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Die Notwendigkeit einer esoterischen Bedeutung

Warum sollten wir überhaupt versuchen, eine esoterische Bedeutung im Kandar Anubhuti zu finden? Genügt es nicht, wenn wir die Verse als unabhängig in ihren Inhalten studieren und nicht versuchen, die Ideen miteinander zu verbinden? So mag man sich fragen. Nun, solch eine Studie hätte genug sein können, bis auf den Zweck des Werkes! Nun, was ist der Zweck des Kandar Anubhuti?

Der heilige Thayumanavar sagt:

Kandar Anubhuti Petru Kandar Anubhuti Sonna Enthai Arul Naadi Irukkum Naal Ennaalo?

„Wann wird der gesegnete Tag sein, an dem ich die Gnade meines (spirituellen) Vaters (Arunagiri) bekomme, der das (Werk des) Kandar Anubhuti gesungen hat, nachdem er Anubhuti, direkte spirituelle Erfahrung von Lord Skanda erlangt hat?

Es steht daher ohne jeglichen Zweifel und Diskussion fest, dass Arunagiri das Werk Kandar Anubhuti verfasst hat, nachdem er Anubhuti, Gotteserfahrung, erlangt hatte. Und wie kann solch ein Werk so seltsame Verse enthalten? Wenn es ein Werk ist, das nach dem Erreichen von Gotteserfahrung entstand, wie kann Arunagiri seufzen, weinen und klagen über seine Hilflosigkeit in sinnlicher Hinsicht wie z.B. Sex etc. wie im folgenden Vers:

„Ich bin immer noch gefangen in den Schlingen von Frau und Familie (Vers 4). Selbst nach der Wiederholung des Namen Gottes bin ich nicht von dieser Welttäuschung, Jagan-Maya, befreit. (Vers 5) Wann wird diese elende Notlage aufhören, wo ich im Netz der Vernarrtheit nach Frauen gefangen bin. (Vers 9) Da es mir nicht gelingt auf Deine Füße zu meditieren, muss ich aus Unwissenheit vollständig untergehen. (Vers 23) Wirst Du daran denken, Deine Gnade über mich zu ergießen, der (so niedrig ist, dass er) den Brüsten von Frauen folgt. (Vers 24) usw. usw. (Verse 25, 33, 34, 35, 39, 46 und 50) Während er im Kandar Anubhuti so vor Gott weint, erklärt Arunagiri in seinem früheren Werk, dem Kandar Alankaram empathisch, dass er jetzt und für immer diesen Ozean der sexuellen Lust überquert hat, dass er den Tod überwunden hat usw.

Wenn das so ist, wie sollen wir uns dann die Verse 4, 5, 10 usw. erklären? Oder können wir behaupten, was Thayumanavar von Arunagiri und dem Kandar Anubhuti sagte, sei unwahr? Wenn wir darüber tief und unvoreingenommen nachdenken, werden wir zu der Notwendigkeit geführt, die Tatsache zu akzepti e ren, dass obwohl Arunagiri sich in diesen Zuständen darstellt, sie sich offensichtlich nicht auf ihn selbst beziehen können, sondern auf jemand anderen, in dessen Zustand er sich versetzt – den Zustand eines Suchers nach der Wahrheit, eines Sadhakas.

Dies gibt einen Hinweis auf den Zweck des Werkes, nämlich Sucher zu führen, damit sie die selige Erfahrung erlangen, die er so glücklich war zu genießen. Und es ist eine allgemein akzeptierte Tatsache, dass Arunagiri aufgrund seines Mitgefühls der Welt dieses Werk überlieferte, damit jeder von uns die Seligkeit von Anubhuti genießen kann. Somit ist es vollkommen klar, dass das Werk in erster Linie vom Standpunkt eines Sadhakas (spiritueller Aspirant) aus gegeben wurde, um ihm zu helfen, Gotteserfahrung zu erlangen. Daher muss es, neben der Schilderung der eigenen Erfahrungen des Heiligen auch Anweisungen enthalten, um einen gewöhnlichen Sucher zu diesem Ziel zu führen.

