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5. Kapitel - Swarg Ashram

Ein Schimmer echten Sadhanas

Die ersten Jahre seiner intensiven spirituellen Praxis verbrachte Swami Sivananda ohne jegliches festes Heim. Heute hier, morgen dort und der Tag danach wird zeigen, was sein wird. Das war seine Einstellung in jener Zeit. Er blieb in Nilakant Hills (bei Rishikesh) und schrieb während dieser Zeit seinen Kommentar zur Katopanishad. Später zog er in den Swarg Ashram, um mehr Zeit für Gebet und Meditation zu gewinnen. Dort lebte er in einem kleinen Kutir (Hütte) mit einer Fläche von etwa acht mal zehn Fuß (ca. 2 x 3Meter) und einer kleinen Veranda davor. Sein Essen bezog er vom Kalikamliwala (Pilgerküche).

Schon bald nach seinem Einzug in „Kutir III“ wurde Swami Sivananda so berühmt, dass die Leiter des Swarg Ashrams Pilger und andere Besucher gleich zu ihm schickten. „Er ist der einzige große Mahatma (Meister) und Yogi im Swarg Ashram“, sagten sie dann für gewöhnlich.

Swami hatte keine Zeit für Leute, die aus purer Neugier kamen. Er tat alles, um Zeitverschwendung zu vermeiden. Manchmal verschwand er im Dschungel oder versteckte sich unter den riesigen Fels-blöcken am Ufer des Ganges, um ungestört meditieren zu können.

In seiner Autobiographie beschreibt Swami Sivananda sein Leben im Swarg Ashram: „Ich verbrachte nicht viel Zeit damit Zähne zu putzen, Kleider zu waschen und zu baden. Das erledigte ich immer recht schnell und hatte dann etwas mehr freie Zeit für mein Sadhana (spirituelle Praxis), Studien und selbstlosen Dienst. Ich begab mich nie in Abhängigkeit von Schülern oder irgendjemand, der mir dienen wollte. Ich hatte feste Zeiten für alle Bereiche meiner Tätigkeit: Studium, Briefe an spirituelle Aspiranten, Übungen, Essen holen usw. Allmählich kamen Menschen zu mir. Das störte meine systematische Arbeit. Mit Zustimmung der Ashramleitung zog ich einen Stacheldrahtzaun um meine Unterkunft und verriegelte das Tor. Den Besuchern stellte ich niemals mit ausführlichen philosophischen Diskussionen meine Gelehrsamkeit zur Schau. Ich gab ihnen in fünf Minuten kurze Hinweise zum praktischen Sadhana. Ich stellte eine Tafel am Eingang meines Kutirs auf: „Interviews zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags – jeweils fünf Minuten.“

Im Winter kamen nicht so viele Aspiranten. Dann nutzte ich die Zeit für kurze Spaziergänge auf meinem Gelände und zum Singen von Bhajans sowie anderen Liedern. Manchmal verließ ich mein Zimmer tagelang nicht und lebte nur von den Resten trockenen Brotes, die ich von meinen täglichen Rationen übrig behalten hatte. Dieses intensive Sadhana war mein Ziel. Meine Freude war unbeschreiblich, wenn ich abends stundenlang auf den schönen Felsen oder an den Sandstränden am Ganges sitzen, auf den Fluss oder Mutter Natur schauen konnte. Ich wurde eins mit der Natur.“

Über die Tage in Swarg Ashram sagte Sri Raj Giri, einer seiner frühen Gefährten: Charakteristisch für Swami Sivananda war seine außerordentliche Nicht-Anhaftung, so dass er sich oft selbst die grundlegendsten Notwendigkeiten zum Leben versagte. Er schonte sich nicht, nicht einmal in Bezug auf Essen und Kleidung. Um seine tägliche spirituelle Praxis nicht unterbrechen zu müssen, wenn er zum Kshetra ging, um Essen zu holen, zog er es vor, von trockenem Brot zu leben. Er brachte Brot für mehrere Tage mit und wenn es hart und trocken war, tauchte er es ins Gangeswasser und aß es. So konnte er sich manchmal eine Woche lang von der Ration für einen Tag ernähren. Auf diese Weise nutzte er Tag für Tag jeden Augenblick seiner kostbaren Zeit für Meditation, Japa und Gebet, indem er ungesalzenes hartes Brot zu seiner Hauptmahlzeit machte.

Er besaß nur zwei Kleidungsstücke. Sein Raum war vollkommen leer mit Ausnahme eines Wassergefäßes und einer Decke. Es kam ein Zeitpunkt, da gab er auch diese einzige Decke einem armen Pilger und zitterte nun vor Kälte in seinem dünnen Baumwollgewand, bis die glückliche Vorsehung in Gestalt eines freundlichen Besuchers ihn mit einer neuen Decke ausstattete.

Japa (Mantrawiederholung) begann er sehr zeitig. Zu nachtschlafender Zeit stand er bis zu den Hüften im kalten Gangeswasser und wiederholte Mantras mit der Japamala (Gebetskette) bis zum Sonnenaufgang. Dann brachte er dem Sonnengott seine Verehrung dar und stieg aus dem kalten Wasser heraus. Diese Praxis und auch die spartanische Kost führten letztlich zu chronischem Durchfall, einer Form von Diabetes und Lumbago (Hexenschuss). Trotzdem pflegte er später, wenn jemand nicht einmal im Winter ein Hemd trug, diesen als jemanden hervor zuheben, der ihn selbst an Askese übertraf, ohne dabei zu enthüllen, dass er sich selbst in seiner Swarg Ashram Zeit sehr viel härterer Askese unterworfen hatte.

