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Aus Didis Tagebuch

Donnerstag, 10. Juni [1937]. Ankunft in Almora. Jetzt werden abschließende Vorbereitungen für unsere Reise zum Kailash getroffen. Die Bengalis, die uns hierher begleitet haben, sind gar nicht glücklich über das Projekt und zweifeln, ob es sich verwirklichen läßt. Dagegen sind die Leute aus diesem Landstrich sehr begeistert und machen uns Mut. Parvati und die anderen Mädchen haben ungeduldig auf uns gewartet. Sie werden uns begleiten.

Freitag, 11. und Samstag, 12. Juni. Mir wird ganz schwindlig, wenn ich die Berge von Gepäck sehe, die wir mitnehmen müssen.  Regenmäntel, Gummitücher, Schneebrillen, warme Kleidung, Taschenlampen, Sturmlaternen, diverse Medikamente gegen Atemnot und Schwindelgefühl; Trockenfrüchte und anderen Proviant für Tage, an denen wir nicht kochen können, und hundert andere Dinge - die Liste scheint endlos. Ich bin jetzt seit vielen Jahren gewohnt, nur das Minimum an persönlicher Habe mitzunehmen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie ich mit einem solchen Haufen Gepäck zurechtkommen sollte. Zudem müssen alle diese Sachen zu tragbaren Lasten arrangiert werden. Die Kulis tragen nicht mehr als 23 Kilogramm, deshalb müssen die Kisten und Rucksäcke sorgfältig gewogen werden. Da ich mit dieser Aufgabe überfordert war, bat ich Ma, bei mir in dem Zimmer zu sitzen, wo wir mit dem Packen beschäftigt waren. Sie machte ein paar Vorschläge zur Umverteilung des Gepäcks; dann war die Arbeit im Nu erledigt, zumindest kam es mir so vor. Keine Traglast mußte nach dem Wiegen noch einmal neu gepackt werden. Die Arbeit, vor der ich mich gefürchtet hatte, war in Wirklichkeit gar nicht so schwer.

Sonntag, 13. Juni. Heute haben wir die Pilgerschaft zum Kailash begonnen. Die Devotees, die kamen, um sich von Ma zu verabschieden, haben uns traurig Lebewohl gesagt. Außer Ma, Bholanath und den Mädchen aus den Bergen sind wir sechs: Swamiji [Didis Vater, Swami Akhandananda Giri], Bhaiji, Tunu [Pranakumars Sohn aus Calcutta], Dasu Babu aus Varanasi, ich selbst und Keshava Singh, Swamijis Diener. Ein Dutzend Kulis tragen das Gepäck. Man riet uns auch, einige Dandis zu mieten.
      Da keiner von uns gewohnt ist, Berge zu besteigen, fanden wir, die Dandis sollten für diejenigen zur Hand sein, die nicht laufen können. Für die fünf Dandis haben wir 25 Träger, da jede Mannschaft von vier Leuten noch einen Ersatzmann dabei hat. Die Träger bekommen 1.- Rupie pro Tag.
      Wir brachen um 8 Uhr auf und kamen um 11 Uhr im kaum 13 km entfernten Barchhina an. Die Landschaft ist wunderschön. Nach einer Rast zogen wir noch 9 km weiter zu unserem Etappenziel Dhawalchina. Ich kochte im Freien eine Mahlzeit, und wir verbrachten die Nacht auf der offenen Veranda des Dak-Bungalows.

Montag, 14. Juni. Wir brachen schon um fünf Uhr früh auf. Wir fanden es zu heiß in der Sonne und wollten die Nachmittagshitze vermeiden. Unsere Mittagsrast hielten wir in Sheraghat, etwa 18 km von Dhawalchina. Neben dem Weg fließt die Sarayu. Die Landschaft ist malerisch. Hohe Bäume bieten reichlich Schatten. Wir kochten und aßen unter den Bäumen und rasteten am Nachmittag. Auch die Kulis kochten, aßen und ruhten sich eine Weile aus. Ab und zu waren wir an kleinen Läden vorbeigekommen, wo wir Linsen, Reis, Ghee und Salz kauften. Man sagte uns, diese Dinge seien höher in den Bergen nicht erhältlich. Wir haben Trockenfrüchte, schwarzen Pfeffer, eingelegte Früchte und andere Dinge mitgenommen, wie uns verschiedene erfahrene Leute rieten.
      Bholanath scheint voller Energie. Er geht uns anderen meist voran. Auch Ma und Swamiji sind ein paar Kilometer gelaufen. Nur Bhaiji und ich haben die Dandis benutzt. Unsere Sorgen, Swamiji könne zu alt sein, scheinen unbegründet. Um 3 Uhr nachmittags brachen wir wieder auf, und bei Sonnenuntergang hielten wir in einem Ort namens Gonoi, 11 km von Sheraghat entfernt. Wir haben die Erlaubnis bekommen, in den Dak-Bungalows auf dieser Route zu übernachten. So verbrachten wir im hiesigen Dak-Bungalow eine komfortable Nacht.

