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Swami Krishnananda:

Antwort auf deine Fragen

Kapitel 69

Die sieben Stufen der Erleuchtung

Swamiji: Unmittelbar bevor Du hereingekommen bist, habe ich über die Erleuchtung nachgedacht. Die Erleuchtung ist wie der Sonnenaufgang, den ich am Morgen in mir fühle, wenn die Sonne aufgeht, doch sie springt nicht gleich an den höchsten Punkt.

Andrew: Sie geht langsam auf.

Swamiji: Es ist in der Nacht stockdunkel, so, als würde es keine Hoffnung auf Licht geben. Dies ist der Zustand der Unwissenheit.

Andrew: Ja.

Swamiji: Wenn es stockdunkel, wie schwarze Kohle ist, kann sich niemand so etwas wie die Helligkeit vorstellen. Doch, was geschieht später: Der Himmel nimmt eine leichte graue Färbung an.

Andrew: Es dämmert.

Swamiji: Der Himmel wird langsam grau. Danach wird er ein wenig pinkfarben, dann leicht milchig weiß, und dann kannst Du die Sonne in ihrer vollen Größe langsam im Osten aufgehen sehen.

Genauso verhält es sich bei der Erleuchtung. Ich habe gerade darüber nachgedacht. Am Anfang herrscht, wie bei der Idiotie, vollkommene Dunkelheit. Es gibt Menschen, die ihren Lebensunterhalt auf den Straßen mit Steine schleppen und mit Bäume fällen in den Wäldern verdienen. Woran denken diese Menschen dabei?

Andrew: Sie denken ans Überleben.

Swamiji: Überleben, - das ist alles. So weit es die Erleuchtung betrifft, herrscht vollkommene Dunkelheit.

Andrew: Das ist richtig.

Swamiji: Eines Tages kommt im Leben eines Menschen die Zeit, wo er nicht mehr länger Schlechtes, sondern nur noch Gutes tun möchte. Unter den animalischen Lebensbedingungen eines Menschen, erhebt sich nicht die Frage nach richtigen oder falschen Dingen. Doch der Tag kommt: „Nach alle dem, muß ich jetzt etwas Gutes tun“.

Viel Menschen verlassen ihr Zuhause, ihre Arbeit und legen ihre Beschäftigung nieder, um hierher in den Ashram zu kommen. „Warum bist Du hierher gekommen?“ „Ich möchte irgend etwas Gutes tun“. Dies ist die erste Stufe der Erleuchtung, so steht es in der Yoga Vasishtha, einer großen Schrift Indiens. Die erste Stufe wird im Sanskrit „Subheccha“ genannt. Subha bedeutet gut; Subheccha bedeutet der Wunsch Gutes zu tun.

Die nächste Stufe betrifft die Frage, wie man Gutes tun kann. Der Wunsch, Gutes zu tun, ist vorhanden, doch, wie soll man das anstellen? Man denkt weiter darüber nach, was gut überhaupt bedeutet. Dies ist die nächste Stufe, welche, nach dem eigentlichen Wunsch, Gutes zu tun, als „Zustand der Untersuchung“ bekannt ist. Es ist ein Nachdenken, indem man daran denkt: „Was bedeutet eigentlich gut? Wonach suche ich wirklich? Was möchte ich?“ Diese Stufe ist als Vicharana bekannt.

Die dritte Stufe wird Tanumanasi genannt und beinhaltet das Ausdünnen des Verstandes. Der Verstand, der mit Wünschen aller Art angefüllt ist, ist voller Egoismus. In der Yoga Vasishtha steht ein Vers in Sanskrit mit folgendem Wortlaut: Durch Anhäufung von Besitz, durch das Verlangen nach Vergnügen und Bindung an diesen Körper wird das Ego dick und fett. Man sagt, daß der Körper dick sein kann; doch auch das Ego kann dick sein.

Es gibt Menschen mit unbeugsamen Egos. Wenn der eigene Verstand mit der Frage anfängt: „Was ist für mich die richtige Tätigkeit?“ konzentriert er sich nur auf die eine Sache, das Richtige zu tun. Die Unzufriedenheit, die durch frühere Gedankenbewegungen hervorgerufen wurde und in verschiedene Richtungen gingen, hört durch die Konzentration auf nur eine Sache langsam auf.

Andrew: Die Unzufriedenheit versinkt.

