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Göttliche Erkenntnis

 

Vairagya

Vairagya

Es gibt einen Weg zur unsterblichen Wohnstatt. Es gibt einen Weg zum höchsten Glück. Es gibt einen Weg zur vierten Dimension. Dieser Weg ist Vairagya. Beschreite diesen Weg. Beschreite diesen Weg.

Vairagya ist Leidenschaftslosigkeit, Wunschlosigkeit und Verhaftungslosigkeit. Es ist Gleichgültigkeit gegenüber Sinnesobjekten jetzt und in Zukunft. Es entstand und wird aufrechterhalten durch richtige Unterscheidung, Sadviveka.

Vairagya ist das Gegenteil von Raga oder Verhaftung. Raga bindet den Menschen an Samsara; Vairagya befreit den Menschen aus der Bindung.

Vairagya dünnt den fetten sinnlichen Geist aus. Es wendet den Geist nach innen. Vairagya ist die wichtigste Voraussetzung für einen spirituellen Aspiranten. Ohne es gibt es kein spirituelles Leben.

Die Zugkraft von Raga - Dvesha

Die zwei Strömungen des Geistes - Zu- und Abneigung - bestimmen tatsächlich die Welt von Samsara. Ein weltlicher Mensch ist Sklave dieser zwei mächtigen Strömungen. Er wird wie ein Strohhalm hin- und hergeschleudert. Er lächelt, wenn er Vergnügen erfährt; er weint, wenn er Schmerz erfährt. Er klammert sich an das Angenehme; er läuft vor Dingen davon, die Schmerz verursachen.

Überall, wo ein Gefühl von Freude ist, bleibt der Geist an dem Ding, das Freude bereitet, sozusagen kleben. Das nennt man Verhaftung. Das bringt nur Bindung und Schmerz. Wenn das Objekt entweder weggenommen wird, oder wenn es vergeht, leidet der Geist unsäglich. Zuneigung ist die Hauptursache menschlichen Leidens.

Ein leidenschaftlsloser Mensch hat eine andere Schulung. Er hat eine völlig andere Erfahrung. Er ist ein Meister in der Kunst oder Wissenschaft, sich von den unbeständigen und vergänglichen Objekten zu trennen. Er fühlt sich davon in keiner Weise angezogen. Er weilt unaufhörlich im Ewigen. Er steht fest wie ein Gipfel in einem heftigen Sturm, als ein Beobachter dieser wunderbaren Weltshow.

Ein leidenschaftsloser Mensch fühlt sich von Angenehmem nicht angezogen und von Schmerzlichem nicht abgestoßen. Er fürchtet sich auch nicht vor Schmerz. Er weiß sehr wohl, daß Schmerz für seinen Fortschritt und seine Entwicklung, auf seiner Reise zum Ziel, sehr hilfreich ist. Er ist davon überzeugt, daß das Leid der beste Lehrmeister dieser Welt ist.

Wie man Vairagya entwickelt

Vairagya entsteht, indem man die Fehlerhaftigkeit des sinnlichen Lebens einsieht. Sieh die Fehlerhaftigkeit des sinnlichen Lebens oder sinnlicher Freude ein. Dann entwickelst du Leidenschaftslosigkeit.

Wenn Leben im Reichtum keinen Eindruck auf dich macht, kann dich ein reicher Lebensstil nicht anziehen. Wenn du vom Gedanken erfüllt bist, daß Fleisch und Wein überhaupt kein Vergnügen bringen, können dich Fleich und Wein nicht verlocken. Wenn du davon erfüllt bist, daß eine Frau nichts weiter ist als ein Hautbeutel aus Eiter, Urin, Knochen und Fleisch, kann dich eine Frau nicht verlocken. In diesem Fall wird der Geist keinerlei Qualen leiden, wenn du kein Fleisch, keinen Wein, keine Frau und kein Leben in Reichtum bekommst. Aspiranten sollten Bhartriharis Vairagya Satakam und andere Werke über Vairagya lesen.

Das wird dein Verlangen nach Befreiung und deine Überzeugung vom spirituellen Leben steigern. Shri Rama beschreibt die zerstörerischen Auswirkungen von Lust und Reichtum und das Elend von Geburt und Kindheit. Eine wunderbare Beschreibung wird im Vairagya Prakarana der Yoga Vasishtha gegeben. Jeder sollte es lesen. Das intensiviert Vairagya im Geist.

Stufen von Vairagya

Es gibt verschiedene Stufen in Vairaya. Höchste Leidenschaftslosigkeit, Para Vairagya, kommt, nachdem der Mensch Selbstverwirklichung erreicht hat. Die ganze Welt sieht dann aus wie Stroh. Vairagya wird vollkommen zur Gewohnheit. Das ist intensive spirituelle Stärke. Das ist Para Vairagya.

