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Shiva Samhita

 

3. Kapitel - Die Yogapraxis

 

Die Vayus31

  1. Im Herzen gibt es einen leuchtenden Lotus mit zwölf Blütenblättern, geschmückt mit leuchtenden Zeichen. Er hat die Buchstaben von k bis th (in der Reihenfolge des Sanskrit-Alphabets), das sind diese zwölf schönen Buchstaben:  k, kh, g, gh, ñ, ch, chh, j, jh, n, t, th
  2. Prana32, die Lebensenergie, lebt hier, verziert mit verschiedenen Begierden, die aus früheren Taten herrufen, begleitet von vergangenen Taten, die ohne Anfang sind und mit dem Egoismus, Ahamkara33, verbunden. ( Das Herz befindet sich im Zentrum, worin die Saat (Bija) ist = यं ) य =Ya mit dem Bindu यं =Yam (der Punkt über dem ya ist das Bindu)
  3. Aufgrund der vielen Abwandlungen des Prana erhält es verschiedene Namen, alle können hier nicht angegeben werden.
  4. Prana (Lebenskraft), Apana (Ausscheidung), Samana (Verdauung, d.h. Aufnahme der Nährstoffe ins Blut), Udana (die Kraft des Körpers, sich gerade aufzurichten. Sie hängt mit Singen oder Tönen zusammen, reicht von Svadhishthana bis Vishuddha), Vyana (die Durchdringung des Körpers mit Prana), Naga (aufstoßen), Kurma (blinzeln), Krikara (Hunger- und Durstgefühl; niesen) Devadaita (gähnen) und Dhanamjaya (die Vorgänge im Körper nach dem Tode; auch, dass der Körper eines Yogi nach dem Tode noch lange frisch bleibt).
  5. Diese zehn sind die zehn wichtigsten Namen, die in diesem Shastra beschrieben werden. Sie führen alle Körperfunktionen selbständig durch.
  6. Von diesen zehn sind die ersten fünf die wichtigsten, von diesen fünf besitzen Prana und Apana die höchsten Wirkkräfte.
  7. Der Sitz des Prana ist das Herz; der des Apana der After; Samana befindet sich in der Region um den Nabel herum; Udana in der Kehle; Vyana bewegt sich im ganzen Körper.
  8. Die fünf übrigbleibenden Vayus (Naga, Kurma, Krikara, Devadaita, Dhanamjaya) führen folgenden Funktionen im Körper durch: Aufstoßen, Öffnen der Augen, Hunger und Durst, Staunen oder Gähnen und zuletzt Schluckauf.
  9. Derjenige, der auf diese Weise den Mikrokosmos des Körpers kennt, wird von allen Sünden befreit und erreicht den höchsten Wissensstand.

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Der Guru (spirituelle Lehrer)

  1. Nun werde ich berichten, wie leicht es ist, Erfolg im Yoga zu haben und weshalb Yogis durch dieses Wissen in ihrer Praxis nie scheitern werden.
  2. Nur das Wissen, das durch einen sprituellen Lehrer mitgeteilt wird, ist kraftvoll und nützlich. Ohne mündliche Unterweisung wird es fruchtlos und enttäuschend.
  3. Derjenige, der sich irgendeiner Studie widmet, während er seinen spirituellen Lehrer mit voller Aufmerksamkeit zufriedenstellt, wird leichter und schneller in diesem Bereich Ergebnisse erzielen.
  4. Es gibt nicht den geringsten Zweifel, dass der sprituelle Lehrer wie ein Vater und eine Mutter ist. Er ist ein Sprachrohr Gottes, weshalb ihm alle Schüler in Gedanken, Worten und Taten dienen sollten.
  5. Durch die Gunst des sprituellen Lehrers wird alles positive erreicht, das mit dem eigenen Selbst zusammenhängt. So sollte man dem Guru täglich dienen. Alles andere ist unergiebig.
  6. Der Guru wird geehrt, indem der Schüler dreimal um ihn herum geht und mit seiner rechten Hand seine Lotusfüße berührt.

