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Sivananda Yoga - von Swami Venkateshananda


Sivananda Yoga


Swami Sivanandas Einstellung zum Praktizieren von Karma Yoga und Bhakti Yoga oder auch Yoga allgemein war, dass keines derselben wirklich von den anderen isoliert werden kann, dass man unmöglich ein Spezialist werden kann. Er machte sich sogar über die medizinischen Spezialisten lustig, indem er sagte, dass man vor etwa einhundert Jahren einen Hausarzt hatte, dass es jetzt aber für jeden Patienten ein ganzes Haus voller Ärzte gäbe. Von dieser Sichtweise her (die absolut korrekt erscheint) ist Yoga untrennbar. Man kann Karma Yoga, Bhakti Yoga und Hatha Yoga nicht isoliert voneinander betreiben. Asanas, die isoliert betrieben werden, sind Gymnastik. Im Hatha-, Bhakti- und Karma Yoga sind Jnana und Meditation eingeschlossen. Die Wahrheit also, die er uns enthüllte, war, dass jeder der verschiedenen Zweige des Yoga (wenn man sie so nennen will) die anderen mit einschließt. Karma Yoga schließt Bhakti ein und ohne Bhakti gibt es kein Karma Yoga. Mit Bhakti und mit der richtigen Einstellung kann man jegliche Arbeit zum Karma Yoga umwandeln. Ohne Bhakti wird selbst die nobelste Arbeit, die man tut, zum sozialen Dienst. Es ist nicht so, dass wir soziale Dienste missbilligen oder darauf herabsehen, aber es ist nicht Karma Yoga. Swami Sivananda belehrte einen Schüler: „Wenn du jemandem die Füße massierst, fühle, dass du die Füße Gottes massierst. Sarvatah panipadam — alle Hände und Füße gehören zu Gott.“ Wenn dieser Geist da ist, ist es Karma Yoga, doch wenn er nicht da ist, gibt es kein Karma Yoga.

Im Karma Yoga sollte man frei sein von Raga (Mögen) und Dvesha (Nicht-Mögen), und weil Karma Yoga notwendigerweise ein Eintreten in Beziehungen mit sich bringt, kann man nicht in der Abgeschiedenheit praktizieren. Man muss sich in Gesellschaft befinden, von Menschen umgeben sein — und man muss ihnen dienen. Buddha hat etwas sehr interessantes gesagt: „Niemand ist von der ganzen Welt gelobt worden und niemand ist von jedermann verdammt worden.“ Es gibt sogar für die Inkarnationen Gottes Kritiker. Rama, Krishna, Jesus und Buddha sind alle kritisiert worden. Wenn nicht einmal sie es allen Recht machen und das Einverständnis aller erreichen konnten, was hat man persönlich dann erst für Chancen? Es ist wohl möglich, dass einige Leute, wenn man Glück hat, einen zu schätzen wissen, doch der Rest wird Fehler an einem finden und kritisieren. Ist es nun für jemanden möglich, dies zu akzeptieren oder es zu ignorieren? Hier verwendete Swami Sivananda ein wunderschönes doppeltes Prinzip: „Ich diene Gott in dir. Om Namo Narayanaya. Doch wenn du mich beleidigst, ist das nichts als Luft, es ist nicht Gott, der mich beleidigt. Wenn ich dir also diene, gibt es Bhakti Yoga, wenn du mich beleidigst und ich danach strebe, nicht zu reagieren, schalte ich die Jnana Theorie von Maya - dass die ganze Welt eine Illusion ist - und deine beleidigenden Worte haben überhaupt keine Bedeutung.“

