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6. Kapitel Holi

In grauer Vorzeit gab es in Indien Kannibalenstämme. Sie richteten verheerenden Schaden an und bedrohten unschuldige Menschen. Holika, auch Putana genannt, war eine dieser Kanibalinnen. Sie hatte besonders große Freude daran, kleine Kinder zu verschlingen. Krishna tötete sie und rettete so die Kinder. Am Holi-Fest wird noch heute ein Bildnis oder eine Figur von Holika im Feuer verbrannt. In Südindien wird eine Tonfigur von Cupido, dem Liebesgott, verbrannt. Das ist der Ursprung des großen Festes Holi.

Das Fest beginnt etwa zehn Tage vor dem Vollmond des Monats Phalgun (Februar/März) und endet am Vollmondtag. Gewöhnlich werden aber nur die letzten drei bis vier Tage gefeiert. Es ist ein Frühlingsfest. Die Bäume tragen lieblich duftende Blüten. Sie verkünden die Herrlichkeit und immer währende Schönheit Gottes, erfüllen uns mit Hoffnung, Freude und neuem Leben. Sie regen uns dazu an, den Schöpfer zu erkennen, der in all diesen Formen verborgen ist.

In Südindien ist Holi auch unter dem Namen Kamadahana bekannt, der Tag, an dem Kama oder Cupido, der Liebesgott, von Shiva verbrannt wurde. Eine andere Legende erzählt von einer Dämonin namens Holika, der die Enkelin einer alten Frau geopfert werden sollte. Ein Sadhu (Weiser, Heiliger) sagte der alten Frau, Holika könne durch Beschimpfungen und Schimpfworte besiegt werden. Die alte Frau rief eine große Kinderschar zusammen, die Holika beschimpfte und beleidigte. Die Dämonin fiel tot um. Über ihren Überresten entzündeten die Kinder ein Freudenfeuer.

Eng mit dieser Legende verbunden ist Prahlada, seine Verehrung von Narayana und wie er dem Tod durch die Hände Holikas entkam29. Um seine tiefe Religiosität zu brechen und seine Gesinnung weltlicher zu machen, bestrafte Prahladas Vater Hiranyakashipu (ein Dämonenkönig) ihn auf verschiedenste Weise – vergeblich. Schließlich beauftrage er seine Schwester Holika, der Feuer nichts anhaben konnte, Prahlada auf den Schoß zu nehmen und mit ihm in die lodernden Flammen zu gehen. Holika tat dies und kam dabei um, während Prahlada unversehrt zurück blieb. Das Feuer berührte ihn nicht, da er unter dem Schutz Gottes stand.

Diese Geschichte wird jedes Jahr an Holi aufgeführt. Sie soll die Menschen daran erinnern, dass gerettet wird, wer Gott zugetan ist und dass von denjenigen, die spirituelle Menschen misshandeln, nur Asche übrig bleibt. Nachdem Holika verbrannt war, beschimpften die Menschen sie und sangen Loblieder auf Gott und seinen treuen Verehrer Prahlada. Daher sprechen die Menschen bis heute Schimpfworte, vergessen aber leider die anschließenden Loblieder auf Gott.

In Nordindien bespritzt man sich an Holi mit gefärbtem Wasser oder malt Gesicht und Körper bunt an. Nachts werden riesige Holzhäufen angezündet. Überall sind die Rufe „Holi-ho! Holi-ho!“ zu hören. Jeder Passant wird mit farbigem Wasser bespritzt, selbst angesehene Persönlichkeiten und Beamte. Holi ist in Indien wie der 1. April (oder Fastnacht) für die Europäer. Es gibt auch spezielle Holi-Lieder, die an diesem Fest gesungen werden.

6. Kapitel 

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Während der Festtage werden die Häuser geputzt. Aller Unrat um das Haus herum wird eingesammelt und verbrannt. Auf diese Weise werden Krankheitserreger vernichtet und die hygienischen Bedingungen in den Dörfern bessern sich. Die Jungen tanzen durch die Straßen und spielen den Passanten Streiche. Am Ende des Festes wird ein Freudenfeuer entzündet. Ausgelassene Streiche des jungen Krishna werden um das Feuer herum gespielt und aufgeführt.

Am letzten Tag von Holi nimmt man ein kleines Feuer von diesem Freudenfeuer mit nach Hause. Damit sollen die Häuser rein und frei von Krankheit und Leiden gehalten werden.