Als Swami Paramananda, einer seiner Schüler, zum ersten Mal seinen Kutir betrat, sah er dort in einer Ecke trockenes Brot, Papier, Holzkisten mit Flaschen und Koffer mit Schlössern. Auf einem Tablett bot er mir Kekse und Mandeln an. Die Biskuits waren von Huntley und Palmer. Nicht einmal Swami Paramananda konnte zu dieser Zeit den Zusammenhang zwischen dem Swami, dem trockenen Brot und den Biskuits herausfinden. Am nächsten Tag löste sich jedoch das Rätsel. Swami Sivananda nahm ihn mit auf seinen Gang zum Kshetra. Während die anderen Mönche ein Tuch und ein Gefäß – eines für das Brot und das andere für Dhal – mitbrachten, hatte Swamiji drei bis vier Gefäße. In diese Gefäße bekam er Milch und Joghurt. Nachdem er sein Brot und Dhal in den Kutir gebracht hatte, ging er mit den Gefäßen, mit dem Joghurt und der Milch nach Lakshmanjhula und verteilte diese unter den kranken Mönchen. Das trockene Brot war für ihn selbst, Biskuits und Mandeln für andere.

So entdeckte Swami Paramananda: „Da sein Herz voller Mitgefühl ist, hat er hier eine Reihe von Dingen, um den Kranken und Armen zu dienen. Menschen, die ihn nicht genau kennen, halten ihn für einen Babu, einen den Luxus liebenden Sannya-sin. In Wahrheit ist er ein Mensch von höchster Nicht-Anhaftung. Wenn man sein Abendessen sah, verstand man seine zutiefst entsagende Natur. Das trockene Brot vom Morgen ist sein Abendessen und das Wasser des Ganges seine Soße.“

Swamiji trug immer ein kleines Tagebuch bei sich, das er The Whip (Die Peitsche) nannte und in das er alles eintrug, woran er sich selbst erinnern wollte. Er führte es regelmäßig. Es gibt einen Einblick in die intensiven und ganzheitlichen spirituellen Praktiken, die er in seiner Swarg Ashram Zeit übte:

  • Mehr Zeit (8 Stunden) nur für die Meditation allein aufwenden, wenn möglich sogar 12 bis 16 Stunden täglich.
  • selbst das Studium der Schriften und medizinischen Behandlungen eine Weile dafür aufgeben, nur reine Meditation.
  • Der Winter muss gut genutzt werden. Das ist die beste Zeit für Meditation. 15 Tage oder einen Monat lang den Swarg Ashram verlassen, ohne jemand darüber zu informieren. Nimm zwei Kleidungsstücke und eine Decke. Wandere den Ganges entlang von Haridwar bis Meerut. Lebe nur von Bettelgaben von Haus zu Haus. Sprich mit niemandem, sondern halte Schweigen.
  1. Diene Straßenkehrern
  2. Diene Schurken
  3. Diene Niederen
  4. Lebe nur von Almosen von Mohammedanern
  5. Reinige die Toiletten
  6. Wasche die Kleidung von Sadhus
  7. Trage Wasser

Verabscheuungswürdiges gibt es nicht in der Welt. Alle Verachtung für etwas oder Jemand muss beseitigt werden durch Liebe und Hinwendung (vichar).

  1. Vergiss sofort eine Dir zugefügte Kränkung oder ein Unrecht gleich wie ein Kind.
  2. Behalte es nicht im Herzen, es entfacht Hass.

Kultiviere:

  1. Maitri – Freundlichkeit
  2. Karuna – Mitgefühl
  3. Daya – Barmherzigkeit
  4. Prem – göttliche Liebe
  5. Kshama – Vergebung, Verzeihen
  1. Räche dich nicht.
  2. Widerstehe nicht dem Üblen.
  3. Vergelte Schlechtes mit Gutem.
  4. Trage Beleidigung und Unrecht
  1. Akrodha = keinen Ärger empfinden
  2. Nirvaira = keine Hass empfinden

Entwickle gute Umgangsformen, äußerste Höflichkeit, Freundlichkeit, Etikette, gutes Benehmen, Edelmut, Sanftmut, Milde. Sei niemals unhöflich, hart oder grausam.

Namaskara Sadhana (Übung des Grüßens durch Verneigen)

Grüße jeden und verneige Dich zuerst vor ihm

  1. Verzichte auf Salz
  2. Verzichte auf Zucker
  3. Verzichte auf Gewürze
  4. Verzichte auf Gemüse
  5. Verzichte auf Chilie
  6. Verzichte auf Tamarinde

Nur wenn du all das übst, kannst du ein wahrer Sadhu (Mönch, Entsagter) werden. Über das Tagebuch Die Peitsche schrieb Swami Chidananda, einer seiner ältesten Schüler, später: Die „Peitsche“ lässt erkennen, dass er versuchte, sich als echter Sadhu im strengen Geist echten Mönchstums zu entwickeln. Eine Passage zeigt das beispielhaft: Als er entdeckte, dass sich so etwas wie Anhaftung entwickelte, indem er jeden Tag dieselbe Pilgerküche für sein Almosen aufsuchte, machte er es sich sofort zur Regel, statt dessen zwei, drei andere Küchen aufzusuchen und bekam von dort ein paar Rotis (Fladenbrot). Er aß auch nicht in den Räumen der Kshetras, sondern im Freien.

