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Der Aufstieg des Geistes

 
 
   7 Menschliche Individualität und ihre funktionellen Merkmale

Die psychologische Struktur des Menschen ist für die instinktiven Triebe, Leidenschaften, Liebeleien und dergleichen verantwortlich, die sich in seiner Persönlichkeit zeigen. Hier sollte man sich jedoch vor Augen halten, daß das Denken als Basis aller psychologischen Funktionen nicht vollkommen unabhängig von den physischen Bedingungen des Körpers arbeitet, durch den sie wirkt. Die physikalischen, chemischen und vitalen Prozesse, die die Existenz und Funktion des körperlichen Organismus bestimmen, haben einen großen Einfluß auf die Arbeitsweise des Geistes. Dies bedeutet, daß die Studien der Biologie in erheblicher Beziehung zu jenen aus dem Feld der Psychologie stehen. Lassen wir für den Augenblick die übertriebenen Forderungen der Behaviouristen beiseite, die behaupten, daß psychologische Funktionen lediglich Effekte des Stoffwechsels, der Gehirnzellen und des Nervensystems seien - was einer rein materialistischen Annäherung an die Dinge entspricht -, so können wir wohl mit einiger Sicherheit sagen, daß körperliche Funktionen einen gewissen Einfluß auf die Funktionen des menschlichen Geistes ausüben. Es ist allgemein bekannt, daß ernsthafte körperliche Störungen die mentalen Funktionen mitbestimmen können, ebenso wie auch Unmäßigkeiten oder Störungen der mentalen Funktionen ihrerseits die körperliche Verfassung beeinflussen. Biologie und Psychologie sind somit Schwesterwissenschaften, wobei die eine in erheblichem Umfang zur jeweils anderen beiträgt. Enthusiastische Eiferer der biologischen Grundsätze sind so weit gegangen, daß sie dem Geist und dem Bewußtsein jegliche Ursprünglichkeit abgesprochen und alle Wirklichkeit allein den Vitalprozessen zugeschrieben haben, einem “Elan vital”. Dies scheint jedoch nur eine Ausschweifung des menschlichen Übereifers zu sein, da ein Lebensprozeß, selbst der “Elan vital”, weder Geist noch Bewußtsein als seine Effekte hervorbringen kann, da nie zu beobachten ist, daß Bewußtsein der Effekt von irgend etwas anderem ist. Um Bewußtsein als einen Effekt bezeichnen zu können, muß seine Ursache bereits Bewußtsein enthalten, was bedeutet, daß die Ursache selbst bereits potentielles Bewußtsein sein muß. Folglich ist die Aussage, Bewußtsein wäre ein Effekt, bedeutungslos. Nicht bewußte Ursachen können keine bewußten Resultate hervorrufen, es sei denn, diese nicht bewußten Ursachen sind selbst bereits verborgene Formen von Bewußtsein. Die Biologie trägt zwar zu den höheren Studien des Lebens bei, ist aber kein vollkommenes System, das allein die Wahrheit gepachtet hat.

     Botanik oder das Studium des pflanzlichen Lebens, Zoologie oder das Studium des tierischen Lebens, Anatomie und Physiologie oder das Studium des menschlichen Organismus sind die verschiedenen Aspekte der Wissenschaft namens Biologie. Die Instinkte zur Selbsterhaltung und Fortpflanzung sind die stärksten Triebe, die sich im Pflanzen-, Tier-, und Menschenreich manifestieren. Und es steckt durchaus Wahrheit in der Aussage, daß das Leben in der anorganischen Materie schläft, in den Pflanzen atmet, in den Tieren träumt und im Menschen erwacht. Das Studium der Biologie kann die grundsätzlichen Prinzipien der Psychologie unmöglich völlig ignorieren, da sich der menschliche Organismus seit jeher als komplexe psycho-physische Substanz verhält, in der zwischen den körperlichen Funktionen und den Arbeitsverläufen der Geisteskräfte wechselseitige Aktionen und Reaktionen stattfinden. Die Theorie der Behavioristen, daß psychische Funktionen von physiologischen Reflexen und Aktivitäten hervorgerufen werden, kann nicht akzeptiert werden, da es wohl sehr schwierig sein dürfte zu folgern, daß Gedanken aus Materie entstehen können. Darüber hinaus ist es ebenfalls nicht akzeptabel anzunehmen, daß Körper und Geist zwei völlig voneinander getrennte Existenzbereiche sind, zwischen denen keinerlei Austausch stattfindet. Extremer Dualismus ist hier hoffnungslos zum Scheitern verurteilt. Ebenso unvernünftig ist die Theorie des Parallelismus von Bewegung und Handlung durch Körper und Geist, da sich Parallelen zumindest im Bereich der empirischen Erfahrung aus der Geometrie niemals treffen und somit auch keine Vermittlung zwischen Körper und Geist, zwischen den Gedanken und den physiologischen Funktionen stattfinden würde. So ist es immer eine sehr schwierig zu beantwortende Frage gewesen, in welcher Beziehung Körper und Geist zueinander stehen.

