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Yoga als eine universale Wissenschaft

  Kapitel 18:

  Vereinigung am Busen des Schöpfers

Das Hauptthema im Yoga ist letztendlich die zielgerichtete Vereinigung aller vorangegangener Prozesse, die der Suchende durchlaufen hat. Genauso wie sich ein Bauer bereits zielbewußt bei der Aussaat und später bei der Pflege der jungen Pflanzen bemüht, um am Ende die Früchte ernten zu können, so gilt dies auch für das Hauptthema im Yoga - der Vereinigung mit der Wirklichkeit -, hinsichtlich aller vorangegangener Kapitel. Die Vereinigung mit der Wirklichkeit ist die letzte Stufe oder der letzte Sprung in das Unbekannte, was die bekannte Individualität nimmt, und was das Ziel aller Bemühungen schlechthin ist. Diese Vereinigung im Sinne des Yogasystems von Patanjali, bedeutet, sich auf die verschiedenen Evolutionsstufen der Prakriti oder mehr noch auf die Evolutionsstufen des Universums einzustimmen. Jede dieser Stufen wird zum Konzentrations- bzw. Meditationsobjekt, so daß auf jeder Stufe eine Vereinigung mit jeder kosmischen Evolutionsstufe stattfindet Da wir uns hauptsächlich mit dem Patanjali-System befassen, kommen wir jetzt zu den Grundsätzen von Samyama, Samadhi oder der Vereinigung, so wie es in diesem System verstanden wird.

Vereinigung - das höchste Yogaziel

Die Vereinigung mit der Wirklichkeit ist Samadhi, das ist die Samyama-Praxisfür die letztendliche Verwirklichung. Das ist das wirkliche Yogaziel. Doch jede Stufe bewußter Erfahrung, mit der eine Vereinigung herbeigeführt werden muß, kann als vorläufige Wirklichkeit angesehen werden, wie beispielsweise direkt am Anfang in den feinen Abstufungen und der schrittweisen Entwicklung von Yama und Niyama, und dann zum weiteren Aufstieg der individuellen Seele bis hin zur letzten Stufe vollkommener Vereinigung mit dem Unbekannten. Angefangen von Yama, ist jede Stufe nichts weiter, als der Versuch zur Vereinigung. Yama, Niyama, Asana, Pranayama und Pratyahara sind das Bemühen im Yoga, sich mit verschiedenen Stufen oder Ebenen der Wirklichkeit zu vereinigen. Doch, wenn wir zum Höhepunkt von Dhyana oder Meditation gem. Patanjali kommen, begegnen wir der Wirklichkeit in seiner wahren Farbe, und nicht wie es zuvor dem empirischen Individuum erschien. Die Hauptprobleme der Meditation offenbaren sich selbst, wenn wir die Spitze des Meditationsprozesses erreichen. Hier haben wir es mit einer interessanten Situation zu tun, in der wir scheinbar den empirischen Knoten der Objekte durchbrechen und in eine Basisexistenz eintreten. Während wir in den früheren Stufen versuchten, uns aus dem gesellschaftlichen Umfeld heraus, mit der gegenwärtigen Wirklichkeit zu vereinigen suchten, so müssen wir auf der letzten Stufe eine vollkommen andere Technik anwenden, in dem wir das Problem der Existenz ein für alle mal lösen. Alle zuvor erwähnten Stufen sind in gewissem Sinne empirisch, auch wenn sie einen schrittweisen Aufstieg bedeuten. Es ist ein Voranschreiten über Ebenen, die in sich empirisch sind. Je weiter wir voranschreiten, desto transparenter wird das Empirische und desto stärker wird die Wirklichkeit reflektiert, und doch sind es aufgrund der Tatsache, daß sich die Objekte außerhalb des Subjekts befindet, ausschließlich empirische Stufen. Selbst wenn das Medium, welches außerordentlich transparent ist, Subjekt von Objekt trennt, und wenn es auch aus praktischen Gründen so aussieht, daß es keinen Unterschied mehr zwischen dem Seher und dem Gesehen gibt, so handelt das transparente Medium doch wie ein getrenntes Element. So geschieht es in den früheren Stufen. Doch in der letzten Stufe sollte dies nicht mehr so sein. Wir wollen nicht einmal mehr ein transparentes Medium der Trennung zwischen dem sehenden Bewußtsein und dem gesehenen Objekt. Denn Wunsch steht jetzt nach tiefer Vereinigung, und nicht nur in einer scheinbaren brüderlichen Umarmung. Freundlichkeit unterscheidet sich von Vereinigung. Bis hier hin, versuchen wir in unterschiedlicher Atmosphäre und auf verschiedenen Ebenen, den Offenbarungen gegenüber freundlich zu sein. Jetzt versuchen wir nicht nur brüderlich und freundlich zu sein, sondern eine Verbindung zu einem einzigen SEIN einzugehen. Dies ist das letztendliche Yogazie