Ein wichtiger Absatz lautet: „Mönchstum ist wie eine neue Geburt. Wenn Dich die großen Kshetras (Küchen) beschimpfen, ertrage es. Denke nicht an das bisherige Leben und die Herkunft.“ Oder: „Trage keine Schuhe, soweit es möglich ist. Ein
hartes Leben bis zum Tod ist unerlässlich für einen Sadhu.“ Man sieht allenthalben, dass jemand, der seine Heimat und Familie durch eine offizielle Mönchsweihe verlassen hat, glaubt, er habe damit allen Anhaftungen entsagt. Aber meist ist es nichts dergleichen. Er hat lediglich den Gegenstand aufgegeben, an den er verhaftet war. Die Neigung, sich zu verhaften, hat er jedoch beibehalten und sie ist die ganze Zeit in ihm. Nach der Entsagung während des Sadhana, kommt sie zurück an die Oberfläche und zeigt ihr Gesicht auf verschiedene Weise. Swamiji hat diese Tendenz unermüdlich in allen Winkeln seiner Gedanken ausfindig gemacht, indem er seine Handlungen und Gedanken analysierte und es gelang ihm mit verschiedenen Mitteln, auch die leiseste Spur davon in sich auszurotten. Wahre Herzensöffnung ist sehr selten. Der schnelle und bereitwillige Impuls zu geben, kommt nicht mühelos. Die erstaunliche Großzügigkeit und den großherzigen Edelmut den Swami Sivananda nun zeigt, hat er während der Zeit im Swarg Ashram gewissenhaft vervollkommnet. Lange nahm er all das an, was Besucher ihm an Früchten, Nahrungsmitteln und anderen Geschenken gaben und verteilte es an die anderen Mahatmas in der Nachbarschaft, ohne selbst etwas davon zu nehmen. Er war darin so beständig, dass die benachbarten Sadhus alle neuen Pilger an Swami verwiesen, wohlwissend, dass alle Gaben an ihn später ausnahmslos direkt zu diesen gelangen würden.

 Die fortgeschrittene Praxis intensiver Meditation scheint die wahre Kraft zu sein, die schließlich als unerschütterliche Ausgeglichenheit, wunderbare Würde und Selbstvertrauen erblühte, welche er ausstrahlt. Zweifellos das unmittelbare Resultat seines inneren Sadhana (spirituelle Praxis) und Tapas (Askese) sind seine stille Stärke, die Kraft seiner Stimme und seines Blicks, die in seiner Nähe unmittelbar spürbar ist.

Von Kindheit an hatte er die Gewohnheit, sich sportlich zu betätigen und während seiner Sadhana-Periode behielt er die Routine dieser Übungen gewissenhaft bei: ein bis zwei Meilen zu joggen, Yoga-Asanas, Pranayama usw. Manche orthodoxe Sannyasins betrachten körperliche Betätigung mit scharfem Missfallen und Intoleranz, aber Swami Sivananda war nie für diesen Fanatismus. Er ging zu einem wenig genutzten Teil des Swarg Ashram abseits der Hauptgebäude hinter der Flussbiegung und sprintete dann kraftvoll eine gute Meile.

Zu dieser Zeit, in den frühen Dreißigern, erinnerte er sich daran, dass ein bestimmter Betrag seiner früheren Ersparnisse gerettete werden könnte. Er schrieb an die entsprechende Verwaltungsstelle und mit Hilfe von Sri Ganga Saranji, einem pensionierten Richter, bekam er 5000 Rupien aus einer alten Versicherung ausbezahlt. Seine strenge Selbstdisziplin entschied sofort, nicht einen einzigen Cent von diesen Rücklagen für seine persönlichen Bedürfnisse zu verwenden. Er legte das Geld auf einem Postsparbuch an und die Zinsen verwandte er für den Kauf von Medikamenten und den Druck von kostenlosen Flugblättern über die spirituelle Praxis.

Die Behandlung von Körper und Geist waren für ihn gleich wichtig. Mit den ersten Zinsen, etwa 20 Rupien, bestellte er Medikamente in Kalkutta. Die Holzkisten, in denen die Medikamente eintrafen, wurden die ersten Regale im kostenlosen Sivananda-Krankenhaus; mit Pappkartons wurden sie sorgfältig in Fächer eingeteilt, in denen die Fläschchen mit Diaphoretica (schweißtreibenden Mitteln), Carminativa (blutstillenden Mitteln), Bromiden und anderen Mitteln aufbewahrt wurden. So war das Problem Medikamente zu beschaffen, weitgehend gelöst. Aber Medikamente allein reichen nicht, um Krankheiten zu heilen. Die Spendenhäuser gaben nichts weiter aus als einfache Chapatis und Dhal (Linsen suppe), ob ein Mönch nun krank war oder gesund. So musste Swami Sivananda die monatlichen Zinsen für den Kauf von Medikamenten aufteilen sowie zusätzlich für Milch, Joghurt, Sago und Gerste. Das war die Ausrüstung für seine tägliche „Pilgerreise“ zu den Hütten kranker Mönche. Er war jetzt gut ausgestattet mit dem stärkenden Gerstentrunk für die fiebernden Patienten, heißer gekochter Milch für die Genesenden und Joghurt für jene, deren Darm unter Durchfall und Ruhr litt. Obwohl das Geld kaum für beides ausreichte, war doch ein beträchtlicher Durchbruch in bescheidener Mission erzielt worden. Seine Freude kannte keine Grenzen.

Die Frau eines reichen Grundbesitzers bezeichnete Swami Sivananda als „jenen Swami, der im Swarg Ashram mit Tassen in der Hand und einem schmutzigen Tuch über den Kopf von Kutir zu Kutir ging“.

So lief er in der heißen Sonne herum und kehrte erst danach zu seinem eigenen Kutir zurück, um seine Mahlzeit zu sich zu nehmen. Trockenes Brot und Dhal, der in der Zwischenzeit kalt geworden war wie das Wasser des Ganges, war sein Festmahl. Wenn er unterwegs gerade einem Bettler oder einem hungrigen Menschen begegnete, gab er ihm schnell den größten Teil seiner eigenen mageren Ration. Die Kshetra-Verantwortlichen erfuhren irgendwann davon und erhöhten seine Rationen, um seine Wohltätigkeit zu unterstützen.

