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Wege zum Unendlichen

 

1. Die Beziehung des Menschen zum Kosmos

Man hatte sich versammelt (Sadhana-Woche), um den Geist in Richtung auf die wahre Glückseligkeit auszurichten. Wo befindet sich die Glückseligkeit wirklich? Wo wird man vollkommen? Heutzutage sind sich die Menschen ihrer Umwelt völlig bewusst. Die Umwelt ist sehr wichtig. Die weite Atmosphäre ist die Umwelt. Sie beeinflusst jeden Einzelnen nicht nur jeden Tag zu jeder Minute, sondern bei sorgfältiger Analyse wird man feststellen, dass man mit ihr untrennbar verbunden ist.

Die Umwelt, von der hier die Rede ist, ist aus Sicht des Einzelnen eine Art äußerer Gesellschaft. Jedem ist bekannt, wie sehr man von der menschlichen Gesellschaft und der Natur abhängt, von der Luft, die man atmet, vom Wasser, das man trinkt, und von dem Sonnenlicht, in dem man sich badet. Nicht nur das, denn es gibt noch weitaus größere Geheimnisse, die niemals ein menschliches Auge je wahrgenommen hat, d.h., die Frage der Existenz an sich.

Existiert man? Wenn es wahr ist, dass man existiert, wo existiert man? „Wo kommen Sie her?“ fragt man immer wieder Menschen, denen man zuvor nicht begegnet ist. Dann heißt es: „Ich komme aus Deutschland, Frankreich, Japan, England, Delhi, Kalkutta usw.“ Doch woher der Einzelne auch immer kommt, letztendlich kommen alle von der Erdoberfläche. Alle bewegen sich auf der Erde. In Wahrheit gibt es keine Länder; sie existieren eigentlich nicht. Sie existieren lediglich zu administrativen Zwecken im menschlichen Geist. Länder gibt es nicht. Nur die Erdoberfläche existiert wirklich.

Die Sprache, die man spricht, die den kulturellen Hintergrund bedingt, vervielfacht die Schwierigkeiten bei der Erkenntnis, dass alle Menschen Bürger dieses Planeten Erde sind. Selbst wenn man die Nationalitäten und Länder einmal beiseite lässt, klebt man immer noch an eine Gemeinschaft, ein Dorf, eine Stadt oder eine Landsmannschaft, und hat dabei die Vorstellung, dass man mit einer bestimmten Örtlichkeit verbunden ist.

Der menschliche Geist hat eine Vorliebe, sich der Begrenzungen des eigenen Selbst zu erfreuen; er schränkt sich mehr und mehr selbst in einen Kokon individueller Vorurteile ein, sodass dieser kleine Wicht eines so genannten „Ichs“ in einem selbst sich innerhalb seiner verschlungenen Zellen körperlicher Gefangenschaft außerordentlich glücklich fühlt.

Die Umwelt befindet sich außerhalb des Einzelnen, doch sie ist untrennbar mit jedem verbunden. Die Erde ist ein großer Planet, auf dem sich alle Menschen bewegen, wie Insekten. Sie ist gleichzeitig Mitglied einer großen Familie des planetaren Systems, das von den ‚Eltern’ des gesamten Sternensystems gesteuert wird.

Diese große Familie dehnt sich über die gesamte Galaxie aus, die die Quelle verschiedener Sternensysteme ist. Magnetische Kräfte bzw. kosmische Strahlen durchdringen die gesamte Atmosphäre. Diese energetischen Strahlen im Raum verfestigen sich zu sichtbaren Substanzen körperlicher Existenz, bis hin zum menschlichen Sein, zu Bäumen, Bergen und natürlich zu dieser Erde.

