Swami Krishnananda

Swami Krishnananda (* 25. April 1922; † 23. November 2001) war einer der bedeutendsten Schüler von Swami Sivananda, langjähriger Leiter des Sivananda Ashrams in Rishikesh, Buchautor, Jnana Yogi und Philosoph.

Autobiographie von Swami Krishnananda

Mein Leben. Der folgende Text ist die deutsche Übersetzung der Autobiographie "Mein Leben", von Swami Krishnananda. Diese wird kostenlos auf der Website der Divine Life Society bereitgestellt.

Als ich sechs Jahre alt war saß ich auf der Veranda vor unserem Haus. Ich wurde in eine sehr orthodoxe brahmanische Familie hineingeboren. Wir glaubten traditionell an Narayana  als die absolute Wirklichkeit und als das Ziel des Lebens. Dieses ist das Madhva -Prinzip. Ich rief nach meinem Vater, der sich im Inneren unseres Hauses befand und sagte ihm: „Gemäß unserer Familientradition ist Narayana das Höchste.“ Dann fragte ich ihn: „Ist Narayana alldurchdringend?“ Er antwortete: „Ja.“ „In dem Fall ist ER auch alles.“ Mein Va-ter sagte: „Ja, das muss so sein.“ Dann fragte ich ihn: „Wo befinden wir uns jetzt? Sitzen wir direkt auf Narayana, denn Narayana ist alles und ist überall?“ Der Vater sagte zu mir, dass ich noch ein kleiner Junge sei, und ich nicht alles verstünde, und ich sollte auch keine solchen Fragen stellen. Damit war unser Gespräch beendet. Doch diese Frage, zu der ich keine Antwort bekam, spukte in meinem Kopf herum. Und selbst heute in meinem hohen Alter hat mich diese Frage nicht losgelassen und besteht auf eine Antwort. Ich bin ein Madhva Brahmin und diese Orthodoxie ist noch immer überall.

Obwohl ich praktisch alle Arten westlicher und östlicher Philosophie gelesen habe, und niemand zurzeit meinen philosophischen oder religiösen Argu-menten standhalten kann und ich somit bzgl. aller Philosophien und aller Religionen der Welt sehr zufrieden bin; und obwohl sich diese Philosophien und auch die Religionen scheinbar voneinander unterscheiden, habe ich mit meinen rationalen Fähigkeiten versucht sie zusammen zu bringen, und für mich gibt es jetzt nur noch eine Philosophie und eine Religion. Ich sehe nicht mehr länger viele Philosophien oder viele Religionen; sie existieren für mich einfach nicht mehr. Ich stimme mit Chesterton überein, der sagte: „Es kann nur eine kosmische Philosophie und eine kosmische Religion geben, und jene, die an viele Philosophien und viele Religionen glauben, suchen nach vielen Himmeln, vielen Sonnen und vielen Monden.“

Ich wuchs auf und bewahrte dabei meine Madhva Tradition, die mir das Gefühl gab, als heiliger Mann bestimmt zu sein, und ich wurde bei meinem Vater geboren, der ein Beispiel an Heiligkeit und Frömmigkeit war. Ich habe meinen Vater jeden Tag vor und auch nach dem Mittagsmahl verschiedene Bücher lesen hören. Ich fragte ihn, was er denn lese? Er erwiderte, dass sie für mich ohne Bedeutung seien, und wenn ich auf eine Antwort bestand, sagte er, dass es sich um die Schriften Srimad Bhagavatam und Sundara Kandam aus der Valmiki Ramayana handelte. Er fügte hinzu, dass Srimad Bhagavatam ein Heiliges Buch sei, und ich solle es nicht anrühren, denn ich wüsste nichts von dessen Bedeutung.  Sundara Kandam wird für die Zerstörung der Feinde und Gegner gelesen, falls es welche gibt.

Mein Vater stand frühmorgens auf, ging durch die Felder und schaute sich die Kokosnussbäume an, um zu sehen, wie sie sich entwickelten. Dann kam er zurück, nahm um ca. 9.00 Uhr ein Bad und begann mit seiner Puja , die ca. vier Stunden andauerte. Er verehrte alle Gottheiten, die er sich vorstellen konnte, was man als die Panchadevatas bezeichnet. Da wir ihm alle als Jungs geboren worden waren, hatten wir kein Recht, die Mutter vor Beendigung der Puja um Nahrung zu bitten. Wenn die Puja beendet war, kam er heraus, die Mutter breitete die Bananenblätter am Boden für das Essen aus, und dann gab es etwas zu essen. Nach dem Essen, wenn wir unsere Hände gewaschen hatten, lehrte er mich die Aussprache der Rigveda Samhita ; und ich kannte die ganze Pavamana Suktam, ein langes ‚Ding‘ in der neunten Mandala  der Rigveda. Er lehrte mich auch die Mahasaura Suktam. All das habe ich von ihm gelernt, einschließlich der Rishi, Chhanda und Devata. All diese Schriften kannte ich auswendig. Wenn er die Puja drinnen zelebrierte, saß ich draußen auf der Veranda und versuchte diese Veda Mantras  auswendig zu lernen. Wenn ich einen Fehler beim Lesen machte, dann gab er während der Puja ein „Hum, Hum“ von sich, was mir andeutete, dass ich eine falsche Aussprache hatte. Mein Wissen über die Veden habe ich meinem Vater zu verdanken. Ich lernte von meinem Vater, der ein Experte war, einige Riten, wie Mahamrityunjaya Yajna, und einige spezielle Mantras.

Am Nachmittag vor dem Essen sangen wir das fünfzehnte Kapitel aus der Bhagavadgita. Einer meiner Freunde erzählte mir, dass dieses das fünfzehnte Kapitel ein Teil der Bhagavadgita sei, wovon ich ursprünglich nichts wusste. Als mein Vater einmal außer Haus war, schaute ich in seine Kopie der Bhagavatam und versuchte ihre Bedeutung zu verstehen. Als er dann zurückkam habe ich ihm von meinem Einblick in das Buch erzählt und gesagt, dass ich es ver-standen hätte. Er sagte: „Oh, du hast es angefasst. Warum hast du das getan? Es ist ein heiliges Buch; du kannst es nicht verstehen.“ Ich sagte, ich hätte es verstanden, da ich Sanskritkenntnisse hätte. Ich musste einen Abschnitt vorlesen und ihm den Inhalt erklären, was ich zu seiner Zufriedenheit konnte. Er lehrte mich viele andere Mantra Suktas der Vedas, jene mit den wohlgesinnten ebenso wie jene, die mit den üblen Gottheiten im Zusammenhang stehen. Nun komme ich auf meine Frage zurück: „Worauf sitze ich, wenn Gott überall ist?“ Ich durchwühlte und studierte alle Philosophien und Religionen. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass es nur eine Philosophie und eine Religion gibt. Jene, die glauben, dass es viele Philosophien und viele Religionen gibt, wissen nicht, wonach sie suchen.

