahren Natur des Himmels.

Kann man sich vielleicht vorstellen, was das bedeutet? Selbst jetzt befindet man sich im Himmel, und die eigene Persönlichkeit im Himmel bringt die Energie auf und macht sein Spiegelbild in dieser Welt ruhelos. Man ist mit sich selbst nicht zufrieden. Man fühlt sich in eine Kreatur eingezwängt, denn die eigentliche Natur ist irgendwo anders. Sie zieht den Menschen magisch an. Darum ist man mit nichts in dieser Welt zufrieden, solange man nicht mit seiner eigenen Natur in Verbindung treten kann.

Der sichtbare Mensch in dieser Welt ist nur ein Duplikat. Alle Dinge dieser Welt sind nur Schatten ihres Originals, das sich im höchsten Himmel befindet, das Selbst eingeschlossen. Die Wesen in der Welt sind keine absoluten Wirklichkeiten. Das eigene wahre Selbst befindet sich im höchsten Himmel, in Brahma-Loka. In Wahrheit befindet man sich augenblicklich in allen Welten, obwohl man glaubt, nur an einem Ort zu sein.

Die eigene höhere Natur entspricht der höheren Natur aller Dinge, so wie das Wasser des Ozeans jedem abgetrennten einzelnen Wassertropfen entspricht. Das Wasser des Ozeans ist überall gleich und nicht an einem Ort isoliert oder wirklich anders.

Das bedeutet nicht, wenn man in Gott eintritt, dass man sich von den Dingen in der Welt zurückzieht oder sie verneint, Vater und Mutter ignoriert, das Geld zum Lebensunterhalt über Bord wirft. „Alles ist weg! Was für ein Unglück!“ heißt es dann. – Auch wenn der sichtbare Besitz nur ein Schatten des Originals darstellt, doch man ist schließlich selbst nur ein Schatten. Alles ist in Bewegung. Wie sich bewegende Schatten verspürt auch der Mensch die Ruhelosigkeit.

Die Originale sind in Gott. Die Lebewesen sind nur Duplikate, Schatten. Eigentlich sind es nicht einmal Duplikate, sondern lediglich Schatten. Sie sind ohne Substanz. Die Welt ist ein Schatten Gottes, und im eigentlichen Sinne nicht einmal eine wahre Offenbarung. Es ist eine auf den Kopf gestellte Wahrnehmung des wahren Gottes. Die Lebewesen sind nur auf den Kopf gestellte Originale. Darum fühlen sich die Menschen eingeschränkt und sind unfähig, mit den Dingen dieser Welt zufrieden zu sein. Nichts kann den Menschen zufrieden stellen, weil sich die Originale irgendwo anders befinden. Darum wird man von ihnen angezogen, ohne zu wissen, was tatsächlich geschieht.

Man sollte niemals annehmen, wenn man Gott erreicht, dass man die Welt verliert. Man wird die Welt in ihrer wahren Form wahrnehmen. Die ganze Welt wird sich selbst heben. Hat man die Schätze des Traums verloren, wenn man erwacht? Angenommen, man war im Traum ein Eroberer Roms, ein König etc., man hatte alle Schätze, die man sich vorstellen kann: eine Armee, ein großes Gefolge, Freunde und was auch immer. Dann erwacht man. Hat man im selben Augenblick sein Königreich aus dem Traum verloren? Kann man sagen: „Was für ein Elend! Nun bin ich erwacht und alles ist dahin.“ Es ist nicht verloren, denn es war nur ein Schatten des Geistes, der jetzt erwacht ist. All die Schätze, all der Ruhm, die ganze Raumzeit und selbst die Eroberungen sind in den eigenen Geist eingegangen, der jetzt im Wachzustand ist. Der Ruhm aus den Träumen geht im Wachzustand nicht verloren. Man ist lediglich glücklich aus einem Albtraum erwacht zu sein.

So verhält es sich auch mit einem anderen Erwachen, d.h. dem Erwachen in das Bewusstsein des Absoluten Seins, wo der Gedanke an eine verlorene Welt bedeutungslos geworden ist. Die Eroberung der Welt, die Ehre der Menschheit und all die Schönheiten, die man in dieser Welt sieht, sind mit der Traumwelt vergleichbar. Wenn man aus einem Traum erwacht, hat man auch nicht das Gefühl, dass man das Weltreich, das man im Traum regierte, verloren hätte. Ähnlich verhält es sich, wenn man das Absolute erreicht, wo man nicht das Gefühl hat, etwas verloren zu haben. Alles ist dort vorhanden. Alles, was man hier sieht, ist auch dort als Original vorhanden. Kann es eine größere Freude geben? Warum sollte man sich also sorgen?

Doch der Geist ist dumm. Ein Schwein kann nur wie ein Schwein und nicht wie ein Heiliger denken. Das ist einfach unmöglich. Es bedarf großer Disziplin, Satsanga, die Gemeinschaft großer Persönlichkeiten. Man muss immer wieder mit großen Persönlichkeiten zusammenkommen und diskutieren, ihnen zuhören. - Man sage nur folgendes: Tadkathanam. Tadbuddhaya: der Geist sollte immer so denken, so wie jemand, der alles verloren hat: „Wie soll ich es wieder bekommen? Ich habe alles verloren. Ich kann nicht schlafen. Wann werde ich es bekommen?“ Tadatmanaha: nur in DAS gefesselt, und nichts anderes wollen. Tannisthaha: beseelt sein von dem Wunsch, nur das Eine zu wollen. Tatparayanaha: immer wieder nur darüber zu sprechen. Gacchantyapunaravrttim: vollkommen in diesen einen Wunsch vertieft, in sonst nichts, und man wird niemals mehr in diese schlimme Welt zurückkehren. –Tadbuddhaya stad atma na stanni sthastat parayanah; Gacchan tyapunara vrttim jnana nirdhuta kalmasah.

