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16. Den göttlichen Willen ausdrücken

Früher begann Gurudev all seine Bücher mit der Ermahnung: „Der Zweck des Lebens ist Selbstverwirklichung.“ Daher fragt man sich, warum Gurudev seine Vereinigung nicht die „Selbstverwirklichungs-Gesellschaft“ genannt hat, statt die „Göttliches-Leben-Gesellschaft“ (Divine Life Society) und warum er soviel Betonung auf „Sei gut und tue Gutes“ legt. Wenn man Swamijis Lehren zusammenfassen wollte, könnte man sagen: „Du bist göttlich. Erkenne diese Wahrheit und bringe sie in deinem täglichen Leben zum Ausdruck.“ Und im „Vater Unser“ sagt Jesus: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“, was nahe legt, dass unser letztliches Ziel hier auf Erden nicht ist, unseren Willen auszuführen und nicht einmal oder gar Gottesverwirklichung zu erreichen, sondern Gottes Willen auszudrücken.

Also fragen wir uns, ob wir die richtige Sichtweise auf unseren Sinn und unser Lebensziel haben. Denn wenn wir immer noch denken: „Ich will Selbstverwirklichung oder ich will göttlich sein“, dann mag das doch nicht das letzte Ziel sein. Vielleicht ist es ein Mittel zum Zweck, ein göttliches Leben zu führen und die Göttlichkeit, welche wir sind, zum Ausdruck zu bringen, um Gottes Willen auf Erden zu tun. Unsere Lehrer sagen uns, die Quelle unseres Leidens seien Wünsche – unseren Willen ausführen – Befriedigung für uns suchen.

Das müssen wir entdecken und allmählich darauf verzichten. Sogar wenn wir Selbstverwirklichung für uns suchen, müssen wir auch darauf verzichten, bevor die eigentliche Verwirklichung stattfinden kann. Wenn wir den Königsweg zum Lebensziel kennen möchten, kann er vielleicht zusammengefasst werden als: „Nicht mein Wille sondern Dein Wille geschehe.“ Sicherlich ist der Zweck des Menschen, als das zu wirken, was er sein sollte, nämlich das Ebenbild Gottes auf Erden. Das zu sein bedeutet, ein Kanal für den Willen Gottes auf Erden zu sein, wir werden zum Instrument Gottes.

Wenn wir also nach einem sehr einfachen Weg zum Göttlichen suchen, wäre es also der, unser ganzes Wesen – unser ganzes Denken, Wollen und Fühlen – darauf zu konzentrieren, Gottes Willen auszudrücken statt unseren eigenen. Wir müssen sehen, dass der Versuch, unsere Bedürfnisse zu befriedigen, der Grund unseres Leides ist. Das Konzentrieren all unserer Energie auf das Erfüllen von Gottes Willen anstatt unseres eigenen wird uns völlige Befriedigung geben und wir werden feststellen, dass wir so das Ziel erreicht haben, das wir anderswo gesucht haben.

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17. Karma Yoga

Die meisten Yogas haben ihre eigene Lehrtradition, ihre Lehrer und entsprechende Bücher. Sie sind recht gut definiert und verstanden. Von Karma Yoga, dem selbstlosen Dienen, kann man das nicht sagen. Es gibt einige Institutionen, in welchen selbstloser Dienst die einzige vorgeschriebene Praxis für die Bewohner ist. Oft gibt es gar keine Gelegenheit, andere Yogas zu üben. In anderen Institutionen wird Karma Yoga als Vorübung abgetan, wenn es überhaupt als Yoga anerkannt wird.

Im Sivananda Ashram bzw. der Divine Life Society gibt es keines dieser Extreme. Karma Yoga wird nicht nur als einer der 4 Hauptyogas angesehen, sondern hat einen einzigartigen Stellenwert, der für uns Suchende zu erkennen wichtig ist. Gestern beschrieb Swamiji Karma Yoga als die Grundlage spirituellen Lebens. Er hat Gurudev zitiert: „Gib niemals selbstloses Dienen auf.“

Und tatsächlich, wenn wir sehen, was das Leben der Großen uns zeigt – scheint der ganze Zweck alldessen, was sie erreicht haben, zu sein, dieses im selbstlosen Dienen auszudrücken. Wenn wir selbstloses Dienen vom breitesten Blickwinkel aus betrachten, sehen wir, dass es alle anderen Yogas einschließt, um es richtig zu tun. Und was von äußerster Wichtigkeit ist, es schließt sie so ein, dass es die anderen Yogas auf eine Ebene bringt, wo sie eine praktische Bedeutung für unser Leben haben.

