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Die Indien-Tournee

Ich hörte eine Stimme im Inneren: „Shiva, wach auf und fülle den Kelch deines Lebens mit diesem Nektar; teile ihn mit allen. Ich werde dir Kraft, Energie, Stärke und Weisheit geben!“ Ich gehorchte Seinem Befehl. Er füllte den Kelch und ich teilte ihn mit allen.
– Swami Sivananda

Die Vortragsreise durch Indien war ein direktes Ergebnis des Vorfalls mit Govindan. Swami Paramananda war damals in Madras und kehrte kurz nach diesem Ereignis aufgrund einer dringenden Aufforderung in den Ashram zurück und beschloss, dort zu bleiben. Paramananda dachte zurück an die guten alten Zeiten, als Swami Sivananda in seinen Vorträgen und Kirtans Tausende mitriss und großes Aufsehen hervorrief, wo immer er hinging. Das brachte ihn auf die Idee einer Reise durch ganz Indien, mit dem Zug. Er setzte seine ganze Energie ein, sie in allen Einzelheiten zu organisieren. Er hatte einmal eine Zeit lang bei einem Wanderzirkus gearbeitet und seine dadurch gewonnenen Erfahrungen bezüglich der indischen Eisenbahn waren ihm eine unschätzbare Hilfe bei der effizienten Organisation dieser Mammutaufgabe. Er schrieb an die Anhänger in verschiedenen Zentren und alle reagierten mit großem Eifer und Begeisterung.

Ein Auto gehobener Kategorie wurde gemietet und ein Programm wurde erstellt. Am 9. September 1950, direkt nach den Geburtstagsfeierlichkeiten, brachen Swamiji und dreizehn seiner Schüler zu dieser Reise auf. In seiner Begleitung waren: die Swamis Paramananda, Chidananda, Narayananda, Poornabodhananda, Govindananda, Omkarananda, Satyananda, Saswathananda, Venkatesananda und Dayananda, Sri Sivaprem, Sri Padmanabhan, der spätere Swami Saradananda) und Sri Purushottam.

Kurz bevor sie den Ashram verließen, skizzierte Swamiji die bevorstehenden Aufgaben: „An jeder Eisenbahnstation werden wir Kirtan singen. Millionen sollen die wahre Bedeutung und den Sinn göttlichen Lebens erkennen. Wo wir auch hinkommen, wir sollten die Herzen der Massen erobern. Flugblätter und
Broschüren sollen zu Hunderten und Tausenden verteilt werden. Wir werden
die Namen Gottes verbreiten, so dass Millionen die Herrlichkeit von Kirtan und
Ram nam (Name Ramas = Name Gottes) kennenlernen.“

Dieses Ziel bekräftigte Swamiji in Hardwar. Paramanandaji hatte eine Autotour entlang des Gangeskanals geplant, begleitet von seinen Schülern. Als Swamiji unterwegs feststellte, dass sie keine Bücher zur kostenlosen Verteilung mit genommen hatten, sagte er: „Ich möchte keine Ausflugsfahrt zu meinem Vergnügen! Dienen gibt mir die größte Freude.“

Dieser Geist war während der gesamten Reise offensichtlich. Zum Beispiel tranken Swamijis Begleiter als der Zug auf dem Weg nach Lucknow war in ihrem Abteil gerade Tee. Plötzlich kam Swamiji herein. Er fragte sie, wie sie geschlafen hätten usw. Dann fragte Paramanandaji Swami Sivananda, ob es irgendwelche Störungen gegeben hätte. Die Antwort war überraschend und bezeichnend: „Ich habe letzte Nacht kaum 15 Minuten geschlafen. Ich machte mir Sorgen, dass Menschen, die kommen, um mich zu sehen, ihr Wunsch verwehrt werden könnte.“

Auf dem bahnhof von Rishikesh„Swamiji!“, sagte Paramananda, „wir werden tagsüber zwischen 10 und 16 Uhr alle in dein Abteil schicken. Aber von 10 Uhr abends bis 4 Uhr morgens brauchst du etwas Ruhe. Deshalb haben wir beschlossen, dass dich nachts niemand stören darf.“ „Aber mir liegt daran, alle Menschen zu sehen, die mich sehen möchten!“, mahnte Swamiji. „Opfern sie nicht ihre Nachtruhe und kommen den ganzen Weg bis zum Bahnhof, um mich zu treffen? Warum sollte ich ihnen diese Freude versagen?“

Als der Zug in Hardoi hielt, stürmte die Menschenmenge vom Bahnsteig aus das Abteil. Niemand konnte sie zurückhalten. Als es Swamiji endlich gelang, aus seinem Abteil herauszukommen, stürmten sie auf ihn zu und umfassten seine Füße. Swamiji hielt eine Rede über Disziplin. Bald wurde die Weiterfahrt des Zuges angekündigt. Swamiji ging in sein Abteil, aber er war nicht zufrieden. Er wollte den Menschen mehr geben. Er beugte sich aus dem Fenster und sagte: „Hari Om!Wiederholt mit mir gemeinsam den Namen Gottes. Der Name Gottes enthält unendliche Kraft. Er wird Euch Frieden, Glück und Erfolg schenken.“ Dann rezitierte er „Ram, Ram, Ram, Ram.“ Die Menge reagierte lebhaft. Der zweite Anlauf für die Abfahrt des Zuges erfolgte. Er sagte: „Kennst du deine wahre Natur? Höre zu – Chidanand, chidanand, chidanand, hum, hara hala me almasta satchidananda hum. Das ist deine wahre Natur. Deine Natur ist Wissen und Wonne. Du bist der unsterbliche Atman (höheres Selbst). Wiederholt diesen Satz häufig und verwirklicht eure wahre Natur.“

Der Zug hatte sich bereits in Bewegung gesetzt. Swamiji brüllte aus dem Fenster:
„Om, Om, Om“ und die riesige Menschenmenge, die sich versammelt hatte, verneigte sich mit gefalteten Händen und Tränen in den Augen.

Fast an jeder Bahnstation kamen Hunderte von Menschen, um ihn zu sehen. Immer wenn der Zug hielt, sang er auf dem Bahnsteig Kirtans mit ihnen. Schon wenn der Zug in den Bahnhof einfuhr, war der Ort erfüllt von seinen Kirtans und Gesängen, die aus den am Wagen befestigten Lautsprechern erklangen und eine Menge Menschen anzog. Flugblätter und Schriften wurden verteilt.

In Lucknow wurde Swamiji freudig von einer großen Menschenmenge an der Eisenbahnstation willkommen geheißen und der Bahnsteig selbst war in eine Satsanghalle verwandelt worden. Er fing sofort an, spirituelle Ratschläge zu geben und dann sang er seinen Song of Instructions:

Bhajo Radhe Govind
Radhe Govinda bhajo Radhe Govind,
Radhe Govinda Sita Govind,
Hari bolo, bolo bhai Radha Govind,
Hare Krishna Hare Ram Radhe Govind.
Steh um 4 Uhr auf, zu Brahmamuhurta.
Steh um 4 Uhr auf, wiederhole Ram Ram.
Steh um 4 Uhr auf, meditiere über Brahman.
Steh um 4 Uhr auf, frage „Wer bin ich?“
Steh um 4 Uhr auf, übe Yoga.
Halte täglich zwei Stunden Mauna (Schweigen).
Faste an Ekadashi (elfter Tag einer zweiwöchigen Mondphase),
nimm nur Milch und Früchte zu dir.
Lies täglich ein Kapitel der Bhagavad Gita.
Übe regelmäßig Wohltätigkeit, ein Zehntel deines Einkommens.
Erledige alles selbst, gib Bedienstete auf.
Singe abends Kirtan und nimm am Satsang teil.
Sprich die Wahrheit um jeden Preis.
Saryam vada, dharma cara, befolge brahmacharya (Enthaltsamkeit),
ahimsa paramo dharma, liebe alles und jeden.
Verletze niemals die Gefühle anderer, sei freundlich zu allen
Beherrsche Ärger durch Ksama (Tugend der Geduld),
entwickele viswa prem (vollkommene Liebe)
Führe ein spirituelles Tagebuch, du wirst dich rasch entwickeln
(Hare Krishna Hare Ram ...)

Die Zuhörerschaft wiederholte es begeistert. Dann sagte er: „Dieses Lied ist nicht nur zum Nachsingen gedacht. Ihr müsst diese Ratschläge umsetzen. Nur dann werdet ihr Nutzen daraus ziehen.“

Viele wollten ihm Girlanden überreichen, aber wegen der großen Menschenmenge konnten ihn nicht alle erreichen. Liebevoll streckte er ihnen seine Hände entgegen, nahm die Girlanden aus ihren Händen und hängte sie sich selbst um. Er war eins mit den Anhängern geworden. Sie freuten sich und er teilte ihre Freude.

Das erste organisierte Reiseziel war Fyzabad. Hier hielt Swamiji eine öffentliche Ansprache in der Stadthalle (Victoria-Hall) sowie an der High School für Jungen und am staatlichen Inter-College für Frauen. An der High-School sang er seinen „Song of a little“, das „Lied vom ein Wenig“(im Sinn von: von allem etwas).

Hare Rama Hare Rame Rama Rama Hare Hare
Hare Krishna Hare Krishna Krishna Krishna Hare Hare
Iss ein wenig, trink ein wenig, sprich eine wenig, schlaf ein wenig
Halte dich ein bisschen in Gesellschaft auf, bewege dich ein wenig,
diene ein wenig, denke ein wenig,hilf ein wenig, gib ein wenig,
studiere ein wenig, verehre ein wenig,übe ein wenig Japa,
singe ein wenig Kirtan, schreibe ein wenig Mantras,
halte eine wenig Selbstreflexion
übe ein wenig Asanas, übe ein wenig Pranayama, meditiere ein wenig,
übe ein wenig vichara (gedankliches Betrachten, Nachforschen über das Selbst)

Einer der Jungen sagte später: „Swamiji sagt, wir können ein wenig trinken. Also trinken wir ein wenig Alkohol!“ Daraufhin verbesserte Swamiji: „Trink ein wenig Wasser!“

Swamiji besuchte auch Ayodha, den Geburtsort von Rama, wo er vor einer riesigen Menge sprach. In der Stadthalle bemerkte er eine Reihe von Frauen unter den Anwesenden. Er richtete sich sofort an sie: „Wenn du deine Hausarbeit erledigst, lass deine Hände die Arbeit verrichten, aber lass deinen Geist zu den Lotusfüßen Gottes ruhen. Wenn du Rotis zubereitest, singe Jaya Sitaram jaya jaya Sitaram, jaya Sitaram jaya jaya jaya Sitaram. Das ist ein einfaches Sadhana, durch welches du immerwährende Glückseligkeit erreichen und dein Haus zu einem wahren Vaikuntha (Himmel) machen kannst. Man muss nicht unbedingt durch Yoga die Kundalini erwecken. Das ist ein einfaches Sadhana für alle.“

Auf dem Weg zu einem Satsang sah Swamiji ein paar Kinder in der Nähe des Hofes, wo das Auto geparkt hatte. Er ging mit einem Korb voll Bananen direkt zu ihnen. Er ließ sie in einem wundervollen Chor die Namen Gottes singen und verteilte die Bananen an sie.

In Benares hielt er öffentliche Reden vor der theosophischen Gesellschaft, der theosophischen Loge, vor den Studenten der Universität von Benares, an der Central Hindu School und an der Haupt-Mädchenschule. Er besuchte auch heilige Stätten wie Sarnath Buddha Vihara und den Vishvanath Mandir und leitete dort Gottesdienste. Das Haus von Dr. Kichlu wurde zu einem Ort ständigen Satsangs während seines gesamten Aufenthaltes. Das traf auch auf jeden anderen Ort der Reise zu.