Ich habe die Kunst des vollkommenen Denkens erlernt. Für mich gibt es nur einen einzigen Gedanken, und alle Gedanken sind in ihm eingeschlossen. Die Gedanken aller sind Teil jenes einzelnen Gedanken. Ich habe versucht, wie Gott zu denken. Was würde Gott von seiner Schöpfung halten? Hat er Vorlieben oder Hassgedanken bezüglich seiner Schöpfung? Gott zu lieben bedeutet, seine ganze Schöpfung zu lieben. Dieser Gedanke wird Meditation genannt. Jetzt ist die Zeit gekommen, in den Zustand des Virat Purusha  einzutreten, der mich durch seine Köpfe mit all seinen Augen sieht,  Sahasrasirsha Purusha .

Ich war finanziell ziemlich arm. Ich litt unter extremer Armut, nicht weil ich nicht genug zu essen gehabt hätte, - ich hatte zu Hause sehr gutes Essen und darum war es auch kein Problem. Ich verließ mein Zuhause, um die höheren Werte des Lebens zu suchen. Auf dieser Reise zum Sivananda Ashram habe ich viele Menschen und Orte kennen gelernt, wobei ich viele schöne Dinge erlebt und gelernt habe: Ein Brahmane – Sridhar Batt – kam, wie durch ein Wunder, mit nur 200 IRS nach Benares. Ein skrupelloser Pandit  hat eine Hochzeit innerhalb von einer Stunde in orthodoxer Weise zelebriert. Bei dieser Gelegenheit hat Tiruvanatapuram Kshetra, ein ausgezeichneter Koch aus Kerala, für ausgewählte Gäste das Hochzeitsmahl bereitet. Er war als Koch auserwählt worden, und er hat die geladenen Gäste mit weniger als 200 IRS  wundervoll beköstigt. Als er sagte, dass er nach Haridwar gehen wolle, bat ich ihn mich mitzunehmen. Einige Gönner sagten mir, ich solle mich nicht mit Sadhus und Sannyasins  abgeben. Doch er gab mir acht IRS für eine Fahrkarte von Benares nach Haridwar, und eine weitere halbe IRS für die Weiterfahrt zum Sivananda Ashram nach Rishikesh. Dies ist meine Geschichte. Ich traf Swami Sivananda nachmittags gegen 3:30 Uhr. Einige Ashrambewohner wechselten einige Worte mit mir, doch Swamiji gab keine Silbe von sich. Er beendet seine tägliche Durchsicht der Post und ging davon. Am dritten Tag rief er nach mir und nahm mich im Ashram auf.

Swami Sivananda sprach drei Tage lang nicht mit mir. Ich war niederge-schlagen, denn es gab nichts zu essen und ich wusste auch nicht, ob überhaupt jemand im Ashram etwas aß; ich war in dem Glauben, sie würden sich von Blättern ernähren. Der einzige, der am zweiten Tag zu mir kam, war ein Swami Gopalananda, der Swami Sivananda schon in früheren Tagen im Swargashram bedient hatte. Der besagte Swami Gopalananda brachte mir am zweiten Tag einen trockenen Chapati mit ein bisschen Zucker. Ich bin ihm selbst heute noch sehr dankbar für das erste Essen in diesem Ashram. Er sagte: „Es gibt auch Reis und Gemüse, doch es ist jetzt 3:00 Uhr nachmittags und darum kann ich nichts für dich bekommen.“ Während ich Swami Gopalananda sehr dankbar war, den ich auf Grund seines guten Herzens nicht vergessen kann, war ich über mein Schicksal tief betrübt, da ich kein Anzeichen verspürte, dass ich im Ashram hätte bleiben können. Als ich am Abend des dritten Tages auf einem schmalen Pfad am Gangesufer spazierte, sah mich Swamiji und winkte mich zu sich heran. Das war der Tag meiner Glückseligkeit. Er rief nach mir und fragte mich, wer ich sei und was ich wünsche. Ich gab eine kindische Antwort, mit der er nicht zufrieden war, doch er schickte mich zur Bhajan Hall zum Akhanda Kirtan des Mantras:Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama Hare Hare, Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna Krishna Hare Hare.

Er sagte: „Geh nirgendwohin; ich werde dafür sorgen, dass Könige und Präsidenten deine Füße berühren“, etwas von dem ich nichts verstand und was mir spanisch vorkam. Ich dankte Swamiji und bevor ich ging, bat er mich zum Essen zu gehen. Ich wusste nicht, wo ich hätte etwas zu essen bekommen können. Er deutete auf die Veranda, die heute ein Teil des Postamtes ist. Ich ging und setzte mich zu den anderen, die Chapatis und Gemüse aßen. Obwohl ich sonst niemals so etwas aß, war diese Nahrung für jemandem, der tagelang nichts zu sich genommen hatte, wie Nektar.

Ich gesellte mich zum Akhanda Nama Sankirtana Yajna bei Tirumala Acharya, der mich unter seine Fittiche nahm, als er erfuhr, dass Swamiji mich zu ihm geschickt hatte. Ich intonierte mehrere Tage Mantra Japa  in der Bhajan Hall, bis Swamiji mich wieder zu sich rief und fragte, ob ich Schreibmaschine schreiben könne. Als ich bejahte, fragt er mich nach meiner Praxis im Schreibmaschine schreiben. Ich sagte ihm, dass ich eine achtmonatige Praxis an einem Institut gehabt hätte, was ihn sehr zufrieden stellte, denn, wenn jemand eine solche Praxis hat, dann muss er sehr gut in der Lage sein, die Arbeit von Swamiji zu unterstützen. Er gab mir einige Brief, die ich beantworten sollte, und er gab mir auch einige seiner handgeschriebenen Manuskripte, die ich in dreifacher Ausfertigung abschreiben sollte. Swamiji‘s System lag darin, dass er alle Manuskripte in dreifacher Ausfertigung erstellen ließ. Der Grund lag darin, falls etwas verloren ging, war bestimmt immer noch eine Kopie auffindbar; eine sehr weise Methode, wenn man immer noch eine Kopie in der Hinterhand behält. Tag für Tag zeigte Swamiji mehr Interesse an mir. Wann immer ich selbstständig Briefe beantwortete, sagte Swamiji zu mir: „Zeig sie zunächst Sridhar Raoji  und bring sie dann zu mir.“ Dieser Sridhar Raoji war zufällig jene Person, die ich am Gangesufer traf, als ich ein Bad nehmen wollte, während er bereits dabei war ein Bad zu nehmen. Er war im Ashram als großer Englischkenner bekannt und darum wurde ihm der gesamte englische Schriftverkehr vorgelegt, bevor ihn Swamiji zu Gesicht bekam. Dieser Sridhar Raoji ist in Wahrheit Swami Chidananda, der späterhin Präsident der Divine Life Society wurde.