Essen und Medikamente allein waren wieder einmal nicht genug. Stets wurden sie mit ein paar aufmunternden, aufbauenden Bemerkungen und einem Schuss erfrischenden Humors gegeben. Ohne ein Wort nahm er die schmutzigen Kleider der Kranken. Sauber gewaschen und ordentlich zusammengelegt lagen sie ein paar Stunden später wieder an Ort und Stelle. Er ließ kein Wassergefäß ungefüllt, noch den Gang ungekehrt. Wenn sich ihm eine Gelegenheit zum Dienen bot, ergriff er sie sofort und es gab nichts, was ihn hätte davon abhalten oder zögern lassen können.

Um 1926 praktizierte ein junger Einsiedler im Swarg Ashram. Er gehörte einer hochrangigen Familie aus dem Süden an, beinahe ein Prinz. Seine Entsagung war so vollkommen, seine Selbstgenügsamkeit so hoch, dass er niemals eine Gabe annahm und sogar peinlichst vermied, sich etwas zu leihen. Beharrlich lehnte er Swami Sivanandas Angebote an einfachen Dingen für den täglichen Bedarf ab und ließ auch seine kleinen Dienste nicht zu.

Allmählich verwandelte ihn Swamis vollkommene Selbstlosigkeit und dessen aufrichtiges Bedürfnis zu helfen derart, dass er annahm, was immer ihm Swamiji auch brachte. Dieser beharrliche Angriff selbstloser Liebe machte Bhaskarananda, das war der Name des jungen Asketen, entspannter in seiner strengen Enthaltsamkeit, für die er unter den Eremiten der Gegend sprichwörtlich geworden war.

Während der ersten Zeit im Swarg Ashram hatte sich Swami einen Ruf für den Mut erworben, mit dem er sich in Situationen begab, auf die andere, denen ihr Leben lieb war, nicht einmal von fern einen Blick zu werfen wagten. Einmal litt Swami Anantananda unter einer heftigen Cholera. Aus Furcht wagte sich niemand auch nur in die Nähe seines Kutirs. Nicht so Swamiji. Er pflegte Anantananda beständig. Mit seinen eigenen Händen reinigte er den Nachttopf und wusch die Exkremente vom Körper des Patienten. Als ein Schüler von Veeraraghavacharis ähnlich erkrankte, war es wiederum Swamiji, der ihn freiwillig pflegte.

Im Kailash Ashram gab es einen ernsten Fall von Pocken und Swamiji wurde gerufen. Unverzüglich eilte er an das Krankenbett, blieb den ganzen Tag während der gesamten Dauer der Krankheit dort und leistete dem Kranken jeden Dienst. Statt sich mit dem Virus abzustecken, fühlte Swamiji, dass er neue Kraft und Energie aus der höchsten Quelle erhielt. Sein Herz schmolz angesichts der Leiden und seine Zuflucht zu Gott wurde beständiger, als er es sonst hätte erfahren können.

Swami Kalyanananda war so ergriffen von dieser Art des Dienens, dass er sich eine Hütte neben der von Swami Sivananda in Swarg Ashram errichtete. Wenn er sich einmal krank fühlte, bat Kalyanananda Swami Sivananda zu kommen und niemand anderen. „Was immer Du mir mit Deinen wunderbar heilenden Händen gibst, es wird mich heilen“, sagte er.

Swamiji hatte absolut keine Abneigung, selbst die ansteckenden Ausscheidungen der Patienten zu beseitigen. Als sein eigener Schüler, Sri Swami Atmananda, einmal krank war, führte Swamiji ohne zu zögern seinen eigenen Finger in den Anus des Patienten, um die Exkremente zu entfernen.

Swami hatte keinerlei Furcht vor öffentlicher Kritik. „Was ist meine Pflicht?“, war die Frage, die er sich ständig stellte. Niemals fragte er: „Was denken die Leute?“ In den 1930er Jahren besuchte die betagte Maharani von Singai häufig Rishikesh und Swamiji, in seinem feurig orangenem Gewand des Sannyasin, begleitete sie mit einem Sonnenschirm, wenn sie in der heißen Sonne die Straße entlang ging. Andere Sannyasins in ihrem Sannyasa-Stolz lachten über diesen Mönch, der ihr Dienste erwies, statt sich von ihr als einer Angehörigen des Familienstandes die Füße massieren zu lassen. Für ihn jedoch war es eine Gelegenheit zu dienen. Seine Meinung war, dass er mit einem solchen Dienst nicht nur dem orangefarbenen Gewand vollkommen gerecht wurde, sondern dass dadurch sogar dessen Wert erhöht wurde!

Die Zeit gab zu erkennen, dass er recht hatte. Er entwickelte sich zu einem mächtigen selbstverwirklichten Weisen und jene, die der Sannyas-Eitelkeit unterlagen, den äußeren Schein wahrend, die äußeren Erscheinungsformen fälschlicherweise für das Höchste haltend, sind sang- und klanglos verschwunden.

Während seiner Vortragsreisen besuchte Swamiji öfter Lucknow und wohnte im Palast der Maharani. Die alte Dame rauchte Wasserpfeife. Ihre Diener waren oft nachlässig in ihren Pflichten. Ohne Wissen der Maharani bereitete Swamiji früh am Morgen die Pfeife vor. Sie trank auch jeden Morgen Sodawasser. Manchmal versäumten es die Diener, ihr das Sodawasser zur rechten Zeit zu geben. Swamiji, der Ehrengast, den die Maharani zu ihrem Guru gewählt hatte, kam den Bedürfnissen seiner Schülerin zuvor, indem er das Soda schon bereit hielt, um es ihr bei Bedarf dann zu geben.

