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Sadhana

Grundlagen des Sadhana


Voraussetzungen für spirituelles Sadhana
I

Ich werde hier über die wichtigsten Voraussetzungen sprechen, die notwendig sind, um das eigentliche Sadhana in Angriff zu nehmen. Alle Heiligen, Seher und Gottmenschen früherer Zeiten, die die Wahrheit intuitiv erfahren hatten, kündeten der ganzen Menschheit von der großartigen Wonne und ungeheuren Kraft und Weisheit, die erfahren werden könnten, würde sich der Mensch nur abwenden vom sinnlichen sündhaften Leben und nach höherem göttlichen Leben trachten. Und doch sehen wir heute, daß der Mensch genauso - wenn nicht noch mehr - in Weltlichkeit verstrickt ist, wie er das vor Jahrhunderten war, und der Zustand der Menschen hinsichtlich dieser Fragen nach einem Leben im Geist ebenso apathisch und lethargisch ist wie zu Beginn der Schöpfung. Wie kann es sein, daß er trotz des schallenden Rufes sehr vieler großer Seher, der festen Versicherungen der Schriften und der wiederholten Erfahrungen des Menschen selbst immer wieder kläglich scheitert, wenn er inmitten der äußeren physischen Welt Glück erlangen möchte und immer wieder getäuscht wird? Wie kann es sein, daß der Mensch noch immer nicht gelernt hat, sich auf Sadhana zu verlegen? Wir lesen hunderte spirituelle Bücher; wir hören Vorträge; wir veranstalten Treffen wie in der Sadhana Woche. Nach Jahren des intensiven Studiums spiritueller Bücher und des Kontaktes mit Heiligen, nachdem der Mensch diese Dinge immer wieder gehört hat, tut er aktiv noch immer nichts. Weil er kein tiefes und beständiges Vertrauen in die Aussagen der Heiligen, die Schriften und die Worte derer hat, die den Weg beschritten und Wonne erlangt haben. Sein Vertrauen zu äußeren Dingen ist für ihn realer. Würde der Mensch nur diesen Großen glauben, er würde sicherlich dazu gebracht, nach ihren Worten zu handeln. Es ist dieses grundlegende Fehlen von Glauben im Menschen, das die Wurzel dafür ist, daß es ihm nicht gelingt, Sadhana zu machen. Sadhana ist notwendig; aber der Mensch tut es nicht, denn er glaubt nicht wirklich an seine Notwendigkeit. Der Mensch glaubt, daß er zu seinem Glück Geld braucht. Der Mensch glaubt, daß er zu Geld kommt, wenn er nur einen guten Job bekommt. Der Mensch glaubt, daß er diesen Job bekommt, wenn er eine gute Ausbildung hat; und dadurch Geld; und dadurch das Glück, das er sich wünscht. Im Glauben daran schicken alle Eltern ihr Kind zur Schule, und von klein an wird ihm beigebracht, daran zu glauben, daß es, wenn es die Prüfung ordentlich besteht, einen guten Job bekommt, Lohn, Autos, usw. Das Kind glaubt den Worten; es lernt, besteht die Prüfung, und die Entlohnung, die es erwartet, trifft ein. Weil es das Gefühl hatte, weil es dachte, daß alle diese Dinge notwendig sind, wünschte es sie. Aber letztlich machen natürlich alle Menschen die unglückliche Erfahrung, daß dieses Glück, das sie erreichen, mit zehnmal mehr Kummer vermischt ist. Der Mensch bekommt ein Anna Glück und gemeinsam damit fünfzehn Annas Schmerz und Leid, mit dem er nicht gerechnet hatte, als er sich auf die Suche nach seinem Glück machte. Wenn der Mensch auf diese Weise an den spirituellen Handlungsverlauf glaubt, wird er danach handeln. Wenn ihm dieser Glaube fehlt, macht er kein Sadhana. Um das Sadhana aufzunehmen, wenn der Mensch wirklich diese Wonne zu erlangen wünscht, die nicht mit Leid vermischt ist, muß er fest im Glauben ruhen. Es könnte blinder Glaube genannt werden; es gibt aber keinen blinden Glauben, denn alles auf dieser Erde funktioniert nur durch Glauben, und wenn der Mensch heute lebt, dann ist es nur aufgrund gegenseitigen Vertrauens und Glaubens. Ein Zehn-Rupis-Schein ist ein Stück Papier, aber weil das Asoka Chakra Zeichen darauf ist, besorgt es dir sofort, was du willst, wenn du es auf dem Basar vorzeigst.

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Weil du an dieses Stück Papier glaubst. Hättest du kein Vertrauen zu diesem Papier, wärest du nicht einmal sicher genug, um das Haus zu verlassen; du wärest niemals sicher, daß du dein Ziel erreichst. Der Arzt gibt dir ein Rezept auf einem Stück Papier. Wenn du kein Vertrauen hast, nimmst du es nicht von ihm. Aber das Vertrauen, auf dem die ganze Gesellschaft begründet ist, läßt dich an sein Wort glauben, ihm Geld bezahlen für seinen Rat, es zum Apotheker bringen, die Medizin erhalten, und du wirst geheilt. Die gesamte gesellschaftliche Struktur und Ordnung, auf der die Menschheit reibungslos funktioniert, basiert auf Vertrauen und Glauben. Wenn du bereit bist, den Menschen zu vertrauen, die nichts anderes sind, als ein vergängliches Phänomen - diejenigen, denen du vertraust, sterben vor deinen Augen - wenn du bereit bist, diesen vergänglichen Wirklichkeiten zu vertrauen, wie den Menschen, warum vertraust du dann nicht dem eigentlichen Schöpfer all dieser Dinge? Nachdem du nun alles Vertrauen in die Worte der Seher hast und die Notwendigkeit von Sadhana erkanntest, was ist dann als nächstes zu tun? Du hast vielleicht Vertrauen. Tausende wohlwollende Personen schlagen vielleicht Vorgangsweisen zu deinem Besten vor, und vielleicht glaubst du ihnen voll und ganz. Wenn du sie nicht in die Praxis umsetzt - wenn du nicht beginnst, sie in Funktion zu setzen - werden sie für immer Pläne bleiben, die sich im Stadium des Entwurfs befinden. Wenn du dich nicht daran machst, Geld, Zement, Ziegel, diverse weitere Baumaterialien und Arbeitskräfte zu beschaffen, wird das ganze Gebäude nur ein Entwurf bleiben. Es wird nicht das Licht der Welt erblicken. Dem Vertrauen in das Sadhana folgt die Praxis. Du mußt dich daran machen, es zu tun. Kein Frage des Glaubens. Ein Glaube, muß eine Tat werden. Man muß sich daran machen, es zu tun. Nachdem Vertrauen in die Worte von Weisen gelegt wurde, beginnt man das Sadhana auszuführen. Sobald das Sadhana begonnen wurde, ist der nächste wichtige Punkt, der zu bedenken ist, daß es nicht einfach wieder aufgegeben wird. Ausdauer ist von größter Wichtigkeit. Alle Prozesse in dieser Welt erfolgen stufenweise. Sie haben Etappen. Die Landwirtschaft geht allmählich vor sich; sie braucht zwölf Monate. Man muß säen, das Feld gießen, Unkraut jäten, und im Laufe der Zeit wird das Getreide eingebracht werden können. Wenn man ungeduldig ist - wenn man den Samen sät, und sobald er zu keimen beginnt, auszieht - wird er absterben. Wenn man alle Phasen durchmachen und ans Ende gelangen möchte, muß man Geduld und Ausdauer haben. Ein Mann, der ein Gefäß aus dem Brunnenwasser heben will, wenn das Gefäß voll ist, beginnt, das Wasser auf dem Rad hochzuziehen; wenn er plötzlich aufhört zu ziehen, fällt das Gefäß in den Brunnen zurück. Er muß weiterziehen, bis das Gefäß oben ist. Durchhalten, bis die letzte Frucht eingebracht ist. Man darf nicht aufgeben. Es ist ein weiterer wichtiger Punkt, daß sich der Mensch im spirituellen Sadhana nicht bloß mit der positiven Kraft begnügen darf. Es gibt aktive Kräfte, die ihm entgegenstehen, die ihn tatsächlich angreifen und nach unten ziehen. Hier hat er nun die vierte wichtigen Waffe in der Hand - Standhaftigkeit. In seinem Streben muß der Mensch ein wenig Mut haben, um sich nicht leicht von den Hindernissen erschüttern zu lassen, die auf ihn einstürmen. Er muß dem Sturm standhalten und weitermachen trotz der Schwierigkeiten und widrigen Umstände, die versuchen, ihn einzuschüchtern und ihn vom Weg des Sadhana wegzustoßen. Er lehnt es mit Standhaftigkeit ab, sich entmutigen zu lassen, und indem er sich auf das innere Selbst verläßt, setzt er sein Sadhana fort. Letztlich wird er das Ideal erreichen, zu dessen Zweck er auf der Erde geboren wurde; und während er diesen Vorgang durchmacht, muß er darauf achten, daß er niemals aus den Augen verliert, daß es notwendig ist, allen kleinen Einzelheiten sehr genaue Aufmerksamkeit zu schenken, allen kleinen Details auf dem Weg, denn in jedem Prozeß muß diesen kleinen Details des Prozesses ganz genaue Beachtung zuteil werden. Wenn irgendeine kleine Einzelheit vergessen wird, in der Meinung sie sei überflüssig, wird man feststellen, daß man letztlich wertvolle Zeit und Mühe verloren hat.

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Das verzögert den Vorgang. Es ist die Anhäufung kleiner Dinge, die emporwachsen, um hohe Ideale

Deshalb muß mit festem Glauben, praktischer Anwendung, Ausdauer, sorgfältiger Aufmerksamkeit auch kleinen Details gegenüber und Standhaftigkeit in Prüfungen der Pfad des Sadhana begonnen und fortgesetzt werden.

II

Wenn wir über eine Frage nachdenken, müssen eine Anzahl verschiedener Aspekte derselben Frage in Betracht gezogen werden, wenn unsere Beschäftigung mit der Sache erschöpfend sein soll. Normalerweise wird die Betonung auf einen der Aspekte gelegt und andere werden vernachlässigt, denn entsprechend der jeweiligen Veranlagung derer, die das Thema in Angriff nehmen, werden verschiedene Aspekte verschieden betont. Natürlich, so viele Rishis haben sich im allgemeinen mit dem Leben beschäftigt - dem menschlichen Leben - was es ausmacht, wie unbeständig es ist, wie sein wahres Ziel das Erreichen von Selbstverwirklichung oder Gottesschau ist, und haben nun, zum Beispiel, den Name Gottes als Mittel genommen, um dieses Ziel zu erreichen, oder Patanjali Maharishi hat gesagt, daß Yama, Niyama, Shama, Dama, usw. zu üben sind, wie die Mauern von Yama, Niyama und die Tore und Fenster von Shama und Dama aufgebaut werden müssen, um das Gebäude der Unsterblichkeit zu errichten. Man kann nichts sein eigen nennen; überall ist das Leben unbeständig; es herrscht Unsicherheit. Nun sind all das Aspekte; aber dann haben sie nur die Problemseite des Themas dargestellt. Es gibt auch den Lösungsaspekt, und auch hier ist die Theorie der Lösung ein Unteraspekt davon und die Praxis der Lösung ist wieder ein weiterer Unteraspekt. Wenn es um das Leben geht, nehmen wir es als das Problem des Lebens, das ist Sorge, Leiden, Schmerz, und die Möglichkeit, sie zu beseitigen, und wir müssen die Lösung in Betracht ziehen, die einzelnen Methoden von Satsang berühren, Seinen Namen nehmen, Shama, Dama und Dharana. Im Lösungsaspekt liegt die Theorie der Lösung; aber als spirituelle Schüler, als ernsthaft Suchende, so wie ihr alle es seid, wünscht man die praktische Seite des Lösungsaspekts mehr als alles andere. Es gibt die beiden Aspekte. Bei den Büchern zum Beispiel, gibt es das Buch das sagt, wenn du dieses oder jenes Problem hast, kann es geheilt werden durch Verabreichung dieser oder jener Medizin. Das ist so als sagte man: „Vikshepa kann durch Japa und Upasana beseitigt werden.“ Aber dann gibt es ein anderes Buch, das sagt - wenn du diese Krankheit hast, beschaffe dir so und so viele Tolas von diesem Medikament, reinige es auf diese und jene Weise, mische es in diesem Verhältnis, erhitze es, lasse es so und so viele Minuten auf dem Feuer, vermische es mit diesem und jenem - der detaillierte Vorgang der Lösung wird gegeben, so daß jeder, der es liest, sofort danach handeln kann. Die Information ist anders, und die vollständige Erklärung des Details ist anders. Da nun gesagt wurde, daß dieser praktische Aspekt des Problems für ernsthaft Suchende von größter Wichtigkeit ist, werde ich euch ein oder zwei Punkte vor Augen führen, die sich als überaus nützliche Behelfe herausgestellt haben, um diese Lösung in die Praxis umzusetzen. Wenn man tatsächlich mit dem Sadhana beginnt, stellt man fest, daß verschiedene praktische Schwierigkeiten auftauchen. Wenn man die Zutaten hat, wenn man sie zermahlt und feststellt, daß sie sich nicht ordentlich vermischen, wenn man tatsächlich bestimmte Dinge tut, stellen sich praktische Schwierigkeiten ein. Diesen praktischen Schwierigkeiten muß sofort begegnet werden. Wenn wir also so den Aspekt des Sadhana betrachten, finden wir eine große Schwierigkeit  für Suchende: sie haben mehr mit inneren als mit äußeren Kräften zu ringen. So stellen wir zum Beispiel fest, daß bestimmte äußere Umstände bestimmte Krankheiten verursache

