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Haribaba Maharaj

Haribaba Maharaj, der hochangesehene Sannyasi aus Vrindavan, hatte Ma vielmals eingeladen. Er und Udia Baba waren in diesem Teil Indiens weithin bekannt. Ihr renommierter Ashram in Vrindavan war Treffpunkt für viele Oberhäupter von Mönchsorden.
      Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Haribaba in Bhirauti bei Aligarh auf. Er hatte Ma einen persönlichen Boten geschickt, der sie zu diesem abgelegenen Dorf begleiten sollte. Der Bote, Premraj, sagte, die ganze Landbevölkerung habe von ihr gehört und warte ungeduldig auf ihren Besuch. Haribaba hatte die Leute mit seiner Äußerung inspiriert, sie müßten nur aufrichtig beten, dann werde Ma ihnen gewiß Darshan gewähren! Die Dorfbewohner hatten daraufhin beschlossen, einen ununterbrochenen Kirtan zu veranstalten, bis Ma ihr Dorf besuchen werde.
      Auf Haribabas Bitte brach Ma nach der Durga Puja in Allahabad mit einem großen Gefolge von Devotees nach Bhirauti auf. In Bareilly stiegen sie in einen Personenzug um, der sie zu der kleinen Bahnstation Dhanari brachte. Die 11 Kilometer nach Bhirauti mußte man von dort mit einem Ochsenkarren fahren oder zu Fuß gehen.
      Ma war immer von einer Atmosphäre des Wunderbaren umgeben. Auf dieser Fahrt trug sich ein bemerkenswerter Vorfall zu. Ein Herr namens Kamala Malaviya, wollte Ma auf ihrer Fahrt nach Bareilly begleiten. Bei einer der vielen Fahrtpausen scharte er sich mit anderen wie üblich vor Ma‘s Abteil, um ihren Darshan zu erhalten. Er kam im letzten Moment zu seinem Waggon zurück, als sich der Zug bereits in Bewegung gesetzt hatte. Inzwischen hattse sich sein Waggon mit vielen neuen Reisenden gefüllt, von denen etliche in der Tür standen. Er sprang auf das Trittbrett und versuchte vergeblich, sich nach innen durchzudrängen. Der Zug hatte inzwischen Tempo gewonnen. Nach einer Weile gab es ein grobes Handgemenge unter den Raufbolden, die ihm den Eintritt verwehrten. Malaviya verlor den Halt und fiel vom Zug auf den steinigen Bahndamm. Als er zerschlagen und wie gelähmt dort lag, sah er undeutlich die Figur einer weißgekleideten Frau, die ihn drängte aufzustehen und zu gehen! Irgendwie gelang ihm das, und er folgte der schattenhaften Gestalt auf den Bahndamm, bis die blinkenden Lichter eines Bahnhofs in Sicht kamen. Dann sah er die Frau nicht mehr. Auf dem Bahnhof wollten die Beamten kaum glauben, daß er aus dem fahrenden Schnellzug gefallen sei und dies nicht nur überlebt habe, sondern auch noch eine ganze Strecke gelaufen sei. Als sie jedoch seine Fahrkarte überprüft hatten, ließen sie den nächsten Zug, den Dehra Dun Express, außerplanmäßig halten und fanden einen Platz für ihn. In Bareilly angekommen, wurde er auf einer Bahre ins Eisenbahnhospital gebracht, da er nun im Nachhinein unter Schock stand. Einige Devotees von Ma erkannten ihn und begleiteten ihn ins Hospital, um für ihn zu tun, was sie konnten. Als er sich der Gruppe wieder anschloß, wurde er in Ma‘s Abteil im Nahverkehrszug untergebracht. Außer einer leichten Prellung hatte er keine Verletzungen davongetragen. Später erzählte er Didi die ganze Geschichte.

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In Dhanari herrschte ausgelassene Freude. Das ganze Umland schien zusammengekommen zu sein, um Ma einen gebührenden Empfang zu bereiten. Geschmückte Ochsenkarren waren von Kirtangruppen umgeben. Die Männer in Ma‘s Gefolge beschlossen, zu Fuß zu gehen, die Frauen stiegen auf die Wagen. Ma selbst wurde überredet, auf einen Elefanten zu steigen. Man sagte ihr, daß die Leute, die so ungeduldig auf ihre Ankunft warteten, sie sonst nicht sehen könnten. Mit weiteren Insignien einer besonders wichtigen Persönlichkeit setzte sich diese königliche Prozession nach Bhirauti in Bewegung. Auf halbem Wege kam ihr Haribaba mit seiner eigenen Kirtangruppe entgegen. Mit Ma zugewandtem Gesicht ging er die ganze Strecke rückwärts zurück!
