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Japa Yoga von Swami Sivananda

  • 4. Kapitel - Sadhana – Spirituelle Praxis

Die Notwendigkeit eines Gurus

Man braucht einen Guru. Der spirituelle Weg ist voller Hindernisse. Der Guru führt die Schüler sicher und räumt alle Arten von Hindernissen und Schwierigkeiten aus dem Weg.

Guru, Ishwara, Brahman, Wahrheit und Om sind eins. Diene dem Guru mit tiefer Hingabe. Erfreue ihn auf jede mögliche Art und Weise. Richte deinen Geist auf den Guru als das Höhere Selbst. Gehorche ihm vorbehaltlos. Seine Worte müssen für dich ewige Wahrheiten sein. Nur dann wirst du Fortschritte machen. Du wirst die Gnade Gottes erlangen. Es gibt keinen anderen Weg.

Du mußt deinen Guru vergöttlichen, ihm alle Attribute Ishwaras und Brahmans zuerkennen. Du mußt in ihm eine Inkarnation Gottes sehen. Du darfst nie auf seine Schwächen achten, sondern nur die Göttlichkeit in ihm sehen. Nur dann wirst du das Absolute im und durch den Guru verwirklichen.

Die physische Form des Gurus verblaßt allmählich. Du erkennst den allesdurchdringenden Atman in ihm und durch ihn. Du siehst deinen Guru in allen belebten und unbelebten Erscheinungsformen.

Es gibt keinen anderen Weg, die schädlichen weltlichen Eindrücke und die leidenschaftliche Natur rein weltlich ausgerichteter Menschen zu überwinden als den persönlich Kontakt mit und den Dienst an einem Guru.

Ein Aspirant, der seinem Guru mit großer Hingabe dient, reinigt sein Herz schnell. Ich versichere euch, das ist der sicherste und leichteste Weg zur Selbstreinigung.

Es ist besser, wenn man sein Mantra von seinem Guru erhält. Das hat eine gewaltige Wirkung auf den Schüler. Der Guru übermittelt zusammen mit dem Mantra seine eigene Energie. Wenn man keinen Guru finden kann, kann man ein Mantra auswählen, das einem am besten entspricht und gefällt und es täglich mit Glauben und innigem Gefühl geistig wiederholen. Auch das hat einen großen Reinigungseff

Meditationsraum

Man sollte einen separaten Meditationsraum haben, den man verschlossen hält. Man sollte niemandem Zutritt zu diesem Raum gestatten. Verbrenne dort jeden Morgen und jeden Abend Weihrauch. Stelle ein Bild von Krishna, Shiva, Rama oder Devi auf. Setze dich vor das Bild. Wenn du das Mantra wiederholst, manifestieren sich die durch das Mantra ausgelösten machtvollen Schwingungen im Raum. Nach sechs Monaten wird die Atmosphäre des Raums Frieden und Reinheit ausstrahlen. Es wird eine besondere magnetische Aura im Raum herrschen. Wenn man ernsthaft praktiziert, wird man dies fühlen.

Immer wenn dein Geist von widerstreitenden weltlichen Einflüssen gestört wird, setze dich in den Raum und wiederhole den Namen Gottes mindestens eine halbe Stunde lang. Es wird sofort eine positive Veränderung eintreten. Praktiziere das und spüre den beruhigenden Einfluß selbst. Nichts ist machtvoller als spirituelle Praxis.

Wiederhole den Namen Gottes mit Hingabe im Herzen. Du wirst Gott schnell verwirklichen. Das ist die leichteste Methode in diesem Zeitalter. Du mußt Niyama, die moralischen Regeln, einhalten und systematisch und regelmäßig praktizieren. Gott wünscht keine kostbaren Geschenke.

Nach Oben

Manche Leute geben Millionen Rupien für Hospitäler und Armenspeisung aus. Aber sie geben sich nicht mit vollem Herzen hin. Ein Gläubiger sollte Rama im Herzen tragen und nicht nur die äußerliche konkrete Gestalt Ramas mit Pfeil und Bogen sehen. Rama ist alldurchdringend wie Om. Zugang zu Gott gewinnt man durch Meditation, spirituelle Erfahrung und unmittelbar

Brahmamuhurta

Stehe morgens um 4.00 Uhr bei Morgendämmerung (Brahmamuhurta) auf, einer sehr günstigen Zeit für spirituelle Besinnung, und beginne mit Japa. Am frühen Morgen nach dem Schlaf ist der Geist ruhig, rein und frisch. Er ist dann wie ein unbeschriebenes Blatt, vergleichsweise frei von weltlichen Eindrücken und läßt sich sehr leicht formen. Auch die Atmosphäre ist sattwiger zu dieser Zeit. Wasche die Hände, Füße und das Gesicht mit kaltem oder warmem Wasser, wenn es schwierig ist, ein Bad zu nehmen. Das genügt. Dann beginne mit Japa.

Die Wahl des Ishta Devata

Man kann seine persönliche Gottheit – Shiva, Krishna, Rama, Vishnu, Dattatreya, Gayatri, Durga oder Kali – entsprechend seiner eigenen Neigung wählen oder einen guten Astrologen zu Rate ziehen, der die Gottheit in Einklang mit der Planetenkonstellation und dem Tierkreiszeichen bestimmt. Jeder von uns hat in früheren Leben eine Gottheit verehrt. Die Eindrücke davon sind im Unterbewußtsein vorhanden.

Zu dieser Gottheit fühlt man sich natürlicherweise hingezogen. Wenn man im früheren Leben Krishna verehrt hat, fühlt man sich auch in diesem Leben mit Krishna verbunden.

In Situationen extremer Angst und Sorge beruft man sich unwillkürlich auf einen bestimmten Namen Gottes. Das ist der Schlüssel zur eigenen persönlichen Gottheit. Nach einem Skorpionstich sagt der eine vielleicht „Hey Rama“, der andere „Hey Krishna“, der dritte „Hey Narayana“ und ein vierter „Hey Shiva“ – je nach den Eindrücken aus früheren Leben. Wer im vorigen Leben Rama verehrt hat, wird ganz selbstverständlich „Hey Rama“ ausrufen, wenn er von einem Skorpion gestochen worden ist und so weiter.

Sitzhaltung für Japa

Sitze am Anfang eine halbe Stunde in Padma-, Siddha-, Svastika- oder Sukha-Asana. Steigere die Dauer dann schrittweise auf drei Stunden. Nach einem Jahr kannst du den Sitz perfekt beherrschen. Die Stellung soll angenehm und bequem sein.

Halte Kopf, Nacken und Rumpf in einer geraden Linie. Breite eine vierfach zusammengelegte Decke auf dem Boden aus und lege ein weiches, weißes Tuch darüber. Das genügt. Wenn du ein gutes Tigerfell, komplett mit Klauen, bekommen kannst, ist es um so besser. Ein Tigerfell hat seine eigenen Vorteile: Es ist stark aufgeladen, weckt rasch Körperenergien und verhindert den Abfluß des Energiestromes aus dem Körper.

Richte das Gesicht nach Osten oder nach Norden. Anfänger sollten diese Regel besonders beachten. Wenn man nach Norden blickt, kommt man in Kontakt mit den Weisen des Himalaya und hat auf geheimnisvolle Weise Anteil an ihren spirituellen Strömungen.

Padmasana – der Lotussitz

Bringe den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel und den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel. Lege die Hände auf die Knie. Sitze aufrecht. Das ist der Lotussitz, der sich für Japa und Meditation ausgesprochen gut eignet.

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Konzentrationspunkt

Konzentriere dich sanft auf das Herzzentrum (Anahata Chakra) oder den Raum zwischen den Augenbrauen (Ajna Chakra). Gemäß der Hatha-Yoga-Lehre ist das Ajna Chakra der Sitz des Geistes. Wenn man sich darauf konzentriert, kann man den Geist leicht kontrollieren. Setze dich hin, schließe die Augen und beginne, dein Mantra zu wiederholen und zu meditieren.

Der auf den Raum zwischen den Augenbrauen fixierte Blick heißt Bhrumadhya-Drishti. Setze dich in Padmasana, Siddhasana oder Svastikasana in deinen Meditationsraum und übe diesen Blick sanft, von einer halben Minute bis zu einer halben Stunde. In der Übung darf nicht die leiseste Anstrengung liegen. Steigere die Dauer schrittweise. Diese yogische Reinigungsübung verhindert geistige Unruhe und entwickelt Konzentration. Krishna beschreibt diese Übung im 5. Kapitel, Vers 27, der Bhagavadgita: "Den Blick unter Ausschaltung äußerer Reize zwischen die Augenbrauen gerichtet...". Das nennt man auch den "Stirnblick", weil die Augen zum Stirnknochen gerichtet sind.

Nasikagra-Drishti ist der sanft auf die Nasenspitze gerichtete Blick. Überanstrenge die Augen nicht. Steigere die Dauer von einer halben Minute bis zu einer halben Stunde schrittweise. Man kann entweder den Stirn- oder den Nasenblick wählen und ihn auch auf der Straße üben. Man gewinnt eine wunderbare Konzentration. Man kann das Mantra gut auch beim Gehen wiederholen.

Manche konzentrieren sich mit offenen Augen, andere mit geschlossenen, und wieder andere mit halb geöffneten Augen. Wenn man mit geschlossenen Augen meditiert, können keine Staubpartikel oder Fremdkörper ins Auge gelangen. Manche Schüler, die Licht und Reflexe stören, konzentrieren sich lieber mit offenen Augen. Wenn man mit geschlossenen Augen meditiert, wird man unter Umständen bald vom Schlaf übermannt. Wenn Anfänger versuchen, sich mit offenen Augen zu konzentrieren, besteht die Gefahr, daß der Geist zu äußeren Objekten wandert. Nutze deinen gesunden Menschenverstand und wähle die Methode, die dir am besten entspricht.

Überwinde alle Hindernisse durch entsprechende vernünftige Überlegung. Sei geduldig und beharrlich. Kämpfe hart und gewinne die spirituelle Schlacht! Werde ein spiritueller Held und ernte spirituelle Lorbeeren!

Drei Japa-Sitzungen

In den Übergängen der Tageszeiten (Sandhi), bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, liegt eine ganz besondere, geheimnisvolle spirituelle Kraft und Energie. Der Geist erhebt sich schnell und füllt sich mit Sattwa. Zu dieser Zeit kommt die Konzentration von selbst, ohne Anstrengung. Japa sollte zu diesen Zeiten ausgeübt werden. Der Geist ist ziemlich ruhig und erfrischt, und man sollte nun die Gelegenheit zur Meditation nutzen. Meditation ist wichtiger als alles andere. Danach kann man Asanas und Pranayama machen und die gesamte Übung mit einer kurzen weiteren Japa- und Meditationssitzung beenden. Da zu Beginn immer eine Art Schläfrigkeit da ist, ist es gut, am Anfang mindestens fünf Minuten lang ein paar Asanas und Pranayama zu üben, um die Müdigkeit zu vertreiben und ideale Voraussetzungen für Japa und Meditation zu schaffen.