Diese kosmische Analyse, rein empirisch betrachtet, führt zu dem Schluss, dass die Schwingungen des Raumes Bewegungen hervorriefen, die man auch als die Aktivität des Luftdurchflutens auf der Erdoberfläche kennt. Die aus dieser Aktivität entstehende kontinuierliche Reibung, die durch das Luftprinzip verursacht wird, erzeugt Hitze, die zu Feuer führt. Eine weiterführende Kondensation der Verdichtung dieser Kräfte, die sich ursprünglich aus den Aktivitäten des Raumes entwickelten, führte zu Verflüssigungen, aus deren verfestigter Form die Erde hervorging.

Die Familie dehnt sich weiter über die Erdoberfläche hinaus aus und berührt die Planeten, Sonne, Mond und Sterne. Ist eigentlich bekannt, dass sich der Geist auch nach der Bewegung des Mondes richtet? Der zunehmende und abnehmende Mond beeinflusst die Gefühle der Menschen. Während des Vollmonds und des Neumonds sind viele Menschen aufgeregt, ohne zu wissen warum oder was eigentlich vorgeht. Zum Vollmond nimmt der Wellengang auf den Ozeanen zu und es kann zu so genannte Springfluten an den Küsten kommen. Die Anziehungskraft des Mondes lässt das Wasser des Ozeans höhere Wellen schlagen.

Die Anziehungskraft des Mondes beeinflusst nicht nur die Gewässer, sondern zieht auch die Erde an. Nur weil die Erde fest ist, kommt es nicht zu solchen Wellenbergen wie auf dem Ozean, doch die Anziehungskraft wird von jedem Partikel dieser Erde wahrgenommen. Und was geschieht mit den Lebewesen auf Erden? Sie werden ebenfalls angezogen. Jede Zelle des Körpers wird berührt. Viele Menschen reagieren mehr oder weniger gereizt, niedergeschlagen oder haben Stimmungsschwankungen. Geistig Behinderte reagieren mit abnormalem Verhalten, scheinbar längst ausgeheilte Verletzungen werden wieder spürbar.

Geistiger Wahnsinn (im Englischen: Lunacy) kommt von dem Wort Luna (der Mond). Im Englischen heißt es auch: er ist ein ‚Lunatic’ (wörtlich: er hat einen Mondstich). Genauso wie es einen Sonnenstich gibt, so kann es auch einen Mondstich geben. Damit ist der Geist nicht mehr so ganz zurechnungsfähig.

Aus Sicht der Astrologie kann man den Geisteszustand eines Menschen im Horoskop von der Position des Mondes herleiten. Wo befindet sich der Mond – in welcher Beziehung, in welcher Ecke ist er, und in welcher Beziehung zu den anderen Planeten befindet er sich?

Eigentlich existiert man hier auf Erden gar nicht wirklich unabhängig in seinem abgeschlossen Raum. Diesen Gedanken muss man fallen lassen. Man ist nicht nur allein, auf sich selbst gestellt. Wenn es heißt, man sollte seinen Nachbarn lieben, wie sich selbst, dann muss man den Nachbarn erst einmal kennen. Folgende Frage wurde Jesus Christus gestellt: „Meister, du hast gesagt, ‚liebe deinen Nachbarn, wie dich selbst’, doch wer ist mein Nachbar?“

Woher weiß man, wer der Nachbar ist? Derjenige, der nebenan ist; derjenige, der mich beinahe berührt; dasjenige, was untrennbar mit den Lebewesen verbunden ist, was alle Menschen beschränkt und beeinflusst, wovon jeder seinen Vorteil hat und wovor man sich sogar ein wenig fürchtet, das ist der Nachbar. Man mag seinen Nachbarn, weil er unter gewissen Umständen hilft; man fürchtet ihn aber auch, weil er widersprechen oder sich revanchieren könnte, weil er sich anders als erwartet verhalten könnte.

Darum ist ein Nachbar einerseits etwas Positives, aber andererseits auch etwas, wovor man sich fürchtet. So verhält es sich mit der gesamten Natur. Nichts kann freundlicher sein als die weite Natur, denn sie ist die Mutter, aus der jeder Einzelne hervorgegangen ist. Menschliche Körper bestehen aus fünf Elementen: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Wenn das so ist, warum sieht man sich selbst außerhalb dieser Natur? Die Bausteine des menschlichen Körpers sind doch die fünf Elemente der Natur.