      So erreichten sie Bhirauti und wurden in ihre Unterkünfte gebracht. Ihr endgültiges Ziel, Baandh, lag weitere 16 km von Bhirauti entfernt. Ma und ihre Gefährten wurden auch dorthin in einem Konvoi von Ochsenkarren gebracht. In ihrem Enthusiasmus spannten die Dorfbewohner die Ochsen aus und zogen die Karren selbst.
      Bei erster Gelegenheit, als Ma mit ihren Gefährtinnen in ihrem Zimmer saß, zog sie Didi damit auf, daß sie in einem Karren gefahren war, der von Männern statt von Ochsen gezogen wurde. Zu Didis Verlegenheit sagte sie lachend: »Wie konntest du, Didi! Wie eine Maharani im Wagen zu sitzen, während die Dorfleute den Wagen ziehen!« Vergebens protestierte Didi, sie habe überhaupt nicht gemerkt, daß die Dorfleute in ihrer Begeisterung selbst den Wagen gezogen hätten. Sie sagte: »Ich habe nur ein Meer von Köpfen gesehen. Wie konnte ich wissen, daß sie die Zugtiere ausgespannt hatten!«
      Dieser ganze etwa 800 Dörfer umfassende Landstrich wurde früher jedes Jahr vom Gangeshochwasser überflutet, was Tod, Verwüstung und namenloses Leid verursachte. Als sie sahen, daß die Regierung zu keiner Abhilfe bereit war, hatten sich die beiden gut miteinander befreundeten Mahatmas an die Aufgabe gemacht, einen ausreichend hohen Damm gegen die Wasserfluten zu bauen. Die ganze Gegend wurde dafür mobilisiert. Die Sadhus selbst trugen gemeinsam mit den Dorfleuten Körbe voll Erde auf dem Kopf, um den Damm aufzuschütten. Alle arbeitsfähigen Männer und Frauen und sogar Kinder halfen mit. Allmählich erreichte der 16 Kilometer lange Damm eine Höhe, die die Dörfer vor Uberflutung schützte. Infolgedessen wurden die beiden Sadhus als Retter ihres Landes angesehen. Das Leben im Dorf kreiste um einen fortwährenden Satsang als zentrales Ereignis. Es gab eine große Halle für die täglichen Versammlungen, auf denen Kirtan gesungen wurde. Es gab auch eine Truppe von Dorfkünstlern unter der Leitung von Premraj. Jeden Abend wurden in der Halle kleine Schauspiele über das Leben von Krishna oder Gauranga Mahaprabhu, Haribabas Ishta-Devata , aufgeführt. Es stellte sich heraus, daß Premraj sehr belesen war und die wichtigen Vaishnava-Texte gründlich studiert hatte. Zudem hatte er eine wohlklingende, bezaubernde Stimme. Er selbst sang die Einleitungen und Zwischenstücke.

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Haribaba hatte so häufig Satsang angesetzt, daß den Dorfbewohner kaum Zeit für Feldarbeit oder Hausarbeit blieb. Er führte eine regelmäßige Anwesenheitsliste! Ma erfuhr dies alles von den Dorfältesten, die wußten, daß sie daran Gefallen finden würde. Es war offensichtlich, daß alle Haribaba liebten und alles zu seiner Zufriedenheit tun würden, damit er bei ihnen bliebe. Er war in jeder Hinsicht das Leben und die Seele von Bhirauti und Baandh. Haribaba spielte in den folgenden Jahren eine sehr zentrale Rolle für die Gestaltung der Feste in Ma‘s Ashrams. Er wurde ein häufiger Besucher. Alle Empfänge, die Ausstattung der Satsang-Säle, die Vorträge über die heiligen Schriften usw. wurden auf den Standard angehoben, den er selbst in Bhirauti gesetzt hatte. Da er Saalschmuck aus Papier mochte, ließ Ma die jungen Leute im Ashram immer wenn er kam, Transparente, Papiergirlanden, bunte Fähnchen und dergleichen aufhängen. Das schuf eine sehr fröhliche Feststimmung. Sadhus wurden am Bahnhof von Kirtangruppen empfangen. Wenn Haribaba im Ashram war, richtete sich der Tagesrhythmus nach ihm.