In unserem spirituellen Leben benötigen wir Hingabe und einen konzentrierten, verständigen Geist. Aber wenn unsere Hingabe, Konzentration und Verständnis auf unseren Meditationsraum beschränkt sind, haben sie keinen großen praktischen Wert für uns. Was wirklich zählt, ist unsere Fähigkeit, sie in unser alltägliches Leben und unsere Arbeit zu bringen. Das Geheimnis von Karma Yoga ist, zu spüren, dass das Universum durch uns wirkt, indem wir dem Universum dienen. Wie Swamiji hier an einem Morgen sagte: „Wenn ich zu euch spreche, spricht das Unpersönliche zum Unpersönlichen.“

So sollte es auch bei unserem selbstlosen Dienen sein - das Unpersönliche sollte dem Unpersönlichen dienen. Sich daran zu erinnern, erfordert einen konzentrierten Geist, Hingabe und Verständnis. Daher braucht es alle Yogas, um guten selbstlosen Dienst zu leisten. Aber eine Frage bleibt. Was ist, wenn wir keine Gelegenheit zu dem haben, was wir normalerweise unter selbstlosem Dienst verstehen, z.B. Kranken und Bedürftigen zu helfen? Vielleicht sind wir eine viel beschäftigte Hausfrau oder in unserem Beruf total ausgelastet, den Lebensunterhalt zu verdienen oder vielleicht sind wir schon älter.

Aber ungeachtet unseres Berufs und unseres Alters handeln wir. Soweit es Karma Yoga betrifft, macht es nicht wirklich einen Unterschied, ob wir die Gelegenheit haben, anderen ohne Gegenleistung zu dienen oder nicht. Das Geheimnis ist, das, was wir tun, mit Hingabe, Konzentration und Verständnis zu tun. Ob wir Kartoffeln schälen, einen Computer benutzen oder Kinder betreuen, wir sollten das innere Verständnis und Gefühl haben, dass es das Universelle für das Universelle tut. Das ist das wahre Geheimnis von Karma Yoga und das gibt ihm einen einzigartigen und hohen Stellenwert im spirituellen Leben.

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18. Das Geniale an Gurudevs unorthodoxen Lehren

Gurudev war gleichzeitig orthodox und unorthodox. Er war sehr orthodox im Einhalten der üblichen religiösen Feste und Sitten. Sie wurden so perfekt durchgeführt, wie es ihm nur möglich war. Unorthodox war, dass er die heiligen Lehren so verbreitete, wie es vor ihm noch nie jemand getan hatte. Er war auch unorthodox darin, dass er neue Besucher nicht gründlich überprüfte.

Er pflegte sogar zu sagen: „Bringt mir die Schurken, dann gibt es einen Schurken weniger auf der Straße.“ Gurudev war also orthodox und unorthodox in seinen Lehren. Es ist nichts Unorthodoxes an: „Diene, liebe, gib, reinige dich, meditiere, verwirkliche. Sei gut. Tue Gutes. Sei freundlich. Sei mitfühlend. Erforsche, wer bin ich? Erkenne dein Selbst und sei frei.“

Diese Lehren haben Parallelen in fast allen Traditionen. Aber dann, wenn du gerade denkst, du kommst mit Gurudevs Lehren gut klar, erklärt er mitten in seinen 20 wichtigsten spirituellen Anweisungen: „Selbstsicherheit ist die höchste Tugend.“ Das scheint sehr befremdlich, nachdem er vorher schon so viele Tugenden aufgelistet hat, von denen jede höher zu sein scheint als Selbstvertrauen. Gurudev sagt dann auch noch: „Ertrage Beschimpfungen, ertrage Kränkungen, höchstes Sadhana!“

Nachdem er die 4 Haupt-Sadhanas im Emblem der Divine Life Society festgelegt hat (nämlich „Diene, liebe, meditiere, verwirkliche“), erwartet man, dass Gurudev eines davon als höchstes Sadhana bezeichnen würde. Aber nein, er nennt das Ertragen von Beleidigungen und Kränkungen als höchstes Sadhana und Selbstsicherheit als höchste Tugend. Vielleicht liegt darin eine echte Botschaft für uns. Wir fühlen uns behaglich im Orthodoxen, aber es berührt uns nicht wirklich da, wo wir leben.

