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Yoga als eine universale Wissenschaft

  Kapitel 17:

  Erfahrung und "Übererfahrung"

Die Einheit, die in der Meditation gesucht wird, ist von solcher Art, daß man die Bedeutung richtig verstehen muß, bevor man mit der Praxis beginnt. Während der Meditation findet eine zweifache Aktivität statt - die eine Aktivität bedeutet, die eigene Trennung von jenen Bedingungen und Faktoren, die den Einzelnen von dem Wesenhaften der Objekte getrennt hat; die andere Aktivität betrifft den aktuellen Eintritt der absoluten Substanz des Meditierenden in die Substanz des Objektes. Es gibt bedingungslose Faktoren, die auf einen Unterschied zwischen dem meditierenden Bewußtsein und seinen Objekten beharren, wobei Raum und Zeit an erster Stelle stehen. Der Mensch, der in demselben Raum und Zeit zu meditieren versucht, wie das Objekt, ist etwas Besonderes. Insoweit, wie Meditierender und Objekt auf ähnlicher Stufe der Wirklichkeit stehen, und insoweit, wie beide im selben Raumzeitkomplex involviert sind, kommt es in der Meditation beim Versuch zu Schwierigkeiten, wenn, wie im vorigen Kapitel (bei A ist A und B ist B) erwähnt, das Subjekt sich mit dem Objekt vereinigen will. A kann nicht zu B werden. Dies ist die Philosophie des empirischen Lebens. Was man ist, das ist man, und man kann nicht zu etwas anderem werden. Dies ist die Logik, und darin liegt die Sorge des Menschen, die ihn an die Überzeugung einer getrennten Existenz bindet, ihn von allem anderen trennt, jeden Menschen, die von allen anderen Dingen getrennt sind. Raum und Zeit mischen sich in alle und nicht nur äußerliche, sondern auch innerliche Dinge dieser Welt ein. Äußerlich nehmen wir aufgrund des Raumzeitfaktors die Isolation von Objekten wahr, - seien es Personen oder Dinge, - und innerlich sind wir unfähig, anders als in Raumzeitbegriffen zu denken. Selbst der Geist arbeitet räumlich und vergänglich. Darum gibt es in der äußeren Gesellschaft und im inneren Geist dieses Beharren auf absolute Isolation, Eigenständigkeit, Selbstbehauptung und Selbstliebe in das eigene Leben bis hin zur Todesangst. Der Meditationsaspekt, der den Einzelnen von der Beziehung zu diesen Faktoren trennt, wird in der Bhagavad Gita als "Duhka-samyoga-viyoga" bezeichnet, was man als "Trennung vom Kontakt mit der Ursache der Schmerzen" versteht. Dies ist die Trennung von der Einheit; es ist die eigene Trennung von den Voraussetzungen oder Faktoren, die zur Einheit mit allem innerhalb der Grenzen von Raum und Zeit beitragen. Dies ist der Haken bei der ganzen Meditation. Das meditierende Bewußtsein vergißt seine frühere Verbindung mit den sozialen Werten nicht. Das ist die Ursache für den abgelenkten, hin und her springenden Geist in der Meditation. Niemand ist, sobald er sich zur Meditation hinsetzt, frei von diesen Schwierigkeiten. Der Meditierende ist innerlich und äußerlich, sowohl gesellschaftlich als auch psychologisch ein vergängliches Individuum. Und er kann nicht über seinen Schatten springen. Dieser Härtefall kann mit dem Versuch verglichen werden, auf die Schultern eines anderen zu steigen, was praktisch unmöglich ist, doch wenn die beabsichtigte Vereinigung glücken soll, sollte man es versuchen.