Man sollte sich nicht daran festhalten, dass es zwischen den Menschen auf Erden und den Sternen am Firmament den schier unendlichen Raum gibt. Man sollte auch nicht glauben, dass Raum und Himmel über uns die Ursache für die Größe des menschlichen Körpers sind. Das Ausmaß des Menschen beruht auf dem Raum in ihm selbst. Wissenschaftler sind der Auffassung, wenn man dem menschlichen Körper den inneren Raum entziehen würde, bliebe zusammengenommen nur noch ein Kubikmillimeter Kohlenstoff, Wasserstoff usw. übrig. Im Menschen befindet sich also nicht viel. Die menschliche Hülle ist wie ein aufgeblasener Ballon, der eigentlich nur einen Hohlraum darstellt. Die Hülle lässt den Körper groß erscheinen, doch im Inneren ist er hohl. Dieser Raum ist also verantwortlich für die körperlichen Ausmaße. Die menschliche Existenz steht, bedingt durch dieses Muster einer äußeren Atmosphäre, nur auf tönernen Füßen, sodass nicht wirklich bekannt ist, wer oder was er ist, oder ob die äußere Natur oder er selbst wirklich existiert.

Wenn ein gebautes Haus nicht ohne seine Bausteine, ohne Zement oder Furniereisen existieren kann, oder es nicht existieren kann, wenn man ihm diese Bausteine entzieht, dann existiert dieses Haus auch nicht. Es ist nur ein falscher Name für ein Teilstück aus Steinen und Zement, für eine bestimmte zusammengesetzte Struktur. Es ist weder eine Villa noch ein Palast oder ein Haus, sondern nur Steine und Zement usw.

Auf ähnliche Weise stellt sich folgende Frage: Existiert man überhaupt oder glaubt man es nur, so wie bei einer schönen Villa, als wäre es eine Selbstdarstellung? Gebäude aus Stein und Zement werden zusammenbrechen, wenn man ihnen die Bausteine entzieht. Das geschieht auch, man nennt es Sterben, wenn der Geist den Körper, d.h. diese bestimmte Formation auf Erden, verlässt. Die Elemente ziehen sich selbst von ihrer Kooperation mit der menschlichen Hülle zurück.

Die Macht dieses Zusammenhalts lässt diese fünf Elemente aneinander hängen, sodass man in diesem Körper ein sicheres Gefühl hat. Wenn sich der Körper selbst destabilisiert, und außer Kontrolle gerät, wäre der Zusammenhalt wie bei einem Haus, dem man einen Baustein entzieht, nicht mehr gegeben. Die zusammenhaltenden Kräfte sind das so genannte ahamkara, der Egoismus mit einer Natur, die sich selbst behauptet.

Durch diese Selbstbehauptung ist man sich dieser körperlichen Begrenzung bewusst. Der Geist ist sehr mächtig. Es ist diese elektromagnetische Energie des Geistes, die alles in sich hineinziehen kann. Es gibt nichts Stärkeres als den Geist. Es gibt keine stärkere Kraft, und nichts kann mehr ertragen als dieser Geist.

Die Selbstbehauptung eines kleinen Gliedes im mentalen Prozess, das im individuellen Sinne als ‚Ich’ bekannt ist, wirkt als Zusammenhalt der Naturpartikel und ist die Ursache für diese kleine Körperformation. Die Strukturen unterscheiden sich auf Grund der Selbstbehauptung von Mensch zu Mensch, d.h. bzgl. Augen, Ohren, Verhalten usw. Die Menschen unterscheiden sich im Aussehen, auch ihre Wünsche sind verschieden.

