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Im Tantra gibt es eine vollständige Kosmologie mit einer Theorie über die Schöpfung des Universums wie auch seiner Auflösung in jeweils sechs Stufen:

Vor der Schöpfung

Ursprünglich waren Shiva und Shakti eins, Kosmisches Bewusstsein und Kosmische Energie waren eins. Energie ist ja nichts anderes als Schwingung. Wenn Energie in unendlich hoher Geschwindigkeit schwingt, ist es so, als würde sie überhaupt nicht schwingen. Damit sind Substrat (Shiva) und Energie (Shakti) eins. Diese Einheit wird symbolisiert durch das höchste der sieben Chakras, das Sahasrara-Chakra (Scheitelchakra).

Erste Schritte der Schöpfung: Kausalebene

Aus dieser Ureinheit projizierte Shakti die erste konkrete Manifestation der Urschwingung, Spandana genannt. Auf der einen Seite blieb und bleibt Shakti ewig eins mit Shiva. Auf der anderen Seite projizierte sie eine mit sehr hoher Geschwindigkeit vibrierende Urschwingung, die von Shiva getrennt ist, aber noch keine Unterteilungen in sich hat. Dieser Zustand der unmanifestierten Urenergie wird auch als höhere Kausalwelt bezeichnet und wird symbolisiert durch das Ajna-Chakra (Stirnchakra).

Aus dieser Urenergie projizierte Shakti etwas weniger schnell schwingende Kräfte. Diese Ebene kann man als niedere Kausalebene bezeichnen. Sie umfasst die Urkräfte, die Grundgesetze des Universums, die Archetypen, die „Ideen“ im Sinne Platos als „Dinge an sich“. Dies sind die Organisationsprinzipien des Universums, die noch nicht in Zeit und Raum geschieden sind, aber letztlich bestimmen, welche Möglichkeiten die darunter liegenden Ebenen der Schöpfung haben. Diese Ebene wird symbolisiert durch das Vishuddha-Chakra (Kehlchakra).

Mittlere Schritte der Schöpfung: Astralebene

Aus dieser niederen Kausalwelt projiziert Shakti eine etwas langsamere Schwingung, die die höhere Astralwelt schafft, symbolisiert durch das Anahata-Chakra (Herzchakra). Dabei werden Zeit und Raum geschaffen. Dies ist die Ebene der Engel und der höheren Geistwesen.

Dann projiziert Shakti eine wiederum langsamere Schwingung und schafft die mittlere Astralwelt, symbolisiert durch das Manipura-Chakra (Nabelchakra). Dies ist die Ebene der mittleren Astralwesen.

Darauf folgt die niedere Astralwelt, symbolisiert durch das Swadhisthana-Chakra (Sexualchakra). Das ist die Ebene des Prana und damit die Vorstufe der physischen Welt.

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Letzter Schritt der Schöpfung: Physisches Universum

Als letztes manifestiert Shakti eine noch langsamere Schwingung und schafft so die physische Welt, symbolisiert durch das Muladhara-Chakra. Interessanterweise wird die Schöpfung der physischen Welt aus der Prana-Welt auch wieder in verschiedenen Stufen beschrieben: Aus der Prana-Welt entsteht zunächst der kosmische Äther (das elektromagnetische Spektrum). Muladhara-ChakraDaraus entsteht die kosmische Luft, der Urnebel. Dieser beginnt sich zu drehen und sammelt sich an einigen Stellen, wo er sich erhitzt und Sterne als kosmische Feuer schafft. Manche Sterne explodieren oder kühlen ab, wodurch flüssige Materie (kosmisches Wasser) entsteht. Wenn diese weiter abkühlt, entsteht feste Materie, also Planeten, Monde und Asteroiden. Manche dieser Planeten zeigen die Materie in verschiedenen Aggregatzuständen: Auf der Erde beispielsweise überwiegt das Gasförmige in der Atmosphäre, das Flüssige in den Meeren und im Erdinneren und das Feste in der Erdkruste.