Die unsichtbaren Faktoren, die uns mit dem Universum verbinden

Jeder Einzelne, alles in der Welt, hat einen empirischen und transzendentalen Charakter. Die Philosophen beschreiben diese Situation als empirische Wirklichkeit und transzendentales Ideal. Wir leben auch in anderen Welten. Von Kopf bis Fuß berühren wir gleichzeitig, auf fremdartige Weise, mit unsichtbarer Verbindung, einerseits den Himmel und andererseits die niederen Ebenen. Wir haben zu jedem Reich des Daseins Beziehungen, und diese Beziehungen bestehen selbst in diesem Augenblick. Jedoch wird nur eine bestimmte Ausdrucksform zum Objekt unserer sinnlichen Wahrnehmung. Die für uns sichtbare Welt hat eine Form der Dichte, wo sich das ganze Universum in dem absteigenden Prozeß von Evolution oder Schöpfung offenbart. Das heißt nicht, daß es keine anderen Dichten gäbe. Es gibt für uns unsichtbare Reiche. Es gibt Dinge in unserer eigenen Struktur, die für uns unsichtbar sind. Wir können weder unsere Pranas (Lebensenergien), noch unseren Geist, Intellekt oder die fünf Koshas (die fünf Hüllen unseres Körpers) sehen. Wir können uns selbst nicht einmal so sehen, wie wir wirklich sind. Doch wir sehen unser äußeres Erscheinungsbild, die empirische Beziehung von Raum und Zeit. Wir bleiben auf immer und ewig, in jeder Lage, wo auch immer wir uns befinden, sei es im Himmel oder in der Hölle, kosmische Individuen. Wir unterscheiden uns nur oberflächlich und nicht wirklich voneinander. Wenn wir also - im wahrsten Sinne des Wortes - die Grenzen der Meditation - entsprechend der Anforderungen des Yogasystems, wie bei Patanjali beschrieben, - berühren, arbeiten wir an bestimmten Merkmalen unseres Lebens, die nicht im normalem Alltag zur Verfügung stehen. Wir mischen uns auf mysteriöse Weise bei uns selbst ein, was gleichzeitig ein Berühren der unsichtbaren Faktoren bedeutet, die uns mit allen äußeren Dingen verbinden, so daß wir bei aufrichtiger Meditation, die Schaltstelle des gesamten Universums bedienen. Plötzlich wecken wir alle schlafenden Hunde, und wir können uns vorstellen, was uns erwartet, wenn alle schlafenden Hunde plötzlich erwachen. Auf allen Seiten geschieht ein Aufbruch zu neuen Werten und Dingen in der Welt, die mit uns in irgendeiner Weise in Beziehung stehen, und gehen eine neue Beziehung ein.

