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Parabeln von Swami Sivananda

  • Teil 1 Philosophie und Lehren
  • 7. Kapitel Die Eroberung des Geistes
  • Gleichnis von den Ameisen und dem Zuckerberg


Es lebten einmal Tausende von Ameisen auf einem Salzhügel. Eine Ameise berichtete, daß es in der Nähe einen Zuckerberg gebe. Ein paar Ameisen zogen los, um Zucker zu essen. Viele von ihnen marschierten und marschierten, doch überall fanden sie nichts anderes als Salz, denn sie hatten Salzpartikel im Mund, die sie nicht loslassen wollten. Ein paar andere gaben ihre Salzpartikel auf und kosteten von dem Zucker. Sie hatten das Gefühl, die Süße des ganzen Berges zu besitzen und mit sich zu nehmen.

So ist es auch mit den meisten Menschen. Sie können kein Glück finden, selbst wenn man ihnen sagt, daß sich der Berg der Glückseligkeit neben ihnen befindet, oder daß sie bereits auf ihm wandern. Denn es widerstrebt ihnen, ihre Anhaftungen und selbstsüchtigen Ziele, die sie binden, abzulegen.

Der Geist ist Ursache für Knechtschaft und Befreiung. Wenn man nicht auf die Salzpartikel des Anhaftens verzichtet, kann man nirgends im ganzen Universum Frieden erwarten. Einige wenige sind fähig, Verzicht in geringem Ausmaß zu üben. Dadurch erfahren sie einen Funken von Glückseligkeit. Gesegnet ist, wer mit der Glückseligkeit verschmilzt und dadurch selbst zur Glückseligkeit wird, als Ergebnis vollkommener Entsagung aller Wünsche und Anhaftungen.

  • Gleichnis vom Mädchen, das den Polizisten und den Dieb anhält


Ein berüchtigter Dieb wurde von einem Polizisten auf frischer Tat ertappt. Mit der Beute in der Hand flüchtete er. Der Polizist verfolgte ihn in wilder Jagd. Nach ein paar hundert Metern kam ein wunderschönes Mädchen die Straße entlang. Der Polizist war gerade dabei, den Räuber zu erwischen. Als er das Mädchen sah, blieb er stocksteif stehen und starrte es an. Auch der Dieb war von dem Anblick des Mädchens gefesselt und blieb ebenfalls stehen - nur ein paar Meter von dem Polizisten entfernt. Das Mädchen streifte sie mit einem kurzen Blick und ging weiter. Sowie es außer Sichtweite war, fiel dem Polizist plötzlich wieder ein, daß er ja den Dieb jagte und dieser wiederum wurde sich bewußt, daß der Polizist hinter ihm her war. Sie begannen wieder ihre Jagd. Doch die Konzentration und Nachdrücklichkeit hatte nachgelassen. Der Dieb entkam.

Der niedere Geist voll Unreinheiten ist der Räuber. Der höhere, reine Geist ist der Polizist. Der spirituelle Schüler faßt den frommen Entschluß, die Wurzeln der unreinen Vasanas (latent vorhandene Neigungen) auszugraben. Der höhere sattwige Geist beginnt, ihn von den negativen Neigungen zu reinigen. Die Jagd beginnt. Nach einiger Zeit verlockt ein Sinnesobjekt den Sadhaka (Schüler). Der innere Kampf verflüchtigt sich. Der reine Geist vergißt seine Pflicht. Der niedere Geist ignoriert die Gefahr. Wenn die Welle der Erregung vorbei ist, beginnt der Kampf wieder, aber die starke Energie und Nachdrücklichkeit dahinter fehlen. Der niedere Geist ist durch das Nachlassen des reinen Geistes wieder gestärkt worden und es wird immer schwieriger, ihn zu bezwingen.

Sei immer wachsam! Fange den Dieb des niederen Geistes und rotte ihn aus!

