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Das Geheimnis der Katha Upanishad

 

Auszug aus einem Vortrag

Swami Krishnananda ist Schüler des großen indischen Yoga-Meisters, Swami Sivananda (1887-1963). Er leitete den Sivananda Ashram Rishikesh, und gilt selbst als einer der größten lebenden Meister (Er ist im November 2001 in Mahasamadhi gegangen). Seine Vorträge über Yoga und Spiritualität sind von großer Klarheit und Prägnanz.

Die Geschichte, die den Hintergrund dieser Ausführungen der Upanishad bildet, - nur um euch einen Umriß davon zu geben -, ist so etwas wie dies hier: Es war einmal ein Heiliger namens Vajasravasa, auch als Gautama bekannt. Er gab ein Yajna oder ein Opfer, Vishvajit genannt, ein Yajna oder ein Opfer, durch das er beabsichtigte, den Himmel der Götter zu erreichen. Dies Opfer war von einer sehr eigentümlichen Natur, welches von dem Bedürftigen verlangte, daß er alles verschenkte, was er besaß und was ihm lieb und teuer war. Dies Vishvajit Opfer, als Sarvavedasa Yajna bekannt, wurde von Gautama oder Vajasravasa, dem Heiligen, dargebracht. In diesem Yajna, durch dessen Ausübung er danach trachtete, sich der Vergnügen des Himmels der Götter zu erfreuen, gab er in Nächstenliebe als Wohltäter alles weg, was er besaß. All seinen Besitz gab er zu wohltätigen Zwecken weg, welchen Wert dieser Besitz auch immer hatte, denn das war die Anforderung des Yajna. Alles wurde hingegeben, gegeben und gegeben, nichts blieb übrig. Er begann jeden Tag damit, all seinen Besitz in Nächstenliebe wegzugeben. Dieser große Heilige, - als Vajasravasa bekannt, - hatte auch einen Sohn, - vielleicht der einzige Sohn, Nachiketas genannt. Dieser ungebildete Junge, vielleicht ungeschult, einfach, rein, beobachtete dies wundervolle rituelle Treiben des Vishvajit-Opfers von seinem Vater, der darin fortfuhr alles wegzugeben - ‘alle Dinge gehen weg.’ Alles Wertvolle des Heiligen wurde weggeben. In jenen Tagen wurde Vieh als ein großer Wert betrachtet. All die Unmengen von Vieh, die dem Heiligen gehörten, wurden in Wohltätigkeit weggegeben, doch es war ein Unglück für die empfindliche Seele des armen Burschen Nachiketas, als er erkannte, daß das Vieh halbverhungert war. Es waren nur Skelette. Solche Kühe wurden wohltätigen Zwecken zugeführt; Kühe, die zum letzten Male ihr Wasser getrunken hatten, die zum letzten Male ihr Gras gefressen hatten, die nicht mehr kalben konnten, die ohne jede Körperkraft und wackelig auf ihren Beinen waren. ‘Oh! Solche Wohltaten machte mein Vater!’ Der Junge hatte keinen Mumm zu sprechen, doch irgend etwas trieb ihn voran, seine Gefühle auszudrücken. Der sensible Bursche sprach aus innerem Herzen und schrie auf seinen Vater ein: "Vater, Du gibst alles her, was Dir gehört. Ich bin Dein Sohn. Vielleicht gehöre ich auch zu Dir. An wen willst Du mich in Deiner Wohltätigkeit geben? Denn mit diesem Opfer, würdest Du alles opfern, was Dir gehört, und insofern gehört ein Sohn auch irgendwie zum Besitz des Vaters, zweifellos denkst Du daran, mich ebenfalls fortzugeben. An wen willst Du mich weggeben?" Der Vater dachte nicht daran, seinen Sohn - in wohltätiger Gesinnung - an irgend jemanden zu geben. Es wäre das letzte, was er sich vorstellen könnte. Der Vater stellte sich den Worten seines Sohnes gegenüber taub. Er sagte nichts. Der Sohn stellte die Frage ein zweites Mal. "An wen willst Du mich geben, Vater?" Er sagte nichts. Er wurde zornig: ‘Oh! Dieser Junge ist mit dieser Frage trotzig und impertinent.’ Als der Junge zum dritten Mal die selbe Frage stellte, antwortete der Vater: ‘Du gehst zur Hölle.’ Dies sagen wir normalerweise, wenn wir wütend sind. Und er sagte: "Ich übergebe Dich dem Tod." Er war ärgerlich. ‘Oh! Ich sehe! Du gibst mich an den Tod.’ Der Junge fuhr fort zu denken, ‘was soll der Tod mit mir anstellen, hat Yama den Vorsitz über den Tod? Ich werde zu IHM geschickt. Was soll Yama, der Gott des Todes, mit mir anstellen? Ich verstehe das nicht.’

