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Der Bettler der zum Millionär wurde

Die Unterhaltung auf der vorderen Veranda von Krishna Sastris kleinem Haus war laut und lebhaft. Sankaran, ein junger Nachbar und frischer Absolvent der Handelsschule behauptete hitzig, es sei absurd zu sagen, Gott könne absolut alles und dass Seine Allmacht keine Grenzen hätte. Krishna Sastri hingegen versuchte ihn zu überzeugen, dass Ihm nichts unmöglich sei. Ein gut aussehender Mann im orangen Gewand der Sannyasin (Mönch), der eine seltsame Ruhe und Heiterkeit ausstrahlte kam gerade die Strasse entlang. Er hörte die laute Diskussion, blieb stehen und näherte sich der Versammlung. Als er an die Gruppe herantrat, verstummten die Diskussionsteilnehmer und alle Augen richteten sich auf den seltsamen Sadhu. „Ich konnte nicht umhin“, sagte der Sahdu, „euer Gespräch vorhin mit anzuhören.

Zweifelt keinen Augenblick an Gottes Allmacht. Er kann alles tun, was Er wünscht. Nichts ist Ihm unmöglich. Hört, ich werde es euch mit einer wahren Geschichte erklären. „In dem kleinen Viertel Kabadawala der blühenden Stadt Tirujpur ist ein kleiner unscheinbarer aber gepflegter Tempel von Ganesha (Elefantengott). Im Tempelbereich lebte vor Jahren ein Heiliger und Mystiker, und verehrte täglich die Statue Ganeshas. Der Gott stand im Ruf großer Macht und Wahrheit und es hieß, er erhöre die Gebete seiner aufrichtigen Anhänger. Neben der Pforte des Tempels saß immer ein blinder Bettler aus der Gegend namens Chandu Surdas. Er war ein stiller Mann – ein wirklich armer Kerl – und verdiente sich mit Mühe seinen Lebensunterhalt mit den kleinen Spenden, die er von den Besuchern des Tempels erhielt.

Es ging ihm elend und manchmal musste er ein, zwei Tage ohne Essen ausharren. Täglich aber schüttete er im aufrichtigen Gebet Ganesha sein Herz aus. An diesen Ort kam in regelmäßigen Abständen auf Geschäftsreisen ein reicher Börsenmakler, Seth (reicher Mann; Kaufmann) Murari Lall. Er hatte mit ehrlichen und unehrlichen Mitteln einen immensen Reichtum angehäuft. Er hatte aber auch viel bei Pferderennen und Glücksspiel verloren. Er gab sich nie mit kleinen Geschäften zufrieden. Der Sethji hatte von vielen gehört, der Ganesha des kleinen Tempels sei äußerst heilig und habe eine geheimnisvolle Macht. Und so hielt er jedes Mal, wenn er den Ort besuchte, seinen Wagen an, und ging, wie es sich gehört, um das Allerheiligste. Als Gegenleistung wünschte sich der Sethji eine bescheidene zehnfache Erhöhung seiner finanziellen Mittel.

Eines Abends kehrte er von einer Nachbarstadt zurück, wo er ein wichtiges Geschäft abgeschlossen hatte. Es war schon spät abends und der Seth stieg rasch vor dem Ganesha Tempel aus, um seine übliche Umgehung zu absolvieren. Da hörte er seltsame Stimmen aus dem Innern. Er blieb horchend stehen. Ein äußerst erregter Schüler, Gajanan Dass, saß vor der Statue Gottes, in tiefer Trance versunken. Murari Lall hatte Gajanan Dass bereits ein oder zweimal zuvor in diesem Zustand gesehen und wusste, dass das was dieser in Trance von sich gab, unweigerlich und genau so eintrat. Der Gläubige selbst, war sich dessen was er redete vollkommen unbewusst. Er sprach gerade. Der Seth hörte aufmerksam zu. Es schien ein Gespräch zwischen zwei versteckten Stimmen zu sein. Die erste Stimme, klang göttlich und weiblich. ‘Mein Sohn, sagte sie, tu was für diesen armen Bettler vor deiner Tür. Der erbärmliche Surdas betet Tag und Nacht um deine Gnade. Erhöre ihn doch endlich.’

