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Swami Krishnananda Brahma Sutra

Die Essenz der Brahma Sutras



Betrachtung einiger Fragen, die sich aus dem Zusammenhang der Brahma Sutra ergeben

Die Brahma Sutra gibt uns zu beinahe jedem Abschnitt der Vedanta-Philosophie Hinweise. Nachstehend einige dieser Anmerkungen:

1. Die Verwirklichung von Brahman bedeutet die Befreiung der Seele. Brahman zu kennen, ist dasselbe, wie Brahman zu sein. Bei dieser Art von Kenntnis gibt es keinen Prozess wie bei dem normalen Prozess zwischen dem Wissenden, dem Wissen und dem Erkannten. Das Erkannte ist selbst der Wissende und umgekehrt. Es ist eine selbst-identische Erfahrung, ohne dass ein Erkenntnisprozess stattfindet. Aus dieser Betrachtung heraus kann man sich vorstellen, dass das Erkannte von Brahman, Brahman selbst ist, wobei das Erkennen keine Handlung ist. Das Erkennen ist keine Handlung, sondern bedeutet etwas zu sein. In diesem Zusammenhang definiert die Brahma Sutra Brahman‘ als das, wovon die Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung des Universums ausgeht. Man sagt auch am Ende der Brahma Sutra, dass der Kenner Brahmans nicht in eine vergänglich (sterbliche) Existenz zurückkehrt. Wenn wir den Anfang und das Ende der Brahma Sutra lesen, können wir die Absicht erkennen. Es ist offensichtlich, dass der Zustand von Brahman ewig und unveränderlich ist, wobei die Ursache des Raum-Zeit-Komplexes nicht integriert ist. Darum passt der Schöpfer, Erhalter und der Zerstörer nicht ganz in dieses Bild der unteilbaren und ewigen Natur Brahmans. Das Versprechen, dass die Kenntnis von Brahman die Seelenwanderung beendet, zeigt, dass die Seele, die die Freiheit in Brahman erreicht, nicht in den Schöpfungs-, Erhaltungs- und Zerstörungsprozess usw. eingebunden ist. Moksha oder Befreiung muss notwendigerweise die Verwirklichung der absoluten beziehungslosen Natur sein. Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung sind bedingte Prozesse in Raum und Zeit, und darum kann die Seele hier keine Befreiung in Gott finden, da ER erschafft oder mit dem Weltprozess beschäftigt ist.

2. Wenn diese Schwierigkeit als wirkliche Absicht der Brahma Sutra zu verstehen ist, fühlten sich Kommentatoren, wie Acharya Sankara dazu angetrieben, dass die Nichtrückkehr und die Unsterblichkeit, von der in der Brahma Sutra die Rede ist, Brahman als Schöpfer und nicht als absoluten Brahman betrifft. Um diese Charakteristik der Befreiung, wie zu Beginn der Brahma Sutra angesprochen, einzubinden, hat Sankara diese Interpretation angenommen. Die Studierenden der Brahma Sutra werden erkennen, dass es im Verständnis etwas sehr Unbefriedigendes in der Beziehung zwischen Brahman und der Seele gibt, obwohl dies die alles entscheidende Frage ist. Die Brahma Sutra berührt in ihrer umfassenden Darstellung nahezu alle rein nicht-dualistischen Vedantaschulen und dabei auch die dualistischen As­pekte der Vedanta-Interpretationen. Der Dualismus erhebt sich, wenn in der Sutra gesagt wird, dass der Schöpfer Brahman über der individuellen Seele steht, was den Eindruck vermittelt, dass die individuelle Seele Brahman Untertan ist, und dass sie nicht so ohne Weiteres eine Beziehung zu Brahman aufnehmen kann.