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Wir beseitigen die äußeren Umstände mit äußeren Kräften - wir reinigen den Rinnstein; wir besprühen den Abfluß mit einer Anti Moskito Lösung; wir verbrennen die Abfälle; wir desinfizieren das Wasser; wir impfen die Menschen mit Anti Cholera Serum; und wir besiegen die Krankheit. Aber hier sind die meisten Kräfte, mit denen man zu ringen hat, geistige. So ist also die große Schwierigkeit, daß wir nicht einfach auf äußere Hilfsmittel zurückgreifen können, um diese Feinde ständig im Auge zu haben, wie das Hygieneinstitut zum Beispiel, und sie rufen, wenn sie auftauchen. Daher muß während der Ausführung dieser spirituellen Praktiken, wie der Verwendung von Gottes Namen oder dem Entwickeln von Tugenden, ein geistiger Überwachungsschirm entwickelt werden; ein Teil des Geistes muß darin geschult werden als stets wachsamer Lenker zu handeln. Plötzlich taucht eine störende Kraft auf; ein schlechter Gedanke, eine antispirituelle Kraft; alles, was dem Sadhana abträglich ist, taucht auf dem geistigen Feld auf; dieser geistige Überwachungsschirm muß so ausgebildet werden, daß er den Störfaktor sofort aufspüren und niederwerfen kann. Das kann nur durch emsige Pflege und Übung erfolgen. Der Geist ist so schlecht, daß jedesmal, wenn man ihn wendet oder in eine bestimmte Richtung lenkt, die alten Samskaras und Vrittis ständig störend wirken. Daher muß er auf strenge Weise niedergeworfen werden. Wir müssen einen geistigen Aufpasser zur Stelle haben - der sofort die antispirituelle Kraft aufspürt, die sich in ihm erhebt. Wenn dieser geistige Schutzschirm bewahrt wird, wird der Prozeß des Sadhana reibungsloser sein; er wird sehr erleichtert werden. Das ist, wie wenn man durch tiefes Wasser fährt. Dieses Schiff des Suchenden ist wie das Schiff, das sich in feindlichen Gewässern bewegt, die übersät sind mit Wasserbomben und Minen. Diese Minen befinden sich unter der Wasseroberfläche; sie sind sehr starke zerstörerische Waffen.

Wir haben gehört, daß die Deutschen zu Kriegsbeginn Magnetminen verwendet haben. Das feindliche Schiff  hat sie sofort angezogen, da es eine Metallkonstruktion ist - die Mine wird davon angezogen, und das Schiff wird zerstört. Es gibt zahllose Magnetminen in diesem tiefen Ozean von Samsara, durch den wir unser Schiff steuern müssen. Dafür ist die einzige Methode, die als Vorsichtsmaßnahme angewandt werden muß, das, was mit der Magnetmine gemacht wurde. Man tat folgendes - es wurde eine Methode entwickelt, um das Schiff vollständig zu isolieren, was es sicher gegenüber den Magnetminen machte. Diese Isolierung machte die Magnetmine nutzlos. Sie wurde nicht angezogen, auch wenn sie da war, und auch wenn das Schiff nahe daran vorbei fuhr. Während wir also auf dem Sadhanapfad gehen, müssen wir darauf achten, daß wir gut isoliert sind mit der Isolierung von Bemühen und Gottvertrauen. Wenn die Bemühung ständig nach oben geht, werden diese Kräfte nicht angezogen werden können. Nur wenn die Bemühung nicht nach oben gerichtet ist, wenn du dich noch auf dem Niveau der Sinnenfreuden und Wünsche befindest, werden die Sinnesobjekte leicht von dir angezogen, und die Sinnesobjekte zerstören den spirituellen Fortschritt, den du zu machen versuchst. Nach der Isolierung muß eine weitere Vorkehrung getroffen werden. Wir müssen dieses Ideal zum Hauptanliegen unseres Lebens machen. Der Suchende hat vielleicht hunderte Interessen je nach der Position, in der er sich befindet, seinen familiären Umständen, der Gesellschaft, und Umgebung; wenn er jedoch das tut, was die Militärexperten tun - angenommen, sie wollten die Richtung eines bestimmten Geräts - sagen wir ein Torpedo, eine Raketenbombe, - auf ein bestimmtes Ziel hin steuern, wird der Kurs vor dem Start abgesteckt. In welchen Lebensumständen sich die Suchenden also auch befinden mögen, was sie von Beruf sind, in welcher Gesellschaft sie sind, in welchen familiären Umständen, bei Gott, möge der Hautzweck ihres Lebens als Moksha festgelegt sein, um Selbstverwirklichung zu erreichen; so mögen sie dieses Ideal festsetzen, diesen Gedanken so stark in ihrem Geist einprägen und Tag und Nacht daran denken, so wie an das Stellen des Kompaß in dieser Maschine.

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Sie werden sehen, daß, auch wenn ab und an Höhen und Tiefen auftreten mögen, es sich dabei um vorübergehende Hindernisse auf dem Flug auf diesem Kurs handelt, bedingt durch übermächtige äußere Umstände, und daß der, der in seinem Ideal fest ist und ständig daran denkt, von den Wechselfällen des Lebens auf seinem Marsch dem Ziel entgegen nicht erschüttert wird. Auf unserem Weg dem Ziel entgegen müssen wir doch den gesamten Prozeß überblicken, wenn wir uns auch gegen äußere Kräfte isoliert haben. Der Mensch muß sich ständig im Bereich von Aktivität aufhalten. Weil die Umstände danach sind. Der Mensch muß tätig sein. Im Laufe des Tätigseins hat der menschliche Geist die natürliche Tendenz, die Färbung des Dinges anzunehmen, mit dem er in Berührung kommt - ein Mensch, der sich in einem rauchigen Raum aufhält, wird vom Rauch in Mitleidenschaft gezogen. Seine Kleider werden schwarz. Es gibt aber etwas: auch wenn die Ströme von Raga Dvesha den Menschen beeinflussen, sehen wir doch, daß es eine konstante Kraft gibt, die unsere innere Befindlichkeit stets göttlich, ausgewogen und spirituell bleiben läßt; die Handlungen sind da, und die Kräfte wirken auf dich, aber du mußt die Technik entwickeln, die verhindert, daß du darauf reagierst. Wenn der Mensch auf das Wirken äußerer Kräfte reagiert, irrt er. Daher kommt es zu Schwierigkeiten. Mit der Geschwindigkeit eines Maschinengewehres wird in Sekundenbruchteilen eine unglaubliche Anzahl von Schüssen abgefeuert, und die Trommel wird schrecklich heiß. Wäre da nicht eine Vorrichtung, um die Temperatur der Trommel niedrig zu halten, würde das Maschinengewehr sofort schmelzen.

Die Technik der Kriegführung wurde perfektioniert - ein Fluß von kühlendem Öl zirkuliert um die Trommel herum, und die Temperatur des Maschinengewehrs wird niedrig gehalten. Wenn wir mit Raga, Dvesha, Lust, Zorn und Gier in Berührung kommen, müssen wir darauf achten, daß die Reibung uns nicht entzündet. Wir müssen immer den kühlenden Balsam von Bhagavans göttlichem Namen bereithalten und an Ihn denken. Mögen wir diesen kühlenden Balsam immer bei uns haben. So wird er unser Wesen kühl halten. Er wird verhindern, daß sich unser Wesen erhitzt. Er wird darauf achten, daß wir stets unser spirituelles Gleichgewicht bewahren. Wenn im Menschen gewisse verwerfliche Züge vorliegen, denen er nicht entkommen kann, verkehre er sie durch eine einfache Technik der Umwandlung zu seinem eigenen Nutzen. Im Krieg wurden Kriegsgefangene gemacht; sie waren Feinde; sobald sie aber in Gefangenschaft geraten waren, mußten sie für uns arbeiten, um die Soldaten der Nation fit zu halten. Sie wurden verändert zum Nutzen der siegreichen Nation. Nörgelei liegt in unserem Wesen. Nirgendwo sehen wir das Gute. Wir versuchen stets, Mängel aufzuspüren. Das ist ein großer Fehler in spirituell Suchenden; es verzögert den spirituellen Fortschritt. Aber  diese Praxis ist da. Nehmen wir an, der spirituell Suchende hat sie, so braucht er sich deswegen nicht besonders zu grämen. Nehmen wir an, er kehrt diese Technik gegen sich selbst, so wird er sehen, daß seine Technik weit davon entfernt ist, ein Feind zu sein, und zum Freund wird. Er wird keine Zeit haben, über die Fehler anderer nachzudenken. Er wird betäubt sein durch die Auseinandersetzung mit seinen eigenen Fehlern. Dann wird ihm bereits ein Senfkorn guten Willens in die Augen springen, wenn er den Vergleich mit sich selbst zieht, der voller Fehler und Unzulänglichkeiten ist; er wird bei anderen schon Kleinigkeiten als Tugend feststelle

Drei Faktoren, die das Sadhana bestimmen

Auch nach dem Studium klassischer Werke über Religion und Philosophie wissen viele Menschen nicht, was sie praktisch tun können, um das Ziel des Lebens, nämlich Gottverwirklichung, zu erlangen, und sie suchen Aufklärung darüber. Die drei wesentlichen Dinge, um Gott zu verwirklichen, sind: 1) Ständiges Denken an Gott, 2) Entwickeln von Tugenden und 3) Spiritualisieren aller Aktivitäten.

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1) Ständiges Denken an Gott: Im Anfang kann es Unterbrechungen geben, aber durch fortgesetztes Üben kann man ständiges Denken bewirken. Für die meisten Menschen ist nur fortgesetztes Namasmaran, das geistige Wiederholen von Gottes Namen, möglich. Das Erwecken der Kundalini und das Entstehenlassen von Brahmakara Vritti sind sehr sehr schwierig, ist der Geist jedoch gereinigt, kommen sie automatisch.

2) Entwickeln von Tugenden: Von allen Tugenden sind Ahimsa (Gewaltlosigkeit), Satya (Wahrhaftigkeit) und Brahmacharya (Enthaltsamkeit) die wichtigsten. Wenn ein Mensch in einer Tugend fest ist, werden sich alle anderen Tugenden an ihn heften. Beobachte die Vrittis. Halte Innenschau. Entwickle Reinheit in Gedanke, Wort und Tat. Pflege zu Beginn wenigstens physische Reinheit. Dann wird geistige Reinheit von selbst kommen.

3) Spiritualisieren aller Aktivitäten: Spüre, daß du ein Werkzeug in den Händen des Herrn bist, und daß alle Indriyas (Sinne) Ihm gehören. Wiederhole die Formel: „Ich bin Dein; alles ist Dein; Dein Wille geschehe.“ Das ist eine wunderbare Formel zur Selbstaufgabe. Vielleicht vergißt du die Formel, und Ichdenken kann sich breitmachen. Halte jedoch immer und immer wieder Innenschau und finde deine Schwäche heraus. Versuche, in dem Gefühl fest zu werden: „Ich bin ein Werkzeug in den Händen des Herrn.“ Denke an den Vers aus der Gita:

Selbstaufgabe

Yat karoshi yadasnasi yajjuhoshi dadasi yat

Yat tapasyasi kaunteya tat kurushwa madarpanam

(Alles, was du tust, oder ißt, oder opferst oder gibst, oder als Askese übst, tue es als Opfergabe an Mich.)

Praseeda devesha jagannivasa: „Oh Gott der Götter! Zuflucht der Welt, habe Erbarmen.“ Das ist eine Formel, die stärker ist, oder genauso stark, wie pahi mam, palaya mam, prachodayat - das alles sind herrliche Formeln. Sie sind sehr stark. So denke immer wieder an sie und an ihre Bedeutung.

Sri Ramah saranam mama, Sri Krishna saranam mama, Harih saranam - das sind starke Saranagati Mantras. Saranagati bedeutet Zuflucht suchen im Herrn, sich Ihm überlassen.

Karpanyadoshopahataswabhavah Prichchhami tvam dharmasammudhachetah,

Yat sreyah syat nischitam bruhi tanme

Sishyasteham sadhi mam tvam prapannam. (Gita, Kap.II-7)

(Mein Herz ist überwältigt vom Makel der Schwäche; mein Geist ist verwirrt hinsichtlich meiner Pflicht. Ich frage Dich. Sage mir eindeutig, was für mich gut ist. Ich bin Dein Schüler. Lehre mich, der ich bei Dir Zuflucht gesucht habe.) Das ist ein Satguru-Saranagati Mantra.

Sarvadharman parityajya mamekam saranam vraja

Aham tva sarvapapebhyo mokshayishyami ma suchah.

Werkzeug sein

Yasya nahamkrito bhavo buddhiryasya na lipyate,

Hatvapi sa iman lokan na hanti na nibadhyate (Gita, Kap. XVIII-17)

(Wer kein Ichdenken hat, wessen Intelligenz nicht befleckt ist von [der fixen Idee] von Gut und Böse, auch wenn er die ganze Welt umbringt, tötet nicht und wird von der Handlung auch nicht gebunden.)