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Dienstag 15. Juni. Wir brachen um 6 Uhr morgens auf, um das 21 km entfernte Berinag zu erreichen. Die Hitze und der steile Anstieg waren uns zu anstrengend, deshalb hielten wir in Rani, ca. 5 km vor Berinag, Mittagsrast. Der Weg war so steil, daß wir erst bei Sonnenuntergang in Berinag ankamen, obwohl wir so früh aufgebrochen waren. Der Ort ist groß und besitzt viele Läden, eine Schule und ein kleines Krankenhaus. Der Dak-Bungalow liegt oberhalb des Dorfs. So verzichteten wir darauf, hochzusteigen und fanden stattdessen auf der offenen  Veranda des Schulhauses Unterkunft.

Mittwoch, 16. Juni. Heute abend kampieren wir in Thala, ca. 18 km von Berinag. Nach jeweils drei bis vier Kilometern müssen die Träger der Dandis eine Weile ausruhen. Bei einer dieser Pausen erklärte Bhaiji gutgelaunt, Swamiji sei der Raja [König] dieser Expedition, und er selbst sei der Yuvraj [Prinz]. Ein paar Kilometer später hatte Swamijis Dandi einen Schaden; auch Bhaiji hatte einen kleinen Unfall und verletzte sich leicht. Ich lachte und sagte: »Das geschieht euch recht, wenn ihr meint, ihr wäret die Anführer dieser Gesellschaft.« Das war natürlich als Scherz gemeint, aber Bhaiji antwortete halb im Ernst: »Du hast recht! Trag diesen Vorfall in dein Tagebuch ein.«
      Bei einer kurzen Rast zwischendurch grüßte Ma eine alte Frau, die mit ein paar Kindern an uns vorbeiging. Die Frau grüßte über die Schulter zurück, ohne ihr Tempo zu verlangsamen. Dann starrte sie Ma eine Zeitlang an und kam langsam zu ihr zurück. Sie hockte sich neben Ma, und es entspann sich ein langes Gespräch. Dann war es für uns Zeit weiterzuziehen. Als wir ein gutes Stück weitergekommen waren, blickte ich mich um und sah die Frau immer noch auf dem Weg stehen und Ma achschauen.
      Wir kamen gegen 10 Uhr in Thala an. Der Weg war diesmal leichter. Bei Sheraghat hatten wir die Sarayu gesehen; in Thalaghat kamen wir an die geräuschvoll durch ihr felsiges Bett fließende Ramganga. Nie zuvor hatten wir ein solches Bergpanorama gesehen. Mir fehlen die Worte, um das erhabene Gefühl zu beschreiben, das diese majestätische Umgebung ganz von selbst hervorruft.