Swamiji wurde niemals müde die Sannyasins zu warnen, nicht zu vertraut mit Angehörigen des anderen Geschlechts umzugehen. Sie sollten sich strikt an die Regel halten, niemals die Nacht in einem Raum neben dem einer Frau, die allein ist, zu verbringen. Aber für ihn gab es einen der Moral weit überlegenen Kodex: Dienen. Einmal war die Maharani während eines Aufenthaltes an einer akuten Rhinitis (chronische Entzündung der Nasenschleimhaut) erkrankt. Nicht einmal ihre eigenen Kinder hätten ihr mit einem solchen Eifer geholfen wie Swamiji. Er schlief in einer Ecke ihres Zimmers, um ihr sofort zu Hilfe zu eilen, wenn es notwendig war.

Immer wenn er irgendwo hinging, hatte er sein Medizinkästchen bei sich und verteilte Medikamente an Kranke. Sri Swami Tapovan von Uttarkashi beschrieb, wie Swamiji immer drei Taschen bei sich trug. Eine enthielt Flugblätter, Broschüren und Notizbücher, eine andere Früchte und die dritte die gebräuchlichsten Medikamente. Auf seinem Weg entlang der Straße hielt er an hundert Stellen an und erkundigte sich nach den Mönchen und Bewohnern. Er gab ihnen Medikamente, spirituelle Literatur und Früchte. Sein Schlagwort in Bezug auf selbstlosen Dienst war, dass der Dienst den Patienten suchen sollte.

Er sagte: „Manchmal musst Du in deinem Dienst sogar aufdringlich sein. Manchmal lehnen Menschen, die dringend Unterstützung brauchen, diese törichterweise ab. In solchen Fällen gib ihnen den nötigen Dienst trotz ihres Sträubens. „Aber“, fügte er leise hinzu, „sei alle Zeit freundlich, einfühlsam und höflich. Nimm stets Rücksicht auf die Empfindungen anderer. Sei niemals grob im Namen des Dienens.“

Swamiji zitierte lachend zwei Gelegenheiten, bei denen er „aggressive“ Methoden des Dienens anwenden musste. Einmal musste er gewaltsam den Mönch Jnanananda im Krankenhaus von Lucknow herumtragen, wo er sich einer Behandlung unterziehen soll. Dieser war nicht in der Lage, den täglichen Weg von der Krankenstation zum Waschraum und wieder zurück zu gehen. Er wollte sich aber auch nicht von Swamiji hin- und hertragen lassen. Ohne auf die Proteste zu achten, trug Swami Sivananda den protestierenden aber dankbaren Mönch jeden Tag auf seinem Rücken. Im zweiten Beispiel überhörte er die Proteste der ehrwürdigen, frommen Rani, Fürstin von Singhai und hob sie eigenhändig von einer Fähre auf den Dampfer, als sie sich auf einer Pilgerreise nach Gangasagar befanden. Das Wasser war aufgewühlt und das Boot schwankte beunruhigend. Die zu Tode verängstigte alte Dame, sie war über 70 Jahre alt, befand sich in einer Notlage. Gleichzeitig hatte sie ihre weibliche Scheu, die Hilfe Swamijis in Anspruch zu nehmen. Aber er verschwendete keine Zeit mit Diskussionen. Im Nu fand sich die protestierende Rani sanft und respektvoll hochgehoben und wohlbehalten an Bord des Dampfers abgesetzt, wo sie von ihren Töchtern etwas aufgezogen wurde, die über Swamis effektive Taktik herzlich lachten.

Die Zeit im Swarg AshramOft war die Situation anders. Zu allen möglichen Tageszeiten kamen Menschen zu ihm und baten um Hilfe, weil sie von seiner Tüchtigkeit als Mann der Medizin und seiner liebevollen Art gehört hatten. Das nahm solche Ausmaße an, dass er sich manchmal gezwungen sah, zu fliehen und sich zwischen den riesigen Felsen am Ufer des Ganges oder in einem verfallenen Haus tief im Dschungel zu verstecken, um so zu ein bis zwei Stunden tiefer Meditation in der Stille zu kommen.

Bei dringenden Hilferufen von notleidenden Menschen ließ er alles stehen und liegen und eilte selbst um Mitternacht zu ihnen, um zu helfen. Einmal ereignete sich ein amüsanter Vorfall, der seine Geduld auf die Probe stellte. Um Mitternacht drang ein Sadhu in seinen Kutir ein, stieg über den äußeren Zaun und klopfte beharrlich an seine Tür. Er hatte etwas im Auge und bat Swami Sivananda, es zu entfernen. Obwohl er sehr müde war, betreute Swamiji den Nachtschwärmer sorgsam und entließ ihn zufrieden gestellt. Rufe nach Behandlung von Skorpionbissen gab es zu allen möglichen Zeiten, da es in der Gegend sehr viele Skorpione gab. Nicht ein einziges Mal verlor er seinen Gleichmut, nicht einmal unter störendsten Umständen.

Mit fortschreitender spiritueller Praxis brachte Swami Sivananda in seinen Dienst an den Kranken,
neben seinem Körper, Geist und Herz, auch seine Seelen kraft ein. Er nutzte seine psychischen Kräfte, um rasche Heilung zu bewirken. Er war ein Meister in der Übertragung von Pranashakti (heilender Energie) zu den kranken Körperteilen der Patienten und vollbrachte so geradezu Wunderheilungen.