Pranayama macht den Geist einpünktig. Deshalb sollte man Japa und Meditation an die Atemübungen anschließen. Obwohl mit dem Atem verknüpft, wirkt Pranayama positiv auf die inneren Organe und den ganzen Körper. Es ist die beste Form von Körpertraining überhaupt.

Wenn man das Mantra nicht an einem Stück wiederholen mag, kann man drei oder mehr Sitzungen machen, zum Beispiel am Morgen von 4 bis 7 Uhr, abends von 16 bis 17 Uhr und vor dem Schlafengehen von 18 bis 20 Uhr. Wiederhole das Mantra einige Zeit sehr schnell, wenn du feststellst, daß der Geist sehr unruhig ist. Die goldene Regel ist, das Mantra weder zu langsam noch zu schnell zu wiederholen. Halte dich an den Mittelweg. Das Mantra sollte richtig ausgesprochen und 100.000 Mal für jede Silbe, aus der es besteht, wiederholt werden. Wenn das Mantra fünf Silben hat, sollte es 500.000 Mal wiederholt werden.

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Wenn du an einem Fluß, See oder Brunnen sitzt, in einem Tempel, am Fuß oder auf dem Gipfel eines Berges, in einem lieblichen Garten oder einem einsamen Raum, läßt sich der Geist leicht und ohne große Anstrengung konzentrieren. Wenn man das Mantra mit überladenem Magen wiederholt, fühlt man sich schläfrig. Iß leichte und sattwige Speisen. Wiederhole ein Gebet und setze dich dann zu Japa hin. Das erhebt den Geist und man empfindet es als angenehm, die Perlen der Mala zu bewegen. Während der ganzen spirituellen Praxis sollte man seinen gesunden Menschenverstand einschalten. Manchmal kann man heilige Orte wie Rishikesh, Haridwar oder Varanasi besuchen und Japa am Ufer heiliger Flüsse wie des Ganges ausüben. Das bringt deutliche Fortschritte. Da der Geist an solchen heiligen Orten frei ist von geschäftlichen Überlegungen, Sorgen und Familienproblemen, kann man mit voller Konzentration ein sehr wirksames Japa praktizieren. Man sollte seine Japa-Praxis in einem spirituellen Tagebuch festhalten.

Führe ein Tagebuch über die tägliche Anzahl Mantra-Wiederholungen. Wenn du die Perlen bewegst, benutze nicht den Zeigefinger, sondern den rechten Daumen und den Mittelfinger. Bedecke deine Finger mit einem Tuch oder Handtuch oder einer extra dafür bestimmten Haube. Andere sollten nicht sehen, wie du die Perlen der Mala rollst.

Gehe in dich. Schaue in dich hinein. Beobachte den Geist und seine Gedankenwellen (Vrittis) aufmerksam. Ziehe dich eine Weile in einen abgelegenen Raum zurück. Wie beim Essen wünscht der Geist auch beim Japa Abwechslung. Wenn er der geistigen Wiederholung (Manasika Japa) müde wird und abzuschweifen beginnt, gehe zur lauten Wiederholung über. Das Ohr hört das Mantra ebenfalls. So entsteht für einige Zeit wieder mehr Konzentration. Ein Nachteil der lauten Wiederholung ist, daß man nach ungefähr einer Stunde müde wird. Mit Vorteil kombiniert man alle drei Methoden, nämlich Manasika, Upamsu und Vaikhari Japa. Setze deinen Verstand ein. Ein Anfänger mit einem ungeschliffenen Geist wird es schwierig finden, mit der geistigen Mantra-Wiederholung zu beginnen.

Geistige Wiederholung des Rama-Mantras kann mit dem Atem verbunden werden wie bei "Soham", ohne die Lippen zu bewegen (Ajapa-Japa). Bei der Einatmung wiederhole geistig "Ra", bei der Ausatumg "ma". Behalte diese Praxis auch beim Gehen bei. Eine Weile lang ist diese Methode einfach. Man kann sie während der Meditation in einem Raum praktizieren.

Die Notwendigkeit einer Mala

Man sollte immer eine Japa-Mala in der Hosentasche oder um den Hals und nachts unter dem Kopfkissen haben. Sie erinnert einen an Gott, wenn man Ihn unter dem Einfluß von Maya (Täuschung) oder Avidya (Nichtwissen) vergißt. Wenn man nachts aufsteht, um zu urinieren, erinnert einen die Mala daran, sie ein- oder zweimal durchzugehen. Die Mala ist eine starke Waffe, um den Geist unschädlich zu machen. Sie ist eine kraftvolle Peitsche, die den Geist zu Gott oder Brahman treibt. Zur Ausübung von Japa benutzt man am besten eine Rudraksha-Mala oder eine Tulasi-Mala mit 108 Perlen.

Wenn man an einen Rechtsanwalt denkt, verbindet man damit Gedanken an Gerichtsverhandlungen, Rechtsfälle, Unterlagen und Klienten; sieht man oder denkt man an einen Arzt, so assoziiert man damit Apotheken, Patienten, Medikamente, Krankheiten und Hospitäler; ebenso kommen einem Gedanken der Heiligkeit, Reinheit, Göttlichkeit, göttlicher Herrlichkeit und göttlichen Glanzes, göttlicher Weisheit, Kraft und Liebe, Allmacht und alle göttlichen Eigenschaften in den Sinn, wenn man eine Mala sieht oder an eine Mala denkt. Tragt deshalb die Mala immer um den Hals und übt Japa mit ihr aus. Scheut euch nicht, sie zu tragen, ihr gebildeten Leute! Sie wird euch immer an Gott und Gottesverwirklichung erinnern. Sie ist wertvoller als eine goldene Halskette mit neun verschiedenen Arten von Edelsteinen, denn sie erfüllt euren Geist mit Göttlichen Gedanken und ist das Mittel, das euch zu Gott führt und euch vom Rad der Geburt und des Todes befreit.

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Der Gebrauch der Japa-Mala

Die Japa-Mala besteht aus 108 Perlen. Eine davon ist etwas größer als die anderen. Sie heißt Meru und zeigt an, daß man ein Mantra 108 Mal wiederholt hat. Wenn man Japa mit der Mala ausübt, sollte man darauf achten, den Meru nicht zu überkreuzen. Wenn man diese Perle erreicht hat, geht man mit den Fingern zurück und beginnt die nächste Japa-Runde mit der letzten Perle der vorangegangenen Runde. In dieser Weise geht man immer dann, wenn man eine Mala beendet hat, zurück, ohne den Meru zu überkreuzen. Man sollte dabei den Zeigefinger, den Finger neben dem Daumen, nicht benutzen. Daumen und Mittelfinger sollten die Perlen weiterbewegen.

Zählen von Japa

Wenn man keine Mala hat, kann man die Anzahl der Mantra-Wiederholungen mit den Fingern der rechten Hand zählen. Mit dem linken Daumen berührt man dabei jeweils die drei Linien jedes Fingers der rechten Hand. Nach den ersten 108 Wiederholungen legt man den linken Daumen auf die unterste Linie des kleinen Fingers, dann auf die mittlere usw. Wenn man so alle Linien der fünf Finger der rechten Hand berührt hat, hat man fünfzehn Malas abgeschlossen. Dann wiederholt man dieses Verfahren. Man kann kleine Steine für jede Mala oder für jede fünfzehnte Mala benutzen. Es gibt auch noch eine andere Methode.

Mit Hilfe einer Uhr findet man heraus, wieviele Wiederholungen man in zwei Stunden machen kann. Wenn man zum Beispiel in zwei Stunden 12.600 Mal Rama oder OM wiederholen kann, tut man dasselbe am nächsten Tag ebenfalls zwei Stunden lang. So ist es einfach, die Gesamtzahl der Wiederholungen festzuhalten. Japa mit OM oder Rama während zwei Stunden bedeutet 12.600fache Rezitation.

Drei Arten von Japa

Wiederhole das Mantra einige Zeit laut, dann eine Weile lang flüsternd und dann wieder geistig. Der Geist braucht Abwechslung. Jede eintönige Praxis stößt ihn ab. Die geistige Wiederholung ist sehr machtvoll. Sie wird Manasika Japa genannt. Die gesprochene Wiederholung heißt Vaikhari Japa, die flüsternde oder murmelnde Upamsu Japa. Sogar rein mechanische Mantra-Wiederholung ohne jegliches tieferes Gefühl hat eine große reinigende Wirkung auf das Herz und den Geist. Das Gefühl stellt sich später ein, wenn der Prozeß der geistigen Reinigung voranschreitet.

Das laute Japa schließt alle weltlichen Geräusche aus. Es kommt zu keiner Pause. Das ist ein Vorteil des gesprochenen Japas. Manasika Japa (geistige Wiederholung) ist schwierig für normale Menschen und nach einer Weile kommt die Wiederholung unwillkürlich zum Stillstand. Immer wenn einen Müdigkeit überkommt, wenn man Japa spät abends oder nachts ausübt, nimmt man die Mala zur Hand und bewegt die Perlen, um den Schlaf zu kontrollieren. Das ist übrigens ein weiterer Vorteil der lauten Wiederholung. Wiederhole das Mantra laut. Gib die geistige Wiederholung für eine Weile auf. Die Mala macht einen etwaigen Unterbruch des Japa bewußt. Wenn man schläfrig wird, mache man im Stehen weiter.

Sandilya sagt in der Sandilya Upanishad: "Vaikhari Japa (laut gesprochene Mantra-Wiederholung) bringt den in den Veden beschriebenen Erfolg; Upamsu Japa, die flüsternde oder murmelnde Wiederholung, die niemand hören kann, bringt den tausendfachen Nutzen, Manasika Japa (geistige Wiederholung) hingegen zehn Millionen Mal mehr Nutzen als Vaikhari Japa."

Übe ein Jahr lang Mantra-Wiederholung in der Kehle (Kantha), also laut gesprochenes Japa. Übe zwei Jahre im Herzen (Hridaya). Das ist geistiges oder Manasika Japa. Übe es ein Jahr lang im Bauchbereich (Nabhi) in Koordination mit dem Atem.

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Mit fortschreitender Übung wird jede Pore der Haut und jedes Körperhaar das Mantra gezwungenermaßen reflektieren. Das ganze Körper-/Geistsystem ist mit den mächtigen Schwingungen des Mantras aufgeladen. Man befindet sich in einem Zustand ständiger Gottesliebe. Man spürt Muskelzuckungen und vergießt überströmende Freudentränen. Man ist in gehobener göttlicher Stimmung. Man erfährt Erleuchtung, Offenbarung, Ekstase, tiefes Verständnis, Intuition und höchste Wonne. Man verfaßt inspirierende Gedichte. Man erlangt überirdische Kräfte, göttliche Eigenschaften und himmlische Schätze (Aishwarya).