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Adhikari34

  1. Wer Kontrolle über sich selbst hat, wird durch Zuversicht, wie kein anderer, wahrlich Erfolg erlangen. Deshalb sollte Yoga - in Verbindung mit Zuversicht - mit Sorgfalt und Beharrlichkeit praktiziert werden.
  2. Diejenigen, die sich weltlichen Vergnügungen hingeben oder schlechten Umgang pflegen, die sich ihrem spirituellen Lehrer gegenüber respektlos verhalten, die an Zügellosigkeiten teilnehmen, die sich auf falsche und nutzlose Kontroversen einlassen, die vulgär oder gar boshaft in ihrer Sprache sind und die ihren Lehrer nicht zufriedenstelIen, erreichen niemals Erfolg.
  3. Die erste Bedingung für Erfolg ist der feste Glaube, dass dieses Wissen in der Anwendung erfolgreich und nützlich sein wird. Die zweite Bedingung ist, mit Zuversicht regelmäßig zu üben, die dritte ist die Achtung vor dem Lehrer, die vierte ist der Geist der universellen Gleichheit, die fünfte ist, die Sinne zu zügeln, die sechste ist, mäßig zu essen. Das sind alle. Es gibt keine siebente Bedingung.
  4. Hat man einen spirituellen Lehrer gefunden, der Yoga kann, und von ihm Unterweisung darin erhalten, dann soll man ernsthaft und zuversichtlich üben, in Übereinstimmung mit seiner Unterrichtsmethode.

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Der Platz

  1. Lass den Yogi an einem schönen angenehmen Zufluchtsort oder in einer Klosterzelle auf einer Matte aus Kusa-Gras (‘heiliges Gras’) Platz nehmen, wo er in Padmasana sitzend Atemübungen machen kann.
  2. Der gescheite Anfänger sollte seinen Körper fest und unbeweglich sowie seine Hände in demütigem Beten halten (Haltung wie bei Namaste). Die Gurus sollte er auf der linken Seite grüßen. An der rechten Seite erweist er seine Ehrerbietung dem Ganesha (Gottheit und Zerstörer aller Hindernisse) und dann an die Hüter der Welt und Göttin Ambika (die göttliche Mutter), die sich auf der linken Seite befinden.

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Pranayama

  1. Der Übende schließt mit dem rechten Daumen das rechte Nasenloch (Pingala) und atmet die Luft durch das linke Nasenloch (Ida) ein, anschließend schließt er mit dem Ringfinger das linke Nasenloch und hält die Luft an, so lange er kann. Danach löst er den Daumen, um wieder langsam und sanft aus dem rechten Nasenloch auszuatmen.
  2. Nun zieht er den Atem durch das rechte Nasenloch ein und hält danach den Atem an (beide Nasenlöcher sind sanft geschlossen), solange es ohne Anstrengung möglich ist. Danach lässt er die Luft durch das linke Nasenloch ausströmen, nicht gewaltsam, sondern langsam und sanft.
  3. In Übereinstimmung mit der obengenannten Übung kann er zwanzig Kumbhaka35 (Atemanhalte) praktiziern. Wer dies täglich ohne Nachlässigkeit oder Trägheit durchführt, wird frei von aller Polarität (Liebe oder Hass, Zweifel oder Zufriedenheit usw.).
  4. Diese zwanzig Kumbhakas sollten möglichst viermal täglich geübt werden: frühmorgens bei Sonnenaufgang, zur Mittagszeit, bei Sonnenuntergang und um Mitternacht.
  5. Wer dies täglich über drei Monate, mit Sorgfalt und Regelmäßigkeit übt, wird mit Sicherheit die Nadis (die Energiekanäle des feinstofflichen Körpers) gereinigt haben.