Tatsächlich liegen die Unterschiede der Kräfte des Zusammenhalts in den Wünschen des individuellen Geistes. Man wird kaum zwei Menschen mit den gleichen Wünschen finden, obwohl sie manchmal das gleiche Ziel verfolgen, liegen die Unterschiede in der Offenbarung selbst. Darum gibt es so viele Menschen auf dieser Welt. Wenn es andererseits nur eine Art von Wunsch gäbe, dann gäbe es auch nur einen Menschentyp, d.h. alle wären gleich. Doch das ist nicht der Fall.

Nur soviel sei gesagt: aus diesem vorgenannten Grund leben die Menschen nicht nur an einem Ort. Die Atmosphäre ist der Nachbar. Wenn es heißt, dass man seinen Nachbarn lieben sollte, liebt man seine eigene Persönlichkeit. Man kann nichts Fremdartiges lieben. Wenn der Nachbar keine Verbindung zu uns hat, in welcher Art auch immer, erhebt sich auch nicht die Frage nach dem Lieben. Es besteht eine Lebendigkeit, eine Ähnlichkeit in der Charakteristik zwischen dem Nachbarn und der eigenen Natur. Daher kommt die Frage nach der Liebe oder Beziehung zum Nachbarn.

Die ganze Welt ist unser Nachbar. Sie ist nicht nur nah, sondern ist auch von gleicher Substanz wie der Mensch. Wie bereits erwähnt, besteht die Natur aus den gleichen Bausteinen wie der Mensch. Der kosmische Geist wirkt und tanzt durch den individuellen Geist eines jeden Lebewesens. Die Sterne beeinflussen die Augen, der Mond den Geist, und viele andere göttliche Kräfte beeinflussen die Sinnesorgane. Der Mensch ist überhaupt nicht unabhängig. Er scheint nur eine geborgte Existenz zu sein. Es gibt Menschen, die allein vom Borgen oder von Bettelei leben, denn sie nennen nichts ihr Eigen. In ähnlicher Weise scheint die menschliche Existenz nur geborgt zu sein, und wenn der Verleiher seine Unterstützung versagt, seine schützende Hand von einer Sekunde auf die andere zurückzieht, kommt es zum Kollaps, und die individuelle Persönlichkeit löst sich wieder in seine natürlichen Bausteine auf.

Das weite Sternensystem, das auch zur Formung der menschlichen Existenz beiträgt, ist eine Materie, die man genauer betrachten muss. Warum konsultiert man Astrologen, die sich mit Sterndeutung auskennen? Warum machen sich die Menschen Sorgen um den Stand der Sterne? Die Sterne befinden sich nicht nur im Raum, sondern auch im eigenen Körper und wirken dort. Der Raum dehnt sich weit aus und gibt ein Gefühl von Weite, sodass man glaubt, die Sterne seien doch so weit entfernt. Es ist aber so, wie im Verhältnis der Zehen, die weit vom Kopf entfernt sind. Einerseits sind sie das, und doch ist die Distanz von Kopf zum Fuß nicht zu leugnen, sie spielt jedoch keine Rolle, denn man fühlt diese Entfernung nicht wirklich.

Die integrierende Kraft, dieses ‚Ich bin’, hebt die offensichtliche messbare Entfernung zwischen Kopf und Fuß auf. Dieses wird nicht in Betracht gezogen, denn das Bewusstsein überbrückt diese Entfernung, so als gäbe es sie nicht. Darum ist eine kosmische Kraft der Geschlossenheit, man kann sie auch als kosmischen Geist bezeichnen, die überall wirkt, für das Existieren verantwortlich. Der Mensch lebt in dieser Welt, in diesem Körper, solange wie sich diese energische Natur der falschen Abhängigkeit behauptet. Wenn diese Abhängigkeit aufgehoben wird, hört die Existenz auf.

Dieses einmalige Prinzip, das hier als das Prinzip des Wünschens zu verstehen ist, ist ein intensives Verlangen an nur einem bestimmten Ort zu sein, zeitbegrenzt und bezogen auf bestimmte Dinge. Dieses ist die Beschränkung, die Teil des Ich-Bewusstseins oder der Selbstbehauptung im Individuum ist.

