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Bholanaths Sadhana

Eines Abends teilte Ma den Besuchern mit, daß Bholanath am nächsten Tag fortgehen werde - wohin, sagte sie nicht. Bholanath wahrte seit einigen Tagen Schweigen, auch er sagte also nichts. Am nächsten Tag begleiteten ihn Ma, Didi, Bhaiji und einige andere zur Bahnhof, wo er in den Zug nach Calcutta stieg. Jogesh Rai fuhr mit ihm; Ma kehrte nach Siddheshwari zurück. Bisher war sie nie von Bholanath getrennt gewesen. Ein oder zwei Devotees blieben bei ihr in Siddheshwari, damit sie nicht ganz allein war. Auf ihre unnachahmbar natürliche Art führte Ma sie alle in ein Leben des Sadhana ein. Die Atmosphäre in Siddheshwari begünstigte eine geistige Verinnerlichung. Auf diese Weise wurde nicht nur Bholanath, sondern vielen Getreuen der Anfangszeit der Zugang zum Weg des Sadhana und die Abkehr vom weltlichen Leben erleichtert.
       Nach einiger Zeit erhielt Ma einen Brief von Bholanath, in dem er sie bat, zu ihm nach Tarapeeth, einer kleinen Stadt im Bezirk Birbhum, zu kommen. Ma packte eine oder zwei Decken und ein paar Kleidungsstücke in ein Bündel. Seit langer Zeit hatte sie nicht mehr in einem Bett geschlafen; Bettzeug besaß sie nicht. Sie hüllte sich zur Nacht in ein Tuch und legte sich auf den nackten Boden oder manchmal auf eine Decke. Eine große Menschenmenge versammelte sich auf dem Bahnsteig, um Abschied von ihr zu nehmen. Zwar war Ma schon oft aus Dacca abgereist, aber nie auf eine so seltsame Weise und an ein Ziel, das vage Ängste in den Herzen der Leute wachrief. Tarapeeth war ein abgelegener Ort, berühmt nur für seine große Leichenverbrennungsstätte, an der der bengalische Tantra-Meister Shri Bamakshepa gelebt hatte.
       Als Ma in ihrem Abteil saß, streifte sie zwei goldene Reifen von ihrem Arm und gab sie Bhaiji mit den Worten: »Laß daraus fünf Ringe machen und gib sie Jotu, Amulya, Sitanath, Makhan und Subodh.« Diese Jungen, begeisterte Kirtan-Sänger, waren fast ständig bei Ma gewesen.
       Ma und Surendra Mohan Mukherjee aus Calcutta, der sie begleitete, wurden in Tarapeeth von Bholanath und Jogesh Rai empfangen. In dieser kurzen Zeit hatte sich Bholanth tiefgreifend verändert. Bei seinem Sadhana in Siddheshwari hatte er die Vision einer kopflosen Statue der Göttin Kali gehabt. Als er Ma davon berichtete, forderte sie ihn auf, nach Tarapeeth zu gehen, obwohl er wußte, daß sie über diesen Ort nichts weiter wußte.
       In Tarapeeth angekommen, fand Bholanath an abgelegener Stelle einen alten Tempel der Göttin Tara [eine Erscheinungsform der Kali]. Bholanath verstand nicht, warum Ma ihn nach Tarapeeth geschickt hatte. Es gab keine Ähnlichkeit zwischen der Statue im Tempel und der Figur aus seiner Vision. Er ließ sich aber auf der Veranda des Tempels nieder und gab sich der strengen Übung eines ununterbrochenen Japa hin. Innerhalb einiger Tage lernten die Priester ihn gut kennen. Seine Versunkenheit und Konzentration beeindruckten sie sehr, und sie behandelten ihn respektvoll als einen Asketen.
       Als er eines Abends meditierte, kamen die Priester, um die abendlichen Rituale vorzubereiten. Sie waren bereits an Bholanath gewöhnt und forderten ihn nicht auf, die Veranda zu verlassen. Er sah, wie sie Schmuck und Kleidung der Tara-Statue ablegten, und dann sah er zu seinem Erstaunen, daß sie ihr sogar den Kopf abnahmen, so daß nichts als ein kopfloser Rumpf blieb. Bevor sie die Türen des Tempels am Morgen wieder öffneten, setzten sie den Kopf wieder auf, hüllten die Figur in feine Kleider, legten ihr Schmuck an und setzten ihr eine Krone auf. Nur die Priester und ihre Familien wußten, daß die Tara-Statue kopflos war.
      Bholanath erlangte in Tarapeeth einen hohen spirituellen Bewußtseinszustand. Jogesh Rai war Augenzeuge dieser tiefgreifenden Transformation. In der Nähe des Tempels stand eine halbverfallene Hütte, in der Ma Unterschlupf fand. Eines Nachts überkamen Bholanath seltsame Kriyas. Es war, als würde sein Körper von innen her ausgewrungen. Ma war in der Nähe. Als Jogesh dieses seltsame Phänomen Angst einjagte, blickte er in Ma‘s gelassenes, gütiges Gesicht und beruhigte sich wieder. Sie schien Bholanath durch diese Metamorphose zu führen. Bholanath sah jetzt wie ein echter Asket aus.