7 Ebenen und 6 Schritte der Schöpfung

In dieser Tantra Anschauung bleibt bei jeder Schöpfung einer tieferen Ebene die vorige Ebene weiter bestehen. Shakti bleibt auf einer Ebene weiterhin eins mit Shiva. Es gibt die höhere Kausalwelt der allumfassenden, aber schon von Shiva getrennten Kausalwelt. Es gibt die niedere Kausalwelt mit den Urprinzipien und Gesetzen. Es gibt die höhere, mittlere und niedere Astralwelt, alles gleichzeitig zur physischen Welt.

Shakti hat also die Welt in sechs Stufen geschaffen. Die oberste Ebene existierte ja schon vor der Schöpfung.

Tantra Schöpfungstheorie und die 6 Schöpfungstage in Judentum und Christentum

Dies kann analog zum ersten Schöpfungsmythos der jüdischen und christlichen Bibel gesehen werden: Dort hat Gott Himmel und Erde in sechs Tagen geschaffen. Sechs Tage heißt natürlich nicht 144 Stunden. Vielmehr heißt es sechs verschiedene Stufen der Schöpfung. Und auch wenn die Ereignisse der sechs biblischen Schöpfungstage etwas anders beschrieben werden als die sechs Schöpfungsebenen des Tantra, ist doch die Übereinstimmung in der Zahl sechs bemerkenswert. In der Bibel heißt es dann, dass Gott sich am siebten Tag ausruht. Wenn die unterste Ebene geschaffen ist, schafft Shakti für eine Weile keine neue Welt und löst auch nichts auf. Man könnte also sagen: Shakti ruht.

Die Welt ist in ständiger Bewegung

Aber in Wahrheit ruht Shakti natürlich nie: Da die Welt aus Shakti besteht und Shakti Energie ist, befindet sich die Welt in ständiger Veränderung, ständiger Bewegung. Und selbst das scheinbar Feste bewegt sich ständig: Selbst ein so fest aussehender Eisenstab vibriert die ganze Zeit in einer Eigenschwingung und auf der atomaren Ebene kreisen die Elektronen in riesiger Geschwindigkeit um die Atomkerne, und die subatomaren Teilchen führen einen wahrhaften Tanz auf. Noch eine ganze Weile dehnt sich die physische Welt immer weiter aus, das Weltall wird größer, so wie es ja auch die moderne Kosmologie postuliert.

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Auflösung des Universums

Shiva und ShaktiIrgendwann kehrt sich die Schöpfungsenergie wieder um: Wenn die Shakti das Universum nicht mehr ausdehnt, zieht es sich wieder zusammen. Dann kollabiert das physische Universum irgendwann in einen Punkt und wird in das niedere Astraluniversum absorbiert. Dann wird dieses in das mittlere absorbiert. Und dieses in das höhere Astraluniversum. Dieses wird absorbiert in das niedere Kausaluniversum, welches in das höhere Kausaluniversum aufgelöst wird, welches schließlich seine Schwingung weiter beschleunigt, bis sie wieder unendlich hoch und damit wieder vollständig eins mit Shiva wird. Damit ist ein Schöpfungszyklus abgeschlossen. Shakti hat zurückgefunden zu ihrem Ursprung, von dem sie eigentlich auch nie getrennt war. Es ist wieder Kosmische Nacht (Pralaya). Ist das Universum dann für immer verschwunden? Im Tantra heißt es: Nein. Nach der Kosmischen Nacht beginnt wieder der Kosmische Tag, also ein neuer Schöpfungszyklus. Dem folgt wieder die Kosmische Nacht. Und so geht das immer weiter, in alle Ewigkeit und seit aller Ewigkeit.