      Nach der Rückkehr aus Baandh und Bhirauti fuhr Ma nach Vindhyachala. Auf diesem einsamen Hügel fanden manche Festlichkeiten statt. Es war immer wieder überraschend, wie viele Leute in diesem abgelegenen Platz einquartiert und beköstigt werden konnten, aber bei Ma war alles möglich.
      Die jungen Mädchen aus dem Kanya-peeth, das jetzt dauerhaft im Varanasi-Ashram untergebracht war, waren wegen der guten Luft in Vindhyachala. Ma machte Spaziergänge mit ihnen und beteiligte sich an manchen ihrer Spiele. Einmal fuhr sie kurz nach Varanasi und besuchte ein von Karpatriji Maharaj ausgeführtes Yajña. Vindhya-chala blieb jedoch Schauplatz vieler Aktivitäten über die Weihnachtsferien. Gopal Thakur kam aus Allahabad und zelebrierte eine festliche Puja der Gita. Swami Prem-ananda blieb eine Weile und richtete ein Yajña aus. Auch Brahmachariji aus Jhunsi besuchte Ma in dieser Zeit. Auf Kanhaiyalals Einladung fuhr Ma für einen Tag nach Allahabad zum Krishna Kunja.
      Zu Anfang des Jahres 1945 zog Ma sich in Schweigen zurück. Didi verstand ihr Kheyala, nach Vrindavan zu fahren, daher wurde das Lager in Vindhyachal vorerst abgebrochen. In Vrindavan traf sie Haribaba und Udiababa wieder. Ma‘s Maunam unterschied sich von früheren Phasen absoluten Schweigens. Diesmal sprach sie ein oder zweimal für ein paar Minuten.
      Bald verließ sie Vrindavan, um nach Gujarat zu reisen. Sie hielt sich einige Zeit in Ahmedabad auf. Zur allgemeinen Freude sagte sie ein paar Worte auf Gujarati. Jemand fragte sie: »Ma, warum hast du geschwiegen?« »War ich in mauna?« antwortete Ma. »Mauna (Schweigen) bedeutet, sein Gemüt ganz auf Gott auszurichten. In diesem Fall kann aber von Gemüt keine Rede sein - deshalb bin ich in mauna, auch wenn ich spreche.«
      Nach einigen Wochen wurde deutlich, daß ihr Schweigen einem Rhythmus unterlag: sie sprach Donnerstags und Freitags; vom frühen Freitagabend ab wahrte sie wieder Schweigen. Dabei blieb sie viele Monate.

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Von Ahmedabad aus besuchte Ma viele andere Orte, wofür ihr Schweigen kein Hindernis darstellte. Die Devotees versammelten sich, um lange still bei ihr zu sitzen und sie einfach anzuschauen. Ma‘s heitere Klarheit ließ bei ihnen keine Unruhe aufkommen. Die Devotees bewunderten Didis Fähigkeit, auch unter so seltsamen Umständen Ma‘s Kheyala zu verstehen, denn wenn Ma schwieg, deutete sie ihre Wünsche auch nicht durch Gesten an. Didi sagte, das sei nicht ihr Verdienst. Ma könne sich durch einen bloßen Blick verständlich machen. Didi führte viele komplizierte Aufträge aus, die Ausdruck von Ma‘s Kheyala waren. Sie reisten nach Bombay, blieben dort nur wenige Stunden und fuhren dann nach Delhi. Am nächsten Tag reiste Ma für einige Stunden nach Agra. Zurück in Delhi, brach sie am nächsten Tag wiederum nach Allahabad auf. Auch hier blieb Ma nur einen Tag. Sie fuhr nach Varanasi weiter und von dort nach Vindhyachala. Mehr als ein Monat war vergangen, seit sie am 12. Januar 1945 von dort abgereist war. Einige der neuen Devotees in Gujarat fragten Didi, warum Ma fortwährend so ziellos umherreise. Didi antwortete, sie habe oft sehr gute Gründe für Ma‘s scheinbar ziellose, blitzartige Reisen entdeckt, aber sie konnte natürlich Ma‘s Kheyala für die endlosen Fahrten, die ihre Lebensweise zu sein schienen, nicht ganz erklären.
