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Das Savitri-Mahayajña von 1947 - 1950

Eine Reihe von Zufällen in Ma‘s Umgebung führte dazu, daß ernsthaft in Erwägung gezogen wurde, in Varanasi ein Yajña durchzuführen. Ein Devotee versprach, Brennholz dafür bereitzustellen, ein anderer Ghee [gereinigte Butter]. Der Krieg war noch nicht lange vorüber, und die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen  Artikeln täglichen Bedarfs hatte sich noch längst nicht wieder normalisiert. Didi stürzte sich jedoch beherzt in die Unternehmung, die damals die kargen Einkünfte des Ashrams bei weitem zu übersteigen schien. Sie glaubte an Ma‘s Kheyala zu einem Mahayajña [großer vedischer Opferritus], von dem sie schon vor fast zwanzig Jahren in Shahbagh gesprochen hatte.
      Ein zeitweiliges Gebäude wurde im Hof des Ashrams errichtet. Aus bescheidenen Anfängen wuchs das Unternehmen zu  einer der spektakulärsten Aktionen, die je vom Ashram organisiert wurden; es war ein Yajña von enormem Ausmaß. Der Samkalpa, d.h. der Zweck des Yajña, war ›das Wohlergehen der Menschheit‹ (Vishva-Kalyana). Die Bewohner des Ashrams gewöhnten sich daran, jeden Morgen drei Stunden lang von mehreren Rezitatoren gemeinsam den schönen rhythmischen Klang des Gayatri-Mantra zu hören. Alle Vorschriften für ein vedisches Feueropfer wurden gewissenhaft befolgt. Das Yajña dauerte drei Jahre; es endete am 14. Januar 1950.
      In diesen Jahren kam Ma sehr oft nach Varanasi. Das Yajña war einer der Gründe dafür. Ein anderer war zweifellos, den vielen Familien, die aus Ostpakistan vertrieben worden und als Flüchtlinge nach Indien gekommen waren, beim Aufbau ihrer neuen Existenz zu helfen. Trotz der schwierigen, manchmal gefährlichen Umstände hatte Ma ihr Programm häufiger Reisen nicht aufgegeben. Mehrfach war sie nach Bengalen gefahren, man sah sie recht oft in Calcutta, Bahrampur, Dacca und anderen Städten in der Region. Solange sie dort war, vergaßen die Bewohner alle ihre Sorgen und waren glücklich und zufrieden. Wo immer Ma sich gerade aufhielt, entfalteten ihr Mitgefühl und ihre Güte eine segensreiche Wirkung. Sie traf mit allen indischen Politikern zusammen, die nach Erlangung der Unabhängigkeit zur Macht kamen. Ihr Verständnis für die vielfältigen Probleme, denen die Nation gegenüberstand, brachte jenen, die sie ihr vorlegten, zweifellos Erleichterung.
      Amulya Kumar Datta Gupta, Professor an der juristischen Fakultät der Universität Dacca, führte ein Tagebuch, in das er die Gespräche bei Ma eintrug. Seine Eintragungen aus dieser Zeit vermitteln ein Bild des allgemeinen Leids.
      »In Indien fanden tiefgreifende Veränderungen statt. Die Politik der Briten folgte der Devise ›Teile und herrsche!‹ Der den Moslems eingepflanzte Haß auf die Hindus wurde unter Jinnahs Führung so weit genährt, daß er zu einem gigantischen Baum aufwuchs, der den Horizont für immer zu verdunkeln drohte. Die schrecklichen Blutbäder von Bihar, Calcutta, Noakhali brachten uns zu der traurigen Gewißheit, daß in diesem Holocaust der Teilung das ganze kostbare Erbe Indiens untergehen würde. Mahatma Gandhi und die anderen Führer billigten die Teilung des Landes, um es vor weiteren Blutbädern zu bewahren ... Dies geschah jedoch nicht ... Die Massaker hörten nicht auf, sondern nahmen an Brutalität noch zu. Tausende flohen über die indische Grenze, als sie sahen, daß der Punjab Schauplatz barbarischer Feindseligkeiten Pakistans geworden war ... In Ostpakistan mußten sich alle, die an ihrer eigenen Lebensweise festhalten wollten, mitsamt ihren Wurzeln aus dem Boden reißen.«