        In der modernen Medizin sind Biologie und Psychologie vereint, da das Verhalten von Körper und Geist auf wissenschaftlicher Grundlage nicht getrennt werden kann. Vielmehr ist festgestellt worden, daß beide wechselseitig aufeinander einwirken, so daß man heutzutage bereits von sogenannten “psychosomatischen” Zuständen hört. Der Körper-Geist-Komplex wird für gewöhnlich als eine einzelne Erscheinung des menschlichen Lebens angesehen, deren Aspekte in der Biologie und der Psychologie mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung untersucht werden.

        Vielleicht finden wir die Lösung des Problems der Beziehung zwischen Geist und Körper, wenn wir die Ursprünge des menschlichen Organismus genauer untersuchen. Nachforschungen im Bereich der Astrophysik und der Biologie haben offenbart, daß das menschliche Individuum sich aus etwas entwickelt hat, was ursprünglich eine ungeteilte Substanz war, sei es ein “Atom” oder eine “Zelle”. Auf der Ebene dieser ursprünglichen Substanz erscheint es unmöglich, eine Grenze zwischen Materie und Bewußtsein, zwischen Körper und Geist zu ziehen, da sich die Existenz hier als undifferenzierte und subtile Mysterienmasse darstellt. Ist es nicht ein Wunder, daß poetisches Genie, wissenschaftliches Denkvermögen und philosophische Weisheit, die die gesamte Menschheit zutiefst bewegen, bereits latent in einer mikroskopisch kleinen Form wie Sperma, Gen oder Chromosom verborgen sein können? Wie ist die Gegenwart eines mächtigen und weitverzweigten Mammutbaumes in einem seiner unbedeutend kleinen Samenkörner erklärbar? Ist es möglich, daß die Ursprünge von Geist und Körper in Struktur und Gestaltung übereinstimmen? Könnte es sein, daß Körper und Geist nur zwei Seiten ein und derselben Medaille der einen organischen Realität darstellen, analog zu den zwei Augen eines einzelnen, durch sie hindurch blickenden Individuums? Es sieht so aus, als wäre dies die einzige vernünftige Erklärung für diese uns mysteriöse Beziehung zwischen Geist und Körper - eine Beziehung, die uns sogar zögern lassen sollte, überhaupt das Wort “und” zwischen beiden zu verwenden. Und genau diese Antwort erhalten wir auch; ganz gleich, ob wir nun der wissenschaftlichen Theorie Gehör schenken wollen, die besagt, daß aus dem kosmischen Nebel die Galaxien, Sonnensysteme, Erde, Pflanzen, Tiere und Menschen hervorgegangen sind, oder ob wir auf die Doktrin der Vedanta-Philosophie hören, die uns sagt, daß aus der universellen Verbindung von Ishvara, Hiranyagarbha und Virat, in der es keine Unterscheidung zwischen Materie und Bewußtsein, zwischen Körper und Geist gibt, alle Erscheinungen bis hinunter zum Grashalm und dem Sandkorn am Meeresufer manifestiert worden sind.

