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Sadhana

Einleitung

Übersicht über die Entwicklung
der alten spirituellen Techniken in Indien.

Der Hinduismus wurde im Laufe etlicher Jahrhunderte verschiedentlich kritisiert, und es gab eine breite Spanne verschiedener Meinungen über ihn. Ihm wurde in großem Maße Lob zuteil, und auch in großem Maße Verunglimpfung. Man pries ihn wegen seiner Weisheit, und genauso oft wird der Hinduismus auch als Mast eines überkommenen Aberglaubens gesehen, angesammelt von einer Rasse ungebildeter und unkultivierter Menschen. Und da Religion der hauptsächlich bestimmende Einfluß für einen Hindu ist, hängt er am Aberglauben und blieb in der Folge zurück, als andere Völker sich sprunghaft entwickelten. Dieser Vorwurf wird gestützt von Statistiken über Alphabetismus, Kenntnisse in Hygiene, Gesundheitspflege, Wissenschaft, Psychologie, usw. Das Volk der Hindus erhält negative Zensuren bei solchen hochmodernen ›Effizienztests‹, die wissenschaftliche Geiste der heutigen Zeit anstellen. Es scheint, daß Jahrhunderte von Kultur, Entwicklung, Studium und Forschung dem Hindu nicht viel gebracht haben, hinsichtlich des Wissens über dieses große Universum zahlloser Dinge, die sichtbar vor uns stehen. Ja, das ist weitgehend so, und, was noch erstaunlicher ist, der wahre Hindu scheint es nicht besonders zu bedauern, daß es so ist. Das ist soweit eine besondere Überlegung, und eben diese Überlegung macht das Hindugenie aus, und unterscheidet es völlig von der aufgeklärten wissenschaftlichen Hierarchie des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Überlegung ist folgende.

Der Hindugeist ist überzeugt, daß das Unsichtbare das Wahre ist. Seine wissenschaftliche Neugier und sein Wissensdurst (den er in vollem Ausmaß besitzt) wenden sich ab vom Bereich des Sichtbaren. Je grobstofflicher und äußerlicher die Dinge sind, desto geringer ist ihr Wert für den suchenden Hindu. Der Hindu leidet vielleicht ernstlich an den verhängnisvollen Folgen ›blinden Glaubens‹, diesen Glauben aber hat er nicht, wenn er sein wertvolles Leben und seine Fähigkeiten mit der Forschung über Dinge vergeudet, von denen er überzeugt ist, daß sie absolut vergänglich und flüchtig sind. Andererseits hat der Hindu aber keine Mühe gescheut, um an das heranzukommen, was von Bestand und unzerstörbar ist; das ist wahr. Er wurde dazu angehalten, all seine Weisheit, seine scharfe Beobachtung, seine machtvolle Logik, seine profunde Forschung und seine forschende analytische und wissenschaftliche Kalkulation in den umfassenden Versuch einzubringen, den Schleier der vergänglichen Scheinbarkeit zu durchstoßen und die Wahrheit, das ewige Faktum, von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Der Hindu setzte sein Genie ein für diesen Bereich, den er als der Mühe wert erachtete, da es sich dabei um ewige Werte handelte. In jedem anderen Bereich hielt er es für eine sinnlose Verschwendung, viel Mühe darauf zu verwenden; denn es erschien ihm absurd, in zu ernsthafter Weise Schatten hinterher zu laufen. Diese Anstrengungen unserer alten Recken führten zur Entwicklung des wunderbaren Yogasystems zur Verwirklichung der Wahrheit. Die Yoga Sadhanas stellen die praktischen Methoden dar für diese großartige Errungenschaft. Diese Sadhanas sind das Ergebnis tiefsten psychologischen Forschens. Diese Psychologie ist nicht nur die des Geistes, sondern sie ist mehr. Es ist eine supramentale Psychologie. Spirituelle Psychologie ist der Begriff, den ich am liebsten dafür verwenden würde.

Um eine Vorstellung von dieser spirituellen Psychologie zu bekommen, fassen wir kurz die Grundkonzepte indischer Philosophie zusammen.

Der eigentliche Kern und die Essenz des ganzen wurden in knappsten Worten dargestellt vom größten Philosophen, Sri Sankara, des ganzen wurden in knappsten Worten dargestellt vom größten Philosophen, Sri Sankara, in dem Vers: »Shlokaardhena pravakshyami yaduktam Granthakotibhih; Brahma Satyam Jaganmithyaa jivo Brahmaiva naarparah.« Nur das transzendentale Wesen ist wirklich, das Wahrnehmbare ist falsch, das (scheinbar getrennte) individuelle Selbst ist einzig und allein das Transzendente, und nichts anderes. Wie kam es also zu dem Gefühl, etwas anderes zu sein als Das, was ein einziges transzendentes Wesen ist? Wieso dieses Gefühl eines begrenzten endlichen Seins, mit der daraus resultierenden irrtümlichen Wahrnehmung einer großen Vielfalt wahrnehmbarer Dinge? Woher kommt diese kleine begrenzte Individualität mit ihrem Bewußtsein, getrennt und entfernt zu sein? Das ist in der Tat Maya. Dieses Gefühl menschlicher Individualität behindert die Wahrnehmung der Wahrheit. Dieses Ahankara, das Ichbewußtsein, ist das Ergebnis von Unwissenheit und die eigentliche Ursache aller Bindung, an der Wurzel dieser getäuschten Wahrnehmung vergänglicher Erscheinungen. Ahankara, das Ichbewußtsein, ist die Hauptschranke vor der Erfahrung der inneren Wirklichkeit.

Der »Ich«-Gedanke ist der Grund für die zerstörerische Bindung, heißt es in der Yoga Vasishtha. Und dann:

Dann wiederum:

Die Mahabharata sagt: »Zwei Worte bezeichnen Freiheit und Bindung. Sie sind ›mein‹ und ›nicht mein‹. Durch den Gedanken ›mein‹ erfährt ein Geschöpf Bindung, und durch den Gedanken ›nicht mein‹ wird es befreit. Das wird in starker Weise zum Ausdruck gebracht in der Mahopanishad, wo wir finden:

›Unglück ist auf das Unterworfensein unter Ahamkara zurückzuführen, schlimmes Leid ist auf Ahamkara zurückzuführen, der Wunsch ist auf das Unterworfensein unter Ahmakara zurückzuführen, es gibt keinen größeren Feind als Ahamkara.‹
Sich darauf beziehend, auf die eigentliche Ursache von Samsara und das Haupthindernis für Selbsterkenntnis, stellt der große Sri Sankara im Vivekachudamani wiederholt fest, daß der Erzfeind des Suchenden das »EGO« ist.

Die Wurzel von allen (Hindernissen) ist die erste Erscheinungsform (von Unwissenheit), genannt Ichdenken. Wenn der Mensch aus den Fängen des Ichdenkens befreit ist, gelangt er zu seiner wahren Natur. Der wertvolle Schatz der Wonne Brahmans wird eifersüchtig bewacht von der überaus tödlichen Schlange des Ichdenkens. Dem Suchenden wird geraten, zuerst diese Ego-Schlange zu töten, wenn er den Schatz transzendentaler Wonne zu erlangen wünscht.

Da dies so ist, wurden Methoden entwickelt, um den Erzfeind der Selbstverwirklichung auszulöschen. Aber dieses Ich-Prinzip ist an und für sich völlig abstrakt und von einer nicht zu erfassenden Subtilität.