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  • Gleichnis vom armen Mann und seiner Schatztruhe


In einem Dorf lebte ein armer Mann mit dem alles verzehrenden Wunsch, reich zu werden. Gott nahm die Gestalt eines Wahrsagers an und sagte ihm: „Schaufle eine Grube hinter deinem Haus. Dort wirst du eine kostbare Schatztruhe finden.“ Der arme Mann freute sich riesig, als sich dies als richtig erwies. Nachdem er nun großen Reichtum erlangt hatte, lehnte er sich zurück und kümmerte sich nicht mehr um die Mehrung oder auch nur die Aufrechterhaltung seines Besitzes. Eines Tages kam ein Dieb, der von der Sorglosigkeit des Mannes gehört hatte, und stahl die Truhe. Der Mann war furchtbar schockiert. Er schrie und wehklagte, bis er heiser war, und suchte seine Schatztruhe überall. In der Zwischenzeit faßte der gleiche Wahrsager den Dieb und brachte dem Mann seine Truhe zurück. Dieser freute sich sehr. Von da an ließ seine Wachsamkeit nie mehr nach. Er bewachte die Schatztruhe gut und bemühte sich, seine Schätze zu mehren.

In gleicher Weise strebt ein guter Mensch danach, Gott zu verwirklichen. Sein Streben ist so intensiv, daß Gott in seiner Barmherzigkeit und seinem Mitgefühl ihm einen Guru sendet. Der Guru erklärt dem Menschen, daß in seinem Herzen höchste Glückseligkeit, Gott, wohnt. Der Mensch bemüht sich und erreicht ein gewisses Maß an Erfolg in seinem Sadhana (spirituelle Praxis). Dieser Erfolg verdreht ihm den Kopf. Er läßt in seinen Bemühungen nach. In diesem Zustand der Unachtsamkeit überwältigt ihn Maya (Täuschung) und trägt seinen spirituellen Erfolg davon. Er befindet sich wieder am Anfang. Plötzlich erkennt er dies und wehklagt über sein Schicksal. Der Guru kommt zu ihm zurück und hilft ihm, die bisher erworbenen spirituellen Erfahrungen zurückzugewinnen. Von nun an läßt der Mensch niemals mehr in seiner Wachsamkeit nach. Er bewacht die Schatztruhe der spirituellen Erfahrungen, die ihm gewährt worden sind, und bemüht sich, Tag für Tag etwas hinzuzufügen.

  • Gleichnis vom Unkraut im Feld


Ein Mann säte Reis auf seinen Feldern. Zu seiner Überraschung entdeckt er nach einer Woche, daß zwar die Reiskeimlinge anfingen, zu sprießen, gleichzeitig aber auch mehr Unkraut wuchs. Er wunderte sich: „Ich habe nicht einen Samen dieses Unkrauts gesät!“ Die Samen waren verborgen in der Erde. Als der Bauer die Reissprößlinge bewässerte, wuchs auch das Unkraut stärker. Er riß das Unkraut aus, aber es kam wieder. Diesmal riß er es an der Wurzel aus und schützte gleichzeitig die Reisernte. Nun wuchs der Reis, während das Unkraut samt der Wurzel entfernt worden war. Der Bauer erzielte eine reiche Ernte.

So ist es auch, wenn ein spiritueller Schüler Japa (Mantrawiederholung) und Meditation übt. Zu seiner Überraschung entstehen schlechte Gedanken in seinem Geist. Er wundert sich: „Ich habe nicht über diese negativen Regungen meditiert. Wie können sie in mir aufkommen?“ Sie waren in unsichtbarer Form bereits im Geist vorhanden und begannen nun, zusammen mit den positiven Gewohnheiten zu wachsen. Der Schüler reißt die sichtbaren unerwünschten Vrittis (Gedankenwellen) aus und meint, nun von allem Bösen befreit zu sein. Seine spirituelle Praxis schreitet für einige Zeit zufriedenstellend fort, bis sich die negativen Vrittis erneut mit voller Kraft manifestieren. Der Schüler wundert sich noch mehr. Er mahnt sich zur Vorsicht, da ein wenig Unachtsamkeit möglicherweise die gesamte Ernte guter Eindrücke im Geist (Samskaras) zerstören könnte. Er ist nun sehr achtsam und rottet alle niederen Gedanken an der Wurzel aus. Mit der Zeit wachsen die guten Bewußtseinseindrücke zu starken Pflanzen heran und das Unkraut der bösen Gedanken verschwindet vollständig. Der spirituelle Sucher erlangt Siddhis (übernatürliche Kräfte) und erfreut sich an Samadhi (Überbewußtsein).

