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Shri Bholanath: 1881 - 1938

Eins der vielen Geheimnisse, die untrennbar zu Ma‘s Dasein in der Welt gehörten, war Bholanaths Rolle in ihrem Leben. Er war ihr erster Schüler und ihr Ehemann. Beiden Rollen wurde er mit Leichtigkeit und ohne Spannungen gerecht.
      Es wurde schon gesagt, daß erst Bholanath Besuchern den Zugang zu Ma ermöglichte. An öffentlicher Aufmerksamkeit war ihm jedoch nicht gelegen, im Gegenteil: er tat sein Bestes, nur spirituell Suchende zu Ma vorzulassen, die ernsthafte Fragen hatten. Zwar schwollen die kleinen Gruppen bald zu großen Menschenmengen an, doch gehörten sie alle weiterhin zum selben Kreis: Freunde von Verwandten, Freunde von Freunden usw. Alle, die sich zu Ma in Verehrung hingezogen fühlten, scharten sich um sie und wuchsen zur Familie der Devotees zusammen.
      Wie stellten sie sich Bholanath gegenüber ein? Es ist schwierig, ihn überhaupt scharf ins Auge zu fassen, weil seine Gegenwart immer als selbstverständlich hingenommen wurde, so wie wir nicht besonders auf die Priester achten, wenn wir einen Tempel besuchen. Wir vergessen ganz, daß die Gottheit nur aufgrund ihres hingebungsvollen Dienstes jederzeit zugänglich ist. Und wenn wir nicht wissen, wie wir uns vor dem Bild der Gottheit verhalten sollen, dann erwarten wir von den Priestern Anweisungen, wie wir unsere Blumen, Süßigkeiten usw. darzureichen haben. Vermutlich geschah damals in den frühen zwanziger Jahren in Dacca etwas Ähnliches. Ma‘s rätselhafte, erdentrückte Persönlichkeit übte eine starke Anziehung aus, aber sie hatte auch einen Hauch von Unnahbarkeit. Wenn irgendjemand im Zweifel war, wie er am besten mit Ma Kontakt aufnehmen sollte, so wandte er sich an Bholanath. Wenn Ma viele Stunden lang in tiefem Samadhi lag, entschied Bholanath, ob man versuchen solle, sie in die Alltagswelt zurückzurufen, oder ob man nur still an ihrem reglosen Leib Wache hielt. Manchmal bat er die Frauen, Ma‘s Hände und Füße zu massieren oder einfach bei ihr zu sitzen und Nama-Japa auszuführen. Wenn es spät am Abend war, legten sie Ma still auf ihr Bett, überließen sie Bholanaths schützender Fürsorge und gingen heim. Manchmal blieben Didi und andere über Nacht, um nötigenfalls zur Hand zu sein. Auf diese Weise nahm auch die Zahl der Bewohner von Shahbagh immer weiter zu.
      Die Jahre in Shahbagh (1924 - 1928) waren für Bholanath eine gute, erfüllte Zeit. Er hatte eine befriedigende Arbeit; seine Arbeitgeber behandelten ihn und Ma mit Hochachtung und waren bereit, alles für ihr Wohlbefinden zu tun. Er konnte sich leisten, seine beiden Neffen Ashu und Amulya zur Schule zu schicken. Er konnte viele Verwandte und Ma‘s Eltern einladen, zu Besuch zu kommen und zu bleiben, so lange sie wollten. Er war ein Mann mit starkem Familiensinn. Als Ma mit allen seinen Brüdern und Schwestern in Verbindung trat, war er überglücklich. In Shahbagh trafen sie sich nach vielen Jahren wieder. Diese Wiedervereinigung des Familenclans fand ihren Höhepunkt, als Bholanath im April 1926 die Vasanti Puja [das neuntägige Fest der göttlichen Mutter im Frühling] in Siddheshwari mit großem festlichen Aufwand zelebrierte. Zu diesem Anlaß kam auch sein Familienpriester aus Vikrampur. Seine Schwestern kochten drei Tage lang die Mahlzeiten. Alle Devotees aus Dacca versammelten sich in Siddheshwari. Für viele war es nicht nur wegen der Pracht der Feier ein unvergeßliches Erlebnis.