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Dies sagte Krishna zu Arjuna, als dieser vom Kampf zurückschreckte, zu dem er als Soldat verpflichtet war, als der Angreifer ihn herausforderte.

Denke an diese Slokas. Dann hast du den Geist von Saranagati. Du wirst spüren, daß der Herr in dir ist und du im Herrn bist.

Nach der Arbeit des Tages opfere alles, was du getan hast, Gott. Identifiziere dich nicht mit Handlungen. Spüre, daß du deine Pflicht tust als verhaftungsloses Werkzeug der Güte des Herrn.

Kayena vacha manasendriyairva Buddhyatmana va prakritessvabhavat,

Karomi yadyat sakalam parasmai Narayanayeti samarpayami.

Opfere alle Handlungen und deren Früchte Gott. Dann wirst du nicht gebunden sein. Auf diese Weise spiritualisiere all dein Tun. Fühle, daß die ganze Welt eine Manifestation des Herrn ist, und du dienst dem Herrn in allen Namen und Formen, und alles, was du tust - deine Handlungen und deren Ergebnisse, weihe es dem Herrn. Dann wird dein Herz rein werden und bereit zum Empfang von göttlichem Licht und Gnade.

Die sicherste Methode

Praktiziere daher die drei Voraussetzungen - ständiges Denken an Gott, Spiritualisieren aller Aktivitäten und Entwicklung von Tugenden.

Diese drei sind sehr wichtig. Praktiziere sie. Das ist die einfachste, rascheste und sicherste Methode, um Gottverwirklichung zu erlangen.

Esha sarveshu bhuteshu goodhatma na prakashate,

Drishyate twagryaya buddhya sookshmaya sookshmadarsibhih.

(Dieser Atman verbirgt sich in allen Wesen, aber nur feinsinnig Sehende nehmen ihn mit ihrem scharfen und feinen Verstand wahr.)

Der Verstand muß scharf sein wie ein Rasiermesser, wenn man die Brahma Sutras richtig verstehen will. Nicht jeder ist dazu ausersehen. Auch dann ist praktische Erfahrung wesentlich. Daher sind, für die allermeisten, das ständige Denken an den Herrn, das Spiritualisieren der Aktivitäten und das Entwickeln von Tugenden - Ahimsa, Satya, Brahmacharya - der wichtigste Teil im Sadhana. Sie bilden auch den edlen achtfachen Pfad des Buddha

Die primären Prinzipien des Sadhana und deren Verdrehung

Der Weg des spirituell Suchenden führt wahrlich durch einen verwirrenden Dschungel von Schwierigkeiten und Zwangslagen von Problemen und Paradoxa. Eines dieser ärgerlichen Paradoxa ist, daß der Geist sowohl der beste Freund als auch der erbittertste Feind ist. Der Geist wird erst zum wahren Freund, nachdem er allmählich geschult worden ist, es zu sein. Der Geist beginnt, wirklich hilfreich zu werden, nachdem der Suchende ausreichende Fortschritte im spirituellen Sadhana gemacht hat. Bis dahin muß er als störender und heimtückischer Feind in unserem Inneren gesehen werden. Er ist überaus diplomatisch, verschlagen und gemein. Er ist ein Erzbetrüger. Eines der Glanzstücke der Listigkeit des Geistes ist es, den Suchenden fühlen und sich selbstzufrieden einbilden zu lassen, daß er seinen Geist vollständig kennt und von ihm nicht in die Irre geführt werden kann, um ihn gleichzeitig total zu täuschen. Der Geist kennt den Trick, den unachtsamen Sucher vertrauensvoll denken zu lassen, er sei sein Meister, während er ihn zum hoffnungslosen Narren macht. Seine Täuschungen sind raffiniert.

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Man kennt das Sprichwort: „Der Teufel legt die Schriften zu seinen Gunsten aus.“ Genauso kann der Geist eine Tugend benutzen, um einem Laster nachzugeben. Der Hang zum Verdrehen liegt in ihm. Er vermag ein vollkommen gutes Prinzip zur Unterstützung heranzuziehen, um die gewissenloseste Art von Handlung scheinbar zu rechtfertigen. Wenn er nicht verhaftungslos durchleuchtet wird, werden seine Tricks niemals vollständig durchschaut.

Einige der Verdrehungen, die normalerweise zu bemerken sind, werden in der Folge beschrieben. Das ist wertvoll für ernsthaft Suchende, die ihren Geist erforschen und Mängel und Unzulänglichkeiten daraus beseitigen wollen. Es sind äußerst hilfreiche Tips, im speziellen für Suchende im Arbeitsbereich, die mit aktivem Seva inmitten anderer Menschen beschäftigt sind.

Den Sadhakas wird gesagt: „Bewahre Matri Bhava oder Devi Bhava, wenn du  dich in Gesellschaft von Frauen befindest.“ Das ist ein großes Prinzip, um die Reinheit und den spirituellen Fortschritt zu schützen. Es heißt aber nicht: „Suche die Gesellschaft von Frauen.“ Dieser Rat will auch nicht besagen, daß man frei und ohne jede Schranke und Begrenzung mit dem anderen Geschlecht Umgang haben kann, wenn man versucht, diese Einstellung zu haben. Dann fragt der Geist: „Warum nicht? Was ist, wenn ich es tue? Ist es nicht nur Furchtsamkeit, ihre Gegenwart zu meiden? Fürchte nichts, wenn du es mit Devi Bhava tust!“ Vorsicht, Oh Suchender, hüte dich vor dieser Tendenz! Göttliches Bhava ist kein Freischein, um alle Beschränkungen auf dem Weg des Sadhakas abzuwerfen. Die ständige Anweisung für Sadhakas ist, jeden Kontakt mit dem anderen Geschlecht vollständig zu vermeiden. Wenn ein solcher Kontakt unvermeidlich wird, dann: „Habe Matri Bhava; habe Devi Bhava.“, usw., so lautet die Anweisung. Dies soll den Suchenden auch davor warnen, Frauen zu hassen oder zum Frauenfeind zu werden. Man erweist Frauen Verehrung, aber aus sicherer Distanz. Devi Bhava usw. dürfen nicht so verstanden werden, daß man die ganze Zeit mit ihnen zusammen sein sollte. Sei auf der Hut vor deinem Geist!

Ein weiterer Ratschlag lautet: „Du kannst zischen, aber nicht beißen.“ Dieser Rat für ihre Sicherheit wurde in der Fabel einer Schlange gegeben, die durch ein übersteigertes Maß an Mitleid so völlig zahm und harmlos geworden war, daß sie von einer Gruppe mutwilliger Lausejungen stark mißhandelt wurde. Er wurde zu vorsichtigen Familienvätern und Menschen als Beispiel gegeben, die sich inmitten der rauhen Wirklichkeiten des wettbewerbsbetonten ›Vyavaharischen‹ Lebens befinden. Hier könnte ein Übermaß an ›Avanti-Brahmanischer‹ Demut das Leben unmöglich machen, inmitten der asurischen Elemente, die es in der Welt gibt. So kann eine nach außen gezeigte Kampflust soweit gutgeheißen werden, als sie der grundlegenden Güte und Brüderlichkeit keinen Abbruch tut. Aber diese Diplomatie gilt nicht für den spirituell Suchenden auf dem Weg von Sadhana und Nivritti. Sicher nicht. Mögen Suchende diese Worte beachten. Der Sadhak hat nicht zu ›beißen‹, er hat nicht einmal zu ›zischen‹. Diese Sache mit dem ›Zischen‹ wird einem bald zur Natur. Bald zischt man wegen allem, zu allem, zu jedem, jederzeit. Dieses Zischen umfaßt dann auch jede Art von Unfreundlichkeit, von der hitzigen Debatte, scharfen Erwiderung und knappen Antwort bis zum zornigen Schreien, Brüllen und zur Beleidigung. So wird in Ermangelung von physischer Gewalt und Kampf jede Art von verbaler Gewalttätigkeit in diese Kategorie des „Zischens“ fallen. Das führt letztlich zum spirituellen Niedergang. Der Geist wartet nur darauf, das geringste Zugeständnis auszunutzen, das ihm gemacht wird. Seine natürliche Tendenz geht nach unten. Oh Suchender, beiße nicht und ›zische‹ nicht einmal. Sei demütig, sei sanft, sei freundlich. Sei fest, aber sei höflich und zuvorkommend. Wenn du ›zischen‹ willst, ›zische‹ deinen eigenen Geist an. Wirf das Ego zu Boden. Kämpfe gegen Shadripus. Sei auf der Hut vor deinem Geist!

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Ein weiteres Opfer der Verdrehung ist der Ratschlag: „Sei entschlossen. Halte dich an deine Prinzipien. Weiche keinen Millimeter ab.“ - Der bestmögliche Rat für einen ernsthaften Sadhaka, unglücklicherweise aber häufig zur Basis für den allerschlimmsten Charakterzug, Sturheit, gemacht. Das ist ein tamasiger Wesenszug. Aber der Geist macht glauben, daß Atma Bala manifestiert wird, göttliche Entschlossenheit. So arbeitet er - damit er sich fest an sein Ego klammern kann. Daraus entsteht die Täuschung. Aber der sorgsame Suchende muß den Unterschied erkennen zwischen sattvigem Nishta und bloßer Eigensinnigkeit. Atma Bala ist keine billige Ware, die man ohne ein großes Maß an ernsthaftem Bemühen, Disziplin und Pflege der Willenskraft erhalten kann. Ein entschlossenes Festhalten wird befürwortet, wenn es um wirklich hohe und edle Prinzipien geht, nicht bei selbst entwickelten Vorstellungen. Bleibe um jeden Preis bei spirituellen yogischen Niyamas, vermeide es aber, halsstarrig zu werden. Lasse dich nicht täuschen. Sei auf der Hut vor deinem Geist!

„Sprich immer die Wahrheit. Sei aufrichtig.“ So lautet das Upadesh. Das heißt, daß, wenn gesprochen werden muß, man nur die Wahrheit sagen darf. Es bedeutet nicht im geringsten, daß man herumgehen und jedem ins Gesicht sagen soll, was genau man von ihm oder von ihr hält. Dieses Verhalten ist ungerechtfertigt. Unter dem Deckmantel der Offenheit seine Meinung frei zu sagen, ohne sich um die Gefühle der Menschen zu kümmern, ist nicht ›Arjava‹, Offenheit oder Aufrichtigkeit. Im geringsten Fall ist es Gedankenlosigkeit; auf seinem Höhepunkt ist es reine Brutalität. Es stellt einem Suchenden kein gutes Zeugnis aus. Derselbe Lehrer, der dir sagt: „Sprich die Wahrheit; sei aufrichtig!“, sagt dir auch, daß du „Mita Bhashana, Madhura Bhashana“ haben mußt, eine gemäßigte und sanfte Sprache. Der Geist kann sogar bewirken, daß Offenheit verwendet wird, um eine sanfte Beleidigung auszudrücken. Eine unerfreuliche Wahrheit bleibt besser ungesagt. Wenn es unbedingt notwendig und unvermeidlich ist, sage es sanft und bescheiden. „Die Gefühle anderer nicht zu verletzen oder zu kränken“ ist ebenso wichtig, wie die Wahrheit zu sagen. Satya und Ahimsa müssen Hand in Hand gehen. Erforsche dich. Sei auf der Hut vor deinem Geist!

Dann ist da der Gemeinplatz: „Vairagya ist in Wahrheit ein geistiger Zustand, geistige Verhaftungslosigkeit.“ Der Geist ergreift diese Definition, um sorglos ein sinnliches Leben zu führen, ohne Selbstbeherrschung oder Prinzip. Das Argument ist immer: „Oh! Ich bin an all das nicht verhaftet. Ich kann mich darüber in jedem Augenblick erheben. Ich genieße es als Meister. Geistig bin ich unverhaftet.“ Kontakt mit Vishayas hat sogar Tapasvins wie Vishwamitra zu Fall gebracht. Daher nimm Vairagya nicht leicht. Pflege Vairagya sorgfältig. Schütze dein Vairagya sorgsam. Sei wachsam. Sei auf der Hut vor deinem Geist!

Die Ermahnung, im Tapyasa nicht in Extreme zu gehen, erleidet ein ähnliches Schicksal. Der Mensch ist von Natur her sinnlich. Der Geist wünscht Bequemlichkeit und haßt Askese. Der nicht unterscheidende Suchende ignoriert opportunerweise das beschreibende Adjektiv „extreme“ in der oben zitierten Ermahnung und begegnet jedem ›Tapasya‹ mit Ablehnung. Daraus resultiert die Degeneration in Luxus, der Verlust auch eines Minimums an Titiksha, und er wird Sklave von Hunderten von Bedürfnissen. Die Warnung bezieht sich auf törichte Extreme, aber für einen Sadhaka im Anfangsstadium ist ein gewisses Maß an Askese für seine Entwicklung unerläßlich. Der Geist bietet so viele Rechtfertigungen an. Er zieht die Gita heran und zeigt, daß der Herr Tapas verurteilt hat. Oh Suchender, der Herr verurteilte ›Tamasiges Tapas‹. Er empfahl sattvige Askese von Körper, Sprache und Geist. Überlege sorgfältig. Sei auf der Hut vor deinem Geist!

„Beschäftige dich mit dem Wesentlichen. Achte nicht zu sehr auf Unwesentliches“. Auch das dient dem Geist als Gelegenheit, um den Suchenden zu täuschen. Wenn man diesem Rat folgen muß, muß man zuerst zu verstehen versuchen, was wesentlich und was unwesentlich ist.