Das empirische Gesetz der Trennung und das Gesetz der Verbundenheit der Dinge

Anfangs gibt es großen Widerstand; eine heftige Opposition von allem. Niemand möchte seine bisherigen Beziehungen in dieser Welt vollständig aufgeben oder ändern. Die Welt hat ihre bestimmten Gewohnheiten und kann keine Einmischungen hinnehmen. Doch unsere Beziehungen sind empirischer Natur, was die Ursache unserer Sorgen ist. Es ist für uns sehr mühsam und doch von großer Bedeutung, uns auf diese einschneidenden Maßnahmen vorzubereiten. Niemand sollte die Technik solange nicht anwenden, wie er nicht über die innere Stärke verfügt, die der Wandel des eigenen Verhaltens mit den Dingen in dieser Welt erforderlich machen, dabei geht es nicht nur um die gegenständliche Welt, sondern auch um die anderen Bereiche, die damit verbunden sind. In den Yoga Sastras steht geschrieben, daß uns die Bewohner der anderen Reiche Steine in den Weg legen, was nicht geschieht, wenn wir ihnen offen gegenübertreten. Wir prüfen jemanden, wenn wir uns ihm entgegenstellen. So funktioniert es bei allen Dingen. In der wahren Meditation stellen wir uns niemandem entgegen, sondern versuchen mit allem, Gutfreund zu sein. Doch als Ergebnis nach einiger Meditation, scheinen unsere Krankheiten zuzunehmen, so wie es häufig bei Krankheiten geschieht, die nur durch starke Medikamente heilbar sind. Das Problem entsteht aufgrund unserer zweifachen Beziehung zu den Dingen. Unsere Beziehung zu den Dingen ist nicht immer gleich, sondern manchmal sehr kompliziert. Einerseits können wir nicht mit allem gleichzeitig kommunizieren, denn A ist A und B ist B, - sonst leidet unsere Logik. Doch andererseits, können wir mit dieser Art von Logik nicht mehr weitermachen, denn sonst wird alles zu kompliziert und die gesellschaftlichen Beziehungen gehen kaputt. Gesellschaftliche Beziehungen funktionieren so nicht an dieser Stelle, wo A immer A und B immer B bleibt. Unser Bemühen auf den verschiedenen Gebieten des Lebens, dem Streben, Vorlieben und Hoffnungen des eigenen Geistes, sagt uns, daß auf ewig und unter allen Umständen, A nicht A und B nicht immer B bleiben kann, obwohl es so aussehen mag. Darum begrenzen diese Eigentümlichkeiten von A oder B ihr eigenes individuelles Muster, und dies ist unser Hindernis, daß als engelhafte Erscheinung vom Himmel oder in Form eines sogenannten Freundes selbst aus dieser Welt kommen mag. Es kann jede Form annehmen und sich als harte Nuß vor uns aufbauen, die wir nicht knacken können.

Die Probleme kommen von zwei Seiten, von innen und von außen. Es gibt kein ausschließlich innerliches oder ausschließliche äußerliches Problem, denn die ganze Welt ist ein Ganzes, und darum ist alles auch ein allseitiges Problem. Für die Welt gibt es kein innen und außen. Nur für uns scheint es so, als gäbe es etwas Innerliches und ein von dort unterscheidbares Äußerliches. Darum zwingt uns das Gesetz der Verbundenheit aller Dinge, die keinen Unterschied von innen und außen kennen, selbst in dieses Dilemma, da wir nicht in der Lage sind, in beide Richtungen zu schauen. Darum sagt uns Patanjali an einigen Stellen, daß die Sorge des Einzelnen in der Einheit von Seher und Gesehenem liegt. Doch von einem anderen Standpunkt aus betrachtet, liegt die Sorge des Einzelnen in der Unfähigkeit, sich mit anderen zu vereinen. Beide Standpunkte sind richtig. Die Ursache der Sorgen liegt in dem Versuch des empirischen Einzelnen, mit den anderen Dingen in Kontakt zu kommen, die sich von dem Einzelnen unterscheiden. Deshalb liegt der Kummer dieser Welt in der Kontaktaufnahme des Sehers mit dem Gesehenen. Alles zu ergreifen, alles zu besitzen, sich an allem zu erfreuen oder jede Art aufrichtiger Beziehung zu bewahren, ist in dieser Welt unmöglich, denn hier herrscht das empirische Gesetz der Isolation vor, und darum gibt es keinen Besitz anderer Dinge oder etwas anderes als eigenen Besitz festzuhalten. Es gibt hier keinen Besitz. Einerseits gibt es diesen Drang nach dem Kontakt zu anderen Dingen. Andererseits ist es aufgrund der Natur der Dinge unmöglich, in dieser Richtung Erfolge zu erzielen. Wenn wir meditieren, sehen wir uns einer schwierigen Situation gegenüber. Viele Meditierende erkennen nicht, worauf sie sich eingelassen haben. Wir lauschen lediglich bestimmten Definitionen über Konzentration, Meditation und Samadhi und fühlen uns durch die Lehren beeindruckt. Doch alle Formen von Ankündigungen, Proklamationen oder Werbungen über die Notwendigkeit von Meditation, kann nicht die Probleme veranschaulichen, denn die Probleme sind außerordentlich vielschichtig. Wir leben seit Jahrhunderten in dieser räumlichen und vergänglichen Welt. Wir haben viele Inkarnationen durchgemacht. Wir wurden durch den Evolutionsprozeß in unterschiedlichen Daseinsformen und in jede Evolutionsstufe geboren, und in jeder dieser Daseinsformen, unterlagen wir derselben Vorstellung unserer empirischen Isolation. Dieser Eindruck wurde durch die Erfahrungen in der Vergangenheit in unseren gegenwärtigen Geist gebrannt, und diese Erfahrungen wiederholen sich in hartnäckiger Weise. Wenn wir unsere Wertvorstellungen im Interesse spiritueller Meditation innerlich und äußerlich vollständig zu verändern versuchen, werden wir zu unserem eigenen Feind.