Aus einem seltsamen Grund wurden wir gute Freunde, wobei wir uns bei jeder Gelegenheit unterstützen. Er war selbst dann freundlich zu mir, wenn ich Dummheiten machte, wie z.B. als ich den Ashram verließ, um nach Norden zu gehen. Swami Dayananda, unterstütze mich in meiner Dummheit, mich aus allem zurückzuziehen und auf der Straße zu verkümmern. Doch nach ein paar Tagen konnte er mir nicht mehr folgen und sagte: „Ich kann dich nicht mehr weiter begleiten;“ und kehrte um. Ich verlor jegliches Gefühl in meinen Fingern und zerbrach innerlich, als müsste ich sterben. Ich wandte mich nach nirgendwo, denn ich hatte nicht den Mut, wieder zu Swamiji in den Ashram zurückzukehren. Ich hatte ein Kleidungsstück, eine Art Lungi. Ein Freund aus dem Ashram sagte zu mir: „Swami Krishnananda, das mag ich nicht an dir. Warum läufst du wie ein Bettler herum? Gehe nicht.“ Ich hatte nicht den Mut zu Swamiji zurückzukehren und ihm über mein dummes Vorhaben, Gott zu suchen, zu berichten. Ich ging vielmehr zum Swargashram, wo mich der Bootsführer erkannte und sich wunderte, wieso ich daher kam. Glücklicherweise fand im Swargashram ein kleiner Markt statt und ich war einer der Swamis, der Kleidung verteilen durfte. Dafür erhielt ich Puri, doch ich hatte kein Behältnis für etwas Flüssiges. Einer der Swamis, der erkannte, dass ich keine Schale hatte, gab mir seine, sodass ich ein wenig Dhal  und Puri essen konnte. Ich war bei der Ambulanz des Ashrams und dem Bootsführer sehr gut bekannt, da ich normalerweise Salben, Medizin usw. verteilte, und sie waren sehr überrascht mich mit einem Umhang bekleidet betteln zu sehen. Ich konnte ihre Gesichter nicht sehen, denn ich entfernte mich auf einem anderen Weg.

Einige Swamis suchten bereits nach mir, und sie fanden mich am Ende der Straße. Einer der Swamis erzählte mir, Swamiji möchte dich sehen und nahm mich mit zu ihm. Ein anderer freundlicher Swami hatte Swamiji erzählt: „Er ist ein guter Junge; es wäre gut, wenn du nicht mit ihm schimpfen würdest.“ Als ich schüchtern hinter Swamiji stand, wobei er seiner Arbeit nachging, sagte er nur: „Wer hat dich zur Arbeit gebeten? Geh und ruhe dich aus.“ Dann ging ich zu dem Ort, der jetzt als Musikhalle  bekannt ist. Zu dieser Zeit war niemand dort. Swami Chidananda (Sridhar Rao) zündete in seiner Freundlichkeit eine Laterne an und gab sie mir, wobei er sagte: „Wie dumm, wie dumm! Gehe nirgendwo hin. Du kannst hier glücklich sein.“ Dieser gute Samariter der Menschen verhinderte Strömungen im Ashram, die mir hinderlich waren und war mir immer zugetan. Späterhin wurden Freunde und gingen häufig auf der Hauptstraße zu Lakshman Jhula. Doch damals kannten wir uns noch nicht persönlich, obwohl wir instinktiv einander anzogen.

Ohne jemanden zu informieren, verließ ich auf der Suche nach Krishna, den Herrn, meinen geliebten Gott, ein zweites Mal den Ashram. Ich ging auf der Straße nach dem heiligen Ort Badrinath ca. 20-25 Kilometer weit. Ich war nur unzureichend mit einem Fell bekleidet, das ich einst von Swami Chidanandaji bekommen hatte. Ich schlief am Gangesufer. Man kann sich vorstellen, wie kalt einem in den Februarnächten ist, wenn man unter Höllenqualen und großer Sorge auf den Tagesanbruch wartet, doch Krishna der Herr kam nicht. Ich verkroch mich in dem nahen Sitram Baba Kutir, wo der Baba am Morgen Chapatis und Buttermilch zubereitete. Er fragte mich, woher ich gerade an diesem Morgen käme. Ich sagte, ich käme vom Gangesufer. Er war schockiert und konnte nicht glauben, dass ich in solch einer kalter Nacht am Ganges hätte übernachten können. „Wohin gehst du?“ fragte er, und ich antwortete: „Ich möchte nach Badrinath.“ Er sagte: „Dies ist nicht die Zeit, um nach Badrinath zu gehen, denn es ist im Februar zu kalt. Geh zurück zu deinem Wohnort und tue Gutes.“ Er gab mir ein paar Chapatis und etwas Buttermilch. Er klopfte mir auf die Schulter und wollte aus meiner Hand lesen, wo meine Zukunft geschrieben stand. Er fügte hinzu: „Du wirst wie Swami Vivekananda leuchten. Gib dein Vorhaben auf und geh zurück.“ Ich ging zurück zum Ashram, zitternd vor Kälte und Furcht vor Swami Sivanandaji und sogar vor Furcht um mein Leben. Swami Sivananda war wie gewöhnlich sehr freundlich zeigte großes Verständnis.

Mein Vater und andere nahe Verwandte wollten mich dazu bringen Geld zu verdienen, was als einziger Wert der Menschen galt, obwohl mein persönlicher Wunsch das Studium der Vedas war, einem Teil von dem, was mich mein Vater ursprünglich gelehrt hatte. Ich war in der Lage, die ganze Pavamana Sukta der Rig Veda auswendig aufzusagen. Nebenbei lernte ich die Brihajjataka des berühmten Astronomen Varaha Mihir auswendig. Im Alter von 16 oder 17 Jahren lernte ich die ganze Bhagavad Gita und auch die heilige Vishnu Sahasranama auswendig, die meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm und mich berührte. Ich liebte meine Mutter, die eine ungebildete Frau war, so sehr, dass ich ihr erzählte, dass es gut sei, jeden Tag die Verse von Shri Vishnu Sahasranama zu rezitieren. Für mich war es wiederum eine Überraschung, dass sie ausschließlich durch das Hören, die Verse von Shri Vishnu Sahasranama meisterte. Wo auch immer ich hinkam, warb ich für das Rezitieren der Verse von Shri Vishnu Sahasranama, und selbst jene Menschen, die nur wenig Interesse an religiösem Leben hatten, fanden Freude am Rezitieren dieser Verse. Alle Menschen um mich herum wandten sich mit Beharrlichkeit dem Studium und der Rezitation jener Verse zu.

Später änderte mein Vater seine Gesinnung und weigerte sich, mich in den Vedas zu unterweisen, indem er sagte, dass ich Arbeit finden müsse und Geld für das Haus verdienen solle. Dieser plötzliche Sinneswandel meines Vaters ließ meinen Mut sinken, und alle wollten mich dazu bringen Geld zu verdienen, doch ich hatte keine Arbeit. Inzwischen suchte mein Onkel einen Unterbeamten auf, einen liebenswürdigen jungen Mann, der mir einen Job in seinem Büro besorgte. Der Unterbeamte sagte: „Sehr gut, er mag kommen; ich gebe ihm etwas zu tun.“ Er prüfte meine Handschrift und war sehr zufrieden. Am nächsten Tag sollte ich bei ihm anfangen. Doch es sollte anders kommen, denn für den nächsten Tag bekam ich eine Aufforderung, mich beim Schulamtsleiter des Distriktes Bellary zu melden, um mein Pflichtjahr in der Hospet Government Training School  anzutreten. In Anbetracht der Entfernung zur Hospet Government Training School änderte mein Vater seine Meinung und sagte, ich solle den Job nicht annehmen. Doch jene - inkl. mein Onkel, - die den Wert des Menschen nur in seinem Einkommen messen, wollten, dass ich die Stellung in der Hospet Government Training School antrat, obwohl ich davon keine Ahnung hatte. Durch das Wohlwollen meines Onkels erhielt ich vorübergehend eine Arbeit als Schreiber beim hiesigen Distrikt Musif Court . Doch es war schwierig, diese Arbeit zu behalten.