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Die träge Natur des Menschen folgt mit Widerwillen jeglichem Niyama und den Richtlinien von Sadachara. Daher wird alles mit einem Streich als ›unwesentlich‹ weggewischt. Was dann übrigbleibt, weiß nur Gott. Das einzig ›Wesentliche‹ scheint das zu sein, was der Geist mag. Der Sadhak muß bedenken, was eine spirituelle Anweisung wirklich bedeutet, und dann, warum sie gegeben wird. Und dann hängt es wesentlich und unwesentlich von der Entwicklungsstufe des spirituell Suchenden ab. Was für den Suchenden in einer späteren Phase nicht notwendig ist, kann jetzt für ihn ganz wesentlich sein. Wirf nicht wertvolles Korn mit dem Stroh weg. Sei auf der Hut vor deinem Geist!

Schließlich steht die gefährlichste Täuschung, die der Geist spielt, in Beziehung mit dem Sadhana selbst. Das tatsächliche Sadhana, das der Suchende verwendet, um sein Leben umzugestalten und es göttlich zu machen, wird verkehrt zu einer Krücke und zu einem Feld, wo Ego und Sinne spielen können. Es ist sehr schwierig, dieses fesselnde Netz zu durchbrechen, wenn nicht große Ernsthaftigkeit und ehrliches Bemühen vorhanden sind. Eben dieses Sadhana ›nagelt‹ den Sadhaka sozusagen auf dem Weg fest, und der Fortschritt wird für Jahre angehalten. Der jugendliche Sadhaka mit schöner Stimme und musikalischem Talent wählt zum Beispiel Kirtan und Bhajan zu seinem Sadhana - Kunst zieht stets Bewunderer an. Er ist gefragt in allen erfolgversprechenden Funktionen. Er wird bekannt in den Satsangs. Nun wirft der raffinierte Geist das Netz. Der Kirtan wird von Tag zu Tag lieblicher. Neue Lieder und Melodien werden dem musikalischen Repertoire hinzugefügt. Ohne daß er es bemerkt hätte, ist Kirtan zu einem Mittel geworden, um andere anzuziehen und Popularität zu erlangen. So bekommt das Sadhana eine doppelte Bedeutung - in erster Linie für den Darshan Gottes und parallel dazu für die weltliche Anziehung. Das Ergebnis ist das außerordentliche Phänomen, daß sich der Sadhaka in seinem Sadhana verfängt, und die Eigenschaft des Sadhana wird Mochana anstatt Bandhana. Die Maya ist wundervoll, unbeschreiblich. Ihre Wege sind geheimnisvoll und undurchschaubar.

Zum Beispiel Nishkamya Karma Yoga. Anderen ohne Entgelt zu dienen und zu helfen ist etwas Unerhörtes in dieser rein vyavaharischen Welt. Natürlich wird der uneigennützige Sevak als ein außergewöhnliches Wesen betrachtet. Alle Türen stehen im offen. Viele kommen mit ihren Sorgen zu ihm, öffnen ihre Herzen und vertrauen ihm freizügig sogar sehr persönliche Probleme an. Sie nehmen es, natürlich, als selbstverständlich an, daß der spirituell Suchende in jeder Hinsicht vollkommen rein ist. Hier bewegt sich der Sadhak auf der ›Messerschneide‹ des Lebens. Eitelkeit und Weltlichkeit werden mitgeliefert, und der Suchende scheint eifriges Interesse an Nishkama Seva zu haben. Aber eine gründliche Erforschung des Geistes wird zeigen, daß der Eifer und das Interesse für Karma Yoga Seva in selbem Maße der Selbstbefriedigung gilt, die aus dem Seva gezogen werden kann, wie dem Seva selbst. So zerstört der Geist das Sadhana.

Suchende, die Titiksha üben, bleiben sehr oft aus ähnlichen unterbewußten Gründen an Titiksha kleben. Seine Dauerhaftigkeit bringt ihm Ruhm ein. Er wird als außergewöhnlich angesehen. Sogar nachdem das Titiksha Sadhana seinen Zweck erfüllt hat, wird er es fortsetzen, um den Status zu bewahren, den es ihm gegeben hat. Ein anderer Sadhak wird im Eindruck, gleichgültig zu sein gegenüber Körper und Bedürfnissen, sogar vergessen, sich zu rasieren. Das geschieht im Anfang ganz ehrlich und in gutem Glauben. Aber das lange Haar und der Bart, die die Folge dieses ›Udaseenata‹ sind, geben der Maya das Mittel in die Hand, um den Suchenden zu erfassen. Er wird feststellen, daß ihn das Haar schöner macht. Mit Widerwillen trennt er sich davon. So wird das ehemalige „Udaseenata“ dadurch ersetzt, daß er das Haar sorgfältig kämmt, ölt, in den Spiegel schielt, sich so kleidet, daß es zur Haartracht paßt, neue Manierismen, usw.

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So fällt im Handumdrehen die Täuschung über dich her und überwältigt dich wie der Tiger seine Beute. Ebenso werden Hatha Yoga Übungen mißbraucht, um Gefräßigkeit zu unterstützen; Vajroli wird verwendet für Vyabhichara, und Yoga wird dazu gebracht, Bhoga zu dienen. All diese Verkehrungen entstehen aus dem Übermut des nicht erneuerten Geistes. Deshalb hüte dich vor dem Geist.

Das Außergewöhnlichste an all dem ist, daß der Geist nicht zulassen wird, daß die genannten Lektionen ernst genommen werden. Er wird weiterhin sagen: „Oh, du bist schon in Ordnung. Das gilt nicht für dich. Mache weiter wie du bist.“ Oh Suchender, höre nicht auf ihn. Arbeite nicht mit dem Schurken zusammen. Nimm dir die Lektionen zu Herzen.

Es ist sehr schwierig, zu erkennen, wo genau man sich auf dem Weg befindet. Die Tricks des Geistes sind überaus raffiniert. Nur ständiges Vichar hält dich aufmerksam und in Sicherheit. Nur tiefe Innenschau kann ein wenig das geheimnisvolle Arbeiten des Geistes enthüllen. Sei nicht nachsichtig mit dem Geist. Der Geist wird versuchen, mit dir Kompromisse zu schließen. Mache unerbittlich seine versteckten Motive ausfindig. Unterwirf dich unbedingt täglich einer strengen Selbstanalyse. Vertreibe in diesem Prozeß alle Empfindungen. Werde intelligent, seriös und ernsthaft - C.I.D. Setze die ununterbrochene Suche und eindringliche innere Erforschung fort. Lege den Geist auf den Seziertisch von Vichar. Bete um die Gnade des Guru, der allein in der Lage ist, den Geist niederzuwerfen, und dir ermöglicht, ihn zu beherrschen. Bete zum Herrn, daß Er deinen Verstand mit dem Licht der Erkenntnis erleuchtet. Beobachte den Geist. Beobachte und bete. Nur so, durch Innenschau, Analyse, Unterscheidung, Wachsamkeit und Gebet kannst du die raffinierte Gaukelei dieses wunderbaren Dings verstehen, das ›Geist‹ genannt wird, und über seine Täuschungen und Tricks hinausgehen.

Abhyasa: die erste Phase des Sadhana

Abhyasa, Üben, ist die Bemühung, Festigkeit in den Modifikationen des Geistes zu bewirken. Das Bemühen, alle Vrittis des Geistes einzuschränken und den Geist stetig zu machen wie den Strahl einer Lampe an einem windstillen Ort, wird Abhyasa genannt. Den Geist zu seiner Quelle zurückzutreiben - Hridaya Guha, und ihn sich in Atman auflösen zu lassen, ist Abhyasa. Den Geist zu verinnerlichen und alle seine nach außen gehenden Tendenzen zu zerstören, ist Abhyasa. Und diese Praxis muß über eine lange Zeit hinweg gemacht werden, ohne Unterbrechung und mit vollkommener Hingabe.

Durch Abhyasa müssen die nach außen gehenden Vishaya Vrittis des Geistes verändert werden. Ohne Vrittis des Geistes können Sinnesobjekte nicht genossen werden, und wenn die Vrittis und parallel dazu die Samskaras kontrolliert werden, folgt daraus Manonasha, das Verlöschen des Geistes.

Abhyasa wird fest und beständig, wenn es über lange Zeit geübt wird, ohne Unterbrechung und mit vollkommener Hingabe. Ständiger und fortwährender Eifer ist unerläßlich zur vollkommenen Kontrolle des Geistes und um Asamprajnata Samadhi zu erlangen, das alleine alle Samen von Samskaras zu verbrennen vermag. Daher bedarf es ständigen und intensiven Übens über lange Zeit. Nur dann wird der herumstreichende Geist unter vollkommene Kontrolle gebracht. Nur dann wird er immer ruhig sein, egal wohin er gerichtet wird. Ohne Üben kann nichts erreicht werden. Das Üben muß begleitet sein von perfektem Glauben und von Hingabe. Wenn kein Glaube und keine Regelmäßigkeit vorhanden sind, ist der Erfolg unmöglich. Abhyasa muß solange fortgesetzt werden, bis Vollkommenheit erlangt ist.

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Vier Punkte, an die im Sadhana gedacht werden muß

1. Denke an die Leiden von Samsara.
2. Denke an den Tod.
3. Denke an die Heiligen.
4. Denke an Gott.

1 und 2 lassen Vairagya entstehen. 3 bringt Inspiration. 4 führt zur Erlangung von Gottesbewußtsein. Jeder Suchende muß unablässig diese vier höchst wichtigen Punkte im Gedächtnis behalten.

Grundlagen spirituellen Sadhanas

Ein Mensch, der Gesellschaft und Aktivität als ein Übel aufgibt und sich in die Einsamkeit zurückzieht, isoliert von den Menschen, damit er in der Tugend wachse und durch Meditation heilig werde, wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach als weniger geneigt erweisen, einem irrenden Bruder seine Vergehen nachzusehen, als ein praktischer Menschenfreund, der sich auf dem Gebiet ernsthaften selbstlosen Dienens aufrichtig bemüht. Wenn ein Affe oder ein streunender Hund zufällig in sein Kutir kommt und sein Wassergefäß umwirft oder mit seinen Rottis wegläuft, wird der Ekantavasi Virakta vielleicht schreien, das Tier verfluchen und ihm bis ans Ende seiner Tage grollen! Es ist auch so, daß die bewundernswerte Tugend der Anpassungsfähigkeit nur dann entsteht, wenn man sich in der Gesellschaft von Menschen aufhält und sich unter ihnen auf vielerlei Art bewegt, und wenn man sich mit verschiedenen Menschen unterschiedlichen Temperaments beschäftigt. Durch selbstloses Tätigsein und Dienen kann die Fähigkeit erworben werden, sich auf die Eigenarten von Menschen und Orten einzustellen. Wenn man sich in der Meinung, Einheit des Selbst zu erleben und universelle Brüderlichkeit zu erfahren, in einer einsamen Zelle abschließt und beginnt, die vedantischen Formeln zu wiederholen, kann man statt dessen tamasig und exzentrisch und intolerant werden. Langsam wird man die guten Charakterzüge verlieren, die man einmal besaß. Um uns vor diesem Risiko zu bewahren, gibt es den weisen Rat: „Möge die Tugend nicht verwelken, weil es ihr an Praxis mangelt.“

Es versteht sich von selbst, daß der zurückgezogenen Eremit und der Sannyasin in der Einsamkeit ganz gut den einen oder anderen nützlichen Punkt vom Nishkama Karma Yogi und vom bescheidenen Svayam Sevak lernen können. Zweifellos können durch die Methode der Meditation einzelne subjektive Tugenden entwickelt werden, subjektiv in der Hinsicht, daß sie sich um die unmittelbare Persönlichkeit des Sadhaks drehen oder mit ihr in Verbindung stehen. Durch beständige Kontemplation kann vielleicht subjektiv Nichtverhaftung dem eigenen Körper gegenüber erlangt werden, Undurchdringlichkeit gegenüber der Umgebung oder ein Sieg über das rajasige Bedürfnis, ziellos umherzuziehen, usw. In gewissem Maße können auch Beherrschung und Selbstverleugnung erworben werden.

Andererseits können die kostbaren Juwelen von Reinheit, Geduld und Demut nur durch selbstloses Tun, verhaftungsloses Arbeiten und liebevolles Dienen erworben werden. Ganz besonders Demut entsteht allein nur durch Dienen. In diesem Zusammenhang ist es von großem Nutzen, einen Punkt von enormem praktischem Wert zu bedenken, nämlich alle Tugenden. Demut bildet die Grundlage. Nur wenn ein Mensch demütig ist und das Gefühl hat, daß es vieles gibt, was er nicht hat und erwerben muß, entsteht in ihm der dringende Wunsch, in diese vornehmen Eigenschaften hineinzuwachsen, an denen es ihm mangelt. Er beginnt, systematisch zu streben und zu versuchen, sie zu erlangen und zu besitzen. Der stolze und arrogante Mensch hat wenig Raum zum Wachsen, weil er das Gefühl hat, daß er alles weiß.

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Da ist diese Überheblichkeit in seinem Stolz, die ihn denken läßt, daß da nichts ist, wonach er streben und das er erwerben könnte. Daher heißt es, daß Demut die fruchtbare Quelle aller Tugenden ist, und daß alles, was freundlich und gut ist, in natürlicher Weise daraus erwächst.

