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Phasen des Karma

In den indischen Schriften werden 3 Phasen von Karma unterschieden:

  1. Agami Karma: dies ist das Karma, das du jetzt gerade erzeugst.
  2. Sanchita Karma: dies ist der Speicher des Karmas; er enthält alles Karma, das du erzeugt hast, dessen Wirkungen du aber noch nicht erfahren hast sowie alle Lernlektionen, die in Zukunft noch auf dich zukommen.
  3. Prarabdha Karma: dies ist das Karma, das du jetzt erlebst.

Z.B. haben jetzt alle Menschen, die diese Internetseite lesen, das Prarabdha Karma, diese Seiten zu lesen. Und je nachdem, wie sie das Gelesene verarbeiten und anwenden, erzeugen sie das eine oder andere Agami Karma. Oder sie erzeugen auch gar kein Karma.

Mein Prarabdha Karma ist es jetzt zum Beispiel, über Karma zu schreiben. Das kann ich auf verschiedene Weisen tun. Ich könnte mir zum Beispiel sagen: „Jetzt schreibe ich schon zehn Jahre an diesem Buch. Jetzt ist genug, ich schreibe jetzt einfach irgendetwas, damit ich endlich zum Ende komme, damit ich besser meditieren kann oder meine Ferien richtig genießen kann.“  Dann schaffe ich mit meiner Halbherzigkeit ein neues Karma, da ich meine Aufgabe nicht ernst nehme. Dieses Erzeugen von neuem Karma wird „Agami Karma“ genannt. Dieses wird dann zum Speicher des Karmas, zum Sanchita Karma, hinzugefügt. Und irgendwann später bekomme ich das als neues Prarabdha Karma zurück, z.B. indem ich in einem späteren Leben nochmals ein Buch über Karma schreiben muss…

Karma Analogien

Man findet in den indischen Schriften verschiedene Analogien, um die Phasen des Karma besser zu verstehen:

  • Pfeil und Köcher: Die Pfeile, die man im Köcher hat, sind das Sanchita Karma, der Speicher. Einen Pfeil herauszunehmen, an die Bogensehne zu legen und zu spannen, ist Agami Karma. Wenn der Pfeil losgelassen wurde, sind die weitere Bahn des Pfeils und das Ziel, das er erreicht, Prarabdha Karma.
  • Getreidekörner und Feld: Die Getreidekörner im Speicher sind das Sanchita Karma. Mit dem Pflügen, Säen, Unkrautjäten etc. bemüht man sich selbst, das ist Agami Karma. Was man am Ende erntet, das ist das Prarabdha Karma.

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Zwei Ebenen des Verständnisses von Karma:

  • Auf der einen Ebene geht es darum, gute Ursachen zu setzen, gute Samen zu sägen, um Gutes zu erfahren, eine gute Ernte zu erhalten.
  • Auf der anderen Ebene gilt es, keine neuen Ursachen zu setzen, das Sanchita Karma zu reduzieren. Erst wenn ein großer Teil des Sanchita Karma erfahren worden ist, kann der Aspirant höhere Ebenen des Bewusstseins erfahren.

Vom Yoga-Standpunkt aus ist der zweite Punkt am wichtigsten.
Hier sind die Lehren des Karma Yoga, wie sie von Krishna in der Bhagavad Gita beschrieben werden, besonders wichtig. Es geht darum: Wie kannst du handeln, damit du deine Aufgaben erfüllst, deine Lektionen lernst, ohne neue Ursachen für neues Karma zu schaffen?

Laut der Yoga Vedanta Philosophie und der Erfahrung der Mystiker der verschiedenen spirituellen Traditionen steht hinter dem gesamten Universum der Erscheinungen das eine Kosmische Bewusstsein, Brahman genannt. Shankaracharya  hat die Lehren der Vedanta Philosophie in drei Sätzen ausgedrückt:

1.    Brahma Satyam – Brahman allein ist wirklich.
2.    Jagan Mithya – Die Welt wie wir sie wahrnehmen, ist unwirklich.
3.    Jivo Brahmaiva Napara – Das Individuum ist nichts anderes als Brahman.

Der deutsche Dichter Friedrich Rückert hat diese Sätze poetisch wie folgt übersetzt:

„In drei Sätzen sei es verkündet, was man in Tausend Büchern findet: Brahman ist wirklich. Die Welt ist Schein. Das Selbst ist nichts, als Brahman allein."

Eigentlich ist das Ziel des Lebens, nämlich die Einheit mit Brahman zu verwirklichen, sehr einfach: Man muss dafür nur sein, wer man schon ist. Wie es das Orakel von Delphi ausgedrückt hat: „Gnothi Seauton – Erkenne dich selbst.“ Man muss eigentlich nichts Besonderes tun, es bedarf keiner besonderen Hochleistungen – eigentlich kann man in dieser Sekunde die höchste Verwirklichung erreichen – die Erkenntnis, dass man reines Bewusstsein und damit eins mit Gott ist.

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