Als Swamiji dort eine Rede beendet hatte, fragte ein intelligent wirkender Collegestudent: „Swamiji, drücken wir uns nicht vor unseren weltlichen Pflichten, wenn wir den Nivritti-Weg (Entsagung) gehen, um zur Selbstverwirklichung zu kommen? Eventuell ist das ein Unrecht gegenüber unseren Freunden und Verwandten?“

Swamiji erwiderte: „Nein, wer meint, dass er durch sein Verlangen nach Selbstverwirklichung ein Unrecht gegenüber der Welt begeht, ist noch leichtgläubig wie ein Kind. Er weiß nicht, dass das Selbst, welches das Absolute ist, das ganze Universum einschließt und noch weit darüber hinaus geht. Dabei gibt es kein ’Sich vor der Pflicht drücken’, denn für einen Suchenden sind seine Freunde und Verwandten nicht ausgeschlossen von seiner Wahrnehmung des Selbst in allen und seinem Dienst an diesem Selbst in allen. Was es dazu braucht, ist eine Änderung der Sichtweise: dem Ich-Denken und der Anhaftung zu entsagen.“

An der Hindu-Universität von Benares gab Swamiji sein Wissen an die Studenten weiter. Er schloss im typischen Sivananda-Stil: „Nun werde ich ein paar Lieder singen. Ihr sollt auch mitsingen. Ihr seid alle meine Brüder. Ihr seid mein eigenes Selbst. Es gibt nur ein einziges Bewusstsein. Diese Lieder werden nun starke spirituelle Samskaras (Eindrücke im Unterbewusstsein) in euch schaffen. Nur wer starke spirituelle Samskaras hat, wird einstimmen wollen:

Chidanand Chidanand Chidanand Hum
Hara Hala me Almasta Satchidananda Hum.

Ihr mögt jetzt vielleicht keine Lust haben, diesen Kirtan zu wiederholen, aber ich habe den Samen gesät und die Samskaras geweckt. Wenn die Zeit reif ist, werden sie zum Vorschein kommen und ihr werdet anfangen, das Mantra zu wiederholen. Ihr mögt es jetzt ablehnen, aber die Eindrücke haben sich der fotografischen Platte eures Geistes eingeprägt.“

Nach der Rückkehr zum Auto wurde Swami Sivananda zum Haus eines Anhängers gefahren, wo ein junger Mann mit einer schweren Erkrankung des Rückgrates im Bett lag. Swamiji verschrieb mehrere naturheilkundliche Mittel und Massagen. Dann sagte er: „Ich werde nun das Maha Mrityunjaya-Mantra für die Gesundheit des Jungen und für ein langes Leben rezitieren. Ich werde das Mantra auch aufschreiben und dir geben. Wiederhole dieses Mantra. Sage dem Jungen auch, er solle es wiederholen. Er wird Gesundheit und ein langes Leben erlangen. Es wird ihm auch Moksha (Befreiung) schenken.“

Dann sagte er zu dem Jungen: „Mein Kind, sei nicht mutlos. Du bist in deiner
wahren Natur Atman, das unsterbliche Selbst, frei von Krankheit. Behaupte das.
Erkenne es. Fühle, dass du eine vollkommen gesunde Seele bist und nicht dieser kranke Körper. Du wirst gewaltige Kraft gewinnen. Sei nicht beunruhigt. Sei geduldig. Du wirst bald in Ordnung sein. Wiederhole den Namen Ramas unaufhörlich im Geiste. Möge Gott dich mit Gesundheit, langem Leben, Frieden,
Wohlstand und immerwährender Glückseligkeit segnen.“

Während er das Maha Mrityunjaya-Mantra wiederholte, massierte Swamiji eigenhändig den Rücken des Jungen. Der Junge war sichtlich bewegt von dieser außerordentlichen Güte und erlebte neue Kraft und Energie. Die Mutter war in Tränen aufgelöst, als Swamiji das Haus verließ.

Um Mitternacht kehrten Swamiji und seine Schüler nach einem ausgefüllten Tag zum Bahnhof zurück. Auf dem Weg sagte Swamiji: „Ich bin nicht müde, trotz dieses anstrengenden Programms von 3 Uhr nachmittags bis Mitternacht. Wenn ich den Namen Gottes singe, erhalte ich neue Energie. Wenn ich von Gott spreche, fühle ich göttliche Kraft in mich hineinfließen. Ich werde überhaupt nicht müde. Es verleiht mir größte Freude, den Namen Gottes zu verbreiten.“

Am folgenden Tag nahm Swamiji an einer Pressekonferenz teil. Eine Frage lautete:
„Glaubst Du, dass die Menschen im Westen die Botschaft des Vedanta (Philosophie der Einheit) verstehen können? Glaubst du, dass sie für Yoga bereit sind?“

Swamiji war schnell in seiner Erwiderung: „Ja, ja. Sie sind nicht nur bereit, sondern sie haben auch schon begonnen, unsere Botschaft zu würdigen. In der Tat gibt es heute im Westen mehr Yogis und Jnanis als in Indien! Sie wissen diese Botschaft aus Indien mehr zu schätzen als wir selbst. Sie sind begieriger darauf, alles über Yoga und Vedanta zu erfahren, als wir. Es gibt eine ganze Reihe von Menschen in Europa, die Yoga praktizieren und fortgeschrittene Schüler sind. Harry Dickmann aus Lettland, Boris Sacharow aus Russland, Louis Brinkfort aus Dänemark, G.C. Nixon aus Großbritannien und viele andere sind Experten im Yoga. Alexander und Nixon wurden so stark von Yoga und Vedanta inspiriert, dass sie Sannyas genommen und sich in Indien niedergelassen haben. Wir bekommen jetzt Inspiration von ihnen, um unsere eigene Wissenschaft des Yoga und Vedanta zu lernen!“

SivanandaAuf die Frage: „Ist Einigkeit in der Welt denkbar? Werden Kriege ein Ende nehmen?“, erwiderte Swamiji: „Dies ist eine Welt der Dualität. Es wird immer Frieden und Krieg geben, Gutes und Böses, Glück und Elend. Es gibt keine Vollkommenheit in einer unvollkommenen Welt. Alles, was man tun kann und was die verschiedenen Avatare Gottes und viele Weise und Heilige getan haben, ist, die Zahl guter Menschen zu erhöhen. Nur deren Anteil ändert sich von Zeit zu Zeit. Im Satya-Yuga waren es mehr, im Kali-Yuga sind es weniger. Das ist der einzige Unterschied. Schon im Satya-Yuga gab es asurische („dämonische“, schlechte) Menschen und es gab Auseinandersetzungen. Die einzige Lösung für das Individuum ist, Gott zu verwirklichen, was Frieden und unvergängliche Freude gibt. Dann wird man erkennen, dass die Welt der Dualität in Wahrheit nicht existiert und dass sie nur eine relative Existenz hat.

In Patna sprach Swamiji an großen öffentlichen Veranstaltungen am Bihar National College, in der Senatshalle der Universität von Patna und an verschiedenen anderen Plätzen in der Stadt. Von Patna aus wurde auch seine erste Rundfunkansprache der Reise im indischen Rundfunk ausgestrahlt. In der Senats halle vollbrachte er ein wahres Wunder: Er sprach über die Herrlichkeit der Meditation und leitete dann mit einem lauten OM eine zweiminütige Massenmeditation an. Zwanzigtausend Menschen in der übervollen Halle saßen und standen so still, dass man eine Stecknadel zu Boden hätte fallen hören, völlig überwältigt von Swamijis Ausstrahlung des Friedens.

An einer der Zusammenkünfte mit andächtigen Männern, Frauen und Kindern
kam ein blinder Geschäftsmann zu seinem Darshan. Dieser sprach über den
Zustand seiner Augen: „Ich kann jetzt überhaupt nichts mehr sehen, Swamiji.
Das Sehvermögen ist nicht wieder herzustellen.“ „Das ist richtig“, sagte Swamiji. „Ein Fünftel der Welt ist dir nicht mehr zugänglich. Du wirst bald die innere spirituelle Sicht erhalten. Wiederhole den Namen Gottes und nimm Zuflucht zu seinen Lotusfüßen. Erwarte nicht, dass deine Gebete sofort beantwortete werden. Buddha übte viele Jahre intensiv Tapas (Askese, spirituelle Praxis) und es gab keinerlei Anzeichen von Erleuchtung. Er wurde niedergeschlagen. Er war schon dabei, sein Sadhana aufzugeben, aber dann erreichte er in wenigen Stunden den Buddhazustand, die Befreiung. Genauso solltest du deine spirituelle Praxis, Japa, Kirtan und Gebete nicht aufgeben, unabhängig davon, ob Anzeichen göttlicher Gnade zu erkennen sind oder nicht. Schreite voran in deinem Sadhana. Deine Gebete müssen eines Tages von Gott erhört werden. Gott gibt Dir nicht unwesentliche Siddhis (große übernatürliche Kräfte) und Riddhis (kleine geistige Kräfte), denn er möchte dir die höchste Erfahrung plötzlich auf einmal geben. Sei daher immer glücklich und fröhlich. Gott wird dich segnen.“

Am nächsten Morgen kam ein junger Anhänger und fragte: „Swamiji, ich erhalte zu Hause keine Unterstützung in meinem Sadhana. Sie werfen mir immer Hindernisse in den Weg. Was soll ich tun?“ Swamiji erwiderte: „Betrage dich wie die meisten weltlichen Menschen. Bringe deine Frömmigkeit, deine spirituellen Neigungen und deine Hingabe an Gott nicht zum Ausdruck. Gib dich so, als seiest du vollkommen weltlich. Sie sollten nicht merken, dass du spirituelle Neigungen hast. Dann wirst du keinen Widerstand mehr von deinen Eltern erfahren. Aber innerlich musst du dich nach Gott sehnen, regelmäßig in deinem Sadhana sein und in der Einsamkeit musst du über deine Trennung von Gott weinen. Dann werden die Schwierigkeiten rasch verschwinden.“

Von Patna fuhr Swamiji in einem speziell gecharterten Dampfer nach Hajipur. Mehr als 20.000 Menschen hatten sich in der unbedeutenden Stadt eingefunden, um ihm ihre Ehrerbietung zu erweisen. Eine zwei Meilen lange Prozession wurde angeführt von fünf Elefanten und Tausenden von Anhängern. Swamiji sprach in einem extra für diesen Anlass errichteten großen Zelt auf dem Gelände der örtlichen Schule zu Tausenden von Menschen und eröffnete eine Bibliothek der Divine Life Society.

In Gaya sprach er an öffentlichen Veranstaltungen in der Sanskrit Vidyalaya-
Halle, der Ganga Mahal- und der Jawaharlal-Halle sowie vor den Studenten des
Gaya College. Er besuchte Buddha Gaya (den heiligen Ort, an dem Buddha
Erleuchtung erlangt hatte) und Vishnu Pad. Er weihte auch einen Tempel der
örtlichen Divine Life Society Branch ein.

Während der drei Tage seines Aufenthalts in Kalkutta war die ganze Stadt vom Widerhall göttlicher Gedanken erfüllt. Sogar die europäischen Millionäre und Geschäftsleute der Stadt waren glücklich, mit einer dynamischen, praktischen, modernen Autorität und einem Interpreten des Vedanta als Weltreligion zusammenkamen. Er hinterließ einen bleibenden Eindruck in den Herzen aller, die ihn hörten.

Während des Vortrags in der Divine Life Society-Zweigstelle Nordkalkutta begann ein Kind zu weinen. Als einige versuchten, diese Störung zu unterbinden, wobei sie für noch mehr Aufregung sorgten, entstand Unruhe bei den Zuhörern. Gurudev beruhigte die Erwachsenen, indem er sagte: „Lasst das Kind weinen. Das ist auch OM. Lasst es sein OM weiter singen und wir fahren mit unserer Beschäftigung fort.“

Swamiji sprach an Veranstaltungen in der Ashutosh-Halle, der Universität von Kalkutta, am Vishuddhananda Saraswai Vidyalaya, Sita-Ram Mandir, Bharati Tamil Sangham und in der Zweigstelle der Divine Life Society von Nordkalkutta. Er traf auch Seine Heiligkeit den Sankaracharya von Puri. Der indische Rundfunk in Kalkutta übertrug Swamijis selbst komponierte vedantische Hymnen.