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Prabhudatta Brahmachari war vor Kummer fast außer sich. Er sagte zu Ma: »Ich wünschte, ich könnte meinem Volk helfen, aber was kann ich tun ... Ich bin ein Mönch, ein Bettler. Zumindest kann ich meine Tränen mit seinen mischen.«
      Aus Sicht der neunziger Jahre wird klar, daß Ma‘s Heraustreten ins Rampenlicht allgemeiner Anerkennung im ganzen Land damals sehr bedeutsam war.  Wie eine leichtfüßige Gazelle eilte sie von einem Ende des Landes zum anderen. Sie trat nicht als Guru oder Lehrerin spiritueller Weisheit auf. Sie glich mehr dem Spiegelbild des eigenen innersten Wesens, das man zwar undeutlich wahrnimmt, aber doch sofort als solches erkennt. Für Tausende war sie die einzige Quelle von Mut und Hoffnung, als die Zukunft sich im Ungewissen zu verlieren schien.
      Viele weitere Devotees aus Dacca verließen ihre Heimat unter traumatischen Umständen. Auch Amulya Kumars Freund Manmohan Ghosh, der Gebäudeverwalter der Universität von Dacca, kam nach Varanasi. In der Hoffnung, Ma hier oft sehen zu können, beschlossen die beiden Freunde, sich in Varanasi niederzulassen. Die Standbilder aus dem Tempel im Ramna Ashram waren schon vorher nach Varanasi gebracht worden. Die Skulptur von Baba Bholanath wurde nach Calcutta gebracht.
      Mit Amulya Kumar begann eine neue Ära des Satsang. Eine Gruppe gleichgesinnter Männer versammelte sich in der Halle des Ashrams. Ma saß viele Stunden bei ihnen, sie diskutierte mit ihnen oder beantwortete Fragen. Sie wußte, daß diese Lebensweise viele, besonders Amulya Kumar, sehr beglückte. Er hatte ein  phänomenales Gedächtnis. Nach dem Satsang ging er heim und brachte die ganze Diskussion in Dialogform zu Papier. Dies wurde bis zu seinem Tod im Jahr 1972 der Hauptantrieb in seinem Leben. Er entsagte dem weltlichen Leben, wenn nicht förmlich, so doch innerlich. Seine Hingabe übertraf die vieler Asketen im ockerfarbenen Gewand.
      Die Kerngruppe des Satsang blieb sehr konstant: Amulya Kumar, Deva Shankar, Vaidyanath Shastri, Swami Shankarananda und Sanyal Mahashaya. Manchmal kamen Dr. Pannalal, Gopal Thakur aus Allahabad und andere als Gesprächspartner hinzu. Die passive Zuhörerschaft war immer so groß, daß die Halle sie kaum fassen konnte. Wir zitieren aus Amulya Kumars Büchern:
      Deva  Shankar Babu wollte dieses Thema schon seit Tagen aufbringen. Er fragte wieder: »Japa und Meditation bedürfen eines Gegenstandes. Wenn man somit also in der Dualität bleibt, wie kann man sich dann im Einen festigen?«
      Shri Ma: »Deine Frage lautet: Das Mantra ist letzten Endes ein Klang, und die Meditation ist nur die Vorstellung einer Form. Wenn man also an Namen und Form gebunden ist, wie kann man darüber hinausgehen?« Deva Shankar Babu: »Ja.«
      Shri Ma: »Benutzt du keine  Seife, um dich zu säubern? Erst die Seife, dann das Wasser. Wenn es kein Wasser gäbe, würde niemand Seife benutzen!

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Wie wunderbar ist Gottes Schöpfung. Wenn  man sich auf dem spirituellen Pfad der Gottverwirklichung nähert und sich intensiv dem Nama-Japa und der Meditation widmet, strömt die Ganga des Wissens. Sie  wäscht die Unwissenheit fort und offenbart die Wahrheit des Selbst. Wenn man sich dem Ziel der Gotterkenntnis geweiht hat, kann man sich von der Dualität  befreien. Das ist der eine Weg. Außerdem gibt es den Weg der Unterscheidung, ›nicht dies - nicht das‹, aber auch die Unterscheidung spielt sich auf der Ebene des Verstandes ab, und Verstand ist gleichbedeutend mit Dualität. Während der Pilger Sadhana betreibt, muß er also, ganz gleich, welchen Weg er beschreitet, zwangsläufig mit dem Verstand arbeiten. Zur gegebenen Zeit erreicht er den Zustand jenseits des Verstandes, und dann hat er sein Selbst verwirklicht.«
      Frage: »Wie steht es mit den Pilgern, die den Weg der Freude an der Dualität beschreiten - die sich an dem Lila von Schöpfer und Schöpfung erfreuen?«
      Shri Ma: »Die Dualität, die dem Lila innewohnt, ist kein Hindernis für die Erkenntnis des Einen. Nur im Stadium des Strebens nach Erfüllung kann sie als Hindernis empfunden werden. Sie ist nur für den Sadhaka ein Bhadaka [Hindernis], nicht aber für den, der das Ziel erreicht hat!«
      An einem anderen Tag stellte ein junger Mann aus der Zuhörerschaft eine Frage:
      »Ist es notwendig, dem Körper Leiden aufzuerlegen, um Gott zu finden?«
      Shri Ma sagte: »Es ist absolut nicht notwendig, dem Körper Leiden aufzuerlegen.«
      »Kann Gott ohne Leiden gefunden werden?«
      Shri Ma: »Gottverwirklichung ist etwas anderes. Man hat keinesfalls das Recht, dem Körper Schmerz zuzufügen. Warum? Es gibt einen Grund dafür. Wem gehört der Körper? Dem, der ihn erschaffen hat. Er hat diese Gestalt gegeben, damit du dienen kannst. Der Körper ist Gottes Wohnsitz, halte ihn sauber, halte ihn rein und unbefleckt. Gott lebt in diesem Körper, es ist seine Wohnung. Versuche, in Seiner Gegenwart zu leben, sehne dich nach Seiner Gegenwart. Du hast kein Recht, dem Körper Leiden zuzufügen.«
      Frage: »Wenn der Körper aber besudelt wurde, hat man vielleicht den Wunsch, ihn ganz loszuwerden?«
      Shri Ma: »Nein. So etwas auch nur zu denken, ist eine schwere Sünde. Wahre Reue hat eine unermeßliche, reinigende Kraft. Sagen nicht die Heiligen, der Mensch könne unmöglich so große Sünden begehen, daß Gottes Gnade sie nicht abwaschen würde?
      Denk nicht an Sünden; niemand sollte sich als Sünder betrachten. Ihr seid in Wahrheit ›Söhne der Unsterblichkeit‹, aber jetzt wißt ihr das noch nicht. Gottes Gnade ist allumfassend. Wenn man sich darauf konzentriert, standhaft im Licht der Gegenwart Gottes zu  leben und sein Herz mit Gedanken an Ihn erfüllt, dann kann man gar nicht mehr in die Gefahr kommen, vom Weg abzuirren. Gott selbst kümmert sich um die Läuterung seines Devotees. Du brauchst nichts als Vertrauen.«

