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Kali

Künstler stellen die Göttin Kali als schwarz, drastisch, mit heraustretenden roten Augen und herausgestreckter Zunge dar. Um ihren Hals trägt sie eine Girlande menschlicher Schädel. Kali sieht in der Tat furchteinflößend aus.

Kali verkörpert Zeit und Natur. Das Wort Kali stammt von dem Wort "kaala", das sowohl schwarz, als auch Zeit bedeutet. Die Menschen nennen sie Kali, die Schwarze. Die drei Aspekte der kosmischen Funktion die Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung geschehen in der Zeit. Symbolisch findet das Ausdruck darin, dass sie auf Shivas Brust tanzt.

Kalis Symbolik

Kali repräsentiert Devis drastischen Aspekt.

Kalis Augen

Ihre drei Augen repräsentieren die Zeit und sehen die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.

Kalis Mund

In der Regel wird Kalis Mund mit leuchtend weißen Zähnen dargestellt, die Sattwa, also Reinheit symbolisieren. Das wohl markanteste Charakteristikum von Kali ist jedoch ihre tiefrote ausgestreckte Zunge, die Rajas, das aktive Prinzip in der Natur repräsentiert.

Kalis Arme

Gemeinhin zeigen Künstler Kali mit mehreren Armen, meistens mit vier. In einer Hand hält sie einen abgetrennten menschlichen Kopf, was auf die Zerstörung des Egos ihrer Anhänger hinweist. Eine andere Hand schwingt ein Schwert, mit dem sie das Band der Gebundenheit durchtrennt. Weitere Hände zeigen Gesten der Vertreibung von Angst und der Förderung spiritueller Stärke.

Kalis Girlande

Kali trägt eine Girlande aus 51 menschlichen Schädeln, welche die 51 Buchstaben des Sanskrit-Alphabets darstellen.

Geschichten über Kali

Wie andere Götter ist auch Kali Teil von vielerlei Sagen und Geschichten. Die darin enthaltende Symbolik und Moral verdeutlicht oftmals bestimmte Prinzipien und Werte, welche durch die Götter repräsentiert werden sollen.

Die Herrscherin des Kali Yuga

"Kali" ist zum einen der Name der Göttlichen Mutter. "Kali" heißt aber auch "dunkel". Dementsprechend bezeichnet das"Kali Yuga" das "dunkle Zeitalter", welches vor über 5.000 Jahren hier auf der Erde begonnen haben soll.

In der indischen Schrift Bhagavatam Purana gibt es die Geschichte, wie das Kali Yuga begonnen hat und wie Kali, die Herrscherin des Kali Yuga, ihre Macht bekam.

Die folgende Nacherzählung dieser Geschichte stammt aus der Feder von Swami Sivananda und ist dem Buch "Inspirierende Geschichten" entnommen:

Kali ersucht eine Unterkunft

Kali trat vor Rajah Parikshit. Der Rajah sagte zu ihm: "Oh Kali, in meinem Herrschaftsgebiet ist kein Platz für dich. Du musst mein Land sofort verlassen."

Kali war sehr traurig als sie die Worte des Rajahs hörte. Sie sagte: "Oh Rajah, sei nicht so grausam zu mir. Du bist die Verkörperung der Gnade und Rechtschaffenheit. Sei mir gnädig. Wo kann ich hin gehen? Gib mir eine Unterkunft in deinem Herrschaftsgebiet."

Rajah Parikshit gab Kali daraufhin vier Orte in denen sie Leben sollte: das Glückspielhaus, den Schlachthof, wo Tiere getötet werden, das Freudenhaus, in dem die Mädchen mit schlechtem Ruf leben und die Trinkhalle, wo die Menschen alkoholische Getränke trinken.

Da sagte Kali zu dem Rajah: "Oh Rajah, es wird mir schwer fallen, an so vielen Orten gleichzeitig zu wohnen. Gib mir bitte einen Ort, an dem sich diese vier zusammen befinden." Der Rajah überlegte drei oder vier Tage lang und sagte dann: "Ich habe einen äußerst geeigneten Ort für dich gefunden. Du wirst sehr erfreut sein, dort zu wohnen."

Kali erlangt ihre Wohnstätte in Geld

Der Rajah überreichte Kali eine Kugel aus Gold und sagte: "Nimm deine Wohnstätte in Geld, du wirst alle vier genannten Orte und noch ein weiteres Element, die Feindschaft, dort finden."