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Es ist ein so schwer zu verstehender Faktor, der nicht leicht erfaßt werden kann. Das brachte den Hindugeist dazu, zu überdenken, zu beobachten, zu sondieren, zu untersuchen und all seine Verzweigungen, seine Spielarten, seine Erscheinungsformen und seine grobstofflicheren Nebenprodukte zu definieren. Die Hindus stellten fest, daß sie überall in der Persönlichkeit des Menschen überhandnahmen. Sie stellten fest, daß das Ego mit zahllosen Gesichtern durch die Gedanken, Gefühle, das Verhalten, das Sprechen und das Handeln eines Menschen schielte. In der Tat war der Mensch ein einziges Monument von Ichdenken. Er war erfüllt mit Ichbewußtsein vom Scheitel bis in die Spitzen seiner Zehennägel. Die Beseitigung des Ego scheint harte Arbeit zu sein. Diese Entdeckung ließ den Hindu-Genius noch weiterarbeiten. Ein Aspekt des Menschen nach dem anderen, der intellektuelle, der geistige, der emotionale und der physische wurde aufgenommen, und das Spiel des Ego wurde auf jeder Ebene untersucht, klassifiziert und zugeordnet.

Nachdem dies geschehen war, begann man, wirksame Methoden zu formulieren, direkte und indirekte, um mit jedem dieser zahlreichen Ego-Aspekte im Individuum fertigzuwerden, die so viele schreckliche schreckliche Hürden und Schranken auf dem Weg der Selbstvervollkommnung des Jiva darstellten. Sie bilden die zahlreichen Punkte der Hindu Sadhakas, die in Händen von verständnislosen fremden Beobachtern und, was noch bedauerlicher ist, in Händen ihrer eigenen engstirnigen Erben zu so viel Spott führten.

Beginnen wir also mit der Betrachtung der Methoden, die entwickelt wurden, um mit der Egoschranke fertigzuwerden, die sich im verstandesmäßigen Bereich, dem Buddhi, ausdrückt. Der Hindu stellte fest, daß sich dieses überlegende Prinzip an der Basis einer endlosen Kette irriger Erkenntnisse befand, aufgrund des fundamentalen Irrtums falscher Identifikation. Er nannte ihn ADHYASA. Dieses Adhyasa, so fand er, lag in der Natur des Grundirrtums der Identifikation mit dem Körper. Diese Identifikation »Ich bin So-und-so« ließ eine ganze Schar darauffolgender Identifikationen entstehen wie »Ich bin ein Brahmane« oder »Ich bin kein Brahmane«, »Ich bin adelig« oder »Ich bin bürgerlich«, »Ich bin reich« oder »Ich bin arm«, »Ich bin gelehrt« oder »Ich bin ungebildet«, »Ich bin gesund« oder »Ich bin krank«; »Hell oder dunkel, schlank oder dick, hübsch oder häßlich, klug oder dumm, groß oder kein, alt oder jung« usw., usw. Durch sorgfältige Beobachtung des typischen ›Menschen in der Täuschung‹ entdeckte das Hindugenie, daß sich diese Adhyasas so heimtückisch in das Bewußtsein des Menschen verwoben hatten, daß sie sich als ein grundlegender Teil des Normalbewußtseins des Wesens festgesetzt hatten. Sie sind integraler Bestandteil seiner Persönlichkeit und seines Bewußtseins. Das lag daran, daß die Identifikation unmittelbar im Augenblick der Geburt begann und auch schon da war, bevor die Intelligenz im Kinde wirksam wurde. Da das Leben des Individuums also mit diesem falschen Bewußsein begann, wuchs es in dieser Selbsthypnose auf. Das Hindugenie erkannte nun, daß nur eine starke und machtvolle ›Gegenhypnose‹, wenn man so sagen kann, das Individuum in wirksamer Weise von seiner getäuschten Identifikation zu enthypnotisieren und den Weg zu öffnen vermochte, damit sich sein wahres Bewußtsein manifestieren konnte. Zu diesem Zweck wurde ihm gesagt, daß er das Sadhana mit regelmäßiger, systematischer und fortgesetzter Rezitation von entgegengesetzten Gedanken zu beginnen hatte, die als Vorhut für die Streitkräfte dienen sollten, die bereitgemacht wurden, um die Bastion der täuschenden Adhyasas zu erstürmen und einzureißen. Diese ständige Rezitation stellte also das erste Anga im Jnana Yoga Sadhana dar, Sravana. Tag für Tag mußte der Suchende bei seinem Lehrer sitzen und immer wieder Aussagen hören wie:

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»Du bist nicht dieser Körper; du bist nicht dieser Geist; du bist nicht du, wenn du schläfst, wachst oder döst; du bist das, was auch im Schlaf weitergeht, und das, was zu Tagesanbruch weckt; du bist das innerste Bewußtsein.«

Die Anweisung, dieses fortgesetzten Sravanas als ersten Schritt im Jnana Yoga Sadhana, basierte auf der stichhaltigen Psychologie, die hinter dem Prinzip der Autosuggestion steht. Diese Gedanken wurden ständig und immer wieder in den Geist des Suchenden eingehämmert. Dieses Wiederholen durch ständiges Sravana stellte das hauptsächliche Geheimnis der Wirkungsweise dieses Sadhana dar und wurde mit unfehlbarem Erfolg Jahrhunderte lang von Suchenden in Indien praktiziert, lange bevor die Welt überhaupt nur von jemandem wie Emile Coue träumte. Wenn der Geist dann mit diesen spirituellen Gegensuggestionen gesättigt war, wurde der Suchende zur nächsten Phase des Jnana Sadhana geführt, die wieder begründet war auf der fundierten psychologischen Kenntnis des Prinzips: »Wie der Mensch denkt, so wird er.« »Mana eva manushyaanaam kaaranam bandhamokshayoh«, sagte der Weise früherer Zeit. »Was der Geist ist, das ist der Mensch - das ist das ewige Geheimnis.« (Panchadashi, ii-13). So haben wir Manana, die ständige und ununterbrochene Reflexion über die Wahrheiten, die in Sravana immer wieder gehört worden sind. Nun macht die Enthypnotisierung gute Fortschritte. Durch das ständige Wiederholen der Gegengedanken beginnen diese merkbar zu werden, und Adhyasa beginnt schwächer zu werden. Fortgesetztes Manana dünnt das falsche Adhyasa und alle sich daraus ergebenden Nebenprodukte noch weiter aus. Der Suchende beginnt nun allmählich gewahr zu werden, daß er etwas anderes ist als der Körper oder der Geist oder die Gefühle, usw. Er beginnt sich zu sagen: »Mano-buddhi-ahamkara-chittaani na aham.« Um diesen Gedankenstrom stark zu halten, wird dem Suchenden ein Upasadhana gegeben, d.h. eine Hilfs- oder zusätzliche Praxis (ein weiterer Tribut an die meisterliche Psychologie des Hindugenies früherer Zeiten) von Svadhyaya, die Pflicht, täglich aus den vedantischen Schriften zu lesen. Dieses tägliche Svadhyaya wirkt als sehr kraftvolle Auffrischung des Adhyatmischen Gegengedankenstroms, der erzeugt wird, um Adhyasa zu beseitigen. Wenn dies Fortschritte gezeitigt hat, gelangt der Suchende zu Nididhyasana, der letzten Phase im Jnana Sadhana, tiefer und intensiver Medidation über eine einzige Wahrheit. Das Sadhana von Nididhyasana basierte auf der vollen Kenntnis der mächtigen Kraft eines konzentrierten Geistes. Das ständige und intensive Festhalten an einem einzigen Gedanken unter Ausschluß aller anderen fand ihr Ende in der Kristallisation des Gedankens zu einem tatsächlichen Faktum. Die Alten hatten es zu einem Gesetz zusammengefaßt, dem sie den Namen Bhramarakeeta Nyaya gaben. Zu diesem Sadhana nahmen sie eine Handvoll knapper und inhaltsreicher Formeln aus dem inspirierendsten Teil der Veden, den Upanishaden, auf. Dies sind die Mahavakyas, über die intensiv meditiert werden muß. Nenne es Weisheit oder Aberglauben; doch haben sich diese Sadhanas, die auf solidestem psychologischem Wissen basieren, als wirksam genug erwiesen, um dem Übenden Selbsterkenntnis und kosmisches Bewußtsein zu schenken.