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Arambha Avastha

  1. Wenn auf diese Weise die Nadis gereinigt worden sind, verschwinden alle Schwächen. Der Yogi betritt die erste Stufe des Yoga, die Arambha (nicht asurisch; rein) genannt wird.
  2. Im Körper eines Yogis, dessen Nadis gereinigt wurden, machen sich verschiedene Zeichen bemerkbar. Auf diese wird später noch eingegangen. Diese will ich kurz beschreiben.
  3. Der Körper Übender entwickelt sich harmonisch, riecht gut und sieht schön und anmutig aus. In allen Arten des Yoga gibt es vier Stufen des Pranayama36. 1)    Arambha Avastha (Anfänger-Stadium) 2)    Ghata Avastha (Der Zustand der Zusammenarbeit des Selbst mit dem höheren Selbst) 3)    Parichaya Avastha (Wissen) 4)    Nishpatti Avastha (die höchste Vollendung)
  4. Wir haben schon den Beginn von Pranayama oder Arambha Avastha beschrieben. Sie vertreibt Laster und Sorgen.
  5. In jedem Yogi wird man folgende Eigenschaften vorfinden: Starker Appetit, gute Verdauung, Heiterkeit, stattliche Figur, großer Mut, enorme Begeisterung und volle Kraft.
  6. Nun werde ich die großen Hindernisse aufzählen, die vermieden werden müssen. Gelingt es dem Yogi, sie wegzuräumen, so wird er mit Leichtigkeit dieses Meer der weltlichen Sorgen überqueren.

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Dinge, die man vermeiden bzw. ablehnen sollte

  1. Salzige, säurehaltige, adstringierende, bittere und scharfe Substanzen zu sich zu nehmen und sich vor Sonnenaufgang zu waschen; Essen in Öl zu braten; stehlen, Menschen und Tiere zu töten oder quälen, feindlich gegenüber anderen sein; Stolz, Unehrlichkeit; Kriecherei; Untreue; an anderes als Moksha (die Befreiung) zu denken; mit Feuer spielen; der Yogi sollte das rechte Maß finden beim: Essen, Bewegen und Sprechen (und wenn, dann immer mit freundlicher und angenehmer Stimme).

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Die Bedeutungen

  1. Der Erfolg im Yoga wird durch folgende Regeln schnell erreicht - der Übende sollte diese für sich behalten, damit das Gelingen auch gewährleistet ist.
  2. Er sollte benutzen: Ghee (geklärte Butter); Milch; süße Nahrung und Betel ohne Zitrusfrüchte; Kampfer; freundliche Worte; angenehme und bescheidene Behausung (Klosterzelle), in die man sich zurückziehen kann und die eine kleine Tür hat; Vorträge über die Wahrheit hören; immer die Haushaltspflichten mit Vairagya (ohne Anhaften) ausführen; den Namen Vishnus singen; sanfte melodische Musik hören; sich in Geduld, Ausdauer und Vergebung (Versöhnlichkeit) üben; rein, genügsam und bescheiden sein; andächtig dem Guru dienen.
  3. Wenn der Atem durch das rechtes Nasenloch, Pingala, fließt, ist die beste Zeit für den Yogi, Nahrung zu sich zu nehmen. Wenn der Atem durch das linke Nasenloch, Ida, fließt sollte er ruhen bzw. schlafen gehen.
  4. Pranayama sollte nicht gleich nach den Mahlzeiten praktiziert werden. Wenn man sehr hungrig ist, sollte man keine Yoga-Übungen, auch kein Pranayama durchführen, sondern vorher etwas Milch und Butter zu sich nehmen.
  5. Wenn jemand in seiner Praxis gefestigt ist, so braucht er diese Einschränkungen nicht beachten. Der Übende sollte lieber in kleinen Mengen essen, dafür öfter. Er sollte täglich Kumbhaka zu bestimmten Zeiten üben.
  6. Wenn der Übende mit seinem Willen das Prana regulieren und den Atem solange anhalten kann wie er möchte, wird ihm Kumbhaka gelingen. Was könnte dem Yogi danach nicht gelingen?
  7. Im ersten Stadium des Pranayama beginnt der Körper des Yogi zu schwitzen. Wenn er schwitzt, sollte er seinen Körper damit gut einreiben, sonst verliert er seine Dhatus (Körpersäfte).
  8. Im zweiten Stadium zittert der Körper, im dritten hüpft er umher wie ein Frosch. Mit größerer Übung wandert (fliegt) der Adept in der Luft.