        Unter den Fachgebieten, die sich ebenfalls mit den biologischen Funktionen befassen, kann auch die “Chemie” der Elemente und lebenden Körper, bekannt als anorganische und organische Chemie, aufgelistet werden. Die Erkenntnisse dieses Bereichs finden ihre praktische Anwendung in der Verabreichung künstlich hergestellter Medikamente, deren chemische Wirkungen von den Menschen teilweise sehr hoch geschätzt werden, da sie zur Erleichterung ihrer Leiden beitragen können. Und wieder einmal wird uns hier das Mysterium der wechselseitigen Beziehungen offenbart, die zwischen den chemischen, biologischen und psychologischen Funktionen herrschen. Eine Aufspaltung dieser Wissenschaften in unabhängige Fächer ohne Beziehung zueinander wäre demnach nicht richtig. “Chemie” ist das Studium der Merkmale molekularer Substanzen, die die Grundbausteine aller Materie in Form von Erde, Wasser, Feuer und Luft ausmachen, wobei es ganz gleich ist, ob man sie in der äußeren Welt oder in den individuellen Körpern in verschiedenen Strukturierungen und Kombinationen studiert. Darüber hinaus ist Chemie auch die Wissenschaft der wechselseitigen Reaktionen, die von den Substanzen immer dann erzeugt werden, wenn man sie in einer bestimmten Proportion miteinander verbindet. Während wir weiter und tiefer in diese Materie vordringen, stellen wir fest, daß ein jedes Studienfach mit den anderen in Verbindung steht, wobei alle vom einen oder anderen Standpunkt aus betrachtet unentbehrlich sind.

        Will man die Beziehung zwischen der psychologischen Entwicklung des menschlichen Individuums und seinen biologischen Merkmalen untersuchen, ist es unentbehrlich, jene wichtigen Prozesse zu berücksichtigen, die das Individuum in seiner evolutionären Entwicklung durchläuft, da diese grundsätzlich als vom menschlichen Individuum untrennbar betrachtet werden können. Man könnte sagen, daß das biologische Leben bereits in den Samenzellen beginnt, die vom Körper eines Individuums produziert werden, so daß die früheste Stufe des biologischen Lebens, soweit es das menschliche Wesen betrifft, eine Art “urrudimentäres Bewußtsein” darstellt, kaum unterscheidbar von unbelebter Existenz, dem die Vorahnung auf eine kommende Zeit des Lebens und Bewegens in einer organischen Welt bereits innewohnt. In diesem Zustand ist das Bewußtsein so tief im materiellen Gewand verborgen, daß es uns praktisch unmöglich ist, hier auch nur vage Umrisse seiner bloßen Existenz erkennen zu können. Vielleicht können wir dieses Stadium mit einem “Schlafzustand” vergleichen, aus dem das Bewußtsein allmählich erwacht. So wie der gewaltige Mammutbaum bereits latent in seinen winzigen Samen enthalten ist, liegt auch die gesamte Komplexität der menschlichen Existenz bereits potentiell im Samen seiner zukünftigen Entwicklung.

        Ein weiterer Anstieg auf die nächste Stufe der Lebensleiter ist von der instinktiven Fähigkeit charakterisiert, auf äußere Reize mit dem Ziel der Selbsterhaltung zu reagieren, wie man dies gewöhnlich im Pflanzenleben oder in den niederen Arten körperlichen Lebens wie Insekten oder Würmern beobachten kann, deren Leben nur mit Schwierigkeiten als ein bewußtes Leben im eigentlichen Sinne des Wortes bezeichnet werden kann. Ein weiterer Druck auf den Lebenswillen manifestiert sich schließlich als eine absichtliche Tendenz zur Selbsterhaltung, die man wohl als die gröbste Form der persönlichen Selbstsucht bezeichnen kann und deren einzige Absicht es ist, die eigene körperliche Individualität selbst auf Kosten anderer Individuen zu erhalten, auch wenn dies aus Gründen der eigenen Existenzsicherung den Tod von anderen Individuen bedeuten sollte. Urrudimentäre Formen dieser Tendenz können bereits im Pflanzenreich sowie bei wild lebenden Tieren beobachtet werden.

