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71. Unpersönlich werden

Wir mögen die Welt in Begriffen von Bergen, Meeren, Menschen und Pflanzen – so vielen Dingen beschreiben. Aber wenn die Schriften und Lehrer diese Welt beschreiben, tun sie es in Begriffen der Gegensatzpaare und der 3 Gunas (Eigenschaften der Natur). Sie sprechen auf unpersönliche Art und Weise darüber. Sie sagen uns, dass alles innen und außen nichts anderes ist als die 3 Gunas und dass alles, was wir sehen, sein Gegenteil hat.

Das ist nicht die übliche Art, wie wir uns oder die Welt beurteilen. Wir sehen nicht diese unpersönliche Mischung aller Dinge. Wir nehmen alles persönlich. In unseren Augen sind die Dinge normalerweise weiß oder schwarz, gut oder schlecht. Das heißt, dass wir alles nach unseren Vorlieben und Abneigungen beurteilen – selbstverständlich einschließlich uns selbst. Das bedeutet auch, dass wir, wenn wir ins spirituelle Leben eintreten, nicht klar erkennen, dass wir beides haben – Vorzüge und Nachteile – denn wir sehen uns nicht unpersönlich.

Wenn wir keine spirituellen Vorzüge hätten, wären wir nicht hier, wie Swamiji uns häufig hinweist. Aber wenn wir keine Nachteile hätten, wären wir schon verwirklicht. Deshalb ist es ganz klar unsere Aufgabe, dies zu erkennen, auf unseren Vorzügen aufzubauen und allmählich zu versuchen, unsere Nachteile zu verringern. Das erfordert engagiertes Bemühen. Normalerweise meinen wir, diese Bemühung sei einfach zu viel für uns. Deshalb finden wir eine angenehme Stufe, wo uns nichts zu sehr stört.

Aber das ist nicht der Sinn des spirituellen Lebens. Das spirituelle Leben soll umwandeln. Umwandlung und Veränderung sind von Natur aus störend, ob es uns gefällt oder nicht. Wie können wir es vermeiden, in einem bequemen Stadium stecken zu bleiben und genügend starke Nerven zu haben, die es ertragen, gestört zu werden? Vielleicht ist die Antwort ganz einfach – nicht unbedingt leicht, aber einfach. Es gelingt uns nicht, das unpersönliche Spiel der 3 Gunas zu erkennen. Es gelingt uns nicht, die Gegensatzpaare zu erkennen. Wir nehmen alles zu persönlich. Wir machen uns nicht die Unpersönlichkeit Gottes zu eigen, die Unpersönlichkeit des Atman (höheres Selbst), unserer wahren Natur.

Wenn wir bewusst üben, das Leben aus der Perspektive unserer wahren Natur zu sehen, können wir die Gegensatzpaare erkennen, das Spiel der 3 Gunas sehen. Wie Krishna uns sagt, macht es dann keinen Unterschied, welche Guna gegenwärtig ist. Wenn es keinen Unterschied macht, welche Guna gegenwärtig ist, dann sind wir objektiv. Die Veränderung stört uns nicht. Wir suchen weniger eine angenehme Stufe. Also mit Swamijis Worten, wir müssen üben, über die Gegensatzpaare hinauszugehen, jenseits der 3 Gunas unpersönlich zu werden. Aus dieser Perspektive können die nötigen Veränderungen und Wandlungen auf natürliche Weise geschehen und wir werden uns stetig auf das Ziel zu bewegen.

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72. Die Wichtigkeit des Willens

Die Worte „Diene, Liebe, Meditiere, Verwirkliche“ im Wappen der Divine Life Society repräsentieren die 4 hauptsächlichen Yogawege. Aber sie erschöpfen die Liste der wichtigen Yogawege sicherlich nicht. Yoga ist jede spirituelle Praxis, die uns näher zu Gott bringt, die uns mit dem Göttlichen verbindet. Aber wenn wir sie analysieren, entdecken wir, dass sich eigentlich alle Yogawege auf einen „Yoga des Herzens“ oder „des Kopfes“ reduzieren.

Grundsätzlich sind wir Gefühle und Gedanken. Unsere Yogawege neigen dazu, der einen oder anderen Linie zu folgen – oder vielleicht einer Kombination von beiden. Aber es kann sein, dass wir eine Einsicht nach der anderen haben, viel über Gott erkennen oder wir werden sehr gottergeben und unsere Herzen mögen sich nach Ihm sehnen, aber irgendwie drückt sich dieses Wissen oder diese Hingabe nicht in unserem alltäglichen Leben aus. Es überträgt sich auch nicht in unser äußeres Leben, wo unsere alten Eigenheiten und unsere Selbstsucht offensichtlich sind, noch macht es sich in unserem inneren Leben bemerkbar, wo wir vielleicht immer noch voller Wünsche und Ängste sind.