Die Komplexität von Namen und Formen

Es gibt von Patanjali eine Analyse über den besonderen Charakter der Natur, die Subjekt und Objekt (Name und Form) voneinander unterscheidet. Er benutzt natürlich dabei nicht die Begriffe: Name und Form. Seine technischen Begriffe sind Sabda und Jnana. Wenn wir die Objekte näher betrachten, können wir drei Faktoren ausmachen, die sie als empirisches etwas erscheinen lassen. Diese drei Faktoren sind: 1. Das Ding als solches in seinem wahren Wesen (Artha); 2. Das Muster, der Umriß oder die Form, die es als strukturelles Muster festlegen läßt (Jnana); und 3. Der Name, der mit dieser Form verbunden ist (Sabda). Jedes Objekt hat seine eigene Natur; es steht für sich selbst. Und jedes Objekt unterscheidet sich in seiner Form von jedem anderen Objekt. Und da es eine Form ist, trägt sie auch einen Namen. Wenn wir nun ein Objekt wahrnehmen, vermischen wir diese drei Faktoren. Um die Form - einen Berg, einen Baum oder sonst irgend etwas - eines Objektes wahrnehmen, vermischen wir diese drei Faktoren und erschaffen aus der Sicht des Subjektes, ein Bild eines empirischen isolierten Objektes.

Wir können solange nicht über ein Objekt nachdenken, solange wir keinen Namen mit ihm verbinden. Dabei kann es sich um eine Person oder eine Sache handeln. Da mit jeder Person und jeder Sache scheinbar ein Namen verbunden ist, wird der Name als wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen den Objekten betrachtet. In dem Augenblick, wo wir den Namen einer besonderen Sache, Form jenes Objektes ansprechen, wird dieses Objekt in unserem Geist gegenwärtig. Kein Objekt besitzt im wahrsten Sinne des Wortes einen Namen. Namen dienen nur einer praktischen Annehmlichkeit. Wir können zwischen den Objekten solange nicht unterscheiden, wie sie nicht besonders definiert sind. Die ideologische Objektdefinition findet aufgrund der Wahrnehmung als solches statt. Wir vergeben Namen, um die eine und von der anderen Sache zu unterscheiden, obwohl weder Sachen, Dinge noch Personen selbst irgendeinen Namen haben. Niemand wurde mit einem Namen geboren. Er existiert einfach nicht. Namen existieren lediglich aus praktischen Erwägungen heraus. Doch dies ist das geringere Problem im Vergleich zu den anderen beiden Aspekten eines Objektes.

Die Objektform ist das wirkliche Unterscheidungsmerkmal, und dieser Unterschied macht zur Identifikation einen Namen erforderlich. Die Vorstellung eines Objektes ist nichts weiter als die Vorstellung einer Form, die ein Objekt von einem anderen unterscheidet. Die Länge, die Breite, die Größe, das Muster, die Struktur, die Farbe und andere Aspekte machen die Form eines Objektes aus, und diese unterschiedliche Form ist der Grund für den Namen. Darum sind Name, Form und Idee zusammen ein einziger Komplex.