        Der Lebenstrieb ist ohne den Drang zur Fortpflanzung, der Hand in Hand mit dem Wunsch nach Erhaltung der eigenen Individualität einher geht, unvollständig. So könnte man das gewaltige Drama des empirischen Lebens auf allen Stufen seiner Manifestation im Reich der Phänomene in der ungestümen Aktivität der Zwillingskräfte “Selbsterhaltung” und “Fortpflanzung” zusammenfassen. Diese beiden Kräfte drängen sich ähnlich der rechten und der linken Hand einer einzelnen Person zur Erfüllung des großen Zieles der Vermehrung gleichzeitig nach vorne. Im Menschen, der Krönung der aus der Evolution hervorgegangenen Spezies, offenbaren sich nun “Selbstbewußtsein”, “Intellekt” und “Verstand”.

        Der Mensch ist jedoch ebenfalls noch ein Tier, wenn auch ein soziales, und kann nicht als frei von den Trieben der niederen biologischen Stadien bezeichnet werden, durch die er auf seinem Weg zur menschlichen Ebene aufgestiegen ist. Genau genommen sollte die menschliche Natur im Unterschied zu jener des Tieres in ihrer reinen und einfachen Form über solche Eigenschaften und Vorzüge verfügen, daß sie andere Individuen als ebenbürtig zu sich selbst anerkennt, und zwar sowohl in deren Schwächen als auch in deren Stärken, gegenwärtigen Bedürfnissen und künftigen Bestrebungen - ein Charakterzug, den man als wahrhaft menschlich bezeichnen kann. Der Mensch dieser Welt repräsentiert diese Form von unverfälschter “Humanität”, wie man es von seinem hochgelobten Rang als “Homo Sapiens” eigentlich erwarten würde, jedoch nicht. Die menschliche Natur, wie sie sich im persönlichen Leben und in den öffentlichen Aktivitäten offenbart, ist mit den Kennzeichen der niederen Stufen vermischt. Eine genaue Analyse der biologischen und psychologischen Struktur des menschlichen Individuums würde zeigen, daß es schlafen kann wie das Vieh, selbstsüchtig sein kann wie ein Raubtier, sich mit dämonischem Genuß seinen Leidenschaften hingeben kann und sein Ego auf solch untolerierbare Weise durchsetzen kann, wie es nur vorstellbar ist. Darüber hinaus gibt es im Menschen auch noch jene gefährliche Fähigkeit namens Intellekt, die als zweischneidiges Schwert fungieren kann. Es ist dieses seltsame Merkmal des menschlichen Geistes, das dafür zuständig ist, daß der Mensch seine niederen Leidenschaften, Triebe und Instinkte rational begründet und damit rechtfertigt. Als Beispiel: “Werde ich wütend, so geschieht dies für einen guten Zweck. Zeige ich übermäßige Liebe oder Anhänglichkeit zu einer anderen Person, dann ist dies eine platonische Liebe, die sich in göttlicher Absicht manifestiert. Verübe ich einen Racheakt, so geschieht dies im Interesse von Recht und Gerechtigkeit oder aber für den sozialen Frieden und das Allgemeinwohl. Greife ich jemanden an, so übe ich damit Selbstverteidigung”, was offensichtlich ein Rechtfertigungsgrund dafür ist. Alles Fehlerhafte, Häßliche und Mangelhafte wird von außerhalb stehenden Faktoren verursacht, jenseits der eigenen Kontrolle, während man sich angeblich selbst aufrichtig darum bemüht, vernünftig, gerecht, hilfsbereit, harmonisch und gut zu sein. Abgesehen von diesen offenkundigen Formen der Selbstrechtfertigung, die die eigenen Instinkte durch vernünftig klingende Begründungen plausibilisieren sollen, verfügt der Mensch auch noch über einige andere allgemeine “Abwehrmechanismen”, die für die Erhaltung und den Fortbestand des psycho-physischen Organismus eingesetzt werden.