Heutzutage nehmen viele das Holi-Fest als Vorwand und Anlaß für allerlei negative Gewohnheiten. Manche trinken Alkohol bis zum Umfallen. Ihre Sprache wird obszön, sie verlieren den Respekt vor Eltern und Vorgesetzten und verschwenden ihr Geld mit Trinken und Würfelspiel. Solche Auswüchse sollten aufhören.

Feierlichkeiten wie Holi haben ihren eigenen spirituellen Wert. Wenn man sie im richtigen Sinn feiert, bieten sie nicht nur ausgelassene Unter haltung, sondern schaffen auch Glauben an Gott. Sie führen den Menschen weg von den sinnlichen Vergnügen und bringen ihn schrittweise auf den spirituellen Weg und in die göttliche Gemeinschaft.

Bei solchen Anlässen sollte die Gottesverehrung mehr im Vordergrund stehen, das spirituelle Miteinander und Kirtansingen, statt nur gefärbtes Wasser zu verspritzen und Feuer anzuzünden. Sie sollten mit Gebeten, dem Besuch heiliger Stätten, Baden in heiligem Wasser, Satsang (spirituelles Zusammensein) mit hochentwickelten Seelen, Wohltätigkeit gegenüber Armen usw. begangen werden. Nur auf diese Weise wird Holi richtig gefeiert.

An diesen fröhlichen Anlässen werden die freude- und lichtvollen Zeiten und Seiten Gottes gefeiert. Alle großen hinduistischen Feste enthalten religiöse und soziale Elemente sowie solche verbesserter Hygiene und Gesundheit. Holi bildet da keine Ausnahme. Jede Jahreszeit hat ihr eigenes typisches Fest. Holi ist das große Frühlingsfest in Indien. Da Indien ein Land mit viel Landwirtschaft ist, gibt es zwei große Erntefeste. Wenn die Scheunen gut gefüllt sind, genießen die Bauern die Früchte ihrer harten Arbeit. Havans (Feuerzeremonien) werden ausgeführt. Das frisch geerntete Korn wird zuerst den Göttern angeboten, bevor man selbst davon isst. Auf der ganzen Welt gibt es ähnliche Erntefeste.

Nach harter Arbeit braucht der Mensch Entspannung und Abwechs lung. Er muss aufgeheitert werden, wenn er von Arbeit und Sorgen niedergedrückt ist. Feste wie Holi versorgen ihn mit der Nahrung und Arznei zur Wiederherstellung seiner guten Laune und Ausgeglichenheit. Das religiöse Element des Holi-Festes besteht in der Verehrung Krishnas. Mancherorts wird es auch Dol Yatra genannt. Dol bedeutet „Schaukel“. Ein Bild Krishnas, wie er als Baby in einer kleinen Wiege liegt, wird mit Blumen geschmückt und mit buntem Puder bemalt. Es soll an die Spiele des kleinen Krishna mit den Milchmädchen (Gopis) von Vrindavan (Ort in Nordindien, an dem Krishna aufwuchs) erinnern. Religiöse Menschen singen den Namen Krishnas und Holi-Lieder, die Geschichten von Krishna und den Gopis zum Inhalt haben.

Der soziale Aspekt von Holi ist die Vereinigung oder „Umarmung“ von groß und klein, reich und arm sowie zwischen Ebenbürtigen. Das Fest lehrt uns: „Lasst die Toten die Toten begraben”. Vergiss die Sorgen des vergangenen Jahres und beginne das neue Jahr mit Liebe, Mitgefühl, Zusammenarbeit und Gleichheit mit allen. Versuche auch, den Einklang und die Einheit mit dem Selbst zu finden.

Holi
bedeutet auch „Opfer“. Verbrenne alle Unreinheiten des Geistes wie Egoismus, Eitelkeit, Gier usw. durch das Feuer der Hingabe und Erkenntnis. Entzünde kosmische Liebe, Barmherzigkeit, Großzügigkeit, Selbstlosigkeit, Wahrhaftigkeit und Reinheit durch das Feuer der Yoga- Praxis. Das ist der wahre Geist von Holi. Steh auf aus dem Sumpf der Stumpfsinnigkeit und Sinnlosigkeit und tauche tief ein in den Ozean der Göttlichkeit.

Holi
fordert dich auf, die Flamme der Göttlichen Liebe in deinem Herzen zu bewahren. Innere spirituelle Erleuchtung ist wahres Holi. Nach der Bhagavad Gitaist die Frühlingszeit die Offenbarung, die Manifestation Gottes. Dort heißt es, Holi sei das Herz Gottes.

29. Prahlada: mytholog. Gestalt; Sohn des Dämonenkönigs Hiranyakashipu; Narayana: Gott als Urwesen, von dem die Schöpfung ausgeht.

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