Am 25. September erreichte der Zug Waltair. An diesem einen Tag sprach Swamiji in der Stadthalle, in der Prema Samajan und an der Andhra Universität. Nach dem Vortrag zu den Studenten, wollte er, dass sie eine Yoga-Asana Vorführung und Filme aus dem Ashram sehen konnten. Die Asana-Vorführung war im Gange und jemand war unterwegs zum Bahnhof, um die Filmausrüstung aus dem Zugabteil zu holen. Jemand schlug Swamiji nun vor zum nächsten Termin im Rathaus aufzubrechen. Zur allseitigen Überraschung sagte er: „Ich komme nicht. Die Studenten und ich sind Freunde geworden. Lasst die Leute im Rathaus warten.“ Das hatte eine magische Wirkung auf die Studenten. Sie vergaßen weder ihn, noch das, was er gesagt hatte je wieder. Alle warteten geduldig und diszipliniert bis die Filmausrüstung eintraf.

Auf der nächsten Etappe in Rajamundry hielt Swamiji öffentliche Reden im Government Arts College, Ramakrishna Seva Samiti, in der Seva Sadam Sanskrit-Mädchenschule und in der Stadtverwaltung von Rajamundry (wo auch eine städtische Ansprache für ihn gehalten wurde – die erste auf dieser Reise). Das war die erste Reisestation, wo eine große feierliche Prozession organisiert worden war. Swamiji badete im Godavari Fluss. Er besuchte auch den Gotami Jivakarunya Ashram.

Von Rajahmundry aus brachte ein eigens gechartertes Dampfschiff Swamiji und seine Begleitung über den heiligen Godavari-Fluss nach Kovvur. Mehr als 10.000 Menschen aus dem ganzen Gebiet schufen eine festliche Atmosphäre in Kovvur. Swamiji stand auf dem Rücksitz des blumengeschmückten Autos und gab der Menge seinen Darshan. Das Auto fuhr im Schneckentempo die längste Strecke durch die Stadt, um so möglichst vielen Menschen direkt vor ihrer Haustür seinen Darshan zu ermöglichen. Der krönende Abschluss des Kovvur-Programms war die atemberaubende Pada-Puja (Verehrungsritual der Füße des Meisters), bei der Tausende von Anhängern Blumen und Früchte darbrachten (Symbol für das Darbringen ihrer Seelen und Herzen zu Füßen des Weisen), Mantras mit ihm sangen und von ihm eingeweiht wurden. Sie kehrten mit reichem Segen, einem leichten Herzen, einem friedvollen Geist und einer überglücklichen Seele nach Hause zurück. Diese Verehrung eines gottverwirklichten Heiligen, eines der Überbleibsel von Indiens spirituellem Erbe, bildete an allen Stationen der Reise einen inspirierenden Höhepunkt und verriet die unvergängliche tiefe Religiosität der Inder.

Der Aufenthalt von vierundzwanzig Stunden in Vijayawada war eine Demonstration von Swamijis äußerstem selbstaufopferndem Dienst. Sein körperlicher Zustand beunruhigte alle außer ihn selbst. Sein mächtiger Wille brachte alle Bitten, Ruhepausen einzulegen, zum Schweigen.

Viele Menschen suchten seine Gesellschaft in dem Haus, in dem er in Vijayawada wohnte. Er sprach auf drei öffentlichen Veranstaltungen: am örtlichen College, im Kothakudi Tempel und in der Ram-Mohan Bibliothek. Eine weitere Rede wurde von der örtlichen Station des indischen Radios übertragen und er besuchte den Sanskrit Vidyapith.

Die Wirkung von Swamijis denkenswertem Besuch auf die Menschen von Madras konnte man gar nicht hoch genug einschätzen. Er strafte die verbreitete Furcht Lügen, dass die Religion aus den indischen Städten verschwunden sei. Währen der vier Tage seines Aufenthaltes war der Name „Sivananda“ auf jedermanns Lippen und die göttliche Lebensbotschaft in jedermanns Herzen. Jedes Kind sang sein beliebtes ‘Iss ein wenig-Lied’. Selbst Arme und Unterdrückte fühlten, dass auch sie einen Freund hatten und dass auch sie gesegnet waren.

Swamijis donnernde Ermahnung – dass der Mensch den Menschen respektieren, alle Unterschiede vergessen und alle Barrieren niederreißen soll, dass die Sichtweise der Gleichheit in alle Augen zurückkehren soll – hatte eine wundersame Wirkung auf die Einstellung der Bürger von Madras.

Swamiji kam morgens um7.30 Uhr am Hauptbahnhof von Madras an. Er wurde von den stürmischen Beifallsrufen Tausender Schüler, Gottsucher und Bewunderer begrüßt, die sich seit dem frühen Morgen versammelt hatten. Nachdem er mit Girlanden überhäuft worden war, wurde er zu einem prunkvoll geschmückten Prozessionswagen geleitet, begleitet von Nagaswaram (südindisches Musikinstrument) und Kapellenmusik.

Swamijis erste Station war der Parthasarathy Tempel, wo er seine Verehrung darbrachte. Um 15 Uhr besuchte er die George Town-Niederlassung der Divine Life Society. Kurz danach fuhr er zum Ripon-Gebäude zum städtischen Empfang, der ihm zu Ehren gegeben wurde. Am selben Abend hielt er eine Ansprache vor den Mitgliedern der Südindischen Journalistenvereinigung in deren Club.

Am Morgen und am frühen Nachmittag hatten Tausende seinen Darshan. Als er am Ende dieses sehr beschäftigten Tages gebeten wurde, einer Wohltätigkeitsveranstaltung zu Gunsten des Kattupakhan Sivananda Sevashram beizuwohnen, stimmte er ohne zu zögern zu. Sie hatten ihn nur um seine Anwesenheit gebeten, aber Swamiji gab ihnen auch den Nektar seiner Weisheit. Wenn der Strom seiner Worte erst einmal floss, fand er es selbst schwierig, ihn zu bremsen. Dazu bemerkte er einmal: „Wenn ich zu einer Versammlung spreche, identifiziere ich mich mit allen. Ich liebe jeden Zuhörer. Ich fühle, dass ich den Zuhörern mein ganzes Herz geben muss – alles, ohne Vorbehalt. Erst wenn ich überzeugt bin, ihnen zu meiner völligen Zufriedenheit gedient zu haben, kann ich aufhören.“

Am Sonntag, dem 1. Oktober, begann der Tag mit Besuchen der Tempel von Lord Kesavaperumal und Lord Kapalisvara in Mylapore, wo er die Gottheiten verehrte. Anschließend besuchte er die Triplicane-Zweigstelle der Divine Life Society. Von 9 bis beinahe 13.30 Uhr verehrten ihn Tausende in einer Pada-Puja. Dann besuchte er die Park Town-Zweigstelle der Divine Life Society und den Srinivasa-Gandhi Nilayam. Von dort ging er zur Madras International Fellowship, wo er einen Vortrag für die Mitglieder hielt.

Zwei Thermoskannen mit Apfel- und Orangensaft waren stets im Fahrzeug, wenn Swamijis Programm bedeutete, dass er von einer Veranstaltung zur nächsten gehen musste, ohne an seine jeweilige Unterkunft zurückzukehren, so dass er sich vor und nach einem Anlass erfrischen konnte. Auf dem Weg zur nächsten Veranstaltung im Theatermuseum stellte sich heraus, dass beide Flaschen leer waren. Es war 20 Uhr. Die Schüler, die im Wagen mitfuhren, schlugen vor, dass sie Flaschen füllen würden, sobald er die nächste Station erreicht hatte. Swamiji sagte: „Nein. Fahrer, bitte anhalten. Lasst uns etwas trinken gehen. Es muss doch irgendwo einen Kiosk geben, an dem wir etwas zu trinken bekommen können. Wir gehen dahin und trinken Limonade oder etwas anderes. Der Körper muss etwas zum Auftanken bekommen.“ Der Fahrer ging zum nächsten Geschäft und kaufte Limonade. Swamiji trank zwei Flaschen und ging zur Veranstaltung, wo er eine der berührendsten Reden seit Mahatma Gandhis letztem Besuch in Madras hielt, nachdem der Vorsitzende die Willkommensansprache gelesen und sie ihm in einem silbernen Kästchen übergeben hatte und einige der Hunderten von Grußbotschaften von bedeutenden Persönlichkeiten verlesen worden waren. Nach dieser Veranstaltung leitete Swamiji fast bis 22 Uhr Kirtan unter der Schirmherrschaft des Geamtindischen-Sai Samaj in Mylapore.

Auch der Montag am 2. Oktober war ein Tag mit vollem Programm. Um 7.30 Uhr sprach er vor den Mitgliedern des Shivaji Vyayam Mandals. Um 9.30 Uhr besuchte er das Hindu Theological College und um 11.30 Uhr weihte er bei seinem Besuch die Zweigstelle der Divine Life Society in Purasawalkam ein. Er besuchte die National Girls School in Triplicane um 14.45 Uhr und um 16 Uhr hielt er in George Town eine Rede anlässlich des Geburtstages von Gandhi. Um 18 Uhr lauschten Tausende in gespannter Aufmerksamkeit der Botschaft des Vedanta an „die Welt von heute“, dem Thema seiner Rede bei einem Anlass unter der Schirmherrschaft der philosophischen Gesellschaft von Madras. Um 19.45 Uhr führte er den Vorsitz bei einem Diskussionsvortrag mit Sri K.S. Ramaswami in Ghandinagar, Adyar.

Am Dienstag, dem letzten Tag in Madras, besuchte Swamiji die Kalakshetra von Adyar, wo er zwei angenehme, friedvolle Stunden verbrachte. Von dort ging er zur Theosophischen Gesellschaft und dann zum Haus Avvai in Adyar. Am Abend besuchte er die Redaktion von „My Magazine“, wo der Herausgeber und das Personal eine Willkommensansprache hielten. Swamiji war seit 1931 mit „My Magazine“ verbunden, als seine ersten Artikel dort erschienen, was dann mehr als 20 Jahre ohne Unterbrechung der Fall war.

Die Belastungen des ständigen Sprechens, der Vorträge und des Singens hatten schon begonnen, sich auf Swamijis Gesundheit – besonders Hals, Nase und Ohren – auszuwirken und das erreichte seinen Höhepunkt in Madras. Am letzten Tag war das Reden beinahe unmöglich geworden. Alle 10Minuten hatte er heftige schmerzhafte Hustenanfälle, welche jene, die neben ihm saßen, beängstigten. Aber als die Nachricht eintraf, dass eine große Menschenmenge auf seine Ankunft in Vani Mahal wartete, bat er sofort, hingefahren zu werden. „Mach eine kleine Pause, Swamiji“, sagte jemand. „Nein, keine Pause für mich jetzt! Wenn die Menschen dort auf mich warten, wer kann daran denken, sich hier auszuruhen?“ erwiderte er.

Als Swamiji in Vani Mahal ankam, hatte sich vor der Halle eine Riesenmenge versammelt, um ihn zu begrüßen. Die Halle konnte nur einige Tausend Menschen aufnehmen und draußen waren schätzungsweise über 10.000. Viele bedeutende Persönlichkeiten waren auf der Bühne. Die Organisatoren wussten über Swamijis Gesundheitszustand Bescheid und bemühten sich, einer weiteren Verschlimmerung vorzubeugen. Sie versuchten deshalb, ihn von weiteren Überanstrengungen abzubringen. Aber als Swamiji die gewaltige Menschenmenge vor sich sah, konnte ihm niemand mehr Einhalt gebieten. Er sprach 50 Minuten lang aus tiefstem Herzen. Es war das erste Mal, dass er ein Mikrofon benutzte, da ihn ansonsten nicht einmal die hören konnten, die ganz nahe saßen. Er klammerte sich an das Mikrofon, welches nicht nur seine Stimme verstärkte, sondern ihn auch stützte. Die Organisatoren erkannten, dass selbst das Stehen mit dieser Stütze eine Strapaze für Swamiji war und baten ihn, aufzuhören oder wenigstens im Sitzen zu sprechen. Aber er hörte nicht auf sie. „Nein, sitzend kann ich nicht mit so viel Gefühl sprechen wie im Stehen. So kann ich alle sehen und sie können mich sehen“, sagte er.