Man verlangt nach Befreiung. Es heißt immer wieder: ‚Ich möchte Befreiung’, wofür man sich in der Yogapraxis übt. Nach welcher Art von Befreiung strebt man eigentlich? Befreiung von der Sklaverei dieser angenommenen Individualität einer körperlichen Existenz, die durch die Sinnesorgane gesteuert wird. Es handelt sich tatsächlich um das Verlangen um das Abschmelzen dieser falsch konstruierten Individualität in der ozeanischen Ausdehnung der universalen Natur. Wenn man zur Allnatur wird, dann wird die Befreiung gewährt. Moksha ist die Freiheit von der Fessel der Individualität, von der Beschränkung der spezifizierten Existenz und von der Sorge, die in jedem Einzelnen auf Grund der falschen Identifikation nagt.

Wenn man sich nur an einem Ort befindet, wenn man Sohn oder Tochter ist, und eine Sprache spricht, dann betrifft das den Einzelnen. Die Welt hat damit nichts zu tun und man kann deshalb auch keinen Vorteil von der Natur der Welt erwarten, denn man ist Sohn oder Tochter von irgendjemand. Man spricht eine Sprache, lebt an einem Ort. Wenn man mit dieser egoistische Selbstbehauptung fortfährt, erhält man von der Natur der Welt keine Hilfestellung. Selbst Gott kann niemand helfen, der sich weigert, die Tatsache, dass er existiert, anzuerkennen. Wer nicht akzeptiert, wird auch nicht akzeptiert. Wer nicht akzeptiert, dass etwas Äußeres existiert, kann umgekehrt nicht erwarten, von etwas Äußerem akzeptiert zu werden, und wird auch nicht akzeptiert! Dann kommt es zum Krieg zwischen der äußeren und der individuellen Natur.

Befreiung ist eine ganz einfache Sache. Es bedeutet: Erweiterung des Bewusstseins in eine Dimension einer höchst möglichen Ausdehnung bis zu dem Punkt, wo es selbst die Vorstellung von Raum und Zeit überwindet. Dieses bedeutet eine völlig andere Denkweise.

Die beste Ausbildung liegt in der Kunst den Geist abzuwerfen. Es ist nutzlos Schriften, wissenschaftliche Wälzer, Philosophie usw. zu studieren. Der beste Freund ist der eigene Geist, Bücher können nicht helfen. Was auch immer man aus äußeren Quellen gelernt hat, wird irgendwann wieder vergessen, weil es von außen kommt. Der Geist ist der wahre Freund, der wahre Schatz.

Der Geist ist nicht nur ein Gedanke, sondern auch ein Ding in sich selbst. Gedanken sind auch Dinge. Dieses ist neu. Der Gedanke als Prozess der Geistesfunktion kann sich selbst in einer bestimmten Form konkretisieren und eine eigene Substanz bilden wie z.B. im Traum. Man kann in der Traumwelt Felsen, Berge und Flüsse wahrnehmen. Man kann mit seinem Kopf an einen Fels stoßen und sich die Stirn aufschlagen. Die entstandene Wunde blutet. Der Geiststoff ist in der Lage, diese Wahrnehmungsobjekte so zu projizieren, als wären sie eine reale Erlebniswelt.

Das Erlebnis der Tagwelt ähnelt dem der Traumwelt. Es gibt keine Objekte, die unabhängig vom Gedankenprozess existieren. Die Beziehung zwischen dem individuellen Geist und dem all-durchdringenden kosmischen Geist ist in Wirklichkeit die Beziehung zwischen Mensch und Gott, dem Individuum und dem Absoluten.

