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Sei ehrlich zu dir selbst

Beachte die innere Stimme

Wie wollt ihr euch konzentrieren, wenn ihr zweifelt? Ihr neigt hierhin und dorthin. Ihr geht zu verschiedenen Lehrern und stellt hunderte von Fragen, wobei euch keine der Antworten wirklich zufrieden stellt. Dann stellen sich die früheren Schwierigkeiten wieder ein. Es schleichen sich Krankheiten und eine Dumpfheit des Spirits wieder ein. Sie nehmen euch gefangen, denn dies ist der richtige Augenblick nach euch zu greifen, denn ihr seid unbewacht und in einer dubiosen Situation.

Was macht ihr dann? Macht nicht den Fehler, den Lehrer oder Guru zu wechseln. Ihr solltet nicht zweifeln. Dieses Land hat hunderte von geistigen Führern und ihr braucht nicht jedem Einzelnen die unterschiedlichsten Fragen zu stellen, denn die Konzentrationsfähigkeit wird sich dadurch immer mehr verschlechtern, wenn ihr euch nach verschiedenen Seiten orientiert und hunderten von Ratschlägen lauscht. Das muss vermieden werden. Seid euch darüber im Klaren.

„Mir ist alles klar, - innerlich, äußerlich, gesellschaftlich, einfach alles und überall. Ich kann alles durchschauen. Alle Dinge sind mir klar, wie in einem Spiegelbild. Ich habe keine Probleme.“ Solange diese Klarheit nicht aufsteigt, macht es keinen Sinn, weiter fortzufahren, sonst müsst ihr den bereits gegangenen Weg zurückverfolgen.

Dann kommt eine andere Schwierigkeit auf: Unachtsamkeit, Sorglosigkeit. „Morgen werde ich beginnen.“ Wenn ihr jeden Tag Nahrung zu euch nehmt, wird der Körper gut gedeihen und gesund werden. Wenn ihr nur alle drei Tage einmal esst, wird euch der Körper diese Vorgehensweise auf Dauer verübeln. Selbst wenn ihr jeden Tag nur wenig esst, muss es, wie bei der Einnahme von Medizin, regelmäßig geschehen, denn die Medizin muss immer wieder zur selben Zeit in der richtigen Menge eingenommen werden. Die Meditation sollte ebenfalls jeden Tag zur gleichen Zeit am selben Ort stattfinden. Wenn ihr einen Tag auslasst, wird diese Regelmäßigkeit unterbrochen. Angenommen ihr seid eine sehr beschäftigte Persönlichkeit und habt keine Zeit: „Ich bin als Zugchef ständig auf Reisen, ich bin nachts im Zug unterwegs. Wie soll ich nachts meditieren?“ Ihr seid nicht Tag für Tag vierundzwanzig Stunden auf den Beinen. Ihr habt selbstverständlich auch Ruhepausen. Selbst wenn ihr im Büro arbeitet, habt ihr Pausen. Ihr könnt euch sicherlich selbst beim größten Stress hin und wieder eine kleine Pause gönnen.

Erinnert euch daran, dass der Wert der Meditation nicht von seiner Zeitdauer abhängig ist, sondern von seiner Qualität oder Intensität in dem Augenblick, wo ihr meditiert. Die Quantität ist nicht so wichtig. Obwohl die Länge der Meditation auch ihre Wirkung hat, so ist die Qualität von größerer Bedeutung. Wenn ihr genügend Zeit habt, sitzt ihr längere Zeit.

Doch wenn ihr nicht die Möglichkeit habt, länger zu sitzen, verstärkt ihr das Gefühl, wie beispielsweise eine Gopi-Frau, der es nicht erlaubt war, zu Krishna zu gehen, denn ihr Ehemann verschloss das Haus. Die anderen Leute gingen zu IHM, doch die Frau war eingeschlossen und konnte nicht zum Allmächtigen gehen. Noch bevor die Leute Krishna erreichten, hatte die Frau längst ihren Herrn erreicht. Qualität und nicht Quantität ist ausschlaggebend.

Wenn ihr ertrinkt, sterbt ihr – was macht ihr in dem Augenblick? Werdet ihr dann auf eure Uhr schauen und die noch verbleibenden Sekunden und Minuten zählen? Nein, denn die ganze Seele wird sich zu einer einzigen vollkommenen Handlung erheben. Qualität ist in diesem Augenblick gefragt, wenn ihr euch sicher seid, dass ihr gleich sterben müsst, und nur ein Gedanke ist wichtig, der allumfassende vollkommene Gedanke.