Wiederhole den Namen Gottes ständig. Das führt bald zur Geistesbeherrschung. Tue es mit absolutem Glauben (Shraddha), Liebe aus tiefstem Herzen (Antarika Prema) und starker Zuneigung (Anuraga). Fühle intensiv die lange, schmerzliche Trennung von Ihm. Tränen müssen überreich fließen. Das ist kraftvolles spirituelles Feuer (Virahagni). Wenn du Seinen Namen wiederholst, erinnere dich daran, daß Er in den Kammern deines Herzens wohnt, mit Muschel, Scheibe, Stab und Lotus in der Hand, umgeben von blendendem Licht, in ein gelbes Seidengewand gehüllt, mit Edelsteinen auf der Brust.

Mulabandha und Kumbhaka beim Japa

Im Siddhasana-Meditationssitz preßt man die linke Ferse gegen die Genitalien (Yoni) und zieht die Anusschließmuskeln (Guda) zusammen. Das nennt man im Hatha-Yoga Mulabandha. Es verhilft zur Konzentration und verhindert das Abfließen von Apana-Vayu (sexuelle und Ausscheidungsenergie) nach unten. Im Lotussitz kann man Mulabhanda machen, ohne die Ferse gegen die Genitalien zu pressen.

Halte den Atem an, solange es bequem möglich ist. Das ist Kumbhaka. Es festigt den Geist beträchtlich und erhöht die Konzentrationskraft. Man erfährt starkes spirituelles Glück.

Wenn du das Mantra wiederholst, erinnere dich dabei an seine Bedeutung – Rama, Shiva, Krishna, Narayana –, sie alle bedeuten höchstes Sat-Chid-Ananda, Reinheit, Vollkommenheit, Licht, Ewigkeit und Unsterblichkeit.

Japa und Karma Yoga

Wenn du manuelle Tätigkeiten ausführst, lasse deine Hände die Arbeit verrichten und richte den Geist auf Gott. Übe geistige Mantra-Wiederholung, wie jemand Schreibmaschine schreibt oder Harmonium spielt und sich daneben unterhält, oder wie die Dame, die etwas strickt und gleichzeitig mit ihren Freundinnen redet und scherzt. Mit etwas Übung ist man in der Lage, zwei Dinge gleichzeitig zu tun. Die manuelle Arbeit wird automatisch, mechanisch, instinktiv. Der Geist ist praktisch zweigeteilt. Ein Teil des Geistes dient selbst während der Arbeit dem Herrn durch Meditation und Japa. Wiederhole den Namen Gottes auch bei der Arbeit. Manche Menschen können acht Dinge gleichzeitig erledigen. Sie spielen Karten, Schach, diktieren einem Dritten, sprechen mit einem Vierten, und so weiter. Es ist eine Frage des Geistestrainings. Ebenso kann man den Geist so trainieren, daß man mit den Händen arbeitet und sich gleichzeitig Gottes bewußt ist. Das ist Karma und Bhakti Yoga zusammen. Krishna sagt:

"Tasmat Sarveshu Kaleshu
Mamanusmara Yudhya Cha,
Mayyarpita-manobuddhir
Mamevaishyasyasamsayam.
"

"Denke daher immer an Mich und kämpfe;
deinen Geist und deine Vernunft in Mir begründet,
wirst du ohne Zweifel
allein zu Mir kommen
" (Gita, VIII-7).

Auch wenn die Kuh auf der Weide getrennt von ihrem Kalb grast, denkt sie doch immer an ihr Junges. Ähnlich sollte man seinen Geist auf Gott richten und innerlich das Mantra wiederholen, während man manuelle Arbeit verrichtet, was nichts anderes ist als Verehrung Gottes.

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Likhita Japa – Mantra-Schreiben

Schreibe täglich eine halbe Stunde lang dein persönliches Mantra in ein Notizbuch. Während des Schreibens bewahre Schweigen. Schreibe das Mantra deutlich mit Tinte. An Sonn- und Feiertagen schreibe es eine Stunde lang. Wenn möglich, triff dich mit Freunden und lasse sie ihre Mantras ebenfalls schreiben. Das ist Likhita Japa. Auf diese Weise entwickelt man wunderbare Konzentrationskraft.

 

 

Begeisterte Anhänger entwickeln verschiedene Muster beim Likhita Japa. Hier ist ein solches abgebildet. Mit Gefühl und Hingabe ausgeführt, kann man sich mit dieser Methode sehr wirkungsvoll konzentrieren.

Verordne das alles auch deinen Familienangehörigen. Unschätzbare spirituelle Vorteile ergeben sich aus dem Schreiben des Mantras.

Likhita Japa ist eine der wirksamsten in den Schriften erwähnten Japa-Arten. Es hilft dem Schüler bei der geistigen Konzentration und führt schrittweise zur Meditation.

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Der Aspirant sollte ein Mantra seiner Schutzgottheit entsprechend seinen Vorlieben und Neigungen wählen. Für die mündliche und schriftliche Wiederholung sollte man dasselbe Mantra mit Gefühl, im Bewußtsein seiner Bedeutung, nehmen. Für die mündliche Wiedergabe nimmt man eine Mala zu Hilfe. Für Likhita Japa braucht man ein Notizbuch und einen Stift. Es gibt keine Vorschriften bezüglich einer bestimmten Schriftart oder Sprache.

Beim Mantra-Schreiben sollte man folgende Regeln beachten:

  1. Man sollte regelmäßig und immer zur gleichen Zeit schreiben. Das allein ist eine zusätzliche Hilfe und bringt großen Vorteil.

  2. Man sollte physisch und geistig rein sein. Vorher sollte man Gesicht, Hände und Füße waschen. Während des Schreibens sollte man sich bemühen, den Geist rein zu halten und alle weltlichen Gedanken auszuschließen.

  3. Bleibe so lange wie möglich in einer Stellung sitzen. Wechsle nicht dauernd die Haltung. Das stärkt das Durchhaltevermögen und bewahrt die Energie.

  4. Schweige während des Schreibens. Vieles Sprechen führt zu Energie- und Zeitverlust. Schweigen erhöht die Produktivität.

  5. Vermeide es, herumzuschauen. Hefte deine Augen auf das Notizbuch. Das verhilft zur geistigen Konzentration.

  6. Wiederhole das Mantra auch geistig, während du es niederschreibst. Das hinterläßt einen dreifachen Eindruck im Geist. Allmählich wird dein ganzes Wesen vom Mantra durchdrungen.

  7. Setze eine Anzahl von Mantras pro Sitzung fest. Das hält die Übungspraxis aufrecht und man bleibt in ständigem Kontakt mit seinem Mantra.

  1. Höre nicht auf, bevor du die festgesetzte tägliche Anzahl niedergeschrieben hast. Erlaube deinem Geist nicht, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, denn dies würde die sprituelle Praxis unterlaufen. Schreibe mindestens eine halbe Stunde lang.

  2. Zur besseren Konzentration sollte während einer Sitzung ein einheitliches Schreibsystem eingehalten werden, zum Beispiel von oben nach unten oder von links nach rechts. Das ganze Mantra sollte zusammenhängend geschrieben werden. Es sollte nicht am Ende einer Zeile unterbrochen werden.

  3. Wenn du ein Mantra ausgewählt hast, bleibe dabei. Häufiger Mantrawechsel ist nicht ratsam.

Bei strenger Beachtung dieser Regeln entwickelt man sich schnell weiter. Man erwirbt eine wunderbare Konzentration. Bei längererund stetiger Übung wird die dem Mantra innewohnende Kraft geweckt, die das ganze Sein mit der Göttlichkeit des Mantras erfüllt.

Das Notizbuch sollte sorgfältig aufbewahrt und mit Ehrfurcht und Reinheit behandelt werden. Wenn es voll ist, sollte es in einem Behältnis im Meditationsraum vor dem Bildnis Gottes aufbewahrt werden. Allein die Gegenwart dieser Notizbücher erzeugt vorteilhafte Schwingungen und unterstützt damit die spirituelle Praxis.

Die Vorteile des Mantra-Schreibens können nicht angemessen beschrieben werden. Es reinigt das Herz, konzentriert den Geist und festigt die Sitzhaltung, kontrolliert die Sinnesorgane, vor allem das Auge und die Zunge, und verleiht Ausdauer. Der Geist wird schnell friedlich. Durch die Kraft des Mantras nähert man sich Gott. Diese Vorteile genießt man nur bei regelmäßiger und beständiger Praxis von Likhita Japa. Wer damit nicht vertraut ist, sollte sofort damit beginnen. Bei nur einer halben Stunde täglich wird man den Nutzen innerhalb von sechs Monaten erfahren.

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Anzahl der Mantrawiederholungen

Jeder Mensch wiederholt unbewußt das "Soham"-Mantra 21.600 Mal täglich in 24 Stunden. Man sollte sein persönliches Mantra mindestens 21.600 Mal täglich wiederholen; das entspricht den 21.600 natürlichen Atemzügen jedes Lebewesens. Dann entfaltet das Mantra große Wirksamkeit. Der Geist wird schnell gereinigt.

Man muß die Anzahl Japas von 200 auf 500 Malas erhöhen, wobei jede Mala 108 Mantra-Wiederholungen umfaßt. So wie man sich zweimal täglich auf das Essen freut, den Tee am Morgen und den Kakao am Abend, so sollte man sich auf seine Japa-Praxis viermal am Tag freuen, morgens, mittags, abends und vor dem Schlafengehen. Der Tod kann jeden Moment kommen, ohne Vorwarnung. Bereite dich vor, ihm lächelnd zu begegnen, in dem du Sri Rama, Sri Rama, wiederholst und in Rama aufgehst, in Ewiger Glückseligkeit, Unendlicher Herrlichkeit, Wonne und Selbstverwirklichung. Auch wenn du unterwegs bist, mußt du Japa üben und die Gita lesen. Ißt und trinkst du nicht unterwegs? Sei nicht undankbar gegenüber deinem inneren Selbst (Antaryamin), das dir jeden Tag Essen beschert und dich in jeder Hinsicht umsorgt. Du kannst Japa sogar auf der Toilette ausüben; dort aber nur geistig.

Frauen können geistiges Japa sogar während ihrer monatlichen Periode ausüben. Es gibt keinerlei Vorschriften oder Beschränkungen, wenn es mit uneigennütziger Hingabe mit dem Ziel der Befreiung ausgeübt wird. Beschränkungen treten nur auf, wenn man ein Mantra mit dem Wunsch nach Früchten wie Reichtum, einem Sohn und so weiter wiederholt. Man kann die Mala um den Hals tragen, auch wenn man seinen natürlichen Bedürfnissen nachkommt.