Letzteres kann nun auf zwei Arten geschehen:

(1) Entweder gibt jeder einzelne Vers in sich selbst und unabhängig eine vollständige Anleitung zum Erreichen von Anubhuti, oder jeder einzelne Vers offen bart die verschiedenen Aspekte der Gotteserfahrung des Heiligen, die dem Sucher bei seinem Erreichen helfen würden. Wenn alle Verse diese Bedingung erfüllen, kann das Werk als eine „Sammlung von Versen, die von Anubhuti handeln“ gelten, und jeder Vers enthüllt eine andere Technik zum Erreichen der Göttlichen Erfahrung. ODER

(2) Das Werk bildet als ein Ganzes eine Darlegung des Weges zu Anubhuti. Ein Studium des Werkes offenbart jedoch, dass die Verse von unterschiedlicher Natur sind und dass man nicht sagen kann, dass jeder einzelne Vers in sich unab hängig von den anderen eine vollständige Anleitung für Anubhuti oder einen Aspekt der Erfahrung des Heiligen gibt, obwohl einige Verse dies erfüllen. Es bleibt uns deshalb die zweite Alternative, d.h. das Werk als ein Ganzes, als eine Abhandlung über Anubhuti zu betrachten. Eine Abhandlung ist nun eine systematische Darstellung eines Themas und sollte deshalb eine klare Verbindung von Ideen von Vers zu Vers haben, die einen Schritt für Schritt zum Gipfel der Gottesverwirklichung führen.

Es ist jedoch an der Oberfläche keine solche Verbindung zu erkennen, von der man sagen kann, dass sie den Suchern die notwendige Führung gibt; sie muss daher, da nicht offen sichtbar, mystisch versteckt sein – die logische Schlussfolgerung. Wir sollten deshalb überzeugt sein, dass es zusätzlich zu ihrem unabhängigen Inhalt eine esoterische Bedeutung hinter den Versen geben muss, um den Sucher Stufe für Stufe bis zum Erreichen des großartigen Zieles der Gottes erfahrung zu führen. Vor diesem Hintergrund will ich die verschiedenen Ansichten untersuchen, die es über dieses Werk gibt. Einige Kommentatoren meinen, dass das Kandar Anubhuti eine Sammlung von Versen ist, die von Arunagiri unabhängig voneinander und zu verschiedenen Zeiten je nach seiner vorherrschenden Stimmungen gesungen wurden – religiöse und spirituelle Hochstimmung, Unruhe und Störungen während des Prozesses des Sadhana, Gebete um Gottes Gnade anzurufen und Schwächen, Hindernisse usw. zu überwinden.

Dies wurde damit begründet, dass der exoterische Inhalt der Verse von einem zum anderen Vers so unverbunden miteinander erscheint und so verschiedene Stimmungen ausdrückt, dass es keine wie auch immer mögliche Verbindung zwischen ihnen geben kann. Obwohl es stimmen mag, dass die Verse miteinander unverbunden scheinen, ist diese Ansicht unannehmbar; denn wenn das Werk eine reine Sammlung unver bundener Verse betrachtet ist, wie kann es dann seinen Zweck erfüllen, andere beim Erreichen der Gotteserfahrung zu führen? Wenn argumentiert wird, dass das Werk selbst als eine reine Sammlung einem helfen kann Gott zu erlangen, dann können wir genauso gut sagen, dass jedes Werk das kann. Was ist dann das Besondere dieses Werkes? Und wenn es nichts Besonderes oder Intrinsisches darin gibt, wie können wir im gleichen Atemzug sagen, dass das Kandar Anubhuti ein einmaliges Werk ist, nahezu unvergleichlich auf seinem Gebiet?

Es muss etwas enthalten, was es diese Behauptung verdienen lässt. Also können wir nicht anders als überzeugt sein, dass das Werk, selbst wenn es eine Sammlung wäre, eine bedeutungsvolle, durchdachte und zweckgerichtete Sammlung ist und nicht eine planlose oder zufällige Sammlung ohne eine Kohärenz des Denkens. Dies gilt besonders deshalb, weil das Werk ein ursprüngliches ist, d.h. das Kandar Anubhuti ist die eigene Komposition des Heiligen – der Titel des Werkes, die Anordnung der Reihenfolge der Verse etc. sind von Arunagiri selbst und wurden nicht von jemand anderem nach seinen Lebzeiten gemacht.

