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Swami Krishnananda:

Antwort auf deine Fragen

Kapitel 31

Die Sinne: Zwei Arten des Opfers

Swamiji: Sharmaji, im vierten Kapitel der Bhagavad Gita sagt Bhagavan Shri Krishna, daß es verschiedene Opferformen gibt. Einige opfern, indem sie die Objekte ihren Sinnen, und andere, indem sie ihre Sinne den Objekten opfern; darum gibt es zwei Arten des Opfers. Was bedeutet das? Es sieht so aus, als handelt es sich dabei um zwei gegensätzliche Dinge, denn in dem einen Fall opfert man das Objekt den Sinnen, und in dem anderen Fall opfert man die Sinne den Objekten. Was bedeutet das?

Shri Krishna Sharma: Ist das nicht dasselbe, Swamiji?

Swamiji: Man opfert einerseits die Sinne den Objekten und andererseits die Objekte den Sinnen. Wie kannst Du sagen, daß das dieselbe Bedeutung hat? Es sind zwei verschiedene Dinge. Aber, worin liegt ihre wahre Bedeutung? Beide werden, obwohl sie gegensätzlich sind, als Opfer betrachtet.

Srotradini’ndriyany anye samyam’agnisu juhvati; sabdadin visayan anya indriy’agnisu juhvati. Sarvani’ndriya-karmani pranakarmani ca’pare; atma-samyama Yogagnau juhvati jnana-dipite. So lautet der Sloka. Einige Leute verrichten ihre Opfer, in dem sie ihre Sinnesorgane vom Kontakt mit den Objekten zurückziehen. Das ist die Bedeutung dazu. Andere Leute opfern ihre Sinne dem Feuer der Objekte, indem sie „Om svaha“ ausrufen und Ghee in das Opferfeuer gießen. Auf diese Weise opfern sie ihre Sinne den Objekten. Wie funktioniert das? Wenn man die Sinne den Objekten opfert, erfährt man Befriedigung, was man nicht unbedingt als Opfer bezeichnen kann. Es gibt eigentlich keinen Grund weiter darüber zu sprechen, denn jeder opfert seine Sinne den Objekten, was aber dennoch ein Opfer sein kann.

Sharmaji: Dann sind dies zwei gegensätzliche Dinge.

Swamiji: Dies muß allerdings richtig verstanden werden. Die Gita ist keine einfache Lektüre und man kann wirklich nicht sicher sein, daß man sie verstanden hat. Die Funktionsweise des Universums, die hier erwähnt wird, ist ein tiefes Geheimnis. Es ist nicht für Dich, für mich oder für eine besondere Person gedacht, vielmehr richtet sich das Universelle Sein an die Schöpfung als Ganzes. Es sind auch nicht Arjuna oder Krishna, die das Universum vertreten, sondern es ist Gott, der zum Universum spricht.

Wenn die Sinnesobjekte als getrennt von uns betrachtet werden, dann sind sie unsere Feinde. Die Menschen laufen vorwiegend nur unter dieser Bedingung hinter den Sinnesobjekten her, doch sie würden niemals hinter diesen Sinnesobjekten herlaufen, wenn sie sich nicht als vollkommen außerhalb des Ganzen empfinden würden. Niemand wird hinter seiner eigenen Nase oder seinem Ohr herlaufen, sondern höchstens hinter der Nase einer anderen Person, weil sich diese außerhalb von einem selbst befindet.

Die Beziehungen zwischen Dir und dem Objekt muß richtig verstanden werden. Wie ist Deine Beziehung zu einem Objekt? Befindet es sich außerhalb von Dir oder nicht? Wenn man auf dem Abendspaziergang unterwegs ist, und eine Person die Straße entlang gehen sieht, erscheint diese deshalb vollkommen außerhalb von einem selbst, weil man keine Verbindung zu ihr hat. Angenommen, Du gehst mit dem eigenen Bruder spazieren, dann befindet sich dieser nicht außerhalb von Dir, obwohl sich doch beide (fremde Person und Bruder) außerhalb befinden. Worin liegt nun der Unterschied zwischen Deinem Bruder, der mit Dir auf der Straße spazieren geht, und dem Pilger, der ebenfalls auf der Straße geht? Sie befinden sich beide außerhalb von Dir, und doch ist Dein Bruder nicht vollkommen außenstehend. Warum?

Sharmaji: Er ist gefühlsmäßig mit mir verbunden, wohingegen es zur anderen Person keine derartige Beziehung gibt.

