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Sadhana

Vorwort

Vorwort

Om! Gegrüßt sei der anbetungswürdige Gott Hari, der das Großartigste von allem ist und dieses ganze Universum überragt.

Der Begriff „Sadhana“ kommt aus der Wurzel „Sadh“ und bedeutet „sich anstrengen“, „auf ein bestimmtes Ergebnis, eine Siddhi, hinarbeiten“. Der Übende oder Strebende ist ein „Sadhaka“. Hat er das gewünschte Resultat, die „Siddhi“, erlangt, ist er ein „Siddha“. Ein voll entwickelter Siddha ist jemand, der umfassendes Wissen über Brahman erlangt hat. Selbstverwirklichung oder der Darshan Gottes ist ohne Sadhana nicht möglich. Jede spirituelle Übung wird Sadhana genannt. Sadhana und Abhyasa sind gleichbedeutende Begriffe. Das, was durch Sadhana erreicht wird, ist „Sadhya“, das Ziel - die Verwirklichung von Gott oder Brahman. Das vorliegende Buch präsentiert in höchst umfassender Weise praktisch jede bekannte Form von Sadhana, durch die das Göttliche, Brahman, erfahren werden kann.

Wer sich rasch entwickeln will, muß das richtige Sadhana haben. Ein Schüler, der auf dem Pfad auf sich selbst vertraut, kann das Sadhana für die tägliche Praxis selbst auswählen. Ein Schüler auf dem Pfad der Selbsthingabe muß die richtige Art von Sadhana von einem Guru bekommen und mit unerschütterlichem Vertrauen praktizieren.

Warum die Gefangenschaft unnötig verlängern? Warum nicht sein göttliches Geburtsrecht jetzt sofort wahrnehmen? Warum nicht die Fesseln jetzt zerbrechen? Verzögern bedeutet Verlängern des Leidens. Es kann in jedem Moment zerbrochen werden. Es liegt in deiner Macht. Tue es jetzt. Erhebe dich. Schürze dein Lendentuch. Praktiziere entschlossen und kraftvoll Sadhana und erlange die Freiheit, die Unsterblichkeit und immerwährende Wonne ist.

Mache die niedere Natur zum Diener der höheren durch Disziplin, Tapas, Selbstbeherrschung und Meditation. Das ist der Beginn der Freiheit.

Ohne Entsagung kann man niemals glücklich sein. Ohne Entsagung kann man sich niemals wohlfühlen. Deshalb entsage allem. Mache dir das Glück zueigen. Betrachte Entsagung als das Allerdringlichste.

Verbessere dich. Schule den Charakter. Reinige dein Herz. Entwickle göttliche Tugenden. Beseitige schlechte Eigenschaften. Erobere alles, was wertvoll und ehrenhaft ist.

Nur wenn das Herz gereinigt ist, der Geist schweigt, die Gedanken und die aufbrechenden Gefühle schweigen, die nach außen gerichteten Sinne nach innen gebracht worden sind und die Vasanas ausgedünnt wurden, kann der glorreiche Atman in tiefer Meditation wahrgenommen werden.

Es gibt fünf Mittel, um vollkommene Ruhe und Befreiung zu erlangen. Sie stellen das höchste Glück dar. Sie sind Satsanga, Zusammensein mit Weisen, Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen, Leidenschaftslosigkeit, das Fragen ‚Wer bin ich‹ und Meditation. Man nennt sie Himmel. Sie stellen das höchste Glück dar.

Werde zuerst ein guter Mensch. Dann kontrolliere die Sinne. Dann unterwirf den niederen Geist unter den höheren Geist. Dann wird sich das göttliche Licht herabsenken. Erst dann wird das Gefäß das göttliche Licht empfangen und bewahren können.

Spirituelles Leben ist mühsam und anstrengend. Es erfordert dauernde Achtsamkeit und große Ausdauer, bevor ein wesentlicher Fortschritt gemacht wird.

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Durch Unwissenheit hast du die Mauern deines Gefängnisses selbst errichtet. Durch Unterscheidung und das Fragen ‚Wer bin ich? kannst du diese Mauern zerstören.

Leiden reinigen die Seele. Sie verbrennen Grobstoffliches, Sünden und Unreinheiten.

Das Göttliche wird immer offenbarer. Sie verleihen innere spirituelle Kraft und entwickeln Willenskraft und Ausdauer. Deshalb sind Leiden verkleidete Gnaden.