Darüber hinaus kann man nicht sagen, dass die Abhandlung Verse beinhaltet, die von dem Heiligen gesungen wurden, bevor er Anubhuti erlangt hatte, da dies der Erklärung des Heiligen Thayumanavar darüber widersprechen würde.  Eine andere amüsante Ansicht ist die, dass der Arunagiri-Papagei, der auf einem Pipal-Baum in der Nähe von Tiruvannamalai saß, die Gedichte auf Pipal-Blätter geschrieben und sie fallen gelassen hat. Diese Blätter wurden gesammelt und bilden das Kandar Anubhuti. Darum seien die Verse durcheinander und ohne bestimmte Reihenfolge.

Das ist zwar eine bewundernswerte Vorstellung eines fruchtbaren Gehirns, sie scheint jedoch weit von der Wahrheit entfernt zu sein und hält nicht einmal der einfachen Vernunft stand. Wenn der Papagei die Verse mit seinem Schnabel auf Blätter schreiben und sie aufbewahren konnte, bis alle fertig waren, hätte er sie auch sehr wohl herunterbringen und in der richtigen Folge halten können. Außerdem, wenn – als die verstreuten Blätter gesammelt wurden – der Kaappu-Vers und der erste Vers, der mit einem Mantra zum Ruhm des Werkes beginnt, in der richtigen Reihenfolge sind, warum dann nicht auch die anderen Verse? Und vor allem, wenn wir glauben und annehmen können, dass der Papagei die Verse geschrieben hat, wäre es dann nicht vernünftiger und könnten wir nicht so großzügig genug sein, dem Papagei auch die Nummerierung zu überlassen?

Andere Kommentatoren behaupten, das Kandar Anubhuti sei ein Werk von „Lobliedern“ (Stotras) und dass solche Werke nicht wie die Shastras (Schriften) ein bestimmtes Thema behandeln oder auf systematische Weise Belehrungen geben. Nun, auch diese Ansicht scheint, für sich genommen, richtig zu sein, weil die meisten Verse (aber nicht alle) in der Form von Lobpreisung und Gebet sind. Aber sie verfehlt den „Zweck“ aus schon vorher erwähnten Gründen. Wenn es seinen Zweck erfüllen soll, anderen beim Erreichen der Gotteserfahrung zu helfen, kann man nicht sagen, dass es nur aus Lobliedern besteht. Es gibt eine ganze Reihe solcher Werke mit Lobliedern, aber sie werden nicht als Werke über das Erreichen von Anubhuti betrachtet und ihnen wird nicht der gleiche Rang zugesprochen wie dem Kandar Anubhuti.

Das Kandar Anubhuti wird als zu diesem Thema unvergleichlich betrachtet. Was sollte dann diesem Werk eine so erhabene Stellung erlauben, wenn nicht etwas ihm Innewohnendes? Darüber hinaus wird das Kandar Anubhuti als Mantra-Shastra(Mantraschrift) betrachtet und nicht als Stotra. All diese Ansichten sind das Ergebnis unserer Unfähigkeit, irgendeine Verbindung von Ideen in den Versen des Kandar Anubhuti zu sehen, was bestimmte Leute sogar zu solchen Extremen geführt hat vorzuschlagen, dass die Reihenfolge der Verse geändert werden müsse, obwohl sie es schwierig, nein unmöglich finden, dies auf eine befriedigende Weise zu tun, wie auch immer sie sie neu anordnen. Tatsache ist, dass sie schon in der richtigen Reihenfolge sind, weil sie ein göttliches Geschenk sind.