Die Rolle von Dharana beim Ausdünnen der Vrittis

Die beiden Begriffe 'Vairagya' und 'Abhyasa' aus der Bhagavad Gita und den Sutras von Patanjali beziehen sich auf diese beiden Aspekte unserer Aufgabe, - die empirische und die transzendentale, die vergängliche und die spirituelle. Der empirische Aspekt unserer Aufgabe bezieht sich auf unsere eigene Physis ebenso wie auf die Physis oder die psycho-physikalische Pflicht anderer. Der transzendentale Aspekt unserer Aufgabe bezieht sich auf unser eigenes Sein ebenso wie auch auf das wahrhafte Sein anderer. In tiefer Konzentration auf jedwedes Objekt, schüttelt der Geist schrittweise die Charaktere von Rajas und Tamas ab, die auch in den Konzentrationsobjekten gegenwärtig sind, und bis zu einem gewissen Grade durchdrungen werden. Normalerweise wird der Geist wie aufgewühltes Wasser durcheinandergewirbelt. Durch tiefe Konzentration geben wir dem Geist die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, - so wie aufgewühltes Wasser zur Ruhe kommt, bis es schrittweise lichtdurchlässig bzw. durchsichtig wird. Konzentration ermöglicht dem Geist, in sich selbst zur Ruhe zur kommen, ohne in irgendeine andere Richtung der Sinnesobjekte gezogen zu werden. Wenn man sich bei dem aufgewühlten Gewässer weiterhin einzumischen versucht, können sich die im Wasser befindlichen Schmutzpartikelchen nicht setzen. Doch wenn wir alles sich selbst überlassen, stellen wir nach einiger Zeit fest, daß das Gewässer zur Ruhe gekommen ist, daß es klarer geworden, die schwebenden Stoffe sich gesetzt haben und die Wasseroberfläche von der Sonne reflektiert wird. Unserem Geist geben wir keine Gelegenheit selbständig zur Ruhe zu kommen. Wir verhalten uns ihm gegenüber, wie einem Fließbandarbeiter. Wir lassen ihn permanent irgendwelche Dinge erkennen, und machen es dann noch schlimmer, in dem wir den Geist aus den bekannten Gründen dazu zwingen, Anteil an den zweifachen Funktionsweisen (den schmerzhaften und nicht schmerzhaften Vrittis) dieser erkannten Objekte zu nehmen. Bei der Konzentration kommt der Geist durch die dabei fortgesetzt zielgerichtete Denkweise zur Ruhe, und dieses zur Ruhe kommen, kommt in gewisser Weise, der Befreiung von Rajas und Tamas gleich. Die Ablenkung der Gedanken hört auf und vermindert dadurch die Aktivität von Rajas. Die Trägheit entsteht, als dunkle Seite der Dinge, durch sich selbst mit dem Ziel zum Unbewußtsein. Doch dieser Trägheit kann man durch ein waches Bewußtsein begegnen. Konzentration ist kein Zustand des Schlafes, wo wir normalerweise alles vergessen und nichts wissen. Insoweit wie eine bewußte Aufmerksamkeit auf das Konzentrationsobjekt vorherrscht, findet weder Schlaf, Lethargie noch Tamas statt. Und insoweit, wie dem Geist nicht zugestanden wird, an etwas anderes als das Konzentrationsobjekt zu denken, hört Rajas auf zu existieren. Insoweit wie Rajas und Tamas ihre Notwendigkeit verlieren, verbleibt Sattva. Und Sattva kann von dem Geist, in dem die Objekte als Ganzes wie in einem Spielgel reflektiert werden, durchdrungen werden.