Nach dem Vortrag wurde ein Film mit Asana-Übungen und Aktivitäten im Ashram gezeigt. Swamiji ruhte währenddessen kurz aus und dann fuhren er und seine Begleitung zum Bahnhof von Egmore, wo er unter den Hochrufen von Tausenden dort versammelter Menschen in seinen Touristenwaggon stieg, der dem 22.25 Uhr-Zug angehängt worden war.

Das volle Ausmaß der Strapazen, die Swamijis Körper in Madras durchgemacht hatte, machte sich erst bemerkbar, als er Villapuram erreicht hatte. Die dortigen Organisatoren berücksichtigten seinen Gesundheitszustand und ermöglichten ihm eine ausreichende Ruhezeit. Die Anhänger gaben sich damit zufrieden, ihn einfach nur sehen zu können, als er in einer großen Prozession vom Bahnhof aus auf eine Stadtrundfahrt geleitetet wurde.

Am nächsten Tag reiste Swamiji nach Chidambaram, wo er vor Studenten und Lehrern der Annamalai Universität und in Shanmuga Vilas für die Bevölkerung von Chidambaran sprach. Während des Aufenthaltes dort traf er im Nataraj-Tempel den Maharishi Shuddhananda Bharatiar.

Vom 5. bis 7. Oktober besuchte Swamiji Mayuram. Seine Heiligkeit Mahasannidhanam vom Dharmapuram-Ashram überhäufte Swamiji mit liebevoller Aufmerksamkeit und Swamijis Aufenthalt in Dharmapuram gab seinem kranken Körper frische Energie, Lebenskraft und geistige Stärke, so dass der Körper mit seinem Eifer zum selbstlosen Dienen mithalten konnte.

Die Prozession vom Bahnhof in Mayuram bis zum Ashram war ein großartiges Ereignis. Es war wie eine Prozession für eine Gottheit. Swamiji hielt im Rathaus von Mayram, wo ihm ein städtischer Empfang gegeben wurde und im Dharmapuram-Ashram öffentliche Reden. Diese wurden erstmals auf Tonband aufgenommen und am nächsten Tag an einer anderen Versammlung zu Ehren des Yogi Shuddhananda Bharatiar, welcher aus Chidambaran angereist war, um Swamiji nochmals zu treffen, noch einmal abgespielt. Swamiji besuchte auch eine Anzahl von Tempeln, in denen er mit großer Ehrerbietung empfangen wurde.

Am 7. Oktober erreichte Swami Sivananda Tanjore, wo man in Anbetracht seiner angeschlagenen Gesundheit und Erschöpfung dem Beispiel von Villapuarm folgte und sich mit einer atemberaubenden Prozession entlang der Hauptstraßen und einer Pada-Puja zufrieden gab. Die liebevolle Fürsorge, welche die Organisatoren Swamiji zuteil werden ließen, war lobenswert.

Swamiji gab Darshan im Shankara Ashram, wo auch die Pada-Puja zelebriert wurde. Im Hinblick auf seine Unpässlichkeit schlugen die Stadtoberhäupter vor, den offiziellen städtischen Empfang abzusagen. Nach einem kurzen Aufenthalt von nur zwei Stunden verließ Swamiji Tanjore und erreichte Trichinopoly einen Tag eher als geplant. Nur wenige Menschen wussten, dass Swamiji mit diesem Zug anreiste. Aber die Anhänger waren geschickt. Sie standen ständig in Verbindung mit dem Bahnhofspersonal und fanden die Programmänderung heraus. Sie warteten auf jeder Etappe und am Bahnhof von Trichinopoly, um ihn zu begrüßen. In Trichinopoly hatte Swamiji seinerzeit am S.P.G. College studiert. Als er zum Haus seiner Gastgeber gefahren wurde, erinnerte er sich an vertraute Plätze und Ereignisse seiner Jugend. Diese nostalgische Stimmung hielt an, bis er in seinen Geburtsort kam.

Swamiji ruhte sich hier die ganze Zeit bis zum nächsten Morgen aus, als um 4 Uhr früh das Programm begann. Um 9 Uhr vormittags startete eine zwei Meilen lange Prozession durch die Hauptstraßen von Trichinopoly mit Swamiji in einem geschmückten Auto. Drei Elefanten führten die Prozession an und Nagashwaram-Musikanten und Chöre flankierten das Fahrzeug. An zahllosen Stellen stoppte der Zug und Swamiji wurde mit Girlanden geschmückt. Als die Prozession die Schule erreicht hatte, wo ein offizieller Empfang stattfand, hatten Tausende Menschen Swamijis Darshan. Es wurde fast unmöglich, die gewaltige Menschenmenge, die zu ihm hindrängte, zu kontrollieren.

In Trichinopoly gab es mehrere riesige öffentliche Anlässe, aber die Zahl der Anwesenden am National College übertraf alles. Dort hatten sich mehr als 50.000 Menschen versammelt, um Swamiji aug dieser Open-Air-Veranstaltung zu hören. Weil es zu regnen drohte, wurde die Menschenmenge unruhig und wollte Swamiji selbst hören, als die Organisatoren die zwölf Willkommensansprachen zu verlesen begannen. Als Swamiji zu sprechen begann, fing es an zu regnen. Aber die ganze Menge stand ruhig da und es herrschte vollkommene Stille. Die Menschen hörten ihm so konzentriert zu, dass sie gar nicht merkten, wie sie vom Regen bis auf die Haut durchnässt wurden.

In Trichinopoly wurde Swamiji von mehreren hervorragenden Ärzten untersucht,
deren einstimmige Diagnose war, dass er ein vergrößertes Herz habe. Ihre Medizin – vollkommene Ruhe – schmeckte ihm nicht und daher nahm er sie nicht.

Als sie am nächsten Tag Trichinopoly verließen, wurden er und seine Begleiter durch einen unterirdischen Tunnel zum Bahnsteig geführt, an dem sein Zug stand, ansonsten wäre es für ihn unmöglich gewesen, sich durch die Menschenmenge einen Weg zu seinem Abteil zu bahnen. Als der Zug aus dem Bahnhof dampfte, gab der Bahnhofsaufseher die Anweisung langsam zu fahren, so dass die Tausenden von Menschen, die die Bahnsteige säumten, Swamiji sehen konnten.

In Pudukkotai gab es einen offiziellen Empfang der Stadt und er hielt eine öffentliche Ansprache. Mehr als 10.000 Menschen sahen ihn. Auf dem Weg nach Chettinad machte er in Arimalam Station, um einem weisen Vorfahren, Sri Sundara Swamigal, dessen Samadhi-Schrein sich in Arimalam befindet, seine Ehrerbietung zu erweisen.

In Chettinad hielt Swamiji eine öffentliche Ansprache und eine Pressekonferenz. Von Chettinad reiste er nach Rameshwaram. Am 11. Oktober war der heilige Mahalaya Amavasya-Tag und nach einer großen Puja für Ramalingeshwara brachte er heiliges Gangeswasser im Abishekam (rituelles Übergießen) dar. Dieses Wasser hatte er extra dafür den ganzen Weg von Gangotri – etwa 3200 Kilometer entfernt – mitgebracht. Im Tempel hielt er auch eine Rede.

Dort gab es einen interessanten Konflikt zwischen Swamijis Bescheidenheit und der Hingabe der Menschen. Eine Sänfte stand bereit, um ihn in den Tempel zu tragen, aber er weigerte sich, auf den Schultern anderer Menschen getragen zu werden. Da die Organisatoren sehr darum baten, ließ er sich ein paar Meter tragen, um ihrer Hingabe Rechnung zu tragen. Anschließend gaben sie seinem dringendem Wunsch nach und ließen ihn in einem Ochsenkarren zum Tempel fahren. (Swami Paramananda hatte die Reise so geplant, dass Swamiji alle Transportmöglichkeiten ausprobieren konnte: Salonwagen der Bahn, Schiffe, Flugzeuge, Autos – und diese unvorhergesehene Wendung der Ereignisse fügte der Liste noch den Ochsenkarren hinzu.)

Auf dem Weg nach Ceylon verbrachte Swamiji einige Stunden in Dhanuskodi, wo er eine Ansprache in der Zweigniederlassung der Divine Life Society hielt, bevor er an Bord der S.S. Goschen ging. Das Schiff brachte ihn nach Ceylon. Sri Lanka bereitete Swamiji einen königlichen Empfang. Er wurde mit allen Ehren wie ein ausländisches Staatsoberhaupt empfangen. Aber bald vergaßen die Menschen alle Unterschiede von Nationalität und von Menschen geschaffener Grenzen. Sie setzten ihn auf den Thron ihres Herzens und verneigten sich vor ihm in höchster Einheit und Liebe.

Eine riesige Menschenmenge hatte sich am Talaimannar-Pier im Hafen versammelt, um Swamiji willkommen zu heißen, als er vom Dampfer aus den Boden von Ceylon betrat. Viele von ihnen waren aus dem weit entfernten Trinco malie, Jaffna, Colombo usw. angereist, um an diesem ersten Empfang teilzunehmen.

Am12. Oktober 1950um 8.05 Uhr erreichte Swamiji den Bahnhof von Fort Colombo, welcher wie ein Tempel geschmückt war. Tausende von Gottsuchern und Bewunderern hatten sich seit den frühen Morgenstunden versammelt. Mit „Haro Hara“ und den „Lobpreisungen des Gurus“ wurde er begrüßt als er aus dem Zug ausstieg. Er wurde vom Stadtoberhaupt und dem Vorsitzenden des Empfangskomitees mit traditionellen Zeremonien empfangen und mit Girlanden geschmückt. Er stand für ein paar Minuten auf einem eigens dafür aufgestellten Podium, um es der Menschenmenge zu ermöglichen, ihn zu sehen. Anschließend ging er zum Haupteingang, so dass die Tausenden, die sich dort versammelt hatten, ihn ebenfalls sehen konnten. Vor dem Bahnhof von Colombo wartete das Auto des Bürgermeisters und Swamiji stieg ein. Berittene Polizisten hielten die Menschenmenge davon ab, das Auto zu stürmen. Der gesamte Empfang wurde von Regierungsstellen Ceylons gefilmt. An der Spitze fuhr ein Lotsenauto der Polizei mit einem Lautsprecher, um die Straßen frei zu machen. Im Auto des Bürgermeisters saßen Swamiji und Sir Kanthiah Vaithianathan. Dahinter fuhren zwei Polizisten auf Motorrädern. Der Fahrer des Autos des Bürgermeisters erklärte, dass das Privileg einer solchen Polizeieskorte nur Gouverneuren, hohen Staatsbeamten ausländischer Regierungen und Weltführern zuteil wurde.