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Ein anderer Ausschnitt aus diesen Aufzeichnungen:

Gopal Thakur ist anläßlich der Gita-Jayanti [Rezitation der Bhagavad Gita] aus Allahabad gekommen. Er führt diese Aufgabe mit großer Sorgfalt und Hingabe aus. Es ist stets ein Genuß, seinen Gesprächen mit Ma zuzuhören:
      Gopal Thakur: »Wir alle haben so lange geredet ... Jetzt bist du an der Reihe.«
      Shri Ma: »Baba, dies ist eine unbeschriebene Tafel - nichts steht darauf geschrieben!«
      Gopal Thakur: »Und wir sind sehr kenntnisreich! Trotzdem scharen  sich alle um dich. Warum?«
      Shri Ma: »Die Leute kommen, um der Gita-Jayanti zuzuhören.« Gopal Thakur: »Allerdings! Tatsächlich richte ich es so ein, daß die Gita-Jayanti hier stattfindet, weil ich dann sicher bin, viele Zuhörer zu bekommen.«
      Shri Ma: »Es gibt vielleicht einen Grund, weshalb Leute zu mir kommen. Ist es nicht so, daß Trinker sich gern zusammenfinden - wer nichts besitzt, kommt zu mir; ich gehöre auch zu dieser Gruppe!«
      Gopal Thakur: »Ein Mensch von so tiefem Verständnis ist selten. Die meisten Leute kommen in der Hoffnung hierher, etwas von dir zu bekommen, aber sie müssen mit leeren Händen nach Hause gehen.«
      Shri Ma: »Aber es ist nicht ganz fruchtlos zu kommen, oder?«
      Gopal Thakur: »Gewiß. Aber wenn man zu einem durchschnittlichen Menschen kommt und ein bißchen  erhält, freut man sich darüber. Geht man aber zum König und kommt mit einem Pfennig zurück, hält man das eher für einen Witz!« (allgemeines Gelächter).
      Shri Ma (schaut in die Runde ihrer Devotees): »Erinnert euch an diese Worte Babas. Gebt euch nicht mit Kleingeld zufrieden. Entlockt ihm die Schätze aus seiner Kammer.«
      Ein Schüler: »Dazu sind wir nicht fähig. Warum zwingst du uns deine Segnungen nicht auf?«
      Shri Ma: »Siehst du, Baba, man verlangt von dir, daß du den Schülern von deinen Schätzen abgibst.« Gopal Thakur: »Das ist ja sehr interessant! Wie ist das Ganze auf mich abgewälzt worden? Ist es überhaupt möglich, jemandem seine Gaben aufzuzwingen? Wenn man ins Wasser steigt, um zu baden, ist es eine Sache, aber wenn man hineingeworfen wird, eine andere!«
      Shri Ma: »Es gibt keinen großen Unterschied, man wird in jedem Fall naß, nicht wahr?« (Heiterkeit)
      Ich merkte, daß es heute kein ernsthaftes Gespräch geben würde. Die Vertriebenen aus Ostpakistan gewannen allmählich das Vertrauen zurück, daß ›das kostbare Erbe Indiens‹ nicht spurlos im Siedekessel des Zeitenwandels verschwinden würde. Bestimmt kann eine zukünftige Generation den wahren Wert von Ma‘s stabilisierendem Einfluß auf unser Land zu dieser Zeit beurteilen.

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