       Nach einigen Tagen wurde der Kontakt mit den Devotees aus Dacca und Calcutta wieder aufgenommen. Sie kamen in Gruppen, und sogleich ähnelte der abgeschiedene Ort eher einem Jahrmarkt. Bholanath sah mit seinem länger gewachsenen Haar und seinem Bart wie ein ehrwürdiger Sadhu aus. Er war immer ein starker Raucher gewesen, doch nun hatte er das Rauchen aufgegeben. Er aß wenig, gönnte sich nur kurze Ruhepausen und verbrachte seine ganze Zeit auf der Tempelveranda.

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Die Frauen der Tempelpriester hatten Ma inzwischen so lieb gewonnen, daß diese einfachen Dorfbewohnerinnen wie die Devotees aus den großen Städten immer bei ihr waren. Als Didi in Tarapeeth ankam, sah sie ein, wie kindisch es war, sich um Ma‘s Aufenthalt an diesem einsamen Ort Sorgen zu machen. Man hatte sie mit ebensoviel Liebe und Hingabe wie an jedem anderen Ort aufgenommen. Es wurde Zeit, Abschied zu nehmen. Am Tag ihrer Abreise aus Tarapeeth sagte eine der Frauen: »Vergiß uns nicht! Wir sind arme Leute, wir können dir nur bescheidene Kost bieten.« Eine andere sagte: »Als ich eine Autohupe hörte, war ich gleich traurig, weil ich dachte, das Auto käme, um dich abzuholen, wie Akrura gekommen ist, Shri Krishna von Vrindavan wegzuführen.«
       Ma erwiderte lachend: »Warum sagt ihr so etwas? Ich bin wie eine von euch. Ihr seid so gütig und liebevoll zu mir gewesen, weil ihr gute Herzen habt.« Die Frau erwiderte: »Wir sind aus Tarapeeth, einem Siddhasthana. Wir können den Menschen ansehen, was sie wirklich sind. Wir sehen viele Sadhus und Asketen. Manche sind echt, andere nicht. Du bist die inkarnierte Göttin. Warum versuchst du, das vor uns zu verbergen?«
       Ma kam noch häufig nach Tarapeth. Ihre Besuche führten zu vielen Veränderungen. Tarapeeth begann allmählich aufzublühen. Die Einwohnerzahl nahm zu, neue Gebäude und Geschäfte entstanden und nahmen dem Ort für immer den Charakter eines reinen Tempelbezirks. Ma und Bholanath gingen wieder auf Reisen. Nach dem Besuch etlicher anderer Orte fuhren sie nach Vidyakut zu Ma‘s Eltern. Bhaiji, Niranjan Rai, Shashanka Mohan und andere hatten sich inzwischen intensiv darum bemüht, für Ma und Bholanath einen Ashram zu errichten. Zuletzt waren sie glückliche Eigentümer eines ›Gebäudes‹ in der weiten Grünfläche von Ramna. Das ›Gebäude‹ war zwar zunächst nichts als eine Hütte, aber es gehörte ihnen und sollte dem Dienst an Ma geweiht sein. Nun überfiel sie der beklemmende Gedanke, Ma und Bholanath könnten überhaupt nicht nach Dacca zurückkehren, da Bholanath hier keine Arbeit mehr hatte. Die älteren Devotees fuhren daraufhin nach Vidyakut und überredeten Bholanath, zu Ma‘s Geburtstagspuja nach Siddheshwari zu kommen und den Ashram in Ramna einzuweihen.
       Im Mai 1929 arrangierten die Devotees von Dacca zum dritten Mal eine besondere Puja zu Ma‘s Geburtstag, die dann von Bholanath ausgeführt wurde. Am nächsten Morgen kamen Ma und Bholanath, begleitet von einem jubilierenden Festzug, von Siddheshwari nach Ramna. Didi bemerkte, daß Ma, nachdem die größte Menge gegangen war, umherging und die Wände des Ashrams berührte. Sie erinnerte sich schmerzlich, wie Ma dasselbe getan hatte, bevor sie Shahbagh endgültig verließ.