Großzügigkeit und Freundlichkeit sind ebenfalls Ergebnis des aktiven Kontakts mit den Bittenden und Bedürftigen, den Hilflosen, den Unglücklichen und den Verzweifelten. Darin liegt die einzigartige Besonderheit von Nishkamya Karma, Arbeit, die ehrfurchtsvoll als Gottesdienst für den Allmächtigen getan wird. Darüber hinaus liegen manche edle Charakterzüge im Menschen in einem Doppelaspekt vor, latent und manifest. So manifestiert sich zum Beispiel die latente Eigenschaft der Reinheit im tatsächlichen Leben als Keuschheit. Furchtlosigkeit manifestiert sich als positiver Mut, wenn eine plötzliche Krise ihn auf den Plan ruft oder eine gefährliche Notsituation entsteht. Ein gewohnter Zustand von Selbstbeherrschung manifestiert sich als bewußter Akt der Selbstkontrolle angesichts einer tatsächlichen Versuchung oder eines Verrats. Wenn es um vollständige und ausgewogene Entwicklung beider Aspekte geht, wird Karma Yoga unerläßlich.

Auch müssen subjektive Tugenden, die in einem Leben der Zurückgezogenheit und Abgeschiedenheit entwickelt worden sind, aktiv geübt werden, wenn sie zu Fülle und Vollkommenheit gelangen sollen. Man darf sich nicht damit begnügen, bloß Übel zu beseitigen, auf negative Weise tugendhaft zu sein. Eine positive Leidenschaft muß vorhanden sein, das Gute in uns in die Praxis umzusetzen, um die Freude und das Wohlergehen aller Geschöpfe zu vermehren. Nur dann rechtfertigen sich diese Tugenden: sie werden gleichsam zu reifen Früchten, zu voll erblühten Blumen.

Dann werden sie sich ausbreiten und sich vom individuellen Kreis allmählich auf die ganze Menschheit ausdehnen, dann auf das ganze Universum und letztlich allumfassend und kosmisch werden.

Wenn sich Entwicklung und Fortschritt auf diese Weise zur Unendlichkeit ausdehnen sollen, müssen sie dynamisch sein. Auf dem Weg von Moral und spirituellem Glück trägt ein Leben der Untätigkeit die Gefahr von Stagnation in sich, die in der einen oder der anderen Phase einsetzt. Aus diesem Grund erreichen viele ethische Vollkommenheit nicht, auch nicht nach Jahren von Zurückgezogenheit und Meditation. Selbstloses Tun und liebevolles Dienen dürfen daher niemals unterschätzt und vernachlässigt werden.

Letztlich wird man gut daran tun, einen wichtigen Punkt zu bedenken. Wir haben gesehen, daß Demut die fundamentale Basis für alles Gute bildet. Und wieder ist es Demut, die den Tugenden, die mit viel Mühe und geduldiger Anstrengung erworben werden, als Stütze und wachsamer Bewahrer dient. Demut ist Schild und Rüstung gegen den Erzfeind des Suchenden, den moralischen und spirituellen Stolz. Denn wenn er auf dem Pfad der Tugend beachtlich vorangeschritten ist, wird der tugendhafte Mensch unbewußt zur Beute der Eitelkeit. Ein hinterhältiges Gefühl der Selbstbestätigung wird unbemerkt emporkriechen. Diese manifestiert sich später in Gestalt einer bestimmten Haltung der Nachsicht und einer hochmütigen Verachtung denjenigen gegenüber, die nicht ein ähnliches Leben führen. Beständige Demut, die dadurch am Leben erhalten wird, daß sie ununterbrochen im Dienen praktiziert wird, ist der einzige sichere Panzer gegen diesen Widersacher. Sie bewacht aufmerksam den kämpfenden Strebenden bei seiner Suche nach wahrem und bleibendem Glück. Wer sein kleines „Selbst“ auslöscht durch ein Leben in motivlosem, demütigem und liebevollem Dienen mit Narayana Bhav erlangt einzigartiges Glück und Wonne. Wer weiß die köstliche Freude zu schätzen, die er erlebt. Möge daher jeder die erhabene Wichtigkeit erkennen, die in der Pflege edler Tugenden liegt.

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Mögen alle klar die unerläßliche Notwendigkeit erkennen, sie aktiv zu üben, und bereitwillig und frohgemut Nishkama Karma Yogis werd

Aspekte des spirituellen Sadhana
I

Wenn das Haus brennt, wie wagemutig betritt man dann das Haus, um das Kind zu nehmen, das im Zimmer schläft. Man muß ebenfalls sehr mutig sein, wenn man den spirituellen Pfad beschreitet. Man muß absolut furchtlos sein. Man darf nicht im mindesten am Körper hängen. Nur dann wird man rasch Selbstverwirklichung erlangen. Zaghafte Menschen sind absolut ungeeignet für den spirituellen Weg.

Wenn ganz oben an der Spitze eines großen Baumes Mangos sind, springt man nicht mit einem Satz hinauf, um sie zu pflücken. Das ist unmöglich. Man klettert allmählich auf den Baum, hält sich an den einzelnen Ästen fest und erreicht so die Spitze des Baumes. Ebensowenig kann man mit einem einzigen Satz auf die höchste Sprosse der spirituellen Leiter springen. Man muß vorsichtig den Fuß auf jede Sprosse der Leiter setzen. Man muß Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana und Dhyana üben. Nur dann wird man die höchste Sprosse der Yogaleiter, Samadhi, erreichen. Wenn man ein Vedanta Schüler ist, muß man sich zuerst mit den vier Mitteln ausstatten. Dann muß man Sravan, Manan und Nididhyasan machen. Erst dann gelangt man zu Brahma Sakshatkara. Wenn man ein Bhakti Yoga Schüler ist, muß man die neun Arten von Bhakti üben, Sravan, Kirtan, Smaran, Padasevan, Archan, Vandan, Dasya, Sakhya und Atma-Nivedan. Nur so erlangt man den Zustand von Para-Bhakti.

Wenn Hühner und Geflügel herumlaufen und verschiedenen Unrat essen, was macht dann der Besitzer des Geflügelstalls? Er versetzt ihnen einen leichten Klaps auf den Kopf und wirft ihnen Körner vor, die sie essen können. Allmählich geben sie die Gewohnheit des Unrat Essens auf. Dieser Geist läuft auch herum, um Schmutz zu essen, und um die fünf Arten von Sinnesobjekten zu genießen. Versetze ihm einen Klaps auf den Kopf und lasse ihn durch die Praxis von Japa und Meditation allmählich die spirituelle Wonne kosten.

Ein Jivanmukta oder Bhagavata hat leuchtende Augen. Er hat eine Erhebung am Scheitel und dem Trikuti, dem Punkt zwischen den Augenbrauen. Alles, was er sagt, bleibt unauslöschlich in deinem Geist eingeprägt. Du kannst es bis an dein Lebensende nicht vergessen. Er besitzt ungeheure Anziehungskraft. Er wird all deine Zweifel auf wunderbare Weise klären. In seiner Gegenwart wirst du eine eigentümliche Freude und Frieden genießen. All deine Zweifel klären sich in seiner Gegenwart. Stille ist seine Sprache. Er ist sehr mitfühlend und frei von Selbstsucht, Zorn, Habgier, Egoismus, Lust und Stolz. Er ist eine Verkörperung von Wahrheit, Frieden, Wissen und Seligkeit.

Es dauert lange, bis Holzkohle Feuer fängt, aber Schießpulver kann sich in einem einzigen Augenblick entzünden. Ebenso braucht es lange, bis sich das Feuer der Erkenntnis in einem Menschen entzündet, dessen Herz nicht rein ist. Aber ein Suchender mit sehr reinem Herzen erlangt in einem einzigen Augenblick Selbstverwirklichung, in der Zeit, die es braucht, um eine Blume zwischen den Fingern zu zerreiben.

Maya ist eine riesige Säge. Lust, Zorn, Habgier, Täuschung, Stolz, Eifersucht, Haß, Egoismus, usw. sind die Zähne dieser riesigen Säge. Alle weltlichen Menschen fangen sich in den Zähnen dieser Säge und werden zermalmt. Menschen, die erfüllt sind mit Reinheit, Demut, Liebe, Leidenschaftslosigkeit, Hingabe und Fragen, werden nicht verletzt. Sie entkommen durch göttliche Gnade. Geschmeidig schlüpfen sie unter der Säge hindurch und erreichen die andere Seite der Unsterblichkeit.

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Ein Stück weißes oder farbiges Papier hat keinen Wert. Man wirft es weg. Wenn aber der Stempel oder das Bild des Asoka Chakra auf dem Papier ist (eine Banknote), hält man es sicher verwahrt in der Geldbörse oder im Koffer. Genauso stellt ein gewöhnliches Stück Stein keinen Wert dar. Man wirft es weg. Aber wenn man die Steinmurti von Gott Krishna in Pandarpur oder jede andere Murti in Schreinen sieht, neigt man den Kopf und faltet die Hände, denn der Stempel des Herrn befindet sich auf dem Stein. Der Gläubige überlagert auf den Stein seinen Geliebten und alle Attribute des Herrn. Die Verehrung von Bildern ist für den Anfänger sehr notwendig.

II

Einige Sadhaks machen beständiges aber mildes Sadhana; einige machen intensives Sadhana zwei Stunden am Morgen und zwei Stunden am Abend. Wenn man rasch Selbstverwirklichung erreichen will, muß man intensiv, unablässig und über lange Zeit Sadhana machen.

Man hat vielleicht den Darshan von Shri Krishna von Angesicht zu Angesicht. Man spricht vielleicht einige Male mit Ihm. Man mag auch mit Ihm spielen und essen. Strebt man jedoch nach endgültiger Befreiung, muß man Atma Sakshatkara haben. Nam Deva hatte einige Male den Darshan Shri Krishnas, und doch nannte ihn der Töpferheilige Gora Kumbhar einen halbausgegorenen Heiligen. Er mußte nach Vishoba Khesar gehen, um Vollkommenheit, Kaivalya, zu erreichen.

Wenn man in einer Asana zur Meditation sitzt, möchte man bald aufstehen, nicht wegen der Schmerzen in den Beinen, sondern aus Ungeduld. Besiege diese unerwünschte negative Eigenschaft durch das allmähliche Entwickeln von Geduld. Dann wird es möglich sein, drei oder vier Stunden ohne Unterbrechung zu sitzen.

In der Meditation wirst du häufig im Geist mit jemandem sprechen. Beende diese schlechte Angewohnheit. Habe ein wachsames Auge auf den Geist.

Ein Suchender schreibt mir: „Jemand klopfte um 3 Uhr morgens an meine Tür. Ich wachte auf und öffnete die Tür. Ich sah Shri Krishna mit einer Krone auf Seinem Kopf. Er verschwand sogleich. Ich ging auf den Weg hinaus und suchte Ihn. Ich konnte Ihn nicht finden. Dann ging ich zum Haus zurück und setzte mich bis Tagesanbruch vor die Tür, um Ihn noch einmal zu sehen.“

Fälle von Somnambulen und Schlafwandlern sind nicht ungewöhnlich. Sie träumen sogar im Gehen und auch im Stehen. Der genannte Fall kann ein reiner Fall von Schlafwandeln gewesen sein. Man muß sehr vorsichtig sein, wenn man die wahre Natur der spirituellen Erfahrungen feststellen will, ob es ein Traum ist oder tatsächlich Realität. Der Darshan von Shri Krishna ist nicht so billig. Schüler machen am Anfang Fehler.

So wie ein störendes Steinchen im Schuh sofort entfernt wird, so muß auch jeder quälende Gedanke sofort aus dem Geist entfernt werden können. Erst dann hat man genügend Kraft in der Gedankenkontrolle erreicht. Erst dann hat man einen tatsächlichen Fortschritt auf dem spirituellen Weg gemacht.

Ein Suchender sagt: „Ich kann drei Stunden lang in einer einzigen Asana meditieren. Am Ende werde ich gefühllos, aber ich falle nicht um.“ In wirklicher Meditation wird man niemals gefühllos werden. Man wird volle Wachheit erfahren. Das ist ein negativer unerwünschter Zustand des Geistes. Dieser Zustand muß überwunden werden, indem vollkommene Wachsamkeit bewahrt wird.

Angenommen der Geist läuft in der Meditation vierzigmal innerhalb einer Stunde nach außen. Wenn man ihn dazu bringt, nur 38 Mal zu laufen, ist das eine deutliche Verbesserung.

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Man hat ein wenig Kontrolle über den Geist erreicht. Es bedarf mühsamen Übens über eine lange Zeit, um das Wandern des Geistes einzudämmen. Vikshepa Shakti ist sehr machtvoll. Aber Sattva ist machtvoller als Vikshepa Shakti. Steigere Sattva. Dann können die Schwankungen im Geist leicht kontrolliert werden.

In tiefer Konzentration erfährt man große Freude und spirituelle Berauschung. Man vergißt den Körper und die Umgebung. Alles Prana wird in den Kopf geführt.

Wenn es schwierig erscheint, den Geist in einem Raum zu konzentrieren, gehe hinaus und setze dich im Freien hin, auf eine Terrasse, an ein Flußufer oder in eine stille Ecke des Gartens. Die Konzentration wird gut sein.