Durch die Kenntnis dieses Vorgangs stellten die Alten fest, daß das Ego des Menschen ständig durch unzählige Faktoren, die von außen her auf das Individuum wirkten, stimuliert und dazu angeregt wurde, sich auszudrücken. Dies waren die Upadhis wie Beruf, Wohlstand, Kleidung, Gewohnheiten, körperliche Gelüste, Schwächen wie Rauchen, Spielen, Mode, Talent, Lob, Autorität, die Umgebung, die Gesellschaft, usw.

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Sie steigerten weiter die Identifikation, da sie das Bewußtsein des Individuums noch mehr einschränkten. Um diese zahllosen begrenzenden Attribute oder Upadhis wirkungslos zu machen, wurde eine Reihe von Hilfsdisziplinen klug und sorgfältig durchdacht und dem Suchenden zur Verfügung gestellt. Der Suchende mußte jede Sinnlichkeit aufgeben (Vairagya), seine Sinne beherrschen (Dama), seinen Geist beherrschen (Sama), grobstoffliche physische Bequemlichkeit aufgeben (Titiksha), Reichtum ignorieren, jeglichen physischen Schmuck aufgeben und schlichte Kleidung tragen, sein Haupt scheren, Blumen, Düfte, Tanz und Musik aufgeben und ein einfaches und hartes Leben führen in demütiger Unterwerfung unter den Lehrer, vor dem er sein Ego niederzubeugen hatte. Trotz all dem krochen die alten Adhyasas durch die Macht der Gewohnheit ans Tageslicht; und sie wurden umfassend behandelt mit einer weiteren klugen Methode, die das Hindugenie entwickelt hatte, der Methode des konsequenten Negierens. Solche Gedanken wurden bei ihrem Entstehen mit Hilfe der Methode des Neti-Neti-Sadhana in ihrer Existenz negiert. Diese Upa-Sadhanas schützen in wirksamer Weise das Voranschreiten des Hauptstromes durch die Phasen von Sravana, Manana und Nididhyasana und führen von Adhyasa zu Swarupa Jnana, wenn der Suchende feststellen kann: »Chidananda-Rupah Sivoham«, »Swaroopoham«, »Sivoham«, »Soham«.

Dann haben wir das Ergebnis der Untersuchung der Spielarten, die das Egoprinzip im emotionalen Bereich des Menschen annehmen kann. Dort wurde es festgestellt als tiefe Verhaftung, mannigfaltige Gefühle und Verblendung. Hier stellen wir fest, daß aufgrund seines Spieles und im Bereich der Emotionen das Egoprinzip die Tendenz hat, sich mehr und mehr als Zuneigungen, Verhaftung und Gefühle von Liebe zu Menschen und zu Dingen dieser physischen Welt auszudrücken. Es kommt zu einer nicht endenden Aufeinanderfolge von Manifestationen von ›Mamata‹, das Ego als Vorstellung von ›Mein‹. Durch die Kraft von Moha richtet es Schaden an. Gefühle spielen eine wichtige Rolle dabei, den Jiva auf diese Weise gebunden zu halten. Der bei weitem größte Teil der Menschheit ist Sklave in den Fängen solcher irdischer Gefühle und getäuschter Verhaftung. Daher besteht das universelle Bedürfnis nach einer Technik, mit deren Hilfe in wirksamer Weise mit dem individuellen Egobewußtsein umgegangen werden kann, das gefangen ist in den Schlingen von Moha, Maya und Mamata.

Die Methode, um Verhaftungen und Zuneigungen zu kontrollieren, Gefühle und Emotionen zu disziplinieren und zu schulen und sie auf ein Ideal hin abzulenken und zu kanalisieren, das über diese Welt hinausgeht (durch dessen positive Kraft alleine das Individuum erfolgreich die starken durch die Maya bedingten Verhaftungen an irdische Dinge abzuziehen vermag) und die völlige Verfeinerung und Sublimierung seiner Liebe war unerläßlich, wenn dies erreicht werden sollte. Diesem Bedürfnis wird in höchst gemäßer Weise Rechnung getragen durch das, was als Bhakti Yoga wohl bekannt ist. Es ist Prema Marga der Vaishnaviten und der Pfad der mystischen Liebe und Ekstase der Sufis, der westlichen Mystiker und derer, die Gott lieben, und anderer wie sie. In Indien sind die ersten Anfänge dieses Pfades zurückzuverfolgen zu den Narada und Sandilya Sutras. Von da an hat er sich durch die Jahrhunderte und durch die Hände von einer Reihe von Gott berauschten und vor Liebe verrückten Heiligen und Mystikern, die in verschiedenen Teilen Indiens zu verschiedenen Zeiten auftauchten, fortgesetzt. Nun wurde ein sehr umfassendes, wissenschaftliches und hochentwickeltes System von Spiritualisierung und Vergöttlichung menschlicher Emotionen und menschlicher Liebe entwickelt. Da der Großteil der Menschen von emotionalem Temperament ist, bietet der Pfad von Bhakti Yoga einen meisterlichen psychologischen Prozeß, der ihren Bedürfnissen entspricht.

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Nun war das Problem, das sich hier stellte, nicht so sehr das Vertreiben irriger Ideen und ihr Ersetzen durch die richtigen Gedanken; sondern es bestand darin, Verhaftungen umzulenken, Gefühle, Zuneigungen und Emotionen zu sublimieren und den Fluß der Liebe im Herzen von weltlichen Objekten wegzulenken, hin zu einem überweltlichen Ideal. Zu diesem Zweck wurde Ishta-Upasana formuliert, wodurch eine vollständige und umfassende Umstellung des emotionalen Hängens des Individuums von der menschlichen Ebene in den göttlichen Bereich erreicht wurde. Im Versuch der Ausarbeitung dieser Methode versäumten es die Begründer dieses Systems nicht, mit den Begrenzungen und den normalen Schwächen der menschlichen Natur zu rechnen, und sorgten also dafür, daß diese Umstellung nicht aprupt, gewaltsam und revolutionär vor sich ging. Wie geschah das? Mittels einer durchaus einzigartigen Methode, die den Menschen zuerst darin einweiht, sich den Ishta auf rein normaler menschlicher Basis zu vergegenwärtigen; so wurde zum Beispiel der Anfänger Bhakta darin geschult, den Ishta als ein Wesen zu sehen, mit dem er in einer menschlichen Beziehung steht. Je nach dem Objekt der Liebe des Menschen auf der menschlichen Ebene ist der Ishta zu sehen als Meister (der Bhakta ist sein Diener oder Sklave), als Freund, als Kind oder auch als der Geliebte (der Bhakta ist der schmachtende Anbetende). Durch diese Haltungen, Bhavas, wie sie genannt werden, die anfänglich rein menschliche sind, schreitet der Bhakta weiter zu einem Grad der Intensivierung seiner Hingabe, daß sie an einem bestimmten Punkt das Physische übersteigt und in einer Erfahrung gipfelt, wo auch das Gefühl der Trennung zwischen dem Bhakta und dem Ideal seiner Liebe sich in ekstatischer Vereinigung auflöst. Para Bhakti geht in Jnana auf.