Wie ist das möglich? Wie kann es sein, dass wir verstehen können, dass alles göttlich ist und ich selbst Das bin. Wie können wir Hingabe für Gott haben und doch im Alltag derselbe Mensch wie immer sein? Vielleicht ist es deshalb, weil wir den dritten Hauptfaktor, der uns als menschliche Wesen ausmacht, nicht erkannt haben. Als menschliche Wesen sind wir nicht nur Denken und Fühlen sondern auch Wille. Der große deutsche Philosoph Immanuel Kant zeigte auf, dass der Wille übergeordnet ist.

Ein moderner spiritueller Lehrer sagt: „Es kümmert mich nicht, was du denkst oder fühlst. Es kümmert mich, was du tust.“ Eine Möglichkeit, diese Aussage zu deuten, ist: „Mich kümmert es nicht, ob du verwirrt bist oder dich elend fühlst, was zählt, ist, was du tust.“ Aber man kann es auch anders betrachten: „Es ist mir egal, wie erhaben deine Gedanken in der Meditation und wenn du an Gott denkst, sein mögen – es ist mir egal, wie fein deine Gefühle in der Meditation oder in der Praxis der Hingabe sein mögen – mich interessiert, was du in deinem alltäglichen Leben tust. Wie gehst du mit deinen Wünschen um? Wie mit deinen Ängsten? Wie gehst du mit deiner natürlichen Selbstsucht um?“ Hier kommt der Wille ins Spiel.

Wir sollen unsere erhabenen Gedanken und Gefühle ins tägliche Leben übertragen. Wenn er über Heilige sprach, sagte Swamiji, dass, wie wenig sie auch wussten, sie es im Alltag ausgedrückt haben. Mit anderen Worten, was zählt, sind ihre Taten. Wir können unser ganzes Leben damit verbringen, mehr und mehr über Gott zu lernen, das Ego zu erforschen, wir können unser ganzes Leben lang den Namen Gottes wiederholen und Ihm ganz hin gegeben sein, aber wenn wir das nicht ins alltägliche Leben übertragen, werden wir uns gar nicht ändern.

Wir werden Gott tatsächlich nicht näher sein. Also, wie gering unser Wissen auch sein mag, wir müssen es im Alltag anwenden. Wenn es nur Gott gibt, wenn wir uns Ihm wirklich ergeben haben, warum haben wir Ihm dann nicht unsere Ängste und Wünsche übergeben? Warum lassen wir sie nicht in Seinen Händen? Warum übergeben wir nicht alles Gott, legen Ihm unser Ego zu Füßen und sind erleichtert? Das ist es, was Gurudev von uns will. Aber um das zu erreichen, müssen wir nicht nur unser Herz und unseren Kopf einsetzen sondern auch unseren Willen.

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73. Ein verstehenes Herz

Eines Tages als Swamiji mit einem seiner Schüler sprach, sagte er: „Ich habe einen Intellekt, aber ich ziehe es vor, vom Herzen her zu handeln.“ Swamiji spricht selten von sich oder beschreibt sich in irgend - einer Weise. Wenn er es tut, muss es für einen bestimmten Zweck sein – normalerweise zum Nutzen des Schülers. Deshalb sind seine Bemerkungen es wert, darüber zu meditieren. Was versuchte er also dem Schüler zu zeigen?

In welche Richtung versuchte er, den Schüler zu führen? Meinte er, dass er lieber wie ein fühlendes Wesen handeln solle statt wie ein denkendes Wesen? Das würde ihn nicht von dir oder mir unterscheiden. Normalerweise reagieren wir auf die Welt vom Kopf oder vom Herzen her, von unseren Gedanken oder unseren Gefühlen. Eher weist Swamiji uns auf die erste Bitte im Universellen Gebet von Gurudev hin. Nachdem er im ersten Teil seines Universellen Gebetes unseren Geist zum Mitgefühl, zur Schönheit und Großartigkeit Gottes erhoben hat, kommt Gurudev zu unseren Bedürfnissen zurück.