Wenn man im Bett liegt, wird manchmal ein großes Licht vor der Stirn entlang wandern. Sobald man versucht, das Licht durch Meditation in sitzender Stellung wahrzunehmen, verschwindet es vielleicht. Man mag sich fragen: „Wie kommt es, daß es mir nicht gelingt, das Licht festzuhalten, wenn ich mich bemühe, während es ganz von selbst erscheint, wenn ich mich hinlege und mich gar nicht anstrenge?“ Der Grund dafür ist, daß die Konzentration durch das Auftreten von Rajas verloren ging, sobald man sich zur Meditation setzte.

Finde dein Zentrum. Weile stets im Zentrum. Das Zentrum ist Atma, die unsterbliche Seele. Dieses Zentrum ist der Garten Eden. Es ist deine ursprüngliche Wohnstatt. Es ist Param Dhama. Nun kannst du über den Sorgen, Unruhen und Ängsten stehen. Wie süß ist dieses Zuhause, wo ewiger Sonnenschein und immerwährende Freude herrschen.

Oh Freund! Erwache! Schlafe nicht mehr. Meditiere. Brahmamuhurta ist jetzt! Öffne das Tor des Tempels des Herrn in deinem Herzen mit dem Schlüssel der Liebe. Höre die Musik der Seele. Singe deinem Geliebten das Lied von Prem. Spiele die Melodie des Unendlichen. Lasse deinen Geist in der Betrachtung über Ihn aufgehen. Werde eins mit Ihm. Tauche ein in den Ozean von Liebe und Seligkeit.

III

In dem Augenblick, in dem man denkt: „Nun bin ich rein. Es tauchen keine schlechten Gedanken mehr auf wie früher.“, wird ein ganzes Bataillon schlechter Gedanken an die bewußte Oberfläche des Geistes treten. Sie werden aber bald verschwinden. Nun ist man in der Phase des Ringens. Es wird die Zeit kommen, da nicht einmal mehr ein einziger schlechter Gedanke auftritt. Meditation ist ein machtvoller Gegner schlechter Gedanken. Die schlechten Gedanken denken: „Wir werden bald bezwungen sein. Unser Gastgeber hat mit Meditation begonnen. Fallen wir noch einmal über diesen Menschen her.“ Setze die Meditation energisch fort. Nebel und Wolken können vor der Sonne nicht bestehen.

Es ist schwierig, den Geist zu Beginn auf das gesamte Bild Sri Krishnas zu heften, weil nicht alle Strahlen des Geistes gesammelt sind. Manchmal kann man sich das Gesicht vorstellen, manchmal die Füße, manchmal die Augen. Richte den Geist auf irgendeinen Teil des Bildes, den, den der Geist am liebsten mag.

Der Geist fühlt sich von bestimmten neuen Worten oder Namen von Städten oder Personen angezogen. Angenommen, man ist auf bestimmte neue Worte oder Namen von Städten oder Menschen gestoßen, wie „Ekstase“, „Fyzabad“, „John Herbert“. Wenn man sich zur Meditation setzt, wird der Geist „Ekstase“, „Fayzabad“, „John Herbert“ wiederholen. Manchmal wird er Lieder singen, alte Gedichte oder Sanskrit Slokas wiederholen, die man als Kind auswendig gelernt hat. Beobachte den Geist sorgfältig und versuche, ihn auf den Punkt oder zum Zentrum zurückzubringen.

Der Winter ist sehr günstig für intensive Meditation. Du ermüdest nicht, auch wenn du stundenlang meditierst. Aber am Morgen tut die Faulheit was sie kann, um dich zu bezwingen.

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Wenn du dich in ein zwei warme Decken hüllst, fühlst du dich recht bequem. Du möchtest nicht am frühen Morgen aufzustehen, obwohl dich der wiederholte Weckruf immer wieder aus dem Schlaf reißt. Du beschließt nun: „Ich werde noch fünfzehn Minuten schlafen und dann meine Meditation beginnen.“ Dann beginnst du, entblößte Teile der Füße schön in die Decke einzuhüllen. Du fühlst dich jetzt recht wohl. Was ist das Ende vom Lied? Du beginnst schön zu schnarchen und erwachst erst nach Sonnenaufgang. So verstreichen Tage, Wochen und Monate. So vergeht auch jeder Winter. Genau zu der Zeit, die sehr vorteilhaft für Meditation ist, täuscht dich der Geist und bezwingt dich durch Schlaf. Der Geist ist ein Meistergaukler. Er kennt viele Tricks und Täuschungen. Maya wirkt durch den Geist. Geheimnisvoll ist der Geist. Geheimnisvoll ist die Maya. Sei auf der Hut. Sei wach. Geist und Maya können kontrolliert werden. Wirf die Decke zurück, sobald du den Weckruf hörst. Sitze in Vajra Asan. Mache einige Pranayamas. Die Schläfrigkeit wird verschwinden.

Wenn du mit offenen Augen meditierst, kann es sein, daß du vor dir einen Freund siehst und auch seine Stimme hörst; aber du kannst die Person und deren Stimme vielleicht nicht wahrnehmen; weil der Geist nicht mit Augen und Ohren verbunden ist. Wenn der Geist vollständig von den Sinnesobjekten abgezogen ist, wenn die Gedanken beseitigt sind, wenn Zu- und Abneigungen zerstört sind, wie kann die Welt dann überhaupt wahrgenommen werden? Man wird geistlos. Man nimmt einzig und allein überall das Selbst wahr. Alle Namen und Formen verschwinden.

Es ist sehr schwierig, den Geist plötzlich auf einen Punkt zu heften. Der Geist bewegt sich mit ungeheurer Geschwindigkeit. So wie das Zirkuspferd immer im Kreis läuft, läuft auch der Geist stets im Kreis. Anstatt dem Geist zu gestatten, in einem großen Kreis zu laufen, muß er dazu gebracht werden, in immer kleineren Kreisen zu laufen. Irgendwann kann er auf einen Punkt geheftet werden. Man muß des Geistes durch kluge Methoden habhaft werden. Bloßer Zwang und Gewalt genügen nicht. Sie verschlimmern die Sache.

Manchmal fühlt man sich vielleicht verzweifelt und denkt: „Ich habe viele Schwächen und Mängel. Wie kann ich sie beseitigen? Wie kann ich diesen starken und ungestümen Geist beherrschen? Werde ich in dieser Geburt Befreiung, Nirvikalpa Samadhi erreichen? Ich habe nicht viel erreicht, obwohl ich die letzten acht Jahre meditiert habe.“

Verliere nicht den Mut. Schon wenn ein oder zwei Indriyas kontrolliert worden sind, auch wenn nur einige Gedanken kontrolliert worden sind, ist die halbe Schlacht gewonnen. Kontrolle von bereits einem einzigen Gedanken oder die Zerstörung von einer einzigen Vasana verleiht geistige Kraft. Jeder beherrschte Gedanke, jeder zerstörte Wunsch, jedes unterworfene Indriya, und jeder Fehler und jede Schwäche, die ausgerottet worden sind, geben dem Geist zusätzliche Kraft, entwickeln den Willen und bringen dich dem Ziel einen Schritt näher. Freund! Warum also jammern und klagen?

Kämpfe tapfer auf dem adhyatmischen Schlachtfeld. Werde ein spiritueller Soldat. Bleibe siegreich und trage den spirituellen Lorbeer göttlicher Weisheit, ewigen Friedens und höchster Wonne.

IV

Manchmal wird der Geist faul und träge sein. Man kann sich nicht konzentrieren. Er verweigert die Arbeit. Derselbe starke Geist könnte im letzten Teil der Konzentration träge werden, so wie ein Pferd, das zu Beginn des Ritts mit guter Geschwindigkeit lief, am Ende träge wird. So wie der Reiter das Pferd erfrischt, indem er ihm ein wenig Gras und Wasser gibt, so muß auch der Geist mit einigen erhebenden Gedanken erfrischt und mit ungeteilter Konzentration diszipliniert werden.

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Wenn der Geist ruhelos ist oder umherwandert, setze dich in einen stillen Raum. Oder lege dich für 15 Minuten in Savasan wie ein Toter hin und entspanne Körper und Geist vollständig. Denke einige angenehme Gedanken. Denke an schöne Blumen, die Gletscher des Himalaya, den weiten blauen Himmel, den riesigen Ozean oder an eine schöne Landschaft im Himalaya, in Kaschmir oder an einem anderen Ort. Nun kannst du dich wieder zur Meditation hinsetzen.

Manchmal wird der Geist ernstlich revoltieren. Man wird das Gefühl haben: „Ich habe nicht viel erreicht durch Tapas, Disziplin und Meditation. Ich werde das Brahmacharya Gelübde brechen. Ich werde jede Einschränkung in der Ernährung gänzlich aufgeben. Ich werde in Sinnesobjekten schwelgen. Ich werde schlemmen.“ Gib nicht nach. Schmeichle dem Geist und verführe ihn. Mache energisch Japa und Kirtan. Lies immer wieder das Buch „Wie erlangt man Vairagya“ oder „Bhartrihari‹s Vairagya Sataka“. Denke an die Schmerzen von Samsara und die Mangelhaftigkeit sinnlichen Lebens. Denke immer wieder an die Heiligen und ihre Lehren. Stehe fest. Sei vorsichtig. Sei wachsam. Sei auf der Hut und bete. Der rebellische Geist wird sich allmählich abkühlen.

Manchmal wird der Geist in einem völlig passiven Zustand sein. Die Aufmerksamkeitwird abgelenkt. Der Geist ist dann in einem vollkommen dumpfen Zustand. Wenn dieserZustand für kurze Zeit fortgesetzt wird, fällt man in den Schlaf. Dieser Zustand heißt Laya.Das ist ein ernstes Hindernis in der Meditation. Mache 10, 20 energische Pranayamas. Dannsinge 10 Minuten lang laut Om. Dieser Zustand wird rasch verschwinden.

Selbst ein reiner Brahmachari wird anfänglich von Neugier geplagt. Er wird neugierig darauf sein, zu wissen und zu fühlen, welche Art von Freude die sexuelle Freude ist. Manchmal denkt er: „Einmal werde ich die Frau körperlich kennenlernen. Dann werde ich diesen sexuellen Impuls und Wunsch vollständig ausrotten können. Diese sexuelle Neugier plagt mich sehr.“ Der Geist möchte diesen Brahmachari täuschen. Durch Neugier richtet Maya Schaden an. Neugier verwandelt sich in ein starkes Verlangen. Der Genuß kann ein Verlangen nicht befriedigen. So wie der menschenfressende Tiger menschlichem Fleisch hinterher läuft, wenn er auch nur einmal menschliches Blut geleckt hat, so sehnt sich auch der Geist, wenn er einmal die sexuelle Freude gekostet hat, immer danach. Der weise Weg ist, die Welle der Neugier durch Vichara, Analyse dieses reinen geschlechtslosen Atma, völligen Verzicht auf sexuelles Verlangen und ständige Meditation, durch das Denken an die Herrlichkeit von Brahmacharya und die Mängel eines unreinen Lebens zu töten.

Selbst in einem Blinden, der enthaltsam lebt und noch nie das Gesicht einer Frau gesehen hat, ist der sexuelle Impuls sehr stark. Warum? Das ist zurückzuführen auf die Kraft von Samskaras, Eindrücke aus früheren Geburten, die im unterbewußten Geist eingebettet sind. Alles, was man tut oder denkt, wird gespeichert, eingeprägt und unauslöschlich in die Schichten des Chitta, des unterbewußten Geistes, eingestempelt. Diese Eindrücke können nur verbrannt oder ausgelöscht werden, wenn die Kenntnis von Atman, des höchsten Selbst, dämmert. Wenn die sexuelle Vasana den gesamten Geist und den Körper erfüllt, nehmen die Samskaras die Form von Vrittis oder Wellen an und quälen den armen Blinden. Das beweist klar, daß die Seelenwanderung existiert.

Der Gedanke ist die eigentliche Handlung. Aber es besteht ein gewaltiger Unterschied darin, einen Menschen tatsächlich zu erschießen oder daran zu denken, einen Menschen zu erschießen, zwischen tatsächlichem Geschlechtsverkehr oder daran zu denken, den Beischlaf auszuführen.

Philosophisch gesprochen ist der Gedanke, einen Menschen zu erschießen oder daran zu denken, Geschlechtsverkehr zu haben, die eigentliche Handlung. Das Verlangen ist mehr als die Handlung. Gott gibt die Früchte gemäß den Motiven des Menschen.

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Sei rein in deinen Gedanken. Nur dann kannst du das Königreich Gottes im Inneren betreten. Nur dann wird der Herr den Thron in deinem Herzen besteigen.

Der Suchende, der Yogi in der Höhle im Himalaya oder der stille Meditierende in der Ebene denkt, daß er in der Spiritualität sehr fortgeschritten ist. Er blickt verächtlich auf seinen Bruder, der schuftet, um durch unermüdliches selbstloses Dienen verbunden mit Meditation das Ziel zu erreichen. Ersterer mag reich sein an Vairagya und Titiksha. Er mag bewandert sein im Studium der Schriften. Er mag auch Kälte ertragen können. Er mag fähig sein, nur von Brot und Dhal zu leben. Er mag längere Zeit in einer Asana verharren können. Aber vielleicht fehlt es ihm an Barmherzigkeit, kosmischer Liebe, größerer Toleranz, Großzügigkeit, Mut, usw. Vielleicht kann er Hitze nicht ertragen, vielleicht klagt er über starkes Vikshepa, vielleicht kann er keinen ausgewogenen Geist bewahren, sobald er in die Ebene kommt. Hingegen besitzt der zweite vielleicht seine eigenen besonderen Tugenden und einen ausgeglichenen Geist und übertrifft vielleicht den Yogi aus dem Himalaya oder den stillen Meditierenden der Ebene in vieler Hinsicht. Man muß in allen Tugenden vortrefflich sein. Man muß Hitze und Kälte ertragen können. Nur dann wird man ein vollkommener Weiser werden. Gleichmut ist Yoga.