Swamiji: Ja. Auf die gleiche Weise muß man auch die Sinnesobjekte verstehen. Man wird ihnen hinterherrennen und sie verfolgen, denn man verfolgt nichts, was einem selbst gehört oder sich im eigenen Umkreis bzw. dem eigenen Verständnisumfeld befindet. Man denkt nicht Tag und Nacht an seinen teuren Bruder, sondern mehr an die Beziehungen, - seien sie positiv oder negativ -, mit jemandem, der sich gefühlsmäßig außerhalb befindet. Die Objekte der Welt sind weder positiv noch negativ. Wenn man sie als etwas Fremdes, als fremdes Element erachtet, dann fühlen sie sich schlecht an und man möchte sie je nach Sachlage ergreifen oder ablehnen. Wenn sie sich aber im Einklang mit den Sinnen befinden, dann wollen die Sinne sie niemals verfolgen.

Wenn zwei Wassertanks mit der gleichen Menge Wasser gefüllt sind, wird das Wasser nicht von einem zum anderen fließen, aber, wenn sich in dem einen Tank mehr Wasser als in dem anderen befindet, dann wird es fließen. Wenn sich also die Sinne und die Objekte in einem Zustand des Gleichgewichtes befinden, werden die Sinne niemals den Objekten nachgehen; wenn sie sich jedoch nicht mehr im Gleichgewicht befinden, werden sie den Dingen nachrennen. Solange sie im Gleichgewicht gehalten werden, sind sie Deine Freunde, und sich in sie zu versenken würde bedeuten, daß man sich in sich selbst versenkt.

Das ist es, was Shri Krishna in der Gita meint. Wenn man seine Sinne den Objekten opfert, so bedeutet dies, daß ein Freund einen Freund trifft. Aber es gibt einen Unterschied in der Begegnung mit Deiner Frau und Deiner Schwester. Beides sind Frauen; doch worin liegt der Unterschied zwischen beiden? Gibt es einen Unterschied oder nicht?

Sharmaji: Es gibt einen Unterschied.

Swamiji: Warum sollte es hier einen Unterschied geben? Beide sind gleichermaßen Frauen, zwischen denen es wirklich keinen Unterschied gibt. Das ist alles, und das ganze Problem liegt in dieser simplen Übereinstimmung. Beide sind gleichermaßen Frauen von derselben Kategorie, doch warum ist die eine eine Ehefrau und die andere eine Schwester? Warum gibt es da solch einen Unterschied?

Wenn Du ein weibliches Objekt liebst, wird es zu Deiner Ehefrau. Wenn es (das Objekt) sich, wie Deine Schwester, auf einer Ebene mit Dir befindet, wird es zum Opfer und Gegenstand der Meditation. Wenn man an die eigene Schwester denkt, fühlt man in seinem Verstand keine Unruhe. Man denkt sozusagen, wie beim Anblick eines Baumes oder Berges, an nichts. Beide Frauen sind statistisch gesehen gleich, dennoch ist die Art, auf Deine Frau zu schauen, anders als dies bei Deiner Schwester der Fall ist.

Sharmaji: Ja, Swamiji.

Swamiji: Man erschafft unnötigerweise einen Unterschied zwischen zwei Dingen, um dann im ersten Fall beunruhigt und im anderen Fall ruhig und still zu sein. Die Objekte gehören weder Dir, noch gehören sie nicht Dir; sie sind weder eine Ehefrau, noch eine Schwester, aber sie verwandeln sich aufgrund Deines Vorurteils in dieses oder jenes. Deshalb erwähnt der HERR beide Aspekte in zwei Halbversen. Die Sinne können sich in diese oder in eine andere Richtung bewegen. Die Welt ist weder ein schlechtes Objekt, noch zu Deinem Vergnügen erdacht worden. Sie ist genau das, was sie ist.

Wenn sich in einer Familie alle Familienmitglieder auf einer Ebene befinden, gibt es weder Liebe noch besonderen Haß untereinander. Doch sobald es eine Art Besitzverhältnis oder Beziehung zueinander gibt, entsteht ein Unterschied, indem man von „meinem Bruder, meiner Schwester oder meiner Ehefrau“ spricht und praktisch mit demselben grammatikalischen Satz zweierlei Dinge ausdrückt. Sogar das Wort „mein“ hat zwei unterschiedliche Bedeutungen. Was meinst Du dazu?