Für Manasika Japa (geistige Mantra-Wiederholung) braucht man mehr Zeit als für die beiden anderen Arten. Aber manche können es auch sehr schnell. Nach ein paar Stunden wird der Geist träge, die Wirkung läßt nach und die Geschwindigkeit nimmt ab. Wer die Anzahl der Mantra-Wiederholungen nach der Zeit berechnet, sollte zum Zählen mit der Mala übergehen, sobald eine solche Trägheit aufkommt. Wenn das Bewegen der Perlen Schmerzen verursacht, kann man einen Fingerschutz ("Japa Thaili") benutzen.

Es ist immer besser, sich an eine mittlere Geschwindigkeit zu halten. Nicht die Geschwindigkeit, sondern Gefühl und geistige Konzentration bringen den höchsten Nutzen. Jede Silbe muß klar und deutlich ausgesprochen werden. Kein Buchstabe darf verstümmelt werden. Das ist äußerst wichtig. Manche Leute wiederholen das Mantra 100.000 Mal in sieben Stunden in Eile, so wie ein Schreiner, Steinmetz oder Arbeiter seine Arbeit hastig erledigt, um am Abend seinen Lohn zu erhalten. Schließe keinen bezahlten Arbeitsvertrag mit Gott! Darin kann niemals echte Hingabe liegen. Natürlich hat es einen Vorteil, das Mantra sehr schnell zu wiederholen. Wenn der Geist träge ist oder zu sinnlichen Objekten wandert, kann man 15-30 Minuten lang zu sehr schneller Mantra-Wiederholung übergehen. Das regt den Geist an und bringt ihn schnell zum Konzentrationspunkt (Lakshya) zurück.

Wer Purascharana praktiziert und ein spirituelles Tagebuch führt, sollte bei seinen Aufzeichnungen mathematische, wissenschaftliche Genauigkeit walten lassen. Man sollte den Geist sehr sorgfältig beobachten und, sobald er träge wird, die Gesamtzahl der Japas erhöhen, um einen zusätzlichen Spielraum zu schaffen. Man sollte sofort zur Mantra-Wiederholung mit der Mala übergehen, bis die Trägheit verschwindet. Es ist besser, nur die bei voller geistiger Konzentration wiederholten Mantras zu berücksichtigen und die in trägem Geisteszustand wegzulassen. Sei edel und großzügig in allem, was du tust!

In 14 Stunden kann man 3000 Malas mit "Hari Om" wiederholen. Japa regt den trägen Geist an und bringt ihn zum "Sri Rama"-Mantra zurück. In einer halben Stunde kann man 10.000 Mal "Sri Rama" wiederholen. 13-Millionen-malige Mantra-Wiederholung bringt die Vision der physischen Form der Mantra-Gottheit (Adi-Devata). Bei aufrichtiger und ernsthafter Praxis ist dies innerhalb von vier Jahren möglich.

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Wer Purascharana praktizieren will, sollte von Milch und Früchten leben. Das macht den Geist sattwig. Aus rein sattwiger Ernährung zieht man großen spirituellen Nutzen. Ununterbrochenes Schweigen (Akhanda Mouna) ist sehr nutzbringend. Wer dies nicht befolgen kann, kann einmal im Monat eine Woche oder jeweils sonntags schweigen. Wer Purascharana praktiziert, sollte erst aufstehen, wenn die festgesetzte Anzahl Mantra-Wiederholungen beendet ist. Man sollte sich auch nicht bewegen. Zählen kann man mit der Mala, den Fingern oder mit einer Uhr.

Das Brahma-Gayatri-Mantra hat 24 Silben (Aksharas). Eine Gayatri-Purasharana beinhaltet demnach die 2.400.000fache Wiederholung des Gayatri-Mantras. Es gibt verschiedene Regeln für Purascharana. Wenn man das Mantra täglich 4.000 Mal wiederholt, sollte man diese tägliche Anzahl während der ganzen Dauer der Purascharana beibehalten, bis man die 2.400.000 vollendet hat. Reinige den Spiegel des Geistes (Manas) von Unreinheiten und bereite den Boden für die Aussaat des spirituellen Samens.

Sannyasins (Entsagte) ist, ist das Gayatri für Brahmacharis (sexuell Enthaltsame) und Grihasthas (im Berufs- und Familienleben Stehende). Man erntet dieselben Früchte mit Meditation über Om wie mit dem Gayatri. Dasselbe Ziel, das ein Paramahamsa Sannyasin (Angehöriger eines bestimmten Mönchsordens) mit Om erreicht, kann auch ein Brahmachari oder Grihastha mit dem Gayatri erreichen.

Stehe um 4.00 Uhr morgens auf und beginne mit Japa und Meditation. Wenn du das schwierig findest, fange spätestens vor Sonnenaufgang an.

Das Gayatri sollte am besten 3-4000 Mal täglich wiederholt werden. Das reinigt das Herz schnell. Wenn man dazu nicht in der Lage ist, sollte man es mindestens 108 Mal täglich wiederholen, 36 Mal bei Sonnenaufgang, 36 Mal am Abend und 36 Mal bei Sonnenuntergang.

Akhanda-Japa

Akhanda-Japa, ununterbrochene Mantra-Rezitation, kann mit jedem Mantra zwölf Stunden oder länger ausgeübt werden. Man kann es am Sonntag und an anderen Feiertagen praktizieren, wenn die Teilnehmer mehr Zeit haben. Akhanda Japa kann mit drei, vier, zwölf oder mehr Teilnehmern durchgeführt werden. Jeder Teilnehmer sollte mindestens eine Stunde lang für die Rezitation eingeteilt werden. Man kann vorher festlegen, wann welcher Teilnehmer das Japa übernimmt.

Man sollte um 6 Uhr beginnen und bis 18 Uhr weitermachen. Ein Teilnehmer rezitiert das Mantra zum Beispiel eine Stunde lang. Der nächste sollte mindestens fünf Minuten vor Ablauf der Stunde eintreffen. Er wäscht Hände und Füße, spült den Mund, setzt sich neben den vorherigen Teilnehmer, nimmt seine Mala auf und beginnt, das Mantra leicht hörbar aufzunehmen. So bemerkt der bisherige Teilnehmer, daß sein Nachfolger das Japa übernommen hat. Er kann aufstehen, sobald er die angefangene Mala vollendet hat. Man hält die Augen geschlossen und sitzt in seiner üblichen, gewohnten Stellung. Der Vorgänger muß nicht sofort aufstehen, wenn der Nachfolger ihn ablöst. Er kann auch noch weitermachen, wenn er will.

Die Anzahl Malas pro Teilnehmer wird notiert. Zum Schluß können sich alle Teilnehmer versammeln und das Mantra gemeinsam wiederholen. Um 6.00 Uhr abends macht man Arati (Lichtzeremonie) vor dem Bildnis Gottes und verteilt danach das geweihte Prasad (Opfergabe).

Die Teilnehmer dürfen nicht reden und andere stören. Es wäre sehr vorteilhaft, wenn die Teilnehmer während des Japa fasten oder sich mindestens nur von Milch und Früchten ernähren würden. Auch Frauen können teilnehmen.

Gemeinsames Japa bringt hohen Nutzen. Die Mantra-Energie wird schnell erweckt. Die rajasigen und tamasigen Kräfte werden rasch zerstört. Sattwa und Harmonie herrschen an einem Ort, an dem Akhanda Japa praktiziert wird.

Die Macht von Klang und Namen

Die Macht der Klänge ist enorm. Allein durch das Hören von Lauten formen sich Gedanken im Geist. Jeder Name hat eine ihm entsprechende Form. Shabda (Klang, Ton) und Artha (Bedeutung) sind unzertrennlich. Die mit einem Namen verbundene Form manifestiert sich sofort im Geist, sobald man den Namen hört und er einem bewußt wird. Manche Ausdrücke haben eine negative, abstoßende Bedeutung, andere eine positive und wünschenswerte.

Empfindungen von Leid oder Freude entstehen im Geist, sobald er hassenswerte und erfreuliche Objekte wahrnimmt oder von ihnen hört. Wenn jemand plötzlich "Skorpion! Skorpion!", "Schlange! Schlange!" ruft, befürchtet man sofort einen Skorpion oder eine Schlange und springt voller Angst auf. Wenn jemand einen als "Affe" oder "Esel, Dummkopf" bezeichnet, ärgert man sich. Warum? Weil im Geist die Assoziation mit etwas hervorgerufen wird, das man entweder als gefährlich oder als unterlegen empfindet. Man erschrickt oder fühlt sich abgewertet. Deshalb springt man ängstlich auf, wenn man von einem Skorpion oder einer Schlange in der Nähe hört und duldet es nicht, als Affe oder Esel bezeichnet zu werden. Durch seinen Ärger möchte man zeigen, daß man kein Affe ist.

Wenn schon die Bezeichnung eines ganz gewöhnlichen weltlichen Objekts eine solche Kraft hat, was für eine gewaltige Macht mag dann erst im Namen Gottes liegen! Gott ist die Vollendung und Gesamtheit alles Seienden. Daher ist der Name, der Ihn bezeichnet, ebenfalls vollständig und vollkommen. Der Name des Herrn ist nicht meßbar, denn er ist der Gipfel, der Zenith der Macht. Der Name Gottes kann alles erreichen. Nichts ist ihm unmöglich. Er ist das Mittel zur Verwirklichung Gottes selbst. Wie der Name eines weltlichen Objekts die Vorstellung dieses Objekts im Geist hervorruft, so weckt der Name Gottes Gottesbewußtsein im reinen Geist und wird zur direkten Ursache der Verwirklichung höchster Vollkommenheit, nämlich Gottes, der Freiheit und der Unsterblichkeit.

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Bija Akshara – Samenmantras

Ein Bija-Akshara, eine Samen-Silbe, ist ein sehr machtvolles Mantra. Jede Gottheit hat ihr eigenes Bija-Mantra. Das größte aller Bija-Mantras ist Om, denn es ist das Symbol des Höchsten Absoluten (Para-Brahman) oder des Höchsten Selbst (Para-Atman).

