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Samadhi Yoga

Kapitel 12a: Samadhi

Teil I

Samadhi ist Vereinigung mit Gott. Es ist eine übersinnliche Erfahrung. Es ist adhyatmischer Anubhava (Verwirklichung der Einheit). Es gibt zwei Arten, Jada Samadhi (unbewusste Vertiefung) und Chaitanya Samadhi (bewusste Vertiefung).

Durch die Praxis von Khechari Mudra330 ist es einem Hatha Yogi möglich, sich in eine Holzkiste einzuschließen, die dann monatelang in der Erde vergraben wird. Dieser Zustand ist Jada Samadhi, es besteht darin kein höheres übersinnliches Wissen. Es ist eher ein tiefer Schlaf. Es ist zweifelsohne eine schwierige Yoga Kriya, doch sie verleiht kein Atma Jnana (Wissen um das Selbst). Sie kann die Samskaras und Vasanas nicht zerstören. Hatha Yogis diesen Schlages werden schließlich zu kommerziellen Menschen und entwickeln sich auf dem spirituellen Pfad überhaupt nicht weiter. Sie laufen einem Ruf, Berühmtheit und Geld hinterher und erleben so einen hoffnungslosen Absturz der Spiritualität. Im Chaitanya Samadhi herrscht vollkommenes Bewusstsein, Weisheit.

Der Samadhi Zustand liegt jenseits dessen, was man mit Worten beschreiben kann. Es gibt auch kein anderes Mittel, ihm Ausdruck zu verleihen. Er liegt fern von dem, was der Geist oder die Sprache erfassen können. Selbst im Raum der weltlichen Erfahrungen kannst du jemandem, der noch nie einen Apfel gegessen hat, den Geschmack nicht beschreiben. Genau so wenig kannst du einem Blinden Farbe erklären. Der Samadhi Zustand ist reine Wonne, Freude und Frieden. Man muss es selbst spüren.

In Samadhi verliert der Meditierende seine Individualität und wird mit dem Höchsten Selbst identisch. Er wird zu einer Verkörperung von Wonne, Frieden und Wissen. Nur so viel kann gesagt werden. Du kannst es selbst erleben, wenn du regelmäßig meditierst.

Nirvikalpa ist der Zustand des höchsten Bewusstseins (Gottlichkeit). Es gibt kein Vikalpa (Vorstellung) irgendwelcher Art in diesem Zustand. Das ist das Ziel des Lebens. Jetzt hören alle geistigen Aktivitäten auf. Die Funktionen des Intellekts und der zehn Indriyas werden völlig eingestellt. Der Suchende weilt nun im Atman. Es gibt keinen Unterschied zwischen Subjekt und Objekt mehr. Die Welt und ihre Gegensatzpaare lösen sich vollständig auf. Es ist ein Zustand jenseits aller Relativität. Es ist kein Zustand von Bewegungslosigkeit. Es ist ein Ort vollkommenen Bewusstseins. Der Suchende erlangt das Wissen vom Selbst, höchsten Frieden und unendliche, unbeschreibliche Wonne. Die Dreiheit: Erkennendem, Vorgang des Wissens und zu Erkennendem verschwindet. Der Mensch ist jetzt Brahman. Es gibt kein Jiva-Sein mehr. Das wird auch der Yogarudha-Zustand genannt.

Versuche den schlaflosen Schlaf zu erleben, wo alle Sinne und der Geist in einem Zustand der Stille verweilen und der Intellekt aufhört, zu arbeiten. Dieser schlaflose Schlaf ist Mahanidra, ein überbewusster Zustand. Er ist vollkommenes Bewusstsein, bei dem die individuelle Seele in der höchsten Seele aufgegangen ist. Aus diesem Schlaf gibt es kein Erwachen. Das Schauspiel der Namen und Formen löst sich schließlich auf.

In Samadhi, dem überbewussten Zustand, vereinigt sich der Yoga Übende mit Gott. Die Sinne, der Geist und der Intellekt hören auf zu arbeiten. Wie ein Fluss zum Ozean wird, so vermischt sich auch die individuelle Seele mit der höchsten Seele. Alle Begrenzungen und Unterschiede verschwinden. Der Yogi erlangt höchstes Wissen und ewige Wonne. Dieser Zustand ist fern jeglicher Beschreibung. Du musst ihn selbst verwirklichen.

Teil II.

Bringe die Wellen des Geistes zur Ruhe und halte ihn in Nirvikalpa Samadhifest. Das bedarf kontinuierlicher und fortdauernder Meditation. Zu Beginn mag die Meditation noch von Unterbrechungen gezeichnet sein, doch Übung kann dich zum Meister machen. Später kannst du völlig versunken in der Meditation verweilen. Du kannst in Samadhi hineinschmelzen, weil dein Geist still wie eine Flamme ist, die vom Wind geschützt ist. Bevor du durchschlagenden Erfolg beim Meditieren haben kannst, erlange zuerst die Beherrschung über die Asanas, die Körperhaltungen. Sitze aufrecht und fest wie ein Fels für zwei oder drei Stunden. Wenn der Körper fest ist, ist es auch der Geist.