Diese Verwünschung des Vaters über dem Sohn, der Fluch, mit dem er ihn belegte, zog offensichtlich die Seele aus dem Körper des Jungen. Wenn wir zwischen den Zeilen der Upanishad lesen, starb er, wie es schien. Der Junge ging zu Yamas Heimstatt, um nach dem zu suchen, worum ihn der Vater scheinbar geschickt hatte. Yama schien nicht zu Hause zu sein. Der Gast stand draußen vor dem Tor des Palastes des Totengottes Yama, doch der Meister war nicht in seinem Haus. Er war irgendwohin ausgegangen. Niemand wußte, was mit ihm geschehen oder wohin er gegangen war. Ein Tag und eine Nacht gingen vorüber, der zweite Tag und die zweite Nacht ging vorüber, der dritte Tag und die dritte Nacht ging vorüber. Der Junge stand dort ohne Wasser und ohne Nahrung. Nichts kann schlimmer für einen Menschen sein, als einen Gast halbverhungert vor seiner Haustüre stehen zu lassen. Man sagt, daß es für den Hausherrn eine wahrhafte Verwünschung wäre, wenn ein Gast halbverhungert vor seiner Haustür stünde. Alle Tugenden würden dem Hausherrn durch den halbverhungerten vor der Haustür stehenden Gast genommen.

Yama kehrte am Ende des dritten Tages zurück. Er hörte, daß ein Sterblicher gekommen war, um IHN aus irgendeinem Grunde zu suchen, und seit drei Tagen und Nächten hungerte. ‘Oh! Es tut mir leid!’ sagte Yama und eilte nach draußen. ‘Oh! Großer Heiliger! Wie kann ich Dir dienen? Du hast hier drei Tage lang gewartet. Hast Du während dieser drei Tage irgend etwas gegessen? Was hast Du am ersten Tag gegessen, was am zweiten und was hast Du am dritten Tag gegessen, mein liebes Kind?’ ‘Ich habe am ersten Tag Deine Nachkommenschaft gegessen.’ ‘Was hast Du am zweiten Tag gegessen?’ ‘Ich habe all Dein Vieh und Besitz gegessen.’ ‘Was hast Du am dritten Tag gegessen?’ ‘All die Deine guten Taten.’ ‘Oh! Schrecklich! Das ist furchtbar.’ Yama brachte von drinnen sofort heiliges Wasser, das Purna-Kumbha, welches nur ehrenwerten Gästen geopfert wird, wusch ihm die Füße und ließ es sich ihn bequem machen. ‘Bitte entschuldige, daß ich drei Tage und Nächte fort war. Darf ich den Grund Deines Besuches erfahren? Kann ich Dir irgendwie dienlich sein? Du mußtest drei Tage lang hungern. Du kannst mich um drei Gefälligkeiten bitten. Mein liebes Kind, als Belohnung für die Pein, die ich Dir in nachlässiger Weise, drei Tag und Nächte lang bereitet habe, als ich Dich habe am Eingang habe verhungern lassen, gewähre ich Dir drei Gefälligkeiten.