OM enthält in sich alle anderen Bija-Mantras. OM ist der umfassende Urklang, der gemeinsame Same, aus dem alle anderen Laute und nachrangigen Samen hervorgehen. Die Buchstaben des Alphabets sind nur Ableitungen von Om, der Wurzel aller Laute und Buchstaben. Es gibt kein größeres Mantra als Om. Om, wie es gewöhnlich ausgesprochen wird, ist eine äußere grobe Form des echten, feinen, unhörbaren Klangzustandes, der Amatra, der unmeßbare vierte transzendentale Zustand, genannt wird. So wie die verschiedenen Gottheiten Aspekte oder Formen des Einen Höchsten Wesens sind, sind auch die Bija-Mantras verschiedene Aspekte oder Formen des höchsten Bijas Om. Nicht einmal die Buchstaben "A", "U" und "M" geben den transzendentalen ursprünglichen Klangzustand wieder. Sogar dieser dreibuchstabige Laut ist nur ein Ausdruck, eine Manifestation dieses höchsten Klangs (Dhvani). Nur Yogis können den transzendentalen Klang von OM wahrnehmen und auch nicht mit dem gewöhnlichen Ohr. Bei der richtigen Aussprache von OM kommt der Klang mit einer tiefen harmonischen Schwingung aus dem Bauchnabel und setzt sich schrittweise nach oben fort bis zum oberen Teil der Nasenflügel, wo der Anushwara (Nasallaut) artikuliert wird. Dieses nasale "m" wird manchmal auch Chandrabindu genannt. (Anmerkung des Herausgebers: Chandra = Mond, Bindu = Punkt, nach dem hinteren Teil des Sanskrit-Zeichens für Om, das wie ein Mond mit einem Punkt darüber aussieht. Der Punkt steht für das Unmanifestierte, Gestaltlose, aus dem sich alles im Universum manifestiert. Der Mond steht für Shakti, die kosmische kreative Kraft.)

Ein Bija-Mantra besteht im allgemeinen aus einer einzigen, manchmal auch aus mehreren Silben. Das Bija-Mantra "Kam" hat beispielsweise nur einen Buchstaben und den Anushwara (Nasallaut) oder Chandrabindu ("Punkt über dem Mond"), mit dem alle Bija-Mantras enden. Im Chandrabindu gehen Nada (Klang; hier der Urlaut, aus dem das Universum entstand) und Bindu (Punkt; Essenz; Same) ineinander über. Manche Bija-Mantras bestehen aus zusammengesetzten Buchstaben, wie zum Beispiel "Hrim". Bija-Mantras haben oft keinerlei erkennbare, sondern nur eine signifikante innere, feine, mystische Bedeutung. Die Form des Bija-Mantras ist die Form seiner Gottheit.

Die Bijas der fünf Mahabhutas (Hauptelemente), das heißt also der Gottheiten oder führenden Intelligenz der Elemente Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde sind Ham, Yam, Ram, Vam und Lam. Im folgenden sind die Bedeutungen einiger Bija-Mantras als Beispiele aufgeführt.

OM
OM

 

OM besteht aus drei Buchstaben: "A", "U" und "M". Es bezeichnet die drei Zeitzustände, die drei Bewußtseinszustände, die gesamte Existenz. "A" ist der Wachzustand, das kosmische Bewußtsein in der Schöpfung (Virat) und das individuelle normale Bewußtsein (Vishva). "U" ist der Traumzustand, das subtile astrale Bewußtsein (Hiranyagarbha) und das individuelle astrale Traum-Bewußtsein (Taijasa). "M" steht für den Zustand des Tiefschlafs, das kosmische kausale Bewußtsein, den Schöpfergeist (Ishwara) und und das individuelle Bewußtsein auf der Kausalebene, wo es Gottesbewußtsein erlangt (Prajna). Um die Bedeutung von Om in allen Einzelheiten zu verstehen, sollte man die Mandukyo-Upanishad studieren.

HAUM
HAUM

 

In diesem Mantra ist "H" Shiva und "au" Sadashiva. "M", der Klang (Nada) und Bindu (Punkt; Essenz, aus der sich alles entwickelt) bezeichnen das, was Leid zerstreut. Mit diesem Mantra wird Shiva verehrt.

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DUM
DUM

 

Hier bedeutet "D" Durga und "u" schützen. Nada ist die Mutter des Universums und Bindu bezeichnet Handlung (Verehrung oder Gebet). Dies ist das Mantra Durgas.

KRIM
KRIM

 

Mit diesem Mantra sollte Kali verehrt werden. "K" bedeutet Kali, "r" Brahman und "i" Mahamaya. Klang (Nada) ist die Mutter des Universums. Der Bindu ist der Zerstörer von Sorge und Leid.

HRIM
HRIM

 

Das ist das Mantra der Mahamaya oder Bhuvaneshwari. "H" bedeutet Shiva, "r" ist Prakriti, "i" Mahamaya. Nada ist die Mutter des Universums und Bindu ist der Vernichter des Leides.

SHRIM
SHRIM

 

Das ist das Mantra von Lakshmi. "S" steht für Mahalakshmi, "r" für Reichtum, "i" bedeutet Befriedigung und Zufriedenheit. Der Nada ist das manifestierte Brahman (Absolute) und der Bindu ist der Vernichter des Leids.

AIM
AIM

 

Das ist das Bija-Mantra von Saraswati. "Ai" steht für Saraswati und Bindu ist der Vernichter des Leides.

KLIM
KLIM

 

Das ist das Kama-Bija. "K" bedeutet Kamadeva (Gott der Liebe), der Herr des Verlangens; es steht auch für Krishna. "L" steht für Indra, "i" bedeutet Zufriedenheit und Befriedigung. Nada und Bindu bedeuten das, was Glück und Leid bringt.

HUM
HUM

 

In diesem Mantra ist "H" Shiva und "u" Bhairava (andere Form von Shiva). Nada ist das Höchste und Bindu der Zerstörer des Leids. Es ist das dreifache Bija von Varma.

GAM
GAM

 

Das ist das Ganesha-Bija. "G" bedeutet Ganesha, Bindu ist der Vernichter des Leides.

GLAUM
GLAUM

 

Das ist ebenfalls ein Ganesha-Mantra. "G" bedeutet Ganesha, "l" das Durchdringende, "au" bedeutet Glanz oder Brillanz. Bindu ist der Vernichter des Leides.

KSHRAUM
KSHRAUM

 

Das ist das Bija von Narasimha (Mensch-Löwe; Inkarnation Vishnus). "Ksh" ist Narasimha, "r" Brahma, "au" bedeutet "mit gefletschten Zähnen" und Bindu ist der Zerstörer des Leides.

Es gibt noch viele andere Bija-Mantras für verschiedene Gottheiten. "Vyaam" ist das Bija des Vyasa-Mantras, "Brim" des Brihaspati-Mantras und „Ram" des Rama-Mantras.

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SRI-VIDYA

Sri-Vidya ist das große Mantra von Tripurasundari, auch Bhuwaneshwari oder Mahamaya genannt. Es besteht aus 15 Silben und heißt daher auch Panchadasi oder Panchadasakshari. In seiner entwickelten Form besteht es aus 16 Buchstaben heißt dann Shodasi oder Shodasakshari. Der Aspirant muß in dieses Mantra von einem Guru eingeweiht werden und sollte es nicht von allein lesen oder wiederholen. Es ist ein sehr machtvolles Mantra und kann dem Schüler sogar schaden, wenn es nicht richtig wiederholt wird. Deshalb muß man es direkt von einem Guru bekommen, der die Kraft dieses Mantras selbst erlangt hat.

Es gilt die Regel, daß das Sri-Vidya-Mantra erst dann wiederholt werden darf, wenn man mit Hilfe anderer Mantras verschiedene Stadien der Selbstreinigung durchschritten hat. Am Anfang sollte ein Purascharana mit dem Gayatri-Mantra ausgeführt werden, gefolgt von Purascharanas mit dem Maha-Mrityunjaya-Mantra und dem Durga-Mantra. Erst danach geht man zum 15- und 16silbigen Sri-Vidya über.

Die Bija-Mantras und das Sri-Vidya sollten nicht wiederholt werden, wenn man nicht vertraut mit ihnen ist. Nur wer sehr gute Sanskrit-Kenntnisse besitzt und direkt von einem Guru, der über die Mantra-Kraft verfügt, eingeweiht wurde, kann Japa mit den Bija-Mantras und dem Sri-Vidya-Mantra ausüben. Andere sollten nur ihre eigenen Ishta-Mantras wiederholen, die leicht auszusprechen und zu behalten sind.

 

Hinweise zur Japa Yoga Praxis

Notwendigkeit der Japa-Praxis

  1. Der Mensch kann nicht von Brot allein leben; aber er kann allein von der Wiederholung des Namens Gottes leben.

  2. Ein Yogi überquert den Ozean des Samsara (Kreislauf von Geburt und Tod) mit Hilfe seines Chittavritti-Nirodha (Stillwerden der Gedanken im Geist), indem er die Schwankungen des Geistes kontrolliert; ein Jnani (Weiser) mit seinem Brahmakara-Vritti, dem reinen Gedanken an die Unendlichkeit; ein Bhakta durch Nama-Smarana, Sich Erinnern an den Namen Gottes. Der Name Gottes hat eine sehr große Macht. Er verleiht ewige Wonne und Unsterblichkeit. Durch seine Kraft kann man zur direkten Vision Gottes gelangen. Er bringt einen von Angesicht zu Angesicht zum Höchsten Wesen und läßt einen die Einheit mit dem Unendlichen und der ganzen Welt wahrnehmen. Was für einen wunderbaren, magnetisierenden, energetisierenden Einfluß besitzt doch der Name Gottes! Fühlt ihn, meine lieben Freunde, indem ihr Seinen Namen singt und die Perlen der Mala zählt. Wer nicht den Namen Gottes lobpreist, ist ein niedrig Geborener. Ein Tag, ohne sich Gottes Namen in Erinnerung zu rufen, ist eine reine Vergeudung.

  3. Durch die Herrlichkeit des Namens Ramas bewegten sich die Steine im Wasser, so daß Sugriva und seine Freunde die legendäre Brücke (Sethu) über das Meer errichten
    konnten. Es war der Name Haris, der Prahlada kühlte, als er in loderndes Feuer geworfen wurde.

  4. Jeder Name Gottes ist Nektar. Er ist süßer als Süßigkeiten. Er schenkt den Seelen Unsterblichkeit. Er ist das Wesentliche der Veden. In alten Zeiten entstand Amrita, der Nektar der Unsterblichkeit, durch das Aufquirlen des Meeres durch die Götter und Dämonen. Ebenso kristallisierte sich der Name Ramas als Nektar der Veden heraus, als Mittel gegen die drei Arten von Tapas (Leiden) der unwissenden Seelen. Trinke ihn wieder und wieder durch ständige Wiederholung, so wie es Valmiki vor langer Zeit tat.

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  1. Häuser, Paläste oder Orte ohne Mantrasingen und Gottesverehrung sind wie Friedhöfe, auch wenn sie mit Polstermöbeln, Licht, Klimaanlagen, schönen Gärten und ähnlichen Annehmlichkeiten ausgestattet sind.

  2. Entsage allem. Lebe von Almosen. Lebe zurückgezogen. Wiederhole "Om Namo Narayana" 14 Millionen Mal. Das ist in vier Jahren möglich. Wiederhole es täglich 100.000 Mal. Dann wirst du Gott sehen. Kannst du nicht kurze Zeit ein wenig Leiden auf dich nehmen, wenn du dadurch die Frucht der Unsterblichkeit, des unendlichen Friedens und ewigen Glücks erlangst?