Am Distrikt Musif Court gab es jemanden, der normalerweise in Hospet zu Hause war. Eine Tatsache, über die er Stillschweigen bewahrte, doch er zeigte mir einen Weg durch ein kurvenreiches, unwegsames Gelände mit Bus und Bahn nach Hospet. Während der ganzen Zeit passte ich auf, dass ich den richtigen Zug nach einem Ort namens Harihar bekam. Obwohl der Busfahrer darauf achtete, dass ich rechtzeitig zum Bahnhof kam, setzte sich der Zug bereits in Bewegung als wir ankamen. Ich warf mein Gepäck in den Zug und bemühte um eine Sitzgelegenheit, wobei der Zug immer schneller wurde. Ich stellte fest, dass es bei fahrenden Zügen im Staate Mysore keine Zugschaffner gab. Niemand prüfte meine Fahrkarte. Der Zug erreichte Harihar. Ich verließ den Zug und sah einen Schalterbeamten. Es war inzwischen Abend geworden und ich fragte den ihn, ob ich irgendwo ein Hotelzimmer finden könne. Der Beamte versicherte mir, dass ich nirgendwo in Harihar eine Übernachtungsmöglichkeit finden könne. Er ließ mich jedoch in seinem Büro auf einer Bank, die er freiräumte, übernachten. Am Morgen danach traf der Bus nach Hospet ein. Ich traf einen weiß gekleideten Mann, der mich nach meinem Ziel fragte. Ich sagte ihm, dass ich nach Hospet wolle. Der Mann erzählte mir, dass er auch dorthin wolle. Wir be-stiegen beide den Bus. Es war eine lange Busfahrt in heißer Sonne, und wir erreichten Hospet spät am Abend. Der gute Mann, der mich begleitete, erkannte, dass ich den ganzen Tag nichts gegessen hatte, denn tagsüber waren wir ge-meinsam im Bus. Als wir nun in Hospet ankamen, nahm mich der gute Mann mit zu sich nach Hause und gab mir zu essen. Ich aß schnell und bat ihn, mir den Weg zur Schule der Regierung zu zeigen. Er brachte mich mit seinem Motorroller dorthin und holte anschließend noch das Gepäck nach. Ich betrat das Schulgebäude. Das Büro war verschlossen, denn es war schon spät am Abend. Hier traf ich wiederum einen guten Samariter, einen alten Mann, der nur Englisch und Telugu sprach. Er hieß Peraiah Sastri. Er lud mich ein und erzählte mir, dass ich den Schulleiter aufsuchen solle, der sich zurzeit in der Bibliothek befände. Ich ging dorthin und fand ihn zeitunglesend. Doch seine arrogante und gleichgültige Art war unübersehbar, als er nicht einmal von der Zeitung aufschaute und nur sagte: „Sprich mit ihnen“, ohne die Höflichkeit zu besitzen mir zu sagen, wen er damit meinte. Ich ging zurück zum Büro, und der alte Mann, der Telugu sprach, lud mich ein im Büro zu übernachten. Dieser alte Mann war für mich eine große Hilfe. Er war examinierter Lehrer und nur fälschlicher Weise zur Schule der Regierung nach Hospet versetzt worden, obwohl er richtigerweise zu Rajahmundry in Andhara Pradesh gehörte. Auf Grund einer Absonderlichkeit in der Versetzungspraxis erwartete er nun eine Versetzung von Hospet an eine Schule, wo nicht Kannada, von dem er keine Ahnung hatte, sondern Telugu gelehrt wurde. Am nächsten Morgen wartete ich im Büro. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich bis dahin niemals in meinem Leben in einem Büro gearbeitet hatte, ich kannte keinen ordentlichen Bürobetrieb. Mein Kollege Subra-maniam half mir, denn er war mit allen Einzelheiten vertraut, die für mich bis dahin geistlos, trocken und ohne Bedeutung waren, mit einer Ausnahme, dass ich ein Monatsgehalt von 30 IRS erhielt. Was sollte ich mit den 30 IRS anfangen? Die Arroganz des Schulleiters kommt mir dabei wieder in den Sinn. Er würde sagen: „He! Frisst du kein Geld?“ Dieses war sein Umgang mit den anderen Lehrern, mit denen ich zu tun hatte. Ich war zu guter Letzt nicht besonders glücklich. Das Essen in Hospet war für mich nicht genießbar. Die merkwürdigen Leute verzichteten auf ihr Frühstück. Sie aßen nur zwei Mal am Tag; und für mich fand dieses Essen im Hotel statt. Ich fühlte mich angewidert, diese Schullehrerpflicht auf mich genommen zu haben.

Einer der jungen Lehrer, der in der Schule im Zentrum tätig war, war ein guter Mensch. Er bot dem Telegu-Lehrer und mir die Möglichkeit, mit ihm einen Ausflug in das frühere Vijayanagara Reich zu machen, das offensichtlich von Swami Vidyaranya im 14. Jahrhundert unter Aufsicht zweier Brüder, Hukka und Bukka, gegründet worden war. Die Fähigkeiten von Swami Vidyaranya in der Verwaltung spiegelte sich in der Ausdehnung des Reiches wieder, das die beiden Brüder entwickelten, und das eine erstaunliche Anziehungskraft auch für westliche Besucher, wie Fashian hatte, der die Größe des Vijayanagara Reiches als prächtiger als das Römische Reich beschrieben hatte. Die Besucher schrieben in ihr Tagebuch: „Die Bewohner verschlossen nicht einmal ihre Türen, die Juweliere verkauften die Juwelen ohne Furcht am Straßenrand.“ Oh Wunder! Ein britischer Reporter des Distriktes Bellary schrieb ein Buch: „Ein Vergessenes Reich“. In jenen Tagen beherrschten die britischen Reporter die Gazetten des Distriktes. Robert Sewell war offensichtlich einer dieser Reporter in Bellary, der das Buch „Ein Vergessenes Reich“ schrieb. Ich habe das Buch niemals zu Gesicht bekommen, obwohl ich selbst einmal in Bellary war. Ich könnte mir vorstellen, dass es genauso interessant ist wie das sechsbändige Werk von Edward Gibbon über den Aufstieg und den Fall des Römischen Reiches. Die Könige des Vijayanagara Reiches kamen mit ihren muslimischen Nachbarkönigen in Konflikt, und Egoismus prallte auf Egoismus. Die fünf Muslimfürsten, die sonst immer miteinander im Streit lagen, gingen nun gemeinsam auf das Vijayanagara Reich los, um es auszulöschen. Der Aufstieg zu einem großartigen Reich und die große Zerstörung, die viele Jahre später folgte, sind beide Teil der Weltgeschichte. Dieser junge Mann führte uns über das ganze Gelände von Vijayanagara. Eigentlich war dort nichts zu sehen. Man konnte nur noch die Grundmauern von einigen Häusern erkennen. Wir gingen ein langes Stück Weg, um vielleicht doch noch etwas Sehenswertes zu finden, doch es gab nichts; wir fanden nur zerstörte Reste. Müde und erschöpft kehrten wir gegen 12 Uhr wieder zu Hampi‘s berühmten Virupaksha Tempel zurück, den wir auf Grund seiner alten Konstruktion nur der Zeit von Swami Vidyaranya zuordnen konnten. Wir waren hungrig und durstig und die Sonne stand hoch am Himmel. Da sahen wir ein paar Leute an einer Ecke in einem Gasthaus essen. Wir setzten uns zu ihnen, und bekamen auch Reis und Pudding, ohne bezahlen zu müssen und waren rundum zufrieden. Ich hörte inzwischen, dass es diese Art Gasthäuser heutzutage nicht mehr gibt.