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Vayu Siddhi

  1. Wenn der Yogi in Padmasana den Erdboden verlassen und sich in die Luft erheben kann, hat er Vayu Siddhi erreicht (Herrschaft über die Luft). Das zerstört die Dunkelheit der Welt.
  2. Aber solange er das noch nicht erreicht hat, lass ihn üben und alle Regeln und Einschränkungen beachten, die schon dargelegt wurden. Je perfekter die Pranayamas, desto weniger Schlafbedarf und Aus- scheidungen hat der Yogi.
  3. Er ist frei von Krankheiten, weil er das Absolute, die Wahrheit, begreift. Sorgen und Leid verschwinden. Es gibt keinen übelriechenden Atem oder Speichelfluss, auch keine Darmwürmer.
  4. Wenn im Körper des Übenden alle vermehrten Schleimabsonderungen, Winde usw. nicht mehr sind, aber ausreichend Gallenflüssigkeit vor- handen ist, braucht er keine Diät mehr einzuhalten. Selbst wenn er nicht mehr regelmäßig übt, entstehen keine Nachteile.
  5. Es werden keine schädlichen Folgen auftreten, auch dann nicht, wenn der Yogi zuviel oder zuwenig, eine zu große Menge oder gar keine Nahrung zu sich nimmt. Aufgrund seines beharrlichen Übens kann der Yogi „Bhuchari Siddhi“ (Bhu = Welt; Chari= wandern, reisen) erreichen. Er erwirbt die Fähigkeit, immer größere Sprünge machen zu können.
  6. Es gibt tatsächlich einige schwere und fast unüberwindliche Hinder- nisse. Dennoch sollte der Yogi seine Praxis ohne Bedenken weiter- führen. Seine Intuition wird ihm immer, auch in lebensgefährlichen Situationen, beistehen.
  7. Lass den Übenden an einem sicheren Platz sitzen und seine Sinne zurückziehen. Er soll unhörbar den langen Pranava37 Om wiederholen, um alle Hindernisse zu beseitigen. (Bei Om, gesprochen AUM, sollte jeder Buchstabe für sich ausgesprochen werden).
  8. Der weise Übende hebt mit Sicherheit all sein Karma auf, sei es in diesem oder im vergangenen Leben erworben, wenn er regelmäßig die Atemkontrolle übt.
  9. Der große Yogi hebt durch sechzehn Pranayamas die verschiedenen Tugenden und Laster auf, die er im vergangenen Leben angehäuft hat.
  10. Dieses Pranayama vertreibt die Sünde, so wie Feuer einen Haufen Baumwolle verbrennt. Es macht den Yogi frei von Sünde. Als nächstes zerstört es die Fesseln aller seiner guten Taten.
  11. Der mächtige Yogi, der durch Pranayama die acht Arten der psychischen Kräfte erworben hat, überquert den Ozean der Tugenden und Laster. Er bewegt sich überall frei durch die drei Welten (ohne jegliche Anhaftung).

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Steigern der Dauer

  1. Allmählich sollte er die Fähigkeit erlangen, in einer Zeitspanne von drei Gharis (eineinhalb Stunden) zu üben. Dadurch erlangt er ohne Zweifel alle langersehnten Kräfte.

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Siddhis oder Vollkommenheiten

  1. Der Yogi erlangt folgende Kräfte: Vakyasiddhi (Prophetie); Kamachari (sich selbst durch seinem Willen überall hin befördern); Duradrishti (Hellsicht); Durashruti (Hellhören); Shuksmadrishti (subtile Sicht); Parakaypravesana (die Fähigkeit, in einen anderen Körper hinein- zugehen, sich in die Denkweise des anderen hineinversetzen zu können); Grundmetalle in Gold zu verwandeln, indem er sie mit seinem Stuhl und seinem Urin abreibt; die Kraft, unsichtbar zu werden, und als letztes erwirbt er die Fähigkeit, sich in der Luft zu bewegen.