„Unachtsamkeit bedeutet den sicheren Tod“, sagte der Heilige Sanatkumara zu Dhritarashtra. Ihr solltet nicht sorglos mit dem umgehen, was euch segnet. Wollt ihr mit eurem eigenen Wohlergehen gefühllos umgehen? Wer kann sich das leisten? Darum behütet dieses innere Wohlgefühl sorgfältig wie einen Schatz in eurem Geist. Niemand kann sich Unachtsamkeit und Sorglosigkeit in der spirituellen Praxis leisten. Seid niemals lethargisch, verzweifelt oder melancholisch.

Wenn ihr über einen längeren Zeitraum meditiert habt, können andere Schwierigkeiten auftauchen. Die Sinnesorgane, die scheinbar unsere Freunde sind, fangen an, sich wie Gegner aufzuführen. Vernachlässigte Freunde sind schlimmer als offene Feinde. Man sollte gegenüber motivierten Freunden vorsichtig sein. So lange man sich nach ihren Wünschen richtet, ist alles in Ordnung; wenn man sie jedoch ignoriert, dann könnt ihr sie in ihrer wahren Natur erleben. Sie können gefährlicher sein als jene, die euch weniger geachtet haben.

Sind die Sinnesorgane unsere Freunde? „Wie wunderbar!“ sagen die Augen. „Welch ein Klang!“ sagen die Ohren. „Welch ein Geschmack!“ sagt die Zunge. „Wie sanft!“ sagt unsere Haut bei der Berührung. „Welch ein Duft!“ sagt die Nase. Auf diese Weise kommt man mit ihnen ein Leben lang gut aus. Auf einmal möchtet ihr weder auf sie hören noch sehen, oder berühren oder schmecken. Wenn ihr euch so verhaltet, könnt ihr erleben, wie sie sich gebärden. Sie erheben sich in völliger Einigkeit und täuschen Zufriedenheit vor. Ihre Reaktionen sind von unmöglicher Art. Zuneigung ist die eine Form der Gebärde, Widerwille ist eine andere Form.

Einige vor dem geistigen Auge befindliche Störungen werden durch eine Überaktivität der Sinnesorgane verursacht (einerseits ist dies positiv, andererseits negativ). Diese Störungen werden im sechsten Kapitel des Gedichtes „Lichter Asiens“ von Edwin Arnold kurz beschrieben. Es wird beschrieben, wie Buddha sich bestimmten Situationen gegenüber verhalten müsste, d.h. gegenüber erhabenen Erscheinungen, Zuneigungen, unausweichlich Sichtbarem, jeder Art von Köstlichkeiten, die mit den Sinnesorganen verbunden sind. Was macht ihr, wenn die Sinne euch alles anbieten, was ihr wollt?

Früher handelte nur ein Sinnesorgan zurzeit, und man war nur durch ein Sinnesorgan (einen Eindruck) gefangen. Wie bei den Mitgliedern einer Familie kämpft nun jedes Einzelne mit dem Anderen. Untereinander können sich die Herrscher nicht leiden, doch sie sind sich alle einig, wenn es gegen einen gemeinsamen Feind geht.

Genauso verhält es sich mit den Sinnesorganen. Normalerweise stören sie euch nicht. Die Augen helfen euch und sagen euch, wie schön die Dinge sind; die Ohren halten sich dabei zurück. Doch wenn ihr euch entschließt, die Sinne zu ignorieren, werden sich die Sinne zusammenschließen und euch gemeinsam konzentriert attackieren, wobei alle gesegneten Dinge gleichzeitig vor euch ausgebreitet werden, die euch in alle möglichen Richtungen ablenken wollen. Die Musik wird euch betören, die Schönheit, der Geschmack, die Köstlichkeiten, die Sanftheit, alles Ästhetische wird gleichzeitig vor euch ausgebreitet. Die ganze Welt will nach der Musik der himmlischen Wesen tanzen. Niemand kann sich dem entziehen. Die Meditation wird innerhalb einer Sekunde zum Höllentrip, wenn irgendwelche Schönheiten von allen Seiten auf euch einströmen.