‘Nun gut! Du möchtest, daß ich mir die erste Gefälligkeit auswähle. Kann mein Vater mich, wenn ich in die Welt zurückkehre, ohne irgendwelchen Groll wiedererkennen.’ ‘Ja! Gewährt,’ sagte Yama. ‘Wenn Du in die Welt zurückkehrst, wird der Vater Dich wiedererkennen und Dich in Zuneigung und nicht mit Wut oder Zorn empfangen.’ ‘Bitte um eine andere Gefälligkeit.’ ‘Erzähle mir von dem Mysterium des Universalen Feuers, aus dem die ganze Welt erschaffen wurde.’ ‘Ja! Gewährt!’, und eine kunstvolle Vorstellung des Opfers des Universalen Feuers, - Vaishvanara genannt, - wurde erläutert. ‘Nun, mein liebes Kind, ist noch eine Gefälligkeit übrig. Du kannst mich auch um die dritte Gefälligkeit bitten.’ ‘Ah! Es gibt da eine Sache. Darf ich fragen? Man sagt, daß es eine Seele gibt. Einige sagen, daß es so ist, andere wiederum sagen, es sei nicht so. Einige sagen sie wurde geboren, andere sagen sie stirbt. Einige sagen, sie wurde nicht geboren; andere sagen, sie sei unsterblich. Falls es so ist, was geschieht mir ihr, - wann geht sie ins Jenseits?’ ‘Kind! Stelle nicht diese Frage. Bitte um etwas anderes. Bitte um das längste Leben, um das größte denkbare Vergnügen, um die Führerschaft aller drei Welten, was möchtest Du, - hier hast Du es. Stelle diese Frage nicht. Befrage mich nicht über die Seele und all das; ob sie existiert, ob nicht, was geschieht, und all das. Bitte schweig’ darüber. Alles, was möglich war, was selbst den Göttern nicht zur Verfügung steht, wurde Dir geschenkt. Vergnügen, wo die Menschheit nicht einmal von zu träumen wagt, steht Dir durch meine Gnade zur Verfügung. Freuden der Himmelswesen, die in den sieben Himmeln darüber leben, stehen Dir zur Verfügung. Du kannst leben, unberührt von Krankheiten, Alterung und Ermüdung, so lange das Universum bestehen wird. Du bist der Herrscher der drei Welten. Bist Du jetzt zufrieden? Doch stelle diese Frage nicht.’

Nachiketas war aus einem anderem Holz geschnitzt. Er war kein gewöhnlicher Junge. ‘Warum soll ich diese Frage nicht stellen? Was gibt es damit für ein Problem? Du gibst mir all diese Wunder, die Du beschrieben hast, doch Du willst mir diese einfache Frage nicht beantworten.’ ‘Selbst die Götter sind nicht in der Lage, diese Frage zu beantworten. Nicht einmal alle Himmelswesen aus den sieben Himmeln zusammengenommen, können diese von Dir gestellte Frage beantworten. Darum, Kind, bitte quäle mich nicht mit dieser Frage. Schweig’, - ich habe den Fehler begangen Dir zu sagen, daß Du mich um drei Gefälligkeiten bitten kannst, und jetzt versetzt Du mich mit einer Frage, die ich nicht beantworten kann und auf die ich nicht vorbereitet bin, in diese unangenehme Situation. Du solltest diese Frage nicht stellen. Nimm irgend etwas anderes. Ich bin bereit, es Dir zu geben. Bitte entschuldige mich. Belaste mich nicht mit dieser Frage.’ ‘Du sagtest, oh mein Gott, daß selbst die Götter diese Frage nicht beantworten können, was vielleicht bedeuten kann, daß Du die Antwort auf diese Frage kennst, und daß Du mich mit all dem Glanz der sterblichen Welt, dem längsten Leben und all das, davon abbringen willst. Doch, was bedeutet das längste Leben in dieser Ewigkeit? Was ist das Leben des ganzen Universums in dieser Ewigkeit der Existenz? Du hast von der Freude aller Götter gesprochen, - doch, was sind Freuden, außer juckende Sinne? Was sind diese Vergnügungen, doch Methoden, um die Energie der Sinne fortzutragen? Du willst mich mit diesen Vergnügungen abspeisen und nicht meine Frage beantworten, wobei Du sagst, daß selbst die Götter es nicht verstehen könnten. Du möchtest mich zum Herrscher des Universums machen, - so lange dieses besteht, - doch was geschieht mit mir, wenn es aufhört zu existieren? Wenn das Universum stirbt, verschwindet und es sich auflöst, was geschieht dann mit diesem Herrscher? Er verschwindet ebenfalls! Nimm all Deine Vergnügen, Deine Angebote, Musik und Tanz, den Streitwagen, das Vieh, die Genüsse, das lange Leben und die Führerschaft der Welten zurück. Oh Herr! Nimm all diese Geschenke, die Du mir angeboten hast zurück. Ich bin dankbar; doch Nachiketas wird sich von hier solange nicht fortbewegen, bis diese Frage, die er dreimal gestellt hat, beantwortet wurde.’

Dieser Artikel wurde von Divya Jyoti von der Divine Life Society, Zweigstelle Hannover, zur Verfügung gestellt.


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