Das Schulgebäude der Regierung war von einem Versicherungsagenten gemietet worden. Es war ein großes weitläufiges Gebäude. Der Besitzer kam eines Tages in das Büro des Schulleiters und erzählte ihm, dass er mich beschwören sollte, eine Lebensversicherung abzuschließen. Der Schulleiter sagte mir, ich solle eine solche Police unterzeichnen, obwohl es mir widerstrebte, denn ich verdiente nur wenig Geld und das meiste davon ging für die Unterkunft drauf. Da ich kein Geld hatte, trug ich weder Schuhe noch Sandalen. Wo auch immer ich hinging, ich ging barfuß. Da der Schulleiter wusste, dass ich die Bhagavad Gita auswendig kannte, bat mich dieser kuriose Mann eines Tages, ob ich für den Lehrkörper eine ‚Lecture‘ geben könnte. Ich willigte ein und eines Abends schlossen sie ihre Büros und wollten mich hören. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich es nicht gewohnt frei zu sprechen und es fiel mir schwer, mich über die Länge der Bhagavad Gita auf den Inhalt zu konzentrieren, doch irgendwie funktionierte es und ich kam über die Runden. Interessanter Weise stellte mich dieser Telugulehrer allen lokalen Würdenträgern sowie den Geschäftsleuten in wohlwollender Art vor. Dieses machte er mit großem Erfolg. Zur gleichen Zeit bemühte er den Schulmeister jeden Tag aufs Neue um seine Versetzung in seine Heimat Rajahmundry. Manchmal sind die Menschen in ihren Kommentaren lieblos. In den ersten beiden Hotels, wo ich zu Mittag aß, war das Essen schlecht, darum ging ich zu einem dritten Hotel, wo das Essen einigermaßen akzeptabel war. Einige Leute sagten, dass dieses besagte dritte Hotel, wo ich zum Essen ging, einfach war. Der Besitzer hatte eine Tochter, die jung und hübsch war, wovon ich allerdings nichts wusste und man begann zu munkeln, dass sie der Grund für meinen Umzug war. Dieses war falsch, denn ich war natürlich nicht wegen dieser Tochter umgezogen, ich wusste nicht einmal von ihrer Existenz, bis ich von dem Klatsch und Tratsch der Leute erfuhr.

Das Hotelessen wurde nun zu einem Albtraum, ich konnte es nicht herunterbringen. Ich bekam wieder Asthma. Der alte Telugulehrer half mir wieder und bat den Doktor des Ortes, mich ohne Bezahlung zu behandeln, denn ich hatte kein Geld. Der Arzt half mir zunächst. Doch als ich ein zweites Mal krank wurde, verweigerte er eine kostenlose Behandlung. Ich weiß nicht was danach wirklich geschah. Ich überlebte nur knapp. Alles war nur eine hässliche, sinnlose Tortur für mich. In dieser Verfassung schrieb ich an meinen Onkel nach Hause, dass ich die Stellung aufgeben würde und nach Tirupati oder so reisen würde. Als mein Onkel meinen Brief erhielt, kam er sofort mit dem nächsten Zug nach Hospet und erreichte am Abend die Schule. Er sagte mir: „Es hat keinen Sinn hier zu bleiben, lass uns gehen.“ Ich hatte bereits vom Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bekommen. Wir bestiegen zunächst eine Pferdedroschke und erreichten später den Zug nach Bangalore. Nach einer langen Fahrt mit dem Zug stiegen wir in Bangalore in den Zug nach Mysore um, wo wir sehr spät am Abend ankamen und uns ein Hotelzimmer nahmen. Und obwohl es spät am Abend war, bekam ich zum ersten Mal ein hervorragendes Essen, auch wenn aus den Resten bestand, die andere übrig gelassen hatten. Mein Onkel deutete an: „Hast du jemals solch eine Sambar  gegessen?“ Ich sagte: „Nein, so etwas Gutes habe ich noch nicht gegessen.“ Am nächsten Morgen fuhren wir nach dem Frühstück mit dem Bus über Mercara nach Puttur und ich war wieder zu Hause. Ich fühlte tiefen Kummer in meinem Herzen. Ich wollte niemals wieder, auf welchen Druck auch immer, eine solche Arbeit annehmen.

Ich verließ das Haus wieder und fuhr mit dem Bus nach Mercara und weiter nach Mysore. Am Bahnhof wartete ein Zug. Ich sprach den Kontrolleur an und fragte ihn, ob dieser Zug nach Puna führe. Er bejahte es, bat mich einzusteigen und los ging es. Doch der Zug fuhr nicht direkt nach Puna. Ich musste in Arsikere aussteigen, wo ich in den Zug aus Bangalore nach Puna umsteigen musste. Ich hatte nur wenig Geld. In Puna kaufte ich eine Fahrkarte nach Jubbalpur, ohne zu wissen, ob dieses mein wirkliches Ziel war. Als meine Fahrkarte abgefahren war, ging es nicht mehr weiter. Ich blieb mit etwas Trink- und Essbarem (Gemüse), das mir meine Mutter bereitet hatte, auf dem Bahnsteig sitzen, wobei ich nicht wusste, ob ich nach Hause umkehren sollte. Da sprach mich ein Bediensteter an: „Warum sitzt du hier noch, wo alle anderen Leute schon gegangen sind?“ Ich erzählte ihm aufrichtig: „Ich bin ein Student. Ich sterbe vor Hunger und meine Kehle ist ausgetrocknet.“ Als er das hörte, reichte er mir etwas Tee in einer Untertasse - dieses war das erste Mal, dass ich Tee probierte. Dann ließ er mich gehen und ich verließ den Bahnhof. Dann lief ein Zug ein, der möglicherweise nach Allahabad fuhr. Ich erzählte dem Schalterbeamten, der im Büro saß, er möge mich ohne Fahrkarte mitreisen lassen, da ich arm sei und kein Geld hätte, um eine Fahrkarte zu kaufen. Er winkte dem Kontrolleur und man ließ mich mit nach Allahabad fahren. Ich wollte aussteigen, doch der Zugschaffner ließ mich nicht gehen, denn er wollte meine Fahrkarte sehen. Ich sagte ihm, dass ich keine Fahrkarte hätte und ich hätte nur mitfahren können, weil der Kontrolleur in Jubbalpur Mitleid mit mir gehabt hätte. Doch der Schaffner wollte mich nicht gehen lassen.