Sharmaji: Ja. Swamiji.

Swamiji: Bei den Aussagen „meine Schwester“ und „meine Frau“ hat zwar das „mein“ grammatikalisch dieselbe Bedeutung, aber eine unterschiedliche Zielsetzung. Es ist Dein Verstand, der auf verschiedene Weise mit dem „Mein“ arbeitet. Wenn man ein Objekt sieht, kann man es entweder mit „dies“ oder „das“ bezeichnen. Genauso, wie alle Frauen gleich sind, so sind auch alle Objekte gleich, aber man kann sie durch den Anstoß des Verstandes in meine Frau oder meine Schwester verwandeln.

Dies ist ein solch komplizierter Vers, so daß sich niemand wirklich darum bemüht, die wahre Bedeutung zu verstehen. In den Kommentaren geht man oberflächlich darüber hinweg, so als wäre alles vollkommen klar, dabei kann es gar nicht so leicht verstanden werden.

Es hängt von der Absicht ab, ob man das Objekt als seine Schwester oder als seine Frau erachtet. Da die Objekte niemandes Eigentum sind, kann man sie auch nicht „meine Frau“ nennen. Da die Objekte der Welt genauso bedeutungsvoll sind wie man selbst, ist auch eine Schwester kein Eigentum; sie ist eine ebenso unabhängige Person wie jede andere auch. Da sie auch keine Dienstboten sind, kann man sich ihrer (Dienste) nicht so einfach erfreuen.

Jedes wohlgefällige Schwelgen ist eine falsche Vorstellung des Verstandes. Die Welt ist keine von Gott erschaffene Fessel oder eine Schöpfung des Satans, des Bösen usw., um jemanden, wie die Leute sagen, in die Hölle zu befördern. Die Welt ist kein Gegenstand, sondern etwas, das genauso ist wie jedermann. Wenn die Welt eine Quelle der Knechtschaft ist, ist man es auch, denn man ist ein Teil der Welt. Man kann nicht von sich sagen, daß man vollkommen in Ordnung und die Welt das Übel ist. Man muß die Dinge auf eine höchst harmonische Weise betrachten, dann wird sozusagen jede Wahrnehmung zu Samadhi. Unter dieser Voraussetzung ist jede Wahrnehmung Samadhi. Was auch immer Du mit Deinen Augen siehst, betrachte es ausschließlich als Dein Selbst, dann wirst Du hinterher niemals irgendeine Beunruhigung verspüren.

Sharmaji: Es gibt dann auch keine Bindung zu dem Objekt.

Swamiji: In den beiden Halbversen der Gita, „Dein Selbst ist Dein Freund und Dein Selbst ist Dein Feind“ ist je nach Blickpunkt sehr viel Bedeutung enthalten. Zum einen ist dort Knechtschaft und zum anderen auch Freiheit enthalten. Wir erschaffen durch unsere Unwissenheit und Dummheit unnötigerweise Verwirrung. Das ist alles.

Sharmaji: Durch das in-Besitz-nehmen der Dinge.

Swamiji: Darum habe ich Dir einen Kommentar über diesen Vers gegeben.

Sharmaji: Wir sind glücklich darüber Swamiji.

Swamiji: Aber Du mußt Dich immer wieder daran erinnern. Ich habe einen sehr spitzfindigen Punkt erwähnt. Er ist nicht leicht zu verstehen und kann dem Verstand wieder entgleiten. Es wird allgemein und überall immer wieder gesagt, daß die Welt eine Knechtschaft ist, was aber nicht stimmt. Die Welt wird deshalb als Knechtschaft empfunden, weil man als Feind oder Außenstehender auf sie schaut. Wer hat Dich darum gebeten, so auf die Welt zu schauen? Gott hat weder Feinde noch Freunde erschaffen.

Sharmaji: Ja. Das ist wahr.

Swamiji: Hat Gott nichts anderes zu tun, als Feinde zu erschaffen? Man hat die Dinge in fremde Mächte verwandelt und schaut dann auf sie, als wären sie Freunde und Feinde. Die Welt ist kein fremdes Objekt. Sie befindet sich auf derselben Ebene wie alles andere auch, darum ist sie weder Freund noch Feind. Wenn man die Welt so betrachtet, ist sie eine wundervolle Schönheit. Sie ist Viratsvarupa! Ich habe Dich danach gefragt, was Du liest, und so kam diese Idee zu mir.



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