Das Annehmen des speziellen Bhavas wird zum Ausgangspunkt für Bhakti Yoga Sadhana. Dieses Bhava, die entsprechende Haltung, wird spontan und instinktiv übernommen, entsprechend dem grundlegenden Temperament des Gläubigen. Die Festlegung der Pancha-Bhavas von Santa, Dasya, Sakhya, Vatsalya und Madhurya zeigt klar die sorgfältige Beobachtung und Untersuchung der Haupttypen menschlichen Charakters. Sie sind Hinweis auf das Ausmaß des psychologischen Verständnisses der vorherrschenden Verhaftungen, der Zentren der Anziehung von Liebe, Treue und der damit verbundenen Emotionen, welche die große Mehrheit der Individuen in dieser Welt zwischenmenschlicher Beziehungen in ihrer Gewalt haben. Man stellte fest, daß sie eingeteilt werden konnten in ein ruhiges und gefaßtes emotionales Gleichgewicht, das Element der Heldenbewunderung, die starken Bande der Gefährtenschaft zwischen Freund und Freund, den mütterlichen Instinkt (fast vernarrt) oder die mütterliche Liebe und das erotische Element, das seinen Ausdruck findet als allesverzehrende intensive Prem und die Leidenschaft der reinen Liebe zwischen den Liebenden. Man wird feststellen, daß mit der klügsten und höchst untrüglichen Einsicht die hauptsächlichen und stärksten emotionalen Tendenzen der menschlichen Natur isoliert worden waren. Jede davon ist eine so große Kraft unter deren starker Triebkraft der Mensch so weit geht, sogar sein Leben bereitwillig hinzugeben. Es ist ein bekanntes Phänomen, daß der treue Diener stets bereit ist, sein Leben zu geben in der Pflichterfüllung für seinen Meister, der ihn führt, und den er verehrt. Für die Mutter ist das eigene Leben bedeutungslos im Vergleich zu dem ihres geliebten Kindes. Ein Freund wird sich seinem Freunde zuliebe freudig opfern. Was wahrhaft Liebende betrifft, so sind sie tatsächlich eine einzige Seele in zwei Körpern. Das Ausmaß ihrer Selbstauslöschung, Selbstaufopferung und die Intensität ihrer Liebe ist von zahlreichen westlichen wie östlichen Klassikern unsterblich gemacht worden.

Mit der Zusammenfassung dieser fünf wesentlichsten emotionalen Muster erfaßten diese Exponenten des Bhakti Marga früherer Zeit gleichsam die gesamte Menschheit. Das eine oder das andere dieser fünf Bhavas oder emotionalen Muster findet sich in stärkerem oder geringerem Ausmaß im menschlichen Individuum überall auf der Welt.

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Daher ist die Absicht dieser Analyse und Klassifizierung des »Gefühlsmenschen« universell. Das menschliche Wesen ist durchdrungen von Liebe. Auf dieser irdischen Ebene, in diesem äußeren grobstofflichen physischen Leben, manifestiert das menschliche Individuum, der ewige Liebende, die Liebe als erwartungsvoll, zuversichtlich und vertrauensvoll, flehend, oder als bewundernde, anbetende sich selbst einsetzende Heldenverehrung, oder auch als süße und intensive Zuneigung der Freundschaft. Liebe drückt sich auch aus in höchst liebevoller Elternschaft oder als alles verzehrende, sich hingebende Leidenschaft Liebender.

Im Bhakti Yoga finden wir die Formulierung der bemerkenswerten Technik, allmählich diese emotionale Bindung von einem äußeren physischen Objekt auf ein inneres spirituelles Ideal zu übertragen. Zu diesem Zweck, zu einer wirksamen Konzentration des emotionalen Flusses, wird durch die Einführung des Ishta Devata ein passender und befriedigender Konzentrationspunkt gegeben. Es ist die Schutzgottheit, das bevorzugte gewählte Ideal. Um einen vollständigen und vollkommenen Übergang und eine Konzentration des emotionalen Inhalts zu gewährleisten, wurde auf dem Faktor von Nishtha als unerläßliche Voraussetzung im Bhakti Yoga bestanden. Nishtha ist eine Unverzichtbarkeit. So beabsichtigt Bhakti Yoga einen wohlüberlegten Vorgang der Ablenkung und Neuorientierung der Liebe des Menschen vom Physischen zum Spirituellen, vom Äußeren zum Inneren, vom Weltlichen zum Überweltlichen. Es kann knapp in den beiden Begriffen »Löse dich« und »Verhafte dich« zusammengefaßt werden. Es ist das Loslösen des emotionalen Hängens von den irdischen Objekten und das Verhaften derselben an die spirituelle Persönlichkeit des Ishta. Dies kann keinesfalls unvermittelt geschehen oder in irgendeiner Weise unnatürlich und gezwungen, sondern durch eine rational gestaltete Methode, in der die emotionale Struktur des Individuum weder beeinträchtigt noch erschüttert wird, indem es plötzlich aus seiner üblichen emotionalen Gewohnheit gerissen wird, sondern eher im Gegenteil, das gewohnheitsmäßige emotionale Muster des Wesens wird als spezielles Medium und Mittel zu einer Ausdehnung auf dem emotionalen Bereich in ein bislang unberührtes inneres Reich genutzt.

Je weiter man in dieses innere Reich der Liebe vordringt, desto vollständiger wird die Loslösung vom flüchtigen, vergänglichen physischen Objekt der Liebe, bis der Zustand einer vollständigen Trennung von dieser grobstofflichen Verhaftung erreicht ist, und somit die allesverzehrende, aus vollem Herzen erfolgende, leidenschaftliche Anbetung, reine Prema, intensive Liebe, die in ihrer Natur selbstvergessend und selbsthingebend ist, zum göttlichen Ideal, dem Ishta. So wird das emotionale Wesen gereinigt, sublimiert und spiritualisiert, es schreitet voran und gipfelt im Einsetzen des höchsten Überbewußtseins. Um diese Verwandlung zu beginnen, zu nähren und vollkommen zu machen, und um sie durch ihre allmähliche Entwicklung von den frühen Phasen zum späteren subtilen innerlichen Fruchttragen zu führen, wurde die Praxis der neunfachen Methode des Sadhana der Hingabe entwickelt. Sravana, Freude daran finden, täglich die göttlichen Lilas und die Verherrlichung der auserwählten Gottheit zu hören, ist eine Methode. Dazu wurden verschiedene Epen und Puranas bereitgestellt, von denen die wichtigsten Srimad Bhagavata, Ramayana, Siva Purana, Vishnu Purana, Skanda Purana und Devi Bhagavata und Mahatmya sind. Durch das ständige Hören der Lilas und Herrlichkeiten des Herrn wird brennende Verehrung hervorgerufen. Satsanga, Gesellschaft von Weisen, ist ein weiteres Mittel, das es dem Gläubigen ermöglicht, mit ähnlich frommen Menschen über die Herrlichkeiten des Herrn zu sprechen. Durch Satsanga und Swadhyaya, das Studium religiöser Bücher, entsteht die Bewunderung für den Herrn. Aus der Bewunderung entsteht Sraddha, der Glaube. Aus Sraddha entsteht die Hingabe an den Herrn. Dann übt der Gläubige Sadhana Bhakti, nämlich Japa, Smarana und Kirtana.

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Durch die genannte Praxis verbrennt er die Sünden und Hindernisse, die seiner Frömmigkeit im Wege stehen. Aus Sadhana Bhakti entwickelt er Nishtha (Frömmigkeit). Aus Nishtha entsteht Ruchi, der Gefallen daran, über Themen, die den Herrn betreffen, zu hören und zu singen. Dann kommt Rati, intensive Verhaftung. Rati macht das Herz weich. Wenn Rati intensiver wird, wird es Sthayi Bhava genannt, Beständigkeit oder die dauerhafte Form von Bhakti Rasa. Wenn Sthayi Bhava intensiver wird, heißt es Maha Bhava oder Prema- Maya. Nun trinkt der Gläubige Prema Rasa und lebt im Herrn.