  3. Japa ist ein großartiges Reinigungsmittel. Es kontrolliert die Kraft des Gedankenstroms zu weltlichen Objekten. Es zwingt den Geist, sich auf Gott zu richten, zur Erlangung ewiger Glückseligkeit.

  4. Japa hilft, die Vision Gottes zu erreichen. Reines Bewußtsein (Chaitanya) ist in jedem Mantra verborgen.

  5. Japa verstärkt die Kraft der spirituellen Praxis des Übenden. Es macht ihn moralisch und spirituell stark.

  6. Die Schwingung, die beim Mantrasingen entsteht, entspricht der ursprünglichen Schwingung, die aus Hiranyagarbha, dem Kosmischen Bewußtsein, hervorgegangen ist.

  7. Die durch Japa ausgelöste rhythmische Schwingung harmonisiert die unsteten Schwingungen der fünf Hüllen.

  1. Japa verändert die Geistessubstanz vom Weltlichen zur Spiritualität, von Unruhe zu Reinheit und Erleuchtung.

  2. Der Name Gottes ist eine unerschöpfliche Quelle spirituellen Wissens.

  3. Sogar die mechanische Wiederholung eines Mantras spielt eine große Rolle bei der Entwicklung der Seele. Selbst eine einfache, papageienhafte Mantrawiederholung ist von Nutzen. Sie zieht ihre eigenen Wirkungen nach sich.

Wiederholen des Göttlichen Namens

  1. Im Satya-Yuga (Erstes Zeitalter; Zeitalter der Wahrheit) war Meditation als wichtigste Disziplin vorgeschrieben, da der Geist der Menschen ganz allgemein rein und frei von Zerstreuungen war.

  2. Im Treta-Yuga (Zweites Zeitalter; goldenes Zeitalter) wurden Opferzeremonien angeordnet, da die nötigen Materialien dafür einfach zu beschaffen waren und die Menschen leicht rajasig waren.

  3. Im Dvapara-Yuga (Drittes Zeitalter; bronzenes oder kupfernes Zeitalter) wurde das Gebet als Hauptform der spirituellen Praxis empfohlen, da es mehr Möglichkeiten gab, Gott direkt zu verehren und sich die göttliche Energie in größerem Umfang in der Welt manifestiert hatte.

  4. Im Kali-Yuga (Viertes Zeitalter; eisernes Zeitalter), wo der Geist der Menschen größeren Ablenkungen ausgesetzt ist, sind Meditation, Gebet und Opferhandlungen nicht möglich. Daher wurde das laute Singen des Göttlichen Namens (Kirtan) und das Erinnern an den Namen Gottes (Nama smarana) als hauptsächliche spirituelle Praxis zur Gottesverwirklichung empfohlen.

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  1. Der Name Gottes ist dein Boot, Kirtan dein Ruder. Überquere damit den Ozean des Samsara.

  2. Niemand erlangt Befreiung ohne den Namen Gottes. Es ist deine höchste Pflicht, Seinen Namen ständig zu wiederholen. Der Name ist der größte Schatz aller Schätze.

  3. Der Name Ramas ist die wahre Substanz der vier Veden. Wer "Rama,Rama" wiederholt und Tränen der Liebe vergießt, erlangt ewiges Leben und immerwährende Glückseligkeit. Der Name "Rama" wird ihn auf dem Weg leiten. Deshalb wiederhole "Rama, Rama".

  4. Wer Ramas Namen rezitiert, kann niemals Leid erfahren. Rama verleiht Glückseligkeit. Er hat die Macht, die Menschen vom immerwährenden Rad der Wiedergeburten zu befreien.

  5. Der Name Haris ist zweifellos der sicherste und einfachste Weg, alle Sünden zu sühnen. Das ist eine wohlbekannte Tatsache.

  6. Der Name Gottes ist eine unfehlbare Kraftquelle. In deiner dunkelsten Stunde wird nur Gottes Name dich retten.

  7. Prahlada, Dhruva und Sanaka verwirklichten Gott durch Erinnern seines Namens.

  8. Die größten Sünder können Gottesverwirklichung erreichen durch die Segnungen des Namens.

  9. Meditiere über Gottes Namen mit dem Glauben, daß der Name und der Benannte (Gott) eins sind.

  1. Japa oder die Wiederholung des Namens Gottes entschlackt den Geist von allen Unreinheiten und erfüllt ihn mit Glückseligkeit. Es bringt die Seele in Einklang mit Gott und erfüllt sie mit Seiner Gegenwart. Es führt zur vollständigen Einheit der Seele mit Gott.

  2. Nimm Zuflucht zu Gott mit deinem ganzen Sein und singe Seinen Namen mit Hingabe. So lautet die verbindliche Anweisung der Heiligen Schriften und die ausdrückliche Meinung der Heiligen.

  3. Singen des Namens Gottes erhellt den Spiegel des Geistes, verbrennt den Wald der Wünsche und badet das gesamte Wesen in einem Strom der Freude.

  4. Widerstehe der Versuchung, indem du Zuflucht beim Namen Gottes suchst. Bevorzuge die Einsamkeit und Stille. Wende dich nach innen. Alles Elend wird ein Ende haben. Du wirst höchstes Glück genießen.

  5. Bringe die Saiten deines Herzens zum Klingen durch Singen von Om, durch Wiederholung von Om Nama Shivaya, Hare Rama und Hare Krishna und höre die hinreißende, ewige, herrliche Musik der Seele.

  6. Wiederhole ständig "Om Namo Bhagavate Vasudevaya", das 12silbige Mantra Krishnas, der Freude von Gokula, des Entzückens von Radha, des Lieblings von Nanda, und erlange Seine Gnade und Vision.

  7. Gott ist der universelle Arzt für alle Krankheiten. Verlasse dich nur auf ihn. Die Namen Gottes sind wirksamste, unfehlbare Stärkungsmittel, verläßlichste Allheilmittel, wohlerprobte Heiltränke und allumfassende Behandlungsmethoden.

  8. Meine Mala ist meine Zunge, mit der ich Gottes Namen wiederhole.

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Der Name ist alles

  1. Nama (der Name Gottes) und Nami (Gott selbst) sind eins.

  2. Der Name kann dich zum Angesicht Gottes bringen.

  3. Der Name ist der Weg; der Name ist das Ziel.

  4. Der Name ist ein sicheres Boot, das dich zum anderen Ufer der Furchtlosigkeit, Freiheit und unsterblichen Glückseligkeit bringt.

  5. Der Name reinigt und erleuchtet.

  6. Der Name vertreibt machtvoll die Dunkelheit der Unwissenheit.

  7. Der Name verleiht ewige Glückseligkeit, unendliche Freude und immerwährenden Frieden.

  8. Die Herrlichkeit und Größe des Namens kann man in Worten nicht angemessen beschreiben.

  9. Der Name ist voll unermeßlicher Kraft und Macht.

  10. Der Name ist Elixier, Ambrosia und göttlicher Nektar.

  11. Der Name ist kostbarer als aller Reichtum der Welt.

  12. Der Name ist die Brücke, die den Verehrer mit Gott verbindet.

  13. Der Name ist der Schlüssel, der die Tür zu überirdischer Wonne und Befreiung öffnet.

  14. Der Name erfüllt das Herz mit göttlicher Liebe, Freude und Wonne.

  1. Der Name ist dein einziger Halt, Hilfe, Zuflucht, Trost, Mittelpunkt, Ideal und Ziel.

  2. Der Name ist ein mächtiger Gegenpol zu allen Übeln dieser Welt. Er begründet Frieden, guten Willen und Einheit auf der Erde.

  3. Nimm Zuflucht zum Namen und wiederhole ihn ständig mit Gefühl, Glauben und einpünktiger Hingabe. Alle Schwierigkeiten, alles Elend, Leid und Kummer werden ein Ende haben.

Ajapa-Japa – stumme Mantrawiederholung

  1. Ajapa bedeutet Mantra-Wiederholung in Verbindung mit dem Atemfluß, ohne die Lippen zu bewegen. Das "Soham"-Mantra gilt allgemein als Ajapa-Japa. Der Mensch übt dieses Japa 21.600 Mal täglich, 24 Stunden lang, unbewußt aus. Achte jetzt sorgfältig auf deinen Atem. Du wirst beim Einatmen "So" und beim Ausatmen "ham" hören. Nimm einfach ab und zu deinen Atem wahr, setze dich eine Stunde täglich in einen abgeschlossenen Raum und meditiere mit "Soham" – "Ich bin das". Das ist eine einfache Konzentrations- und Meditationsmethode.

  2. Wer nicht mehr im aktiven Arbeitsleben steht, sollte das Rama-Mantra mindestens 50.000 Mal täglich wiederholen. Daraus zieht man unermeßlichen Nutzen. Das ist innerhalb von sechs Stunden möglich. Man gewinnt sehr viel geistigen Frieden, Reinheit, Kraft, Wonne und die Vision Gottes.

  3. Wer musikalisch ist, kann das Rama-Mantra oder ein anderes Mantra singen. Der Geist wird schnell erhoben. Setzte dich allein hin und singe Seinen Namen. Bhava-Samadhi (Überbewußtsein) wird die Folge sein.

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Bhaktas, die Gott durch Japa verwirklicht haben

  1. Der Räuber Ratnakar wurde zum Weisen Valmiki durch Wiederholung von "Mara, Mara" (die umgekehrte Form Ramas), zu der ihm der Weise Narada geraten hatte.

  2. Tukaram, der Heilige von Maharashtra, hatte mehrmals direkte Visionen Krishnas, indem er einfach "Vitthal, Vitthal" (ein anderer Name für Krishna), den Namen der Gottheit von Pandharpur, wiederholte.

  3. Dhruva, jener wunderbar hingebungsvolle Junge wiederholte "Om Namo Bhagavate Vasudevaya", das 12silbige Mantra Krishnas, und erlebte die Vision Krishnas.

  4. Prahlada sprach "Narayana, Narayana" und sah Hari von Angesicht zu Angesicht.

  5. Ramdas, der spirituelle Lehrer von Shivaji, wiederholte 13 Millionen Mal das Rama-Mantra "Sri Ram Jaya Ram, Jaya Jaya Ram", während er im Wasser des Godavari nahe beim Ort Takli stand. Er wurde ein großer Heiliger.

  6. Bleibe mindestens einige Stunden täglich allein. Setzte dich allein hin, ohne Gesellschaft. Gehe an einen einsamen Ort. Schließe die Augen. Wiederhole den Namen Gottes geistig in der Stille mit tiefer Hingabe. Fahre mit dieser Praxis fort. Du wirst lernen, in Gott zu leben. Du wirst die Vision Gottes erleben.