Am offiziellen Regierungsempfang war auch der Premierminister von Ceylon, Rt. Hon. D.S. Senayake, zugegen. Swamiji wurde eine Willkommensadresse in Gedichtform auf Palmblättern übergeben und seine Rede in der Stadthalle wurde vom Ceylon Radio übertragen. Er besuchte den örtlichen Tempel und den Kelaniya Buddha Vihara. Später gewährte Swamiji im Haus seiner Gastgeberin Srimathi Sivanandam Tambyah vielen Männern und Frauen Interviews. Zu einer Gruppe sagte er: „Es gibt vier menschliche Grundcharaktere - den aktiven, den gefühlsbetonten, den mystischen und den intellektuellen. Die alten Weisen haben deshalb vier Wege ausgearbeitet – Karma Yoga, Bhakti Yoga, Raja Yoga und Jnana Yoga, um Menschen ent sprechend ihrem Temperament in die Lage zu versetzen, das Ziel, Atma-Jnana (die Selbstverwirklichung) zu erreichen. Jeder Mensch hat alle vier Wesens arten in sich, aber ein Aspekt überwiegt jeweils. Deshalb ist der Yoga der Synthese, der ganzheitliche Yoga, bei dem alle vier Yogaarten geübt werden und eines davon überwiegt, das geeignetste Yoga für die heutige Zeit. Dieser ganzheitliche Yoga führt zu einer harmonischen Persönlichkeitsentwicklung… Die Frucht selbstlosen Dienens ist Jnana, Erkenntnis. Selbstloser Dienst ist unentbehrlich…

Meditiert regelmäßig zu einer bestimmten Stunde am Tag. Dann wird die meditative Stimmung zu dieser Zeit von selbst kommen. Behaltet daneben diese meditative Stimmung auch tagsüber bei, indem ihr sie schrittweise ausdehnt. Dann werdet ihr friedvoll, ruhig, glücklich und ausgeglichen sein. Ihr werdet in kürzerer Zeit mehr leisten können. Schafft euch eine abstrakte oder konkrete Gottesvorstellung als Gedankenhintergrund. Das wird euch helfen, die meditative Stimmung während des Tages aufrechtzuerhalten. Ihr werdet bald das Licht der Erkenntnis erlangen.“

Nach dem Satsang in Tambyah Chahtiram wurde Swamiji in das Privatkrankenhaus von Dr. Kumaran gebracht, wo er von einem Spezialisten untersucht wurde. Der Urintest ergab 2,5 % Zucker. Dr. Kumaran und sein Bruder wunderten sich, wie Swamiji mit einem solch hohen Zuckerwert den Belastungen dieser Reise hatte standhalten können. In der Tat erschien das auch allen ein Wunder, die Swamiji von Rishikesh her kannten. Dort klagte er schon gelegentlich, wenn er den Berg hochging, über Schwindelgefühl. Einmal pro Woche war nicht mehr unmöglich. Zweimal täglich die knapp hundert Meter von seinem Kutir zum Büro zu gehen, wurde immer anstrengender für ihn. Swamiji, der nie in seinem Leben einen Gehstock benutzt hatte, begann nun seit kurzem, einen zu Hilfe zu nehmen, da ihm auf der Straße oft schwindelig wurde. Dennoch war er in der Lage gewesen, die Strapazen einer Reise von einem Monat mit einem brechend vollen Programm durchzuhalten. Als ihm das gesagt wurde, antwortete Swamiji ruhig: „Es ist alles Seine Gnade“.

Bei jeder Veranstaltung lauschten Studenten und Politiker, Militärs und Minister, Hindus und Buddhisten, Adlige und Landvolk gefesselt Swamijis Reden. Colombo war der Höhepunkt dieser Reise. Die Ceylonesen verloren ihre Herzen an Swamiji und ihre Hingabe, Frömmigkeit und Liebe zu Gott und zu einem göttlichen Leben hinterließen einen unauslöschlichen Eindruck in Swamijis Herz.

Ein großes Polizeiaufgebot hielt bei Swamijis Abreise die Menschenmenge an der Bahnstation zurück und stellte einen freien Weg für das Fahrzeug sicher, damit es direkt zu dem Bahnsteig gelangte, auf dem Swamijis Eisenbahnwaggon stand. Der Abschied von der versammelten Menschenmenge war bewegend und viele begannen zu weinen, als Swamiji in der offenen Tür stand und der Zug sich in Bewegung setzte.

Um 5 Uhr am nächsten Morgen erreichte der Zug die Station Kurunegla. Einige Mitglieder der Reisegruppe waren fest eingeschlafen, erschöpft von der anstrengenden Reise und den Programmen des Vortages. Am Bahnsteig erklangen süße Kirtans und Bhajans. Frau Nityalakshmi Tambiraj und ihre Töchter sangen auf dem Bahnsteig. Swamiji begrüßte die Anhänger und sagte zu Frau Tambiraja, als er sie erkannte: „In letzter Zeit schreibst du mir nicht mehr. Früher hast du mir regelmäßig über dein Sadhana und deine Fortschritte geschrieben.“ Frau Tambiraja versprach, in Zukunft wieder regelmäßiger zu schreiben. Sie bewirtete alle im Abteil im Über fluss mit Tee, Biskuits, Toast, Milch und Früchten.

Reiseroute der All-Indien-Tour

Zurück in Indien hielt Swamiji nochmals eine öffentliche Ansprache in Danushkodi. In dieser Nacht regnete es heftig – der erste Regen seit vier Jahren. 

In Madurai war die Prozession wundervoll. Eine Nagarswaran (südind. Instrument)- Gruppe spielte und Swamiji wurde in eine vierrädrige Kutsche geleitet, die von zwei jungen Elefanten mit goldenem Kopfgeschirr gezogen wurde. Dann fand ein großer Darshan statt. Drei Stunden saß Swamiji in der Kutsche, während die Schlange der Anhänger an ihm vorüber zog.

Swamiji hielt Ansprachen in der Aula der Sourashtra Sekundarschule, in der SethupathyHigh School und im Meenakshi-Tempel. Die Menschenmenge, die Swamijis Rede am Meenakshi Tempel beiwohnte, wurde auf etwa 50.000 geschätzt.

Nach etwa 30 Jahren besuchte Swamiji seine Heimatstadt, Tirunelveli, welche er seinerzeit als Laie verlassen hatte. Rührende Szenen voller Liebe und Verehrung kennzeichneten die zwei ereignisreichen Tage, die er mit seinen Verwandten verbrachte. Swamiji sprach auf öffentlichen Veranstaltungen am Hindu College und in der Jahrhunderthalle (wo er mit einer Ansprache eines Moslemanhängers begrüßt wurde).

In Pattamadai, seinem Geburtsort, wurde Swamiji mit großer Liebe und Begeisterung empfangen. Auf dem Weg von Tirunelveli nach Nagercoil fuhr er über Pattamadai.Hier hielt er eine öffentliche Ansprache an der Pattamadai High School.

In Nagercoi wurde Swamiji unter der Begleitung von Kirtan- und Nagarswaran-Musikgruppen in einem beleuchteten zweirädrigen Wagen durch die Straßen gefahren. Am zweiten Morgen fuhr er nach Cape Comorin und verehrte die Göttin Kanya Kumari, nahm ein Bad im Meer, wo drei Ozeane zusammentreffen, besuchte den Suchindram-Tempel und Mahadanapuram.

Am Nachmittag kehrte er nach Nagercoil zurück und sprach dort vor einer großen Menschenmenge sprach. Bei diesem Treffen gab es etwas Aufruhr und die Organisatoren verkündeten: „Wenn Ihr euch anständig benehmt, wird sich Swamiji darüber freuen.“

„Unabhängig davon, wie ihr euch benehmt, freue ich mich und werde einen wunderbaren Eindruck von meinem Besuch in Nagercoil mitnehmen“, sagte Swamiji. Das hatte eine direkte magische Wirkung auf die Menge.

Die Zeugen des unvergesslichen Schauspiels, als seine Heiligkeit der Rajpramukh von Travancor-Cochin den heiligen Sivananda in seinem Palast willkommen hieß, wurden in ein anderes Zeitalter versetzt. Es war, als begrüße König Janaka (historischer weiser König) selbst den Weisen Yajnavalkya an seinem Hof. Am 18. Oktober hielt Swamiji eine öffentliche Ansprache in der Stadthalle. Am 19. Oktober besuchte er den berühmten Padmanabha Swami Tempel, aß im Palast zu Mittag und leitete dort auch ein Kirtansingen an. Als er sich von der königlichen Familie verabschiedete, erklangen seine Kirtans und die Melodien seiner philosophischen Lieder immer noch im Palast.

Von Trivandrum flog Swamiji nach Bangalore. Unterwegs gab es am Flughafen von Coimbatore einen kurzen, aber beeindruckenden Empfang.

Auf dem Flughafen von Bangalore hatte sich eine riesige Menschenmenge versammelt, m Swamiji am 19. Oktober zu empfangen. Er sprach auf einer Veranstaltung direkt am Flughafen vor etwa 8000 Menschen. Vom Flughafen aus fuhr er nach Mysore, wo er im Sanskrit-College untergebracht war. Von dort
ging er zum Palast des Maharajah von Mysore und verbrachte dort den Abend
und den nächsten Tag, bevor er nach Bangalore zurückkehrte, wo er sich im
Palast des Raja Bandhu aufhielt. Die Menschen von Bangalore kamen in Scharen zu Zehntausenden, um ihn zu sehen und zu hören und trotz der gewaltigen Menschenansammlungen liefen alle Programme reibungslos und erfolgreich ab, dank des großen Einsatzes der Organisatoren von der R.B.A.N.M High School, S.S. Sataka Mandali (der extra ein Schauspiel über Ambarishas Leben zu Ehren von Swamijis Besuch aufführen ließ), dem Ram Mandir, E.M.E. Zentrum, Jalahalli, der Verwaltung von Bangalore (wo ihm ein offizieller Empfang bereitet wurde) und der verschiedenen Niederlassungen der Divine Life Society.

In Jalhalli sprach Swamiji auf einer gewaltigen Versammlung vor Offizieren und der Armee, die von Colonel R.M. Newton-King organisiert worden war. Gleich zu Beginn seiner inspirierenden neunzigminütigen Ansprache appellierte Swamiji an ihre höheren Gefühle. Er sagte: „Ihr seid kraftvolle starke Männer, voller Scheid, Energie und Vitalität. Euer OM-Gesang sollte ebenso kraftvoll und stark sein. OM ist ein großes Reinigungsmittel. OM-Singen wird euch Stärke schenken und euren Geist ruhig und fest machen.“ Das hatte eine wunderbare Wirkung.

Das OM dieser Mammutversammlung dröhnte in der Luft. Nach dem Maha-Mantra-Kirtan fuhr Swamiji fort: „Die Welt kann euch keine Erfüllung geben. Ihr seid an sie durch feste Stricke und eure Wünsche gebunden. Verlangen und Wünsche sind euer wirklicher Feind. Verlangen beraubt euch der wahren Unabhängigkeit. Wünsche versklaven euch. Ihr müsst euch mit den machtvollen Waffen der Unterscheidungskraft und des Nicht-Anhaftens rüsten und diesen schrecklichen Feind in euch bekämpfen. Selbst ein Weltkrieg mag nur einige Jahre dauern, aber diese innere Kriegsführung gegen Unwissenheit, Begehren und andere schlechte Eigenschaften dauert viele Leben. Durch Fleiß und Beharrlichkeit sowie durch intensives Bemühen könnt ihr einen leichten Sieg erringen und Gott in diesem Moment verwirklichen. Der innere Feind ist sehr mächtig. Ihr müsst verschiedene Methoden anwenden, um ihn zu besiegen. Deshalb braucht man die kombinierten Techniken von Japa, Kirtan, Meditation, Studium religiöser Bücher, Satsang, selbstlosem Dienst und Innenschau. Sie alle werden euch helfen, die negativen Eigenschaften in euch auszurotten und tugendhafte Qualitäten zu kultivieren.“

Bei der Ankunft am Flughafen von Hyderabad am 23. Oktober wurde Swamiji von mehr als 5000Menschen willkommen geheißen. Nachmittags sprach er vor den Studenten der Osmania Universität, am Mahub College und am Nizam’s College. Diese Treffen waren auch für die Allgemeinheit zugänglich.

Nach dem Vortrag am College war es sehr schwer, Swamiji aus der begeisterten Menschenmenge zu befreien, die sich um ihn drängte. Aber beim folgenden Programm im Shiva-Tempel wurde es noch schwieriger. So viele Menschen drängten sich am Haupteingang des Tempels, dass Swamiji von den Organisatoren durch einen Seiteneingang geleitet wurde. Als er den Tempel verließ, war die Menge nicht mehr zurückzuhalten und er wurde in aller Stille durch einen Gang gebracht. Das Publikum witterte das und beeilte sich, Swamiji auf halbem Wege zu treffen. Die Freude jener, die es schafften, trotz des Gedränges seine Füße zu berühren, konnte man an den Tränen der Rührung sehen, die sie vergossen. Für sie war die Berührung seiner Füße der größte Segen.