Donnerstag, 17. Juni. Heute sind wir 16 km weitergekommen, bis Didihat. In der Sonne ist es noch ziemlich heiß, aber das Wasser war gestern und heute sehr kalt.
      Auf unserem Weg nach Didihat sind wir dem Raja von Askote begegnet. Er sagte, er habe nach uns Ausschau gehalten, da er gehörte habe, daß Ma auf dieser Route unterwegs sei. Er war auf dem Weg nach Almora, aber er gab uns ein paar Briefe  an Beamte in Askote mit und riet uns, sie aufzusuchen, sobald wir ankämen.
      In der Abenddämmerung kamen wir im 11 km entfernten Askote an und schlugen unser Lager in dem Dharmashala auf. Wir finden es bequemer, so nahe wie möglich an der Straße zu bleiben, als die zusätzliche Mühe des Aufstiegs zu den Dak-Bungalows auf uns zu nehmen. Heute Morgen hat uns ein plötzlicher Schauer durchnäßt. Jetzt sind wir froh, daß wir unsere Kleider zum Trocknen ausbreiten können. Wir alle fühlen uns recht wohl. Die Luft ist kräftigend.
      Die Beamten in Askote fragten freundlich nach, was wir benötigten. Die Damen aus dem Schloß besuchten Ma und luden uns für den nächsten Tag zum Mittagessen ein. Ich habe festgestellt, daß die Fürstenfamilien im Himalaya sehr religiös sind und sich an alle orthodoxen Vorschriften halten. Das habe ich in Tehri-Garhwal und in Solan gesehen, und jetzt konnten wir in Askote dieselben kultivierten Umgangsformen einer frommen Fürstenfamilie beobachten. Die Rani von Askote sprach den Wunsch aus, Ma möge ihr Haus besuchen und es durch ihre Gegenwart segnen.
      Es stellte sich heraus, daß der Sohn der Rani und der Sohn eines Beamten in Almora studierten. Sie hatten ihre Eltern brieflich gebeten, sich um Ma und ihre Begleiter zu kümmern. Das war der Grund für den Menschenauflauf bei unserer Ankunft in Askote. Mir wurde klar, daß Ma wirklich allen gehört, und daß es sehr kurzsichtig von uns war zu meinen, sie solle in Dacca oder Calcutta bleiben, statt an ferne Orte zu reisen. Jetzt erkenne ich, daß für sie alle Orte gleich sind. Selbst vollkommen Fremde können mühelos eine Beziehung zu ihr finden. Dasu Dada sagte mir, daß einmal ein kleiner Junge ein paar wilde Blumen am Berghang gepflückt hatte, als Ma zu Fuß unterwegs war, und sie ihr zu Füßen niederlegte. Als Ma stehenblieb und ihn anlächelte, faltete er die Hände und sprach ein Gebet. Normalerweise steigen wir alle von unseren Dandis ab, wenn Ma das tut, aber diesmal hatte ein Wegbiegung mir den Blick auf sie versperrt, deswegen habe ich diese Episode verpaßt. Es ist wirklich erstaunlich zu sehen, wie unbefangen die Bergbewohner sie als die inkarnierte Devi akzeptieren und ihr dieselbe Ehre erweisen wie einer Gottheit im Tempel. Wer kann sagen, wer Ma näher steht, wir, die wir die meiste Zeit bei ihr sind, oder diese Fremden am Wegrand, die so schnell Freunde werden!

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Freitag, 18. Juni. Nach unserem Mittagessen im Schloß brachen wir gegen 13 Uhr auf. Wir kamen kurz nach Sonnenuntergang im 16 km entfernten Baluakote an. Auf halber Strecke sahen wir die Kaliganga. Nach der Ramganga hatte uns die schnell fließende Gauriganga begleitet. Der Zusammenfluß von Gauriganga und Kaliganga wird hier das »Tor zum Kailash« genannt.
      Die heutige Etappe war sehr strapaziös, weil wir in der Nachmittagshitze laufen mußten. Zwischendurch regnete es auch.  Wenn die Sonne auf die unbeschattete Straße brennt, ist es unerträglich. Als wir uns Baluakote näherten, stellten wir fest, daß wir im Dämmerlicht den Weg ins Dorf verfehlt hatten. Wir beschlossen zu übernachten, wo wir waren, und im Freien zu kampieren. Parvati hatte weitblickenderweise für solche Fälle ein Zelt mitgenommen, so daß Ma bequem untergebracht werden konnte. Sie blieb aber lieber mit uns im Freien. Stattdessen wurde auf ihren Vorschlag unser ganzes Gepäck im Zelt aufgestapelt, falls es wieder regnen sollte. Wir wissen jetzt, daß durchnäßtes Gepäck äußerst unangenehm ist.
      Der Dorfvorsteher hatte nach uns Ausschau gehalten. Er kam nun mit ein wenig frischer Milch, was uns hochwillkommen war, aber sein Angebot, in den für uns vorbereiteten Räumen in der Nähe der Straße zu übernachten, lehnten wir ab. Es hätte sich nicht gelohnt, das Lager noch einmal abzubrechen und zum Dorf hinaufzusteigen.