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  • Gleichnis vom betrügerischen Postbeamten


Ein Dorfbewohner schrieb an seinen Sohn in der Stadt: „Bitte schicke mir jeden Monat zehn Rupien für meine Ausgaben.“ Der Postbeamte des Dorfes sah darin eine Gelegenheit für sich. Er fügte eine Null hinzu und machte so 100 Rupien daraus. Der Sohn sandte seinem Vater jeden Monat 100 Rupien. Unverfroren steckte der Postbeamte 90 in seine eigene Tasche und gab nur zehn an den Vater weiter. Aber bald wollte er noch mehr. Er überredete den Dorfbewohner, seinen Sohn um mehr Geld zu bitten. Dieser schrieb nun: „Bitte sende mir künftig 20 Rupien.“ Der Postbeamte fügte wieder eine Null hinzu und machte 200 Rupien daraus.

Eines Tages kam ein Postinspektor zu einer unangemeldeten Kontrolle. Er fand einen äußerst selbstzufriedenen Postbeamten vor. Er erkundigte sich bei der örtlichen Bevölkerung und argwöhnte, daß irgend etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Er fragte den alten Mann: „Wie hoch sind deine Ausgaben?“ Dieser antwortete: „20 Rupien im Monat.“ „Warum schickst du deinem Vater 200 Rupien im Monat, wo er doch nur 20 benötigt?“ fragte der Inspektor daraufhin den Sohn. Die Untersuchung enthüllte den Betrug des Postbeamten. Er wurde entlassen und streng bestraft. Der alte Dorfbewohner wurde fortan seiner Einnahmen nicht mehr beraubt.

Das Prana (feinstoffliche Lebensenergie) braucht Nahrung, um den Körper zu erhalten. Die Bedürfnisse des Pranas sind sehr gering. Aber zwischen der Nahrung und dem Prana liegt die Zunge, und sie fordert sehr viel mehr! Sie fordert köstliche Gerichte und Süßigkeiten, und je mehr sie bekommt, desto größer wird ihr Verlangen.

Der Guru tritt in das Leben des Menschen und macht ihn darauf aufmerksam, daß es einigen Schwindel gibt. Und er erklärt ihm, daß nicht alles, was er ißt, tatsächlich notwendig ist für die Aufrechterhaltung des Prana. Der Dieb wird gefaßt und streng bestraft durch Fasten, salzlose Diät usw. Er wird vollständig überwunden. Der Sadhaka (Schüler) wird ein Jitendriya (jemand, der seine Sinne = Indriyas vollständig beherrscht).

  • Gleichnis vom Mann, der das Euter der Kuh abschneidet


Ein Mann hatte eine gute Kuh, die sehr viel Milch gab. Er wunderte sich sehr darüber, daß er Tag für Tag sowohl morgens als auch abends mehrere Liter Milch erhielt. Da die Milch immer aus dem gleichen Euter kam, glaubte er nun, die Kuh habe einen großen Vorrat an Milch in ihrem Euter und daß das Euter nur eine begrenzte Menge Milch auf einmal freigab. Er wollte aber die ganze Milch auf einmal haben. Eines Morgens nahm er ein scharfes Messer und schnitt das Euter ab, weil er dachte, so könne er die gesamte Milch bekommen. Was für eine Tragödie! Nicht ein Tropfen Milch war im Euter, und die Kuh verblutete.

Ein törichter Schüler auf dem spirituellen Weg findet heraus, daß Tapasya (Askese, Selbstbeschränkung) wunderbare Willenskraft und spirituellen Fortschritt bringt. Dieser Prozess geschieht allmählich, stetig und kontinuierlich. Der Sadhaka (Schüler) ist damit nicht zufrieden. Er möchte sofort die höchste spirituelle Erfahrung. Darum beginnt er, ungeeignete krankmachende Askesepraktiken zu üben. Er nimmt das scharfe Messer äußerster Strenge. Aber damit schneidet er die Wirksamkeit der Selbstdisziplin durch. Statt spiritueller Entwicklung folgen Verfall und Tod.

Praktiziere angemessene Disziplin. Folge der goldenen Mitte. Entwickle dich Schritt für Schritt und erfreue dich höchster Glückseligkeit.