Nach diesem unglaublich dichten Programm kehrten Swamiji und seine Begleiter nach Pratabgiri Koti zurück, das Swamiji vom Raja von Partabgiri zur Verfügung gestellt worden war. Vollkommen erschöpft und am Ende seiner Kräfte stieg er die Treppen hinauf. Er war kurzatmig und musste auf jeder Stufe ausruhen. Er hatte all seine körperliche Energie auf den zahllosen Veranstaltungen am Nachmittag verausgabt. Niemand, der ihn auf der Bühne tanzen gesehen hatte, hätte es je geglaubt, dass er nach Luft schnappen musste, wenn er ein paar Treppen hinaufstieg. Er drehte sich zu Paramanandaji um und sagte: „Ich werde nicht in der Lage sein, mich auch nur noch einen Zentimeter von hier wegzubewegen. Bitte bringe mich sofort zurück nach Rishikesh und streiche das ganze weitere Programm.“

Damit ging er in seinen Raum im oberen Stockwerk. Eine halbe Stunde später begann laut Programm der Abendkirtan auf dem Rasen von Pratabgiri Koti. Paramanandaji hatte Swamiji gebeten, diese Veranstaltung nicht zu besuchen, sondern auszuruhen und hatte ihm versichert, dass die anderen Mitglieder der Gruppe den Sankirtan leiten würden. Aber nein, Swamiji war der erste, der hinging! Er leitete persönlich alle Kirtans an und sprach über Sankirtan (gemeinsames Mantrasingen in der Gruppe).

Wer ihn wenige Minuten zuvor die Treppe hinaufsteigen gesehen und sagen gehört hatte, dass er sofort nach Rishikesh zurückkehren wolle, war völlig verblüfft, ihn auf dieser Veranstaltung zu erleben.

Das war sein Lila (göttliches Spiel). Swamiji lehrte viel öfter durch sein eigenes Beispiel als durch Vorschriften. Durch diese höchste Manifestation seines eigenen gigantischen Willens demonstrierte er, wie ein Sadhaka seinen Geist trainieren sollte, um ihn völlig unter Kontrolle zu bringen. Wenn sich der Geist nach Ruhe und Freizeit sehnt und sich nicht am Dienen für andere, Singen von Kirtans, Swadhyaya (Selbststudium) oder spiritueller Praxis erfreuen möchte, weigere dich, dich ihm zu beugen. Mache ihn zu deinem folgsamen Diener.

Am nächsten Tag, nach kaum vier Stunden Schlaf, sprach Swamiji in der lokalen Redaktion des indischen Rundfunks über die Bedeutung der Durga-Puja (dem 9tägigen Navaratri-Fest zu Ehren der göttlichen Mutter) und besuchte die örtliche Abteilung der Divine Life Society, wo er eine kostenlose Ambulanz und Arzneimittelausgabe einweihte.

Am 25. Oktober reiste Swamijis Gesellschaft mit dem Zug nach Poona. Poona war nicht auf der ursprünglichen Reiseroute. Dennoch war trotz der kurzfristigen Entscheidung sehr effizient ein volles Programm organisiert worden und eine gewaltige Menschenmenge hatte sich an der Bahnstation versammelt. Swamiji hielt verschiedene Ansprachen am Saraswati Vidyalaya, am Malaria Institut, an der St. Maria High School, in Dr. Vishwanathans Haus, in der Niederlassung der Divine Life Society von Kirkee, im Tilak Mandir und Saidas Mandal. Er besuchte auch Jnanadevs Samadhi-Schrein in Alandi.

Am 26. Oktober erreichte die Gesellschaft Bombay. Neben dem riesigen öffentlichen Treffen am Madhav Bagh sprach Swamiji am Lakshmi Bagh, an der South Indian Education Society, am Astika Samaj, an der Vanita Vishram-Mädchenschule, der Sunitas-Mädchenschule, im Bombay Spiritual Centre (Blavatsky Loge), im Sannyas-Ashram, im Daivik Jeevan Chaitanya Prabha Mandali, in Sri P.G. Purohits Haus in Santa Cruz und im Bharatiya Vidya-Bhavan. Er hielt auch eine Radioansprache in der Bombayer Redaktion des indischen Rundfunks.

SivanandaRichter Bhagavati hielt am Bharatiya Bhavan eine bewegende Eröffnungsansprache: „Die riesige Zuhörerschaft, die ich hier sehe, ist der positive Beweis dafür, dass Swamiji Ihnen allen wohlbekannt ist. Wer bin ich, dass ich Ihnen noch etwas über ihn sagen könnte, wo sich sein Ruhm schon über ganz Indien ausgebreitet hat und sie alle gekommen sind, um seine Worte der Weisheit zu hören? Bei dem heutzutage herrschenden Sittenverfall ist es wahrhaft wie eine Oase in der Wüste, einen Weisen wie Swamiji zu finden, der zu uns kommt, um Weisheit zu verbreiten. Es ist wahrhaft nötig für uns, ihm nicht nur zuzuhören, sondern auch danach zu handeln.“

Eine der Hauptveranstaltungen am letzten Tag in Bombay war die Pada-Puja. Seine Begleiter baten Swamiji, sich ein paar Minuten auszuruhen, bevor er zur Puja nach oben ging. Als er gerade dabei war, sich hinzulegen, bemerkte er, dass die Leute von benachbarten Balkonen ihn durch die Türen und Fenster in seinem Raum beobachteten. Er stand auf und ging auf den Balkon und gewährte den Nachbarn seinen Darshan - oder vielmehr bot sich ihm der Anblick der Nachbarn. Mit gefalteten Händen grüßte er sie. Sie waren entzückt. Er nahm ein paar Früchte und zeigte sie ihnen. „Ich schicke euch dieses Prasad. Bitte nehmt es an.“ Sofort brachte ein Mitglied der Gruppe das Prasad zum Nachbarhaus.

Dann ging Swamiji auf die Terrasse. Er ging ganz nach vorn auf die Seite, die am nächsten zur Straße gelegen war und stellte sich auf die Bühne, die hier aufgestellt worden war (und auf der Atmanandaji Kirtans sang). Er begann zum Publikum zu sprechen. Es waren ungefähr 10.000 Menschen auf der Straße versammelt. Alle standen in der heißen Sonne und warteten darauf Swamiji zu hören und zu sehen.

„Seht ihr, ich wende mich euch allen zu und singe Kirtan. Die Leute hier auf der
Terrasse sitzen bequem. Ihr aber steht in der heißen Sonne. Die Unbequemlichkeit macht euch nichts aus. Ihr seid voller Hingabe und Glauben an Gott. Ihr wollt spirituelle Reden hören und Sankirtan singen. Ihr seid mir alle sehr teuer.“

In Baroda in der Stadthalle hielt Swamiji Reden an die Öffentlichkeit und führte einen Satsang im Vitthala Mandir durch. Am 1. November weihte er die dortige Divine Life Society-Niederlassung ein und sagte: „Ich eröffne hiermit diese Abteilung der Divine Life Society. Die Divine Life Society ist eine universelle Einrichtung. Sie hat keine Dogmen oder eine geheime Doktrin. Jeder kann Mitglied werden. In ganz Europa und Amerika gibt es schon Zweigstellen. Christen, Mohammedaner, Parsen, Deutsche und Franzosen sind Mitglieder. Manche zeigen am Anfang großes Interesse und viel Begeisterung, aber allmählich erlischt das Interesse und die begonnene Arbeit kommt zum Erliegen. Ihr solltet nicht so sein. Der Sekretär, der Vorsitzende und die anderen Mitarbeiter sollten Anpassungsfähigkeit entwickeln. Ihr müsst in der Lage sein, euch jedermann anzupassen. Nur dann wird die Einrichtung gedeihen und es wird eine herzliche Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit geben.“

Der nächste Aufenthalt war Ahmadabad, wo Swamiji auf einer öffentlichen
Veranstaltung in der Premabai-Halle sprach und zwei Satsangs am Gita Mandir
durchführte. Er besuchte auch den Sabarmati Ashram- von Mahatma Gandhi
und hielt dort eine Rede für die Bewohner. Er gab Pressereportern ein Interview. Nachdem er alle Fragen der Reporter beantwortet hatte, fasste er seine Lehren in folgenden Worten zusammen:

Diene, liebe, gib, reinige dich, meditiere, verwirkliche,
sei gut, tue Gutes, sei freundlich, sei mitfühlend,
passe dich an, versöhne dich, sei flexibel, trage Beleidigungen,
trage Unrecht (Kränkungen) – höchstes Sadhana.
Frage „Wer bin ich?“, erkenne dein Selbst und sei frei.

Trage Beleidigungen, trage Unrecht: das ist das höchste Sadhana. Ein raues Wort wirft dich um, du läufst rot an und reagierst sofort: „Weißt du, wer ich bin?“ Du kannst dich nicht beherrschen, trotz deines prahlerischen Intellekts. Du solltest lernen, Beleidigungen und Kränkungen gleichmütig zu ertragen, indem du dir bewusst wirst: „Das sind nur Schwingungen in der Luft.“ Es erfordert die vollkommene Auflösung des Egos. Frage dich: „Wer bin ich? Wer wird durch wen  beschimpft?“ Nutze so jeden Anlass, wenn dich jemand beleidigt als hervorragende Gelegenheit, zur Selbstanalyse, zum Hinterfragen und für spirituellen Fortschritt.

Ähnlich wie Krishna in der Bhagavad Gita eine Reihe grundlegende Tugenden aufgezählt hat, die ein Aspirant für schnellen spirituellen Fortschritt in reichlichem Maße besitzen sollte, habe ich 18 wichtige Tugenden zum Nutzen der Schüler in einem englischen Lied ausgedrückt. Es wird euch gut gefallen:

Gelassenheit, Regelmäßigkeit, Fehlen von Eitelkeit,
Aufrichtigkeit, Einfachheit, Ehrlichkeit,
Ausgeglichenheit, Zielstrebigkeit, Unbeirrbarkeit,
Anpassungsfähigkeit, Bescheidenheit, Beharrlichkeit,
Redlichkeit, Edelmut, Großmut,
Nächstenliebe, Großzügigkeit, Reinheit.
Praktiziere täglich diese 18 „Heiten“,
Du wirst bald Unsterblichkeit erreichen.
Brahman ist die einzig wirkliche Wesenheit.
Herr/Frau Soundso ist eine unwirkliche Nicht-Wesenheit.
Du wirst ruhen in Unendlichkeit und Ewigkeit.
Du wirst Einheit in Vielfalt erblicken.
Das kannst du nicht an der Universität erreichen.
Du kannst es in der Wald-Universität (des Sivananda Ashrams) lernen.

Swamiji erreichte Delhi am 4. November. Er wurde auf dem „Victory-Bahnsteig“ von Neu Delhi von einer Menschenmenge empfangen, welche trotz gut organisierten Absperrketten von Ordnungshütern nicht im Zaum gehalten werden konnte. Den offiziellen Empfang am 5. November leitete der Justizminister von Indien, Richter Patanjali Sastri. Verschiedene Würdenträger hielten Ansprachen. Abgesehen davon gab er Vorträge in der Birla Mandir Halle, am Sanathana Dharma Pratinidhi Sabha, im Yoga-Ashram, an der Universität von Delhi, der Lodi Colony, an der Salwan Schule und dem Y.M.C.A. Im Birla Mandir und Sanathana Dharnma Prainidhini Sabha sprach er an jedem Tag während seines Aufenthaltes. Das indische Radio sandte ebenfalls eine Ansprache aus Delhi.