Die Herrlichkeit der Mantra-Einweihung

Die feierliche Mantra-Einweihung in den Göttlichen Namen (Diksha), ist eines der heiligsten und bedeutsamsten Rituale des spirituellen Lebens. Das größte Glück und der kostbarste göttliche Segen für einen Schüler ist es, sein Guru-Mantra von einem verwirklichten Heiligen und Satguru (Wahrheitslehrer) zu bekommen. Die volle Herrlichkeit der Mantra-Einführung – vor allem, wenn sie von einem selbst-verwirklichten Heiligen vorgenommen wird –, kann man bei der Einführung, wenn man die Bedeutung des Mantras und des Einführungsrituals noch nicht richtig erfaßt hat, nicht einmal ansatzweise erahnen.

Die Mantra-Einweihung ist eines der ältesten Rituale in diesem gesegneten Land und der größte Edelstein im Schatz unserer einzigartigen Kultur. Das heilige Mantra oder der Göttliche Name ist ein lebendiger Ausdruck der höchsten Göttlichkeit. Es wurde den selbstverwirklichten Heiligen in den alten Zeiten der Veden und Upanishaden im Zustand innerster Versenkung in Gott direkt enthüllt. Die Mantras als Symbole des Göttlichen sind ihrer Natur nach unfehlbare Schlüssel, die Zugang zur transzendentalen Sphäre der Erfahrung des Absoluten gewähren. Mantras sind mächtige Mittler der direkten Erfahrung höchster Wirklichkeit, die uns von jenen Weisen aus alten Zeiten überliefert wurden. Sie wurden über die Jahrhunderte hinweg sorgfältig von Generation zu Generation über eine lange Reihe von Heiligen mittels des Guru-Parampara-Systems bis in die heutige Zeit überliefert.

Eine gewaltige Veränderung beginnt sich im innersten Kern des Bewußtseins des Eingeweihten, des Mantra-Empfängers, zu vollziehen. Er selbst ist sich dessen nicht bewußt, weil der Schleier des Nichtwissens (Mula-Ajnana) noch über ihm liegt – so wie ein Armer, der nachts im Tiefschlaf von seiner bescheidenen Hütte auf ein königliches Sofa im Kaiserpalast gebracht wird, von dieser Veränderung überhaupt nichts merkt, weil er immer noch tief schläft. Aber trotzdem setzt die Verwandlung mit der Einweihung ein und wie aus einem Samen, den man in die Erde gesät hat, keimt daraus schließlich die großartige Frucht der Selbsterkenntnis (Atma-Jnana).

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Wie der Same einen Wachstumsprozeß durchlaufen muß, um zum Sämling, zur Pflanze, zum Schößling und schließlich zum ausgewachsenen Baum zu werden, so muß der Schüler nach der Einweihung ernsthafte und beständige Anstrengungen in Form spiritueller Praxis unternehmen, wenn die Einweihung zur freudebringenden Frucht der Selbstverwirklichung gedeihen soll. Dieser Teil liegt allein in der Verantwortung des Schülers, wobei er zweifellos mit der Hilfe, Führung und Gnade seines Gurus in dem Maße seines festen Glaubens und seiner Loyalität ihm gegenüber rechnen kann. So wie eine Auster geduldig und gespannt auf Regen wartet, wenn der Stern Svati im Aszendenten steht, den Tropfen aufnimmt und ihn in sich in eine wertvolle Perle umwandelt, so wartet der Schüler eifrig und demütig auf die Mantra-Einweihung durch den Guru, erhält durch eine seltene, glückliche Fügung das heilige Mantra von ihm, hegt und pflegt es in sich selbst, und wandelt es durch seine Bemühungen und seine Übung in eine gewaltige spirituelle Macht um, die die Festung der Unwissenheit erobert und das Tor zur glückseligen Erfahrung der Unsterblichkeit öffnet.

Was für eine großartige Verwandlung und innerste Reinigung die Mantra-Einweihung auslöst, zeigt die folgende Begebenheit: Nachdem der göttliche Weise Narada aus Vaikuntha, der Wohnstätte Narayanas, aufgebrochen war, beauftragte Gott Narayana Lakshmi, die Stelle mit Wasser zu reinigen, an der Narada während seines kurzen Aufenthalts gesessen hatte. Als Lakshmi sich erstaunt nach den Gründen für dieses seltsame Vorgehen erkundigte, erklärte Narayana, dies sei weil "Narada noch nicht eingeweiht worden ist", womit er meinte, daß Narada noch nicht den Prozeß jener besonderen, unerklärlichen, inneren Reinigung durchlaufen habe, der durch die Mantra-Einweihung in Gang gesetzt wird. So groß ist die Herrlichkeit der Einweihung. Sie stellt eine direkte Verbindung mit dem göttlichen Wesen her. Die Mantra-Einweihung ist das eine Ende einer goldenen Kette und Gott oder die Höchste Transzendentale Selbsterfahrung das andere Ende. Jetzt wißt ihr, was Einweihung bedeutet.

Mit der Einweihung besitzt man die direkten Mittel zur Erreichung der erhabensten und höchsten Sache überhaupt; erreicht man sie, so erreicht man alles; kennt man sie, so kennt man alles; und hat man sie einmal errungen, so bleibt nichts mehr zu gewinnen übrig! Die Einweihung führt zur vollen Erkenntnis und Erfahrung, daß man weder der Geist noch der Körper ist, sondern daß man der Satchidananda Atman ist, voller Licht und voll Höchster Wonne. Möge die Gnade des Sat-Guru, des sichtbaren Gottes, euch allen die erlesenen Früchte der Selbstverwirklichung verleihen!

Anushthana

Einführung

Anushthana ist die Praxis religiöser Askeseübungen. Man beachtet dabei gewisse Regeln, um ein bestimmtes Ziel oder die Erfüllung eines Wunsches zu erreichen. Dieses Ziel kann auch die endgültige Befreiung sein. Auch das Streben nach Befreiung ist letztendlich ein Wunsch, obwohl es generell nicht so gewertet wird. Wer Anushthana ausübt, muß während dieser Zeit frei von allen weltlichen Verpflichtungen sein. Man sollte sich ganz an die korrekte Ausübung gemäß den in den Schriften festgelegten Regeln halten. Solche Askeseübungen formen den Menschen und bereiten ihn darauf vor, seine höheren Ziele zu erkennen.

Die höchste Form von Anushthana ist selbstlose Gottesverehrung zum Zweck der Selbstreinigung und endgültigen Befreiung. Askeseübungen mit dem Ziel, unbedeutende materielle Dinge zu erreichen, zeugen von Unwissenheit und sind nicht spirituell. Spirituelles Anushthana gründet sich auf Unterscheidungsvermögen und hat die Erlösung der Seele vom Rad der Wiedergeburten zum Ziel.

Anushtana kann man einen Tag, eine Woche, vierzehn Tage, einen Monat, 48 Tage, 96 Tage, drei oder sechs Monate oder ein Jahr lang ausüben, je nach individuellen Möglichkeiten und Vorlieben. Man kann die seinen Lebensumständen am besten entsprechende Form wählen.

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Auch die Härte der spirituellen Übung hängt von der körperlichen Verfassung und Gesundheit des Einzelnen ab. Ein Kranker braucht nicht dreimal täglich ein kaltes Bad zu nehmen oder strenges Fasten einzuhalten. Wer an einer akuten Krankheit leidet, braucht nicht auf Medizin zu verzichten. Gesunder Menschenverstand ist die Grundlage jeglicher spirituellen Praxis. Es gibt keine starren Regeln. Sie ändern sich je nach Ort, Zeit und Umfeld. Ein spiritueller Schüler in Madras mag auch im tiefsten Winter nur mit einer Langoti auskommen. Von einem Schüler dagegen, der im eisigen Gangotri lebt, kann man dasselbe nicht einmal im Sommer erwarten. Das Klima im Himalaya ist nicht dasselbe wie in Trivandrum oder Madras. Es widerspricht den Askesevorschriften nicht, einen Schirm aufzuspannen, wenn es heftig regnet. Das Ziel ist immer geistige Disziplin, nicht rein körperliche Kasteiung.

Es tut dem Anushthana keinen Abbruch, wenn man zur Überquerung des Kailash- oder Manasasarovar-Gletschers Schuhe trägt. Echte körperliche Bedürfnisse sind keine Hindernisse. Nur heftige Begierden widersprechen dem Sinn von Anushthana, nicht die normalen Bedürfnisse. Strenge Enthaltsamkeit (Brahmacharya) ist für alle religiösen Askesepraktiken unbedingt erforderlich, ebenso wie Wahrheitsliebe und Nicht-Verletzen, denn sie dienen der geistigen Disziplinierung.

Handlungen gegen die eigenen Gefühle und gegen den Widerstand des Geistes sind nicht förderlich für die Kraft des Anushthana. Denn die wahre Handlung besteht darin, was man denkt, nicht darin, was der Körper ausführt. Wer anders handelt als er fühlt, ist ein Heuchler (Mithyachari). Für ihn wird die spirituelle Übung keine Früchte tragen. Der Geist ist der Urheber aller Handlungen. Der Körper ist nur das Instrument. Eine Ursache mit großer Triebkraft wird nicht dadurch ausgeschaltet, daß man ihre Auswirkungen zu unterdrücken sucht. Der Geist muß zur Ruhe gebracht werden; das ist das Ziel jeglicher spirituellen Praxis.

Japa Anushthana – Spirituelle Übung mit Mantra-Wiederholung

Zuerst wird ein Mantra ausgewählt. Das Ziel des Anushthan, das heißt, der Wunsch, dessen Erfüllung man mit der speziellen Übung anstrebt, sollte mit dem Mantra in Einklang stehen; man sollte also nicht das Hanuman-Mantra nehmen, wenn man sich einen Sohn wünscht. Mit der Ausübung von Anushthana sollte man keine unvernünftigen Wünsche verbinden und auch nicht andere Wesen zerstören oder verletzen wollen. Das ist ein großer Fehler. Es wird den Praktizierenden selbst vernichten, wenn die andere Seite mächtiger ist als er selbst. Ganz allgemein sollte man einen höheren, spirituellen Wunsch im Auge haben, wenn man Anushthana praktiziert.

Wer religiöse Askeseübung mit Japa verbinden will, sollte an einem dafür günstigen Tag am frühen Morgen bei Sonnenaufgang damit beginnen. Er sollte ein Bad in einem Fluß nehmen oder in einem Brunnen, wenn kein anderes Wasser verfügbar ist. Der Hauptteil des Tages sollte der Mantra-Wiederholung gewidmet sein und während dieser Zeit sollte man auch Schweigen einhalten. Der Praktizierende sollte Gebete zur Sonne und zu dem Aspekt Gottes sprechen, dessen Mantra er während der Anushthana-Ausübung rezitieren will. Er sollte seine täglichen Gebete Gott opfern und die Zeit der Dämmerung für das Morgen- und Abendgebet einhalten. Zu diesen Zeiten sollte er sich mit seiner Mala an einen sauberen Ort setzen, das Gesicht nach Osten oder nach Norden gewandt, den Geist auf die Mantra-Gottheit gerichtet. Er sollte sich während der ganzen Zeit des Zwecks seines Anushthana voll bewußt sein und nicht sprechen. Die Augen sollten geschlossen sein, die Sinne zurückgezogen. Er sollte ausschließlich an das angestrebte Ziel denken.