Nachdem er die Medizin verabreicht hatte, bestand er darauf, die Beine der Patienten zu massieren. Für ihn gab es dabei keinen Unterschied
mehr zwischen Kaste, Religion, Hautfarbe, sozialem Stand und Geschlecht. Ein bedeutsamer Vorfall ereignete sich während dieser Zeit. Eine Pilgerin, eine Dame aus Südindien, erkrankte in der Pilgerstätte Kalikamliwala Dharamsala. Sie kam zu Swami Sivananda, wie man es ihr empfohlen hatte, erklärte ihm ihre Beschwerden und bekam ein Medikament. Automatisch bereitete Swamiji sich für die Massage vor. Aber die junge Dame war sehr bescheiden und schüchtern und wollte nicht, dass ein verehrungswürdiger Sannyasin ihre Füße berührte und so verzichtete Swami Sivananda auf die Massage. Nachdem er in seinen Kutir zurückgekehrt war, ließ dieses Ereignis ihn sehr nachdenklich werden. Er rief Swami Atmananda, einen seiner Schüler zu sich und sagte: „Warum habe ich nicht darauf bestanden, meinen üblichen Dienst durchzuführen? Sie mag eine ganz andere Vorstellung haben, aber als Vedantin hätte ich sie von meinem Standpunkt überzeugen müssen. Das wahre Selbst wohnt in allen Körpern. Nein, ich hätte meine Pflichten nicht vernachlässigen sollen.“

Das ließ ihm keine Ruhe und schon früh am nächsten Morgen, statt wie sonst in tiefer Meditation zu sitzen, machte er sich mit seinem Schüler auf die Suche nach der Patientin. Bald fanden sie sie, Swamiji erklärte ihr den Zweck seines Besuches und erwies ihr diesen Dienst. Was die Medizin nicht erreicht hatte, die Massage tat es und sie fühlte sich sofort besser.

Swami Sivananda wurde oft eingeladen und unternahm mehrmals spirituelle Vortragsreisen. 1925 besuchte er Sherkot Estate in Dampur. Die Fürstin von Sherkot, Srimati Phulkumari Devi, bereitete ihm einen herzlichen Empfang. Er leitete an mehreren Tagen Bhajans(Mantrasingen) und brachte den Bewohnern medizinische Hilfe. Die Maharani von Mandi, Sri Lalitha Kumari Devi, wohnte ebenfalls diesen Bhajans bei. Sie sagte einmal: „Niemals kann ich Swamijis wohlklingende und inspirierende Lieder vergessen. Sie bleiben immer in meiner Erinnerung. Ich kann ihre Wirkung spüren. Sie haben mir Ruhe gegeben und meine Seele erhoben.“

Beeindruckt von den süßen, wohlklingenden Liedern, die beständig von Swamijis Lippen flossen, seinen inspirierenden Vorträgen und seiner erhabenen Persönlichkeit versuchten die ergebene und spirituell interessierte Fürstin und die Behörde von Sherkot, Swamiji unverzüglich zum Bleiben zu überreden. Der Gedanke, ständig dort zu bleiben, gefiel ihm jedoch nicht. So beschloss er abzureisen und zwar sofort. Es war eine heikle Situation, weshalb er sich unbemerkt und ohne eine Nachricht zu hinterlassen, entfernte.

Nur mit zwei Tüchern bekleidet, das eine um die Hüften gewunden und das andere über die Schulter geworfen, begann er, nach Rishikesh zurückzugehen. Es war mitten im Winter. Er musste tagelang hungern und hatte nur das klare energetisierende Wasser des Ganges zu trinken. Es war bitter kalt, aber er hielt sich durch Wiederholen des Namens Gottes mit jedem Atemzug warm. Mutter Erde gab ihm nachts ein Bett aus Gras und er schlief ungeachtet des kalten Windes, der über ihn blies. Wenn er in ein Dorf kam, organisierte er sofort eine kleine Versammlung und begann Mantras zu singen. Auf diese Weise erreichte er Rishikesh, körperlich geschwächt, aber kraftvoll im Geist.

Selbst in Zeiten strenger, absoluter Zurückgezogenheit eilte Swamiji jeweils dorthin, wo seine Inspiration dringend benötigt wurde, sobald er aber fühlte, dass dies die Grenzen überschritt und es ihn zu lange von seinem Ideal fern hielt, verließ er den Ort, obwohl ihm ein weiterer Aufenthalt schnellen Ruhm und ein bequemes Leben eingebracht hätten. Seine Entsagung war so intensiv, dass er nicht einmal ein paar Kleidungsstücke oder eine Decke mitnahm. Er hatte einen so eisernen Willen, dass er sich angesichts großer Versuchungen stets beherrschen konnte. Selbst Nahrung und persönliche Bequemlichkeit waren zweitrangig für ihn verglichen mit spirituellem Gewinn. Selbst wenn er hungrig und erschöpft war, pries er noch immer den Namen Gottes, wann immer sich ihm dazu die geringste Gelegenheit bot.

So folgte er dem mittleren Pfad. Er liebte die Zurückgezogenheit, aber er isolierte sich nicht. Er sagte: „Gelegentliche Reisen halfen mir, alle göttlichen Egenschaften zu entwickeln und der Menschheit in größerem Umfang zu dienen.“ Sogar im Zug brachte er Reisenden Yoga-Übungen bei und gab ihnen einfache Anleitungen zu Japa(Mantrawiederholung) und Meditation. Auch da hatte er immer eine kleine Medikamenten tasche bei sich und gab Kranken medizinische Hilfe.