Aber wenn uns jemand beleidigt oder verletzt, dann berührt es uns da, wo wir wirklich sind. Wir können es nicht ignorieren, es berührt unseren Kern. Beleidigungen und Verletzungen zu ertragen, konfrontiert uns mit unserem grundlegendsten inneren Faktor - unserem Ego. Wir können in der Welt sehr schlau sein. Wir können über weite Strecken Konfrontationen und Konflikte, die uns tief schmerzen würden, vermeiden. Aber wenn uns jemand beleidigt oder beschuldigt, dann legt er diesen Teil von uns bloß, welchen wir gehütet haben – unser Ego – den Teil von uns, den wir gut verstehen und letztlich auflösen müssen.

Ähnlich wenn wir uns auf andere Leute verlassen, auf unsere Familie oder eine Institution und sie uns fallen lassen, dann kann uns das vernichten. Selbstvertrauen übt uns darin, uns auf den Teil von uns zu verlassen, der das Ego transzendiert, unser wahres Selbst. Gurudev war wirklich ein Genie als Lehrer. Er gab uns alle traditionellen Belehrungen, aber die Essenz seiner Genialität finden wir in den unorthodoxen Maximen: Selbstsicherheit ist die höchste Tugend. Beleidigungen und Kränkungen zu ertragen, ist höchstes Sadhana.

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19. Wir sind die Welt

Die Menschen auf der ganzen Welt unterscheiden sich durch vielerlei Merkmale, aber es gibt eine Sache, die wir alle gemeinsam haben, nämlich die fundamentale Überzeugung, dass wir vom Rest der Welt getrennt sind. Die Aufgabe, welche sich die Schriften und großen Lehrer vorgenommen haben, ist die beschwerliche Arbeit, uns von etwas anderem zu überzeugen - uns auf einen Weg zu führen, auf welchem wir selbst erkennen, nicht intellektuell, nicht emotional, sondern in der Tiefe unseres Wesens, dass es nicht so ist, dass wir nicht getrennt sind, dass alles Eins ist.

Einer der großen spirituellen Lehrer des 20. Jahrhunderts, J. Krishnamurti, hatte seine eigene Art, diese Wahrheit auszudrücken. Zum Beispiel mit dem kurzen Aphorismus: „Du bist die Welt.“ Die wirkliche Bedeutung dieses Satzes in ihrem höchsten Sinn kann nur jemand wie Krishnamurti oder andere Große erkennen. Im einfachen Sinne können wir annehmen, dass wir die Welt sind, insofern als wir und die Welt aus 5 Elementen bestehen. Aber als Suchende interessiert uns der Geist, welcher sowohl die Ursache unserer Bindung als auch die Ursache unserer Befreiung ist.

Sind wir also auch in Bezug auf unseren Geist die Welt? Es gab einen großen amerikanischen Psychologen namens Erich Fromm. Zu seiner Größe hat wahrscheinlich teilweise die Tatsache beigetragen, dass er als deutscher Jude einige Jahre im Konzentrationslager verbracht hat, wo er die Extreme der menschlichen Natur kennenlernte. Später machte er eine bezeichnende Aussage. Er sagte: „Ein Mensch, der sich unter sachgerechter Führung in psychiatrische Behandlung begibt, wird in sich die Tiefen der Verdorbenheit und die Höhen der Heiligkeit entdecken.“

Mit anderen Worten gibt es in uns zumindest potentiell die gesamte Breite an Lust, Gier, Hass, Ärger und Eifersucht. Genauso gibt es in uns das Potential für alle göttlichen Tugenden, welche Gurudev uns gelehrt hat und für welche wir beten sollen. Das zeigt uns etwas sehr Wichtiges, worauf nur sehr wenige von uns vorbereitet sind: Es scheint, als ob es psychisch für uns nicht möglich ist, das Höchste und Heilige in uns anzuerkennen, wenn wir nicht auch die Tiefen der Verdorbenheit in uns sehen und zugeben.

