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Swami Krishnanada:

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Kapitel 16

Diagnose über die Krankheit des Lebens - und wie man sie besiegen kann

Swamiji: Keine Medizin kann als angemessen betrachtet werden, wenn vorher keine sorgfältige Diagnose durchgeführt worden ist. Wenn man die Krankheit nicht genau kennt, kann man auch keine Medizin verschreiben. Man mag Vipassana (intuitives Erkennen), Japa Yoga (Mantrarezitation), Asanas (Körperhaltungen), Pranayama (Regulierung des Atems), Karma Yoga (selbstlose Handlung), Bhakti Yoga (Hingabe zu Gott) oder Jnana Yoga (Weg der Erkenntnis) üben und Pilgerfahrten zu heiligen Stätten unternehmen, an Satsangas von Mahatmas (große Seele) usw. teilnehmen, - doch das wäre genauso, als würde man alle verfügbaren Medizinsorten einer Apotheke ausprobieren. Du kannst alle Medizinsorten anwenden, doch an welcher Krankheit leidest Du eigentlich? Wenn Du Deine Krankheit nicht kennst, dann hat die ganze Medizin keinen Sinn. Jeder Meditierende sollte sich darum über das eigentliche Übel im Klaren sein; wenn die Natur des Übels erkannt wurde, dann weiß er auch, wie er dem Übel begegnen kann. Man mag Vipassana oder Kopfstand üben; doch was auch immer man unternimmt, es sollte nichts Unnötiges sein, nur weil man das Problem nicht erkannt hat.

Was hast Du für ein Problem? Woran liegt es, daß Du händeringend nach einem Guru, einem Yogaweg, einer Meditationstechnik usw. nachsuchst? Jeder sollte sich zunächst über sich selbst Klarheit verschaffen.

Sean: Ich glaube, daß es am Gefühl des Getrenntsein’s vom Universum liegt.

Swamiji: Wenn Du das Gefühl hast, vom Universum getrennt zu sein, wie willst du Dich dann mit ihm vereinigen? Wie willst du diesen Fehler korrigieren? Welche Methode willst Du anwenden?

Sean: Ich versuche den gemeinsamen Faden zu finden, durch den alles verbunden ist..

Swamiji: In Deiner Meditation denkst Du an etwas, und das ist Deine Methode. Woran glaubst Du?

Sean: Ich denke dabei in sehr kleinen Schritten. Ich beginne damit, allgemeine Verbindungen herzustellen: Dabei fühle ich zuerst, daß alle Personen und Gegenstände hier im Raum auf irgendeine Weise miteinander verbunden sind. Dann versuche ich mich über die Wände hinaus auszudehnen und eine Verbindung mit dem Fluß und den Bergen herzustellen. Weiter versuche ich, die Planeten in dieses Gefühl einzubeziehen und mich weiter und weiter auszudehnen.

Swamiji: Immer weiter - bis zu welchem Punkt?

Sean: So weit ich komme.

Swamiji: Du mußt weit über den Punkt hinausgehen, bis Du nichts mehr fühlst. Solange Du fühlst, daß es noch etwas jenseits des Punktes gibt, hast Du den absoluten Punkt noch nicht erreicht.

Sean: Es ist wie eine Visualisierung.

Swamiji: Ja. Es ist nicht nur ein theoretisches Konzept, sondern eine Visualisierung. Es ist das starke Gefühl, mit Gott vereint und nicht, wie Du angenommen hast, von Ihm getrennt zu sein. Es ist nicht nur eine normale Vereinigung von zwei unterschiedlichen Dingen; es ist auch keine Vereinigung mit etwas, das sich von Dir unterscheidet, sondern Du erkennst Dich selbst und Du trittst mit jenem Sein, daß Du selbst bist, in Verbindung. Es ist ein Gefühl von Sein, das scheinbar von Dir getrennt worden ist. Du glaubst nicht daran, daß Du ES selbst „bist“. Du „bist“ das ganze Selbst, von dem Du scheinbar getrennt bist. Dann, so sagt man, steht ES sofort zur Verfügung. Das Reich Gottes befindet sich nicht nur in Dir, sondern Du selbst bist ES. Genauso mußt Du meditieren. Diese Idee vom „Innerhalb“ und „Außerhalb“ sollte aufgegeben werden, da es sich ebenfalls um eine Einschränkung durch die Gedanken handelt.

Sean: Swamiji, manchmal fühlt man das „Äußere“, und dann schrumpft man wieder zurück in seine ursprüngliche Dimension.