Die zweite Methode, Kirtan, das Singen von Lobgesängen und frommen Liedern, welche süßen und berührenden Gefühlen von Verehrung, Gebet, Flehen und dergleichen eine äußere Form verleihen, machen die Beziehung des Gläubigen zum Ishta Devata enger und verstärken die Bindung allmählich sich entwickelnder Zuneigung und Liebe. Die dritte Methode, Smaran, ständiges Denken an und geistiges Verweilen bei den Lilas Gottes, dient dazu, die Verhaftung des Yogis an das gewählte Ideal noch weiter zu vertiefen, und trägt so dazu bei, die Anforderung von Nishtha noch weiter zu erfüllen. Die beiden genannten dienen dazu, den Geist mit Vorstellungen über den Ishta und eine Fülle damit in Verbindung stehender Gedanken zu sättigen. Ihr Wirken wird gesteigert durch regelmäßigen formalen Gottesdienst (Sakara Upasana) wie Padasevan, Archan, etc., der weiterführt zum allerhöchsten Gipfelpunkt von Bhakti, wenn das Leben des Gläubigen zu einem beständigen, intensiven und praktischen Leben der einen oder der anderen Haltung erblüht, die dann den gesamten emotionalen Bereich der Persönlichkeit des Suchenden umfaßt und sein Bewußtsein vollständig beherrscht, da sie in es eindringt und jede, auch die kleinste, seiner Phasen und Fluktuationen färbt. Eine grundlegende Veränderung wird in das Leben und die Persönlichkeit des Gläubigen in all ihren Teilen verwoben. Das Sadhana ist in dieser Phase dadurch gekennzeichnet, daß sich der Übende ihm mit ganzem Herzen widmet. Der Suchende lebt in seiner eigenen glückseligen Welt, die gänzlich aufgebaut ist aus der alles in sich aufnehmenden und alles verzehrenden Liebe zum Ideal seines Herzens. Er gelangt zu einem verzückten Bewußtsein, in dem jede selbstsüchtige Liebe verlöscht, die emotionale Persönlichkeit vollständig sublimiert wird, und sich das Bewußtsein des Suchenden mit der darauf folgenden absoluten Selbstauslöschung hoch in die Erfahrung des kosmischen Bewußtseins erhebt, das sowohl transzendent wie auch vollkommen ist, erhaben, glorreich, höchst wonnevoll und unvergänglich.

Es wurde jedoch festgestellt, daß im Falle der großen Mehrheit der Menschen die Bekämpfung des Egos, das sich im und durch den verstandesmäßigen Bereich ausdrückt, undurchführbar war. Der allergrößte Teil der menschlichen Wesen war zu tief verstrickt und zu unentwirrbar verfangen und gebunden in den Fängen und Mühen der irreführenden Unwissenheit in ihrer extrem grobstofflichen Form, so daß das Ego-Bewußtsein sich in ihnen nur selten erhob und eine Wirkung auf der verstandesmäßigen Ebene spürbar werden ließ. Sie waren vollständig gebunden und aufgegangen in ihren rein physischen und sinnlichen Lebensabläufen, und in ihnen zeigte das Ego seine bei weitem grobstofflicheren Spielarten, wie das grobe Hängen am Körper und den Annehmlichkeiten des Lebens, ständige Furcht und Ängste seine Sicherheit betreffend, animalisches Wohlbefinden, gewöhnliche Selbstsucht und intensive Verhaftung, die aus dem Vorhergehenden entsteht. In dieser Phase ist das nicht erneuerte Individuum personifizierte Selbstsucht, ein Wesen von hochmütiger Eitelkeit, das nach Anerkennung, Befriedigung und Lob dürstet. Sein Ego schwillt an mit jeder Feder, die an die Kappe seiner Eitelkeit gesteckt wird. Eine gründliche Überholung seiner nicht erneuerten, auf sich selbst begrenzten und egozentrischen Persönlichkeit wird hier als primäre Sorge eines Menschen, der Erlösung aus diesem Zustand suchen will, erforderlich.

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Demgemäß wurde ein Kursus für radikale »Persönlichkeitsüberholung« entworfen. Das ist Karma Yoga, der Weg des selbstlosen, demütigen, sich selbst vergessenden und absichtslosen Dienens für alle Wesen. Es ist ein diszipliniertes und aktives Ausarbeiten im täglichen Leben und in den Aktivitäten des Menschen, wo er darin geschult wird, sich selbst beiseite zu lassen und das Dienen vor sich selbst zu stellen. Er wird darin unterwiesen, auf sein persönliches Vergnügen zu verzichten und für das Glück anderer zu arbeiten. Er wird dazu veranlaßt, jedes Abhimana, jede persönliche Eitelkeit abzulegen, die aus Umständen entstehen, welche durch Geburt und Umgebung bedingt sind. Die Abhimanas des Menschen sind wahrlich Legion. Sie sind Fesseln, die ihn an seiner begrenzten Individualität festbinden. Ego ist ihre Essenz und hauptsächliche Basis. Stolz auf eine hohe Geburt, Stolz auf Gelehrtheit, Eitelkeit wegen gutem Aussehen und Fähigkeiten, Arroganz hinsichtlich Stand und Reichtum, Überheblichkeit aufgrund unzähliger Faktoren in Verbindung mit dem Körper, ein daraus folgendes Gefühl von falschem Prestige und Würde, Schamgefühl, das sind einige der häufigsten Formen von Abhimana, die im durchschnittlichen Individuum auftreten. Solches eitle Abhimana von Geburt, Position, Wohlstand, Gelehrtheit, usw. zu beseitigen, ist die Aufgabe der Sadhanas im Karma Yoga. Vom Suchenden wird zuerst verlangt, seine Vorstellung von Überlegenheit zu vergessen und sich als demütiger Diener zu sehen. Aber der Gedanke genügt nicht. Er muß zu arbeiten beginnen. Er beginnt, minderwertigste manuelle Arbeit ohne den geringsten Widerstand oder Widerwillen zu tun. Er lernt, daß Arbeit Gottesdienst ist. Diene allen. Sieh den Herrn in allen. Diene ihnen mit dem Gefühl, daß du den Herrn verehrst in und durch solches Dienen. Gib Selbstsucht auf. Kontrolliere die Sinne. Zertrample jegliches Gefühl von Überlegenheit. Sei bescheiden. Sei einfach. Sei selbstlos. Gib deine Bequemlichkeiten hin. Teile das, was du hast, mit anderen. Gib, gib, gib. Liebe alle. Arbeite unermüdlich für das Glück und das Wohlergehen aller. Gib deinen Körper, deinen Geist, deinen Reichtum und alles in diesem Prozeß hin. So wird das grobe Ichdenken, das in Tamas gehüllt und mit unnatürlichem Abhimana, Stolz, Überheblichkeit, Selbstsucht, Gier, Scham, Furcht und Überlegenheit erfüllt ist, in den Ofen des Karma Yoga Sadhana gesteckt und geht daraus als ein gereinigtes und verfeinertes Prinzip voller Demut, süß durch Selbstlosigkeit, Mitgefühl und das Gefühl verehrungsvollen Dienens, frei von Eitelkeit und Überheblichkeit, einfach und liebevoll hervor. Diese Verfeinerung des Egos und die Veränderung von Tamoguna zu Sattvaguna bereitet ihn darauf vor, höhere Arten von Yoga zur gänzlichen Vervollkommnung aufzunehmen.