Vorübergehende flüchtige Leidenschaftslosigkeit ist nicht Vairagya. Sie hilft dem Aspiranten nicht bei der Erlangung von Selbstverwirklichung. Es ist ganz normal, aus dem einen oder anderen Grund Leidenschaftslosigkeit gegenüber bestimmten Objekten zu empfinden. Aber nur wenn man Leidenschaftslosigkeit gegenüber allen Dingen und zu jeder Zeit besitzt, erlangt man Selbsterkenntnis.
Nur intensives Vairagya hilft dem Aspiranten dabei, auf dem spirituellen Weg zu bleiben. Karana Vairagya entsteht aus Enttäuschung und dem Verlust oder Tod von Verwandten und vergeht sofort wieder. Es wartet auf Gelegenheiten, die Dingen, auf die bereits verzichtet worden war, neuerlich zu ergreifen. Es verdunstet so rasch wie Äther, Chloroform oder Ammoniak.

Aber Vairagya, das aus Viveka entsteht, ist dauerhaft und immerwährend. Es wird den Aspiranten nie im Stich lassen wie das Vairagya, das vorübergehend auftaucht, wenn eine Frau ein Kind gebärt, oder wenn ein Mann einer Beisetzung in einem Krematorium beiwohnt.

Wahres Vairagya muß aus Befragen, Vichara, kommen. Alle diese Dinge geben uns kein dauerhaftes Glück. Sie bringen uns Schmerz und Sorge. Ein so tiefes Befragen, das immer wieder und über eine lange Zeit hinweg fortgesetzt wird, schafft dauerhaftes Vairagya. Es ist wahrer Reichtum für einen Aspiranten. Es hilft ihm, wirkliches Sadhana zu machen. Es kehrt den Geist nach innen. Dieses Vairagya bremst die nach außen gehenden Tendenzen des Geistes. Auch wenn der Geist auf die Objekte zuläuft, wird er sofort aufzeigen, daß Schmerz darin liegt, und daß Sinnesvergnügen die Ursache ist für Wiedergeburt und intensives Leiden. Dann ist der Geist sehr erschreckt, und allmählich, durch intensives Üben, wird er fest in wahrem dauerhaftem, andauerendem und intensivem Vairagya.

Der Geist muß allmählich von seinen alten Gewohnheiten und Sehnsüchten abgebracht werden. Wenn du auf einmal alle Quellen des Vergnügens ausschaltest, ist er verwirrt. Man muß den Geist langsam in Meditation üben und ihn die innere Wonne kosten lassen. Allmählich wird er seine alten Gewohnheiten und Sehnsüchte aufgeben, und du kannst in wahrem Vairagya fest werden.

Vairagya - ein Geisteszustand

Vairagya bedeutet nicht, soziale Pflichten und Verantwortungen im Leben aufzugeben. Es bedeutet nicht Loslösen von der Welt. Es beudeutet nicht, in der Einsamkeit einer Höhle im Himalaya oder im Krematorium zu leben. Es bedeutet nicht, von Blättern, Kuhurin und -dung zu leben. Es bedeutet nicht, sein Haar verfilzt zu tragen und ein Kamandulu aus einem Kürbis oder einer Kokosnußschale in der Hand zu haben. Es bedeutet nicht, sich das Haupt zu scheren und die Kleider abzuwerfen. Vairagya ist geistiges Loslösen von allen Verbindungen zur Welt.

Der Mensch kann in der Welt bleiben und alle Pflichten seines Lebensstandes und -alters erfüllen, ohne daran zu hängen. Er kann Familie haben. Und wenn schon? Er kann mit Familie und Kindern leben. Gleichzeitig aber kann er vollkommene geistige Losgelöstheit von allem haben. Er kann sein spirituelles Sadhana machen. Der Mensch, der vollkommene geistige Verhaftungslosigkeit besitzt, während er in der Welt lebt, ist ein wirklicher Held. Er ist sehr viel besser als ein Sadhu, der in einer Höhle im Himalaya lebt, denn ersterer muß in jedem Augenblick seines Lebens unzähligen Versuchungen begegnen.

Wohin der Mensch auch geht, er nimmt seinen unsteten und ruhelosen Geist, seine Samskaras und seine Vasanas mit sich. Auch wenn er in der Einsamkeit des Himalayas lebt, bleibt er derselbe weltliche Mensch, wenn er sich damit beschäftigt, Luftschlösser zu bauen und an Dinge in der Welt zu denken. In diesem Fall wird für ihn auch die Höhle zu einer großen Stadt. Wenn der Geist still bleibt, und der Mensch frei ist von Verhaftungen, kann er ein perfekter Vairagi sein, auch wenn er in einem Palast im lautesten Teil einer Stadt wie Kalkutta lebt. Einen solchen Palast verwandelt er in einen dichten Wald. 