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  • Gleichnis vom Turban des Anwalts


Ein Anwalt verließ das Haus, um zum Gerichtshof zu gehen. Er bemerkte, daß sein Turban locker war. Beim nächsten Schritt fiel er auseinander und der ganze Turbanstoff lag auf dem Boden. Der Anwalt begann, den Turban wieder um seinen Kopf zu binden. Aber es gelang ihm nicht. Er sah sich um und entdeckte am Fuße der Treppe seines Hauses eine runde Lampe, die ungefähr so groß war wie sein Kopf. Er wickelte den Turban um die Lampe und stellte sich dabei vor, er winde den Turban um seinen eigenen Kopf. Dann nahm er den ordentlich gebundenen Turban, setzte ihn sich auf den Kopf und ging zum Gerichtshof.

Ein Mensch, der versucht, diese Welt des Leidens und Todes zu verlassen und zum Gerichtshof Gottes zu gelangen, bemerkt, daß sein Geist locker ist. Er ist aus der Form geraten und weit verstreut. Der Mensch versucht, den Stoff zu sammeln und einen wunderschönen Turban für seinen Kopf daraus zu machen, d.h., er versucht, seinen Geist einpünktig zu machen, Samadhi (überbewußter Zustand) und das Sahasrara Chakra (Kronenchakra, Energiepunkt an der Schädeldecke. Sitz des absoluten reinen Bewußtseins) am Scheitel des Kopfes zu erreichen. Aber seine Versuche mißlingen. Das Bewußtsein im Sahasrara ist zu subtil, so daß er es nicht sehen und seinen Geist nicht daran festmachen kann. Er schaut sich um und sieht ein Abbild Gottes. Er stellt sich vor, dieses sei Gott oder das höchste Bewußtsein selbst. Er hält seinen Geist fest auf das Abbild gerichtet. Sobald der Geist fest auf das Idol konzentriert ist, richtet er ihn auf das Sahasrara, das höchste Bewußtsein. Glücklich nähert er sich nun dem Gerichtshof Gottes.

  • Gleichnis von den hundert Kindern


In einem Dorf lebten zwei Freunde, Rama und Krishna. Sie waren Nachbarn. Rama heiratete ein nettes Mädchen, als er erwachsen wurde. Krishna blieb Junggeselle. Sie erbten beide ein großes Vermögen von ihren Eltern. Rama verdoppelte seinen Reichtum und wurde Millionär. Krishna adoptierte den Sohn seines spirituellen Lehrers und lebte zufrieden von den vorhandenen Mitteln.

Trotz seines steigenden Vermögens gab es kein Glück in Ramas Haus. Ihre zahlreichen Kinder waren eine Quelle ständiger Sorge und Plage für ihn und seine Frau. Es war unmöglich, sich auf ein Kind allein zu konzentrieren. Die Kinder wurden immer ungestümer und ungezogener und kosteten bald Ramas Besitz. Wie viel er auch einnahm, es war nie genug für die immensen Ausgaben für die Familie.

Eines Tages ging er zu Krishna und fragte ihn nach dem Geheimnis seines Glücks und der himmlischen Ruhe seines Hauses. Krishna antwortete: „Ich habe nur einen Sohn.“

Rama und Krishna repräsentieren den menschlichen Geist. Der eine wendet sich irgend einer Liebhaberei zu und zeugt daraus tausend Sehnsüchte als Nachkommen. Die Wünsche verbrauchen rasch die Energie, die der Geist durch etwas Übung von Konzentration und Meditation gewinnt. Die Vielzahl der Wünsche macht den Geist schwach. Deshalb kann er sich nicht auf einen bestimmten Wunsch konzentrieren und diesen erreichen.

Krishna, der den Sohn seines Gurus adoptiert, ist vergleichbar mit dem Geist, der sich einen bestimmten Gedanken des Guru zu eigen macht und seine Energie und Stärke darauf konzentriert, diesen Gedanken zu entwickeln. Wo es Tausende von Wünschen gibt, kann es keinen geistigen Frieden und keine mentale Konzentration geben. Wo jedoch nur ein einziger Wunsch ist, kann sich der Geist gut darauf konzentrieren.

Lerne, deine Wünsche zu reduzieren. Behalte nur einen allein und lasse diesen göttlich sein. Konzentriere den Geist darauf. Du wirst Frieden und Glückseligkeit genießen und bald dein Ziel erreichen.

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