Swamiji besuchte den Rajghatt Samadhi Schrein von Mahatma Gandhi und das Birla-Haus, in dem Gandhi ermordet worden war und betete dort jeweils. Der große spirituelle Führer Sri Goswami Ganesh Dutt sagte: „Was für ein Wunder. Dieser eine Sadhu hat durch seine bloße Gegenwart in der Hauptstadt von Indien die ganze Atmosphäre von Neu Delhi verwandelt.“ Richter PatanjaliSastri sagte: „Du hast durch intuitive Einsicht erkannt, woran es fehlte und hast mit dem Werk der Verbreitung spirituellen Wissens begonnen. Das ist eine gigantische Aufgabe.“

In Delhi besuchte Swamiji auch Häuser von Anhängern einschließlich des Oberbefehlshabers der indischen Armee, General K.J. Cariappa und leitete dort jeweils einen kurzen Satsang. Nach einem dieser Besuche sagte er: „Ich glaube nicht, dass eine so breit angekündigte und organisierte Reise wie diese, so wirkungsvoll ist wie diese Haus-zu-Haus Besuche. Wir sollten einen Kombiwagen nehmen und von Dorf zu Dorf fahren, um in jedem Haus Satsang durchzuführen. Das ist der effektivste Weg zur Verbreitung spirituellen Wissens.“

Nach zwei Monaten intensivstem Dienens auf dieser großartigen, ausgedehnten Reise durch Indien und Ceylon, die ein beispielloses landesweites spirituelles Erwachen bewirkte, kehrte Swami Sivananda an seinen Wohnort am Ganges zurück. Seine Gemütsverfassung blieb ruhig wie die Tiefen des Meeres. Die ungeheure Woge spiritueller Strömung, die von ihm ausgegangen war und das Land mit Weisheit überflutet hatte, brachte ihm keine Erschöpfung - nicht einmal seiner körperlichen Hülle. Die anderen Weisen von Rishikesh lasen in seinem überglücklichen Gesicht und in seinen leuchtenden Augen seine beredte Botschaft: „Durch Dienen gewinnst du Kraft, Freude und Stärke aus der unerschöpflichen kosmischen Quelle.“

Der Großartigkeit des Empfangs in Rishikesh kam nur noch die liebevolle
Fürsorge gleich, mit der die Männer, Frauen und Kinder von Rishikesh, die
Swamiji in den letzten 25 Jahren zu „ihrem“ Swami gemacht hatten, ihn
willkommen hießen - stolz auf seine übermenschlichen Leistungen und glücklich
über seine sichere Rückkehr bei vollkommener Gesundheit. Als sie ihn zwei
Monate zuvor verabschiedet hatten, weinten sie, als er zurückkehrte, vergossen sie Freudentränen.

Im Ashram hießen seine Schüler ihn in seinem Heim willkommen. Sie eilten herbei, um ihn zu begrüßen, mit Girlanden zu schmücken und seine Füße zu berühren. Eine Prozession brachte ihn zurück in den Ashram. Nach genau zwei Monaten betrat Swamiji wieder seinen Kutir am Ufer des Ganges. Schnell zog er seinen Mantel aus und eilte zum Ganges. Er verehrte „Mutter Ganga“ und setzte sich auf die Stufen, versunken in göttlicher Kontemplation.

Kaum eine Stunde nachdem er den Ashram betreten hatte, saß er wieder an seinem Platz im Büro und nahm seine Pflichten auf. Weder eine Spur der Strapazen noch ein Schatten des Ruhmes, den die Indien Reise ihm gebracht hatte, war in seinem Gesicht zu erkennen. Er leitete das Morgengebet und begann, sich um die Post auf seinem Schreibtisch zu kümmern.

Zu seinen Eindrücken von der Indienreise schrieb Swamiji: „Das heilige Bharata (Name für Indien), in dessen spirituelle Verwandtschaft ich auch Sri Lanka einschließe, war schon immer ein spiritueller Führer der gesamten Menschheit. Mutter Indien hat ihre Kinder in der ganzen Welt mit der Milch der Weisheit genährt. Diese Weisheit, diese grundlegende Spiritualität, dieses Streben nach der Ewigkeit, diese Liebe zu Gott, welche die Menschen in vedischer Zeit auszeichnete, fließt noch heute durch die Lebensadern der Inder. Das sah ich während der Indienreise.“

Für die vielen Einrichtungen, die Swamiji während seiner Reise besucht hatte, war dieser Tag ein Feiertag und sie nahmen ihn in ihren religiösen Kalender auf. Seither feiern sie jedes Jahr den Tag, an dem Swamiji ihre Einrichtung besuchte, als Sivananda Vijaya Jayanthi, den Jahrestag des Besuches von Swami Sivananda. So ist die Reise zu einer Quelle anhaltender Inspiration geworden.

Es gibt nicht den leisesten Zweifel, dass Swamijis aufsehenerregende, bahnbrechende Reise ein großes spirituelles Erwachen ins Land brachte und auch die Divine Life Society auf eine stabilere Grundlage stellte. Die Mission bekam plötzlich Auftrieb: Tausende kamen auf einmal mit Swamiji in Berührung. Das Einkommen des Vereins wuchs und damit auch die Arbeit und die Schulden. Das war Swamijis Wunder – das Wunder eines ständigen aufopferungsvollen Dienens.

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Das Parlament der Religionen

Als Swami Paramananda die Idee hatte, ein Parlament der Religionen einzuberufen,
unterstützte Swamiji ihn begeistert und bestärkte ihn in jeder erdenklichen
Weise. Er sagte: „Lasse dich nicht entmutigen, wenn Hindernisse
auf treten. Alles wird von Erfolg gekrönt sein.“

Das Parlament tagte am 3., 4. und 5. April 1953. Es war ein Ereignis von einmaliger
Bedeutung, voller Freude und spiritueller Inbrunst. Der Ashram wurde zu einer geschäftigen Stadt und seit dem 1. April lag eine festliche Stimmung in der Luft. Der Vorsitzende des Empfangskommittes, Sri N.C. Ghosh M.A. und Swami Paramanandaji, der Hauptakteur, gaben dem Programm den letzten Schliff. Am 2. April abends waren alle Delegationen eingetroffen. Das Team selbstloser Mitarbeiter des Ashrams erbrachte Höchstleistungen beim Empfang, der Unterbringung und Betreuung der zahllosen Gäste, die unentwegt ankamen. An solch besonderen Gelegenheiten zeigte sich der wunderbare Geist, den Swamiji in seinen Mitarbeitern im Ashram herangebildet hatte. Die an ein ruhiges Leben gewöhnten Swamis und Sadhakas, die ihrem Sadhana und Guruseva (Dienst am Guru) nachgingen, verwandelten sich augenblicklich und spontan in menschliche Maschinen und stürzten sich ganz in den Dienst. Jeder nahm seinen Platz ein, ohne dazu aufgefordert werden zu müssen, erledigte fehlerlos seine Pflichten und nahm ohne zu Murren jede Last auf sich. Swamiji schulte durch sein persönliches Beispiel, nicht durch Predigten (welche fast immer wirkungslos sind). Hier der Bericht der indischen Presseagentur Press Trust of India über die dreitägige Parlamentssitzung: „Das dreitägige Parlament der Religionen mit mehr als 200 Delegierten aller bedeutenden Religionen wurde heute in Rishikesh, im Sivananda Ashram, am Ufer des Ganges, von Sri C.P. Ramaswamy Aiyar eröffnet.

Der 67jährige Swami Sivananda, der den Kongress organisiert hat, betonte die Einheit aller Religionen und sagte, die jeweiligen Unterschiede lägen in unwesentlichen und rituellen Gesichtspunkten.

Sri Ramaswami Aiyar sagte: „Es ist unsere Aufgabe, Einheit in Vielfalt zu unterstreichen. Die Welt ist nicht nach einem einzigen Muster geschaffen und Vielfalt ist genauso wichtig wie Einheit. Wer nur langweilige Einheitlichkeit haben möchte, erweist den Religionen einen ebenso schlechten Dienst wie jene, die bedeutungslose Unterschiede hervorheben. Der Geist, der die Inder Jahrhunderte lang beseelt hat, ist die gemeinsame Suche nach dem Höchsten. Unsere Wege mögen verschieden sein, aber unser Ziel ist dasselbe. Heute, da die Welt voller Angst und Schrecken ist, steht Indien, wenn es denn für etwas steht, für die Befreiung von Angst. Das ist der Beitrag, den Indien zum Weltfrieden leisten kann.“

Botschaften zum Erfolg der Konferenz gingen ein: vom indischen Vizepräsidenten Dr. Radhakrishnan, Bundesministern, den Gouverneuren von Rajpramukha, Mr. B.G. Kher, dem Oberbevollmächtigten für Indien in London, Mr. Chester Bowles, General Cariappa und verschiedenen Organisationen aus Übersee. Zu den Konferenzteilnehmern zählten unter anderem Generalmajor Yadunath Sing (der eine führende Rolle beim indischen Armeeeinsatz in Kashmir spielte und jetzt Leiter der Militäroperation in Nepal ist), Generalmajor A.N. Sharma, pensionierter Leiter des Gesundheitsdienstes der Armee, Sannyasins und viele andere. Zu Beginn der Konferenz wurde der Guru Grant Sahib (heilige Schrift der Sikhs) in einer Prozession herumgetragen, die von einem Elefanten angeführt und einem Blasorchester begleitet wurde. Auf der Konferenz rezitierte Swami Sivananda Verse aus den Upanishaden und sang ein englisches Lied zu Ehren der Propheten und Seher aller Religionen, einschließlich Jesus Christus, Krishna, Buddha, Mohammed und Konfuzius. Swami Sivananda bestritt, dass Religion Opium für das Volk sei und sagte: „Sie ist keine Krankheit, entstanden aus Angst, sondern sie ist unser Atem. Sie zeigt den Weg zu Frieden, Brüderlichkeit und Selbstverwirklichung.“ Swami Sivananda improvisierte Verse, mit denen er die Zuhörer aufrief, gut zu sein, das Rauchen aufzugeben, ihre Stimme gegen soziale Missstände zu erheben und hart zu arbeiten im Dienst ihrer Nationen.

Das Parlament, welches von morgens bis abends und oftmals auch bis weit in die Nacht hinein tagte, bestand aus den Repräsentanten aller wichtigen Weltreligionen. Swamiji war der erste, der auf dem Podium erschien und der letzte,
der es wieder verließ – trotz der Tatsache, dass er erstmals nach einer ernsthaften Erkrankung (Lumbago), mit der er mehr als zwei Monate im Bett gelegen hatte, seinen Kutir verließ. In der dritten Nacht leitete er den Satsang bis jeder, der sprechen wollte, die Gelegenheit dazu gehabt hatte. Es war nach 2 Uhr
nachts, als er zu Bett ging. Am Morgen empfing er bereits vor 5 Uhr Sri Ananthasayanam Ayyangar (den späteren Sprecher des indischen Parlaments) noch vor dessen Abreise nach Delhi. Seine körperliche Kondition hatte keinerlei
Einfluss auf die Stärke seines Geistes und seine Haltung des Dienens.

Teilnehmer am Parlament waren unter anderem: Dr. M.H. Syed, Professor im Ruhestand der Universität von Allahabad; Dr. B.L. Atreya, Leiter der Abteilung Philosophie der Hindu-Universität von Benares; Pfarrer St. John Catchpool von der Quäker-Bewegung; Sri Swami Nirmalji, ein führender Vedantin; Sri N.C. Chatterjee, Präsident des Hindu Mahasabha; Sri Swami Atmananda von der Yoga Satsang-Gemeinschaft in Kalkutta; Sardar Bahadur Balwant Singh, Puri; Sri Kumaraswami vom Nav Kalyan Mutt in Dharwar; Sri Vyasji Maharaj; H.J. Halblutzel aus der Schweiz; die Brahmakumaris von Mount Abu; Sri Jayadayal Goenka von der Gita-Presse; Maharishi Shuddhananda Bharatiar; Dewan Bahadur Sri K.S. Ramaswami Sastriar; Dr. Thomas Ransch; General Sharma; Sri Samimi aus dem Iran; Sri Ananthasayanam Ayyangar; J.E. Dr. Soedarsano, indonesischer Botschafter in Indien; Mahamandaleshwar Sri Chaitanya Giri vom Kailash Ashram; Mahamandaleshwar Sri Swami Gangeswaranandaji aus Delhi; Sri Swami Purushotthamanandaji von der Vasishta Guha; Sri Swami Sivananda und Vijayalakshmi aus Madurai. Das Weltparlament der Religionen war die Krönung von Swami Sivanandas unermüdlichen Anstrengungen, das Verständnis und das Wohlwollen unter den Anhängern aller Weltreligionen zu fördern, so dass ihre gemeinsame ethische Kraft in den Dienst einer weltweiten spirituellen Erneuerung gestellt werden könnte – dem Gebot der Stunde.