Es gibt eine andere Schwierigkeit, die bei der Befreiung der Seele aus der Sutra hervorsticht. Die Sutra führt aus, dass die befreite Seele nur insoweit frei ist, wie es sich um die Glückseligkeit von Brahman han­delt, doch beinhaltet dies nicht die Schöpferkraft usw. des Universums. Diese grundlegende Aussage bedeutet, dass die befreite Seele nicht völlig frei ist. Hier entspricht die Sutra vollkommen die Aussage von Acharya Ramanuja, wonach die Seele ein organischer Teil von Brahman, jedoch nicht völlig gleich mit IHM ist. Wenn wir davon überzeugt sind, dass die Sutra mit der Vaishnava Theologie von Ramanuja sympathisiert, ist es leicht zu verstehen, warum die befrei­te Seele nicht die Macht Gottes haben kann. Acharya Sankara macht hierzu keine Aussage, mit einer Ausnahme: Wenn der Seele die Schöpferkraft verliehen würde, könnte es unter den befreiten Seelen zu einem Interessenkonflikt kommen. Hier erhebt sich wiederum die Frage, ob es viele befreite Seelen in diesem Zustand von Brahman gibt? Acharya Ramanuja könnte mit dieser Idee leben, doch für Acharya Sankara gäbe dies eine harte Nuss zu knacken.

3. In der Brahma Sutra findet sich eine sehr wichtige Aussage, wenn Anandamaya als Brahman definiert wird, wobei es heißt, Anandamaya ist Brahman. Das Wort Anandamaya taucht in den Texten der Vedanta Philosophie mit dem Hinweis auf, dass es sich um eine von fünf Hüllen handelt, die die Seele umgeben, - bei den anderen vier Hüllen handelt es sich um die körperliche, die energetische, die mentale und die intellektuelle Hülle. Obwohl eine Hülle nicht die Seele selbst sein kann, betont die Sutra, dass die Anandamaya Brahman selbst ist. Die Kommentatoren umgehen die Aussage im Allgemeinen und wollen nicht gern der offensichtlichen Absicht des Textes und der Schlussfolgerung, die sich daraus ergibt, widersprechen. Lediglich Acharya Sankara hatte den Mut zu widersprechen und erklärte, dass Anandamaya nicht Brahman sein kann. Der Grund dafür liegt darin, dass man beim Einschlafen in die Anandamaya-Hülle eintritt. Doch wenn Anandamaya, was die Ursache für den Schlaf ist, Brah­man selbst sein soll, würde sich der Einzelne in dieser Situation mit Brahman verbinden, was natürlich nicht der Fall ist. Wenn das Individuum erwacht, tritt es wieder in das weltliche Bewusstsein ein. Wel­che Doktrin vertritt nun die Brahma Sutra, mit der allerdings Ramanuja bzgl. Anandamaya als Brahman völlig übereinstimmt? Würde sich ein Kommentator finden, der sich gegen die offizielle Meinung der Sutra stellt und widersprechen, in dem er auf einer nicht dualen Interpretation besteht? Hier kommt man wieder in ein Dilemma, da die Befreiung solange nicht vollkommen sein kann, wie die Seele in einen unvollkommenen und nicht - seiner Charakteristik entsprechend - in einen in jeder Beziehung vollkommenen Brahman eintritt.