Swami Sivanandas Yoga war kein Witz. Es umfasste die Durchführung aller dieser Prinzipien gleichzeitig. Der Karma Yogi muss also mit den Prinzipien des: „Passe dich an, stelle dich ein, sei gefällig, ertrage Beschimpfungen, ertrage Verletzungen, das ist die höchste Sadhana“, arbeiten. Dies sollte nicht im Sinne eines Märtyrers getan werden wie z.B.: „Ich liebe es, beschimpft zu werden, ich liebe es, benutzt zu werden“, damit man danach zu seinen Freunden gehen und ihnen erzählen kann, wie man nicht reagierte, als er einen beschimpfte. Die Beschimpfung darf einen nicht einmal berühren, was bedeutet, dass man es nicht einmal als Beschimpfung erkennen sollte. Er hat etwas gesagt, das war nur wie Luft, die aus seinem Mund kam und es sollte in einem gar keinen Eindruck hinterlassen. Dann wird keine Samskara gebildet, es entsteht kein Widerstand und darum keine Abneigung. Man kann weder Ahimsa (Nicht-Verletzen) oder Karma Yoga praktizieren noch lieben, wenn man verletzbar ist. Dies ist das Ideal. Es ist für uns möglich, eine Form des Sadhanas zu entwickeln, die uns zu diesem Ideal bringt und auch dieses Sadhana mag Karma Yoga genannt werden, aber die Essenz von Karma Yoga ist, dass man einen Stand der Nichtverletzbarkeit erreicht. Man verletzt niemals und wird nie verletzt. Wird man verletzt - ob man nun reagiert oder nicht - ist auf die eine oder andere Weise potentiell eine Reaktion da. Man mag nicht reagieren oder die andere Person zurückverletzen, man mag überhaupt gar nichts tun, doch wenn man zu seinen Freunden geht und ihnen erzählt: „Wisst ihr, er hat mich da neulich beleidigt und ich habe ihn nur angelächelt“, hat man diesem Mann nur einen Feind geschaffen. Man mag nicht reagiert haben, aber der Freund wird es tun! Das ist Gewalt durch einen Stellvertreter! Man will diese andere Person nicht schlagen, aber man ermutigt jemand anderen, ihn schlagen zu gehen. Wenn man also verletzt werden kann, ist man gewalttätig und aggressiv. Es ist das starke, aggressive Ego, das verletzt wird. Und so lange wie es diese Verletzbarkeit gibt, sind Gewaltlosigkeit und Karma Yoga nicht möglich — man kann Gott nicht in allem dienen, man kann ihn nicht in allem sehen.

In diesem Sinne unterrichtete und vermittelte Swami Sivananda eine große Bandbreite von verschiedenen Lehrsystemen, die traditionellerweise den verschiedenen Zweigen des Yoga zugeschrieben wurden. Dienst zu tun wird als Karma Yoga bezeichnet, Gott in jedem zu sehen ist Bhakti Yoga, all diese Dinge ohne Unterschied zu behandeln, ist Jnana Yoga, aber hier sind alle miteinander gemischt worden.

Aus diesem Grund kann man Bhakti Yoga nicht isoliert praktizieren. Die Bhagavad Gita formuliert es sehr schön: „Der Schüler ist stark am Wohlstand aller interessiert.“ Was man tut, mag nicht so spektakulär sein wie das, was ein anderer tut. Das ist nicht wichtig. Ich weiß nicht, ob die mit dem Ramayana (indisches Heldenepos) verbundene Legende bekannt ist. Die Varanas (Volk) bauten eine Brücke über den Ozean, um nach Lanka zu gehen. Sie waren mächtige Leute, die einen ganzen Berg heben und ihn in den Ozean werfen konnten. Sie waren dabei, eben dies zu tun, als ein kleines Eichhörnchen herumschnüffelte und herausfand, was vor sich ging. Das Eichhörnchen überlegte, was es tun könnte. Es konnte weder einen Stein noch einen Baum heben, also lief es zum Ozean, machte seinen Pelz nass, rollte sich ein paar mal am Strand, so dass sein Körper Sand aufnahm, lief dann dorthin, wo sie gerade bauten und schüttelte seinen Pelz, so dass ein paar Sandpartikel auf die Brücke fielen. Als Rama das sah, wird gesagt, dass es ihm sehr gefiel und er den Rücken des Eichhörnchens mit drei Fingern entlang strich. Selbst heute kann man die weißen Streifen auf dem Rücken des Eichhörnchens sehen. Was jemand anderes tun kann, mag fantastisch sein und was man selbst beitragen kann, mögen nur ein paar Körnchen Sand sein. Das ist genug, denn es ist der Geist, der zählt. Es gibt Dutzende von Geschichten in der Mahabharata (indisches Heldenepos) und anderen Schriften, die das illustrieren. Nicht die Quantität, sondern der Verstand zählt.

Wenn man ein Gottesverehrer ist, ist es unmöglich, nicht am Wohle aller Wesen interessiert zu sein, denn man beginnt zu erkennen, dass Gott selbst in verschiedenen Formen zu einem kommt. Wenn ein kranker Mann kommt, ist er Gott, der in jener Form zu einem kommt; wenn ein armer Mann kommt, ist er Gott, der in jener Form zu einem kommt, um jemanden dazu zu befähigen, Hingabe im Dienst auszudrücken. Wenn man, während man diesen Dienst leistet, nicht aufmerksam ist und nicht merkt, was in einem vorgeht, mag er aufhören, selbstloser und hingebungsvoller Dienst zu sein und mechanischer oder egoistischer Dienst werden. Um also die Reinheit des Bhavas (innere Einstellung) aufrechtzuerhalten, sollte man achtsam gegenüber dem Verstand und dem eigenen Herzen sein. Das ist stetige Meditation. Wenn man sich nicht ständig in einer meditativen Stimmung befindet, ist es nicht möglich, Karma oder Bhakti Yoga zu praktizieren.