Wir können, ohne die Augen zu öffnen, das Konzentrationsobjekt in uns sehen. Wir können das Wesen des Objektes selbst mit geschlossenen Augenlidern sehen. Dies ist, wie man sagt, mit dem inneren Auge möglich. Dieses Visualisieren wird, wie bereits erwähnt, durch die Klarheit des Geistes und durch die Überlegenheit von Sattva, unter Ausschluß von Rajas und Tamas, hervorgerufen. Die Vrittis werden schwach, was von Patanjali unter dem Begriff ‘Kshinavritti’ verstanden wird. Die Vrittis werden mürbe, als würden sie wie ein Seidenfaden reißen. Ursprünglich waren sie aufgrund der Kontemplation verschiedener isolierter Objekte sehr stabil. Der Geist konzentriert sich nur auf eine Sache, und darum werden, die ansonsten starken hin und herspringenden Sinnesobjekte (Vrittis) ausgedünnt. Der Geist wird kristallklar. Wenn der Geist auf diese Weise klar wird, kann er die Objekte in sich selbst reflektieren. Die Gunas der Prakriti, die draußen in den Objekten, so wohl als auch im inneren Geist wirken, geben ihre Spannungen auf und erlauben das Zusammenkommen des Sattva-Elements, das sowohl im Subjekt wie im Objekt gegenwärtig ist. Prakriti ist eine kosmische Substanz, die einerseits als das Subjekt und andererseits als das Objekt der Konzentration erscheint. Der Tamas-Aspekt erscheint als das sichtbare Objekt, und der Geist nimmt einen anderen Aspekt in subtiler Form von demselben Objekt wahr. Die Gunas wirken im inneren Geist und ebenso in den äußeren Objekten. Aus diesem Grunde wird ebenfalls eine Verwandtschaft zwischen dem Geist und den Objekten gesehen. Doch wenn durch die Meditation eine Transparenz des Geistes, unter Ausschluß von Rajas und Tamas, bewirkt wird, gibt es eine engere Beziehung zwischen Subjekt und Objekt bzw. dem Seher und dem Gesehen. Die Welt kommt uns näher. Wir berühren sie in ihrem wirklichen Sinn und nicht nur in ihrer Erscheinungsform.

Die Welt, eine Illusion; wir selbst, eine Fata Morgana

Bei der Sinneswahrnehmung kommen wir nicht wirklich mit den Objekten in Berührung. Wir scheinen die Objekte nur zu berühren. Darum ist unsere Freude, die sich aus dieser Scheinberührung ergibt, eine Scheinfreude, die nicht zur wirklichen Zufriedenheit, wie bei der wirklichen Vereinigung mit den Dingen führt. Niemals vereinigen wir uns in dieser Welt mit irgendwelchen Dingen, nicht einmal mit den teuersten Objekten oder den größten Besitztümern. Wir bleiben immer außen vor. Darum empfinden wir in uns zu aller Zeit, aufgrund eines möglichen Besitzverlustes, eine ständige schleichende Angst. All unser Besitz wird aufgrund des Naturgesetzes auch wieder verlorengehen. Doch wenn in der Meditation die Trennung von Dingen durch das Auflösen von Rajas und Tamas aufgehoben wurde, sieht es so aus, als würden wir die Dinge wirklich und nicht nur scheinbar besitzen. Die Originalität der Dinge offenbart sich selbst, und sie ist nicht nur ein Spiegelbild. Wer ist schon mit einem Spiegelbild eines Objektes zufrieden? Die Berührung und der Besitz sind Wirklichkeit und nicht illusionär. Und jedes Spiegelbild ist nur eine Illusion des Originals. Die Welt ist nichts weiter als ein Spiegelbild seines Originals, das jenseits von Raum und Zeit liegt, und aus diesem Grunde wird immer wieder behauptet, daß die Welt eine Illusion ist. Sie nicht so, wie wir sie sehen oder wie unser Geist sie wahrnimmt. Eine Welt in Raum und Zeit kann nicht als das Original betrachtet werden. Und auch wir, die wir ebenfalls in diese Raumzeit eingebunden sind, befinden uns in einer Welt der Illusionen; wenn wir uns selbst anschauen, sehen wir nur unser eigenes Spiegelbild. Niemand sieht sich selbst. Jeder wird auf die gleiche Weise getäuscht.