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Ghata Avastha

  1. Wenn durch die Praxis des Pranayama der Yogi den Status des Ghata* erreicht hat, dann existiert im Kreise dieses Universums nichts, was er nicht bewältigen könnte.
  2. Man sagt von dem Ghata, das sei das Stadium, wo Prana Vayu und Apana Vayu sowie Nada38und Vindu39 sich mit Jivatma und Paramatma (der menschliche und der universelle Geist) vereinigen und zusammenarbeiten.
  3. Wenn er das Atemanhalten (d.h. in Trance zu sein) in einer Zeitspanne von sechs Gharis (drei Stunden) beherrscht, dann ist gewiss und ohne Zweifel der wundervolle Zustand des Pratyahara40 erreicht.
  4. Welches Objekt auch immer der Yogi wahrnimmt, lass ihn über den Geist, der dahinter wirkt, nachdenken. Sobald das (subjektive) Wirkprinzip der Sinne durchschaut ist, kann es überwunden werden.
  5. Wenn der Yogi - durch längere Praxis - eine Kumbhaka durchgehend über acht Dandas41 (drei Stunden) durchführen kann; wenn er die Atmung solange aussetzen kann, ist er in der Lage, auf seinem Daumen zu balancieren - doch die Anderen werden ihn für verrückt halten.
  • *Ghata ist ein gebrannter Tonkrug in dem man Wasser transportieren kann, im Unterschied zu einem ungebrannten, der sich im Wasser auflöst.

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Parichaya

  1. Danach erreicht der Yogi durch stetiges Üben irgendwann Parichaya Avastha. Der Parichaya-Zustand ist: Wenn Prana Sonne und Mond (Pingala und Ida) verlässt und im feinstofflichen Hauptkanal, Sushumna, stabil und unbewegt bleibt.
  2. Wenn der Yogi Kriya42 Shakti43(die Macht des Handelns) beherrscht, die sechs Chakras44durchdrungen und eindeutig den Parichaya-Zustand erlangt hat, dann, wahrhaftig, sieht er die dreifachen Auswirkungen des Karma.
  3. Lass anschließend den Yogi die Vielfalt der Karmas durch Pranava (das Mantra Om) zerstören, um Kaya-vyuha zu vollbringen (die Fähigkeit, den Körper zu erweitern bzw. neu zu schaffen oder verschiedene Körper bewohnen zu können). Gelingt ihm das, durchlebt er die Folgen all seiner Handlungen in einem Leben, ohne die Notwendigkeit einer Wiedergeburt.
  4. Dann lasse den großen Yogi Pancha Dharana üben, mit Konzentration auf Vishnu. Dadurch erreicht er die Herrschaft über die fünf Elemente: Erde, Feuer, Wasser, Luft und Akash. Diese können ihm keinen Schaden mehr zufügen. Merke: Er sollte fünf Kumbhakas für jedes Chakra (Energiezentrum) durchführen.
  5. Lasse den weisen Yogi auf diese Weise Dharana* üben: Er konzentriert sich jeweils fünf Ghatis (zweieinhalb Stunden) auf Muladhara (Steißbeingegend), Swadhisthana (Geschlechtsorgangegend), Manipura (Nabelgegend), Anahata (Herzgegend), Vishuddha (Kehlkopfbereich) und Ajna (der Bereich zwischen den Augenbrauen). Dadurch können die fünf Elemente dem Yogi keinen Schaden mehr zufügen.* Dharana ist mit willentlicher Anstrengung verbunden und somit bewusster Konzentration. Es ist die sechste Stufe von Patanjalis achtgliedrigem Pfad.
  6. Der weise Yogi, der fortwährend Dharana praktiziert, bleibt folglich hunderte von Kreisläufen des großen Brahma bestehen.
  • * Dharana ist mit willentlicher Anstrengung verbunden und somit bewusster Konzentration. Es ist die sechste Stufe von Patanjalis achtgliedrigem Pfad.