Die Verehrung eines Idols (Murthi-Puja) sollte allmählich in die rein geistige Verehrung (manasische Puja) und Para Puja (die höchste Puja) übergehen und so weiter. Der Unterschied zwischen manasischer Puja und Para Puja ist nichts anderes als die innerste Einstellung. Um zu erkennen, dass diese Einstellung da ist, muss man ständig vor sich selbst auf der Hut sein. Das ist ständige Meditation. Aus dieser Sicht gesehen ist es eigentlich so, dass man Murthi-Puja macht, um zu erfahren, was es heißt, Gott in einer anderen Person zu sehen. Wie weiß man, dass man Gott in ihm sieht? Man geht in den Tempel und während man die Puja macht, ist da ein inneres Gefühl. Dies ist das Gefühl, in Gottes Gegenwart zu sein. Ist es das dasselbe Gefühl, das man hat, wenn man mit all den anderen zusammen ist oder nicht? Es gibt also einen Prüfstein, nach dem man beurteilen kann. Wenn man dasselbe Gefühl in Gegenwart eines anderen Menschen nicht hat, bedeutet das, dass man nicht Gott in ihm sieht. Dort im Tempel hat man die Gegenwart Gottes gespürt, hier fühlt man, dass er der Freund ist. Es ist das Ego, das unterschiedlich reagiert. Das muss man beobachten. Wenn man nicht lernt, es zu beobachten, wird man sich nie weiter entwickeln, man wird nie lernen, Karma Yoga oder Bhakti Yoga zu praktizieren.

Es ist ungeheuer wichtig, einer anderen Person dienen zu lernen, zum Beispiel dem eigenen Lehrer. Verehre ihn. Spühre buchstäblich die Gegenwart Gottes in ihm. Aber warum wird Murthi-Puja vorgeschrieben? Weil es einfacher ist. Dieses Bildnis hat kein Ego und ist so eine vollkommen neutrale Einheit - es steht still da, bewegungslos, blinzelt nicht - und so gibt es nur ein Problem für einen, und das ist man selbst. Wenn man seinemm Lehrer dient, wird es ein bisschen komplizierter sich anzupassen, sich einzustellen und so weiter, weil er so lebendig ist. In dem Moment, in dem man ihn ansieht, sagt sofort der Verstand: „Er ist soundso. Er mag dies, er mag dies nicht. Ich muss ihn zufrieden stellen. Dies wird ihm gefallen, dies wird ihm nicht gefallen.“ Hier gibt es eine persönliche Beziehung. Was die Murthi betrifft, ist keine persönliche Beziehung möglich, darum ist Murthi-Puja einfacher als Guru-Puja.

Versucht während der Murthi Puja die einfachen Lektionen der Verehrbarkeit, Aufgabe, Hingabe, Liebe, Zuneigung und Ergebenheit zu lernen und wendet es dann auf den Lehrer an. Das Herz erweitert sich in konzentrischen Kreisen. Es ist möglich, dass man einen Impuls erhält und die ganze Sache explodiert und man ist erleuchtet. Es ist auch möglich, dass das Herz in konzentrischen Kreisen weit werden muss. Erst macht man Murthi Puja, pflegt Bhava, beobachtet das eigene Herz und den Verstand, um zu sehen, wie es sich anfühlt, wenn man vor etwas steht, das für Gott erachtet wird. Dann gehe man zu seinem Lehrer, beuge sich zu ihm nieder, verehre ihn, schaue, ob man dieselbe Erregung fühlt oder ob das Ego aufsteht und sagt: „Was ist das für ein Lehrer? Er ärgert mich die ganze Zeit.“ Oder: „Er macht nicht, was er meiner Ansicht nach machen soll.“ Die Statue im Tempel macht nicht, was man will! Hier gibt es wieder die Möglichkeit für einen, das Ego zu studieren, und dann lässt das Ego langsam die Erwartung fallen. Man ist fähig, Gott im Tempel zu verehren, man ist fähig, Gott im Lehrer zu verehren. Dann schaut man sich seine Gurubhais (Schüler) an. Man hat nicht dieselben Gefühle. Prüft weiter. Möglicherweise erweitert sich auf diese Art die Erfahrung der Allgegenwart Gottes in konzentrischen Kreisen. Das ist Bhakti Yoga. Wird dies nicht verstanden, bleibt man sein Leben lang ein Anbeter von Statuen.