Bereits ein einziger Strahl des inneren Lichts während der Meditation wird den Weg erhellen. Er gibt sehr viel Mut und innere Kraft. Er wird dazu anstacheln, mehr Sadhana zu machen. Diesen Lichtstrahl erlebt man, wenn die Meditation tiefer wird und man sich über das Körperbewußtsein erhebt.

Leben ist die Entfaltung der in der Seele verborgenen Fähigkeiten. Lebe das göttliche Leben. Schaffe erhabene göttliche Gedanken im Geist durch Meditation, Japa, Kirtan und das Studium heiliger Schriften.

Bade im Strom des ewigen Lebens. Springe hinein. Tauche ein. Schwimme darin. Treibe darin. Genieße es.

Sonne den Körper im physischen Sonnenlicht. Sonne die Seele im Sonnenlicht des Ewigen. Du wirst Gesundheit und ewiges Leben haben.

Gottesverehrung ist das sich Entfalten der Knospe der Seelenblume. Gottesverehrung ist Leben. Gottesverehrung gibt ewiges Leben. Du besiegst vielleicht Millionen Menschen in einer Schlacht, aber du wirst nur dann zum größten Herrscher, wenn du dein niedriges Selbst, den Geist, besiegen kannst.

Solange die Sinne nicht unterworfen oder geschwächt sind, müssen Tapas (Selbstdisziplin) und Dama (Pratyahara) geübt werden.

Wenn eine Glühbirne von vielen Stoffschichten umhüllt ist, ist das Licht nicht hell. Wenn eine Hülle nach der anderen entfernt wird, wird das Licht immer heller. Genauso, wenn der aus sich selbst strahlende Atman, der von den fünf Hüllen umgeben ist, durch Meditation über das reine Selbst und die Praxis der Lehre von ›Neti-Neti‹ von seinen Hüllen befreit wird, enthüllt sich der aus sich selbst strahlende Atman dem Meditierenden.

Setze dich mit gesammeltem Geist hin. Behaupte deine Herrschaft über Körper und Geist. Tauche tief ein in die innersten Kammern des Herzens und betritt den phantastischen Ozean der Stille. Lausche der geräuschlosen Stimme.

Reinige zuerst das Herz und steige mit mutigem und unerschrockenen Geist stetig höher auf der Leiter des Yoga. Klettere flink weiter. Erlange Ritambara Prajna und erreiche die Spitze der Leiter, den Tempel der Weisheit, wo die Wolke der Tugend, der Nektar, aus Dharmamegha Samadhi träufelt.

Errichte dein spirituelles Leben auf einem sicheren Fundament, auf dem Felsen von göttlicher Gnade und Charakterstärke. Nimm Zuflucht zum Herrn und seinem ewigen Gesetz. Es gibt keine Kraft im Himmel oder auf der Erde, die dir nun den Weg versperren kann. Erfolg in der Selbstverwirklichung ist dir gewiß. Mißerfolge gibt es nicht für dich. Licht erhellt deinen Weg. Alles strahlt.

Sadhana ist jede spirituelle Praxis, die dem Sadhak hilft, Gott zu verwirklichen. Abhyasa und Sadhana bedeuten dasselbe. Sadhana ist eine Methode, um das Ziel menschlichen Lebens zu erreichen. Ohne Sadhana kann niemand den Sinn des Lebens erfüllen. Das Sadhana ist individuell unterschiedlich je nach Fähigkeiten, Temperament und Geschmack. Jeder muß ein bestimmtes Sadhana praktizieren, um den Zustand letztendlicher Glückseligkeit zu erlangen. Sadhya ist das, was durch Sadhana erreicht wird. Es ist Gott, Atman oder Purusha. Wenn man sich rasch entwickeln will, muß man das richtige Sadhana praktizieren. Will man sich nur auf sich selbst verlassen, kann man das Sadhana für die tägliche Praxis wählen.

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Wenn man ein Schüler auf dem Pfad der Selbstaufgabe ist, muß man das richtige Sadhana von einem Guru bekommen und es mit tiefem Vertrauen praktizieren. Wer dem Pfad der Hingabe folgt, muß Japa üben und die heiligen Schriften wie Bhagavata oder Ramayana lesen. Durch die Praxis von Navavidha Bhakti muß der Bhakta ein sehr hohes Maß an Bhakti entwickeln. Sravana, Smarana, Kirtana, Vandana, Archana Padasevana, Sakhya, Dasya und Atma Nivedana sind die neun Methoden, um Bhakti zu entwickeln. Bhaktas müssen Vrata und Anushthana befolgen, beten und Manasica Pujas ausführen. Sie müssen anderen dienen und erkennen, daß der Herr im Herzen aller wohnt. Das ist das Sadhana für Menschen, die den Pfad von Bhakti Yoga beschreiten.