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Nishpatti

  1. Im Anschluss daran übt der Yogi stufenweise weiter. Dadurch erreicht er den Nishpatti Avastha, den Zustand der Vollkommenheit. Nachdem er auch die Keime des Karma, die von Anfang an bestanden, überwunden hat, genießt er den Nektar der Unsterblichkeit.
  2. Wenn der Jivanmukta (ein im Leben Erlöster) durch Praxis die Vollkommenheit des Samadhi (Meditation) erreicht hat und er diesen Zustand willentlich herbeiführen kann, dann sollte der Yogi mit seinem Chetana (Geist, Bewusstsein), mit der Luft (Prana) und mit der Kraft von Kriya Shakti (Kraft des Handelns) die sechs Chakras durchstoßen und sie in die Kraft, genannt Jnana Shakti45 (Kraft der Weisheit) absorbieren.
  3. Nun haben wir beschrieben, wie die Atmung gesteuert wird, um die Schwierigkeiten zu beseitigen, die den Yogi erwarten. Durch diese Wissenschaft des Vayu Sadhana46 vergehen allmählich mit der Zeit alle Leiden und Freuden im Kreislauf dieses Universums.
  4. Wenn der kundige Yogi, indem er die Zunge an die Gaumenwurzel legt, den Prana Vayu47trinken kann, dann geschieht die vollkommene Befreiung von allen Übungen, das heißt, er braucht nicht mehr praktizieren. Einige Texte übersetzen hier: vollkommene Befreiung von allen Krankheiten und sonstigen Schwierigkeiten, ohne weiteres Üben.
  5. Der kundige Yogi, der die Gesetze und Funktionen des Prana und Apana kennt und kalte Luft durch den in Form eines Krähenschnabels zusammengezogenen Mund trinken kann, wird reif für die Befreiung.
  6. Dieser weise Yogi, der täglich die nektarreiche Luft trinkt (Lebensenergie aufnimmt), so wie es die Regeln vorschreiben, vertreibt Müdigkeit, Fieberbrennen, Verfall, Alter, Verletzungen und Unrecht.
  7. Die Zunge an die Gaumenwurzel legend, trinkt der Yogi den Nektar, der vom Mond fließt. Dieser Mond hat seinen Platz zwischen den beiden Augenbrauen. Mit dieser Übung kann er innerhalb eines Monats den Tod besiegen.
  8. Wenn er durch diese bestimmte Yoga-Methode den Kehldeckel fest geschlossen hält und dabei die göttliche Kundalini erweckt, kontempliert bzw. über sie meditiert, trinkt er den Mondnektar der Unsterblichkeit. Mit dieser Übung kann er innerhalb von sechs Monaten ein Weiser oder ein Dichter werden.
  9. Wenn er die Luft (Lebensenergie) durch den Krähenschnabel aufnimmt, und das zweimal täglich durchführt, während der Morgen- und der Abenddämmerung, und sich dabei vorstellt, dass sie durch den Mund der Kundalini geht, wird Schwindsucht (Pleuritis Tuberculosa) der Lunge geheilt.
  10. Wenn der weise Yogi die Flüssigkeit Tag und Nacht durch den Krähenschnabel trinkt, werden seine Leiden vertrieben. Er erlangt ganz sicher die Kräfte der Hellhörigkeit und Hellsicht.
  11. Wenn er die Zähne fest schließt, indem er den oberen auf den Unterkiefer presst, und die Zunge nach oben hält, trinkt der weise Yogi den Nektar sehr langsam. In kürzester Zeit besiegt er den Tod.
  12. Einer, der über sechs Monate lang täglich diese Übungen praktiziert, wird von allen Sünden befreit und überwindet alle Leiden.
  13. Wenn er fortfährt, diese Übungen ein Jahr zu machen, wird er ein Bhairava48. Er erlangt die Kräfte der Anima und besiegt alle Elemente und Urgewalten.
  14. Wenn der Yogi während einer halben Sekunde mit aufwärts gezogener Zunge verharren kann, wird er frei von Leiden, Tod und Alter.
  15. Wahrhaftig, wahrhaftig, ich sage euch die Wahrheit, dass die Person niemals stirbt, die kontempliert, indem sie die Zunge hochhält, verbunden mit Prana, der Lebensenergie.
  16. Durch diese Übung wird er, ähnlich einem Kamadeva49, ohne Konkurrenten sein. Er fühlt keinen Hunger, keinen Durst, keinen Schlaf, keine Ohnmacht
  17. Wenn er nach diesen Vorschriften handelt, wird der Yogi in dieser Welt völlig unabhängig sein. Von allen Hindernissen befreit, kann er überall hingehen.
  18. Wenn er auf diese Weise übt, wird er weder wiedergeboren, noch beschmutzt durch Tugend oder Untugend. Stattdessen genießt er die Ewigkeit mit den Göttern.