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Der 70 ste Geburtstag (Platinum Jubilee)

Swamili mit Blumengirlanden an seinen GeburtstagDer 70. Geburtstag von Swamiji markierte einen wichtigen Abschnitt seines Lebens. Sein spiritueller Einfluss umspannte den ganzen Erdball. Noch zu seinen Lebzeiten sah er die große Mission seines Lebens Früchte hervorbringen und Tausende überall auf der Welt sich auf den Weg zu Gott machen. Kaum 32 Jahre nachdem er in Rishikesh als Bettelmönch mit nichts als einem Kleidungsstück und einem Wassergefäß angekommen war, wurde er in einer Prozession mit allen Ehren und Hochachtung durch die Straßen von Rishikesh getragen. Im Ashram selbst, der in dieser Zeit von einem „Kuhstall“ zu einer Stadt gewachsen war, hatten die ergebenen Schüler einen Tempel errichtet, wo Swamiji be reits zu Lebenszeiten verehrt wurde. Das „Platin-Jubiläum“ zeugte von diesem Ruhm. Am 7. September wurde von Swami Paramananda, der ein natürliches Talent dafür hatte,
großartige Dinge auf fabelhafte Weise zu organisieren, die größte Prozession in den Annalen der Geschichte von Rishikesh organisiert - größer noch als jene, die anlässlich von Swami Sivanandas Aufbruch zu seiner Indienreise stattgefunden hatte: eine motorisierte Karawane von Bussen mit Anhängern, Kirtansängern, Gruppen von Schülern – manche sangen das Maha-Mantra, andere tanzten voller Freude, einige rezitierten die Veda-Mantras; eine kleine göttliche Armee glühender Anhänger von Swamiji, die in den Ashram gekommen waren, um an den Geburtstagsfeierlichkeiten teilzunehmen; eine Festkapelle und einen Akrobaten - eine kilometerlange Reihe fesselnder Darbietungen. Die ganze Stadt Rishikesh war festlich geschmückt. Es gab zahlreiche Fahnen und Girlanden und überall an hunderten von Stellen entlang der Prozessionsroute waren zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt Bögen errichtet worden, auf denen „Lang lebe Swami Sivananda“ stand. Die Prozession führte durch die ganze Stadt, so dass alle den Segen von Swamijis Darshan haben konnten. Am
Hauptbasar von Rishikesh kam die Prozession plötzlich zum stehen. Vor Swamijis Auto, das wie ein Thron geschmückt war, begannen ein paar Frauen, die Mantras singend vorausgegangen waren, zu tanzen. Hochgebildete, moderne Frauen, die zur höheren Schicht der indischen Gesellschaft gehörten, sangen den Namen Gottes und tanzten auf der Straße! Sie waren sich in keinster Weise bewusst, dass das eine öffentliche Durchgangsstraße war. Für sie gab es nur Swamijis göttliche Gegenwart. Sie sahen seine strahlende Miene und vergaßen sich in ekstatischer Freude. Wie glücklich und gesegnet fühlten sie sich, wenn Swamiji sich ihnen zuwandte und sich erkundigte: „Oh, ist das Sevaramijis Geschäft? Welches ist das Geschäft von Ayaramji?“ usw. und dann widmete er seine ganze Aufmerksamkeit den glücklichen Eigentümern. Überall wurden ihm Früchte und Süßigkeiten dargebracht, durch seine Berührung geweiht und an die Menschen verteilt. Noch während der Prozession gab er denjenigen davon, die sangen und tanzten und anderen, die sich aktiv an der Prozession beteiligten.

Als er in den Ashram zurückkehrte und seinen Kutir betrat, lud er alle, die ihn begleiteten ein, mit ihm zu essen. „Ihr müsst alle sehr hungrig sein, da ihr die ganze Zeit gelaufen seid, gesungen und getanzt habt. Bitte entschuldigt die Unannehmlichkeiten. Möge Gott euch segnen“, sagte er. Am nächsten Tag (dem 8. September) pulsierte Sivananda Nagar schon ab 3 Uhr morgens vor Aktivität, obgleich die meisten bis nach Mitternacht wach gewesen waren und sich über die Prozession unterhalten hatten. Einzel- und Gruppenmeditationen wurden durchgeführt sowie Gebete gesprochen. Viele nahmen ein Bad im Ganges, andere bereiteten sich auf die Geburtstagsfeierlichkeiten vor. In allen Herzen war das eine inbrünstige Gebet: „Möge Swamiji lange leben“. Um 6 Uhr stand das Auto bereit. Swamiji verließ seinen Kutir und fuhr zum neuerbauten Sivananda Mandir (Tempel). Die Fürstin Rani Sivananda-Kumudini Devi eröffnete den Tempel mit einer Zeremonie und alle brachen in Hochrufe aus: „Satguru Sivananda Bhagavan-Ki-Jai“. Swamiji selbst installierte seine große Statue im Tempel und rezitierte bestimmte Mantras zur Anrufung der göttlichen Gegenwart. Dann wurde vor der Statue und vor Sivananda selbst das Arati (Lichtzeremonie) durchgeführt. Dieses historische Ereignis wurde von Sri Dewan Bahadur K.S. Ramsawami Sastriar in seiner anschließenden schönen Rede wunderbar beschrieben als die Transformation einer Marmorstatue in ein göttliches Wesen.

Nach kaum einer halben Stunde Pause (die durch die Ankunft weiterer Geburtstagsgäste gestört wurde) ging Swamiji hinauf zu dem großen Zelt (Shamiana), das für die Pada-Puja aufgestellt worden war. Viele Anhänger beteiligten sich persönlich an dieser Puja und viele andere, die nicht kommen konnten, ließen sich von anderen vertreten. Am bemerkenswertesten war, dass Swamiji ununterbrochen Früchte und Süßigkeiten an die Anhänger verteilte, während seine göttlichen Füße mit höchstem Glauben, Gefühl und Hingabe verehrt wurden: Geben, Geben und nochmals Geben – seine Gnade, seine Weisheit, seine Liebe. Schwer vorstellbar, dass er sich bewusst war, dass er verehrt wurde! Nach der Pada-Puja gab es Musikdarbietungen von Musikern aus Delhi, Dehra Dun usw. Sadhu Murugadas bat Swamiji auf die Musikbühne. Es war schon nach 12 Uhr. Ein älterer Ashram-Bewohner, der meinte, es sei Zeit den Satsang zu beenden, schaute herein. Aber Swamiji sang sein englisches, philosophisches Lied weiter und fügte humorvoll hinzu: „Oh Swamiji, ich habe keine Angst vor dir. Du kannst den Satsang jetzt nicht aufhalten!“ Schließlich ging Swamiji gegen 13 Uhr zu seinem Kutir. Überraschenderweise kam er als Erster wieder ins Zelt zum Nachmittagsprogramm. (Überraschend war es lediglich wegen seines schlechten Gesundheitszustands. Ansonsten war er immer der Erste, der kam und der Letzte, der den Satsang verließ.) Es war ein paar Minuten vor 15 Uhr. Selbst die mit Swamijis außergewöhnlichen Charakterzügen vertrauten Ashrammitarbeiter waren überrascht. Swamiji selbst stellte sich auf das Podium, breitete Teppiche aus und bereitete alles für den Satsang vor. (Am Ende dieser Sitzung überreichte Srimati Sivananda-Zepporah aus Australien Swamiji feierlich eine diamantenverzierte Platinarmbanduhr als Symbol für das Platin-Jubiläum.) Der Abendsatsang dehnte sich bis nach 4 Uhr morgens am 9. September aus. Wer nicht so lange wach bleiben konnte und diejenigen, welche vom Schlaf überwältigt wurden, schliefen, wo sie gerade waren. Aber Swamiji und einige seiner engen Schüler hatten nicht einen Anflug von Müdigkeit. Musiker um Musiker, Kirtansänger um Kirtansänger besangen die Namen und den Ruhm Gottes. Sri Sivananda-Vani vom indischen Radio führte ein Drama auf: Sri Sudarshan Sarin leitete ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm mit Kindern aus ihrem Kindergarten; während Sri Balam aus Neu Delhi ekstatisch Bhajans sang. Nach 3 Uhr morgens sagte Swamiji: „Es ist jetzt Brahmamuhurta, daher sollten wir jetzt die Namen Gottes noch kraftvoller singen.“ Der Satsang kam um 4.30 Uhr zu einem glorreichen Abschluss. Als Swamiji um 7 Uhr aus seinem Kutir zum Morgensatsang kam, konnte keiner auf seinem strahlenden Gesicht eine Spur von Müdigkeit oder ein Anzeichen der großen Anstrengung erkennen, welcher sein Körper ausgesetzt gewesen war.

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Sivananda Literatur–Festival

Situationen wie die folgende waren typisch im Ashram. Sie geschahen oft unbemerkt und öfter unverstanden, waren aber einzigartig:

Ein Mann kam herein und wurde von Swamiji mit der Herzlichkeit begrüßt, die sofort den Mantel der Reserviertheit, des Argwohns und der Skepsis sprengte, der ihn eventuell einhüllte. Swamiji zeigte Interesse an seinen Errungenschaften, Vorstellungen und Idealen. Der Mann freute sich. Jede letzte kleine Reserviertheit wurde leicht mit Süßigkeiten und Kaffee hinweggespült. Etwa eine halbe Stunde verging. Der berühmte Yogi aus dem Himalaya, bekannt für seine große Weisheit, hatte keinen Ratschlag oder Anweisung gegeben, aber der Mann war nicht enttäuscht. Er war dabei sich zu verabschieden, nachdem er eine „liebenswerte“ Persönlichkeit kennengelernt hatte. Ruhig überreichte Swamiji ihm einige Bücher. Der Geschmack der Süßigkeiten und des Kaffees war vorbei, aber die Süße und der majestätische Ausdruck auf seinem Gesicht blieb. Später verlockte ihn die Erinnerung daran, eines der Bücher durchzublättern. Seine Augen blieben an einem Absatz hängen. Er war gewonnen Widerwillen, ohne sich dessen recht bewusst zu sein. So wirkte Swamiji Wunder, durch seine ständigen Büchergeschenke. Die „Abteilung für freie Literatur“ war ihm so lieb, dass er sich nicht einmal erkundigte,
ob die Bücher auch in die Verkaufsabteilung gingen. Der Grund war stichhaltig – der Aspirant, der nach einem Buch fragte, war sichtlich bereits auf dem richtigen Weg. Wenn ein Buch nicht verfügbar war, würde er Inspiration aus einem anderen gewinnen. Aber das Buch diente einem besseren Zweck, wenn man es jemandem schenkte, der nicht danach gefragt hatte, es vielleicht gar nicht haben wollte (und der es aus Höflichkeit annahm) mit dem Gedanken: „Wie kann ich es ablehnen, wenn dieser liebe, gute Mensch es mir kostenlos anbietet?“

SivanandaSwamijis Bücher sind nicht einfach bedrucktes Papier. Sie sind Manifestationen von Gottes Gnade, von Gott selbst. Neben dem Erwerb von Wissen und spiritueller Erleuchtung haben Menschen diese Bücher für viele andere Zwecke genutzt. Sie sind voller Shakti.

Manche nutzen sie zum Schutz als Talismane, andere als stumme Stimme Gottes. Wenn sie einen Zweifel oder ein Problem haben, öffnen sie willkürlich eine Seite und Gott spricht zu ihnen durch einen Absatz oder einen Satz auf dieser Seite. Manche nutzen sie als gute Freunde, als perfekte Begleiter, um Kummer, Leid und Niedergeschlagenheit fernzuhalten, während wieder andere sie besonders wegen der darin enthaltenden Bilder von Swamiji schätzen. Selbst wenn sie die Sprache nicht verstehen, Swamiji selbst ist ihnen damit umso näher. Für alle sind Swamijis Bücher offenbarte Wahrheit, genau wie die Veden, die Guru Grant Sahib, die Bibel und der Koran.

Das war die Idee, die dem Sivananda Literatur-Festival zugrunde lag, welches am Guru-Purnima Tag, dem 20. Juli 1958, gefeiert wurde. Swami Sivanandas Schriften wurden nicht nur als gedruckte Bücher angesehen, sondern als offenbarte Wahrheit, als Offenbarung Gottes – bereit zu segnen, zu leiten und zu erleuchten.

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