Später erzählte er einmal seinen Schülern: „Während meiner Reisen hatte ich jeweils ein Bündel bei mir mit Tintenfässchen, Schreibfedern, Bleistiften, Nadeln und Schriften wie Viveka Chudamani, den Upanishaden, der Bhagavad gita und den Brahma Sutras. Ich hatte auch ein paar Brief marken dabei, um dringende Korrespondenz zu erledigen. Zwei Stunden vor der plan mäßigen Abfahrt des Zuges ging ich zum Bahnhof. Statt mich überall umzuschauen, setzte ich mich unter einen Baum und erledigte meine Schreibarbeiten. Ich hatte niemals Adressen dabei, um Freunde oder Anhänger an den wichtigen Etappen meiner Reise zu besuchen, in der Absicht, gut bewirtet zu werden oder finanzielle Unterstützung zu erhalten. Ich erledigte rasch die Arbeit, die der Zweck dieser Reise war und kehrte so schnell wie möglich nach Rishikesh zurück.“

Damals unternahm Swami auch Pilgerreisen zu den heiligen Orten im Himalaya. Mit Swami Adwaitananda, Swami Balananda und Swami Vidyasagar ging er 1926 nach Kedarnath und Badrinath. Mitte Mai verließen sie Rishikesh. Swami Sivananda befand sich während der ganzen Pilgertour in einem Stadium höchster Ekstase. Unterwegs behandelte er kranke Pilger und sang Kirtans. Er nahm ein Bad in der warmen Quelle von Tapta Kunda und im eiskalten Wasser des Alakananda in Badrinath. Nicht eine Sekunde verschwendete er in nutzlosen Gesprächen. Stattdessen unterhielt er sich mit Swami Adwaitananda über Vedanta (Philosophie der Einheit). Auf dem Rückweg gingen sie über von Devaprayag nach Mussoorie und Tehri. Anschließend kehrten sie nach Rishikesh zurück.

Die nächste Yatra (Pilgerreise) führte ihn im Jahr 1930 an die Mündung des Ganges in das Meer bei Kalkutta, in Begleitung der Maharani Surat Kumari Devi und ihres Sekretärs. In Kalkutta nahmen sie das Dampfschiff und erreichten Ganga - sagar - die Mündung des Ganges- schon früh am nächsten Morgen. Sie badeten im Meer und besuchten den Tempel, der dem berühmten Weisen Kapila geweiht ist.

Am 12. Juni brach Swamiji auf, zusammen mit Swami Adwaitananda, Swami Swayam Jyoti, Brachmachari Yogananda, der Maharani Surat Kumari Devi, der Fürstin des Fürstentums Singhai und ihrem Sekretär Sri Kedarnath auf eine Pilger reise zum Berg Kailash in West-Tibet. Sie alle tauchten ein in das klare blaue Wasser des Manasarovar-Sees am Fuße des Kailash. Von dort wanderten sie zum Berg Kailash und umrundeten den heiligen Berg. Am ersten Tag hielten sie Rast am Ufer des Indus, gegenüber einem tibetanischen Kloster. Am Abend stieg Swamiji begleitet von Brachmachari Yogananda den Berg hinauf, um dem Indus zu seinem Ursprung zu folgen.

Die Pilgerreise auf Mount KailashNach einem anstrengenden Aufstieg von mehr als einer Meile über Eis und steile Felsen erreichten sie die Quelle, einen kleinen Bach, der durch Eisblöcke hervorsprudelte. Hier zelebrierte Swamiji eine Puja (Verehrungsritual) mit einem Eisblock, der die Form eines Lingams (Symbol für Shiva) hatte, bevor sie den Rückweg zum Lager antraten. Am nächsten Morgen brach die Gesellschaft auf nach Gauri Kund, einem See, 6000 Meter über dem Meeresspiegel gelegen. Hier war die Luft so dünn, dass das Atmen schwer fiel und alle fühlten sich erschöpft.
Swamiji brach das Eis auf der Oberfläche des Sees auf und badete in dem eisigen Wasser. Nach der Umwanderung des Mount Kailash kehrten sie zurück zur tibetanischen Grenze und von dort nach Almora. Swamijis Gesicht war ganz dunkel geworden von dem scharfen kalten Wind und der sengenden Sonne und er hatte fünfzehn Pfund an Gewicht verloren.

 

Nichtsdestoweniger hatte die Reise ihm ungeheure Freude bereitet. Er sagte: „Ungern kehrst Du zurück... um dann auf demselben Weg, der Dich in das Gebiet unvergänglicher Freude, den heiligen Kailash, geführt hat, wieder einzutreten in das Land endlosen Leidens, der Disharmonie und des Elends.“ Der Kailash wird auch der Berg Meru genannt – der Mittelpunkt der Erde. Es gibt keinen Ort auf der ganzen Erde, der mit dem Kailash vergleichbar wäre in seiner wunderbaren Schönheit des ewigen Schnees. Von allen Pilgerreisen war die zum Kailash die schwierigste. Swamiji ging die ganze Strecke, alles in allem 740 Kilometer. Selbst während dieser Reise kümmerte sich Swami Sivananda um Kranke. Während die anderen sich ausruhten, weil sie vom Laufen müde waren, behandelte er Menschen. Er rettete das Leben eines bengalischen Sadhus durch Injektionen.

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Samadhi

Als Swamiji in seiner Praxis der Meditation weiter fortschritt, verweigerte er jegliche Nahrung, Gesellschaft und Gespräche. Er tauchte tiefer und tiefer in Samadhi (den überbewussten Zustand) ein und blieb tagelang allein hinter seiner verschlossenen Tür. Die anderen Mönche waren von Staunen ergriffen und fragten sich, aus was für Material er gemacht sei! Nicht einen Tag der Erholung gestattete er sich.

