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Samadhi Yoga

Kapitel 8: Pratyahara

Das Zurückziehen der Sinne

Chaos und Verwirrung existieren nur an der Oberfläche. Tauche tief in dein Zentrum ein, indem du dich von den sinnlichen Objekten zurückziehst und nach innen schaust; du wirst vollkommene innere Stille finden und höchsten Frieden genießen. Nichts kann dein Gleichgewicht, deine Seelenruhe stören. Rishis (Seher, Weise) von einst lebten beständig in dieser Mitte und waren glücklich und voller Freude trotz verschiedener äußerer Störungen. Nichts konnte sie aus ihrem geistigen Gleichgewicht bringen.

Beim Üben von Pratyahara (Zurückziehen der Sinne von äusseren Objekten) musst du die nach außen strebenden Sinne wieder und wieder von den sinnlich wahrnehmbaren Dingen abziehen und den Geist auf dein Lakshya (Konzentrationspunkt) ausrichten, so wie ein Wagenlenker die ungestümen Ochsen am Zaum nimmt und sie ans Joch bindet. Du musst die Sinne sanft in die Spur ziehen. Manche Schüler zerren rüde an ihnen. Das ist der Grund, warum sie manchmal leichte Kopfschmerzen verspüren.

Der Geist ist der Oberbefehlshaber. Die Sinne sind die Soldaten. Die Sinne können ohne die Mithilfe des Geistes überhaupt nichts ausrichten. Die Sinne können nichts unabhängig selbst tun. Sie können nur mit dem Geist zusammen arbeiten. Wenn du den Geist von den Sinnen trennen kannst, werden sich die Sinne automatisch zurückziehen.

Ein Yogaschüler sollte Pratyahara üben nachdem er schon einen gewissen Erfolg beim Üben von Yama, Niyama, Asana und Pranayama (den ersten vier Gliedern des achtgliedrigen Yoga) erzielt hat. Pratyahara ist das Abziehen der Sinne von den Objekten an die sie sich geheftet haben. Durch diese Übung werden die Sinne im Zaum gehalten. Ein Yoga- Schüler, der sofort mit Meditation beginnt, ohne vorher dieses Abziehen der Sinne geübt zu haben, ist auf dem Holzweg. Er wird keinen Erfolg bei der Kontemplation haben. Pratyahara kontrolliert die Sinne und ihren Hang, nach außen zu streben. Er bremst sozusagen die Sinne. Pratyahara folgt ganz natürlich auf die Pranayama-Praxis. Wenn die Lebenskraft durch Atemregulierung oder Atemanhalten kontrolliert wird, werden die Sinne ausgedünnt. Sie werden gewissermaßen ausgehungert. Sie können nun nicht mehr fauchen, wenn sie in Kontakt mit den ihnen entsprechenden Dingen kommen.

Pratyahara ist wirklich eine herausfordernde Disziplin. Am Anfang ist sie einem zuwider, aber später wird sie sehr interessant. Man spürt die innere Stärke. Sie verlangt einem gehörig Geduld und Ausdauer ab. Sie wird dir gewaltige Kraft verleihen. Du wirst enorme Willensstärke entwickeln. Im Verlauf der Übung werden die Sinne immer und immer wieder wie wilde Stiere auf die Dinge zurennen. Du wirst sie wieder und wieder zurückholen müssen und den Geist auf den Lakshya, deinen Konzentrationspunkt, ausrichten. Ein Yogi, der Pratyahara meistert kann ruhig meditieren, selbst wenn er sich mitten auf einem Schlachtfeld befindet.

Am besten übst du, die Indriyas (Sinnesorgane) eins nach dem anderen zurückzunehmen. Befasse dich zunächst mit dem wildesten Sinn. Übe Pratyahara zu Anfang mit diesem besonderen Sinn. Dann kannst du ein zweites Indriya hinzunehmen. Wenn du versuchst, alle gleichzeitig zu kontrollieren, wirst du keinen Erfolg haben. Es wird ein harter Kampf sein. Du wirst dich ziemlich erschöpft fühlen.

Teilerfolge bei der Pratyahara-Übung helfen einem Yoga-Schüler nicht wirklich weiter. Wenn Vairagya (Wunschlosigkeit) schwindet und man beim Üben nachlässig wird, können die Sinne wieder unruhig werden.

Aus diesem Grund sagt Krishna zu Arjuna:

     yatato hyapi kaunteya puruṣasya vipaścitaḥ
     indriyāṇi pramāthīni haranti prasabhaṃ manaḥ

     indriyāṇāṃ hi caratāṃ yanmano 'nuvidhīyate
     tadasya harati prajñāṃ vāyurnāvamivāmbhasi

„Oh Sohn der Kunti, die wilden Sinne selbst eines weisen Mannes, und mag er sich auch bemühen sie zu kontrollieren, tragen ohne zu überlegen sein Gemüt hinfort." - „Gleich einem Schiff, das von einem Sturm aufs Meer hinausgerissen wird, reicht ein tobender Sinn, an den der Geist sich heftet, um die Intelligenz hinwegzutragen.“ [BhG 2.60; 2.67]

Die Gemahlin des Weisen Tiruvalluvar hatte bemerkenswerte Meisterschaft in Pratyahara erlangt. Sie konnte einen Krug Wasser auf dem Kopf mitten durch eine große Menschenmenge tragen ohne einen Tropfen zu verschütten. Wer Pratyahara beherrscht, kann sofort in dem Moment, in dem er sich in sein Bett legt, einschlafen. Napoleon konnte das, denn er war sehr geübt in Pratyahara.

Sukadeva (Gosvami) war außerordentlich gut in Pratyahara. König Janaka wollte ihn in seinem Palast auf die Probe stellen. Janaka organisierte Musik und Tanzfeste um den ganzen Palast herum, um die Aufmerksamkeit von Sukadeva abzulenken. Es gab allerlei Vorführungen und Unterhaltung. Sukadeva sollte eine Tasse Milch in seiner Hand um den Palast tragen, die bis zum Rand gefüllt war. Er sollte drei Runden um den Palast machen ohne eine Tropfen zu Boden fallen zu lassen. Sukadeva erledigte die Aufgabe mit vollem Erfolg, denn er war in Pratyahara bestens bewandert. Nichts konnte seinen Geist ablenken.

Erfolg beim Pratyahara hängt von der Kraft vergangener Samskaras ab, die ein Yogaschüler besitzt. Wer Yama, Niyama, Asana, Pranayama und Pratyahara in vergangenen Leben schon bis zu einem gewissen Grad praktiziert hat, wird Pratyahara in diesem Leben in kurzer Zeit mit Erfolg umsetzen. Ein Anfänger, der in diesem Leben zum ersten Mal Yoga macht und keine Samskaras aus Vorleben für sich verbuchen kann, kann eventuell lange brauchen, um Pratyahara einschlägig in positiver Weise umzusetzen. Man kann anhand der eigenen Erfahrung und dem Maß des Erfolges im Yoga in diesem Leben selbst feststellen, ob man ein Yoganeuling oder ein alter Yogaschüler bzw. Yoga Bhrashta297

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