Wie die Meditation die versteckte Wirklichkeit offenbart

Meditation löst die Knoten durch zielgerichtete Konzentration, die den Schleier von Rajas und Tamas zerreißt und sich der absoluten Nacktheit des wahrhaften Objektgeistes, und nicht bloß einem Schein gegenübersieht. Die wohl bekannten Komponenten des Meditationsprozesses, wie Dhyatru, Dhyeya und Dhyana vermischen sich so miteinander, daß scheinbar keine psychische Bewegung mehr stattfindet, als würden zwei auf gleicher Ebene befindliche Gewässer ineinanderfließen, obwohl scheinbar, aufgrund des selben Wasserstandes, keine Bewegung stattfindet. Wenn hier die Transparenz des Geistes in die wahre Natur des Konzentrationsobjektes eintritt, scheint es, als würde man überhaupt nicht meditieren. Zu diesem Zeitpunkt ist die Konzentration mühelos. Der Meditierende fließt spontan in das Objekt und das Objekt fließt genauso spontan in den Meditierenden hinein. Es gibt weder Meditierenden noch Objekt. In solch einem Augenblick kann niemand sagen: Wer ist wer und was ist an welchem Ort. Das Bewußtsein in Form von Vishaya Chaitanya, das in dem sogenannten Objekt verborgen ist, offenbart seine neue Form, und sie umarmen sich wie zwei verlorengeglaubte Freunde, die sich nach Jahren der Trennung wiederfinden, denn Subjekt und Objekt erkennen einander in ihrer wahren Form, und sie werfen ihre Masken ab, die sie in der vergänglichen und reinkarnierenden Welt voneinander trennten. Sie erkennen sich als Vögel desselben Vaters. In den Vedas und Upanishaden heißt es: Die beiden Vögel sitzen auf dem selben Baum und beginnen zu erkennen, daß sie vom selben Stamm sind. Zu diesem Zeitpunkt hört Meditation auf, ein Teil des Meditierenden zu sein. Sie wird zu einem Augenblick der Existenz, dem Charakter des Seins, was sich mit seinem eigenen Sein vereinigt, und zu diesem Zeitpunkt kann man nicht sagen, ob der Meditierende an das Objekt oder das Objekt an den Meditierenden denkt. Beide Aussagen können richtig sein, und vielleicht finden beide Aktivitäten zur selben Zeit statt

Die Einstellungen des Unterbewußtseins - ein großes Hindernis beim Fortschritt in der Meditation