So ging es weiter Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, fünf lange Jahre, bis er an einem gesegneten Tag im Jahre 1929 oder 1930 das Ziel allen Sadhanas erreichte. In seiner Autobiographie berichtete Swamiji darüber:

„Ich achtete besonders sorgfältig auf ein einfaches Leben, erhabenes Denken, leichte Ernährung, tiefes Studium der Schriften, stille Meditation und regelmäßige Gebete. Ich liebte die Zurückgezogenheit und befolgte das Schweigegelübde. Ich duldete keine Gesellschaft und nutzlose Gespräche. Von der Ram-Ashram Bibliothek in Muni-ki-Reti erhielt ich einige Bücher und studierte diese jeden Tag. Ruhe und Entspannung gaben mir genug Kraft, dieses intensive Sadhana aufrecht zu erhalten. Ich suchte die Gesellschaft von einigen Heiligen, ließ mich aber nie in Diskussionen ein. Selbstanalyse und Innenschau waren meine Führer. Ich verbrachte viel Zeit mit Meditation und praktizierte verschiedene Arten des Yoga. Alle meine Erfahrungen sind in viele meiner Büchern eingeflossen, als Ratschläge an spirituelle Aspiranten. Selbst die großen Mystiker behielten üblicherweise ihr seltenes Wissen als Geheimnis für sich und gaben es nur an wenige Auserwählte weiter. Aber ich sandte rasch meine Gedanken und Erfahrungen aus, um der Welt und den nach der Wahrheit Suchenden zu helfen.“

Das genaue Datum und die Art seiner Verwirklichung behielt Swamiji für sich, wenngleich einige beiläufige Bemerkungen darauf schließen lassen, dass er in tiefen Meditationen Visionen der Weisen aus den Upanishaden und von Krishna hatte. Er schrieb: „Es wäre einfach, die Frage wie folgt abzutun: Ja, nach einer langen intensive Askese und Meditation während meines Lebens im Swarg Ashram hatte ich die Vision vieler Maharishis, empfing ihren Segen und schließlich erschien mir Gott in der Gestalt von Krishna, aber das wäre nicht die vollständige Wahrheit,
noch eine ausreichende Antwort auf eine Gott betreffende Frage, welcher grenzenlos, unendlich und jenseits der Reichweite von Gedanken und Sprache ist. Selbst sinnliche Erfahrungen wie Geschmack kann man nicht wirklich beschreiben. Du kannst niemandem beschreiben, wie ein Apfel schmeckt, der Äpfel nicht kennt und Du kannst einem Blinden nicht erklären, was Farbe ist. Der Samadhi-Zustand ist grenzenlose Freude, Wonne und Frieden. Das ist alles, was ich sagen kann. Man muss es selbst erfahren.“

Über seine Erfahrung schrieb er:


Ich feierte diesen verheißungsvollen Tag
mit großem Glanz und Prunk,
mit festlicher Beleuchtung und freudevollen Liedern.
Mein Wunsch ist erfüllt worden.
Ich habe meinen Geliebten getroffen.
Wie kann ich Worte finden
für die Schönheit meines Geliebten?
Er ist strahlend wie eine Million Sonnen.
Er hat seinen Thron in meinem Herzen bestiegen
und das strahlende Feuer der Liebe entzündet.


Ich badete Ihn mit dem Wasser der Liebe.
Ich schmückte Ihn mit den Blumen der Liebe.
Ich gab ihm Butter und Süßigkeiten.
Ich habe den Kelch der Liebe getrunken,
welcher gefüllt war bis zum Rand.
Es ist der Kelch vollkommener Freude.
Mein Entzücken besteht weiter.
Die Gnade Gottes ist über mich gekommen.
Wie gesegnet bin ich, der ich meinen Geliebten geschaut habe.

Er hatte den Gipfel des Sadhana, das höchste Ziel aller spirituellen Praxis, erreicht. Es bestand nun keine Notwendigkeit mehr, die strenge Askese weiter zu praktizieren. Samadhi war zu seinem natürlichen Seinszustand geworden. Ohne bewusste Anstrengung war er ständig in Einklang mit dem höchsten Selbst. Einem Biographen sagte Swami Sivananda einmal, er habe niemals Rückfälle in seinem Sadhana gehabt, noch musste er je gegen seinen Geist ankämpfen. Keine Hürde stellte sich ihm in den Weg. Es war die ganze Zeit ein ruhiges, ausgeglichenes Dahingleiten.

Das bedeutet nicht, dass er während der Zeit seiner intensiven spirituellen Praxis stets auf Rosen gebettet war. Er durchlief während dessen und auch danach viele Leiden. Aber innerlich war er immer erfüllt mit Freude und Wonne, was ihn immun machte gegen über äußeren Versuchungen und Prüfungen.

Swami Narayananda, einer seiner frühesten Schüler, sagte, Swami Sivananda habe nie Hindernisse in seinem Sadhana zu überwinden gehabt, weil er immer wachsam war. Niemals gestattete er der kleinsten Anwandlung einer Versuchung oder Trägheit in seinem Sadhana, die gewaltigen Ausmaße eines ernsthaften Hindernisses anzunehmen. Seine Gedanken und Sinne waren seine Sklaven und er ließ keine Fehler zu.

Als er die Weisheit gefunden hatte, die dem menschlichen Elend ein Ende bereiten konnte, war er voller Eifer und Ernsthaftigkeit, dies mit allen zu teilen. Er verspürte den inneren Drang, spirituelles Wissen in großem Stil zu verbreiten. Das Feuer der göttlichen Erkenntnis, das von seinem Herzen ausströmte, verzehrte alle Unwissenheit in den Herzen all derer, die ihm begegneten; seine Äußerungen und seine Schriften nach dieser Zeit erstrahlten in einem besonderen Licht und hatten unverkennbare Autorität. Menschen strömten in Scharen zu ihm und lauschten ihm fasziniert. Die Mehrheit der Zuhörer verstand kein Englisch und er sprach stets Englisch. Trotzdem hörten sie ihm zu, denn es war dieses „gewisse Etwas“ in seiner Gegenwart spürbar.

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