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Vier wichtige Asanas

  1. Es gibt vierundachzig Asanas, (Grund-)Stellungen, in unzähligen Variationen. Von diesen sollte man sich mindestens vier zu eigen machen: 1. Siddhasana, 2. Padmasana, 3. Ugrasana, 4. Svastikasana

 

Siddhasana

  1. Siddhasana verhilft dem Übenden zu Erfolg. Man sollte mit bedacht die eine Ferse an die Yoni (Dammgegend) pressen und die andere Ferse auf den Lingam (Penis) legen; man sollte seinen Blick zwischen die Augenbrauen richten und standhaft seine Sinne zurückziehen. Der Yogi übt regelmäßig. Er bleibt konzentriert und bändigt seine Sinne. Der Körper wird aufrecht gehalten ohne irgendeine Bewegung. Der Ort sollte möglichst ruhig und geräuschlos sein.
  2. Derjenige, der schnell durch Yoga Vollendung erreichen will, soll sich das Siddhasana zu eigen machen und die Atemregulierung üben.
  3. Durch diese Haltung verlässt der Yogi diese Welt und erreicht am Ende das Höchste. Es existiert keine geheimnisvollere Stellung. Wer in Siddhasana meditiert, wird von allem Übel befreit.

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Padmasana

  1. Ich beschreibe nun das Padmasana (der Lotussitz), das alle Krank- heiten abwehrt oder heilt: Wenn man die Beine gekreuzt hat, die Füße sorgfältig auf die gegenüberliegenden Oberschenkel legt, z.B. den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel und umgekehrt, kreuze beide Hände und lege sie ähnlich auf die Oberschenkel, fixiere den Blick auf die Nasenspitze, presse die Zunge gegen die Zahnwurzeln. Das Kinn sollte gehoben werden, die Brust gedehnt, dann atme die Luft langsam ein, fülle die Lungen mit all deiner Kraft und atme langsam wieder aus in einem ungehinderten Strom.
  2. Das kann nicht von jedermann geübt werden. Nur der Weise hat darin Erfolg.
  3. Beim Praktizieren dieser Stellung fließt die Lebensenergie gleichmäßig und harmonisch durch den Körper des Übenden.
  4. Wenn der Yogi in Padmasana sitzt, die Wirkung von Prana und Apana kennt und dabei die Atemregulierung durchführt, erlangt er Befreiung. Wahrlich, ich sage euch die Wahrheit.

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Ugrasana

  1. Strecke die Beine aus und gebe die Füße so weit wie möglich aus- einander, berühre diese mit den Händen (lehne dich nach vorne mit einem geraden Rücken) und lege den Kopf auf dem Boden. Das nennt man Ugrasana (grätschbeinige Vorwärtsbeuge), was in etwa „die furchteinflößende Haltung“ bedeutet. Die Stellung setzt das Prana in Bewegung und vertreibt Trägheit so wie körperliches Unbehagen. Sie ist eine Variante des Paschimottanasana (einfache Vorwärtsbeuge im Sitzen). Der weise Mensch, der täglich diese edle Stellung übt, wird mit der Zeit den Strom des Prana (durch die Sushumna) lenken können.
  2. Diejenigen, die das praktizieren, erreichen alle Siddhis50, deshalb sollten jene, die diese Kräfte zu erreichen wünschen, behutsam üben.
  3. Dieses sollte mit der größten Sorgfalt geheim gehalten und an niemand weitergegeben werden. Durch Ugrasana wird Vayu Siddhi51 leicht erreicht und es vertreibt eine Vielfalt an Leid.

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Swastikasana

  1. Lege die Fußsohlen (in kreuzbeiniger Stellung) vollständig unter die Oberschenkel, halte den Oberkörper aufrecht und sitze bequem. Das nennt man Swastikasana.
  2. In dieser Stellung sollte der weise Yogi die Atemregulierung üben. Keine Krankheit kann seinen Körper befallen und er erreicht Vayu Siddhi.
  3. Man nennt die Stellung auch Sukhasana, die leichte Haltung. Diese gesundheitsspendende Übung sollte vom Yogi geheim gehalten werden.

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