Kali sagte: "Gut gesagt oh gnädiger Rajah! Ich bin jetzt wirklich sehr glücklich. Ich kann mit dem Geld Wunder wirken. Wie gütig du doch bist! Ich werde Tausende von Menschen in meine Fänge holen. Ich werde sie ruhelos machen. Ich werde Streit unter ihnen ausbrechen lassen. Ich werde die weltlich Gesinnten täuschen. Ich werde sie Schnaps trinken lassen. Ich werde sie dazu veranlassen, ihr ganzes Geld zu verspielen und sie so zu Bettlern machen. Ich werde sie zu Fleischessern machen und ihre tierischen Leidenschaften schüren."

Die Freiheit spirituellen Reichtums

Materieller Reichtum ist verhängnisvoll. Reichtum ist die Wurzel allen Übels. Er berauscht den Geist. Er gebiert den Stolz. Er lässt den Menschen Gott vergessen. Reiche Menschen haben oft ein Herz aus Stein. Jesus sagt: "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt."

Reichtum kann nicht angehäuft werden, ohne andere zu verletzen. Er erzeugt verschiedenste Laster. Der arme Mensch, der Gott anbetet, auch wenn er in Lumpen gekleidet ist, auch wenn er nichts zu essen hat, ist der reichste Mensch der Welt. Er ist dem Herrn sehr lieb.

Spiritueller Reichtum ist der wahre Reichtum. Er ist ewig. Er kann nicht von Dieben geraubt werden. Erlange daher diesen unvergänglichen spirituellen Reichtum und lebe glücklich. Dann traut Kali sich nicht dich zu berühren. Yama, der Gott des Todes, traut sich nicht dich zu fangen.

Die Überwindung der inneren Dämonen

Die Überwindung der inneren Dämonen ist eine Geschichte aus der Devi Mahatmyam, nacherzählt von Sukadev Bretz, zum Anlass von Naravatri, des neuntägigen Festes zur Verehrung der Göttlichen Mutter:

Devi überwindet Shumba und Nishumba

Die letzte der Hauptgeschichten des Devi Mahatmyam ist der Kampf der göttlichen Mutter gegen die Hauptdämonen Shumbha und Nishumbha. Die Dämonen hatten die Erde und den Himmel besetzt und machten allen Wesen das Leben sehr schwer. Zu den Vertriebenen gehörten auch die Devas, die Engelswesen aus dem Himmel. In ihrer Verzweiflung rezitierten sie heilige Hymnen und riefen Devi zur Hilfe an. Diese erhöhrte ihr Flehen und manifestierte sich vor ihnen als die schönste Frau der Welt.

Shumbha und Nishumbha, die beiden Dämonen, hatten irgendwann von der bezaubernde Göttin gehört und wollten sie zur Frau nehmen. Da diese nicht freiwillig kam, schickten eine Horde von Dämonen um sie zu holen. Doch zwecklos.

Devi als Sinnbild der ausdauernden Hingabe

Wenn sich in uns die göttliche Gnade manifestiert, nachdem wir darum gebeten haben, wenn wir diese Kraft in uns spüren, dass Liebe in uns ist, dass Verbindung in uns ist, dann gibt es immer wieder Wellen, in denen die niederen Aspekte des Geistes von Neuem dagegen ankämpfen.

Dann bekommen wir verschiedene Arten von Zweifel: "Ist das wirklich göttlicher Segen oder ist es nur ein Irrtum? Und wäre es nicht wichtiger, das oder jenes zu machen? Kann das überhaupt sein?". Wir haben Selbstzweifel, Zweifel an Gott und der Welt. Alte Gewohnheiten werden wieder stärker und Emotionen kommen hoch. Wenn wir aber schließlich mit großer Hingabe weiter üben, entstehen in uns neue Kräfte.

Kali besiegt Chanda und Munda

Nachdem die Devi alle Dämonen besiegt hatte,  sendeten die Dämonenfürsten die Unholde Chanda und Munda aus. Daraufhin verwandelte sich Devi und manifestierte sich als Kali, um nunmehr in dieser Form gegen die beiden Dämonen zu kämpfen.

Nachdem Kali die Dämonen Chanda und Munda besiegt hat, sagte sie: "Und jetzt, Devi, musst du auf deine Weise die anderen Dämonen überwinden."