        Das menschliche Selbstbewußtsein ist das Prinzip des Ego und der Individualität. Nachforschungen aus der Psychologie haben ergeben, daß das Selbstbewußtsein der Lebewesen unterhalb der menschlichen Stufe weit weniger Intensität aufweist, als dies im Menschen der Fall ist. Dies erklärt die Unfähigkeit der subhumanen Arten, logische Prozesse und Schlußfolgerungen zur Bewältigung der täglichen Aufgaben einzusetzen oder sich in mathematischer und logischer Form an Vergangenes zu erinnern oder die Zukunft vorwegzunehmen, wie dies für den Menschen charakteristisch ist. Dieses eigentümliche Geschenk, das den Menschen über die subhumanen Arten erhebt, stellt jedoch zur gleichen Zeit auch ein ernsthaftes Problem dafür dar, ein harmonisches Leben mit anderen Menschen führen zu können, da das Selbstbewußtsein oft mit einer autokratischen Form von Egoismus vermischt, der sich weigert, den Mitmenschen die ihnen gebührende Achtung zu zollen, und der sich daran erfreut, seine eigene Überlegenheit zu behaupten. Metaphysiker erklären, daß der Egoismus das unglückliche Produkt einer wechselseitigen Überlagerung von “Bewußtsein” und dem “Prinzip der Individualität” darstellt, das einerseits das Banner der unbestreitbaren Überlegenheit des Bewußtseins hißt und andererseits die Flagge der sich abtrennenden Tendenz zur Individualität.

        Der Organismus leidet unter Hunger, Durst, Hitze, Kälte, Erschöpfung und Schlafbedürfnis. Diese Begleiterscheinungen der organischen Individualität sind in allen lebenden Wesen bis hinauf zur menschlichen Ebene sichtbar, so daß der Mensch hinsichtlich dieser Merkmale des Organismus auf einer Stufe mit den niederen Arten steht. Der Grund für diese instinktiven Reaktionen des Körper-Geist-Komplexes ist offenbar eine Art von verborgenem oder offensichtlichem Selbstbewußtsein, durch das sich das Individuum von den kosmischen Kräften der Natur abtrennt. Aus dieser Analyse der Ursache aller natürlichen Leiden des Individuums läßt sich leicht schlußfolgern, daß Leiden und Schmerz, die man aufgrund der Abhängigkeit von äußeren Faktoren empfindet, mit zunehmender Intensität des Selbstbewußtseins anwachsen und mit abnehmender Intensität des Selbstbewußtseins an Heftigkeit verlieren. Die psycho-physische Natur des Menschen als Individuum oder abgesonderte Einheit würde sogar eine in ausreichender Weise erklären, was unter der “Ursünde” zu verstehen ist, die den engelsgleichen Adam aus dem Garten Eden ins Exil verbannte. Dies ist die Geschichte vom “verlorenen Paradies”, jenem schicksalhaften Epos über den “Ursturz”, der durch die Auflehnung der Seele gegen das Absolute verursacht wurde.

        Die Gier nach Ruhm, Macht und Autorität ist ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Ego, ja ganz allgemein ein Bestandteil der menschlichen Natur. Der Drang des Ego, in allen nur möglichen Aspekten über anderen stehen zu wollen, ist ein subtiler Trick, der von einem verzerrten Bewußtsein angewendet wird, das in den Medien Raum, Zeit und Objektivität auf seiner universellen Subjektivität und Herrschaft beharrt. Demzufolge könnte man das Ego mit all seiner Gier nach Ruhm, Macht und Autorität durchaus als eine Krankheit des Bewußtseins bezeichnen, das im Delirium einer Illusion darum kämpft, ein lebenswertes Ziel anzustreben, obwohl es im Zuge derartiger Begierden in Wirklichkeit lediglich kopfüber in einen Abgrund aus Bindung und Leid stürzt. Hinzu gesellt sich noch das Phänomen des Todes, der das Individuum wie ein Schatten verfolgt. Befreiung von diesem unglückseligen Endergebnis aller menschlichen Bemühungen kann es nicht eher geben, als die Individualität an sich von dem zugrunde liegenden Irrtum befreit ist, nämlich der falschen Vorstellung, daß es überhaupt so etwas wie die eigene Trennung vom Absoluten gibt. Der Tod ist untrennbar mit der Wiedergeburt verbunden, und eine natürliche Begleiterscheinung unserer Verwicklung in den Komplex von Raum, Zeit und Objektivität. Es ist die Furcht vor dem Tod, die einen dazu zwingt, sich gegen äußere Übergriffe, gegen innere Disharmonie und gegen eine unbekannte Zukunft zu schützen - Situationen, die auf jedes Individuum im Verlauf der Evolutionsgeschichte zukommen.