Samstag, 19. Juni. Wir haben eine höchst unbequeme Nacht verbracht. Die meiste Zeit regnete es, der Wind wurde böig und kalt. Einige von uns kauerten sich in die Dandis, aber dort war es auch nicht besser als unter den Bäumen. Beim ersten Morgengrauen brachen wir auf und ließen die Träger mit dem Gepäck später nachfolgen. Gegen Mittag erreichten wir den kleinen Dak-Bungalow von Dharchula. In einem der Dörfer auf dem Weg machten wir Rast und tranken Milch. Wir mußten unzwei Bergbäche überqueren. Es kam nicht in Frage, durch das eiskalte, schnell über glitschige Felsen strömende Wasser zu waten. So wurden wir - außer Bholanath - unzeremoniell in einer Art Korbstuhl auf den Rücken von Kulis gebunden und über die Bäche getragen. So bringt man hier die Pilger über die Bäche. Die Bergbewohner haben einen wunderbar sicheren Tritt, nicht einmal unter einer so unhandlichen Last kommen sie ins Stolpern. Nur Ma‘s Dandi wurde sehr vorsichtig von sieben oder acht Männern durchs Wasser getragen. Über manche Bäche sind Seilrollen gespannt. Die Einheimischen schwingen sich an einer Rolle über den Bach und ziehen sich an der anderen Seite hoch. Es ist ein furchterregender Anblick!
      Die strahlende Sonne in Dharchula war uns höchst willkommen. Wir konnten unsere Kleider trocknen, Kisten und Rucksäcke auspacken und alles auslüften. Das Dorf scheint ziemlich groß zu sein. Von weitem hört man die Kaliganga. Das Lied ihres rauschenden Wassers hat uns viele Kilometer weit begleitet. Das kleine Rasthaus ist von schweigenden Berggipfeln umgeben. Der unsichtbare Fluß rauscht fortwährend wie die Wellen am Meeresstrand. Ich weiß nicht, welchen Nutzen diese Pilgerschaft bringen wird (wenn überhaupt), aber diese Reise selbst ist schon wegen der puren Naturschönheit mehr als lohnend. Mir kommt in den Sinn, daß diese stillen, weiten Räume ein angemessener Hintergrund für Ma‘s göttlich geheimnisvolle Persönlichkeit sind.
      Nach dem Mittagessen hatte ich etwas Zeit für mein Tagebuch. Wir sind heute ein wenig entspannt, weil wir nicht gleich wieder aufbrechen müssen. Unsere Kulis sind müde. Ein hier im Ort angesehener Mann namens Rai Sahab ist zu uns gekommen. Der Raja von Askote und Krishna Panth aus Nainital haben ihn brieflich über uns informiert. Er wollte Ma zu Diensten sein. Er riet uns, unsere Kulis aus Almora (die von den Einheimischen beinahe als Flachlandbewohner angesehen werden) hier zu entlassen. Er sagte auch, das Gelände werde nun so schwierig, daß nur hiesige Träger damit zurechtkämen. Wir müssen jetzt, wenn wir höher steigen, immer wieder neue Träger anheuern. Wir könnten den Kulis aus Almora einen Wartelohn zahlen, der etwas mehr als die Hälfte des Arbeitslohns beträgt, aber die Bergbewohner sind so arm, daß wir es nicht fair finden, sie hier bis zu unserer Rückkehr müßig herumsitzen zu lassen, während sie sonst den vollen Lohn verdienen könnten. Also werden wir die Träger heute abend  entlohnen. Sie sind so müde, daß sie darüber froh sind. Morgen übernehmen neue Kulis das Gepäck.

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Sonntag, 20. Juni. Heute sind wir ziemlich spät aufgestanden. Als Bhaiji gestern abend sein Bettzeug ausbreitete, sagte er: »Ich finde es am besten, zwischen Genuß (Bhoga) und Verzicht (Tyaga) die Balance zu halten!« Ma sagte sogleich: »Das finde ich nicht. Wenn du nicht aufhörst, Vergnügungen zu suchen,  werden sie dich bis ans Ende deiner Tage verfolgen. Nur durch Entsagung sind die  Begierden zu überwinden.«
      Ma und die anderen machten einen Spaziergang, während ich und Parvati das Mittagessen kochten. Swamiji meditierte lange. Alle  genossen das Mittagessen sehr, weil wir heute nicht gleich wider weiterziehen müssen. Die Kulis aus Dharchula sehen robust aus; sie werden auch noch schwerere Lasten, bis etwa 30 kg, tragen. Wir haben sechs Dandis gemietet, die von je sechs Mann, statt wie bisher fünf, getragen werden. Wir nehmen auch zwei Zelte mit. Neun Kulis werden unser Gepäck tragen. Die Träger haben einen Sprecher gewählt, den sie mit dem englischen Wort mate [Kamerad; Vormann] anreden. All diese Vorbereitungen dauerten bis Mitternacht. Die Einheimischen sagen, seit dem Maharaja von Mysore vor fünf Jahren habe keine so große Gruppe diese Pilgerschaft unternommen.