Es bedarf eines intensiven Trainings des Geistes, um unter der Bedingung dieser ungeheuren Ausdehnung zu denken. Der all-durchdringende Geist ist die Quelle des individuellen Tröpfchens eines Geistes, der gegenwärtig im individuellen Gehirn und Schädel wirkt, so wie der Ozean durch all seine Wassertropfen, den winzigkleinen Minikügelchen von Ausbrüchen an seiner Oberfläche wirkt. Diese kleinen Tropfenkügelchen bilden letztendlich den Ozean. So verhält es sich auch mit dem individuellen Geist, die wie Tröpfchen des kosmischen Geistes sind. Wenn ein bestimmter Tropfen im Ozean von sich aus einen Individualstatus einnimmt und seine völlige Unabhängig vom Ozean zum Ausdruck bringt, dann ist er davon befreit ozeanhaft zu denken, und er wird zu einem isolierten, abgesplitterten und unerwünschten Individuum.

Um Moksha zu erreichen, benötigt es so viel Zeit, wie ein Wassertropfen braucht, der in den Ozean versinkt und sich mit ihm vermischt. Wie viel Zeit nimmt das in Anspruch? Er muss nur erkennen, dass er vom Ozean untrennbar ist.

Es besteht das Vorurteil, dass die menschliche Individualität vollkommen wäre, wobei vergessen wird, dass man ohne die begleitende Unterstützung der Natur und der weiten Atmosphäre nicht lebensfähig wäre. Das Umfeld umfasst nicht nur die Bäume, das Wasser, die Luft, die man atmet, sondern die gesamte Atmosphäre, die jeden Punkt am Himmelszelt berührt. Die Körper bestehen nicht nur aus den fünf Elementen, aus den Elementen der verschiedenen Planeten, sondern auch aus den Sternen selbst. Darum befasst man sich mit den Planeten, die auch im individuellen Körper wirken. Man spricht immer wieder über den Stand der Gestirne bei der Geburt eines Menschen. Die Sterne, die weit entfernten Planenten, scheinen einen solchen Einfluss auf den Einzelnen auszuüben, dass man offensichtlich kosmisch begründet ist. Diese Tatsache bedarf keiner besonderen Erklärung.

Das ist die Offenbarung. Kann man sich vorstellen, dass man so, wie man es sich bislang vorstellte, gar nicht existieren kann, und dass die Bausteine des eigenen Körpers von der ursächlichen Quelle, die von der eigenen Substanz beigesteuert werden, zurückgezogen werden können? Das Vorurteil der menschlichen Natur ist derart festgefahren, dass man es nicht zulassen würde so zu denken, obwohl es das Beste für den Menschen wäre.

Ein Dichter hat es einmal wundervoll ausgedrückt: „Der Egoismus behauptet, dass es besser wäre König der Hölle als Diener des Himmels zu sein. Lass es den Himmel sein, doch warum soll ich dienen und die Flure der Paläste der Götter reinigen? Lass es die Hölle sein. Es macht nichts. Hauptsache, ich werde regieren.“ Das ist Egoismus. Das persönliche Bewusstsein bringt den Menschen um. Man tötet sich durch den falschen, schlimmen Denkprozess des steinharten Egos selbst. So ist offensichtlich der Mensch. Außer dem Egoismus existiert nichts. Er kommt andauernd zum Ausdruck, sei es bewusst, unbewusst oder auf irgendeine andere Weise.

Die Individualität, der Egoismus, bleibt solange unbekannt, bis er sich einmischt. Wenn man gekratzt wird, weiß man, was man bzw. wer man ist. Der Egoismus zischelt wie eine Schlange, und teilt sich mit, wer er ist. Man toleriert überhaupt keine Einmischung von außen, auch nicht vom eigenen Bruder, denn man ist, was man ist, und man kann nichts Anderes sein. „Ich bin, wer ich bin.“ Dieses ist die Selbstbehauptung der isolierten Individualität.