Prakriti - die Grundsubstanz hinter allen Objekten

Die wahre Sache, die sich hinter dem Objekt verbirgt, muß nicht unbedingt die Form sein, die wahrgenommen wird. Die Erklärung für diesen Punkt führt uns weit in die Bereiche kosmischer Struktur zurück, was wir bereits in den früheren Kapiteln besprochen haben. Alles ist eine Offenbarung der einen Grundsubstanz, die als Prakriti bekannt ist. Die Prakriti wird aus den drei Grundsubstanzen Sattva, Rajas und Tamas mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen gebildet, die entsprechend dieser Ausprägungen, ein Ding von einem anderen verschieden erscheinen läßt. Doch ist es nicht wahr, daß es viele Objekte in dieser Welt gibt. Die ganze Wahrheit ist folgende: Die verschiedenen Objekte werden nur aufgrund der Prakriti als unterschiedliche Muster wahrgenommen, weil sich ihre Muster durch ihren Abstieg immer weiter von Raum und Zeit entfernt haben und noch entfernen. Je tiefer sie hinabsteigen, desto grobstofflicher wird ihre Form und desto mehr unterscheiden sich die Objekte voneinander. Je mehr sich der Unterschied verringert, desto mehr nähern sich die Objekte einander an. Da sich die Prakriti von ihrer Grundstruktur Mahat, Ahamkara, Tanmatras und Mahabhutas durch Austausch und Kombination ihrer drei Gunas immer weiter entfernt, entsteht ein scheinbarer Multiplikationseffekt mit immer unterschiedlicheren Mustern, was letztendlich in die individuelle Form von Persönlichkeiten und Objekten mündet. Dieser Multiplikationsprozeß wird bei den gesellschaftlichen Beziehungen der individuellen Formen noch verschlimmert. Darum ist die Yogapraxis ein inneres Bemühen, dieses abgestiegene Bewußtsein wieder in eine größere Einheit mit seiner Umgebung zurückzuführen, was man als Samadhi oder Samyama bezeichnet, wobei die fünf Elemente direkt - und nicht die normalen Formen der individuellen Menschen und Dinge - angesprochen werden.

Der Name, die Nomenklatur, die Bezeichnung, die Idee und die Form unterscheiden sich von Objekt zu Objekt. Doch in der Substanz unterscheiden sich die Objekte nicht voneinander, denn alle Objekte haben die selben drei Gunas zum Inhalt: Sattva, Rajas und Tamas. Prakriti ist das einzige Ding, das hinter allen Formen, allen Objekten als die Sache selbst steht. Diese Sache als solche ist Prakriti. Darum wird bei einer besonderen Konzentrationsform (Samyama) in der untersten Stufe versucht, die Form aller Namen, die damit verbunden sind, zu entblättern, und es wird gleichzeitig versucht, durch die Formhüllen hindurch auf den Kern zu schauen. Und aufgrund der Tatsache, daß das individuelle Subjekt aus demselben Kern besteht, wie die Objekte, auf die man sich während der Meditation konzentriert, erkennt das Bewußtsein die ähnliche Basis bzw. Grundstruktur von sich selbst und den Objekten. Es ist so, als würden sich zwei Flüsse oder Ozeane an einem bestimmten Punkt in einer nicht unterscheidbaren Masse begegnen. Die fünf Elemente, - Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther, - sind Formen der Prakriti. Es sind nicht fünf voneinander getrennte Elemente, sondern eine einzige grobe Substanz, die in verschiedenen Abstufungen wie Äther, Feuer, Wasser und Erde erscheinen, aus denen auch unser Körper besteht. Darum ist es schwierig, die Dinge voneinander zu unterscheiden.

Eine Beschreibung des Savitarka Samadhi

Wenn wir im Samadhi unsere Augen öffnen, sehen wir nichts, obwohl unsere Augen geöffnet sind. Dies geschieht deshalb, weil das Bewußtsein im Innern etwas Ähnliches wahrnimmt, wie es in den äußeren Objekten entdeckt hat. Der räumliche Unterschied löst sich aufgrund derselben Sache im inneren Subjekt wie im äußeren Objekt auf. Da kein Raum mehr existiert, wird auch die Zeit überwunden. Das ist Arthamatra-nirbhasattvam, die Erkenntnis der wahren Substanz und des wahren Objektes, so wie es wirklich ist. Dies ist Samyama, das sogenannte Samadhi des Yoga. Als Samadhi wird der gleichgewichtige Geist bezeichnet. Das unterscheidende ‘Oben und Unten’, das zwischen dem Seher und dem Gesehenen normalerweise gesehen wird, hört auf, und die Substanz des Einen tritt in das Andere ein. Vielmehr im Innern erhebt sich ein Bewußtsein über die ähnliche Substanzstruktur des Einen und die des Anderen. Es ist nicht die Vereinigung, die durch Meditation hervorgerufen wird, sondern es wird lediglich entdeckt, was bereits unmittelbar von der Ewigkeit vorhanden ist. Dieses Identifizieren des meditierenden Bewußtseins mit der unendlichen Struktur des physischen Kosmos, - der aus den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther besteht, und in den Komplex von Sabda, Artha und Jnana (Name, Form und Gedanke) eingebunden ist, - ist die unterste Stufe des Samadhi. Dies wird Savitarka Samapatti oder in den Worten von Patanjali als Samadhi bezeichnet. Er hat es so genannt, denn hier findet ein inneres abstraktes Argumentieren statt, wenn sich das Bewußtsein abmüht, und mit den riesigen Substanzen der fünf Elemente in ihrer Beziehung zu Namen und Formen ringt. In den Objektgedanken von Name und Form, findet eine Einmischung von Raum und Zeit statt. Da dies nur schwer vorstellbare Dinge in Verbindung mit der früheren Stufe von Samyama sind, werden Raum und Zeit zunächst von der Betrachtung ausgenommen und nur der Name-/Formenkomplex betrachtet. Wir müssen die äußeren Hüllen der Objekte entfernen, so wie wir beim Zwiebelschälen eine Schale nach der anderen entfernen, bis wir an die Substanz der Dinge herankommen. Auf diese Art und Weise werden die äußeren Hüllen dadurch schrittweise entfernt, in dem man versucht, sich mit jeder Hüllenform zu vereinigen.