Montag, 21. Juni. Der Weg wurde so steil, daß wir lieber liefen, als in den Dandis zu sitzen, die ebenso steil geneigt werden. Obwohl die Träger sehr trittfest sind, hatte ich doch immer Angst, sie könnten mit einer so unhandlichen, schwingenden Last auf den Schultern ausgleiten. Einmal waren die anderen ein gutes Stück hinter Ma und mir zurückgeblieben. Während wir auf sie warteten, setzte sich Ma auf einen Felsen und sang ein paar Verse eines alten bengalischen Liedes, das mit den Worten ›Laßt uns nach Hause gehen, Laßt uns nach Hause gehen‹ anfängt. Wollte sie sagen, daß der Kailash für sie zu Hause ist?
      Diese von Ma gesungenen Worte stimmten mich unsäglich froh. Auch ohne ihre Gegenwart, die alles tausendfach steigert, ist die majestätische Erhabenheit dieser Berge überwältigend. Dieses Hochgebirgspanorama übt eine solche Anziehungskraft aus, daß ich sicher bin, jeden Pilger erfaßt ein Gefühl des Heimkommens. Die Welt, die man hinter sich gelassen hat, wirkt schattenhaft und unwirklich. Hier weiß man, was Frieden und Stille bedeuten.
      Auf der Straße haben wir eine sehr gottergebene Frau namens Ruma Devi kennengelernt, die bei den Einheimischen hohes Ansehen genießt, eine Schülerin von Shri Sarada Devi. Sie ist eine Sannyasini und trägt das safranfarbene Gewand. Ruma Devi hat einen Ashram in Khela, unserem heutigen Reiseziel, das 16 km von Dharchula entfernt ist. Auch Narayana Swami aus Mysore hält sich manchmal in diesem Ashram auf. Viele Mädchen, die in Almora zur Schule gehen, wandern unter Ruma Devis oder Narayana Swamis Schutz, wenn sie ihr Elternhaus verlassen oder dorthin zurückkehren. Zwei dieser Schülerinnen aus Khela, die gerade daheim waren, kamen auf Ma zugerannt, sobald wir die kleine Dharmashala erreicht hatten, die uns in der Nacht beherbergen sollte. Ruma Devi verschob ihren Aufbruch ein wenig; sie wanderte mit uns zurück und saß lange mit Ma im Gespräch.

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Dienstag, 22. Juni. Am Morgen regnete es ein bißchen. Ruma Devi und ein paar Schülerinnen sagten Ma Lebwohl und nahmen ihre unterbrochene Wanderung nach Almora wieder auf. Vorher warnte sie uns noch, bei Regen aufzubrechen, weil dann Steinschlag und Bergrutsch drohten.
      Wir zogen ein bißchen später als sonst los, gegen 7 Uhr. Der Weg war steil, aber nicht schlecht, vielleicht haben wir uns auch nur inzwischen daran gewöhnt. Nachdem wir die letzten Tage an der Kaliganga entlang gewandert waren, zog sie sich jetzt in weitere Ferne zurück. Alle empfanden den plötzlichen Wechsel von der allgegenwärtigen Musik ihres rauschenden Wassers zu völliger Stille. Ma stieg oft von ihrem Dandi ab, damit sich die Kulis ausruhen konnten. Auch wir wanderten dann mit ihr den stetig ansteigenden Bergpfad entlang.
      In Pangu, dem Heimatdorf von Parvatis Mann, hielten wir eine Weile. Parvati war sehr darauf bedacht, daß ihr Mann und dessen Familie Ma und Bholanath kennenlernten; sie hatte sie auf diesen Besuch vorbereitet. Wir waren bei ihnen zum Mittagessen eingeladen. Ma hat uns gezeigt, wie man die orthodoxen Regeln in Bezug auf das Essen umgehen kann. In solchen Situationen - in die wir jetzt häufig kommen - nehmen wir das Getreide, das Gemüse und die sonstigen Zutaten an, kochen dann selbst und essen alle zusammen mit den Gastgebern, die wir gemeinsam mit unseren Leuten bedienen. Auf diese Weise können wir nicht nur zusammen essen, es macht auch mehr Spaß, da Ma‘s Gegenwart alle zu einer großen Familie zusammenknüpft. So kam es, daß ich mit Parvatis Hilfe in Pangu eine große Mahlzeit kochte, an der alle freudig teilnahmen. Parvati war glücklich. Sie nahm dann Abschied von ihren Angehörigen, um mit uns die Pilgerschaft zum Kailash zu vollenden.
      Wir verließen Pangu um 3 Uhr nachmittags und kamen bis Sirkha, 17 km von Khela entfernt. Wir haben auf der offenen Veranda eines Schulhauses Quartier bezogen.