Es muß festgehalten werden, daß im Falle von Karma Yoga der Ursprung nicht auf irgendeine spezielle Schrift oder Abhandlung zurückverfolgt werden kann, die als ausschließliches und maßgebliches Lehrbuch zu sehen wäre, auf dem dieser Yoga begründet ist. Es gibt jedoch die allgemeine Tendenz, daß der Ursprung von Karma Yoga in der Botschaft der Gita begründet ist, so wie sie Arjuna von Bhagavan Sri Krishna dargelegt worden ist. Es wird anerkannt, daß die Botschaft von selbstloser verhaftungsloser Aktivität, so wie sie in bestimmten Teilen der Bhagavad Gita zu finden ist, die Grundlagen bietet, auf denen das System von Nishkama Karma Yoga in der Form, in der wir es heute finden, entstanden ist. Daher ist es allgemein so, daß man sich auf die Gita bezieht als die Schrift, die die Doktrin der selbstlosen, verehrungsvollen Aktivität darlegt, verehrungsvoll durch das Gebot des Herrn: »Alle Handlungen Mir darzubringen«, so wie jede Verehrung selbstverständlich zu Füßen der Gottheit geopfert wird. Ohne nun näher auf die relativen Verdienste der widersprüchlichen Ansprüche einzugehen, die auf die Philosophie der Gita in gleicher Weise von Jnanis, Bhaktas, Yogis, Philanthropen und altruistische Sozialarbeitern erhoben werden, ist der Hauptpunkt, der hier Beachtung finden muß, der, daß ein vitales Bedürfnis nach einer Lehre von intensiver Aktivität bestand, die auf allerhöchster Selbstlosigkeit, ruhiger Verhaftungslosigkeit und einem vollständigen Fehlen von persönlicher Leidenschaft und von Wünschen begründet ist.

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Die Gita hat den Kern für eine derartige Lehre geboten. Das Vergehen von Jahrhunderten, die Ankunft zahlreicher Gottmenschen und mitfühlender reformierender Heiliger hat ein Übriges getan.

Das große Bedürfnis nach einer solchen Lehre wurde von Weisen in ihren Untersuchungen über das Wesen des Menschen festgestellt. Das Wissen um das Wirken der drei Gunas im individuellen Wesen ist einzigartig für die spirituelle Psychologie, die den Hindu Weisen bekannt war, und zeichnet sie aus. Im Laufe ihrer Beobachtung und im praktischen Studium über den Menschen stellten sie fest, daß eine Guna nach der anderen, in der Reihenfolge ihres Auftretens, transzendiert werden muß. Tamoguna ließ sich nicht leicht umformen und direkt in reine Sattvaguna verwandeln. Notwendigerweise muß sie zuerst in grobes Tamas und aktives Rajas transformiert werden. Von Rajas konnte sie später in die Reinheit von Sattva verwandelt werden. Darin findet sich das Bedürfnis nach einem Sadhanasystem, das in erster Linie die grobstofflichen Tamasaspekte des Ichbewußtseins im Individuum angreifen und zerstören konnte. Es wurde festgestellt, daß das asurische Ego von Tamoguna Prakriti auf das Individuum einen starken Einfluß hatte und in Form von Sthula Abhimana eine wichtige Rolle spielte, dem grobstofflichen selbstanmaßenden Gefühl, Handelnder zu sein, das darauf bestand, den eitlen glorreichen Verdienst für sich in Anspruch zu nehmen (in tiefer Unwissenheit), für alle Bewegungen der kosmischen Prakriti, die in und durch Vermittlung der menschlichen Monade ihren Ausdruck findet. »Ich habe das getan.« »Nur durch mich ist das geschehen.« »All das habe ich getan.« In dieser Weise behauptet sich das starke Abhimana des äußerst ungeformten tamasigen Egos im Menschen in seinen frühen Tagen der Dunkelheit und des beschränkten egozentrierten Lebens. Der allmähliche Verzicht auf dieses starke, selbstgefällige, selbstanmaßende Gefühl der Urheberschaft, das asurische Kartritva Abhimana, stellt den absoluten Boden in der Karma Yoga Philosophie dar.

Abhimana ist ein aufgeblasener Zustand, den das Ego angenommen hat durch seine Verbindung und unbewußte Identifikation (durch Unwissenheit) mit Faktoren, die sich vom natürlichen Zustand des einfachen Selbstbewußtseins unterscheiden oder außerhalb von ihm liegen. Der damit in Verbindung stehende Faktor, die begrenzende Upadhi, kann alles sein, vom subjektiven angeborenen Talent bis zum rein objektiven Besitz. »Ich bin Aristokrat.« »Ich bin reich.« »Ich bin schön.« »Ich bin gebildet.« »Ich bin klug.« »Ich bin kultiviert.« »Ich bin stark.« »Ich habe Einfluß.« »Ich bin Steuereinheber.« »Ich bin ein führender Politiker.« »Ich bin ein großer Menschenfreund.« »Ich bin intellektuell.« »Ich bin belesen.« In solchen und ähnlichen Formen existiert Abhimana im Individuum. »Ich bin nichts.« »Ich bin Diener der Diener. Ich bin ein bescheidenes Werkzeug. Ich will kein Lob.« »Ich suche kein Verdienst.« »Ich wünsche weder Ruhm noch Ehre.« »Ich weiß nichts.« »Ich lebe um zu lernen.« Mit einem solchen Bhava, einer mental-cum-emotionalen Haltung, die unentwegt und aktiv geübt wird, wird der Karma Yogi darin geschult, die Zitadelle von Abhimana niederzuschmettern.

Karma Yoga stellt ein meisterliches System der Reinigung dar und eine erste Vorbereitung, welche den sicheren Grundstein für jeden Yoga und für spirituelles Leben legt. Die Seher alter Zeiten wußten genau, daß ohne Reinigung des Herzens niemals irgendeine göttliche Erfahrung möglich ist. Ist diese Reinigung der menschlichen Natur nicht vorhanden, zeigt es sich, daß die erzwungene Anwendung und Praxis anderer Yogatechniken unwirksam und machtlos sind, wenn es darum geht, dauerhaft Gutes zu bewirken; wenn hingegen das Wesen gründlich gereinigt und durch die Praxis von Karma Yoga erneuert worden ist, zeitigen Anwendung und Praxis der höheren Aspekte von Yoga sehr rasch zufriedenstellende Ergebnisse und führen schnell zu höherer spiritueller Entfaltung.

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Es ist schon gesagt worden, daß übergroße Selbstsucht, Gier und das Verlangen nach persönlichem Gewinn und selbstsüchtigem Genuß das niedrigste Selbst des Menschen kennzeichnen. Karma Yoga ist ein wirksamer Versuch, um eine ›Kehrtwendung‹ in dieser Anlage der menschlichen Mentalität zu bewirken. Die Gesetze von Karma Yoga halten fest, daß der Yogi jedes Verlangen nach selbstsüchtigem Vergnügen und persönlichem Gewinn ablegt. Er wird dazu angehalten, sein Leben zu vereinfachen und seine Sinne zu kontrollieren. Strenge Disziplin ist der Hauptgedanke von Karma Yoga. Er wird darin geschult, zu denken und zu fühlen, daß er nichts tut, sondern nur ein Werkzeug in den Händen des Göttlichen ist. In Demut verehrt er den göttlichen Geist, der sich als der Antaryamin in allen Wesen befindet, durch sein selbstloses, absichtsloses und liebendes Dienen. Er muß seinen Überheblichkeitskomplex ablegen und sich mit universeller Sicht unter allen Menschen bewegen. Seine Kanten und Ecken müssen ein für allemal abgerundet werden. Er muß lernen, seinen persönlichen Standpunkt in allen Angelegenheiten unterzuordnen und Anpassungsfähigkeit an andere zu entwickeln. Er muß Zorn beherrschen, denn er muß stets daran denken, daß er der Diener der Menschen ist. Während der Karma Yogi sich also ständig inmitten mannigfaltiger Naturen und Individuen bewegt, darf er sich niemals durch Beleidigung oder Schmach, die ihm von feindseligen Menschen zugefügt werden, verletzt fühlen. Er muß stets bereitwillig verzeihen und vergessen. Der Karma Yogi wird dazu angehalten, von Rachsucht frei zu sein. Er übt keine Vergeltung.