Ein weltlicher Mensch hat Abhimana hinsichtlich Reichtum und Stellung. Er hat großes Moha hinsichtlich Kindern und Frau. Aber ein Sannyasin oder Yogi hat sehr großen spirituellen und moralischen Stolz. Er denkt und fühlt: „Ich bin dem Verheirateten überlegen. Ich bin ein großer Yogi. Ich kann 12 Stunden lang meditieren. Ich besitze große Reinheit, Entsagung und Leidenschaftslosigkeit.“ Das Abhimana eines Sannyasin ist gefährlicher und stärker als das Abhimana eines weltlichen Menschen und daher schwieriger auszumerzen.
Die Frage zu stellen ›Wer bin ich?‹ ist ein schwieriges Sadhana. Es kann nur von jemandem praktiziert werden, der einen reinen, starken und feinen Intellekt hat, der über die vier Mittel verfügt, und der solide Kenntnis von den Prakriyas der Vedanta, Panchikaran, der Lehre von Neti-Neti, dem Prozeß von Anvaya-Vyatireka, von Bhaga-tyaga-Lakshana, Adhyaropa, Apavada, den Dharmas der fünf Koshas, der Natur von Atman, usw. besitzt. Nur der geeignete Schüler wird die richtige Antwort auf die Frage ›Wer bin ich?‹ in der Meditation erhalten. Ansonsten wird der Geist den Suchenden täuschen.

V

So wie das Licht in der Sturmlaterne brennt, so brennt auch das göttliche Licht im Herzen. Man kann das göttliche Licht durch das innere dritte Auge, das Auge der Intuition, wahrnehmen, indem man die Sinne zurückzieht und den Geist beruhigt.

In einem Käfig mit neun Toren lebt der kleine Vogel Jiva, das kleine illusorische ›Ich‹. Er kann aus dem Käfig des Fleisches entkommen, wenn er die Gedanken von ›Ich‹ und ›mein‹ und die Vasanas auslöscht.

Manchmal schmilzt sogar der Stein. Aber das Herz eines egoistischen Menschen kann nicht schmelzen. Es ist härter als Kiesel, Diamant oder Granit. Und doch kann es manchmal schmelzen. Durch fortdauerndes unermüdliches Dienen für die Menschen, Satsang, Japa von Gottes Namen und Meditation kann es so weich werden wie Butter.

Wie süß ist der Name des Herrn. Wie tröstlich und erhebend sind die Namen von Hari, Rama, Krishna, Shiva! Der Name vertreibt deine Angst, deinen Ärger, deine Sorgen und Schmerzen und erfüllt dein Herz mit Freude, Frieden, Kraft und Mut. Der Name ist Heilbalsam für dein verwundetes Herz und deine müden Nerven. Der Name ist Manna, ein Allheilmittel, ein göttliches Elixier, das Unsterblichkeit und ewige Seligkeit schenkt. Denke stets an den Namen des Herrn.

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Singe Seinen Namen und verbinde ihn mit deinem Atem; du wirst vom Kreislauf von Geburt und Tod befreit werden.

Die Frucht von Konzentration ist Meditation. Die Frucht von Meditation ist Verwirklichung. Die Frucht von Verwirklichung ist Befreiung. In der Konzentration werden alle Gedanken zusammengefaßt und der Geist auf einen Punkt oder eine Idee geheftet. Meditation ist das ununterbrochene Fließen einer einzigen Idee.

Der, der für den Frosch sorgt, der im Felsen lebt, wird sich um dich kümmern. Warum dieser Mangel an Vertrauen! Habe lebendiges, unerschütterliches Vertrauen zum Herrn und zu Seiner Gnade und sei froh, Oh geliebter Ram!

Wer spricht, weiß nicht. Wer weiß, spricht nicht. Leere Gefäße machen viel Lärm. Wer viel spricht, denkt wenig, tut wenig.

Sei vorsichtig. Erforsche das Wesen der Menschen. Sei sehr sorgfältig im Umgang mit Menschen. Lasse dich nicht täuschen. Sei bewandert in Psychologie. Erkenne die Menschen an ihrem Verhalten, Sprechen, Schauen, Lächeln und an ihrem Gang. Erkenne sie an der Nahrung, die sie zu sich nehmen, den Büchern, die sie lesen, und der Gesellschaft, die sie haben.

Das spirituelle Wachstum kann durch sorgfältiges Studium der Träume eingeschätzt werden. Wenn keine schlechten Gedanken in den Träumen sind, wenn häufig Visionen des Ishta Devata in Träumen auftauchen, wenn man sogar im Traum das Ishta Mantra wiederholt, wenn man sogar im Traum Gottesdienst oder Puja macht, ist man auf dem spirituellen Weg ein gutes Stück fortgeschritten.

Weder die Kundalini noch der Wille werden in den Yoga Sutras von Patanjali Maharshi oder in einem anderen vedantischen Buch erwähnt. Ein Jnana Yogi erreicht Nirvikalpa Samadhi indem er durch Meditation über die Bedeutung von Mahavakyas wie „Tat Twam Asi“ oder „Aham Brahma Asmi“ Brahmakara Vritti entstehen läßt. Er unternimmt niemals den Versuch, die Kundalini Shakti zu erwecken. Er kann Samadhi erlangen, ohne die Kundalini zu erwecken. Wenn er jedoch physische Siddhis zu manifestieren wünscht, erweckt er die Kundalini. Er erweckt die Kundalini durch bloßes Wollen. Er praktiziert niemals Pranayama, Asanas, Bandhas, Mudras oder sonstige Hatha Yoga Kriyas zu diesem Zweck.

Man kann absolute, vollkommene Nichtverhaftung nur dann haben, wenn man das Selbst erkennt. Im Laufe des Sadhana wird der Geist sein Möglichstes tun, um sich an die eine oder die andere Form zu klammern. Immer wieder muß jegliche Verhaftung erbarmungslos mit dem Schwert der Verhaftungslosigkeit durchschlagen werden - Asanga Sastrena Dridhena-Chhitva (Gita XV-3).

Man muß das Bhav haben, daß Atman, Ishvara, Devata und Mantra eins sind. Mit diesem Bhav muß das Guru Mantra oder Istha Mantra wiederholt werden. Nur dann wird man rasch Mantra Siddhi oder Gottverwirklichung erlangen.

Die schönste Blume, die dem Herrn dargebracht werden kann, ist dein Herz. Dringe tiefer ein in das unendliche Reich von Kailas, das Königreich unbegrenzter Wonne und grenzenlosen Friedens.

Mögest du direkte Verbindung zum Herrn haben, deinem Ishtam, deinem Führer, deiner höchsten Zuflucht und deinem Trost!

VI

Rein wie der Schnee des Himalaya, hell wie das Sonnenlicht, weit wie der Himmel, alldurchdringend wie der Äther, unergründlich wie der Ozean und kühl wie das Wasser des Ganges in Rishikesh ist der unsterbliche Atman, das Substrat dieser Welt, dieses Körpers, dieses Geistes und dieses Pranas. Nichts ist süßer als dieser Atman.

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Reinige dein Herz und meditiere. Tauche tief ein in dein Herz. Tauche tief ein in die innersten Winkel. Du wirst es finden. Nur wenn du im tiefen Wasser suchst, wirst du die Perle des Atman finden. Wenn du dich lediglich am Strand aufhältst, findest du nur zerbrochene Muscheln.

So wie Regen in den Wolken ist, Butter in Milch oder Duft in Blumen, so liegt der Atman in all diesen Namen und Formen verborgen. Wer einen reinen, einpünktigen, scharfen, und feinen Intellekt hat, wird das Selbst durch beständige und intensive Meditation wahrnehmen.

Wer eine Frau so ansieht wie ein Sohn seine Mutter und sich auch von ihr fernhält, wer Lust und Zorn unter seine Kontrolle gebracht hat, wer sich nicht hingezogen fühlt zu den vergänglichen Objekten dieses Universums, und wer regelmäßig meditiert, wird bald Param Dhama, die Quelle höchsten Friedens, erreichen, von wo es keine Rückkehr gibt zu diesem Mrityuloka, der Welt des Todes.

Zucker und Süßigkeiten, Topf und Ton, Eisennagel und Schwert, Wasser und Schaum, Ohrringe und Gold, sie sind nicht zweierlei Dinge. Sie sind eins. Genauso, wenn die wirkliche Erkenntnis dämmert, ist das mannigfaltige Universum nichts als Atman; individuelle Seele und höchste Seele werden identisch.

Das Selbst erfüllt die ganze Welt. Alles ist das Selbst. Es gibt nichts, was nicht in dir ist. Was solltest du also wünschen, dann, wenn du das Selbst verwirklicht hast, denn es gibt für dich kein Objekt mehr, das du wünschen könntest?

Die alten unheilvollen Samskaras können verändert und zerstört werden. Der Geist ist nichts anderes als ein Bündel Samskaras. Kämpfe tapfer mit ihnen. Kämpfe tapfer, nicht um Brot, nicht um Geld und auch nicht um Ruhm und Ehre, sondern um das Königreich des Selbst zu erlangen, das weite Reich ewigen Friedens, indem du weltliche Samskaras zerstörst. Ein ritterlicher Soldat ist der, der auf dem innerlichen adhyatmischen Schlachtfeld gegen seine alten Samskaras mit dem Schwert der Verhaftungslosigkeit und der Rüstung der Unterscheidung kämpft, nicht aber der, der auf dem Schlachtfeld mit Maschinengewehren gegen seine Feinde kämpft. Der Kampf gegen die Samskaras ist ernster, gefährlicher und schrecklicher als der äußere physische Kampf. Die Basis für den spirituellen Soldaten ist Sattva, die Basis für den weltlichen Soldaten ist eine Mischung aus Rajas und Tamas. Rama und Ravana kämpften. Rama war sattvig, aber Ravana war tamasig.

Es ist leicht, in einer Expedition den Gipfel des Mount Everest zu besteigen. Es ist leicht, die Höhe des Nanda Parvat zu erklimmen. Es ist leicht, die Spitze des Mandhata zu erreichen. Aber es ist schwierig, auf die Spitze des spirituellen Himalaya der Seele zu steigen. Der unerschrockene Suchende, der gerüstet ist mit Geduld, Beharrlichkeit, Ruhe und Mut, erklettert Gipfel um Gipfel, unterwirft ein Indriya nach dem anderen, beherrscht einen Gedanken nach dem anderen, rottet eine Vasana nach der anderen aus und erreicht schließlich den Gipfel von Selbstverwirklichung und göttlicher Herrlichkeit. Ehre sei solch erhabenen Seelen, diesen spirituellen Helden!

Anfänger sollten sich zur Meditation nicht in einen Raum neben der Küche setzen. Der Geist wird an schmackhafte Speisen denken und Ablenkung verursachen. Das süße Aroma bestimmter Gerichte wird die Geruchsnerven seiner Nase und die Rachen-Gaumen Nerven seiner Zunge stimulieren. Wenn man eine Tasse heißen Tees und einige Süßigkeiten vor sich hinstellt und beginnt, in den Upanishaden zu lesen oder zu meditieren, wird die Konzentration nicht tief sein. Ein Teil des Geistes wird dauernd an den Tee und die Süßigkeiten denken. Anfänger müssen alle derartigen geringfügigen Ursachen von Ablenkung beseitigen, bevor sie sich zur Meditation hinsetzen.

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Behandle alle gleich. Diene den Armen und Kranken. Durchtrenne alle Arten von Bindungen. Hilf den Bedürftigen. Überwinde Gelüste. Rotte Vasanas und Egoismus aus. Gib fleischliche Genüsse auf. Meditiere und verwirkliche die Einheit des Selbst. Hilf auch anderen, die Erkenntnis des höchsten Wesens zu erlangen.

Der Weise, ein Jivanmukta, der vom göttlichen Geist inspiriert ist, berauscht vom unsterblichen Nektar, erfüllt mit dem unendlichen Atman, der keine Unterschiede sieht und dessen Geist ausgewogen ist, nimmt überall nur das Selbst wahr und umarmt alles mit reiner Liebe.