Für einen Sucher, der langsam voranschreitet, werden diese Ablenkungen nicht so intensiv sein; doch wenn ihr mit großem Ernst an die Sache herangeht, können die Reaktionen der Sinne fürchterlich sein. Die Welt der Schönheiten wird sich manchmal vor euch auftun. Doch wenn ihr stark genug seid dem standzuhalten, dann können sich die Sinnesorgane verweigern. Tod! Sie wollen euch töten. „Du wirst heute sterben“, kündigen sie an. „Glaube nicht, dass du sicher bist. Wir werden dich umbringen.“ Wenn das Ziel verfehlt wird, folgt die nächste Bedrohung wie ein Donnergrollen.

Diese Dinge widerfahren dem Sucher nach vielen Meditationen. Diese Dinge geschehen nicht am Anfang und auch nicht nach wenigen Jahren, denn häufig sind die Meditationen sanft, abgeschwächt und nicht stark genug. Ihr könnt diese Erfahrungen nicht alle auf einmal machen. Nur eine intensive Meditation kann intensive Erfahrungen hervorbringen, sanfte Versuche haben abgemilderte Folgen.

Es gibt noch andere Schwierigkeiten. Ihr bekommt das Gefühl, Gott zu schauen. Doch es kann sich auch um ein „Luftschloss“ handeln, - ihr seht etwas schimmern und missdeutet es wie eine Fata Morgana in der Wüste. Irgendetwas rüttelt euch auf und stört. Einige Farben, Klänge oder Muster werden fälschlicherweise als etwas Göttliches angesehen. Das Muster kann auch ein Ausdruck der eigenen Wünsche sein, die sich als das wertvollste Lebensziel darstellen. In dem Augenblick habt ihr keine Wahl. Ihr habt keine Möglichkeit der Beurteilung. Ihr müsst sofort zu eurem Meister gehen und mit ihm über diese Erfahrung sprechen. War diese Erfahrung wirklich eine Gotteserfahrung oder war es nur eine Störung, die durch ein inneres Durcheinander oder mentale Qualen hervorgerufen wurde?

Ein erfahrener Meister wird euch helfen, das Problem auszumachen, und euch erklären, was wirklich geschehen ist, denn ein Guru, ein Lehrer, kennt die mentalen Funktionen seines Schülers. Er kennt alle ungewöhnlichen Erscheinungen, die im Kopf seines Schülers kursieren. Ihr könnt die Probleme nicht selbst lösen. Ihr müsst auf den Rat eures Meisters hören. Wenn eine Vision auftaucht, dann wisst ihr nichts über deren wahre Bedeutung. Der Druck, der manchmal auf die Pranas ausgeübt wird, kann Farben erzeugen. Ihr könnt aus dem gleichen Grund Klänge erfahren. Dann geht ihr zu eurem Guru.

Es gibt andere Schwierigkeiten von ähnlicher Natur, wie z.B. das Verlieren des Konzentrationsobjektes. Ihr habt euch auf ein bestimmtes Ideal, auf einen Ort konzentriert; ihr verliert es bzw. ihn. Was auch immer ihr versucht, um euch auf diesen Punkt zu konzentrieren, ihr könnt ihn nicht mehr finden. Häufig stellen wir fest, dass wir den Faden nicht durch das Nadelöhr ziehen können, wie oft wir es auch versuchen, es funktioniert nicht. Nach vielen Versuchen funktioniert es doch, aber es geschieht nicht plötzlich. Ihr könnt auch keinen Nagel gerade in die Wand schlagen, ohne dass ihr den Kopf an unterschiedlicher Stelle trefft.

Ihr könnt nicht den Konzentrationspunkt finden und versucht es immer wieder. Ihr könnt euch nicht mehr an das Gesicht, auf das ihr euch konzentriert habt, erinnern. „Woran habe ich gestern gedacht? Worauf habe ich mich konzentriert? Worauf habe ich meditiert?“ Ihr denkt immer wieder darüber nach und glaubt, ihr hättet den Punkt vollkommen verloren. Danach taucht ein anderes Bildnis auf. Es ist nicht das Bild, mit dem ihr begonnen habt.

Dann taucht noch etwas vor eurem Geist auf: Schwingungen des Geistes. Selbst wenn ihr wieder an euren Konzentrationspunkt kommt, pendelt das Bild, wie der Pendel bei einer Pendeluhr, hin und her. Das Bild bleibt nicht stehen. Dieses sind einige Probleme, die im Laufe des Meditationsprozesses auftauchen könnten. Sie sind es wert, dass man sie im Auge behält.

