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Yoga als eine universale Wissenschaft

 

Epilog

 

Die vorangegangenen Kapitel sollten den Leser durch das Labyrinth des praktischen Yoga leiten. Ich wollte nichts weiter, als die praktische Seite des Yoga gemäß Patanjali näherbringen. Es gibt noch viel mehr von seinem Philosophiesystem zu berichten, und was die spirituellen Sucher, Akademiker oder Philosophen betrifft, sind wir nicht sehr tief in die Theorie eingedrungen. Es gibt bei Patanjali sehr verzwickte Themen, die in seinen verschiedenen Kapiteln vorgestellt werden; dies gilt insbesondere für das dritte und vierte Kapitel. Ich glaube nicht, daß es noch irgendeinen Diskussionsansatz für die Theorie des Samkhya und das Yoga in Bezug auf den praktischen Yogaprozeß gibt, den ich auch bezüglich der theoretischen Grundlagen berührt habe, ohne dabei ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß es sich um Philosophie handelt.

Um unseren Spirit in ein Gefühl intensiver Zufriedenheit zu erheben, und um unsere Spiritualität in der Yogapraxis zu bestärken, gibt uns Patanjali eine lange List von Zielen, die den Samyamas oder den Samapattis folgen. Kräfte, die als Siddhis bekannt sind, und nach denen viele Sucher streben, scheinen die spontane Folge der Vereinigung mit der Wirklichkeit zu sein. Wenn jemand hinter einer Macht herläuft, kann sie jedoch nicht erreicht werden, weil sie als etwas Äußeres verbleibt. Fähigkeiten, Kräfte oder Siddhis sind die automatische Folge, die der Yogi aus der Vereinigung mit der Wirklichkeit erfährt, denn er hat dann die vollkommene Kontrolle über das, wo er sich mit identifiziert hat, wo er selbst aus praktischen Gründen zu geworden ist, und was in seinem Wesen, nicht mehr von ihm unterschieden werden kann. Ein Mensch kann nach seinem Willen seinen Arm heben, und dies mag man Macht nennen, denn eine Ameise beispielsweise vermag diesen Arm nicht zu heben. Für einen kleinen Schwächling, wie die Ameise oder einem kriechenden Insekt, ist es zweifellos eine Meisterleistung, eine Siddhi, so etwas Schweres, wie eine menschliche Hand zu heben. Ein Elefant hebt sein schweres Bein oder seinen Körper, was ein Dutzend Menschen, selbst unter größten Anstrengungen nicht fertigbringen. Wie kann der Elefant sich selbst erheben, wo doch sonst niemand dies schafft? Weil sich sein Bewußtsein mit seinen Ausmaßen identifiziert. Selbst der dickste Mensch kann seinen eigenen Körper heben, doch jemand anders bringt dies nicht fertig. Der Grund dafür ist, daß sich das Bewußtsein jenes Schwergewichtes mit seiner Form identifiziert. Wenn sich also das Bewußtsein mit dem Sein selbst identifiziert, erfolgt automatisch die Kontrolle darüber.

Ein Mensch kann Berge versetzen, wenn er selbst zum Berg wird. Wenn ein Elefant laufen kann, warum sollte ein Berg nicht laufen können? Doch, obwohl wir nicht in die Grundlagen dieser Siddhis eindringen können, sind wir von ihnen fasziniert, und wollen ohne jede Mühe nur den Gewinn, um die Wünsche zu befriedigen. Wenn wir an Macht denken oder ein Siddhi erreichen, wird dies vor uns davonlaufen. Alles, was wir als etwas Äußerliches betrachten, können wir nicht besitzen. Es gibt ein berühmtes Wort in den Brihadaranyaka Upanishaden: Sarvam tam paradat yo-nyatra atmanah sarvam veda - nichts, was außerhalb steht, kann zu unserem Freund werden. Alles, was sich außerhalb befindet, kann nicht in unseren Besitz gelangen, und kann nicht zu unserem Objekt der Freude werden. Wir können keine Kontrolle darüber erlangen. Doch ein Objekt kann nur so weit kontrolliert werden, wie wir in der Lage sind, uns mit ihm zu identifizieren. Allgegenwart folgt automatisch durch Allmacht. Darum hängen unsere Fähigkeiten davon ab, in wie weit wir uns mit den Dingen vereinigen können. Und je weniger wir im Zustand der Vereinigung sind, desto schwächer sind wir.

Auf diese Weise werden von Patanjali verschiedene Arten des Samyama in unterschiedlichen Aphorismen des dritten Kapitels dargestellt, die als Vibhuti Pada bekannt sind und auf den philosophischen Prinzipien beruhen, die im vierten Kapitel beschrieben werden. Alles kann kontrolliert werden, vorausgesetzt, wir sind EINS mit den Dingen. Doch unser Geist lehnt sich aufgrund seines Egoismus dagegen auf, was an der Selbstbehauptung liegt, die immer unserer Existenz folgt. Und weil wir Individualisten sind, prallen wir mit anderen Individuen zusammen. Da es zwischen den Egos Konflikte gibt, kann das Eine den Anderen nicht kontrollieren. Alle sind voneinander unabhängig. Doch im Lichte der Absoluten Struktur, ist dieses Gefühl der Unabhängigkeit falsch. Es gibt keine Unabhängigkeit, denn alles hängt voneinander ab, alles gehört aufgrund der Prakriti zu allem. Darum sind die Siddhis Kräfte, die der Vereinigung mit den Stufen der Prakriti mit dem Ziel folgen, eine Vereinigung mit der ganzen Prakriti herbeizuführen. Wir brauchen uns um die Kräfte nicht zu kümmern. Sie sind eine automatische Folge, wenn wir in unserer Yogapraxis, wie dem Samyama, der Vereinigung, dem Samadhi oder der Selbstverwirklichung erfolgreich vorankommen. Auf diese Weise kommen wir immer weiter voran, werden immer Selbstzufriedener, denn wir erkennen immer mehr Dinge, als wir uns früher vorstellen konnten. Unser Horizont scheint sich zu vergrößern. Wir werden zu Bewohnern eines größeren Bereiches, denn wir durchdringen nicht nur immer größere Breiche, sondern auch Bereiche jenseits eines physischen Horizontes. Die überphysischen Bereiche eröffnen sich für uns. Wir sind nahezu betäubt von den Bildern, die sich vor uns als miteinander verbundene Regionen auftun, so daß wir auf Erden, im Himmel und überall zur gleichen Zeit zu sein scheinen. Diese wenigen Sätze, die ich vor dem Leser ausgebreitet habe, sollten ihm einen Eindruck über die Großartigkeit und Majestätik von Yoga, dessen überreligiöser Praxis und der Unverletzlichkeit seiner Anforderungen geben, wobei es für niemanden möglich ist, dem Yoga früher oder später auszuweichen. Das ist Yoga, und hiermit schließe ich.


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