Als ich beschwor, dass ich Student sei und nichts bezahlen könne, ließ er mich angewidert laufen. Es war vier Uhr morgens und stockdunkel. Ich wusste nicht, wo ich bleiben sollte. Ich fühlte etwas auf mich zukommen. Ich erkannte, dass es ein Hund war, der etwas Wärme suchte. Ich hatte Mitleid mit ihm und ließ ihn gewähren. Er diente mir als Kissen. Als der Tag anbrach nahm ich mein Bündel auf und ging zum Ganges, wobei ich einige Leute fragte, wo denn der Ganges überhaupt sei. Ich starb vor Hunger. Ich fühlte mich halb tot und niemand gab mir etwas zu essen. Am Wegesrand sah ich einen Obstkarren mit Guava-Früchten. Als ich den Obstverkäufer um eine Frucht bat, wurde sie mir verweigert. Als ich in Richtung Ganges ging wusste ich nicht, was mir widerfahren würde. Ich fand ein hölzernes Kinderbett. Ich bedeckte meinen Körper mit meinem einzigen Kleidungsstück und versuchte zu schlafen. Gegen morgen kam ein Pandit , der mich bedrohte, denn das Bett schien sein Besitz zu sein. „Wer bist du? Steh auf und hau ab!“ Ich stand auf und schlief am Ufer im Sand weiter. Es ist wohl kaum eine Übertreibung, wenn ich sage, dass es kalt war. Ich stand wieder auf, ging zum Bahnhof und bat den Kontrolleur, mich mit dem Zug nach Benares fahren zu lassen. Er war mir zugetan, denn er wusste, dass ich ein hoffnungsloser Fall war und ich durfte mitfahren. Der Zug erreichte Benares, ich weiß nicht mehr wie spät es war. Vor vielen Jahren wohnten mein Großvater, mein Onkel und meine Eltern hier in diesem Ort bei einem Pandit namens Chikka Bhau Acharya. Ich fragte im nächsten Geschäft nach dem Haus von Chikka Bhau Acharya, doch der führte mich zu jemandem, der so ähnlich hieß, nämlich Dodda Bhau Acharya. Er klopfte an die Tür, eine Frau öffnete die Tür, weil sie einen Kunden vermutete. Ich erzählte, dass ich vor Hunger sterbe würde, und dass ich kein Kunde des Pandits sei. Man erlaubt mir jedoch einige Tage zu bleiben. Zur selben Zeit kam jemand namens Narayana Tantri aus Upundi, das wenige Kilometer entfernt war, zu jenem Haus und bot mir an mit ihm zu gehen. Ich stimmte zu und verließ das Haus von Dodda Bhau Acharya und ging zu Narayana Tantri.

Doch hier gab es ein neues Problem. Woher sollte ich etwas zu essen bekommen? Es gab 2 oder 3  Gasthäuser am Ort. Man sagte ich solle mit einem Gefäß dorthin gehen. Der Chef würde Leute auswählen, die er als in Ordnung ansah und wer auch immer ein Gefäß dabei hätte, könnte sicher sein Essen zu bekommen. Ich stand früh am Morgen auf und suchte diese Gasthäuser mit meinem Gefäß auf, wo man eine kostenlose Speisung bekommen könnte, wobei ich zu Gott betete, dass mein Gefäß akzeptiert würde und ich etwas zu essen bekäme. Doch dieses Gefäß wurde an allen sieben Tagen nicht akzeptiert. Solange, nämlich sieben Tage, saß ich hoffnungslos wie ein Bettler in Narayana Tantri’s Haus, wobei er mich in sein Haus zum Essen einlud. Armut war mein Name. Ich kann mich nur so sehen. Zu jener Zeit erfuhr ich, dass ein reicher Man namens Narayandas Bajoria in Sarnath demjenigen 10 Rupien bezahlen wollte, der die Bhagavad Gita vollständig aufsagen könnte. Dieser Narayana Tantri sagte mir: „Lass uns gehen. Die 10 Rupien verdienen wir uns.“ Der Weg von Benares nach Sarnath zum Wohnhaus dieses Seth, wo ich die ganze Gita ohne Unterbrechung rezitierte und die zehn Rupien bekam, war acht Meilen lang. Dieser Seth war nicht geneigt darüber hinaus noch irgendetwas springen zu lassen. Dann ging ich mit meinem Bekannten wieder zurück nach Benares. Jeden Tag nahm ich im Ganges ein Bad. Wir hatten beinahe Dezember, und doch war das Wasser nicht so kalt wie in Rishikesh. Ich hatte Angst mich zu waschen, denn ich hatte keine Ersatzwäsche. Wenn ich ein Bad nahm, ließ ich meine Anziehsachen auf einem Stein liegen und zog dieselben Sachen nach dem Bad wieder an. Elend war mein Name.

Ich kam mit einer Bettelschale zurück zu Narayana Tantri’s Haus. Zu dieser Zeit kam Sridhar Bhatt, der seine Bußezeit in Sirmur in den Himalajas beendet hatte, zu demselben Platz, wo ich mit einem anderen Sadhu war, der ein Kerala Kenner war, ein gutes Benehmen hatte und sich gut auszudrücken verstand. Just an dieser Stelle rezitierte ich vor diesem Kerala Yogi mein Lakshmi- Mantra. Als der Kerala Yogi diese Rezitation hörte, bat er mich, das Mantra für ihn aufzuschreiben. Narayana Tantri, bei dem ich ebenfalls dieses Mantra rezitierte, war sehr erstaunt über meine Sanskrit Aussprache. Dieser Narayana Tantri war auch ein Astrologe, doch er konnte kein Englisch. Er verdiente sein Geld mit Horoskopen, wobei er sehr armselig war, denn er schrieb die Horoskope für Leute, die des Englischen mächtiger waren als er. Er sagte mir darum: „Sei so freundlich und übersetze ins Englische, was ich dir in Kannada sage.“ Dieses wurde von seinen Kunden honoriert, und er verdiente dadurch mehr Geld.

Nun kam die Zeit, dass Sridhar Bhatt von Sirmur heiraten wollte. Er konsultierte Narayana Tantriji, um den richtigen Zeitpunkt für die Hochzeit zu erfahren. Alles musste für 200 Rupien erledigt werden. Wen wollte Sridhar Bhatt heiraten? Im Erdgeschoss von Shri Dattatreya Mutt, wo alle von uns wohnten, lebte eine Witwe mit ihrer Tochter. Der Tochter der Witwe wurde ein Heiratsantrag gestellt. Sie war außerordentlich arm und stimmte allem zu. Narayana Tantri übernahm selbst die Rolle des Priesters. Zwei der örtlichen Gelehrten unterbrachen die Trauung, wobei sie sagten, dass die Zeremonie nicht korrekt sei. Doch Sridhar Bhatt, der daran interessiert war, die Zeremonie so schnell wie möglich zu beenden, hatte keine Lust zu streiten. Er schloss die Trauung, verteilte Dakshina und die Angelegenheit war beendet. Einige Leute waren zum Essen geladen. Ein Koch aus Kerala war schnell gefunden, von dessen kostenlosen Mahlzeiten ich, wie bereits zuvor erwähnt, gelegentlich in seinem Gästehaus profitierte. Danach verließ Sridhar Bhatt den Ort und fuhr mit einem Zug nach Haridwar. Er fragte mich, ob ich ihn begleiten wolle. Ich stimmte zu, um mich von der Bettler-Atmosphäre zu befreien und wir fuhren nach Haridwar.