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Bholanath hatte einmal Ma gegenüber den Wunsch geäußert, ein eigenes Haus zu haben, in dem er die Vasanti Puja ausführen könne. Dieser Traum erfüllte sich zumindest teilweise in Siddheshwari. Bholanath hatte eine natürliche Vorliebe für Rituale und feierliche Pujas zu Ehren von Gottheiten, besonders der verschiedenen Erscheinungsformen der Göttin. Er kannte sich gut in diesen Formen der Puja aus. Seine Gebete zur Anrufung schufen eine Atmosphäre, in der die Gläubigen die Gegenwart der Gottheit spürten. Alle hatten bei den großen Feiern, Festmählern und Kirtans ihre Freude an seiner kraftvollen, offenen Persönlichkeit. Seine Stimme war nicht besonders wohlklingend, doch das glich er durch sein Gefühl für Rhythmus und seine Begeisterung aus. Er wurde nie müde, mit den Teilnehmern zusammen zu tanzen und sie mit seiner eigenen Hochstimmung anzustecken.
      Kirtan und Puja waren eindeutig sein eigentliches Lebenselement, das ihn immer inspirieren konnte. Sein weiteres Hauptinteresse galt der Pilgerschaft an heilige Stätten. Er besuchte in seinem Leben wohl alle bedeutenden Heiligtümer für den Kult der Göttin. Er liebte die Menschen. Mit seiner Herzlichkeit schweißte er die weitverzweigte Familie der Devotees zusammen. Er gab ihr das Gefühl, willkommen zu sein, und unterschied nicht zwischen Angehörigen der städtischen Elite und bescheidenen Leuten vom Dorf. Mit der Zeit schloß er sich besonders eng an Bhaiji an. Wie erwähnt, stellte er Jyotish Rai in fremder Umgebung als seinen spirituellen Sohn (Dharma-Putra) vor.
      Die Zeit der festlichen Zusammenkünfte in Shahbagh endete abrupt, doch zum Glück gab es den kleinen Raum in Siddheshwari, der nun, besonders zur Feier von Ma‘s Geburtstag im Jahre 1928, zum Treffpunkt der Devotees wurde. Bholanath sollte wie im Vorjahr in ihrem Namen die Puja ausführen. Man versammelte sich um Ma, die in tiefem Samadhi lag. Die Devotees aus Dacca glaubten, daß Bholanaths hingebungsvolle Verehrung die Gegenwart Gottes in einer Tonfigur hervorrufen konnte. Umso erhebender und inspirierender war die Verehrung der Person, die in ihrer aller Herzen als lebendiges Bild der Gottheit lebte.
      Damit ist über Bholanaths Ansehen bei den Devotees von Dacca wohl genug gesagt. Er war der Wandschirm, durch den hindurch Ma allen Besuchern erlaubte, den Glanz ihrer strahlenden Persönlichkeit wahrzunehmen. Er war als erster mit der Macht ihrer übernatürlichen Ausstrahlung konfrontiert, wie sein Namensvetter, der himmlische Bholanath [Shiva], der sich auf dem Berg Kailash im Himalaya postiert hatte, um den ersten Aufprall des himmlischen Flußes [Ganga] auf die Erde abzufangen.

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Unmittelbar nach den Geburtstagsfeierlichkeiten von 1928 gingen Ma und Bholanath wieder auf Reisen. Als seine Stellung gekündigt wurde, war er nicht in Dacca. Bholanath blieb in den Wellen dieser radikalen Veränderungen ohne sichtbare Beeinträchtigung immer obenauf. Die Nawabzadi hatte ihn gebeten, in Shahbagh zu bleiben, aber er spürte, daß dies nicht Ma‘s Kheyala entsprach, und so lehnte er die Einladung ab. In dieser Zeit reiste Ma so viel und schnell von Ort zu Ort, daß Bholanath keine Gelegenheit hatte, in Ruhe über seine Lage nachzudenken. Viele Jahre später erzählte Ma Didi, dies sei einer der Gründe für ihre Reisen an ferne und sehenswerte Orte gewesen, als das Leben in Shahbagh zu Ende kam.
      Bholanath hatte nun keine Einkünfte und keine eigene Wohnung mehr. Ma‘s Gegenwart und ihr grundsätzliches Kheyala, ihn zu führen, halfen ihm in dieser Übergangszeit offenbar über jeden Schmerz des Verlusts. Auch im Leben der Devotees ergab sich ein Wandel. In Shahbagh waren sie Gäste gewesen, doch jetzt fanden sie sich in der privilegierten Position, für Ma und Bholanath Entscheidungen treffen zu können. Bewegt von dem alleinigen Wunsch, Ma und Bholanath jeden möglichen Dienst zu erweisen, fand diese Gruppe zu fester Geschlossenheit zusammen.
      Wie erwähnt, kehrte Bholanath mit Ma auf Bitte der Abordnung aus Dacca in die Stadt zurück, aber er ließ sich für einige Zeit abseits der Devotees in Siddheshwari nieder. Dies war die schwierigste Phase seines Lebens. Ma war ständig bei ihm, sie pflegte ihn, als er krank war, leitete ihn in seinem Sadhana an und hielt ihn bei aller inneren Rastlosigkeit aufrecht. Still ertrug sie seine Unruhe, bis es ihm gelang, sie abzuschütteln und wieder Herrschaft über sich selbst zu gewinnen. Sie saß auch bei ihm, als er die entscheidende Phase eines Sadhana durchmachte, in der ein falscher Zug katastrophale Folgen haben kann. Man kann sagen, daß er nie zurückschaute. Es war klar erkennbar, daß er ein außergewöhnliches Leben der Entsagung und strengen Askese führte. Nur Ma wußte von seinen Schwierigkeiten, wenn sie auftraten. Er selbst zog keinen anderen ins Vertrauen, und Ma wahrte sein Vertrauen sein ganzes Leben lang. Erst nach seinem Tod sagte sie ein paar Worte zu Didi, um, wie oben erwähnt, einige rätselhafte Vorfälle zu erklären.
      Pandit Gopinath Kaviraj teilte Didi brieflich mit, wie er Bholanath verstand, und bat sie, Ma den Brief vorzulesen. Hier ist die Übersetzung:
      »Ma‘s leibliche Hülle unterscheidet sich zweifellos von jedem anderen menschlichen Körper. Gewöhnliche Leute, selbst Götter, stehen unter dem Einfluß persönlicher Züge oder Eigenschaften (Guna). Jeder Körper unterliegt dem Karma. Normalerweise wird man geboren, um sich im Ausleben seines Prarabdha Karma zu erschöpfen. Von Geburt an arbeitet man die Folgen seiner früheren Leben ab. Beherrscht vom Ich-Bewußtsein und identifiziert mit dem eigenen Willen, handelt man immer weiter und sammelt damit immer weiteres Karma an.
      Die Götter und die vollendeten Menschen (Mahapurusha), die aus Mitgefühl für die leidende Menschheit geboren werden, sind glückselige Wesen. Sie bleiben auf der Erde, um die Menschen auf den Weg der Freude (Ananda) zu führen. Auf diesem Weg erlebt man Mitgefühl als Realität. Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß die großen Seelen rein sind und eine lichte Ausstrahlung haben. Sie sind von Sattva erfüllt. Normalerweise haben wir Anteil an allen drei Gunas, Sattva [Licht, Reinheit], Rajas [Energie, Aktivitätsdrang] und Tamas [Dunkelheit, Trägheit]. Große Persönlichkeiten sind dagegen allein von Sattva geprägt: sie strahlen reine Güte aus.