Diese Schulung, diese Regeln und Disziplin sind die psychologische Mechanik, die in der Ausarbeitung der Technik von Karma Yoga in Bewegung gesetzt wird. Allmählich wird das Wesen geläutert. Das Ego wird gereinigt. Dieses ununterbrochene Tätigsein im Geiste reiner Verehrung rüttelt ihn wirksam auf und reißt ihn aus der Trägheit des grobstofflichen Tamas. Es ist richtig für ihn, zur weiteren Entfaltung des nunmehr vergleichsweise gereinigten Egos den einen oder den anderen der höheren Yogas in Angriff zu nehmen. Karma Yoga ist gleichsam ein gut geplanter psycho-physischer umfassender direkter Angriff auf breiter Front gegen die ganze Serie der die Seele einengenden und begrenzenden Adhyasas (psycho-physische Identifikationen), die vorhanden sind und das Individuum durch den Kontakt und die Verbindung mit den zahllosen Upadhis (psycho-physische Attribute) binden, die die Welt um ihn herum ausmachen. In dem Arsenal, das diesen Angriff versorgt, sind die wichtigsten Punkte der ›Mittel der Kriegführung‹, die zu bedenken sind, Nishkama Karma, selbstloses Handeln, Abhimana Tyaga, Verzicht auf Ichdenken, Akarta-Abhokta, Nimitta Bhav, das Gefühl der Nichturheberschaft, Nichtgenießen und nur Werkzeug Sein, Ragadvesha, Rahita Karma, die Handlung, die frei ist von Verhaftung und Haß, Anasakti oder Nichtverhaftung, Karmaphala Tyaga oder der Verzicht auf die Früchte des Handelns, Puja Bhava, Bhagavadarpana.

Die vierte Technik, die entwickelt wurde, ist Raja Yoga, der Yoga des Wollens, der von Maharishi Patanjali in seinen Yoga Sutras vollständig und klar dargelegt worden ist. Raja Yoga ist sowohl eine höchst wissenschaftliche als auch direkte und umfassende »Wurzeltechnik«. Es kann damit verglichen werden, den Löwen direkt in dessen Höhle anzugreifen, oder den Fluß an seiner Quelle auszutrocknen. Wir haben bereits gesehen, daß das Ichbewußtsein durch das Medium des Geistes wirksam wird. Es kann gesagt werden, daß es in erster Linie die Bewegung des Geistes ist, die die Manifestation des Ahankara möglich macht. Dies führte zu dem logischen Schluß, daß, wenn die eigentliche Bewegung des Geistes vollständig angehalten wird, dies notwendigerweise ein Stillstehen des Spieles von Ahankara mit sich bringen muß. So wird also behauptet, daß, wenn die Anfangswelle im Geist, Vritti, zum Ziel des Angriffs gemacht wird, der Kampf gleichsam in das eigentliche Lager des Feindes getragen und direkt und umfassend wird. Auf dieser festen Prämisse wurde die Technik von Raja Yoga errichtet.

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Sie besteht darin, jedes Entstehen eines Gedankens an sich bereits im Keim zu ersticken. Es erstickte und vernichtete in wirksamer Weise die anfängliche Bewegung des Geistes selbst. So haben wir als erstes Sutra: »Yogaschittavrittinirodhah«.

Nun war aber der genannte Prozeß in der Tat ein äußerst subtiler. Es war ein rein innerer Prozeß, der im geistigen Bereich vor sich ging. Konnte irgend jemand diesen Prozeß in Angriff nehmen mit irgendeinem Maß an Erfolg? Das ist die Frage. Nein. Das war nicht möglich. Eine sorgfältige Vorbereitung war nötig, bevor der Mensch bereit wurde, diesen Prozeß von Vritti Nirodha aufzunehmen. Wieder bewiesen sie in diesem Punkt ihr tiefes Wissen über Natur und Verhalten des Geistes und seine Beziehung und Verbindung zu den anderen Aspekten des menschlichen Wesens. Sie wußten um die Existenz des dreifachen Faktors von Mala, der grobstofflicher Unreinheit, Vikshepa, des Fluktuierens des Geistes, und Avarana, des Schleiers der Unwissenheit, im Bewußtsein der menschlichen Monade. Bevor versucht werden konnte, Avarana zu beseitigen, muß zuerst Mala und Vikshepa überwunden werden. Der Vorrat an grobstofflicher Tamoguna und Rajoguna ist gleichsam der Stoff zur Herstellung von Mala, der psycho-vitalen Unreinheit in der Persönlichkeitsstruktur des Menschen. Die ersten vier Angas von Patanjalis Ashtanga Yoga zielten daher auf die vollständige Beseitigung von Tamoguna und Rajoguna aus der individuellen Prakriti ab. Das führte sehr wirksam zur Beseitigung von Mala und Vikshepa. Da man beobachtete, daß Tamoguna die Persönlichkeit in Gestalt verschiedener unreiner und lasterhafter Tendenzen, grobstofflichen Verlangens und Zweifel tyrannisierte, wurden die ersten beiden Schritte im Raja Yoga entwickelt, Yama und Niyama, um diesem Mangel durch die Pflege der erhabenen Tugenden von Wahrhaftigkeit, Mitgefühl, Reinheit, Nichtstehlen, Wunschlosigkeit und dergleichen abzuhelfen, gleichzeitig mit dem positiven Einhalten von äußerer und innerer Reinheit, Zufriedenheit und Heiterkeit in allen Angelegenheiten, Askese, täglichem Studium der Schriften und Gottesdienst.

Dann, basierend auf dem Wissen über die enge Beziehung zwischen dem geheimnisvollen Prana und dem Schwanken des Geistes (Vikshepa), wurden das dritte und vierte Anga von Raja Yoga formuliert, die feste Asana und das gleichmäßige Pranayama. Das Halten einer festen unerschütterlichen Stellung über längere Zeit wurde vorgeschrieben, um das wunderbare Ergebnis zu erlangen, die Schwingungsfrequenz der Körperzellen zu beherrschen und zu harmonisieren, von tamasig und rajasig zu reinem und harmonischem Sattva. Mit Asana Jaya wird im System des Übenden Tamoguna überwunden, Rajoguna wird beherrscht, und Sattva tritt ein. Sein ganzes Wesen wird beträchtlich verfeinert. Die Alten wußten, daß Geist und Prana die beiden Seiten der selben Münze waren und eng zusammenhingen. Durch Disziplin des einen konnte das andere diszipliniert werden. Durch Beherrschung des einen würde das andere beherrscht werden. Unter Zugrundelegung dieses psychologischen Faktums wurde der vierte Teil im Raja Yoga Sadhana konzipiert, Pranayama, die Schulung und Beherrschung der geheimnisvollen Lebenskraft, Prana, durch ein System der Atemkontrolle. Das wurde zur Minderung von Vikshepa, dem Schwanken des Geistes lange fortgesetzt. Diese vier Schritte sind daher die Vorbereitung, die zum eigentlichen Yoga von ›Vritti-Nirodha‹ führt, worin dem Geist in seinem eigenen Element der Kampf angesagt wird. Die höheren yogischen Prozesse von Pratyahara, Dharana und Dhyana, die die fünfte, sechste und siebente Phase im Raja Yoga ausmachen, stellen einen dreifachen und doch einheitlichen Prozeß dar, eine Art von drei-in-einem Sadhana, durch das der Yogi allen Vrittis und Bewegungen im Geist die Todesglocke läutet. Mano-Nasa, Mano-Laya ist das Ziel des Yogis, durch welche er Ahankara die Grundlage entzieht. Ohne Stütze und Halt kann das Ichbewußtsein auf nichts stehen. Wenn ihm seine einzige Stütze genommen ist, verlöscht es. Das Verlöschen des Geistes ist dem modernen Menschen eine schreckliche Vorstellung, die er fürchtet, da es zum Verlust der Persönlichkeit führt.