Was für eine Neuanordnung kann bei etwas gemacht werden, was schon in der richtigen Reihenfolge ist? Da die Abhandlung über fünfhundert Jahre hinweg zu uns gekommen ist, von großen Seelen wie Thayumana var akzeptiert, gepriesen und von ihnen nicht verändert, wäre es unweise zu versuchen, die Verse neu anzuordnen, selbst nur um des Studiums Willen. Es wäre weiser, unsere Unfähigkeit zu akzeptieren, eine logische Reihenfolge der Ideen in den Versen zu sehen oder selbst zu versuchen, eine entfernte und weit herge holte Verbindung zu suchen, als sich in dieses Werk einzumischen. Andere wiederum vertreten die Meinung, der Weise habe lange einen frommen Wunsch gehegt, Gott eine „Gedichtgirlande“ darzubringen, wie er es in seinem Tiruppugazh „Aasaikoor Bhaktanen...“ ausgedrückt hat, und dass er mit dem „Kandar Anubhuti“ diesen Wunsch erfüllt hat.

Dies scheint eine befriedigendere Erklärung zu sein. Lasst uns jetzt sehen, wie dieser Wunsch lautet, den er in dem oben genannten Tiruppugazh-Lied ausgedrückt hat. Eine freie Übersetzung davon liest sich so: „Ich bin ein Devotee mit einem (besonderen) Wunsch – Gott eine Girlande darzubringen. Was für eine Art von Girlande? Eine Girlande aus Gedichten, die als Blüten den Lotus des Geistes hat, zusammengehalten von der Schnur der Liebe, künstlerisch von der Zunge komponiert, ihren Weisheitsduft verbreitend, in all ihrer Pracht strahlend, an der sich die Bienen des Intellekts der Makellosen (Sadhus) erfreuen – solch eine „Maatrukaa Pushpa Maalai“ (Girlande aus Gedichten) Deinen korallengleichen Füßen darzubringen, damit soll ich gesegnet sein.“ „Maatrukaa Pushpa Maalai“ ist eine Abhandlung von Versen mit den 51 Buchstaben der Sanskritsprache, von „A“ bis „Ksha“.

Es wird auch „Akshara Maalai“ genannt, d.h. Girlande aus Buchstaben; wobei Akshara Buchstabe bedeutet. Man sagt, dass „Maatrukaa Pushpa Maalai“ auch eine Abhandlung von 51 Versen bedeutet, wegen der bloßen Entsprechung der Zahl. Die wesentlichen Punkte des Tiruppugazh sind also: Es ist eine Girlande aus Gedichten, die als ihre Blume den Lotus des Geistes hat und die den Füßen des Herrn dargebracht werden soll. „Geist“ ist eine andere Bezeichnung für den Jiva (Individuum) und die Füße des Herrn bezeichnen für gewöhnlich Paramapada oder den Höchsten Ort, die höchste Zuflucht. Also heißt den Lotus des Geistes den Füßen des Herrn darzubringen, den Jivadem Höchsten Sein zu opfern, d.h. Atmasakshatkara (Erkenntnis des höchsten Selbst) zu erlangen.  Die Girlande soll den Füßen dargebracht werden.

Ihr Zweck ist also nicht Gott zu schmücken oder zu preisen, denn wenn dies der Zweck wäre, würde sie ihm um Schultern und Brust gehängt. Da sie den Füßen des Herrn dargebracht werden soll, hat sie einen ganz bestimmten klaren Zweck – den Jiva in Gott zu opfern. Dies ist der wesentliche Punkt des Tiruppugazh. Von wem soll sie dargebracht werden? Von einem, der ein Gottesverehrer (Bhaktan) ist und außerdem von jemandem, der sehr danach strebt Gott zu erreichen (Aasaikoor Bhaktan). „Aasai“ ist hier nicht Wunsch im weltlichen Sinne; es ist der Wunsch oder das Streben Gott zu erreichen, weil es zu einem Devotee gehört, und was sonst könnte der Wunsch eines wahren Gottesverehrers sein, als sich danach zu sehnen, die Lotusfüße des Herrn zu erreichen?

Es ist das spirituelle Streben des Menschen nach der Vereinigung mit Gott, der Seele, mit Brahman zu verschmelzen. Die Girlande muss auf einer Schnur aufgezogen werden – der Schnur der Liebe, Bhakti oder Hingabe. Die Schnur ist unsichtbar, aber sie ist für die Girlande wesentlich. So ist es Hingabe an Gott im Leben eines Aspiranten, die die verschiedenen Aspekte seines Wesens zusammengebunden hält. Sie muss kunstvoll und schön gefädelt werden. Wo? In der Zunge. Wie? Indem man sie hingebungsvoll singt. Der Duft der Weisheit soll von der Girlande ausgehen, und sie soll auch in verschiedenen Farben leuchten. Während die Farben das Auge anziehen, fängt der Duft einen durch die Nase ein.

