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Geschichte eines Kaupeen

Einst war ein Kaupeen (Lendenschurz) empört über die niedrige Stellung, die ihm am Körper des Trägers zugewiesen wurde. Er verließ seinen Träger und ging nach Benares. Dort legte er sich am Ganges auf den Ghat (Treppe zum Fluss). Ein Sadhu (heiliger Mann, Einsiedler oder Bettelmönch), der gewohnt war nur ein Kaupeen zu tragen und soeben sein einziges Kleidungsstück beim Baden in der Strömung des Ganges verloren hatte, sah zufällig diesen Kaupeen auf dem Ghat liegen. Da niemand in der Nähe war, der der Eigentümer hätte sein können, nahm der Sadhu ihn, legte ihn an und ersparte sich so die Verlegenheit, nackt durch die Gegend laufen zu müssen.

Dem armen Kaupeen gefiel es gar nicht, dass er auf der Person des Sadhu den gleichen Körperteil bedecken musste, wie bei seinem vorherigen Träger. Kaum zwei oder drei Tage waren vorüber, als er feststellen musste, dass der neue Herr sogar noch schlimmer war als der vorherige. Der Sadhu hatte keine Unterwäsche zum wechseln, und trug daher den neuen Kaupeen vierundzwanzig Stunden am Tag sieben Tage die Woche. Sein vorheriger Träger hatte ihn nur über den Tag getragen hatte. Der Kaupeen dachte bei sich: „Was hab ich doch für einen Fehler gemacht! Ich hätte meinen vorherigen Meister nicht verlassen sollen. Mein neuer Meister gönnt mir nicht einen einzigen Tag Ruhe.“

So war auch einst ein Büffel es leid, von morgens bis abends die Felder seines Herrn zu pflügen. In einer Nacht als man ihn losgebunden hatte, damit er grasen konnte, lief er davon zu einem entfernten Ort. Ein Bauer, der wusste, dass er seinem Herrn davon gelaufen war, machte sich zum neuen Besitzer. Er spannte ihn vor den Pflug und ließ Tag und Nacht arbeiten. Der Büffel dachte bei sich: „Ach was hab ich doch für einen Fehler gemacht, dass ich von meinem vorherigen Herrn weggelaufen bin. Er war wirklich gut zu mir, er hat mich nie Nachts arbeiten lassen aber mein jetziger Herr ist von Natur aus grausam, er lässt mich Tag und Nacht arbeiten und schlägt mich gnadenlos mit der Peitsche. Ich wünschte ich wäre meinem vorigen Herrn nicht davon gelaufen.“ Der Kaupeen und der Büffel erkannten, dass keiner seiner Rolle, die ihm im Plan Gottes bestimmt ist, entkommen kann und jeder Versuch zu fliehen vergeblich ist. Außerdem bringt so etwas einen nur in größere Schwierigkeiten bei einer erzwungenen Erfüllung der zugewiesenen Rolle. Der Kaupeen und der Büffel haben nun gelernt, dass Weisheit in der demütigen Hingabe in den göttlichen Willen liegt, in der Erfüllung der zugewiesenen Aufgaben und indem man alle Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten die die Pflicht mit sich bringt, auf sich nimmt.

Man kann nicht erwarten, dass irgendwo ideale Bedingungen herrschen, denn sobald man solch ideale Bedingungen findet, sucht der Geist nach den kleinen Fehlern und wünscht sich noch bessere Voraussetzungen. Es ist eine Eigenart des Geistes zu versuchen der Disziplin auszuweichen. Ein disziplinierter Mensch nimmt alle Bedingungen an, passt sich aller Arten von Situationen an und erledigt freudig die ihm zugewiesenen Aufgaben. Auch wenn sie schwierig sind erledigt er diese Aufgaben mit einem frohen und heiteren Herzen. Solch ein disziplinierter Mensch ist ein wahrer Anhänger Gottes. Wahre Hingabe ist Selbstaufgabe. Hingabe besteht nicht so sehr in Japa, verzücktem Kirtan oder kunstvollen Ritualen sondern vielmehr darin, sich selbst Gottes Willen zu ergeben und ruhig, im Geiste göttlicher Andacht seine zugewiesene Arbeit zu erledigen.

Alles als eine von Gott gewollte Aufgabe, die unserer eigenen Entwicklung dienen soll, anzunehmen. Für einen wahren Andächtigen, der sich Gott ergeben hat, ist keine Aufgabe zu schwierig, keine Aufgabe zu niedrig, keine Arbeit ein Hindernis auf dem Weg zum spirituellen Fortschritt, denn er tut alles mit dem Wissen, dass dies Verehrung Gottes ist und die Erfüllung des göttlichen Willen. Er hält somit zu allen Zeiten das Gottesbewusstsein aufrecht. Yoga ist im Wesentlichen die ununterbrochene Aufrecherhaltung des Gottesbewusstseins. Es liegt nicht in Uttarkasi oder Gangotri oder an irgendeinem anderen Ort weiter oben im Himalaya.

Yoga ist das richtige Verständnis, dass alles Brahman ist und dass alle Arbeit ein Ausdruck der Verehrung Gottes ist. Viele Schüler verlassen die Welt und gehen in die Abgeschiedenheit nach Rishikesh. Nach einiger Zeit verlassen sie den Ort und suchen die Abgeschiedenheit weiter oben im Himalaya in Uttarkasi oder Gangotri. Schlussendlich finden sie sie nirgends. Selbst in Uttarkasi oder Gangotri muss man bei anderen um Almosen betteln. Man muss die Abgeschiedenheit dort schaffen, wo man ist. Abgeschiedenheit ist auf dieser Welt nicht möglich. Körperliche Abgeschiedenheit ist nutzlos, wenn sie nicht mit geistiger Abgeschiedenheit verbunden ist. Schüler machen keinen spirituellen Fortschritt indem sie von Ort zu Ort ziehen. Ein rollender Stein setzt kein Moos an. Es ruiniert die eigene Gesundheit ständig unterwegs zu sein und am Ende erkennen sie – wie der Kaupeen und er Büffel – die Torheit, auf der Suche nach etwas Besserem den Platz zu verlassen den Gott ihnen zugewiesen hat. Pass dich an, füge dich ein und sei gefällig.

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