Swamiji: Sie versinkt. Sie wird, sozusagen, dünn wie ein Faden. Der Verstand ist wie ein Film, der das Bewußtsein des Selbst bedeckt. Wenn dieser Film dick und dunkel ist, wird die Reflexion des Selbstbewußtseins vollständig verhindert. Wenn er dünn und klar wird, kann das Licht selbst, wie durch ein gereinigtes Glas, richtig reflektiert werden, was durch einen dicken Stein nicht möglich ist. Auf diese Weise ist es, unter der Bedingung des „ausgedünnten“ Verstandes, der als Zustand Tanumanasi bekannt ist, möglich, sich selbst von früheren Beschäftigungen in Verbindung mit den Sinnesorganen zu lösen. Bis zu dieser dritten Stufe, hat die Erleuchtung noch nicht begonnen. Es ist nur eine vorbereitende Stufe, - die Kindergartenstufe.

In der vierten Stufe fühlt man einen Blitz, so, als würde ein Licht angezündet. Sattva Guna, die Sattvische Qualität des Verstandes offenbart sich in der vierten Stufe selbst. Unter der Bedingung, daß diese Lichtblitze nicht am Himmel, sondern in sich selbst wahrgenommen werden, sind sie als Brahmavid gekennzeichnet - wie jemand, der Brahman erkennt. Doch befindet er sich immer noch am Portal, am Eingang zum Palast Brahman’s. Er ist noch nicht eingetreten. Die Stufe wird Sattvapatti, die Verwirklichung der höchsten Reinheit, genannt.

In der fünften Stufe verschmilzt dann das Bewußtsein der Äußerlichkeit mit dem der Universalität. Jetzt sehe ich die Welt. Ich sehe Menschen, die Raumzeit, Sonne, Mond und Sterne. Ich sehe sie, da sie sich scheinbar außerhalb von mir befinden. Angenommen, Sonne, Mond und Sterne und die ganze Menschheit sind innerhalb meines Körpers festgenagelt; dann werde ich außerhalb von mir nichts mehr sehen. Das Bewußtsein der äußeren Existenz der Dinge, die Raumzeit eingeschlossen, löst sich auf. In dieser Stufe, Asamsakti genannt, findet eine völlige Loslösung von Besonderheiten, Äußerlichkeiten, Kausalitäten usw. statt.

Dann folgt die nächst höhere Stufe als sechste Stufe, - Padarthabhavana, oder die Verhaftung an „nicht materielle“ Dinge. Die Quantenphysiker erzählen uns, daß die eigentliche Materie das Licht ist. Es ist nicht eine dumpfe, steinartige Substanz wie die Erde hier. Sie ist die innere Natur, die nach dem Licht strebt. In dieser sechsten Stufe verliert die Materie ihre Festigkeit, Härte, Äußerlichkeit, Gewicht und Ausdehnung, und überall existiert eine Flut von Lichtstrahlen, so, als wäre das ganze Universum eine einzige Sonne.

Wenn eine einzelne Sonne im Osten aufgeht, kann man die große Lichtflut sehen. Hier bei der Erleuchtung, wird der ganze Raum zur Sonne. Was mag das für ein Strahlen sein? Was mag das für eine Helligkeit sein? Dies wird manchmal, wie Patanjali es in seinen Sutras bezeichnet, Savikalpa Samadhi genannt, - ein vorletztes Stadium vor der Vereinigung mit dem Absoluten.

Im letzten Stadium, genannt Turiya, existiert nichts weiter als Strahlen. Der Zuschauer beginnt selbst zu strahlen. Der Strahlende sieht das Strahlende; die Sonne sieht die Sonne und es gibt nichts als die Sonne. Der ganze Raumzeit-Komplex, den man als Existenz und als Faktor der Ursache des Universums bezeichnet, wird nicht als ein physikalisches Licht, elektrisches Licht und selbst nicht einmal als Sonnenlicht, sondern als Licht des Bewußtseins zur Masse unbeschreiblichen Strahlens. Es existiert niemand in dieser letzten und siebenten Stufe der dort wäre, um ES zu sehen, da der Seher zur Sache, die er betrachtet, selbst geworden ist. Dies ist die Erfahrung des Absoluten.

Andrew: Dies bedeutet Auflösung.