Es geht nichts über einen geistigen Führer. Glaubt nicht, dass ihr intelligent genug seid, um alle aufkommenden Schwierigkeiten problemlos zu überwinden. Niemand kennt seine Zukunft wirklich. Selbst nach einem Weg von einem Kilometer, wisst ihr nicht, was vor euch liegt. Nur ein guter Führer kann wissen, wo ihr euch befindet und wie weit ihr noch vorankommen müsst.

Tägliches Studium der Schriften, tägliches Wiederholen des göttlichen Namens, das Singen des göttlichen Namens oder das Singen des auserwählten Mantras, das Aufsuchen des Gurus, die Teilnahme am Gottesdienst, die Gemeinschaft mit Heiligen und das Lauschen auf deren Anweisungen, - all dieses hat einen verstärkenden Effekt und verleiht euch Sicherheit in eurem Geist, sodass sich die angesprochenen Probleme in ihrer Intensität schrittweise vermindern lassen oder später gänzlich ausbleiben werden. Manchmal ist vor euch alles dunkel. Zwei oder drei Stunden vor Sonnenaufgang ist es noch stockdunkel, doch der Tag wird in Kürze anbrechen.

Kurz vor der Erleuchtung kann den Meditierenden große Sorgen befallen. „Dieses ist mein letzter Tag. Alles, was ich getan habe, war vertane Zeit. Ich kratze ab und sterbe. Ich habe letztendlich nichts erreicht. Dies ist alles, was ich nach Jahren des Sitzens und Brütens erreicht habe. Ich gehe mit diesem Kummer im Herzen!" Solch ein Gefühl beschleicht den Suchenden, bevor das Licht durchbricht. So geschah es auch bei Buddha, wie ein Gefühl von Dunkelheit unmittelbar vor dem Sonnenaufgang.

Große Dinge geschehen immer auf wundersame Weise. Sehr gute Dinge und sehr schlimme Sachen geschehen ohne vorherige Ankündigung. Plötzlich und unerwartet seid ihr ‚oben auf‘ oder aber ‚unten durch‘.

Heute seid ihr ein Eroberer und morgen seid ihr ein Bettler. Plötzlich seid ihr gesalbt, gekrönt und kostümiert wie ein König. Morgen seid ihr aus Gründen, die in der Vergangenheit liegen, wie Abfall in den Staub geworfen. Spirituelle Tragödien und spiritueller Segen sind ebenfalls von solcher Tragweite.

Gott ist (in bestimmter Weise letztendlich) eine extreme Form der Wirklichkeit und darum kann sich Gott vor dem Sucher in ungeahnter und unerwarteter Weise präsentieren. Ihr werdet merken, dass ER gekommen ist, denn ihr erwartet IHN nicht auf diesem Wege. Gott muss nicht notwendigerweise auf dem Wege kommen, wie ihr IHN erwartet. ER kommt in der notwendigen Weise zu euch, wie es für euch am sinnvollsten ist. Die Situation bestimmt die Art und Weise der Offenbarung.

Die Yogapraxis an sich ist ein Wunder. Die Zuneigung, die Yoga für euch hat, so heißt es, ist mit der Liebe von einhundert Müttern gleichzusetzen. Ihr liebt Yoga, doch Yoga liebt euch. Ihr mögt euch wundern, woran es liegt, dass Yoga euch liebt: Yoga ist ein Art von Praxis; liebt die Praxis mich?

Yoga ist nicht nur Praxis allein. Es ist auch noch etwas Anderes. Die gesamte kosmische Energie möchte euch erfreuen, sie möchte zu euch kommen, sie möchte sich um euch sorgen, euch besitzen, sich mit euch vereinigen, euch überschwemmen und in euch ‚sein‘. Das ist das große Yoga. Die Welt liebt euch mehr als ihr die Welt, und Gott liebt euch mehr als ihr IHN liebt. Ihr mögt euch langsam dem Ziel nähern, doch kommt ER häufig mit einem großen Knall. Wenn der Ozean in den Fluss hineinrauscht, geschieht dies mit größerer Energie als umgekehrt.

All dies sind interessante Dinge, wundervolle Dinge, wie ein episches Werk, das eure Herzen erleuchtet und euch zeigt, dass ihr auf dem richtigen Weg seid. Ihr werdet gesegnet sein, wenn ihr aufrichtig und ehrlich zu euch selbst seid. In einem Gedicht heißt es: „Sei ehrlich zur dir selbst.“ Dann werdet ihr auch allem Anderen gegenüber ehrlich sein.

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