Dort angekommen, gab er mir eine halbe Rupie, damit ich nach Rishikesh weiterfahren konnte. In Haridwar gab es zwei Haltepunkte. Einer war der Hauptbahnhof und der andere der Stadtbahnhof, den ich verfehlte, denn ich war schon spät dran. Ich gab dem Schaffner die halbe Rupie, doch er verweigerte mir die Fahrkarte. Da es jedoch zu spät war, um den Zug wieder zu verlassen, fuhr ich ohne Ticket nach Rishikesh. Mit der halben Rupie (Anna) in der Tasche verließ ich den Zug und erklärte dem Kontrolleur am Ausgang, dass ich auf Grund meiner Eile kein Ticket mehr hätte am Fahrkartenschalter kaufen können. Er nahm die halbe Rupie und hieß mich zu gehen. Mein Ziel war der Sivananda Ashram. Ich traf zwei Pilger, die ebenfalls in sengender Mittagshitze auf dem Weg dorthin waren. Um drei Uhr nachmittags kamen wir bei Swami Sivananda im Büro an. Er sah sich gerade die Post durch, nahm einige Brief an sich und warf den Rest auf den Boden, damit sich der Sekretär der Post annehmen konnte, um sie zu bearbeiten. Wir saßen dort ca. eine Stunde lang. Dann stand er auf. Ich ging schnell zu ihm und sagte: „Ich möchte gern Yoga lernen.“ Doch er kümmerte sich nicht darum, was ich sagte, und ging in sein Kutir. Ich hatte keine andere Alternative als in der baufälligen Blechhütte des Rama Ashrams auf dem Boden zu schlafen, der nicht einmal zementiert war. Den Rest der Geschichte kennt ihr schon von früher.

Um mit der Geschichte fortzufahren: Es war für mich überraschend, dass Swami Sivanandaji mich am dritten Tage zu seinem Kutir rufen ließ und einige beschwörende Worte sprach. Mein intellektuellen Fähigkeiten erhoben sich und ich schrieb sofort in gutem Englisch einen Aufsatz mit einem Vokabular, das selbst Swamiji betäubte. Einer meiner Kollegen, Balan Menon, der spätere Swami Chinmayananda zeigte Swamiji meinen ersten handgeschriebenen Aufsatz über die Gita. „Schrieb Swami Krishnananda diesen Artikel?“ „Ja, Swamiji.“ „Oder hast du ihn geschrieben? Hat dieser Swami diesen Aufsatz geschrieben, oder wurde er von dir aufgezeichnet und dann niedergeschrieben?“ Ich kann selbst nicht verstehen, wie man Bücher in solch einer Geschwindigkeit schreiben kann, etwas, was ich zuvor nicht fertig gebracht hätte. So weit ich mich erinnern kann, war meine erste Niederschrift ein Kommentar über Swamiji’s Moksha Gita, eine Aussage über meine Fähigkeiten zu schreiben.

Als ich vor vielen Jahren in der Bhajan-Hall untergebracht war, kam eines Tages Swami Sivanandaji vorbei, schaute durch Fenster und fragte: „Womit bist beschäftigt? Du weißt, dass T.M.P. Mahadevan von der Universität in Madras ein Buch über „The Philosophy of Advaita“ geschrieben und damit große Lorbeeren eingeheimst hat. Was machst du, du sitzt auch hier. Warum schreibst du nicht auch ein solches Buch?“ Ich sagte Swamiji, dass ich mein Bestes tun wollte. Von diesem Tage an, entschloss ich mich ein Buch zu schreiben. Der Titel lautete: „The Realisation of the Absolute“. Der Ruhm, den dieses Buch erlangte, ist vielen Leuten bekannt und es kommt einer Doktorarbeit gleich. Ich schrieb dieses Buch innerhalb von zwei Wochen mit der Hand. Das ganze Manuskript wurde von Swami Omkarananda, der zu jener Zeit im Ashram lebte, in die Maschine geschrieben. Das Manuskript wurde vom Vize-Präsidenten Swami Mownananda gelesen, der Swami Sivanandaji berichtete: „Hier ist ein gut geschriebenes Buch.“ Das war genug, um Swami Sivanandaji zufrieden zu stellen und die Aufmerksamkeit eines literarischen Genius, wie Swami Mownananda, zu erregen. Das Buch wurde in Rishikesh gedruckt und steht kostenlos zur Verfügung. Es wurde ins Deutsche übersetzt und steht auch in deutscher Sprache im Internet zur Verfügung.

Meine erste literarische Arbeit war das Buch „The Philosophy of Life“, dass ich direkt einer Hilfskraft in die Maschine diktierte. Er schrieb es zunächst ins Unreine, um daraus dann eine druckreife Vorlage zu erstellen. Die Leute, die dieses Buch gelesen haben, konnten feststellen, wie ich mich inzwischen auf literarischem Gebiet von einem Bettler, der um sein tägliches Brot betteln musste, zu einem Literaten entwickelt hatte. Viele andere Bücher kamen, mehr als zwei oder drei Dutzend, einige Bücher, die aus Gesprächen zusammen gestellt wurden und andere als reine Kompositionen.

Ich bin 79 Jahre alt und diktiere meine Memoiren und mache mir Gedanken über die Höhen und Tiefen meines Lebens, über die Saat, die mein Großvater, auf dessen Schoß ich als kleiner Junge gesessen habe, gesät hat, als ich ihn über große Persönlichkeiten wie Krishna, Vasishta usw. befragte. Diese Saat ist schrittweise in eine weitreichende Vision eines entschlossenen Lebens der Meditation und in einem literarisch substanziellen Beitrag zur Arbeit von Swami Sivanandaji aufgebrochen, sowohl administrativ, literarisch und spirituell. Meine Memoiren unterscheiden sich von der „Rose in December“ von Richter M.C. Chagla, dem obersten Richter am Oberlandesgericht in Bombay, der später zum Minister für Äußere Angelegenheiten der Indischen Regierung ernannt wurde. Er schrieb seine Memoiren unter dem Titel „Rose in December“. Er hat seine Memoiren sehr gut geschrieben, wenn auch aus politischer Sicht. Es gab einen kleinen Aufruhr in seiner Karriere als Außenminister, die durch die Flucht einer bedeutsamen russischen Lady mit einem amerikanischen Flugzeug verursacht wurde. Da ich all diese Gedanken in aller Eile diktiere, fehlen meine Memoiren außerdem der Charme von Edward Gibbon’s Meisterstück. wie „The Philosophy of Life“, „The Philosophy of Religion“, „The Ascent of the Spirit“, „Essays in Life and Eternity“, „The Prloblems of Spiritual Life“, „Your Questions Answered“ und einige andere Bücher dieser Art, die in verschiedene Sprachen übersetzt wurden. Alle Ehre gilt Swami Sivanandaji, der aus einer Eichel des Bemühens einen Eichenbaum werden ließ. Swami Sivanandaji hat uns 1963 körperlich verlassen und er lässt uns heute das sein, was wir in den Augen Gottes sind.