Eine zweite Stimme antwortete: ‘Wie die Mutter des Universums und Gemahlin von Maheshwara (Name für Vishnu) befiehlt, werde ich morgen, ehe es Mittag geschlagen hat, diesen Bettler zum Herrn über ein Lakh (1 Lakh = 100.000) Rupien machen. Seine Tage der Armut und des Elends sind für immer vorüber und es wird ihm an nichts mangeln – oder mein Name ist nicht Ganesha.’ ‘Ist das ein Versprechen, mein Sohn?’ ‘Ich gebe dir mein Wort.’ Gajanan Das schwieg. Seine Trance war am abklingen. Der Seth hörte nicht länger zu. Er vergaß auch seine üblichen Umgehungen. Er brannte vor Aufregung. Sein betrügerisches Gehirn hatte einen listigen Plan ausgeheckt, wie er dem unwissenden Chandu Surdas den versprochenen Lakh Rupien abschwindeln könnte.

An dem Abend ging er nicht in seine Villa zurück, sondern döste in seinem Wagen. Er konnte das Morgengrauen kaum erwarten. Der Morgen brachte Surdas an seinen üblichen Platz bei dem Tempeltor. Sobald er sich niedergelassen hatte, eilte der Sethji hinüber und begrüßte ihn. Er versuchte seiner Stimme einen ungezwungenen und unbekümmerten Klang zu geben. Der Bettler war überrascht bei dem ungewohnten ‘Namaste Bhagatji (Grußformel)’. ‘Schau her!’, fuhr der Seth fort, ‘möchtest du dir hundert Rupien verdienen?’ Der arme Surdas nickte eifrig. ‘Dann mein guter Mann werde ich dir die hundert Rupien geben, die heute zu wohltätigen Zwecken spenden wollte. Ich habe jedoch eine kleine Bitte. In Erinnerung an unser Treffen, nehme ich mir, was immer du heute in deiner Bettelschale einnimmst. Deine Einnahmen vor Mittag sind mir.’ Surdas willigte sofort ein. Er war gerne bereit seine mageren Einnahmen für hundert Rupien zu überlassen.

Er ahnte nicht welcher Reichtum an diesem Tag noch für ihn vorgesehen war und er wusste natürlich auch nichts von dem bösen Plan des Seth, ihn mit schäbigen hundert Rupien um sein Vermögen zu betrügen. Der Seth nahm seinen Platz im inneren Hof des Tempels ein und begann die Bettelschale zu beobachten. Die Zeit ging dahin und der Tag schritt voran. Eine Kupfermünze oder ein paar Pice (kleine indische Kupfermünze) war alles was gelegentlich in die Schale fiel. Dem Bettler war es gleich, denn er würde ein wahres Vermögen von hundert Rupien an diesem Tag erhalten. Der Seth schäumte vor Wut. Der Mittag kam rasch näher. Dunkle Gedanken bewölkten seinen Geist. War der Tempelgott dabei ihn zu betrügen? Was! Wollte man so mit Murari Lall spielen? Gott oder kein Gott, er Murari Lall, würde sein Lakh mit allen Mitteln bekommen, komme da was da wolle.