Swamiji: Das geschieht aufgrund der alten Denkgewohnheiten aus der Kindheit. Wir sind alle in einer Familie, in einer Gemeinschaft mit kulturellem Hintergrund und in einer Gedankenatmosphäre aufgewachsen, die bis zu einem gewissen Grade auch jetzt noch ihren Einfluß hat. Es gibt bestimmte grundlegende Vorurteile, die nur schwer auszumerzen sind. Du kommst aus dem Westen; Du wirst niemals daran denken, ein Inder zu sein. Es ist für Dich unmöglich so zu denken, obwohl die Vorstellung ebensowenig korrekt ist, daß Du nur ein sogenannter „Westler“ bist. Du bist ein Mensch und Du denkst wie ein Mensch. Denkst Du wie ein „Westler“ oder denkst Du wie ein Mensch?

Kehre zu Deinem ursprünglichen Wesen zurück. Aus praktischen, gesellschaftlichen und sozialen Gründen magst Du Dich wie ein „Westler“ verhalten und Dich nicht mit der östlichen Denkweise identifizieren, aber als Mensch denkst Du wie jedes andere menschliche Wesen. Du hast dieselben Emotionen, Gefühle, Empfindungen bezüglich Hitze und Kälte, Hunger und Durst, und ein Gefühl der Selbstachtung. Dieses gilt nicht nur für westliche, sondern für alle Menschen.

Ein Christ kann sich nicht vorstellen, ein Hindu zu sein, obwohl er möglicherweise Hinduismus studiert. Wie weit auch immer sein Wissen über den Hinduismus gehen mag, ein Christ kann niemals von sich behaupten, er sei ein Hindu. Umgekehrt kann ein Hindu niemals von sich sagen, daß er ein Christ sei. Das sind Vorurteile, die aufgegeben werden müssen.

Als Du aus dem Kosmos heraus als Individuum erschaffen wurdest, kamst Du weder als Christ noch als Hindu, geschweige denn als „Ostler“ oder „Westler“. Du bist als kleiner, aus der kosmischen Masse herausgeschleuderter Gegenstand gekommen; - das ist die Bedingung, zu der Du bei Deiner Meditation zurückkehren wirst. Du gehst weder als Christ noch als Muslim zu Gott, auch nicht als Mann oder Frau, denn selbst diese Betrachtungsweisen sind aus der Sicht des Kosmos reine Vorurteile.

Dieses ist ein strittiger Punkt, der interessanterweise in verschiedenen Kapiteln der Bhagavad Gita erörtert wird. Die ersten sechs Kapitel beschäftigen sich ausschließlich mit einer speziellen Frage; die nächsten sechs Kapitel mit einer anderen Frage und die letzten sechs Kapitel mit einer dritten Frage, - diese drei Fragen sind der Individualität, der Kosmologie und dem Absoluten gewidmet. Wenn man den Gesichtspunkt des Absoluten erreicht, dann wird sogar das kosmologische Vorurteil einer Schöpfung aufgelöst. Diese Idee, daß Du eine erschaffene Einheit bist, muß ebenfalls aufgeben werden.

Weil dieses nur sehr schwer zu verstehen ist, mußt Du es in Deiner täglichen Meditation üben, so als würdest Du noch heute zu Gott gehen. Vielleicht bildest Du Dir ein, erst nach fünfzig Jahren langsam damit anzufangen, um Gott dann in der nächsten Geburt erreichen zu können. Dieser Gedanke ist ein weiteres Hindernis, weil Du diese Erfahrung durch eine wundersame göttliche Vorsehung noch heute unverzüglich haben könntest. Alle großen Dinge geschehen plötzlich, - Geburt oder Tod, Erfolg oder Niederlage, alles findet innerhalb eines Augenblickes statt. Du wirst plötzlich groß oder Du wirst klein. Du kommst und gehst plötzlich. Folglich ist alles in dieser Welt eine plötzliche Angelegenheit.

Wenn Du meditierst, mußt Du durch diese Übungen, auf die ich Dich eindringlich hingewiesen habe, so hindurchgehen, als würde es noch heute geschehen, daß Du Gott erreichst. Du solltest nicht damit anfangen zu glauben, daß es nicht möglich sei, nach dem Motto: „Es kann geschehen oder auch nicht!“ Kommen wir zurück zur Gita, in der geschrieben steht, daß Du keine Früchte aus Deinen Handlungen erwarten solltest. Dieser Gedanke der „Möglichkeit oder Unmöglichkeit“, die sich auf die Erwartung der Früchte bezieht, sollte aufgegeben werden. Tue Deine Pflicht. Selbst in der Meditation gilt dieser Grundsatz des Karma Yoga: Tue Deine Pflicht, aber erwarte keine Früchte! Mache Deine Meditationsübungen auf diese Weise, ohne daß Du an die „Möglichkeit und Unmöglichkeit“ denkst, sonst wäre die ganze Mühe umsonst. Du solltest niemals an die Zukunft denken. „Handle in der Gegenwart“, „mit ganzem Herzen und Gott als Schirmherrn“ wie es in einem Gedicht von H. W. Longfellow heißt.



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