Swamiji: Hier ist der Gipfel der Erleuchtung, und niemand weiß, was in diesem Augenblick geschieht. Die Leute stellen immer wieder die gleiche Frage: „Was geschieht nach der Erleuchtung?“ Niemand kann dort solche Frage stellen, denn niemand wird zu der Zeit existieren. Doch in den Schriften steht geschrieben, daß der Körper eines solchen Erleuchteten noch eine Zeit lang am Leben bleiben kann. Es bedeutet nicht, daß er sofort sterben wird.

Man glaubt, daß ein Mensch, der sich im Licht des Bewußtseins auflöst, nicht länger als zwei bzw. drei Wochen überleben kann. Dieser Körper wird dann abgegeben.

In Maharashtra existierte jemand, der diesen Zustand erreicht hatte. Niemand kannte seinen Namen. Die Leute nannten ihn Akalhot Swami, da er an einem Ort dieses Namens lebte. Er sprach kein Wort, doch die Menschen um ihn herum wußten, daß er ein großer Meister war. Er brachte kein Wort über die Lippen; er bat um nichts. Tag und Nacht war er in diesem Zustand allein mit sich selbst.

Eines Tages kam ein armer Mann, der wußte, daß er ein großer Meister war, zu ihm und bat ihn um seinen Segen. Normalerweise segnete er niemanden; er würde überhaupt zu niemand sprechen. Der arme Mann mußte seine Tochter verheiraten, doch er hatte keine Mitgift. So ging er zu dem Meister, der in der siebenten Stufe der Erleuchtung war, die ich vorher beschrieben habe, und warf sich vor ihm auf den Boden und bat um seinen Segen.

Der Swami deutete auf den Schädel eines toten Mannes. Ist dies für eine Hochzeit, die sicherlich eine heilige Handlung bedeutet, ist dieser Schädel, den der Meister ihm geben wollte, nicht eine etwas unglückliche Gabe? Der arme Mann fühlte sich angewidert, doch da er dem großen Meister Vertrauen schenkte, wickelte er den Schädel in einen Lumpen, ging nach Hause und warf das Bündel in den hinteren Teil der Veranda. Er borgte sich Geld und richtete die Hochzeit aus. Ungefähr nach einem Monat, als die Frau die Veranda fegte, traf sie mit dem Besen das Bündel und der Schädel zerbarst in kleine leuchtende Stücke.

Es war kein Schädel mehr zu sehen, denn er war in viele kleine leuchtende Steine zerbrochen. Er nahm einen Stein mit in ein Geschäft auf dem Markt und fragte: „Hat dieser Stein irgendeinen Wert?“

„Woher stammt dieser Stein?“ fragte der Ladeninhaber, „dieses Stück kostet einhunderttausend Rupien“.

Dem armen Mann brach das Herz. Er ging zurück zu dem alten Heiligen und warf sich vor ihm nieder. „Der Schädel wurde zu einem Haufen von Edelsteinen!“ sagte er, doch der große Meister sprach kein einziges Wort.

Dies ist ein Beispiel dafür, wie sich große Meister in der siebenten Stufe verhalten. Das Verhalten dieser Meister kann niemand verstehen. Vor vielen Jahren, zu Zeiten von Swami Shivananda, lebte auf der anderen Seite des Ganges solch ein verrückt aussehender Swami, der keine Kleidung trug. Wenn er zum Markt ging und dort Körbe voller Süßigkeiten sah, hob er diese Körbe hoch, warf sie auf die Straße, ging zu einem anderen Geschäft und tat wieder das gleiche. Die Leute sagten, daß sich danach die Umsätze der Ladenbesitzer verhundertfachten. Da liefen die Leute zu ihm und baten: „Bitte wirf unsere Körbe um, bitte tue es!“ Er hörte ihnen nicht zu, sondern ging unbeteiligt davon.

Die großen Meister, wie Shirdi Sai Baba, Shri Ramakrishna Paramahamsa, dieser Akalhot Swami und viele andere dieser Art waren nicht wie die normalen Menschen. Man sagt, wie ich erwähnt habe, daß der Körper durch Prarabdha (Summe des Karmas im gegenwärtigen Leben) am Leben gehalten wird, jedoch durch die vollendete, getane Arbeit erschöpft wurde und schließlich nichts mehr zu tun übrig bleibt. Das Bewußtsein hat sich im Körper ausgebreitet, und wenn sich dieses Bewußtsein weiter Bahn bricht, hat der Körper dem nichts mehr entgegen zu setzen.

