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Ha-Tha Die Speicher von Sonne und Mond

Im letzten Kapitel habe ich viel über die drei Haupt-Nadis Ida, Pingala und Sushumna geschrieben. Ida transportiert die Mondenergie, Pingala die Sonnenenergie. Mond heißt auf Sanskrit Chandra, wird aber auch durch das Bija-Mantra Tham symbolisiert. Sonne, Surya, wird auch durch Ha symbolisiert. Yoga heißt „Harmonie“. So steht Hatha-Yoga für die Harmonie von Sonne und Mond, also den Ausgleich der Sonnen- und Mondenergien im Menschen. Eine zweite Bedeutung von Yoga ist „Einheit“, „Verbindung“. Wenn Ida und Pingala sich im Muladhara-Chakra verbinden und die Sushumna sich öffnet, erfährt der Yogi die Einheit. Wenn das Prana längere Zeit durch die Sushumna fließt, öffnen sich die Chakras entlang der Wirbelsäule und irgendwann erwacht die Kundalini, die Kosmische Energie, die im Muladhara-Chakra ruht.

Sonnen- und Mondenergie fließen durch Ida und Pingala, und werden in ihren eigenen Energiezentren aufgespeichert.

Ha - Sonnenenergie

Die Sonnenenergie hat ihren Sitz im Sonnengeflecht. Hier ist aber nicht das physiologische Nervengeflecht gemeint, sondern der ganze Bauchbereich als Sitz der Sonnenergie. Genau genommen gibt es im Bauchbereich eine Reihe von Chakras, welche die Sonnenergie tragen:

  • Zentral ist das Manipura-Chakra in der Mitte der Lendenwirbelsäule, das Sitz der Feuerenergie ist.
  • Wichtig ist das Nabhi-Chakra (Nabelzentrum) in der Nabelregion.
  • Agni, das Verdauungsfeuer, hat seinen Sitz im ganzen Verdauungssystem.
  • Samana-Vayu, das Verdauungsprana, hat ebenso seinen Sitz im ganzen Verdauungssystem.
  • Der im Zen-Buddhismus so wichtige Hara gehört auch zu den Sonnenzentren.

Ha, das Sonnengeflecht, als Hauptspeicher von Prana

Der ganze Bereich von der Lendenwirbelsäule bis zur Bauchdecke ist Sitz der Sonnenergie. Die Sonnenergie strahlt sogar noch weiter nach vorne aus, einige Zentimeter oder sogar mehrere Meter, je nachdem, wie viel Energie der betreffende Mensch hat. Je mehr Sonnenergie ein Mensch im Sonnengeflecht gespeichert hat, umso mehr kann er im Leben bewirken. Im Grunde genommen ist das Sonnengeflecht unser Hauptspeicher von Prana. So wie die Sonne die Mitte unseres Sonnensystems ist, ist das Sonnengeflecht die Mitte unseres Energiesystems. So wie die meiste Energie der Erde ihren Ursprung in der Sonne hat, so stammt die meiste Energie des Menschen vom Sonnengeflecht her. Es gib 7 Haupt-Chakras. Für den Alltag aber ist das Sonnengeflecht am allerwichtigsten. Man kann das Sonnengeflecht durch Atemübungen und Yoga-Stellungen immer wieder aufladen. Durch Entspannung des Sonnengeflechts lernt man, in seiner inneren Mitte zu ruhen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Bauchatmung. Besonders machtvoll ist sie mit Konzentration auf das Sonnengeflecht. Solange man mit dem Bauch atmet, hat man Zugang zu seiner Sonnenenergie, zu seiner Mitte, zu seiner inneren wärmenden Kraft. Bewusste Bauchatmung mit Konzentration auf das Sonnengeflecht und/oder Visualisierung von Sonnenergie geben Selbstbewusstsein, Mut und Kraft. Hier eine einfache Übung, die du im Sitzen, Stehen oder Liegen ausführen kannst:

Übung zur Aktivierung des Sonnen-Pranas

Lege deine rechte Hand auf den Bauch. Reibe ein paar Mal deinen Bauch sanft im Uhrzeigersinn. Spüre, wie er warm wird. Dann lasse die Hand in der Nabelgegend ruhen. Atme zehn Mal tief mit dem Bauch ein und aus. Atme drei bis vier Sekunden lang ein, der Bauch geht dabei hinaus, die Bauchdecke wölbt sich nach vorne. Atme drei bis vier Sekunden lang aus, der Bauch geht hinein, die Bauchdecke nach innen. Stelle dir dabei eine Sonne im Bauch vor, die mit jedem Atemzug wärmer und strahlender wird. Oder spüre einfach die Wärme im Bauch. Oder wiederhole geistig: „Ich sammle wärmende Lichtenergie im Sonnengeflecht.“ Nach zehn solchen Atemzügen senke die Hand und vertiefe die Atmung noch mehr, vertiefe insbesondere die Ausatmung. Wiederhole beim Atmen: „Ich ruhe in mir selbst. Ich habe Selbst- und Gottvertrauen. Ich bin voller Kraft und Energie.“

Sonnen-Prana und Kundalini Yoga

Im fortgeschrittenen Kundalini-Yoga hat die Sonnenenergie noch eine weitere wichtige Funktion: Sie kann die Unreinheiten zum Schmelzen bringen. Mittels spezieller Atemübungen, Visualisierungstechniken und Mantras können die Strahlen der Sonnenergie zum Muladhara-Chakra gelenkt, dort können die Unreinheiten zum Schmelzen gebracht und die Kundalini-Energie entzündet werden. So wie man mit einer Linse Sonnenstrahlen bündeln und so ein Feuer entzünden kann, kann man mittels spezieller Konzentrationstechniken die Strahlen der inneren Sonnenergie bündeln und die Kundalini-Energie entzünden beziehungsweise erwecken.