Und jedes Samyama, bezogen auf eine bestimmte Hülle eines Objektes, ist gleichzeitig eine Vereinigung mit dieser Hülle, was dann ein Auflösen dieser Hülle zur Folge hat, die ein Unterscheidungsmerkmal dieses Objektes darstellte und nun Eins mit dem meditierenden Bewußtsein wird. So sollte das meditierende Bewußtsein auf die Objekthüllen ausgerichtet sein. Das Savitarka Samapatti ist die unterste Stufe, denn hier konzentriert man sich auf die grobe Objektform in Bezug auf seinen Namen und die Gedankenform (Sabda und Jnana) als Ergänzung zu seiner Substanz (Artha). Normalerweise kann man nicht über diese Stufe hinausgehen; um nicht zu sagen, daß dies verlorene Liebesmühe wäre. Doch gedanklich ist es letztendlich möglich, weitere Stufen zu berühren, um einerseits die vor uns liegenden Ziele zu betrachten und um uns andererseits vor jeglicher Ablenkungen im zukünftigen Meditationsprozeß zu schützen. Wir können uns die zu erwartenden Grundstrukturen anschauen, obgleich dies nicht auf Jahre hinaus im voraus möglich ist. Normalerweise bleiben diese entfernten Ziele nur in der Theorie. Diese Dinge kann man sich kaum vorstellen, noch kann man mit ihnen in Berührung kommen. Selbst das unterste Samapatti ist weit außerhalb unseres Zugriffs. Es besteht nicht einmal die Hoffnung, nur einen Funken davon zu erfassen. Wer könnte sich in einen Geisteszustand versetzen, wo der gesamten physischen Kosmos durchdrungen wird? Können wir uns das überhaupt vorstellen? Und doch wird dies als die unterste Samadhi-Stufe, dem Savitarka Samapatti, betrachtet.

Höhere und noch höhere Samadhi Zustände

Wenn wir darin voranschreiten, die Verbindung zu den Objekten mit den empirischen Namen und Formen immer weiter zu lösen, und uns gleichzeitig in direkter Berührung zum lebenden Objekt mit seiner wesentlichen Substanz vereinigen, befinden wir uns vielleicht in dieser wahren Stoffumwandlung, von der man immer wieder hört, - eine höhere Stufe, die Nirvitarka Samapatti genannt wird, - wo sich die Frage nach der Beziehung zu Namen und Formen nicht mehr stellt. Das Bewußtsein schwindet, es ist unfähig länger zu bestehen, und es fühlt, als würde es in ein Nichts oder gar in ein Alles dahinschmelzen. Dies ist das höchste religiöse Bewußtsein, das man sich vorstellen kann, die Spitze des spirituellen Zieles und der höchste Punkt im Yoga. Doch selbst dies ist nicht genug, sagt Patanjali.