Verwechsle ein bisschen Konzentration oder Fixierung auf einen Punkt nicht mit Samadhi. Nur weil du durch ein wenig Konzentration ein bisschen über das Körperbewusstsein hinausgegangen bist, darfst du nicht glauben, Samadhi erreicht zu haben.

Trenne den Geist vom Körper und verbinde dich mit dem Höchsten Selbst. Das ist Samadhi, der überbewusste Zustand. Das bringt Befreiung oder Freiheit von Tod und Wiedergeburt. Samadhi erlangt man durch langes, eifriges und enthusiastisches Üben.

Samadhi ist das höchste Ziel, das man durch Meditation erreichen kann. Man kann es nicht durch einfach mal ein bisschen Üben erreichen. Um Samadhi zu erreichen sollte man streng Brahmacharya sowie Ernährungseinschränkungen einhalten, und man braucht ein reines Herz. Wenn man dies nicht hat gibt es keine Möglichkeit, um diesen Zustand zu erreichen. Diese Grundvoraussetzungen müssen gut erfasst werden. Erst dann kann man versuchen, das Tor zu Samadhi zu durchschreiten.  Samadhi kann niemand betreten, der kein großer Verehrer Gottes ist. Sonst wird der sogenannte Samadhi ihm zu Jada (Starrheit des Körpers).

Wenn die Vasanas und das Anhaften an weltlichen Dingen sich gänzlich auflösen und wenn man sich in diesem unverrückbaren Zustand befindet, dann ist man zum Jivanmukta (in diesem Körper befreiten) geworden. Man weilt im eigenen Selbst. Man sitzt auf dem höchsten Thron der Nondualität. Jnana (Wissen) steigt in dir auf. Das Licht der Weisheit wird unverhüllt wie die Sonne scheinen, wenn keine Wolken am Himmel sind. Du wirst nie mehr von irgendeinem weltlichen Objekt angezogen werden. Du wirst absolut frei sein von Illusion und Schmerz. Du wirst wahrhaftig spüren, dass allein das Selbst überall diese Welt durchdringt. Du wirst in brahmischem Glanz erstrahlen. Du wirst die Dinge sehen wie sie sind und dein Geist wird ausgeglichen sein. Du wirst frei sein von Sehnsucht nach sinnlichen Dingen, da der Geist immerfort von göttlicher Wonne gekühlt wird. Du wirst in dem kühlen Ambrosia-Nektar baden, der aus einem Geist tropft, der zufrieden und still ist.

Shikhidvaja war zwei Ghatikas332 lang (achtundvierzig Minuten) in diesem Brahmischen Zustand aufgegangen. Er war im Nirvikalpa Samadhi so unbeweglich wie eine Säule. Seine Gemahlin, Königin Chudalai, als sein Guru in Form von Kumbha Muni, brüllte wie ein Löwe, doch das konnte ihn nicht aus seinem Samadhi erwecken. Obwohl sie ihn hochhob und fallen ließ, berührte ihn das nicht im Geringsten.

Wenn man in tiefe Meditation eintaucht, kann der Pulsschlag auf 30 absinken. Ein Zuschauer mag keine Atembewegung mehr wahrnehmen. Der Atem kommt eventuell gar nicht mehr aus den Nasenlöchern. Im Jada Samadhi der Hatha Yogis bleibt der Atem gänzlich stehen. In den Anfangsstadien des Chaitanya Samadhi funktionieren die Lungen und das Herz sehr, sehr langsam.

Fortgeschrittene Schüler sollten alle Handlungen einstellen, sogar das Studium religiöser Bücher, wenn sie schnell in Samadhi eintreten wollen. Sie sollten Mouna (Stille) einhalten und an einem einsamen Ort an den Ufern des Ganges, des Yamuna oder Narmada oder eines anderen Flusses verweilen. Sie sollten sich nur von ein wenig Milch oder von Milch und Früchten ernähren. Sie sollten ernsthaft in Sadhana eintauchen. Schlafen sollten sie nur noch zwei oder drei Stunden. Mit dieser Praktis sollten sie zum Winteranfang, im November, beginnen. Beim Meditieren tankt man wirkliche Erholung. Diese Erholung ist viel intensiver als die, die der Schlaf schenkt. Für einen Menschen, der regelmäßig meditiert wird eine halbe bis eine Stunde tiefer Schlaf ausreichen.

Teil III.

Ein Raja Yogi kann alle Siddhis ohne Samyama (Konzentrationsübung) allein durch Prathiba erlangen (durch spontane Erleuchtung aufgrund der Reinheit). Prasankhyanam ist die höchste Erleuchtung, sie kommt durch Viveka Khyati, die vollkommene Unterscheidung zwischen Purusha (höchste Seele) und Prakriti (Urnatur).