In der Yoga Vasishtha steht geschrieben, daß die Anzahl dieser Menschen an den Fingern abzählbar sind. Es gibt nur wenige dieser Menschen. Man findet sie nicht überall so einfach auf den Straßen. Humorvoll gesagt, heißt das, daß die Erde das Gewicht dieser Menschen nicht aushalten könnte. Die Erde kann nicht unter dem Gewicht dieser Art Menschen leiden. Dies ist eine humorvolle Art, es auszudrücken. Es gibt nur sehr wenige Menschen dieser Art.

Ein kleiner Junge von sechzehn Jahren, Vyasa’s großer Sohn Shuka Maharishi war mit all den Bäumen, Bergen und überhaupt allem EINS. Er ging ohne Bewußtsein seines Körpers nackt durch die Welt. Wenn Vyasa nach seinem Sohn Shuka rief: „Shuka, mein Sohn! Wo bist Du?“ begannen die Wälder überall zu vibrieren: „Ich bin hier.“

Es existiert noch eine andere Geschichte über Shuka. Es war einmal ein König mit Namen Yudhisthira, bekannt aus der Mahabharata - er war ein sehr tugendhafter und wohltätiger Mann. Er hat die Mahabharata-Schlacht gewonnen. Kennst Du die Geschichte der Mahabharata?

Andrew: Ein wenig.

Swamiji: Oh, sie ist es wert gelesen zu werden. Wenn man die Mahabharata nicht gelesen hat, kann man auch die Kultur Indiens nicht kennen.

Andrew: Du hast jetzt zum zweiten Male mit mir darüber gesprochen.

Swamiji: Um seine Größe als Herrscher zu demonstrieren, gab er, nachdem er zum König gekrönt worden war, ein Essen für Millionen von Menschen. Er wollte jedoch wissen, wie viele Menschen am Essen teilgenommen hatten, und so fragte er Vyasa: „Kannst Du eine Methode ersinnen, um festzustellen, wie viele Menschen an dem Mahl teilgenommen haben?“ Sein Mantra sprechend hing Vyasa eine Glocke auf. Dann sprach er: „Die Glocke läutet je tausend Essensteilnehmern einmal. Du kannst die Anzahl der Glockenschläge zählen, und so erfahren, wie viele Menschen am Essen teilgenommen haben“.

Nachdem die Leute gegessen hatten und gegangen waren, begann die Glocke unaufhörlich zu läuten; sie läutete ununterbrochen. „Was ist das für ein Glockengeläut? Stimmt etwas nicht mit der Glocke?“ fragte Yudhisthira.

Vyasa sagte: „Meine Glocke macht keinen Fehler. Ein außerordentliches Mysterium muß dahinter stecken. Sie läutet normalerweise je tausend Essensteilnehmer nur einmal. Du mußt herausfinden, ob außerdem noch jemand am Essen teilnimmt.“

Er sah sich um und fand Shuka, den kleinen ungekämmten Jungen, der ein Samenkorn aß, mit einem Hund, der die Überreste des Essens der Leute von den Blättern aufleckte. Als Shuka ein Samenkorn aß, begann die Glocke zu läuten.

Der König lief zu Vyasa: „Dort hinten steht ein armer Junge, und wenn er ein Samenkorn ißt, beginnt die Glocke zu läuten, so als würden Tausende von Leute essen. Wer ist dieser Junge?“

Vyasa sagte: „Er ist mein Sohn. Er ist selbst wie das ganze Universum. Wenn er ein Samenkorn hinunterschluckt, ist es so, als würden Millionen von Menschen gegessen haben.

Yudhisthira weinte: „Ich bin beschämt. Ich habe nicht gewußt, daß solch ein Mensch existiert, und ich prahle, Millionen von Menschen gefüttert zu haben.“ Er warf sich vor dem Jungen nieder, doch Shuka blieb unberührt.

Dies sind Geschichten von Erleuchteten, die den Kosmos durchdrungen und ihn sich zu eigen gemacht haben,- nicht nur zu eigen gemacht haben, sondern selbst zum Kosmos geworden sind. In den Upanischaden steht geschrieben, daß das Universum ihm gehört, - vielmehr, daß er selbst das Universum ist. Was können wir mehr über Erleuchtung sagen? Es ist wert, tief darüber nachzudenken.

Andrew: Vielen Dank.

Swamiji: Es ist wert, über die Angelegenheit nachzudenken, eines Tages werden wir es erreicht haben und lassen dann die Glocke erklingen.



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