4. Die Sutra widerlegt die buddhistische Doktrin der Vijnanavada- oder Yogachara-Lehre, die besagt, dass die externe Welt eine mentale Schöpfung ist. Die Frage ist, warum die Welt dem Verstand als etwas Äußeres erscheint? Was lässt die Welt als ein äußeres unabhängiges Element aussehen, ungeachtet des Bestehens von Vijnanavada, wo die Welt als Projektion des Geistes angesehen wird? Wenn die Sutra die Doktrin widerlegt, dass die Welt eine Projektion des eigenen Geistes ist, bedeutet dies, dass sie das Gefühl aller Menschen darüber bestätigt, dass sich die Welt außerhalb des Geistes befindet. Sagt die Sutra damit, dass die Welt in sich wirklich ist? Häufig wird behauptet, die Welt sei eine Illusion, sie sei der Körper Gottes, sie sei ein Spiegelbild oder eine Erscheinung Gottes. All diese Betrachtungen machen uns Glauben, dass es eine objektive Wirklichkeit – genannt Welt – gibt, und dass kein menschlicher Geist sich eine Welt ausdenken oder erschaffen kann. Hier kommt noch ein großer Unterschied zwischen Ishvara Srishti (Schöpfung durch Gott) und Jiva Srishti (Schöpfung durch das Individuum) hinzu. Der Punkt hier ist, dass die Welt eine Projektion des Göttlichen und nicht des individuellen Geistes ist. Die Weltschöpfung ist Ishvara Srishti und die interpretative Erfahrung der Welt ist Jiva Srishti oder die individuelle Sichtweise. Es gibt einen Vers in der berühmten Panchadasi von Swami Vidyaranya:

Ikshanadi-praveshanta srishtir ishana kalpita;
Jagradadi-vimokshantah samsaro Jiva-kalpitah;

Dies beschreibt die richtige Sichtweise der Beziehung des Einzelnen zu Gott und der Welt zu Gott. Die Welt wird nicht von den Individuen erschaffen, vielmehr sind sie in die Welt eingebunden. Nach der Trennung des Individuums von der universalen Schöpfung (von Ish­vara oder Gott), erfährt das Individuum solch einen Schock, sodass es abstumpft und sich in einem Delirium befindet, wobei es sich selbst von der äußeren Welt abgeschnitten und vollkommen hilflos fühlt und nicht in der Lage ist, in die Ereignisse der Welt einzugreifen. Die Trennung der Seele von der universalen Verbindung treibt den Einzelnen in einen unbewussten Schlaf (Anandamaya), aus dem er langsam, durch Öffnung der Anandamaya-Instrumente – Buddhi oder Intellekt, Geist, Prana (Lebensenergie) und letztendlich der körperlichen Hülle – erwacht. Bedingt durch den körperlichen Wach­zustand wird die bekannte Welt als der Weisheit letzter Schluss angesehen. Doch der Intellekt verhält sich wie eine Marionette, die auf Grund der tief in der Gefühlswelt und im Unterbewusstsein versteck­ten Drähte gesteuert wird, - besonders durch Anandamaya. Der einzelne Mensch sieht diese Welt verzerrt, sodass er nicht weiß, wie diese Welt wirklich ist, und wie die eigene Beziehung zu ihr ist. Durch eine Umkehrung des Wahrnehmungsprozesses, wobei die Sinneswahrnehmungen in den reinen Verstand und weiter in die Quelle des Einzelnen zurückgezogen werden, kann der Mensch einen Funken aus dem Grenzland von Brahman, dem Absoluten, erhaschen; - dabei wird Anandamaya durchquert und sein Vorhang durch­bohrt.

5.
Wenn die Brahma Sutra die Yogachara Doktrin - von einer Welt, die einer mentalen Schöpfung entstammt - widerlegt, scheint damit nicht beabsichtigt zu sein, die Welt als unabhängig und wirklich anzusehen. Es gibt Ebenen der Existenz, die sich in ihrer Natur voneinander unterscheiden, die als Vyavaharika (empirisch, pragmatisch, praktikabel) bekannt sind, die sich von der Traumwelt unterscheidet, wo man durch die Eindrücke aus dem Wachzustand gefangen ist. Es gibt weiterhin eine völlig illusionäre Erfahrung, wie in dem Fall, wo im Zwielicht eine Raupe für eine Schlange gehalten wird. Die Ebenen empirischer Wirklichkeit sind (1) die völlige Illusion, wie im Falle der Raupe, (2) die Traumwelt und (3) die Welt, wie sie im Wachzustand erlebt wird. Die höchste Ebene ist jedoch die absolute Erfahrung des Absoluten Seins (Paramortha-satya).


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