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Stressmodell - Flucht Kampf Mechanismus

Unsere heutige schnellebige Zeit und unser Wertesystem mit dem damit einhergehenden Erfolgs-Druck setzen den Menschen im Beruf, in der Familie und in der Freizeit unter Stress.

Hier erhältst du Informationen zur Wirkungsweise von Stress und wie du Stress wirkungsvoller begegnen kannst. Das erste wichtige Konzept in der Stressforschung und in der Stresstheorie, der Flucht-Kampf-Mechanismus wird hier vorgestellt. Erfahre wie dich der Stress im Alltag immer wieder antriggert und welche Strategien du anwenden kannst, um Stress abzubauen.

Stress Psychologie - Flucht Kampf Mechanismus

Das Wort „Stress“ wurde in seiner heutigen Bedeutung geprägt vom ungarisch-österreichisch-kanadischen Arzt Hans Selye in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hans Selye gilt als der Vater der Stressforschung, der letztlich die Theorie des Stresses entwickelt hat. Er sah Stress als eine Antwort des Organismus auf Herausforderungen. Viele der Stressmodelle, die er entwickelt hat, sind bis heute fruchtbar, um zu erkennen, wie die Psyche und Situationen, Menschen krank machen können und was man dagegen tun kann.

In der modernen Psychologie gibt es ein Modell, das belegt, dass der Mensch grundsätzlich dann zufrieden ist, wenn er das Gefühl hat, er kann etwas leisten, er kann etwas beitragen, und natürlich solange er etwas leisten und bewirken kann, dann ist er auch gesund, und wenn man krank ist, dann kann man logischerweise wenig bewirken, zumindest in der Außenwelt. Wer viel bewirken will wird somit auch immer wieder gestresst sein.

Hans Selye baute das Konzept des Stresses auf dem sogenannten Flucht-Kampf-Mechanismus auf. Der Flucht-Kampf-Mechanismus beschreibt eine reflexartige Reaktion des Organismus bei wahrgenommener Gefahr. Wenn ein Organismus Gefahr wahrnimmt, kann er fliehen oder kämpfen. Für beides braucht er Energie. Ergänzen kann man das Stress-Modell noch um den Totstell-Reflex.

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Beispiel: In grauer Vorzeit ist ein Mensch im Wald unterwegs und es taucht plötzlich ein Säbelzahntiger auf. Da wir seinerzeit davor geschützt werden sollten, wertvolle Zeit mit Gedanken über den möglichen Sattheitsgrad des Säbelzahntigers zu verschwenden, können wir in Stress-Situationen auch heute noch nicht gut denken. So hat der Mensch die Möglichkeit zu sagen „Oh, sieht doch sehr gut aus so ein Säbelzahntiger, schöne Farben und graziös“. Vielleicht gab es einige unserer Vorfahren, die so gedacht haben, die haben vermutlich ihr Erbgut nicht weitergeben können und haben stattdessen dem Säbelzahntiger geholfen zu überleben. Gefressen zu werden war jetzt also keine gute Überlebensstrategie. Und so haben Menschen überlebt, die eher zu einer Stressreaktion geneigt haben:

Wenn sie eine Gefahr wahrnehmen, dann wird der gesamte Organismus alarmiert und dann ist da Energie, entweder zum

  • fliehen – schnell Abhauen – das funktionierte möglicherweise, wenn man in der Nähe einer Höhle war oder auf einen Baum hochklettern konnte oder
  • Kämpfen – Keule nehmen und versuchen, den Säbelzahntiger in die Flucht zu schlagen. Wenn dort mehrere Menschen gleichzeitig zusammen waren, dann war das vielleicht sogar erfolgsversprechend oder man konnte sich
  • totstellenund hoffen der Tiger bemerkt einen nicht.

So kann man sagen, dass die Stressreaktion sehr sinnvoll ist: Bei Gefahr wird der Organismus alarmiert, er spannt sich an und hat jetzt die Möglichkeit zu fliehen oder zu kämpfen. Stress ist also grundsätzlich positiv. Stress ist also nicht einfach negativ, was man heute so oft darunter versteht, sondern Stress hilft, auf die Herausforderungen des Alltags zu reagieren.
In der modernen Stressforschung unterscheidet man zwischen:

  • Eustress – „Eu“ ist etwas Positives im Griechischen – Eustress ist positiv erlebter Stress. So können zum Beispiel Aufregungen, Herausforderungen Spaß machen, wenn plötzlich etwas Neues passiert oder du gefordert bist, und du dich darüber freuen kannst.
  • Distress ist negativ erlebter Stress. Stress, der wenn er wirklich bedrohlich erlebt wird, zu Verspannungen und zu Unruhe führt, was dann auch zu diversen Erkrankungen führen kann.

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 Auf gewisse Weise ist die Reaktion auf stressige Situationen auch eine Temperamentfrage.