Inzwischen war es 11:30 Uhr. Seths Wut wurde immer größer. Er war zutiefst verdrossen. Er stand auf und ging rasch ins innerste Heiligtum. Er war zornig. Als er vor das heilige Bildnis trat erhob er seine Faust vor dessen Gesicht. Er beschimpfte es, nannte es ‘Lügner’, ‘Schwindler’, ‘Angeber’. Da stand die Statue vor ihm, unbeweglich wie immer. Mit dem gleichen ruhigen, unergründlichen Ausdruck in dem dunklen, glatten Gesicht aus Stein. Der geldsüchtige Seth verlor die Beherrschung und mit einem Schrei der Wut schlug er einmal fest auf den Elefantenrüssel Ganeshas. Und siehe! Im nächsten Augenblick geschah etwas wirklich Wundersames. Sowie Seths geballte Faust den Rüssel der Gottheit getroffen hatte, schoss der gekrümmte Rüssel blitzschnell hervor und wand sich fest um seinen Arm. Seths Hand war in einem eisernen Griff umklammert. Er geriet in panische Angst. Er versuchte sich zu befreien. Verzweifelt versuchte er die Hand frei zu bekommen aber je mehr er zog, desto fester wurde der Griff.

Er wurde immer näher an die Statue herangezogen. Die Statue fasste nun seine Hände mit ihren vier Armen und der Rüssel umklammerte seinen Hals. Dann sprach eine Stimme und sagte ‘Murari Lall, wenn du dein Leben retten willst, schicke deinen Fahrer zu deinem Haus und lass ihn sofort ein Lakh Rupien holen. Das Geld muss bis Mittag in der Schale des Bettlers sein. Schnell! Eile ehe Mittag vorbei ist. Er muss es vor Mittag haben. Ich halte meine Versprechen immer. Mein Wort ist nie vergebens.’ Als er hörte, dass er ein Lakh Rupien hergeben sollte, blieb dem elenden Seth die Sprache weg. Er begann die Gottheit anzubetteln. Er wollte sich nicht nicht von seinem geliebten Geld trennen. Der Griff um seinen Hals wurde jedoch immer fester und es fühlte sich an, als ob die Knochen seiner Hände zermalmt würden.

Er fing an zu keuchen. Mit heiserer Stimme rief er seinen Fahrer. Nach fünf Minuten erschien der Fahrer auf dem Weg draußen vor dem Tempel. Der Seth flüsterte, er solle näher kommen. Dann bat er ihn eindringlich sofort nach Hause zu fahren und seinen Kassierer Ramniklal anzuweisen mit einem Lakh Rupien zum Tempel zu kommen. ‘Sag ihm es ginge um Leben und Tod’, fügte der verängstigte Seth hinzu. Der Fahrer eilte davon. Nach einer halben Stunde kam er mit dem zitternden Kassierer zurück, der die Tasche mit dem Geld fest umklammerte. Inzwischen litt Seth Todesqualen. Er stieß hervor ‘Gib den Lakh Rupien dem Mann der an der Tür sitzt. Bring ihn zu sich nach Hause und gib das Geld seiner Frau. Nimm die Nachbarn als Zeugen. Schnell! Jetzt sofort!’ Der Kassierer war sprachlos.

Aber die Eindringlichkeit von Seths Worten war unverkennbar. Als das Geld Chandu Surdas Frau überreicht wurde lockerte sich der Rüssel um Murari Lalls Hals und seine Hände wurden frei gelassen. Er sank vor den Füssen der heiligen Statue zu Boden. Der Fahrer dachte, sein Herr habe eine unbekannte Krankheit und hob ihn auf, brachte ihn zum Wagen und fuhr direkt nach Hause. Und so ließ Ganesha seinen Willen geschehen und machte den blinden Bettler zu einem reichen Mann.“ Der fremde Sadhu hielt am Ende seiner noch fremdartigeren Geschichte an. „Und“, fügte er hinzu, „ich kann euch die Wahrheit dieser Geschichte versichern. Ich bin nämlich Murari Lall, der Seth!“ Die Zuhörer hielten den Atem an. Aber der Mönch ging weg und verschwand, ehe sie sich von ihrer Überraschung erholt hatten. Gott kann Dinge geschehen und ungeschehen machen. Wisse dies und sei demütig. Nichts nutz dir vor Seinen göttlichen Willen. Dies zu leugnen ist reine Torheit. Stelle dich besser auf Seinen Willen ein. Dann wirst du gesegnet sein und Wonne wird dir in diesem Leben erblühen.

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