       Trotz ihrer ernsten Vorahnungen hatte Didi nicht den Mut, Ma Fragen zu stellen. Im Morgengrauen gingen die glücklichen Devotees nach einer von Kirtan und fröhlichem Feiern erfüllten Nacht allmählich heim. Schnell leerte sich der Ashram, doch Ma war noch immer auf den Beinen. Zu ein paar Leuten, die sich gerade verabschiedeten, sagte sie: »Warum geht ihr? Bleibt doch noch eine Weile und singt noch ein bißchen Kirtan. Ich sehe, ihr seid alle müde. Wo ist mein Vater? Bittet ihn, noch ein wenig Kirtan zu singen.« Der alte Mann hatte sich gerade hingelegt, aber auf diese Bitte hin kam er wieder in das leere Festzelt und erhob seine unvergleichliche Stimme im Kirtan. Der Klang der Musik rief alle zurück, die noch in Hörweite waren; bald bildete sich eine ansehnliche Gruppe um Dadamashai. Dieser Gruppe verkündete Ma ihr Kheyala, Dacca am selben Tag zu verlassen. 

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Sie sprach mit gequält klingender Stimme: »Legt mir keine Hindernisse in den Weg; bitte, sagt Bholanath, er solle es mir nicht verbieten. Ich muß gehen. Erlaubt mir bitte, mich meinem Kheyala gemäß frei zu bewegen - wenn ihr das nicht könnt, lasse ich meinen Körper hier bei euch und gehe fort.«
       Jeder Widerspruch erstarb, bevor er auch nur artikuliert werden konnte. Jemand fragte: »Wohin wirst du gehen? Wer wird mit dir kommen? « Ma antwortete: »Mit dem ersten Zug, der fährt. Ich brauche keinen Begleiter, aber wenn es euch beruhigt, kann ich meinen Vater bitten mitzukommen!« Dadamashai ging ins Haus, um ein paar Sachen für die Reise einzupacken. Ma selbst nahm nichts mit. Bholanath hatte Bhaiji, Niranjan Rai und einige andere in die Stadt begleitet. Als er zurückkam, fand er den Ashram in einem Krisenzustand. Ihm war klar, daß Ma‘s Kheyala keine abschlägige Antwort akzeptieren würde. Nie zuvor hatte sie ihr Kheyala so nachdrücklich geäußert. Sehr betrübt sagte er: »Nun gut - aber die Leute könnten schlecht über dich reden, wenn du ohne mich herumreist.«
       »Ich werde nichts tun«, erwiderte Ma, »was zur Kritik Anlaß geben könnte. Mein Vater begleitet mich. Wird man mich kritisieren?« Sie schaute ihre Gefährten fragend an. Viele beeilten sich, ihr zu versichern: »Nein, Ma, niemand wird darüber schlecht denken oder sprechen.«
       Zwar verließ Ma Dacca im Mai 1929, aber rückblickend scheint es sehr schwierig für sie gewesen zu sein, immer wieder Leute abzuschütteln, die ihr Kheyala nur dem Buchstaben nach respektierten. Sobald ihr Reiseziel bekannt wurde, schlossen sich ihr immer ein oder zwei Leute an. Ma schickte sie zurück oder reiste selbst ab. Nach einiger Zeit fuhr sie ins ferne Hardwar, aber auch dort stieß Kunja Mohan [Shashanka Mohans jüngerer Bruder] aus Varanasi zu ihr. Ashu war jetzt bei ihr. Sie ließ Kunja Mohan mit ihrem Vater zurück und entkam ihnen still und leise nach Ayodhya, wo der Bahnschaffner sie in sein Haus einlud. Schließlich kam sie nach Varanasi. Ihr Kheyala, an einem Ort zu sein, wo niemand sie kannte, ging schließlich in Dr. Girin Mitras Haus in Akna (Bihar) in Erfüllung. Dr. Mitra hatte sie in Calcutta kennengelernt und sorgte nun dafür, daß sie an ihrem Rückzugsort ungestört blieb.
       Bholanath besuchte inzwischen viele Pithasthanas in Bengalen. Dann erkrankte er und fuhr nach Chandpur, um bei seinem Neffen Dr. Girija Shankar Kushari wieder zu Kräften zu kommen. Seine Schwestern und Neffen freuten sich immer, ihn zu sehen.
       Ma‘s Kheyala, sich zeitweilig vor ihrer Familie und den Devotees zurückzuziehen, diente offenbar mehreren Zwecken. Zuerst rüttelte es die familienähnliche Gruppe in Dacca auf, die ein alleiniges Anrecht auf Ma zu haben glaubte. Zweitens bestätigte es, was Ma über den Bau eines Ashrams in Dacca gesagt hatte: »Die ganze Welt ist ein Ashram. Warum wollt ihr einen eigenen haben?« Auf die wiederholten inständigen Bitten der Devotees hatte sie ihnen allerdings später eine für einen Ashram geeignete Stelle gezeigt. Als die Baugrube ausgehoben wurde, entdeckte man eine Anzahl alter Gräber von Asketen und deren Knochen. Sie wurden an ihrem Platz belassen, und Ma‘s Zimmer wurde darüber gebaut. Nun konnten die Devotees es kaum glauben, daß Ma in dem für sie bestimmten wunderbaren kleinen Ashram nur vierundzwanzig Stunden  geblieben war. Die Zukunft des Ashrams sah in der Tat düster aus.

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