Dies ist nicht nur eine weit fortgeschrittene Meditationsstufe, jedoch unverständlich für den normalen Geist. Das Bemühen, die Spannungen und die Vorurteile des menschlichen Geistes lassen es nicht zu, daß der Geist in solch eine Stufe eintritt. Der Mensch, der in diese Stufe einzutreten versucht, wird immer wieder daran gehindert. Wie häufig er es auch versuchen mag, er wird daran gehindert, denn wir sind Lebewesen, dessen Unterbewußtsein und unbewußten Vorurteile dazu zwingen, menschliche Wesen, - Männer wie Frauen, geschäftige Menschen, - zu bleiben, und anstatt ehrlich nach dieser Einheit mit einem höheren Charakter zu streben, hindert uns die innere Zurückhaltung. Häufig machen wir den Fehler, uns nur mit dem oberflächlichen Geist zu konzentrieren und das Unterbewußtsein zu vernachlässigen. Wer nimmt sich schon Zeit an das Innere zu denken? Wir sind sehr geschäftig, und haben keine Zeit, uns eine Sekunde lang damit zu beschäftigen! Darum ist unsere innere Natur in ihrer Haltung so erfolgreich. Es handelt sich um eine Finte der Natur, die erkennt, daß wir uns nicht die Zeit nehmen, für kurze Zeit zu inne zu halten, sondern lieber geschäftig umherirren, so daß sich die inneren Einstellungen nicht verändern können, anstatt den aufrichtigen Versuch, ein spirituelles Leben zu führen, ernst zu nehmen. Darum ist ein bewußter oberflächlicher Versuch der Spiritualität, Meditation oder Religion wenig Erfolg versprechend, wenn die tiefer liegenden Probleme des Unterbewußtseins außer Acht gelassen werden; sonst wird Religion zum Geschäft, Spiritualität eine Form der Aktivität und Meditation zum Hokuspokus. Es wird nirgends hinführen.

Die theoretischen Grundlagen moderner Psychologie

Der große Meister Patanjali war sehr ehrenwert, als er uns die wesentlichen Voraussetzungen aufrichtiger Meditation enthüllte. Nach seiner Auffassung ist wahre Meditation, wenn wir zum Objekt werden, da wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht vom Objekt unterscheiden können. Es ist der Zustand, wo sich der Meditierende nicht mehr seines Meditationsobjektes bewußt ist, doch er wäre zum Objekt geworden, wenn das Objekt, - anstelle eines Subjekts, das auf ein Objekt meditiert - auf sich selbst meditiert hätte. Wenn wir uns beispielsweise - durch Samyama (fixieren) - auf einen Baum konzentrieren, ist dies so, als würden wir wie der Baum selbst denken und nicht von außen unser Bewußtsein auf ihn lenken. Dies ist die philosophische oder theoretische Grundlage moderner Psychologie, wie sie auch in der Telepathie mit Fernheilung usw. bekannt ist. Dies beinhaltet auch Hypnose. Der Erfolg von Hypnose liegt in einer inneren Verbundenheit des kontemplierenden Geistes mit dem Objekt, dessen Entfernung in Raum und Zeit begründet ist. Eine Person in Indien mag räumlich von jemandem in London getrennt sein. Und es ist schwer vorstellbar, wie dieser Jemand von Indien aus jene andere Person in London beeinflussen kann, denn er ist Tausende von Meilen von London entfernt. Doch in Wirklichkeit besteht diese Entfernung nicht, denn dies ist eine Illusion, die aufgrund von Raum und Zeit beeinflußt wird. In Wirklichkeit existiert zwischen den Dingen keine Distanz. Nichts ist voneinander entfernt. Es ist eine Täuschung und ein Meisterstreich der Natur über unseren Geist, so daß wir nichts Lohnendes versuchen dagegen zu unternehmen. Es gibt nichts Entferntes, weder der Himmel noch London oder Amerika. 