Menschen, die dem Weg des Karma Yoga folgen, müssen in verschiedener Weise selbstlosen Dienst für die leidende Menschheit und für die Gesellschaft tun. Sie müssen die Früchte ihres Handelns dem Herrn als Ishwarapana überlassen. Sie müssen den Gedanken, Handelnder zu sein, aufgeben und erkennen, daß sie Werkzeuge in den Händen Gottes sind. Sie müssen sich ihrer Selbstsucht entledigen und ihre Indriyas kontrollieren. Sie müssen ihr Leben gänzlich in den Dienst der Menschheit stellen. Sie müssen sehen, daß die ganze Welt eine Manifestation Gottes ist. Wenn sie in solchem Bhav den Menschen dienen, werden ihre Herzen auf lange Sicht gereinigt. Schließlich erlangen sie Selbsterkenntnis durch Chitta. Das ist das Sadhana für Karma Yogis. Es ist sehr wichtig für alle Anfänger auf dem spirituellen Pfad. Es ist nicht das Ziel selbst. Viele glauben das irrtümlicherweise und vernachlässigen die höheren Arten von Sadhana. Sie müssen noch weiter vordringen und durch Dharana, Dhyana und Samadhi das höchste Ziel erreichen.

Ein Raja Yogi steigt langsam die Yogaleiter über die acht Stufen empor. Am Anfang erhält er durch die Praxis von Yama und Niyama eine ethische Ausbildung. Dann übt er Pranayama, um den Geist zu beruhigen und die Nadis zu reinigen. Dann erreicht er Samadhi durch das Ausführen von Pratyahara, Dharana und Dhyana. Er bringt alle mentalen Erscheinungsformen, die sich aus dem Geist erheben, zum Stillstand.

Wer den Pfad von Vedanta oder Jnana Yoga aufnimmt, muß zuerst der vier Mittel der Erlösung (Sadhana Chatushtaya) - Viveka, Vairagya, Shat-Sampat und Mumukshutwa - erwerben. Viveka ist die Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen. Vairagya ist Gleichgültigkeit gegenüber Sinnesfreuden. Shat-Sampat sind die sechsfachen Tugenden, nämlich Sama, Dama, Uparati, Tiriksha, Sradda und Samadhana. Dann werden sie einen Brahma Nishta Guru aufsuchen, der das höchste Selbst verwirklicht hat, um von ihm die Srutis zu hören. Dann reflektieren und meditieren sie über das Selbst und erreichen schließlich Atma Satshatkar. Dann ruft der Jnani freudig aus: „Atma alleine ist, eins ohne zweites. Atma ist die Wirklichkeit. Ich bin Brahman, Aham Brahma Asmi. Sivoham. Sarvam Khalvidam Brahma.“ Der befreite Jivanmukta sieht das Selbst in allen Wesen und alle Wesen im Selbst.

Hatha Yoga Schüler müssen versuchen, die im Muladhara Chakra schlummernde Kundalini Shakti durch Mudras, Bandhas, Asanas und Pranayamas zu erwecken. Sie müssen daran arbeiten, Prana und Apana zu vereinigen und das vereinigte Prana-Apana durch Sushumna Nadi führen. Die Hitze wird verstärkt durch das Anhalten des Atems, gemeinsam mit Kundalini steigt Vayu durch die einzelnen Chakras auf zum Sahasrara Chakra. Wird die Kundalini im Sahasrara Chakra mit Gott Siva vereint, erlangt der Yogi höchsten Frieden, Wonne und Unsterblichkeit.

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Gebete

I

Oh alles durchdringende, verborgene und einheitliche Substanz! Oh anbetungswürdiger Herr des Universums! Du beobachtest das Schauspiel dieser Welt hinter der Leinwand. Du strahlst aus dir selbst. Du bist der Urgrund aller Namen und Formen. Du bist eins ohne zweites. Dein Ruhm ist unaussprechlich. Du bist die Quelle aller Wissenschaften, Weisheit und Schönheit.