Dauer eines Schöpfungszyklus

Wie lange dauert ein Schöpfungszyklus? Eigentlich dürfte man keine Zeitangaben machen. Eine Stunde ist ja ein Vierundzwanzigstel einer Erdumdrehung. Wie aber zählt man die Zeit vor der Schöpfung der Erde? Und wie zählt man Zeit auf der Astralebene, wo ja Zeit ganz anders ablaufen soll als auf der physischen Ebene? Nichtsdestotrotz findet man in den indischen Schriften an einigen Stellen Zeitberechnungen für die Dauer der Schöpfung.

Alter des Universums laut Surya Siddhanta

Und auch wenn die Schriften manchmal um einen relativ hohen Faktor voneinander abweichen, möchte ich doch die Berechnung des Suryasiddhanta (spätestens aus dem 6. Jh. n. Chr.) zitieren, um zu zeigen, in welcher Größenordnung die Inder gerechnet haben. Ich folge dabei Swami Sivanandas Kommentar zur Bhagavad Gita1. Das Suryasiddhanta unterscheidet verschiedene Zeitberechnungen:

„Ein Kaliyuga (dunkles beziehungsweise eisernes Zeitalter) umfasst 432 000 Jahre. Dwaparayuga (entspricht dem bronzenen Zeitalter) umfasst 864 000 Jahre. Tretayuga (entspricht dem silbernen Zeitalter) umfasst 1 286 000 Jahre. Kritayuga (goldenes Zeitalter) umfasst 1 728 000 Jahre. Ein Mahayuga besteht aus all diesen vier Yugas und umfasst daher 4 320 000 Jahre. 71 Mahayugas mit einem zusätzlichen Sandhya (Übergang) ergeben ein Manvantara von 308 448 000 Jahren. 14 solche Manvantaras mit einem weiteren Sandhya ergeben ein Kalpa von 4 320 000 000 Jahren. Zwei Kalpas sind ein Tag und eine Nacht im Leben von Brahma, dem Schöpfer. Brahma hat eine Lebensspanne von 100 Jahren. Daher umfasst ein Schöpfungszyklus 311 040 000 000 000 Jahre, also mehr als 311 Billionen Jahre."

Indische und westliche Zeitperspektiven

SandDiese riesige Zeitangabe für einen Schöpfungszyklus von 311 Billionen Jahren im Tantra ist umso bemerkenswerter, als diese vor über 1500 Jahren angegeben wurde und sich auf andere Quellen bezieht, die mindestens Hunderte, wenn nicht Tausende von Jahren älter sind. Noch vor 1000 Jahren hat man in Europa das Alter der Schöpfung in Jahrtausenden berechnet. Die Aussagen der Bibel hat man wörtlich genommen. Und wenn man alle Patriarchen des Alten Testaments zusammenrechnet, kommt man darauf, dass Gott die Welt um 3500 v. Chr. geschaffen hat. Außerdem wurde in Europa angenommen, dass die Welt eine Scheibe ist, Jerusalem der Mittelpunkt der Welt, dass die Erde einmalig sei, das Ende der Welt in absehbarer Zukunft bevorstehe und der Mensch nur ein Mal lebe.

Die Inder dagegen (und zwar sowohl Buddhisten als auch Jains und Hindus) haben gesagt, dass wir uns erst in der ersten Schöpfungshälfte befinden und uns somit noch viele Billionen Jahre in diesem Schöpfungszyklus bevorstehen.

Tantra und Außerirdisches Leben

Die Möglichkeit von Leben auf anderen Planeten wurde immer wieder beschrieben. Es wird gesagt, dass die Seele sich viele Millionen Male inkarniert. Es heißt, dass Gott sich in jedem Zeitalter eines Planeten neu inkarniert, um den Menschen die Wahrheit zu offenbaren. Und selbst wenn die Menschen diesen Planeten Erde unbewohnbar machen, wird Leben sich von neuem entfalten und die Seelen werden sich wieder weiterentwickeln können, entweder auf diesem Planeten in ferner Zukunft oder auf einem anderen. Und, wer weiß, vielleicht kann man sich sogar in der Vergangenheit inkarnieren? Vor dem Hintergrund eines vieldimensionalen Kosmos erscheint vieles denkbar.

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