Das Abschaffen von Raum und Zeit ist die letzte Stufe der Meditation

Das Abschaffen der großen Entfernung zwischen dem Seher und dem Gesehenen ist die Meisterschaft in der Meditation. Der Meditierende muß 100prozentig davon überzeugt sein. Was uns von diesem Erfolg abhält, ist mangelndes Vertrauen. Niemand vertraut der Tatsache, daß es keine Entfernungen zwischen den Dingen gibt. Wir glauben alle, daß es diese Entfernungen gibt. Wer kann Entfernungen leugnen? Wir alle reisen und besuchen Plätze, und wir sollen statt dessen zugeben, daß es letztendlich diese Entfernungen zwischen den Dingen nicht gibt. Da es keine Entfernung gibt, existiert auch kein Raum. Und wenn kein Raum existiert, gibt es auch keine Zeit. Dies ist für uns eine unglaubliche Offenbarung. Unser Geist kann das nicht akzeptieren. Der Geist revoltiert gegen derartige Überzeugungsversuche und will uns seine Gefolgschaft verweigern. Darum sind wir das, was wir sind und werden es auch ewig bleiben. Doch Yoga schluckt dieses Feuer; es handelt sich dabei nicht nur um leere Worte. Es ist wirklich so. Wenn diese Art von Überzeugung vor dem Erfolg aufrichtiger Meditation steht, schluckt Yoga wirklich Feuer. Und sollen wir das Yogaziel einfach vergessen? Oder sind wir nur hier, um Gebäude zu errichten, Papiere aufzuheben, abzulegen und in Büros gehen, um uns in dieser Welt einen guten Namen zu machen? Laufen wir nicht nur einem Traum nach? Sind wir vielleicht durch einen Trick der Natur betrogen worden? Wenn wir uns dieser innerlich und äußerlich trickreichen Natur fügen, wird es immer schlimmer. Doppelt und dreifach müssen wir bei diesem Spielertrick aufpassen, den die Natur gegen uns mit diesem Zauberas anwendet, und mit dem die Natur mit ihrer ganzen Macht bei der Unterdrückung aller Lebewesen so erfolgreich ist. Es mag große Menschen in dieser Welt geben, doch worin auch immer ihre Größe bestand, keine Größe kann vor dieser Natur bestehen. Die Größe der Natur steht selbst über den größten Menschen, die je gelebt haben. Sie nimmt weder Rücksicht auf Heilige noch auf Großväter! Sie ist größer als Heilige. Sie kennt sich selbst.

Darum handelt es sich hierbei um eine schreckliche Angelegenheit, was Yoga 'pur' ist. Bei Yoga handelt es sich weder um eine internationale noch um sonst irgendeine Aktivität. Es handelt sich um das Öffnen unseres eigenen Herzens vor dem Angesicht Gottes, und hier beruht die Führung in der Aufrichtigkeit unseres Herzens. Tivra-samveganam asannah, sagt Patanjali. Unserer innerer Drang und die Aufrichtigkeit uns selbst gegenüber sind unsere Führung, und wir sollten uns nicht einbilden, daß alles zu unserem Besten steht, wenn wir nicht einmal in der Lage sind, über den Tellerrand unseres normalen Lebens zu schauen, denn wir wollen strikt an unseren körperlichen Beschränkungen und seinen Beziehungen festhalten.

Darum suchen wir die Vereinigung in der richtigen Meditation, wobei dort das im Geist aktive Sattva, die im Geist reflektierten Objekt durchdringt, indem die scheinbaren Unterschiede zwischen dem Seher und dem Gesehenen zerbrochen bzw. abgemildert werden. Eins betritt das Andere. Dieser Zustand, der miteinander verbundenen Reflexion des aufrichtigen Seins aller Menschen ist das Brahma-Loka (das Himmelreich), wie es in den Schriften beschrieben wird. Das Himmelreich oder das Königreich Gottes, von dem wir in den Schriften hören, dem Brahma-Loka, ist das wirkliche Reich der Werte, wo jeder in jedem reflektiert wird. Durch den Eintritt in das wahre Sein einer anderen Sache, entsteht eine wechselseitige Reflexion. Dies ist der letzte Punkt in der Meditation, was gem. Patanjali dem höchsten Ziel von Samyama oder Samadhi entspricht, dessen Objekte die Entwicklung der Prakriti sind.


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