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Mond-Prana

Auch der Speicher der Mondenergie ist von besonderer Wichtigkeit. Die Mondenergie ist kühlend, ihr Sitz ist im Kopfbereich. Nicht umsonst gibt es im Autogenen Training die Suggestionen „Sonnengeflecht strömend warm“ und „Stirn angenehm kühl“. Solange dein Bauch warm und deine Stirn kühl sind, ist dein Energiesystem im Gleichgewicht.

Chakras in Verbindung mit Mond-Prana

Es gibt eine Reihe von Chakras, die mit der Mondenergie in Verbindung stehen beziehungsweise Speicher der Mondenergie sind:

  • Alle Mond-Chakras werden beherrscht und gesteuert durch das Ajna-Chakra, das sechste der sieben Haupt-Chakras mit Sitz in der Mitte des Kopfes. Ihm entspricht das Trikuti (Drittes Auge) in der Mitte der Stirn.
  • Von besonderer Bedeutung ist das Chandra-(Mond-)Chakra in der Stirngegend über der rechten Augenbraue. Daher findet man auf Abbildungen von Shiva an dieser Stelle eine Mondsichel. Es wird auch Soma-Chakra beziehungsweise Amrita-Chakra genannt.
  • Am Hinterkopf befindet sich ein weiteres Mond-Chakra, Bindu (Same) genannt.
  • Weitere Mond-Chakras befinden sich an der Nasenspitze, oberhalb des Gaumens und hinten in der Kehle.

Funktionen des Mond-Prana

Im Alltag ist die Mondenergie verantwortlich für Entspannung, Regeneration, Heilung von Krankheiten, Aufbau von Körpergeweben, Intuition, Gefühle, Künste und so weiter, wie schon zuvor im Kontext von Ida-Nadi beschrieben. Die Mondenergie in potenzierter Form wird auch als Soma und Amrita, „Nektar der Unsterblichkeit“ bezeichnet. Dies bezieht sich auf eine mystische Erfahrung in der Meditation: Wenn sich in der Meditation oder beim Mantra-Singen tiefe Liebe und Hingabe manifestieren, entsteht das Gefühl, dass der Nektar des Glücks, der Ekstase, der Wonne von oben nach unten strömt. Dabei kann auch ein wunderbarer innerer Geschmack entstehen, Tränen können fließen. So ist die Mondenergie verbunden mit dem Empfangen von göttlicher Gnade und Segen.

Durch bestimmte Kundalini-Yoga-Übungen können die Mond-Chakras aktiviert werden. Man erfährt Gefühle der Wonne und der Liebe.

Im fortgeschrittenen Kundalini-Yoga hat die Mondenergie eine besondere Bedeutung als kühlende Energie. Wenn nämlich die Kundalini Shakti erst einmal aktiv ist, manifestiert sie sich meist als stark erhitzende Energie. Denn erstens wird sie oft durch Sonnen- beziehungsweise Feuerenergie überhaupt erst aktiviert. Zweitens stößt sie überall auf Blockaden und Unreinheiten. An diesen reibt sie sich, es entsteht Hitze. Mit dieser Hitze bringt sie die Unreinheiten zum Schmelzen. Da ist es wichtig, eine kühlende Energie zu haben, nämlich die Mondenergie, um Überhitzung zu vermeiden und den Prozess harmonisch zu halten.

Übungen für die Aktivierung des Mond-Prana

Folgende einfache Übungen können die Mondenergie aktivieren. Sie können im Ayurveda auch zur Milderung von Pitta-Übersteuerung genutzt werden.

Sitali und Sitkari Diese Atemübungen an anderer Stelle detailliert beschrieben. Hier klicken für Sitali und Sitkari 

Nabho-Mudra: Lege sanft die Zungenspitze nach oben in die Mitte der Gaumenhöhle (Richtung Scheitel). Atme ruhig und gleichmäßig ein und aus. Dies aktiviert die Mondenergie und wirkt sanft kühlend.

Khechari-Mudra: Falte die Zunge nach hinten in Richtung Kehle. Die Zungenunterseite zeigt nach oben, die Zungenspitze an den weichen Teil des Gaumens. Das ist das „kleine Khechari-Mudra“. Beim „großen Khechari-Mudra“ gibst du auch den Kopf nach hinten, soweit es für Hals und Nacken angenehm bleibt. Du gibst die Zunge so weit wie möglich nach hinten, hältst die Augen sanft oder halb geschlossen und schaust dabei senkrecht nach oben hoch zum Unendlichen. Stelle dir dabei vor, dass von oben kühlende Segensenergie in dich hineinströmt und dich ganz durchdringt1.

Einfacher kühlender Atem: Lass den Atem so fließen, wie er von selbst fließen will. Er mag tiefer oder flacher werden, schneller oder langsamer. Spüre dabei die Nasendurchgänge. Spüre, wie beim Einatmen die Nasendurchgänge kühler werden. Spüre, wie die ganze Innenseite der Nase von der Nasenspitze bis zum Punkt zwischen den Augenbrauen kühler wird. Stelle dir vor, dass beim Ausatmen diese angenehme Kühle den ganzen Körper durchdringt und angenehm kühlt.

1Es gibt fortgeschrittenere Variationen von Khechari Mudra, die allerdings über das hier Beschriebene hinausgehen.

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