Das Auge und die Nase stehen für all die Sinne. Weiterhin muss die Girlande von hohen spirituellen Wahrheiten erfüllt sein, auf die die Bienen des Intellekts der Makellosen kontemplieren, meditieren und sich daran erfreuen können. Diese ganze Beschreibung soll darauf hinweisen, dass, während die Zunge die Verse rezitiert, reine Hingabe im Herzen hervorströmen sollte. Die Sinne sollten von ihnen gefangen sein, der Intellekt sollte über die in ihnen enthaltene Weisheit kontemplieren – was die Essenz des Lebens eines Sadhakas ist – um eine innere Verfeinerung und Umwandlung aller Fähigkeiten des Sadhakas zu bewirken und in Gott aufzugehen. So soll (die Girlande des) Jiva – das Individuum in all seinen Aspekten, sein Streben, den Geist, die Sinne (Zunge, Augen, Nase usw.), der gereinigte Intellekt und Weisheit – zu den Füßen Gottes dargebracht werden.

Diese Ansicht, nämlich dass das Kandar Anubhuti die „Maatrukaa Pushpa Maalai“ ist, die Arunagiri Lord Skanda darbringen wollte, scheint eine bessere und auch richtige zu sein, weil das Kandar Anubhuti ein Werk mit 51 Versen ist und sich auch Arunagiri selbst in dem Kaappu-Vers darauf als „eine Girlande geflochten aus den schönen Worten (des Tamil)“ – „Senchor Punai Maalai“ bezieht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Arunagiri mit diesem prägnanten Satz das „Maatrukaa Pushpa Maalai“ meint und alles was er darüber im Tiruppugazh gesagt hat. Und wir haben gesehen, dass es die wesentlichen Punkte davon erfüllt, nämlich dass es den Zweck hat, die suchende Seele, die voller Hingabe an Gott ist, in der Gotteserfahrung zu opfern. Dies wird auch vom Titel des Werkes, nämlich Kandar Anubhuti bekräftigt. Selbst wenn man das Kandar Anubhuti nicht als die direkte Erfüllung des im Tiruppugazh ausgedrückten Wunsches akzeptiert, bleibt doch die Tatsache bestehen, dass es eine Wortgirlande ist, wie es im Kaappu-Vers (im einleitenden Vers) erklärt wird; und der Zweck und die Bestandteile einer Girlande sind natürlich die gleichen.

Wenn wir also davon ausgehen müssen, dass Titel und Anordnung der Verse des Kandar Anubhuti von dem heiligen Arunagiri selbst sind, und dass es seine Absicht war, mit diesem Werk suchenden Seelen beim Erreichen Gottes zu helfen; wenn wir dem Titel Kandar Anubhuti vollständig gerecht werden; wenn wir dem Beitrag von Thayumanava Swamigal völlig gerecht werden, nämlich dass es ein Werk ist, das nach dem Erreichen der Göttlichen Erfahrung entstand; und wenn es eine „Wortgirlande“ darstellt (was wir alles richtig ansehen müssen, egal ob es als das „Maatrukaa Pushpa Maalai“ gilt, auf das sich Tiruppugazh bezieht oder nicht), weißt alles darauf hin, dass es eine esoterische Bedeutung haben muss, über die unabhängige Bedeutung und den Wert jeden Verses hinaus.