        Selbstbewußtsein endet im Evolutionsprozeß nicht als letztendliche Errungenschaft in sich selbst, sondern schafft Schwierigkeiten unvorhergesehener Art. Die Behauptung der eigenen Individualität vollzieht sich parallel zu der Wahrnehmung von anderen Personen und Dingen im Sinne von Objekten, die sich außerhalb der eigenen Person befinden. Und dieses Phänomen ist vermutlich am aller schwersten zu verstehen, da die Wahrnehmung eines Objekts durch das Subjekt nicht nur ein bloßes Wahrnehmen von etwas ist, das sich außerhalb des Subjekts befindet, sondern zur gleichen Zeit auch eine “Beurteilung” beinhaltet, die das Subjekt über das Objekt fällt. Dieses Urteil ist zwar subjektiv, da es von der Konstitution des Subjekts gemäß seiner eigenen Struktur, seinen Zielen und Plänen gefällt wird, erhebt dabei aber den Anspruch darauf, grundsätzlich zu sein. Dies führt dazu, daß alle Veränderungen, Fehler, Disharmonien und Mängel eher dem Objekt als dem Subjekt zugeschrieben werden, da das Subjekt diese Mängel nicht in sich selbst erkennen kann, da es selbst ja Träger jenes “überragenden” Bewußtseins ist, das weder Rivalität noch Fehler, Mängel oder Häßlichkeit dulden kann. Demnach deutet der bloße Akt der Wahrnehmung eines Objekts auf eine Opposition gegenüber diesem Objekt hin, was vielleicht die Erklärung dafür ist, warum zwei Menschen nicht für alle Zeiten Freunde sein können. Eine dauerhafte Freundschaft zwischen zwei Personen bedürfte nämlich einer unveränderlichen charakterlichen Ähnlichkeit zwischen Subjekt und Objekt, was völlig unmöglich sein dürfte, da das Subjekt niemals zum Objekt und das Objekt niemals zum Subjekt werden kann! So verbleibt dieser “kalte Krieg” zwischen dem wahrnehmenden Zentrum und der außerhalb wahrgenommenen Form in einem unmerklich gärenden Zustand, der in einen tatsächlichen Krieg ausbrechen kann, in dem sich das Subjekt für die Zerstörung des Objekts entscheidet. Diese Entscheidung ist unvermeidlich, da die Existenz des Objekts eine ununterbrochene Verletzung und Bedrohung der Unabhängigkeit und Überlegenheit des Subjekts darstellt. Die Lage der Menschheit bedarf wohl keines ergänzenden Kommentars.

        Wie jedoch ist all dies überhaupt möglich? Kann irgend jemand das Verlangen hegen, sein Gegenüber auszulöschen, und dabei gleichzeitig mit sich selbst in Frieden verweilen? Die Antwort ist natürlich “nein”. Was aber wird aus der Tatsache, daß das Subjekt die Gegenwart das Objekts aus den bereits beschriebenen Gründen nicht tolerieren kann? Das Subjekt geht einen Kompromiß ein und sucht sich in seiner Not einen “Mittelweg”, der es ihm erlaubt, nicht das Objekt selbst zu zerstören, sondern dessen “Unabhängigkeit”, indem das Objekt entweder zu einem Teil der eigenen subjektiven Existenz gemacht wird, wie in der Liebe, oder aber durch die Ausübung von Macht und Autorität unterworfen wird. Bei primitiveren Individuen, in denen die niederen Schichten des Lebens noch die Oberhand haben, so daß sie zu diesem kultivierten psychologischen Kompromiß nur mangelhaft fähig sind, der ja eine scharfsinnige Anpassung an andere Individuen erfordert, kann sich die Untolerierbarkeit der Gegenwart eines Objekts, das der eigenen Triebbefriedigung trotzt, dagegen sogar in dem Drang zur körperlichen Zerstörung dieses Objekts niederschlagen. Hiermit stoßen wir auf die verborgenen Ursachen von Streit und Rastlosigkeit, - Phänomenen, die in der heutigen Gesellschaft überall deutlich sichtbar sind.



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