Kali als Symbol für rigorose Veränderungen

Kali steht dafür, dass wir manchmal ein bisschen entschiedener vorgehen müssen. Manchmal merken wir, dass das was wir tun nicht richtig ist. Wir sollten dann zügig etwas ändern. Vielleicht stellst du fest, dass bestimmte Gewohnheiten dir einfach nicht gut tun. Dann musst du daraus die Konsequenz ziehen und etwas radikal ändern.

Nicht alles sollte man radikal machen, häufig ist es klüger, kleine Schritte zu gehen, eine Herausforderung nach der anderen anzugehen. Manchmal jedoch ist die Kompromisslosigkeit der dunklen Göttin nötig.

Wie in der Geschichte ist es dann allerdings auch wichtig, genau zu schauen, wann wir Kalis Stärke nicht mehr benötigen. Wenn du also etwas radikal umgestellt hast, solltest du wieder sanfter mit dir selbst und deinem Leben umgehen.

Der weibliche Aspekt

Die Devi Mahatmyam geht weiter. Es kommen immer wieder neue Dämonen in riesiger Anzahl, so viele, dass die Devi irgendwann Hilfe brauchte. Aus allen Engelswesen manifestierte sich jetzt ihr weiblicher Aspekt, als eine spezielle Form von Devi. Aus Shiva kam Shivani, aus Vishnu Vaishnavi, aus Indra Indrani, aus Varuna Varunani und viele weitere um ihr zur Seite zu stehen.

Über wachsende Kräfte

Insgesamt bedeutet dieser Abschnitt, dass wir irgendwann feststellen werden, dass alle Kräfte, die wir sowieso schon haben, plötzlich stärker werden. Auch das habt ihr vielleicht schon selbst erlebt. Wenn man mit der Praxis weitermacht, gibt es plötzlich Momente, wo alle positiven Eigenschaften gleichmäßig stärker werden. Gerade dann begegnet man jedoch auch immer wieder vielen weiteren inneren Dämonen.

Kali verschlingt die Raktabija

In der Devi Mahatmyam kommt dann ein besonderer Dämon namens Raktabija. Dieser hatte eine trickreiche Eigenschaft: Wann immer der Raktabija verletzt wurde, entstanden aus seinem Blut heraus mehrere andere Dämonen, die ebenfalls seine Gestalt besaßen.

Da die Devis mit dem Raktabija unermüdlich kämpften und ihn ein ums andere mal verwundeten, entstanden aus seinen Blutstropfen immer mehr Dämonen, sodass am Ende allmählich die ganze Erde von Raktabija bevölkert war.

Daher rief Durga nochmals Kali zu Hilfe. Sie bat sie, ihre Zunge über die ganze Erde auszubreiten, um so die Raktabijas vollständig zu verschlingen. Wenn kein Blut auf die Erde fallen würde, könnten sich auch keine neuen bilden. Genauso machte es Kali. Und so wurde auch Raktabija überwunden.

Die Beharrlichkeit unserer Laster

Dieser Raktabija steht natürlich für sehr hartnäckige und wiederkehrende Aspekte in uns. Immer dann, wenn wir denken, wir hätten an einer Stelle beispielsweise Ego, Stolz, oder Arroganz überwunden, dann kommt es auf der anderen Stelle wieder.

Dann sind wir vielleicht stolz darauf, dass wir ein viel besserer Ehemann sind als andere. Oder: "Ich bin eine bessere Mutter als andere." Oder: "Ich bin mindestens demütiger als alle anderen." Das Ego, in diesem Fall die Arroganz, kann sich mit allem identifizieren.

Wie können wir dieses Ego überwinden? Letztlich gelingt das nur durch großes Gebet. Dann kann uns die Göttliche Mutter zu Hilfe kommen, vielleicht sogar in Gestalt von Kali. Und Kali kann auch heißen, dass wir mal den Boden unter den Füßen weggezogen bekommen. So können wir lernen unsere Laster zu überwinden.

Kali Puja

Eine Puja ist eines der am häufigsten anzutreffenden hinduistischen Verehrungsrituale. Für gewöhnlich werden dabei Gottheiten, oder auch spirituelle Lehrer angebetet.

In diesem Video kannst du Sukadev dabei beobachten, wie er Schritt für Schritt eine kleine Puja für die Göttliche Mutter zelebriert.

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