Mit anderen Worten, weil wir an unserer Individualität, an unserem Getrennt-Sein und an unserer begrenzten Vorstellung von uns selbst hängen, erkennen wir nicht das Potential der ganzen Welt in uns, sowohl das Gute als auch das Böse. Wir haben einen zu kleinen Blickwinkel davon, wer oder was wir sind. Wie kann sich unser Bewusstsein zur Unendlichkeit ausdehnen, wenn wir uns sträuben, es sich ausdehnen zu lassen?

Aber bevor es sich zum Himmel ausweiten kann, müssen wir auch die Hölle sehen, welche auch da ist. Swamiji sagte uns, wir müssen uns beider bewußt sein, der Avidya Maya und der Vidya Maya in uns; also das, was uns von Gott weg führt und das, was uns zu Ihm hinführt. Aber bevor wir frei sind, eine Entscheidung zu treffen, müssen wir erkennen, was da ist. Wir müssen erkennen, dass wir ein Mikrokosmos der ganzen Welt sind. Wir sind die Welt. Das umfasst Himmel und Hölle und auch das, was jenseits davon ist.

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20. Der Wahrheit ins Gesicht sehen

Nichts ist grundlegender für das spirituelle Leben als Wahrheit. Wenn wir hier jeden Morgen sitzen, machen wir dies, um in uns zu gehen und die Wahrheit zu erforschen. Wenn wir unseren täglichen Geschäften nachgehen, sollten wir in all unseren Worten und Taten Wahrheit und Ehrlichkeit üben. Aber so wichtig diese beiden Aspekte der Wahrheit auch sein mögen, die wichtigste Übung der Wahrheit ist, wahrheitsgetreu und aufrichtig mit sich selbst zu sein.

Es geht nicht nur darum, dass wir unsere Schwächen nicht wahrheitsgetreu und ehrlich anschauen. Wir sehen auch unsere Situation in der Welt nicht so, wie sie ist, vom philosophischen und kosmischen Gesichtspunkt aus. Wir wollen die großen Wahrheiten nicht erkennen. Wir wollen ihnen nicht ins Gesicht sehen. Es gibt zwei grundlegende Wahrheiten, die wir zögern, anzuer - kennen. Die erste ist die Tatsache, dass es keine Möglichkeit gibt, dauerhaftes Glück von dieser Welt zu bekommen.

Wenn wir ehrlich sind, ist das, was wir wirklich suchen, uns ein bisschen angenehmer zu fühlen als jetzt. Wir glauben weiterhin, dass wir irgendwie Glück in dieser Welt finden können. Unser Motto ist nicht „Ich bin Brahman“, unser wirkliches Motto ist „Wenn nur“. „Wenn ich nur dieses Problem nicht hätte, wäre ich glücklich. Wenn ich nur das bekommen könnte, wäre ich glücklich.“ Das ganze Leben sagen wir: „Wenn nur“, so sagen wir uns wenn ich nur dies oder jenes hätte, dann wäre ich glücklich.

Aber die Schriften und die Weisen erzählen uns, dass wir niemals Glück von dieser Welt bekommen werden. Wenn wir also die Wahrheit wollen, müssen wir uns mit dem Gedanken anfreunden, dass das Glück, welches wir suchen, niemals in der Welt zu finden ist. Die andere Wahrheit, die wir nicht sehen wollen, ist, dass wir genau jetzt das sind, was wir suchen. Wir sind perfektes Glück und zwar jetzt. Swamiji sagt ständig: „Es ist dein Geburtsrecht“ – das bedeutet, dass wir Menschen als Ebenbild Gottes geboren wurden, dass wir jetzt göttlich sind.

Aber diese Wahrheit anzuerkennen, ist eine zu große Anforderung an uns. Solange wir diese Wahrheit als eine Hoffnung behalten können, fühlen wir uns besser. Wie auch immer, unsere Erlösung hängt von uns ab, davon, dass wir diese großen Wahrheiten einsehen. Wir müssen die Ganzheit aller Dinge dieser Welt erkennen. Es kann keinen Kompromiss geben wie, wenn dies oder das nur etwas besser laufen würde, dann werde ich schon glücklich sein. Wir müssen erkennen, dass das Glück, das wir suchen, nur in unserem Selbst liegt. Die Wahrheit ist simpel, aber in der Wahrheit liegt Vollkommenheit und unsere Erlösung.

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