Obwohl Swami Sivananda fest in höchstem Bhakti begründet war, gab er die rituelle Statuenverehrung nicht auf. Das, was sagt: „Ich bin erleuchtet, und deshalb ist das für mich nicht notwendig“, ist das Ego. Bis zu seinem Tod hat Swami Sivananda persönlich verehrt, wenn auch immer seltener. Nach 1956 oder 1957 konnte er nicht einfach den Berg hochgehen, darum kam er also nicht oft in den Tempel. Er hat nicht etwas aufgegeben, aber es wurde physisch unmöglich, also entfiel es.

Eines der wichtigsten Sadhanas - nicht nur in Verbindung mit Bhakti, sondern Jnana und allen Formen des Yoga - ist Satsang. In den 40er Jahren bestand der Satsang aus dem ‚Jaya Ganesha’, womit wir begannen und dann sang jemand in Sanskrit ein Kapitel aus der Bhagavad Gita - mit oder ohne Übersetzung. Dann stimmte er den Refrain in einem Kirtan an und andere lasen die Upanishaden, Vishnu Purana oder Bhagavatam oder einen anderen Text und wir alle wechselten uns dabei ab, den Refrain anzustimmen. Es dauerte etwa eine Stunde. Satsang ist wichtig, weil es der Satsang ist, der den Geist all dieser Yogapraktiken trägt. Wenn ohne Satsang der Verstand herabgesetzt wird, wissen wir nicht einmal, was geschehen ist. Swami Sivananda mochte also den Satsang ganz besonders. Wenn manchmal der Körper sehr krank und schwach war, ließ er es aus, ins Büro zu kommen, aber er ließ niemals den Satsang aus. Normalerweise wird sogar die Stirn gerunzelt, wenn man beim Satsang mal die Beine ausstreckt, aber wenn Swami Sivananda nicht auf dem Boden sitzen konnte, saß er auf seinem liebsten Bequem-Stuhl und der Satsang ging weiter. Wenn der Körper selbst das nicht mehr konnte, legte er sich buchstäblich hin - aber er ließ nicht aus, in den Satsang zu kommen. Einmal war ein Besucher gekommen und am zweiten oder dritten Tag nicht in den Satsang gegangen. Swami Sivananda bemerkte das und fragte am nächsten Morgen, warum er nicht gekommen war. Der Besucher erwiderte, dass es ihm nicht sehr gut ging. Swamiji sagte: „Genau aus diesem Grunde solltest du in den Satsang kommen. Wenn es dir nicht gut geht, musst du auf jeden Fall kommen. Hier wirst du wieder gesund werden.“ Eine andere junge Frau war aus Südindien hierher gekommen. Sie war wahrscheinlich schüchtern. Nachdem das Lesen zu Ende war, war jeder an der Reihe, den Refrain zu leiten. Dieses Mädchen sagte: „Swamiji, mir tut mein Hals weh. Ich bin etwas heiser.“ Swamiji schickte jemanden, Hustenmedizin zu holen. Sie wusste nicht, ob sie es nehmen sollte oder nicht! Sie wollte sicher um das Singen herumkommen und sagte deshalb, dass ihr Hals wehtäte. Niemand war davon ausgenommen, weil es im Satsang war, wo man seinen Halt im Yoga fand und herausfand, wo man Fehler machte und wie man sich wieder fangen konnte.

Im Satsang wurden die Schriften systematisch studiert - Swadhyaya. Swadhyaya wird unter Raja Yoga und Jnana Yoga eingestuft, aber es ist auch wichtig für Bhakti und Karma Yoga und für wohl jeden Zweig des Yoga. Swami Sivanandas Yoga war also im Grunde integraler Yoga. Aber warum muss man es integralen Yoga nennen? Yoga bedeutet Integration. Kein Yoga kann isoliert praktiziert werden und darum gibt es keine Spezialisierung. Man muss alle diese Yogas in sich selbst integrieren, man muss sich die besten Praktiken der Yogazweige und sein eigenes System entwickeln. Dann wird es zum Yoga. Besonders Swamijis Yoga oder Divine Life.

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