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Meiner Auffassung nach ist Ma‘s Körper jedoch frei von allen Gunas, deshalb steht sie ganz für sich und ist dem Verständnis entzogen - sie selbst jedoch versteht alle Menschen. Sie reagiert auf jeden, wie es ihm gemäß ist. Was bedeutet das? Wie ein Kristall alle Farben reflektiert, während er zugleich seine eigene Reinheit völlig ungemindert behält, so ist Ma von keinerlei bestimmten Vorlieben begrenzt. Jeder, der ihr nahekommt, sieht, daß sie seine Gefühle und Gedanken vollkommen versteht und auf ihn eingeht. Man sieht sie als Tochter, Freundin, Ishta-Devata oder als Gott. Da Ma an keine bestimmte Haltung gebunden ist, ist bei ihr alles möglich. Ich denke, so läßt sich der Unterschied zwischen einem bloß guten, reinen Menschen, und einem, der alle Eigenschaften transzendiert hat, der jenseits von Gut und Böse steht, beschreiben.
      Die Frage ist nun, warum Bholanath, der so eng mit Ma zusammenlebte, nicht auf einen Schlag von seinen weltlichen Neigungen geläutert wurde? Vielleicht weil Ma vollkommen jenseits der Sphäre irdischer Eigenschaften stand, gab sie diesen Neigungen weder nach, noch wies sie sie zurück. In Bholanaths zeitweiligen Neigungen manifestierten sich seine eigenen früheren Karma-Samskaras [Vorlieben].
      Damit ist Bholanath aber nicht umfassend beschrieben, denn unbestritten erreichte er in seinem Leben eine beispiellose Höhe der Vollkommenheit.
      Die Frage ist jedoch, denke ich, zu beantworten. Der Unterschied zwischen dem Zustand bloßer Reinheit und Güte und dem Zustand jenseits aller Eigenschaften liegt darin, daß man im ersteren aller Unreinheit Herr wird und ein Leben im Einklang mit der göttlichen Ordnung führt. Das Unreine ist jedoch noch nicht völlig ausgemerzt. Wenn man dem machtvollen Einfluß des Mahapurusha [große Seele] entzogen ist, können die latenten Neigungen wieder zum Vorschein kommen. Das Gute hat nur einen zeitweiligen Sieg über das Böse errungen. Unter dem Einfluß der Eigenschaftslosigkeit gewinnen dagegen alle Neigungen Kraft und Antrieb, sich vollkommen auszudrücken, was ihrer totalen Auflösung nur förderlich ist. Diese Art von Reinheit ist daher dauerhaft. Auf der letzten Stufe, wenn auch die Eigenschaft des Sattva unwirksam wird, erlangt man die Befreiung. Unter dem Einfluß großer Seelen kann der Mensch zu einem Leben in Reinheit und Güte fortschreiten, doch die Befreiung erlangt er unter dem Einfluß jener, die alle Eigenschaften transzendiert haben. Ich denke, Bholanaths Glückseligkeit ist so zu erklären. Er begann als Yogi von bemerkenswerter Begabung und erreichte einen Zustand, der das Zugangstor zur Befeiung ist. Diese Metamorphose ist nur in Ma‘s Nähe möglich.
      So verstehe ich Bholanaths Stellung. Wenn Ma sich dazu irgendwie äußert, laß es mich bitte wissen.« Ma äußerte sich nicht, aber Didi gewann den Eindruck, daß sie seiner Interpretation beistimmte.

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