Swami Chidanandaji, der als Generalsekretär für die Administration zuständig war, folgte am 2. November 1959 einer Einladung ins Ausland. Dadurch war die Stelle unbesetzt. Da die Post des Generalsekretärs des Ashrams als sehr wichtig betrachtet wurde, gingen einige Ashrambewohner zu Swami Sivanandaji Maharaj und baten ihn, mich, den Sekretär, zum Generalsekretär zu ernennen. Swami Sivanandaji Maharaj schrieb eine Anweisung, die mich ab einem bestimmte Tag zum Generalsekretär machte. Obwohl einige Bedingungen an die Ernennung eines Generalsekretärs geknüpft sind, war der Gründungspräsident ermächtigt diese Bedingungen zu übergehen und die Aufgabe direkt mit einer geeigneten Person zu besetzen. So wurde ich zum Generalsekretär. Als Swami Chidanandaji aus Amerika zurückkehrte, fühlte er sich in einer höchst bedauerlichen so wie enttäuschenden Situation, da sein Posten bereits durch jemand anders besetzt war. Doch blieb er wohlweislich für eine Weile im Ashram, holte sich die Erlaubnis des Gründungspräsidenten Swami Sivanandaji Maharaj für ein „Retreat “ und verließ den Ashram mit unbekanntem Ziel. Diese Handlungsweise hatte einen dubiosen Beigeschmack, der von glücklicher als auch von unglücklicher Natur war. Glücklich einerseits, weil jemand die Aufgabe eines Generalsekretärs wahrnahm, unglücklich andererseits, weil es in aller Eile geschehen war, was die persönliche Verantwortung eines Anderen in derselben Position berührte. Auch ich fühlte mich betroffen und es gab einige Leute, die am liebsten alles rückgängig gemachten hätten, weil sie feststellen mussten, was sie mit dem Wunsch nach einer Besetzung in Abwesenheit des Amtsinhabers angerichtet hatten, auch wenn dies letztendlich von dem Gründungspräsidenten veranlasst worden war. Swami Chidanandaji kehrte drei Wochen bevor der Gründungspräsident verstarb in den Ashram zurück. Seine Rückkehr in den Ashram war für einige Ashrambewohner tröstlich, brachte mich jedoch in eine schlimme Situation, sodass die offizielle Beziehung zwischen Swami Chidanandaji und mir unbeschreiblich wurde. Swami Chidanandaji wusste dies nur zu gut und distanzierte sich von allen Managementangelegenheiten, bis er, als der Gründungspräsident verstarb, gezwungen war in das Rampenlicht zurückzukehren. Nach dem Ableben des Gründungspräsidenten wurde er zum neuen Präsidenten gewählt und ich wurde der Generalsekretär de jure und de facto.

Die ganze Last des Managements der Divine Life Society(DLS) lag nun auf meinen Schultern, dem Generalsekretär einer international berühmten Institution. Von allen Seiten gab es Schwierigkeiten, die mir vorher weder bekannt noch bewusst waren. Ein unweiser Filmemacher wollte in guter Absicht die Annahme eines Filmes über Swami Sivananda durch die DLS dadurch erzwingen, indem er die Zustimmung aller Ashrambewohner suchte, obwohl der Film ohne Wissen der rechtmäßig gewählten Repräsentanten der DLS gedreht wurde, die selbst einen Film vorbereiten wollten. Man kann sich vorstellen, dass dies zu einem Fall für die Gerichte wurde, nachdem der Filmemacher das Original nur dann herauszugeben wollte, wenn die DLS bereit wäre, ihm 250000 Rupien für etwas zu geben, von dem er annahm, er hätte die Arbeit doch schon gemacht. Der Ashram widerlegte all die Argumente des Filmemachers und befand sich in einer Schlacht, die sich über zehn Jahre hinzog. Der Fall ging von einer Instanz zur Nächsten, bis hin zum Obersten Gericht und landete schließlich beim Magistrat. Auf diesem Schlachtfeld einer zehn Jahre währenden Schlacht spielte als legaler Vertreter in dieser Angelegenheit ein sehr fähiger Bewohner des Ashrams, nämlich Shri Jaya Kumar, eine wesentliche Rolle. Schließlich war es möglich, eine Entscheidung herbeizuführen. Der Magistrat fällte plötzlich ein Urteil zu Gunsten der DLS und schloss die Akten. Dies geschah deshalb, weil der Filmemacher selbst allmählich die Nase voll hatte und eine Erklärung abgab, indem er den Fall abschließen wollte und niemanden, weder der DLS noch sonst jemanden Schaden zufügen wollte. Die Fähigkeit dieses Jaya Kumar ist es wert erwähnt zu werden. Wenn ein Pachtvertrag für ein Stück Land, das vor 30 Jahren von der Forstverwaltung gepachtet wurde, zu Ende kommt, muss ein neuer Vertrag abgeschlossen werden. Ich bat Shri Jaya Kumar, den Pachtvertrag auf weitere dreißig Jahre abzuschließen. Shri Jaya Kumar kontaktierte alle offiziellen Stellen und war letztendlich bei den Regierungsstellen erfolgreich, obwohl wir viele Auflagen hinnehmen mussten.

Swami Chidanandaji ging aus kulturellen Gründen wieder ins Ausland und blieb lange fort. In der Zwischenzeit kam eine offizielle Verordnung heraus, wonach alle Ashrams des Staates Uttar Pradesh unter Aufsicht der Staatsregierung gestellt werden sollten. Zu damaliger Zeit hatte ich für solche Angelegenheiten keinen richtigen Ansprechpartner, ich musste sehr sorgfältig abwägen, ob ich entweder die Verordnung akzeptieren und der Regierung alles überlassen oder Widerspruch einlegen sollte. Ich entschied mich für das Letztere und schrieb einen Brief an den Regierungspräsidenten mit den Worten, dass sein Vorschlag einen Verein zu einen Beamtenapparat zu machen, zum Scheitern verurteilt wäre und die Regierung keinen Nutzen davon hätte. In meinem Brief erwähnte ich detailliert alle Konsequenzen, die sich aus dem Vorhaben der Regierung ergeben würden, denn kein Vereinsmitglied (Sannyasin) würde solch einer plötzlichen Übernahme durch die Regierung zustimmen. Mein Brief berührte das Herz des Präsidenten und er befreite die Divine Life Society mit noch zwei anderen Ashrams von dieser Verordnung. Jaya Kumar war bei vielen juristischen und offiziellen Angelege