Ich weiß nicht, in welcher Weise ich Dir huldigen soll. Ich bin nicht stark genug, irgendein Sadhana auszuführen. Ich bin voller Schwächen und Doshas. Mein Geist schwankt. Die Indriyas sind mächtig und ruhelos. Einige sagen: „Du bist Nirakara und Nirguna“. Ich möchte mich nicht in Kämpfe, Diskussionen und Debatten einlassen. Gib mir Frieden und Hingabe. Gib mir die Kraft, Versuchungen zu widerstehen und diesen meinen Feind und Dieb, meinen Geist, zu kontrollieren. Mache, daß ich meinen Körper zum Dienst für Dich gebrauche. Laß mich immerfort Deiner gedenken. Laß mich immer Dein sanftes, liebevolles Angesicht erschauen. Erfülle mir dieses Gebet, oh Ozean der Liebe!

Gib mir wahres Viveka und bleibendes Vairagya. Vairagya kommt und geht. Festige mich in Para Vairagya. Auch meine Selbsthingabe ist unvollkommen und nicht ernsthaft. Ich gestehe meine Fehler ein. Nicht eine Träne kommt aus meinen Augen. Lasse mich in Einsamkeit weinen, wenn ich alleine bin. Laß mich keine Krokodilstränen vergießen. Nur dann kann ich Dich in meinen Tränen erkennen. Mein Herz ist härter als Feuerstein, Stahl und Diamanten. Wie kann ich es so weich machen wie Butter? Gib mir das Herz von Prahlada oder Gouranga. Das ist mein inbrünstiges Gebet. Oh Gott der Liebe! Erfülle mir dieses bescheidene Gebet. Ich flehe Dich an. Ich bin Dein Schüler. Du bist mein Guru.

II

Oh Lehrer unendlicher Weisheit, schenke mir den Segen, unermüdlich Kranken, Armen und Gequälten zu dienen, mich nicht Bösem zuzuwenden, niemals zu lügen und nicht der Liebe zu Sinnesobjekten zu erliegen.

Oh Gott! Ich bin in Dir, und Du bist in mir.
Ich bin Der, den ich liebe, und Der, den ich liebe, bin ich.
Oh Licht, erhelle meinen Verstand.
Oh Liebe, erfülle mein Herz.
Oh Macht, gib mir Kraft.
Oh Herr, Du bist Mut! Erfülle mich mit Mut.

Du bist Barmherzigkeit, erfülle mich mit Barmherzigkeit. Du bist Frieden, erfülle mich mit Frieden. Du bist Glanz, erfülle mich mit Glanz.

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III

Oh Herr! Du bist der Strom, Du bist die Wolke. Du bist der Ozean. Du bist die Pflanze. Du bist der Kranke. Du bist der Arzt. Du bist die Krankheit. Du bist die Medizin.

Alle gehören dem Herrn! Ich tue Seine Arbeit. Ich bin ein Werkzeug in Seinen Händen. Sein Wille geschehe.

Oh Herr! Mache meinen Willen stark genug, allen Versuchungen zu widerstehen, meine Indriyas und meine niedere Natur zu beherrschen, meine alten, schlechten Gewohnheiten zu ändern, meine Hingabe umfassend und wahrhaftig zu machen. Nimm Platz auf dem Thron in meinem Herzen. Verlasse diesen Ort nicht eine Sekunde. Gebrauche meinen Körper, meinen Geist und meine Organe als Werkzeuge. Mache mich würdig, für immer in Dir zu wohnen.

IV

Universelles Gebet

Oh anbetungswürdiger Herr voll Barmherzigkeit und Liebe!
Gruß Dir in Demut gebeugt.
Sein ist Dein Wesen, Wissen und Seligkeit.
Allgegenwärtig bist Du, allmächtig, allwissend.
Im Innern aller Wesen wohnst Du.

Gib uns ein verstehendes Herz, ausgeglichenes Gemüt,
Vertrauen, Hingebung und Weisheit.
Gib uns geistige Kraft, Versuchungen zu widerstehen,
Denken und Wollen zu beherrschen.
Befreie uns von Selbstsucht, Gier, Zorn und Haß.
Erfülle unser Herz mit göttlichen Tugenden.

Laß uns Dich erschauen in all den Namen und Gestalten.
Laß uns Dir dienen in all den Namen und Gestalten.
Laß uns allezeit Deiner gedenken.
Laß uns stets Deine Herrlichkeit singen.
Laß Deinen Namen stets auf unseren Lippen sein.
Laß uns in Dir bleiben allezeit.

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