Mittwoch, 23. Juni. Es goß fast die ganze Nacht in Strömen. Der Regen peitschte von der Seite auf die schmale Veranda. Trotz unserer Schirme, Regenmäntel, Gummitücher usw. wurden wir durchnäßt, aber das Wandern auf diesem Weg ist so anstrengend, daß ich glaube, wir alle verschliefen in unsere Schutzkleidung gehüllt den Regen. Heute kampieren wir in dem Dorf Dipti (18 km Wegstrecke). Die letzten zwei Tage wurden wir durch den Blick auf schneebedeckte Berge belohnt. Es sieht schön aus, wenn die Sonne den Schnee silbern glänzen läßt.
      Nach dem Regen war der Weg glitschig. Wir haben in einem kleinen Zimmer in der Nähe des Dorfladens Unterschlupf gefunden. Der Boden ist alles andere als sauber, aber wir sind nicht in der Stimmung, uns zimperlich anzustellen. Wir haben einfach unser Ölzeug auf dem Boden ausgebreitet und es uns so bequem gemacht  wie möglich.

Donnerstag, 24. Juni. Nach nur elf km Lager in Malpa. Diese kurze Etappe wird mir lange im Gedächtnis bleiben. Der Weg war so steil und gefährlich, daß niemand sein Dandi benutzen konnte. Selbst zu Fuß war der Aufstieg ohne die Hilfe der Kulis schwierig. Es ging entweder fast senkrecht über loses Geröll bergauf oder ebenso steil wieder hinunter. Zu unserem zusätzlichen Leidwesen mußten wir den Weg auch noch mit Schafherden teilen, die hinaufgetrieben wurden oder herunterkamen. Für die leichtfüßigen Schafe bietet dieser gefahrvolle Weg keine Schwierigkeit. Wir hätten sie bewundern können, wären wir nur in der Lage gewesen, ihre Geschicklichkeit zu würdigen. Auch konnten wir (oder zumindest ich) die Schönheit der glänzenden Wasserkaskaden an den Steilhängen nicht bewundern.
      Normalerweise suchen wir uns vor Sonnenuntergang den Platz für das Nachtlager. Wenn wir mit dem Auspacken, Kochen, Essen, Saubermachen usw. fertig sind, ist es dunkel. Wenn wir Mittagsrast halten, dann wird nur für Dasu Dada, Tunu und Keshava Singh ein Abendessen gekocht. Außer Bholanath spüren wir alle die Auswirkungen der Kletterei. Er sagt als einziger: »Es war doch nicht schwer!« Bhaiji sieht erschöpft und müde aus. Ich konnte mich überhaupt nicht um Swamiji oder Ma kümmern, aber sie sieht aus wie immer. Die heitere Gelassenheit aufihrem Gesicht und Bholanaths Enthusiasmus halten uns aufrecht und bewahren uns vielleicht davor, die Wanderung aufzugeben.

Freitag, 25.Juni. Ein Ort namens Bodhi, ca. 13 km vom vorigen Lager entfernt. Der Weg war ein bißchen besser; wir konnten streckenweise die Dandis benutzen. Manchmal schwingen die Dandis zur Seite und schlagen gegen die Felswand. Einige Dandis wurden beschädigt, aber niemand wurde verletzt. Bei Sonnenuntergang erreichten wir Garbyang.

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