      Seit dem Sadhu-Sammelan in Jhunsi war Ma fast ständig in Gesellschaft von Mahatmas. Entweder diese kamen zu ihr, oder sie war eingeladen, die von ihnen veranstalteten Feiern durch ihren Besuch zu segnen. Sie hatten erkannt, daß Ma keine gewöhnliche Frau war. Schon damals in Dacca waren nach einiger Zeit auch die Männer in Shahbagh zugelassen worden, obwohl Ma zu der Zeit eine schöne junge Frau war, was Bhaiji als ›eine wirksame Verkleidung‹ bezeichnet hatte.
      Hari Baba begleitete Ma Anfang 1946 mit seinem gewaltigen Gefolge von Dorfleuten auf eine Pilgerreise durch Bengalen. Er wollte alle heiligen Stätten besuchen, die mit Gauranga Mahaprabhu verbunden waren. Diese Tour einer so großen Gruppe stellte höchste Ansprüche an die Mittel und die Improvisationsgabe ihrer Organisatoren. Die Hindi sprechenden Dorfbewohner hatten große Bedenken, nach Bengalen zu fahren, worunter sie sich das finstere Land der Schwarzmagie praktizierenden Kali-Verehrer vorstellten! Auch war für viele die Sprachbarriere unüberwindlich, und schließlich ängstigte manche die ungewohnte Küche.
      Sobald Ma mit dieser buntscheckigen Menge in Bahrampur ankam, wurde die Stadt von einer Welle der Fröhlichkeit erfasst. Die Bengalis meisterten die Herausforderung, Haribabas Devotees zu deren voller Zufriedenheit als Gäste aufzunehmen. Es kam zu einem harmonischen Austausch der Kulturen. Die Besucher sahen meisterhaft inszenierte Yatras [Schauspiele] über das Leben von Gauranga Mahaprabhu. Premraj war hocherfreut und erlernte die komplizierten Melodien vieler bengalischer Kirtans. Er nahm Szenen aus den Yatras in sein Repertoire auf. Die Bengalis sahen ihrerseits die Rasa-Lila von Vrindavan und hörten das kraftvoll rezitierte Hanuman-Chalisa [40 Verse über Hanuman].
      Haribaba fuhr weiter nach Calcutta und nach Dacca, um den Ramna-Ashram zu besuchen. Dies war übrigens Ma‘s letzter Aufenthalt in der Stadt, wo ihre Devotees in einem Zustand totaler Ungewissheit lebten. Solange Ma bei ihnen war, vergaßen sie ihre Probleme und scharten sich wie gewohnt um sie. Tag und Nacht gingen ineinander über. Ma wurde nicht müde, mit ihnen zu sprechen. Zweifellos erhielten sie alle Rat und Anweisungen für ihre Zukunft, denn bald nach Ma‘s Besuch zogen die meisten von ihnen aus Dacca fort.
      Haribaba stieß im Sommer 1946 in Solan wieder zu Ma. Auch hier trat die in ihrem Umkreis so typische Vermischung von Kulturen ein. Raja Durga Singh war der Herrscher des unabhängigen Staates Bhagat. Seine Hingabe an Ma wirkte sich positiv auf seine Familie wie auf sein ganzes Volk aus.
      Die Ankunft der Mahatmas spielte eine bedeutende Rolle im Leben der Devotees. Ma‘s spontane Reisen wurden seltener. Ihre Programme wurden nun von langer Hand geplant. Haribaba blieb mehrere Monate in Solan. Satsang wurde zu einem Teil der täglichen Routine. Er begann den Satsang meist mit einer Lesung aus den Schriften. Damals las Haribaba in Didis Tagebüchern über Ma‘s frühe Tage in Dacca. Auf die eindringlichen Fragen über ihre Person sprach Ma ausführlich über ihr Sadhana in Bajitpur und andere Themen. Solche Satsangs fanden immer statt, wenn Mahatmas Ma besuchten. Die Asramverwaltung gewöhnte sich daran, für solche gigantischen Besuche gerüstet zu sein.

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