Siddhis bilden tatsächlich Hindernisse für Weisheit bzw. für das Erlangen von Selbstverwirklichung. Sie lenken den Schüler ab oder versperren seinen Weg zum Ziel. Sie bewirken kein vollkommenes Nicht-verhaftetsein. Das ist der Grund dafür, warum Patanjali Rishi, der Autor des Raja Yoga wieder und wieder betont, dass ein Yoga Schüler den Wunsch nach Siddhis ausmerzen soll. Wenn er den Siddhis nachläuft, wird er sich in einem großen Irrgarten verlaufen und es wird fast unmöglich sein, dass er da wieder hinausfindet. Er wird die Kräfte missbrauchen und hoffnungslos zu Fall kommen.

Der Geist sollte vollkommen gereinigt werden. Erst dann wird das Gefäß, das System, bereit sein, das herabkommende göttliche Licht zu empfangen. Er muss ausreichend gestärkt sein, um den Druck auszuhalten, den das plötzliche Sich-Ausdehnen des Bewusstseins erzeugt, die kosmische Vision, die über den Geist hinausgeht und aus seiner neuen erhobenen, großartigen Erfahrung die gesamte Existenz in einem Blick erfasst. Warte darum geduldig, sollte das Göttliche Licht sich etwas Zeit lassen, bis es herabkommt. Entwickle dich weiter in Reinheit und Kraft.

Das Wissen, das man durch die Sinne in dieser relativen Welt erlangt ist nicht das höchste Wissen. Es kann dir keine beständige Zufriedenheit bescheren, kein dauerhaftes Glück und keinen Frieden. Es ist begrenztes Wissen. Es wird in dir immer ein Gefühl der Leere geben, trotz all deiner intellektuellen Errungenschaften. Dein Geist hat den Drang, transzendentes Wissen zu erlangen, das Wissen um das Ewige, durch das alles in Erfahrung tritt.

     yasmin vijñāte sarvam evaṃ vijñātaṃ bhavati

"Dieses göttliche Wissen ist jenseits dessen, was Geist und Sinne erfassen können".[Mundaka-Upanishad 1.1.3]

Die Sinne und der Geist können nicht bis ins Herz der höchsten Wahrheit, des Unendlichen, vordringen.  Sie sind begrenzte Instrumente. Der Intellekt und der Geist haben ihre eigenen Grenzen. Sie können nur auf der Erdebene funktionieren. Durch intuitive Einsicht erlangst du das transzendente Wissen des Absoluten in Samadhi. Nur durch Samadhi kannst du das Unbekannte erkennen, das Ungesehene sehen und Zutritt zum Unzugänglichen erlangen.

Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi (der überbewusste Zustand) sind die inneren Glieder des Asthanga Yoga338 von Patanjali. Sie bilden das Antaranga Sadhana. Sie vervollständigen die psychische und physische Disziplin.

Dharana, Dhyana und Samadhi, bilden Samyama. Man übt sie einzeln. Sie sind Stufen des geistigen Bemühens, sich zu konzentrieren. Die Meditation folgt der Konzentration und Samadhi folgt der Meditation.

In Samadhi wird der Geist eins mit dem Gegenstand, auf den er sich konzentriert. Der Meditierende und das Meditierte, der Denker und der Gedanke, das Subjekt und das Objekt werden eins. Bei der Konzentration ist der Geist einzig und allein auf den Gegenstand geheftet. Beim Meditieren ist der Geist von einer einzigen Idee eines Gegenstandes erfüllt. Alle anderen Gedanken werden ausgeblendet.

In Samadhi ist der Geist zur Ruhe gekommen, das Chitta (Denkorgan, Gemüt) still und die Gedanken sind unter Kontrolle. Alle aufstrebenden sprudelnden Emotionen sind gebändigt. Der Yogi geht in eine transzendente Ruhe ein, in einen gewaltigen Ozean der Stille, und erlangt das transzendente Wissen Brahmans, des Ewigen.

Samadhi ist Ekstase, wonnevolles Einswerden. Der Geist verschmilzt mit dem Ewigen, dem Atman, wie Salz sich in Wasser auflöst oder Kampfer im Feuer. Es ist ein Zustand reinen Bewusstseins. māṇaso vṛttisaṅyasya brahmakāra tava sthiti („Wenn der Geist eines Menschen durch Konzentration und Meditation frei von Gedankenwellen wird, wird er Brahman“).

Samadhi ist ein Mittel, sich von Tod und Wiedergeburt zu befreien. Er führt zur direkten intuitiven Erkenntnis der Wahrheit und des Unendlichen. Er macht allen Sorgen des Lebens und den Gründen für Wiedergeburt ein Ende. Er löscht die Eindrücke, die Samskaras, die neue Geburten entstehen lassen. Er hilft einem sogar, Prarabdha (das in diesem Leben wirksam gewordene Karma) auszu- gleichen, selbst wenn noch nicht alle Früchte vergangenen Karmas zu Ende sind.


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