Sadhana: die Techniken angewandter Psychologie

Beobachte alle deine Gefühle sehr sorgfältig. Angenommen du fühlst dich traurig. Trinke eine kleine Tasse Milch oder Tee. Sitze still. Schließe die Augen. Stelle den Grund für die Niedergeschlagenheit fest und versuche, die Ursache zu beseitigen. Die beste Methode, um dieses Gefühl zu überwinden, ist an das Gegenteil zu denken. Das Positive besiegt das Negative. Das ist ein großes und wirkungsvolles Naturgesetz. Denke nun intensiv an das Gegenteil von Traurigkeit. Denke an Frohsinn. Fühle, daß du diese Eigenschaft tatsächlich besitzt. Wiederhole immer wieder die Formel: ›Om Frohsinn.‹ Fühle: „Ich bin frohgemut.“ Beginne zu lächeln und lache einige Male. Singe; manchmal kann das sehr rasch erhebend wirken. Singen ist sehr nützlich, um Traurigkeit zu vertreiben. Singe einige Male laut OM. Laufe in die frische Luft. Die Depression wird bald vergehen. Das ist die Pratipaksha Bhavana Methode der Raja Yogis. Das ist die einfachste Methode. Die Methode, Traurigkeit gewaltsam zu vertreiben - durch Willen, durch Bestimmtheit, durch Befehl - beansprucht das ›Wollen‹ sehr stark, wenn es auch die wirksamste Methode ist. Es verlangt große Willenskraft. Gewöhnlichen Menschen wird es nicht gelingen. Die Methode, das negative Gefühl zu verschieben oder zu verlagern, indem es durch das Gegenteil ersetzt wird, durch das positive Gefühl, ist sehr einfach. Innerhalb sehr kurzer Zeit verschwindet das unerwünschte Gefühl. Übe und spüre es. Auch wenn du einige Male versagst, mache weiter. Nach einigen Sitzungen und nach einiger Übung wirst du Erfolg haben.

Genauso kann man auch mit anderen negativen Gefühlen umgehen. Wenn das Gefühl von Zorn da ist, denke an Liebe. Wenn das Herz verhärtet ist, denke an Barmherzigkeit. Wenn Unehrlichkeit da ist, denke an Ehrlichkeit, Integrität. Wenn Knausrigkeit da ist, denke an Großzügigkeit und an großzügige Menschen. Wenn Moha (Verblendung) da ist, denke an Unterscheidung und an ATMISCHES VICHARA. Wenn Stolz da ist, denke an Demut. Wenn Heuchelei da ist, denke an Offenheit und ihre unschätzbaren Vorzüge. Wenn Eifersucht da ist, denke an Edelmut und Großherzigkeit. Wenn Schüchternheit da ist, denke an Mut, und so weiter. Die negativen Gefühle werden vertrieben, und man ruht fest in einem positiven Zustand. Fortgesetzte Praxis ist von größter Wichtigkeit. Sei sorgfältig in der Wahl deiner Gesellschaft. Sprich sehr wenig und das, was du sprichst, über Nutzbringendes.

Eine einfache Sadhana Methode in weltlicher Umgebung

Bedingt durch den Schleier der Unwissenheit hat der Mensch seine eigentliche göttliche Natur vergessen - den Sat-Chit-Ananda Zustand. Es ist nicht notwendig, der Welt zu entsagen und sich in Höhlen des Himalaya zu verstecken, um die verlorene Göttlichkeit wiederzuerlangen. Ich präsentiere hier eine sehr einfache Sadhanamethode, durch welche man sehr leicht Gottbewußtsein erlangen kann, auch wenn man in der Welt lebt, inmitten mannigfaltiger Aktivitäten. Es bedarf keines eigenen Raumes und keiner speziellen Zeit für die Meditation.

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Schließe für ein oder zwei Minuten alle zwei oder drei Stunden die Augen und denke an Gott und Seine göttlichen Eigenschaften wie Barmherzigkeit, Liebe, Frieden, Freude, Erkenntnis, Reinheit, Vollkommenheit und dergleichen, während der Arbeit, und wiederhole im Geist Hari Om oder Sri Ram oder Rama Rama oder Krishna Krishna oder irgendein Mantra, das dir zusagt. Das sollte auch nachts geschehen, jedesmal wenn man das Bett verläßt, um auf die Toilette zu gehen, oder aus einem anderen Grund. Wenn man auch nicht in der Lage ist, speziell zu diesem Zweck aus dem Schlaf aufzustehen, führe man diese Praxis wenigstens gelegentlich aus, wenn man die Schlafstellung leicht verändert. Diese Gewohnheit entsteht nur durch Praxis. Spüre, daß der Körper ein sich bewegender Tempel Gottes ist, dein Büro oder Geschäftslokal ein großer Tempel oder Brindavan, und daß jede Handlung, Gehen, Sprechen, Schreiben, Essen, Atmen, Sehen, Hören, usw. dem Herrn dargebracht wird. Arbeit ist Gottesdienst. Arbeit ist Meditation.

Gib die Erwartung von Früchten und die Vorstellung der Urheberschaft auf, das Gefühl: „Ich bin der Handelnde“, „Ich bin der Erlebende.“ Fühle dich als Werkzeug in den Händen Gottes. Er wirkt durch deine Organe. Fühle auch, daß diese Welt eine Manifestation des Herrn ist, Visva Brindavan, und daß deine Kinder, deine Frau, dein Vater und deine Mutter die Abbilder oder Kinder des Herrn sind. Sieh Gott in jedem Gesicht und in jedem Objekt. Habe immer einen kühlen ausgewogenen Geist. Wenn du diese veränderte Sichtweise und göttliches Bhav im täglichen Leben durch ausgedehnte und fortgesetzte Praxis entwickelst, werden alle Aktivitäten zu Yoga Aktivitäten werden. Alle Aktivitäten werden zur Verehrung des Herrn. Das ist ganz ausreichend. Du wirst rasch Gottverwirklichung erlangen. Das ist dynamischer Yoga. Das ist ein sehr machtvolles Sadhana. Ich habe ein sehr einfaches Sadhana gegeben. Nun bringe nicht deine lahme Entschuldigung und sage nicht: „Swamiji, ich habe keine Zeit, spirituelle Praktiken zu machen.“ Auch wenn du drei Monate lang nur ein wenig von diesem Sadhana praktizierst, wirst du feststellen, daß du ein rundum verändertes Wesen bist.

Schreibe täglich eine halbe Stunde lang dein Ishta Mantra in ein Notizheft, wobei du Mauna hältst und nicht nach rechts und links schaust. Schreibe in fetten Buchstaben auf Zettel „Sprich die Wahrheit“, „Om Mut“, „Om Reinheit“, „Ich muß Gott jetzt verwirklichen“, „Zeit ist überaus kostbar“; „Ich werde ein wirklicher Brahmachari sein“, „Brahmacharya ist göttliches Leben“, „Ich bin eine Verkörperung von Mut, Reinheit, Barmherzigkeit, Liebe und Geduld“ und bringe sie im Schlafraum, Eßraum, den Wohnräumen und den Verandas an. Stecke einige Zettel in die Tasche und auch in das Tagebuch. Das ist eine einfache Methode, um tugendhafte göttliche Eigenschaften zu entwickeln.

Einige Geheimnisse des Sadhana

Durch die Praxis von Pranayama kann der Sadhak langes Leben erwerben. Ein gesunder Mensch atmet 14 bis 16 Mal in der Minute. Die Anzahl der Atemzüge steigt im Schlaf, bei körperlicher Anstrengung, beim Laufen, usw. Atemanhalten durch die Praxis von Kumbhaka schenkt dem Yoga Schüler Langlebigkeit. Je geringer die Zahl der Atemzüge ist, desto größer ist die Lebensdauer.

Die Anzahl der Atemzüge ist bei einem Hund oder Pferd größer. Bei einem Hund sind es fast fünfzig, seine Lebenserwartung beträgt also etwa 14 Jahre. Es sind fünfunddreißig beim Pferd. Also beträgt seine Lebenserwartung 29 oder 30 Jahre. Ein Elefant atmet etwa 20 Mal pro Minute, daher lebt er etwa hundert Jahre. Eine Schildkröte atmet fünfmal pro Minute, und deshalb lebt sie etwa vierhundert Jahre. Eine Schlange atmet zwei- oder dreimal in der Minute. Sie lebt 500 bis 1000 Jahre.

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Je weniger Wünsche und Sehnsüchte vorhanden sind, desto geringer ist die Anzahl der Atemzüge und umgekehrt. Wer Japa, Meditation, Brahmacharya und das Studium religiöser Bücher oder heiliger Schriften praktiziert, hat eine geringere Zahl von Atemzügen und mehr Konzentration. Eine geringere Anzahl von Atemzügen bedeutet eine Steigerung der Konzentration, ein reiches inneres Leben im Atman und mehr Frieden.

Das Surya Mandal, das Feuer, befindet sich im Nabhi, dem Nabel. Das Chandra Mandal, die Kugel von Amrita, befindet sich etwas unterhalb des Ajna Chakra. Amrita, Nektar, tropft, und Agni verschlingt ihn, verzehrt ihn. Also ist die Lebensdauer kurz. Durch die Praxis von Viparitakarani Mudra, Sarvanga Asan, kann der Tod bezwungen und langes Leben erlangt werden. In dieser Stellung kommt das Feuer Mandal nach oben. Der Nektar, der aus dem Chandra Mandal tropft, kann nicht von Agni verschluckt werden. Daher führt der Nektar den Nadis und dem Körper Nahrung zu, und das Leben wird verlängert. Deshalb ist es so wichtig, daß jeder diese lebenswichtige Asana übt, um gute Gesundheit zu bewahren und Langlebigkeit zu erlangen.

Das ist das physische Viparitakarani Mudra. Durch die Praxis von Jnana Viparitakarani Mudra kann Unsterblichkeit und ewige Wonne erlangt werden. Man kann Brahma Jnana haben. Was ist das Jnana Viparitakarani Mudra? Verändere den Blickwinkel. Verändere die Einstellung. Sieh Brahman, das eine Selbst, überall und verneine Namen und Formen. Übe das immer wieder.

Der Geist kann nicht stark sein, wenn die Strahlen des Geistes, die in verschiedene Richtungen streben, nicht angehalten und dazu gebracht werden, in einem einzigen Punkt zusammenzulaufen, so wie im Fall der Sonnenstrahlen durch ein Vergrößerungsglas. Viele Dinge können verbrannt werden, wenn die Sonnenstrahlen durch das Vergrößerungsglas auf einen Punkt gelenkt werden. Durch das Zusammenfassen der Strahlen des zerstreuten und abgelenkten Geistes, indem sie durch Verhaftungslosigkeit, Unterscheidung und Konzentration auf einen Punkt zusammengeführt werden, können Wunder gewirkt werden. Man kann die Wunder des verborgenen Selbst tief im Inneren, des höchsten Atman, erfahren.
Weniger Urin, Stuhl und Schleim, Tejas, das Strahlen in Augen und Gesicht, eine schöne Gesichtsfarbe, Leichtigkeit des Körpers, eine angenehme Stimme, sehr viel Kraft, Visionen, Lichter und das Freisein von Krankheit und Trägheit sind die ersten Zeichen eines Fortschritts im Yoga (Prathama Lakshana).

Hellsehen und Hellhören sind die Zeichen, die auf die zweite Phase des Fortschreitens auf dem Yoga Pfad hinweisen (Dwiteeya Lakshana).

Der Yogi kann über Feuer, Wasser oder ein scharfes Schwert gehen. Er kann sich in den Himmel erheben. Er hat Wissen über die drei Zeitphasen (Trikala Jnana). All das sind Zeichen dafür, daß er sich in der dritten, vierten und fünften Phase von Yoga befindet. Schließlich befreit er sich aus Prakriti und den drei Gunas und erlangt Kaivalya, absolute Unabhängigkeit durch Nirvikalpa oder Nirbhaya Samadhi.

Die Essenz des Sadhana

Ein Raja Yogi ersteigt langsam die Leiter der acht Stufen, Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi. Er erhält zu Beginn eine Ausbildung in Ethik, um sich durch die Praxis von Yama und Niyama zu reinigen. Dann macht er die Stellung fest, Asana. Dann übt er Pranayama, um den Geist zu stabilisieren und die Nadis zu reinigen. Dann, durch die Praxis von Pratyahara, Dharana und Dhyana erlangt er Samadhi. Durch Samyama erwirbt er verschiedene Siddhis. Er bringt alle mentalen Erscheinungsformen, die sich aus dem Geist erheben, zum Stillstand.

Hatha Yoga arbeitet mit dem physischen Körper und der Atemkontrolle. Raja Yoga arbeitet mit dem Geist. Raja Yoga und Hatha Yoga sind eng miteinander verbunden. Raja Yoga und Hatha Yoga sind einander bedingende Gegenstücke. Niemand kann ein vollkommener Yogi werden ohne Kenntnis und Praxis von beiden. Der wahre Raja Yoga beginnt dort, wo richtig praktizierter Hatha Yoga endet. Ein Hatha Yogi beginnt sein Sadhana mit dem Körper und dem Prana, der Raja Yogi hingegen mit dem Geist; ein Jnana Yogi mit Buddhi und Willen. Das ist der Hauptunterschied. Um im Raja Yoga erfolgreich zu sein, bedarf es einer gründlichen Kenntnis der Geheimnisse des Geistes sowie der Methode, um ihn zu kontrollieren.

Der Hatha Yoga Schüler muß versuchen, die Kundalini Shakti, die im Muladhara Chakra schlummert, durch Asana, Pranayama, Mudra und Bandha zu erwecken. Er muß versuchen, Prana Apana zu vereinen und das vereinte Prana Apana durch die Sushumna Nadi zu schicken. Die Hitze wird durch Anhalten des Atems gesteigert, und Vayu steigt gemeinsam mit der Kundalini durch die einzelnen Chakras zum Sahasrara Chakra. Wenn die Kundalini im Sahasrara Chakra mit Gott Siva vereint wird, erlangt der Yogi Samadhi und genießt höchsten Frieden, Wonne und Unsterblichkeit.

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