Auf diese Weise gibt es keine Befreiung. Wer nicht befreit werden will, kann nicht befreit werden. Mumukshutva ist das Verlangen nach Befreiung. Eine andere Qualifikation ist nicht notwendig. Man muss es nur wollen! Das Herz muss es wollen! Man wird erkennen, dass die Psychologie des Geistes dergestalt ist, dass man das bekommt, was man sich wirklich von ganzem Herzen wünscht, doch es muss ein 100prozentiger Wunsch sein. Halbherziges Wünschen führt zu nichts. Man darf nicht zögern: „Was kommt, das kommt; doch wenn es nicht kommt, macht es nichts.“ Dann kommt es eben nicht. Dann sollte man zu sich sagen: „Es wird kommen!“ Dann muss es kommen, denn der Geist ist nichts weiter als ein Objekt, an das man denkt. Der Geist berührt das Objekt. Wenn man sagt, es muss kommen, wird es kommen.

„Wer auch immer ausschließlich an mich denkt, für den tue ich alles, dem helfe ich“, ist ein Versprechen aus der Bhagavadgita. Die ganze Welt, die Ewigkeit, spricht zur vergänglichen Welt. Man denkt an die Ewigkeit und die ganze vergängliche Welt liegt einem zu Füßen. Das ist die große Bedeutung dieser Zeile aus der Bhagavadgita. Sri Krishna aus der Gita steht symbolisch für die Ewigkeit: „Komm zu mir und ich werde dir alles geben, was für dich notwendig ist.“ Diese wird als Vishvarupa bezeichnet, was Bhagavan Sri Krishna aufzeigen wollte. Der gesamte Kosmos spricht, als es heißt: „Komm zu mir. Ich gebe dir, was du wünschst.“ Doch es wird geantwortet: „Scher dich fort. Ich komme selbst zurecht.“ Wie will man damit etwas erreichen?

Man sorgt sich permanent ums Überleben in dieser Gesellschaft, nur weil man ES nicht wirklich will. Das ist alles. Wenn man etwas nicht will, wie soll ES sich dann erfüllen? Selbst ein einfacher Wunsch ist nicht möglich. Der Mensch ist derart arm, dass er nicht einmal etwas wünschen kann, mit dem er ansonsten gesegnet würde. Der individuelle Geist ist derart heimtückisch, dass er nicht einmal einen Wunsch zulässt, den er sich von Herzen gern erfüllen möchte. Man ist sprunghaft und misstrauisch, wenn man sich an Gott wendet: „Werde ich erleuchtet? Wird mein Wunsch erfüllt? Es kann geschehen oder auch nicht. In diesem Leben ist es vielleicht nicht möglich. Vielleicht existiert ER auch gar nicht. Vielleicht beruht das Ganze auch nur auf irgendwelche Hirngespinste der Gelehrten, um die Schüler bei der Stange zu halten. Wer weiß?“ Auf diese Weise funktioniert überhaupt nichts!

Zweifel sind die Verräter. Die einzigen Zweifel, die existieren, kommen von innen. Man zweifelt an sich selbst, bezweifelt die eigenen Fähigkeiten. Man misstraut seinem eigenen Selbst. Wie sollte man dann irgendjemand anders trauen? Wenn man sich selbst gegenüber vertraut, ehrlich in seinem Bemühen und davon überzeugt ist, die natürlichen Kräfte zu sammeln, um das große Ziel zu erreichen, dann bekommt man Hilfe! Das sagte auch Bhagavan Sri Krishna: „Ich werde mit dir sein. Ich werde hinter dir stehen. Ich werde deinen Fußboden reinigen, deine Wäsche waschen und dich in jeder Beziehung unterstützen.“ Und wer oder was spricht hier tatsächlich? Der ganze Kosmos spricht: „Komm mein Kind. Ich werde dir helfen, damit du erreichst, was du dir wünschst.“ Wenn man es wirklich will, dann wird es auch funktionieren, sonst nicht!

Mumukshutva ist also das Verlangen nach Befreiung von der Sklaverei der individuellen physischen Existenz. Es ist ein tiefes Verlangen. Man muss das Wort Wünschen unterstreichen. Will man es wirklich? Dann bekommt es auch. Man sei dessen gewiss!


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