Ähnlich spricht man über die Praxis der Gegenwart Gottes: Brahmabhyasa. Tadchintanam, tadkathanam, anyonam tatprabhodanam etad eva parasmin cha brahmabhyasa kurutah. Wenn man nur an etwas denkt, als hätte man es verloren. Was hat man wirklich verloren? Man hat Gott verloren, den Schöpfer des Universums. Man ruft nach IHM wie ein Dürstender in der Wüste: „Oh ich habe meine Schönheit verloren!“ Wenn man jemand trifft, sollte man nur diesen einen Gedanken denken, nur in dieser Art und Weise sprechen.

Man muss Gott erreichen. Man kann dort alles finden. Es ist nicht dort, sondern hier. Der Gedanke über das ‚Dort’ ist überflüssig, denn in Gott gibt es keinen Raum.

Es ist sehr schwer, in der Art und Weise zu denken. Man ist an das räumliche Denken durch die Entfernungen und die temporären Erfolge gebunden, darum kann man sich nicht vorstellen, dass Gott hier ist. „Wie soll das möglich sein, denn ER ist doch weit weg?“ sagt der Raum. Tadchintanam: denke nur so; tadkathanam: sprich nur über dieses Thema zu den Menschen; anyonam tatprabhodanam: so wie die Studenten an der Universität über ein Thema diskutieren, über das am nächsten Tag eine Klausur geschrieben werden soll. „Wie geht das? Bist du gut vorbereitet? Hast du das Thema verstanden? Wie lautet die Antwort auf diese Frage?“ – Man sitzt zusammen und diskutiert endlos bevor die Klausur beginnt.

So muss man sich zusammensetzen und folgende Fragen stellen: „Wie können wir vorgehen? Wo liegen die Schwierigkeiten? Gibt es irgendwelche Lösungsansätze?“ – nur so kann man sich Gott nähern: „Ich bin nicht in der Lage richtig zu denken. Das ist mein Problem. Was soll ich dazu sagen?“ Dieses nennt man: Anyonam tatprabhodanam atat aka paratvam cha. Man versenkt sich auf diese Weise in DAS. Das ist der größte Schatz, der unsterbliche Freund.

Suhrdam sarva-bhutanam jnatva mam santim rcchati: „Erinnere dich, ich bin dein Freund. Wenn du Kummer hast, komme ich, um dir zu helfen.“ Man hat viele Freunde, und wird auch immer wieder im Stich gelassen. Sie kommen erst zum allerletzten Ereignis zurück, d.h. zur Beerdigung. „Doch ich bin der Freund allen Seins, denke daran. Ich komme, um dir beizustehen, und gebe dir, was immer du brauchst, wenn du dich meiner erinnerst. Ich will nichts von dir.“ Viele kommen in irgendeiner Erwartung, doch hier ist jemand, der will gar nichts. ER will nur Liebe. Wenn man IHN ruft, steht ER sofort zur Verfügung.

Wenn dieses Denken über Gott den eigenen Geist erobert hat, ist man ein Sadhaka. Nichts kann den Menschen mehr segnen als der geliebte Gott, ehrlich und aufrichtig, und nicht weil man als ein Sadhaka angesehen werden möchte. Man sollte das große Sein wissen lassen, wer und was man ist. Wenn ER den Anrufer kennt, ist es genug. Wenn die ganze Welt einen verehrt und der Herr nicht, ist man niemand. Die vielen so genannten Freunde sind nicht wichtig, sondern nur ER. ER muss der Freund sein. Dieser eine Freund ist genug, so wie die See zum Freund werden kann. Sri Krishna war ein Ozean. ER war der Freund Arjunas, und ein Sein war genug. Die Armee der Kauravas konnte diesem Einen nicht widerstehen, denn die Armee war wie eine Millionen Tropfen des Ozeans, wohingegen ER der Ozean selbst war und ist.

Es war ein Fehler Duryodhanas die Millionen von Tropfen zu wählen, wohingegen Arjuna den Ozean wählte. Darum widerstand der Ozean im Handumdrehen den Aktivitäten all der Tropfen.

Es gibt Tropfen der Schönheit, der Größe und der Werte in dieser Welt. Wie Duryodhana sucht man nach den Tropfen der Schönheit, Werte und des Besitz in dieser Welt, und der Ozean ist irgendwo anders. Man hat IHN vergessen.

Es liegt bei den Menschen selbst, sich still hinzusetzen, um über das eigene Wohlergehen nachzudenken und seine Energie nicht für das Palaver auf Marktplätzen, für Reisen in ferne Länder, für Pilgertouren oder Ähnliches zu verschwenden. Man muss nirgendwo hingehen. Man sollte nur an einem Ort bleiben, sich still hinsetzen, und man wird finden, wonach man sucht, denn das, wonach man sucht, befindet sich unmittelbar dort, wo man sich gerade aufhält.


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