Patanjali macht uns verrückt, wenn er sagt, daß selbst Nirvitarka Samapatti nicht genug ist. Denn die Stufen der Prakriti sind bei diesen Ebenen unseres Einstimmens auf die gröberen Formen nicht erschöpft, - jenen fünf Elementen der Prakriti, die als die Samapattis (Savitarka und Nirvitarka) bekannt sind. Denn die Tanmatras - Sabda, Sparsa, Rupa, Rasa und Gandha, die beispielsweise wie eine elektrische Energie oder Schwingung hinter der Formation der Dinge stehen, - sind höher als die gröberen physischen Grundelemente einzustufen. Man kann nur soviel sagen, daß es eine energetische Schwingung hinter den Formen und Substanzen der Dinge gibt, die man nicht sehen kann. Man kann sich nicht vorstellen, was diese Elektrizität oder diese Schwingung ist. Doch es gibt diese lebendige durchdringende Schwingung. Das ist die Ursache hinter den festen Formen der Objekte, und diese Ursachen werden Tanmatras genannt. Diese Tanmatras sind die Ursache einer jeden Substanz, jenes DAS als solches, jenes 'TAT', wie man im Sanskrit sagt. Dieses DAS ist nicht dasselbe, wie das WAS, was die Philosophen manchmal benutzen. Das DAS ist für das Auge unsichtbar und für den Geist nicht wahrnehmbar. Wohingegen das WAS eine beschriebene Form und ein analytisches Merkmal einer bestimmten Form ist. Oder genauer betrachtet, ist das DAS die Substanz und das WAS die empirische Form. Darum ist jenes DAS (Tanmatra) von dem WAS eines Objektes zu unterscheiden und begegnet uns auch in einer anderen Stufe des Samapatti, die als Savichara bekannt ist, wenn diese mit Raum und Zeit verbunden ist. Die letzte Sache, die uns verläßt, ist die Vorstellung von Raum und Zeit. Mit all unserem Bemühen, wird es uns nicht gelingen, Raum und Zeit aufzulösen, denn sonst würden wir uns selbst auflösen. Unsere Existenz ist nichts anderes als eine Raumzeit-Existenz. Darum befindet sich zum Zeitpunkt der Vereinigung (Savichara Samapatti), diese Idee des inneren meditierenden Bewußtseins über die höheren Grundprinzipien der Prakriti jenseits der fünf gröberen Elemente, die in einer Beziehung zu Raum und Zeit stehen. Es handelt sich um Savichara, denn eine Art innerer Analyse findet, - natürlich auf sehr hohem Niveau, - immer noch als unmittelbare Beziehung der Tanmatras zu Raum und Zeit statt. Wir können unsere Grenzen oder unseren unterscheidenden Charakter von Raum und Zeit so lange nicht überschreiten, wie wir als ein wahrnehmendes, erkennendes und meditierendes Bewußtsein außerhalb unseres Meditationsobjektes bleiben oder dieses Objekt in unserem Geist wahrnehmen.