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Aber diese Aussicht bereitete dem yogischen Wissenschafter früherer Zeit keine Sorge, denn er war sicher, daß die vergängliche Persönlichkeit, die durch den Geist (der selbst vergänglich war) möglich gemacht wurde, eine falsche und illusorische Persönlichkeit war, und daß ihr Verlöschen das Erwachen der wahren und glorreichen Persönlichkeit des Wesens entstehen ließ, mit dem erhabenen Bewußtsein von Unsterblichkeit und höchster Fülle. Mit dem Verlöschen des Geistes dämmert das supra-mentale Überbewußtsein, dem bisher der Geist, das Ego, als einziger im Wege stand.

Der Geist ist die Brutstätte für den Keim von Ahankara, in dem es wächst und sich zur Legion entwickelt. Der Geist ist gleichsam der Boden für den Samen von Ahankara, in dem es keimt, wächst und sich in zahllose Millionen von Zweigen und Trieben entwickelt. Das Prinzip von Ahankara, das trennende individualistische Bewußtsein, wird vom Geist getragen. Und umgekehrt; der Geist wird von Ahankara getragen. Sie sind unzertrennliche Gefährten. Das eine kann ohne das andere nicht bestehen. Da Ahankara vorhanden ist, beginnt das Geistprinzip wirksam zu werden. Da der Geist vorhanden ist, wird es dem Ahankara möglich, sich zu manifestieren. So sind sie von einander abhängig. Auf dem Geist tanzt der Tänzer Ahankara in unterschiedlicher Weise. Die Kombination von Ego und Geist findet ihren Ausdruck in Unwissenheit in Form einer ununterbrochenen Wiederholung von geistigen Vrittis, getäuschtem Adhyasa, Mamata und Abhimana. Die Yogatechnik mit ihren verschiedenen Prozessen (Sadhanas) beseitigt diese Grundursache jeden Samsaras, den Dämon des Ichbewußtseins in seinem mannigfaltigen Ausdruck als Adhyasa, Vritti, Mamata und Abhimana. Obwohl es eine Tatsache ist, daß alle vier Yogas einander ergänzen und letztlich einen integralen Prozeß bewirken, ohne jedoch irgendeine wasserdichte Einteilung in Bereiche zu haben, zeigt es sich doch, daß sie gleichzeitig ihre spezielle Aufmerksamkeit und ihren Angriff auf einen dieser vier wesentlichsten Aspekte lenken, in denen das Ichbewußtsein auf dem Gebiet der individuellen Persönlichkeit aktiv wirksam wird. Die Urheber der Wissenschaft und Technik von Yoga formulierten die vier umfassenden Methoden von Jnana Marga, Raja Yoga, Bhakti Marga und Karma Yoga als psychologische und spirituelle Prozesse, um den Jiva aus den Banden von Adhayasa, Chittavritti, Mamata und Abhimana zu befreien, die alle verschiedene Abarten oder Variationen des Grundprinzips der Unwissenheit darstellen, die sich als das individualistische Ichbewußtsein manifestieren. Damit haben sie eine tiefe und wunderbare Einsicht bewiesen auch in die dunkelsten Vorgänge des vierfachen Geistes und die drei Guhas, die ihn mitreißen. Sie begründeten die Technik auf einer vollen Kenntnis der Existenz der Gesetze der Autosuggestion, des ununterbrochenen positiven Bemühens (Sajatiya Vritti Pravaha) der Verbindung von Ideen, von Pratipaksha Bhavana (Zusammenwirken von Gedanke und Gegengedanke), der schöpferischen Kraft des konzentrierten Gedankens, des Auslöschens durch Vermeidung (Vijatiya-Vritti-Nirodha), der Sublimierung durch psycho-spirituelle Überlagerung und der Verneinung der Welterfahrung durch Loslösung des Ichbewußtseins von allen äußeren persönlichen objektiven Faktoren, die aus dem Bereich des Wahrnehmbaren darauf übergreifen, des Wirkens der drei Gunas und des Zusammenwirkens von Prana und Geist. Es wurden dauerhafte Techniken, um Vervollkommnung zu erlangen, und es zeigte sich, daß ihre Absicht universell war, aufgrund der Tatsache, daß die weisen Seher, die dafür verantwortlich waren, ihnen ihr intuitives Wissen über die grundlegende Zusammensetzung des Menschen und seine physische, geistige, psychische und spirituelle Natur zugrunde legten.

Man muß sich darüber völlig klar sein, daß das, was Yoga letztlich zu erreichen versucht, den Geist vollständig übersteigt und in seinem Inhalt rein spirituell ist. Aber durch das, was letztlich erreicht wird, gipfelt der Prozeß in einer wahren und ungetrübten spirituellen Erfahrung, wobei der Prozeß von Yoga in seiner grundsätzlichen Anatomie zweifellos psychologisch ist.

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Es gibt keine klare und scharfe Abgrenzung zwischen den Anfangsphasen, die im Bereich der Psychologie wohlbegründet sind, und seiner späteren Entwicklung in einen höheren Bereich, wenn sich das Individuum mit fortschreitender Spiritualität der Erfahrung reinen Bewußtseins an sich weiter annähert, das von jeder niedrigen und minderen begrenzenden Spielart des von Tamoguna und Rajoguna heimgesuchten vierfachen Geistes bar und frei ist. Das eine löst sich schrittweise, ohne Komplikationen und wie selbstverständlich im anderen auf in irgendeiner Phase im spirituellen Leben des Suchenden, die wiederum von Individuum zu Individuum unterschiedlich beginnen kann und wird, und für die kein willkürlicher Zeitpunkt festgelegt werden kann. Und auch da werden noch im Laufe des gesamten Yogalebens Elemente beider Phasen vorgefunden, die in unterschiedlichem Maß die ganze Zeit ineinander übergreifen. So kann es sein, daß ein rein spiritueller Punkt von Yoga Sadhana einen Teil der Abhyasa Routine des reinen Anfängers darstellt. Genauso kann es sein, daß in ähnlicher Weise ein sehr fortgeschrittener spirituell Praktizierender und Yogi einen sehr gewöhnlichen und scheinbar unbedeutenden psychologischen Behelf anwendet, der ihm bei einem fortgeschrittenen spirituellen Prozeß nützlich ist. So wird es sich zeigen, daß die Techniken der einzelnen Yogasysteme, die weit davon entfernt sind, ein abergläubischer Vorgang zu sein, dem ein Nichterleuchteter blind folgt, in der Tat eine wohldurchdachte Anordnung von vitalen und psycho-spirituellen Praktiken darstellt, die auf der genauen Kenntnis von Wesen und Wirken des geheimnisvollen menschlichen Geistes und der ›Gunas‹ in den einzelnen Phasen basieren, in denen sie im Individuum auftreten. Das Gesagte ist ein Versuch, die innere Anatomie einiger wesentlicher Aspekte von Yoga zu beleuchten, des alten Systems spiritueller Vervollkommnung und Selbstverwirklichung Bharatavarshas, das überdauert hat. Es nimmt nicht für sich in Anspruch, endgültig oder erschöpfend zu sein, vielmehr ist es seine eigentliche Absicht, dem modernen Menschen eine richtige Einschätzung und das Erkennen des wahren Wertes des großartigen Yogasystems zu ermöglichen.

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