  • Manche Menschen freuen sich über die Herausforderungen und sie sind nicht so schnell gestresst, wenn Unerwartetes geschieht.
  • Manche Menschen lieben es gemütlicher. Sie übersehen viele Herausforderungen einfach und sie mögen Unerwartetes nicht so gerne, aber sie sind auch nicht so schnell zu stressen.
  • Andere sind etwas ängstlicher; sie befürchten, dass Unerwartetes wirklich schnell bedrohlich sein könnte. Sie leiden am schnellsten unter Stress und erleben Stress auch am schnellsten als Distress – also als Störung und als etwas, worunter sie leiden.

Das Reaktionsmuster eines Menschen in einer Stresssituationen steht typischerweise in Beziehung zu seiner Verhaltensweise.

  • Es gibt Menschen, die neigen in stressigen Situationen eher zur Flucht, die haben eine gewisse Neigung zur Angst.
  • Einige Menschen neigen bei Stress eher zu Kampf, die haben dann auch eine Neigung zu Ärger und Reizbarkeit.
  • Andere Menschen neigen eher zum Totstellreflex, die geraten dann unter Stress in eine Depressivität und Antriebslosigkeit.

Ein sehr häufiges Aktivieren des Flucht-Kampf-Mechanismus ohne dass auch immer wieder Entwarnung, also Entspannung eintritt, kann zu immer intensiveren Verspannungen führen und das führt dann zum sogenannten Stress-Syndrom. Jedenfalls führt das häufigere Verspannen von Teilen des Körpers auch dazu, dass es verschiedene Probleme geben kann.

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Video - Flucht Kampf Mechanismus erkennen und überwinden

Was bei Stress im Körper geschieht

Nimmt der Organismus etwas als Bedrohung wahr, löst dies eine ganze Kette von Reaktionen im Körper und in der Psyche aus.

  • Zunächst schüttet der  Körper Stresshormone aus, z.B. Adrenalin und Cortisol.
  • Dabei wird der Sympathikus aktiviert, also der Teil des Nervensystems, der aktivierend ist.
  • Muskelanspannung entsteht,
  • Herzschlag wird beschleunigt,
  • Atemfrequenz wird beschleunigt,
  • Blutdruck wird beschleunigt,
  • Schweißabsonderung wird verstärkt.
  • Gleichzeitig wird der Parasympathikus verlangsamt, der hauptsächlich der Regeneration des Organismus und dem Aufbau von Energiereserven dient.
  • Die Verdauung erhält weniger Energie und verlangsamt sich.
  • Die Immunabwehr wird runtergefahren, denn jetzt, bei Gefahr muss alle Energie ins momentane Überleben des Organismus gesteckt werden.
  • Daher: Weniger Energie zur Bekämpfung von Viren, Bakterien, Pilzen usw. .
  • Aufbau- und Reparaturprozesse sind jetzt auch nicht so dringend. Der Organismus muss jetzt geschützt werden.
  • Fokussierung der Aufmerksamkeit auf das Nötigste.
  • Auch die Psyche ist jetzt eingeschränkt.

Es wird geschaut, was ist die Gefahr und es entsteht eine Art Tunnel-Aufmerksamkeit. Die Weite wird ausgeblendet, und es wird geschaut: wie kann ich fliehen, wie kann ich kämpfen oder wie kann ich mich unsichtbar machen. Das sind also einige Prozesse des Flucht-Kampf-Mechanismus.

Dieser Flucht-Kampf-Mechanismus war früher im Dschungel sehr sinnvoll, um Gefahren abzuwenden, aber im modernen Großstadt-Dschungel wird der Flucht-Kampf-Mechanismus sehr viel häufiger aktiviert, und er wird eben auch nicht dazu verwendet, wofür er eigentlich gedacht war. Diese ständige Aktivierung führt den Organismus ins Stress Syndrom.

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Typische Aktivierung des Flucht Kampf Mechanismus im Alltag

Es fängt schon morgens an. Die meisten wachen auf – mit einem Wecker. Typischerweise ein schriller Wecker, man will ja aufwachen. Wecker heißt Gefahr. Schriller Klang – Stress. Adrenalin wird ausgeschüttet, Cortisol wird ausgeschüttet, Atemfrequenz wird erhöht, Herzschlag wird erhöht. Jetzt gibt es bei wahrgenommener Gefahr zwei Möglichkeiten: Fliehen – also schnell Fenster auf und rausspringen, oder kämpfen – Wecker oder Smartphone nehmen und gegen die Wand werfen. Das wird man natürlich nicht machen. Stattdessen geht man weiter, geht vielleicht ins Badezimmer, stellt seinen Zahnputzapparat an, der natürlich sofort Krach macht und danach macht man vielleicht sein Handy, Smartphone, I-Phone an, schaut sich die Nachrichten an, hört, was alles schief gegangen ist; was man im Bekanntenkreis verpasst hat; wo wieder ein paar Bomben in die Luft gegangen sind, überall Aktivierung des Flucht-Kampf-Mechanismus. In der Zwischenzeit macht das Kochgerät, der Wasserkocher irgendwo ein bisschen Lärm – wieder Aktivierung Flucht-Kampf-Mechanismus.