Und das erste und wichtigste ist die Bitte: „Gib uns ein verstehendes Herz.“ Alles andere, worum er danach bittet, wie Ausgeglichenheit, einen ausgewogenen Geist, Glaube, Hingabe und Weisheit – ist abhängig und abgeleitet von einem verstehenden Herzen. Aber was ist dieses verstehende Herz, welches eine solche Schlüsselfunktion hat und von welchem aus Swamiji und die anderen Großen zu wirken scheinen? Ist es eine Kombination von Denken und Fühlen? Oder ist es etwas darüber hinaus, etwas, das über unser Denken und Fühlen hinausgeht?

Eines Morgens als Swamiji zu uns sprach, sagte er: „Ich möchte klar machen, dass, wenn ich morgens hier zu euch spreche, ich nicht zu irgendeinem Individuum spreche. Es ist das Unpersönliche, welches zum Unpersönlichen spricht.“ Mit anderen Worten, er will nicht, dass wir mit unseren Gedanken oder Gefühlen zuhören. Sondern er will, dass wir mit einem verstehenden Herzen zuhören. Denn er sagte: „Wenn ihr als Person zuhört, werdet ihr auch aus persönlicher oder psychologischer Sicht auf das, was ich sage, reagieren. Aber wenn ihr mich unpersönlich hört, dann werdet ihr auf die Botschaft, welche ich Euch gebe, ansprechen.“

Mit anderen Worten, wir sollten auf unpersönliche Weise und mit einem verstehenden Herzen zuhören, so dass die Botschaft wirklich herein kommt und wir sie in der Art aufnehmen, wie wir sollen. Und wenn wir es genau betrachten, werden wir feststellen, dass all unsere spirituellen Übungen dazu da sind, dieses verstehende Herz zu pflegen, indem wir unseren Geist von uns und unseren kleinlichen Problemen weg und zu Gott hin richten.

Das spirituelle Leben ist eine Angelegenheit des Darüber-Hinaus-Gehens, des Transzendierens. Wir sind in unseren engstirnigen Anliegen bezüglich dieses Körpers und Geistes eingeschlossen. Unsere Erlösung, der Zweck unseres spirituellen Lebens ist es, uns von einem Leben, in dem wir alles persönlich nehmen und jede Erfahrung personalisieren, zu einer breiteren, unpersönlichen Sichtweise zu führen – wo wir die Dinge aus Swamijis Sicht, aus Gurudevs Sicht, von Gottes Standpunkt aus betrachten können. Der letztendliche Zweck ist es, uns vom Reagieren auf das Leben zu einem Eingehen auf das Leben zu führen. Der Schlüssel dazu ist ein verstehendes Herz.

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74. Das Nichtwollen

Krishna hat das Tor zur Hölle als Begierde, Ärger und Gier umschrieben. Das legt nahe, dass der Pfad zum Himmel oder zumindest der Weg aus der Hölle heraus im Ausüben des jeweiligen Gegenteils zu finden ist. Begierde ist viel mehr, als gemeinhin angenommen wird. Wir können begierig sein nach Macht, wir können begierig sein nach Essen, nach allem möglichen. Begierde meint einen äußerst starken Wunsch: Ich will und ich will es jetzt.

Das Gegenteil von Begierde ist also Wunschlosigkeit, nicht wollen - nehmen, was kommt und wann es kommt. Wenn wir Wunschlosigkeit üben, werden wir beobachten, dass es weit weniger Ärger in uns gibt. Denn Ärger entsteht normalerweise, wenn wir nicht bekommen können, was wir wollen. Je mehr wir etwas wollen, umso gieriger sind wir darauf versessen, umso wütender werden wir, wenn unsere Gier nicht befriedigt wird.

Deshalb leitet uns die Übung der Wunschlosigkeit und der Genügsamkeit aus der Hölle heraus. Gier bedeutet schließlich auch, alles für uns selbst haben zu wollen, festzuhalten, was immer wir kriegen, soviel zu haben wie möglich, auch wenn wir es gar nicht brauchen. Die Übung, die uns da hilft, ist Großzügigkeit, eine Einstellung des Loslassens. Der Weg aus der Hölle und der Pfad zum Himmel ist also Wunschlosigkeit, Genügsamkeit und Loslassen.

Dies bezieht sich natürlich auf die physische Ebene unseres Lebens, das äußere Leben. Aber es bezieht sich auch auf unser Innen - leben, unser spirituelles Leben. Der Weg, der uns vom Himmel, von der Harmonie trennt und uns in die innere Hölle führt, ist, begierig nach spirituellen Erfahrungen, spirituellen Höhen und spirituellen Gefühlen zu sein - um dann enttäuscht, wütend oder mutlos zu sein, wenn wir sie nicht haben. Der Weg aus dieser inneren Hölle, dieser inneren Unzufriedenheit, ist ähnlich wie im äußeren Leben - nämlich das Gegenteil zu üben.