Vairagya ist ein rein geistiger Zustand.

Im allgemeinen sagen Aspiranten: »Ich habe das Hemd weggegeben«; »Ich habe den Pullover weggegeben«; »Ich habe die Schuhe weggegeben«; »Ich lebe nur von Brot und Dhal«. Ihr ganzes Sadhana besteht in ‘Aufgeben’ - dieses und jenes aufgeben. Wahres spirituelles Leben beinhaltet kein Aufgeben oder Wegnehmen. Das einzige ist, dem Geist nicht nachzugeben. Wenn du morgens sehr hungrig bist, iß ein zwei Iddlies und eine kleine Tasse Milch. Aber gib dem Geist nicht nach. Er zieht dich nach unten. Sei immer wachsam. Sei ewig vorsichtig.

Manche Sannyasins üben Vairagya, um Pratishtha, Ruhm und Ehre, zu erwerben. Manche Sannyasins, die für das Wohl der Allgemeinheit tätig sind, fassen Vorsätze: »Wir reisen nicht in Zügen. Wir werden nur zu Fuß gehen. Wir werden keine Milch und kein Obst essen, usw. Wir werden keine Feder und keine Uhr verwenden.« Das sind keine guten Vorsätze. Das ist nicht das wahre Wesen von Vairagya. Das ist ein weiterer Fehler.

Verhaftung an Vairagya ist genauso schlecht wie Verhaftung selbst. Diese Sannyasins möchten dienen. Wenn sie mit Autos oder Zügen fahren und den Körper stark und gesund erhalten, können sie in kürzerer Zeit mehr dienen. Wer viel schreibt, kann mehr schreiben, wenn er eine Feder verwendet. Dummheit nimmt verschiedene Formen an. Das ist eine davon. Sie verläßt nicht einmal gebildete Menschen und gelehrte Sannyasins.

Man muß extremes, Teevra Vairagya, im Inneren haben und gleichzeitig außen den Mittelweg gehen.
Vairagya ist ein Mittel, um die Weisheit des Selbst zu erlangen. Es ist nicht das Ziel an sich. Ein Jivanmukta, ein verwirklichter Heiliger, hat weder Raga noch Vairagya. Wenn man ihm nur ein wenig trockenes Brot gibt, ist er zufrieden. Er murrt nicht. Wenn man ihm die köstlichsten Süßigkeiten gibt, Milch und Früchte, wird er sie nicht ablehnen, aber er wird wegen guter Speisen nicht zu jubeln beginnen. Er hat Gleichmut des Geistes. Er steht über Zu- und Abneigungen. Er findet Freude nur in seinem Selbst, nicht aber in äußeren Dingen.

Maha Tyagi und Maha Bhogi

Wer Dingen gegenüber Gleichmut des Geistes besitzt, wird im Yoga Vasishtha Maha Tyagi oder Maha Bhogi genannt. Es ist einfach, Vairagya zu praktizieren, aber es ist äußerst schwierig, Gelassenheit des Geistes zu bewahren. Shukadeva wurde von König Janaka geprüft. Man ließ ihn einige Tage lang ohne Essen vor der Türe stehen. Er war ganz friedvoll. Dann wurde er in den Harem gebracht. Ranis dienten ihm und gaben ihm die besten Speisen. Er blieb unberührt. Das ist Weisheit.

Junge Aspiranten müssen immer vorsichtig und achtsam sein. Sie dürfen nicht die Freiheit eines Maha Tyagi oder Maha Bhogi ausnützen. Das kann nur ein fortgeschrittener Yogi praktizieren, der dazu gelangt ist, alles auf die gleiche Weise zu sehen. Anfänger müssen sich dem Buchstaben genau an ihre Gelübde von Wahrhaftigkeit, Ahimsa, Brahmacharya und Vairagya halten.

Ahme nicht Jivanmuktas nach. Du bist noch ein Sadhaka. Vasishtha hatte eine Frau, aber er war von Geburt an ein Siddha. Janaka herrschte über ein Königreich, nachdem er strenges Tapas praktiziert und die Wahrheit verwirklicht hatte. Krishna lebte wie ein Fürst, aber er war eins mit dem Unendlichen. Von dir wird nicht erwartet, es ihnen gleichzutun. Du mußt Sadhana üben. Du mußt Abhyasa und Vairagya haben.


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