Dann schütten die meisten Menschen sich etwas Kaffee rein, Koffein wirkt so wie Adrenalin – neue Aktivierung des Flucht-Kampf-Mechanismus. So wie man die Wohnung verlassen hat, hat man schon ein Dutzend Mal den Flucht-Kampf-Mechanismus aktiviert. Dann geht man auf die Straße, vielleicht fährt man Auto,Stress abbauen zwischendurch quietschende Bremsen, rote Ampel, Hupen – jedes mal Aktivierung des Flucht-Kampf-Mechanismus. Noch dazu ist man gefangen in einem engen Raum, kann also nicht wirklich fliehen oder kämpfen; zwar mit dem Auto mehr Gas geben, aber der Körper selbst ist gefangen und eingepfercht. Angenommen du fährst mit der U-Bahn, wildfremde Menschen, die du nicht kennst, auf engstem Raum – Flucht-Kampf-Aktivierung. 

Du kommst zur Arbeit, und der Chef sagt: „Ich muss Sie mal dringend sprechen!“, auf dem PC leuchtet etwas auf, drei Kunden wollen sofort zurückgerufen werden – ständige Aktivierung des Flucht-Kampf-Mechanismus. So geht es endlos weiter.

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Währenddessen normalerweise in der Natur der Flucht-Kampf-Mechanismus vielleicht  zehn bis zwanzig Mal aktiviert werden würde, wird im modernen Großstadt-Dschungel, der sich auch in Dörfern längst ausgebreitet hat, hundert bis zweihundert Mal am Tag der Flucht-Kampf-Mechanismus aktiviert. Die Folge ist: Man gerät in eine Dauerstress-Kaskade, die man als Stress-Syndrom bezeichnet.

Dieses wird noch verstärkt, durch vieles, was es heute noch gibt: Unsicherheit insbesondere. Stress wird ja hervorgerufen durch wahrgenommene Gefahr. Wenn man insgesamt unsicher ist, dann sind die Gefahren noch mehr. Es gibt heutzutage Unsicherheiten im Beruf – kaum jemand arbeitet in dem Beruf, den er gelernt hat. Unsicherheit in Beziehungen und Familie, im Wertesystem; es gibt Leistungsdruck, oft gibt es Entfremdung zur Arbeit. Es gibt durch ständigen Umzug weniger Verankerung im Freundeskreis, und viele weitere Stressfaktoren.

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Strategien um Stress abzubauen

Was kann man tun, um Stress abzubauen? Letztlich auch um Stress, was ja erstmal Aktivierung bedeutet, als Eustress, als guten Stress zu empfinden, und eben nicht als Disstress, als ungesunden Stress zu erleben. Es gibt mehrere Strategien zur Stressbewältigung.

Drei seien hier genannt:

  • Das erste ist die Entspannungsreaktion einleiten durch Entspannungstechniken. So kommst du aus jedem Stress wieder heraus, kannst Stress abbauen. Zu empfehlen ist es, jeden Tag mindestens einmal eine Tiefenentspannungsübung zu praktizieren und zwischendurch auch mal die eine oder andere Kurzentspannungstechnik. So kannst du dein Stressniveau immer wieder etwas runterfahren, Stress abbauen.
  • Das zweite ist der gesunde Lebensstil. Man kann sein Leben so leben, dass man mit Stress besser umgehen kann.
  • Das dritte wäre, eine geistige Einstellung zu kultivieren, welche die Herausforderungen des Lebens willkommen heißt und gleichzeitig Gelassenheit beinhaltet.

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Ausbildungen zum Thema Stress und Entspannung

Lerne die Hintergründe zum Thema Stress und Entspannung und Stress abzubauen, für dich selbst für eine höhere Stressresistenz, ein zufriedenes kraftvolles Leben oder um andere Menschen kompetent und tief in die Entspannung zu führen.

Entspannungskursleiter Ausbildung

Datum: 05.04.2020 - 10.04.2020
Ort: Bad Meinberg
Leiter: Sascha Dinges
Leiter: Katja Radha Prema Maisel
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Entspannungskursleiter Ausbildung

Datum: 17.05.2020 - 22.05.2020
Ort: Bad Meinberg
Leiter: Kati Tripura Voß
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Entspannungskursleiter Ausbildung

Datum: 02.08.2020 - 07.08.2020
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Leiter: Susanne Feisthauer
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