Der Seher wird zum Gesehenen, das Bewußtsein wird zur Angelegenheit, der Meditierende wird zu dem, worauf er meditiert. Er wird zu etwas Anderem, und er weiß kaum etwas von dem, was er wahrnimmt. "Zu wissen bedeutet zu sein", diesen Punkt erreichen wir durch direkte Erkenntnis und Verwirklichung, wenn wir der Struktur des Raumzeit-Prozesses gewahr werden, was selbst die geringsten Schwinungsursachen, die Tanmatras, einschließt. Wenn wir Raum und Zeit überwinden und mit den Tanmatras EINS werden, werden wir zu einer allgegenwärtigen Sache; dann sind wir im Nirvichara Samapatti. Wir werden praktisch allgegenwärtig. Wir durchdringen den Kosmos. Wir sind nicht mehr länger das ‘Ich’ oder ‘Du’; das ist für immer aufgelöst. Es ist nicht nur für immer aufgelöst, sondern kommt auch nicht mehr zurück. Eine große Flut der Freude überschwemmt das innere allgegenwärtige Bewußtsein. Eine undenkbare, unverständlich, nicht nachweisbare, undefinierbare und unfaßbare Glückseligkeit explodiert in einem, so als würde man sich allem Wahrnehmbaren, Greifbaren, allen Besitzes auf einen Schlag erfreuen. Eine Freude, die sich weder der reichste Mann der Welt noch der größte Eroberer des Universums erträumen könnte, strömt in den Meditierenden ein, obwohl dieser nicht das Universum besitzt, sondern weil er EINS mit IHM geworden ist. Das Universum erhebt sich über seine eigenen inhaltlichen Verhältnisse, die zuvor als etwas Äußeres von ihm selbst erschienen, und sieht sich dann selbst als Ganzes, als einen Haufen von Etwas, das wie Körner in einem einzigen Getreidesilo versammelt ist. Und Selbstverwirklichung des Universums, und nicht eine individuelle Selbstverwirklichung des Einzelnen, findet statt, sondern die universale Selbstverwirklichung, wo der Kosmos sich selbst als das erkennt, was er ist. Diese Freude, Glückseligkeit ist eine Erfahrung, die von Patanjali als Sananda Samapatti bezeichnet wird. Kein Wort kann diese einzigartige Erfahrung der Freude beschreiben. Es bleibt nur ein Universales Selbstbewußtsein als ‘Ich bin, was ich bin’, oder einfach ausgedrückt ‘Ich bin’ oder ‘Ich’. Jedes Wort ist am Ende überflüssig oder sinnlos. Die größte Literatur und die strahlendsten Wörter der unterschiedlichsten Sprachen vermögen diese Universale Erfahrung des ‘Ich’ nicht zu beschreiben. Es gibt nichts, was darüber steht. Was könnte es mehr als Gotteserfahrung geben? Dies ist das kosmische ‘Ich’, das sich Selbst ausdrückt, das Sasmita Samapatti, wo nichts mehr nachkommt, ein ‘Ich’, das diesen ‘Du-‘, ‘Er-‘ oder diesen ‘Was’-Aspekt entblößt und von der Raumzeit befreit ist, was auch die Befreiung von der Wahrnehmung von Objekten und Wissen einschließt. Dieses ‘Ich’, zu dem man in dieser Stufe wird, kann als das ‘Du’ oder das ‘Was’ bezeichnet werden und als ein vollkommenes Subjekt angesehen werden. Es ist nichts, was man sich vorstellen kann. Dies ist Sasmita Samapatti, das höchste Ziel: Samadhi.

Ein vollkommener Tod für eine vollkommene Ewigkeit

Und so, wie ein tyrannischer Gläubiger uns nicht verlassen will, bis er nicht den letzten Blutstropfen aus uns herausgequetscht hat, so läßt uns selbst Patanjali nicht los. Wie ein Blutegel hängt er sich an uns, und sagt uns, daß es immer noch etwas gibt. Patanjali ist mehr noch als ein Geldverleiher und wird nicht eher ruhen, bis er alles aus uns herausgesaugt hat. So nimmt er unser letztes Lebenslicht und schaut darauf, als gäbe es dies überhaupt nicht. Wir werden von der Wurzel bis hin zu den Haarspitzen vollkommen abgeschafft, - wir sollen keinem im Gedächtnis bleiben. Selbst unser Gedächtnis soll es nicht mehr geben. Solch ein Tyrann, solch ein Despot, das ist kaum vorstellbar. Doch so ist Yoga. Das despotische, tyrannische Verhalten des Yoga, läßt selbst die Erinnerung an unsere Existenz nicht zu, selbst nachdem es unsere Existenz vollständig vernichtet hat. Diese Selbstzerstörung ist das Ziel einer Selbstsammlung und Erfahrung, ein Sterben, um zu leben, eine vollkommene Aufgabe für eine vollkommene Erfüllung, ein vollkommener Tod für eine vollkommene Ewigkeit, was als Nirbija Samapatti, das letzte Samadhi bezeichnet wird. Wir wissen nicht, was es ist, und je weniger darüber gesprochen wird, desto besser.

So funktioniert Yoga. Und alle Facetten des Yoga kommen hier zu ihrer letzten Anforderung zusammen. Welchen Pfad der Sucher auch immer verfolgen mag, - er wird merken, daß er hier am letzten Punkt angekommen ist. Welcher Religion er auch immer ausgeübt haben mag oder angehört, welcher spirituellen Praxis er auch immer nachgegangen ist, welche Lebensziele er verfolgt haben mag, alles kommt hier an diesem letzten Punkt zusammen, den der Lehrer Patanjali in seinen Sutras ein wenig versucht hat zu beschreiben, in dem er uns schrittweise von den niedrigen Kategorien der kosmischen Evolution bis hin zu dem Beginn der Evolution erhebt, wo er uns mit dem Busen des Schöpfers vereint, - wenn du willst, bezeichne IHN als Purusha, und siehe, daß wir ein ewiges Leben leben. Hier enden die Ausführungen über Yoga.


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