Denn reine Lobeslieder oder eine Sammlung von Versen, die dazu noch in ihrer exoterischen Bedeutung miteinander unverbunden sind, können einem nicht helfen, Gotteserfahrung zu erlangen, was ein schrittweiser Entfaltungsprozess und nicht etwas einfach zu Erreichendes ist. Anubhuti wird als Ergebnis von Abhyasa (Übung) erlangt, einer stufenweisen Übung, die auf einem tiefgreifenden Verständnis basiert und zur Vollkommenheit führt. Dies ist es, was das Kandar Anubhuti vor allen anderen Werken hervorhebt, nicht nur von anderen Autoren sondern selbst von denen des heiligen Arunagiri selbst. Die Thiruppugazh-Lieder, das Kandar-Alankaram etc. können für die reine Rezitation gedacht sein und sie können als Stuti, Loblieder, gelten, wenn auch mit spirituellem Inhalt, nicht aber das Kandar Anubhuti; denn man kann nicht erwarten, dass reine Rezitation einen zu Anubhuti, tatsächlicher Gotteserfahrung, führt. Dies verlangt eine systematische Übung mit Verständnis und genau das wird in diesem seltenen Werk dargelegt. Wir liegen daher meines Erachtens nicht falsch, wenn wir den Titel Kandar Anubhuti als

(1) „Gotteserfahrung“ und als

(2) „Die Praxis, die zu Gotteserfahrung führt“ interpretieren.

Die Verse sind auch nicht gleichförmig in dem Sinne, dass nicht alle in der Form eines Gebetes, einer Anrufung, einer Offenbarung spiritueller Erfahrung oder Belehrung, Ermahnung etc. sind. Es gibt Verse, die die Emotionen berühren und entzünden; die Reue, Angst und Gebet oder Dankbarkeit für die besonderen empfangenen Segnungen ausdrücken; die spezifische und klare Anweisungen geben, denen man folgen soll; die große Weisheit und verborgene Hinweise auf höhere Erfahrungen offenbaren usw.

Und nicht nur das, diese Verse unterschiedlicher Art sind auf eigenartige Weise gestreut. Dies weist darauf hin und legt nahe, dass es als planmäßige Abhandlung über das Erreichen Gottes dienen soll, weil es dann die Notwendigkeit für all diese Elemente gibt, da ein Aspirant im Laufe seiner Praxis durch unterschiedliche mentale Zustände und Erfahrungen geht. (Dies ist auch ein Argument gegen jeden Versuch, die Verse nach Themen neu anzuordnen.) Die Reihenfolge der Verse ist bewusst so angeordnet (obwohl sie durcheinander erscheint, weshalb das Werk als eine Sammlung betrachtet wird), dass jeder Vers dem Sucher die notwendige Anweisung gibt oder seine innere Erfahrung erklärt oder die Gnade Gottes anruft, je nach seiner momentanen Entwicklungsstufe.

Die Reihenfolge der Verse bringt jeweils genau den aktuellen Zustand des Suchers auf jeder Stufe zum Ausdruck. Das eine oder andere Thema aus dem Tiruppugazh findet sich in einigen Versen des Kandar Anubhuti wieder, was auch als Beweis gelten könnte, dass das Werk eine Erfüllung des Gebets dieses Tiruppugazh ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das Kandar Anubhuti das letzte Werk des Heiligen. Im Tiruppugazh und seinen anderen Werken hat Arunagiri alles überall gesagt. Das Rezitieren des Tiruppugazh und anderer Werke mag in einem Menschen eine Ablehnung weltlicher Bestrebungen und ein Streben nach Gott erwecken, so dass er gerne Sadhana üben würde, um Gotteserfahrung zu machen, aber er wüsste nicht, wie er das machen sollte.

Arunagiri hat vielleicht deshalb gedacht, dass eine Abhandlung über das Erreichen von Gotteserfahrung (Anubhuti) für solche Sucher eine Hilfe wäre, und das Kandar Anubhuti ist das Ergebnis. Also können wir das Kandar Anubhuti als den krönenden Gipfel der Werke des heiligen Arunagiri betrachten, obwohl jedes andere Werk seinen eigenen Zweck, Besonderheit und Zauber hat. Alle Werke von Arunagiri zusammen sind sozusagen „Arunagiri-Veda“, von dem das Kandar Anubhuti die „Anubhuti- Upanishad“ bilden würde. Es ist der Höhepunkt und der Weisheitsteil seiner Werke.