Nichts zu wollen. Zufrieden zu sein mit dem, was Gott uns gibt. Und wenn Er uns eine Erfahrung gibt, sie loszulassen, an nichts festzuhalten, alles durch die Finger rieseln zu lassen. Wenn wir nichts wollen, genügsam sind und nichts festhalten, dann wird unser inneres Leben ein Leben des Friedens und der Freiheit. Wir können im Bewusstsein des Daseins ruhen, in der bewussten Gegenwart, im Ich-Bin.

Gurudev fordert uns auf, zu fragen: „Wer bin Ich?“ Letztlich sind wir jenseits all dessen, was der Geist kennen kann, aber Nisargadatta Maharaj sagte uns, dass die bewusste Gegenwart oder das einfache Empfinden des „Ich-Bin“ das Tor zu dem ist, was der Geist nicht kennen kann, unser letztes Ziel. Deshalb kann die Übung von innerer Wunschlosigkeit, nichts zu wollen, genügsam zu sein und an nichts festzuhalten, uns in die bewusste Gegenwart und zum letzten Ziel führen.

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75. Sich von der Sklaverei des Geistes befreien

Swamiji sagte, spirituelle Sucher beginnen am Anfang mit unterschiedlichen Praktiken, aber schließlich führen alle zum meditativen Prozess. Was ist der Zweck des meditativen Prozesses? Gurudev sagte: „Du bist nicht der Körper, du bist nicht der Geist. Unsterbliches Selbst bist du.“ Der Zweck des meditativen Prozesses ist, uns zu erforschen und uns selbst jenseits unseres Geistes zu erfahren. Muss also der Verstand verschwinden? Oder bedeutet es, dass die Gedanken langsamer oder unsere Gefühle ruhig werden müssen?

Nicht unbedingt. Was wir versuchen, ist, uns jenseits des Geistes zu erkennen. Der Geist mag ruhiger werden. Er mag verschwinden. Aber das ist nicht das Wichtige. Wir müssen erkennen, fühlen oder verwirklichen, dass wir nicht der Geist sind. Wenn wir dies erkennen, führt es uns über den Geist hinaus. Wir sind fähig, das Spiel der Gegensatzpaare und der 3 Gunas wahrzunehmen. Sobald wir das Spiel objektiv beobachten können, sind wir nicht mehr länger Gefangene des Geistes in bisheriger Weise.

Wir erfahren einen Grad der Freiheit von ihm. Von dieser günstigen Position und diesem Befreiungsgrad heraus können wir auf sehr viel objektivere Weise denken und handeln. Wir sind nicht mehr die Sklaven unserer ständig wechselnden Stimmungen und Gedanken. Durch Meditation können wir diese Sichtweise gewinnen. Aber diese Perspektive muss sich im alltäglichen Leben ausdrücken und vom Alltagsleben gestützt werden. Sich an Gott erinnern, seinen Namen wieder holen, die Schriften studieren und Satsang helfen uns dabei.

Aber gibt es eine Praxis im alltäglichen Leben, die uns helfen kann, zu integrieren, was wir in der Meditation entdeckt haben? Die uns daran erinnern kann, dass wir über unseren Geist hinaus existieren und nicht sein Sklave sein müssen? In der indischen Kultur gibt es ein bestimmtes Verständnis des Begriffes Pflicht. Die Pflicht richtig verstanden übersteigt, wie wir uns fühlen. Unsere Stimmung und die 3 Gunas werden immer da sein, ständig wechselnd, und wir können nicht ohne die Gegensätze denken.

Aber wenn wir gewissenhaft unsere Pflicht erfüllen, erheben wir uns über den Geist. Was in unserem Geist ist, spielt einfach keine Rolle, wenn unsere Pflicht an erster Stelle steht, so wie es sein soll. Deshalb kann die Erledigung unserer Pflicht – unabhängig davon wie wir uns fühlen, unabhängig wie die Umstände sind – ein sehr positiver Teil unseres spirituellen Lebens sein, denn es bedeutet, dass wir von einem Ort aus handeln, welcher über den Geist hinausgeht. Sie ergänzt den meditativen Prozess und wird ein integraler Bestandteil unseres ganzen spirituellen Lebens und unseres Zieles, von unserem Geist frei zu werden.

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