Diese 51 Verse des Kandar Anubhuti sind wahrlich 51 Mantras, wie die upanishadischen Mantras – so prägnant, kernig, kurz und gehaltvoll, mit vielen geheimen Hinweisen auf höhere Meditation und Erfahrung. Wir können ohne das geringste Zögern sagen, dass die Abhandlung dem Zweck einer Upanishade voll gerecht wird. Es ist wahrlich ein Mantra-Shastra. Nun mag die Frage aufkommen, warum die Anweisungen esoterisch sein sollten bzw. warum der Heilige sie nicht explizit in den Versen ausgedrückt hat. Dies ist die allgemeine Praxis, natürlich mit gutem Grund. Spirituelle Wahrheiten werden als Geheimnisse bewahrt, weil die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass sie von unvorbereiteten Menschen missverstanden, falsch interpretiert und falsch umgesetzt werden. Sie werden immer geheim gehalten; man muss sie mit großer Anstrengung erlangen und das erfordert bestimmte Voraussetzungen. Da das Werk in jedermanns Hände gelangen kann, sind die esoterischen Bedeutungen weit jenseits des gewöhnlichen Verständnisses versteckt. Und hierin liegt auch die Notwendigkeit, warum die Gedichte in Gebets- oder Lobesform und in der ersten Person geschrieben sind.

Wenn ein Verehrer oder Sucher, auch wenn er anfangs unvorbereitet ist, mit Svadhyaya, dem hingebungsvollen und vertrauensvollen Rezitieren der Verse fortfährt, werden diese, weil sie in der ersten Person sind und ihre Formulierung so mächtig und entsprechend berechnet ist, in der Lage sein, seinen Geist schrittweise zu erheben und ihm das notwendige Bhava, die innere Haltung einflößen, mit dem der Heilige die Verse gesungen hat oder das er durch bestimmte Verse übermitteln möchte. Wenn wir die Verse rezitieren, ist es so, als ob der Heilige selbst sie durch uns rezitieren würde. Wir stellen uns auf seinen Geist ein und das notwendige Gefühl wird gezwungenermaßen in uns hervorgerufen. So offenbaren sich die inneren Geheimnisse von innen heraus, im Laufe der Zeit. Sie sind nicht dafür gedacht, in den Versen offen gesagt zu werden, noch könnten sie verstanden werden, selbst wenn sie offen ausgedrückt würden; sie müssen „offenbart“ werden.

Hart verdienter Wohlstand wird geschätzt und bewahrt. So ist es auch mit der Weisheit. Jetzt noch ein Wort über die esoterische Bedeutung in den Versen, die nicht leicht zugänglich ist. In ein paar Gruppen von Versen ist die Kontinuität der Ideen relativ offensichtlich. Das war es auch, was mir das Gefühl gab, dass es auch in anderen Versen eine solche Verbindung von Ideen geben müsse, d.h. in dem Werk als Ganzem, und diese Verbindungen, wenn nicht offensichtlich erkenntlich, unter der Oberfläche verborgen sein müsse. In manchen Versen ist sie in einer Zeile oder einem Satz verborgen, in manchen in einem Wort. In anderen liegt sie weit dahinter, als der wahre Geist, der dem Vers als Ganzem zugrunde liegt und wird nur offenbar, wenn man den Vers immer wieder wieder holt. Daher die Notwendigkeit für Swadhyaya (Selbststudium) oder ein regelmäßiges, systematisches tägliches Chanten der Verse, mit Liebe und Hingabe an Gott.

Dann erschließen sich mehr Wahrheiten im Herzen des Suchers als die, die in irgendeinem Buch, einschließlich diesem, geschrieben stehen. Das gilt nicht nur für das Kandar Anubhuti, sondern für jedes Werk dieser Art. Diese esoterische Bedeutung basiert hauptsächlich auf dem, was mir von Gott im Laufe meines täglichen Parayana (Rezitation) enthüllt wurde Diese biete ich den weisen, erfahrenen Menschen an, in deren Herzen Lord Guhan (Bezeichnung für Lord Skanda, „der im Herzen wohnt“) besonders lebt, damit sie für sich das erforschen und übernehmen können, was davon wertvoll ist und etwaige Mängel ignorieren können, die auf meine eigenen Begrenzungen zurückzuführen sind.

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