Der Praktizierende sollte sich während der Dauer der Askeseübung seiner Frau nicht nähern. Selbst während der nächtlichen Ruhepause sollte kein Gedanke an Frau, Kinder und Besitz aufkommen. Das sind alles Hindernisse für die Erreichung des angestrebten Ziels.

Nach Oben

Es ist empfehlenswert, jeden Tag mindestens einem Menschen Nahrung zu spenden. Am letzten Tag sollte ein Havan (Opferzeremonie) gemacht werden mit Opfergaben, die einem Zehntel der gesamten Japa-Wiederholungen entsprechen. Am letzten Tag sollte man auch die Armen speisen und gleich viele Trankopfer wie im Havan darbringen. Falls das nicht möglich ist, sollte das Mantra entsprechend öfter wiederholt werden.

Kurz, Japa-Anushthana ist die Ausübung von Japa über einen längeren Zeitraum in völliger geistiger Konzentration unter Ausschluß jeglicher Gedanken an die Außenwelt. Damit erreicht man das gewünschte Ziel.

Im allgemeinen wiederholt man das Mantra 100.000 Mal pro Silbe, aus der es besteht. Aber um das angestrebte Ziel wirklich zu erreichen, ist es besser, mehr als diese vorgeschriebene Anzahl zu machen. Der menschliche Geist ist normalerweise sehr unrein und es braucht viel Arbeit, ihn zu reinigen, so daß er sich auf das Mantra und seine Gottheit konzentrieren kann.

Normalerweise muß man viele Purascharanas machen, um sein Ziel zu erreichen. Ein Purascharana allein bringt noch keine Wunscherfüllung, weil der menschliche Geist zerstreut, rajasig und tamasig ist.

Svadhyaya-Anushthana – Spirituelle Übung durch Studium der Schriften

Der Praktizierende studiert die Veden, das Mahabharata, das Ramayana oder die Bhagavata. Das Studium der Bhagavata nennt man Saptaha, jenes der Veden Adhyayana und jenes des Mahabharata und des Ramayana Parayana. Dabei sollte man dieselben Regeln wie oben beschrieben einhalten. Die Opferzeremonie und so weiter sollte wie bei Japa-Anushthana ausgeführt werden.

Andere Anushthanas

Für alle Anushthanas gelten dieselben Richtlinien, mit leichten Anpassungen an die jeweilige Situation. Eine Frau unterliegt leichten Änderungen in der Ausführung. Sie sollte beispielsweise mit dem Anushthana nicht während ihrer monatlichen Blutung beginnen und ihre Regel sollte nicht mitten in der Askeseübung auftreten. Generell ist es besser, wenn Frauen Anushthana kürzer als einen Monat ausüben. Sie sollten in dieser Zeit ihre Kinder nicht stillen. Auch Frauen sollten während des Anushthana Enthaltsamkeit üben und täglich baden. Alle anderen Vorschriften entsprechen denen für Männer. Frauen sollten Anushthana nicht mit dem Gayatri-Mantra oder dem Studium der Veden machen.

Grundsätzlich versteht man in den Heiligen Schriften unter Anushthana nur Mantra-Wiederholung (Japa) und Selbststudium der Schriften (Svadhyaya). Meditation wird nicht dazugerechnet, denn das ist eine höhere Stufe, wo Anushthana seine Bedeutung verliert. Auch Beten kann als Anushthana angesehen werden, obwohl es nach orthodoxer Auffassung nicht dazugehört. Alle Vorschriften die es für Anushthana gibt, zielen darauf ab, sich nur der Askeseübung zu widmen, unter völligem Ausschluß aller familiärer Verpflichtungen und weltlichen Aktivitäten. Auch weltliche Gedanken sollten ausgeschlossen bleiben. Anushthana bedeutet strenge Askese und sollte ehrfürchtig, gläubig und achtsam ausgeübt werden.

Zeitliche Begrenzung für Anushthana

Es gibt keine zeitliche Begrenzung. Alles hängt von der persönlichen Vorliebe ab. Man kann es sogar nur einen einzigen Tag lang machen. Es entfaltet auch dann seine Wirkungen. Aber es ist besser über längere Zeiträume hinweg, da der Geist durch solche Praktiken gut diszipliniert wird. Je länger das Anushthana dauert, desto mehr Kraft gewinnt der Schüler. Er wird wie ein Yogi voller Gesundheit, Reichtum, Wohlergehen, Wissen und Macht.

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Er bekommt alles, was immer er sich wünscht. Man kann Anushthana auch nachts ausüben. Die nächtliche Praxis ist sogar noch kraftvoller und bringt schnellere Ergebnisse als tagsüber. Nachts ist der Geist ruhig und frei von weltlichen Einflüssen. Deshalb haben alle nächtlichen Praktiken größere Kraft und hinterlassen stärkere Eindrücke im Geist.

Zusammenfassung

Anushthana ist ein Vorläufer der Yoga-Praxis. Es diszipliniert den Geist und bereitet ihn auf die Meditation vor. Es ist eine strenge Askeseübung, die zum Gipfel spiritueller Erleuchtung führt, wenn sie ohne weltliche Wünsche ausgeübt wird.

Die Methode des Mantra-Purascharana

Beim Purascharana wird das Mantra mit Gefühl, auf eine besondere Art und Weise unter Einhaltung bestimmter Regeln so oft wiederholt, bis die festgesetzte Anzahl erreicht ist, mit dem Ziel, einen tiefgreifenden Nutzen aus dem Mantra zu ziehen.

Der Übende muß dabei gewisse Regeln und Vorschriften beachten, die in den Schriften für das Purascharana festgelegt sind und sowie eine strikte Disziplin bei der Ernährung einhalten.

Wird das Mantra so rezitiert, bringt es dem Praktizierenden die Erfüllung aller Wünsche, sofern sie sich mit dem Geltungsbereich des Mantras decken.

Es folgt eine kurze Auflistung der Mantra-Purascharana-Regeln:

Ernährung

Wer Purascharana praktiziert, sollte sich von Nahrungsmitteln wie Gemüse, Früchten, Milch, Wurzeln und Knollen, Quark, Gerste, Havisya (Reis mit Ghee, Zucker und Milch), die zuvor Gott als Opfer dargebracht wurden oder nur von Almosen (Bhiksha) allein ernähren. Wer sich während der gesamten Zeit auf Milchkost beschränkt, wird die Mantra-Kraft schon mit einmaliger 100.000facher Wiederholung erlangen. Wer auch von den anderen oben erwähnten Lebensmitteln zu sich nimmt, erfährt die Mantra-Energie erst nach 300.000 Mantra-Wiederholungen.

Ort für Japa

Heilige Pilgerorte oder Plätze am Ufer heiliger Flüsse, in Höhlen, auf Hügeln oder Bergen, am Zusammenfluß von Gewässern, in heiligen Wäldern, unter einem Feigenbaum, in einem Tulasi-Garten, in Tempeln, am Strand oder an einsamen Orten sind für Japa geeignet. Wenn man keinen solchen Ort findet, kann man es auch zu Hause machen. Aber zu Hause ist die Mantra-Wiederholung nur so wirksam, wie sie es auch unter normalen Umständen ist. An heiligen Orten ist die Wirkung hundertmal, an Flußufern 100.000 Mal höher. Grenzenlos hingegen ist die Wirksamkeit des Japa in Gegenwart Vishnus selbst.

Richtung

Während der Mantra-Wiederholung sollte man sich mit dem Gesicht in Richtung Osten oder Norden hinsetzen; nachts nur nach Norden.

Bad

Man sollte dreimal täglich baden; wenn das unmöglich ist, mindestens zweimal oder notfalls nur einmal, je nach den Umständen.

Sitzhaltung

Padma-, Siddha-, Svastika-, Sukha- oder Vira-Asana werden als Sitzhaltungen für Japa empfohlen. Ein Baumwolltuch, eine Decke, ein Seidentuch oder ein Tigerfell sollten als Unterlage dienen; sie tragen dazu bei, rasch Wissen und übernatürliche Kräfte zu erwerben. Ein Krishnajina-Fell, das Fell einer besonderen Wildart, verhilft zu Weisheit, ein Tigerfell zur Befreiung. Wenn beides nicht verfügbar ist, erfüllt auch eine Kushagras-Matte den Zweck.

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Benutzung der Mala

Man kann eine Sphatika-, Tulasi- oder Rudraksha-Mala für das Zählen der Mantra-Wiederholungen benutzen. Man sollte die Mala mit Respekt und Ehrerbietung behandeln und sie heilig halten. Nach dem Japa verwahrt man sie an einem reinen, sauberen Ort. Ein fortgeschrittener Schüler kann jede beliebige Mala oder überhaupt keine verwenden. Alles hängt vom jeweiligen persönlichen Entwicklungs stand ab."

Art der Japa-Ausübung

Man sollte das Mantra nicht zu schnell und nicht zu langsam wiederholen, den Geist von allen weltlichen Objekten lösen und sich ganz auf die tiefere Bedeutung des Mantras konzentrieren. Das Mantra sollte 100.000 Mal für jede Silbe des Mantras wiederholt werden. Das fünfsilbige Shiva-Mantra wird also 500.000 Mal wiederholt, das achtsilbige Narayanas 800.000 Mal und das zwölfsilbige Krishnas 1.200.000 Mal. Falls das unmöglich ist, kann man sich auch auf die Hälfte beschränken. Aber auf keinen Fall sollten es weniger als 100.000 sein.

In alten Zeiten war der Geist der Menschen rein und kraftvoll, so daß sich ihnen schon bei 100.000facher Wiederholung pro Mantra-Silbe die Kräfte der Mantra-Gottheit erschlossen. Heutzutage ist der Geist der Menschen unrein, so daß sie mit einem Purascharana nicht unbedingt die Vision ihrer Gottheit erreichen. Einflüsse moderner Unterhaltungsmedien, Kino, Theater und andere Ablenkungen belasten den Geist der heutigen Menschen, so daß sie nicht zu nennenswerten spirituellen Fortschritten in der Lage sind. Sie müssen Japa-Purascharana länger weiterführen. Manche Menschen brauchen mehrere Purascharanas, um überhaupt nur die Reinigung des Geistes selbst einzuleiten. Erst die danach ausgeführten Purascharanas führen dann zur Gotteswahrnehmung.

Wenn man selbst nach dem Purascharana aufgrund alter schlechter Samskaras (Eindrücke im Geist) aus früheren Leben die Mantra-Kraft nicht erlangt hat, sollte man sich nicht entmutigen lassen, sondern nochmals ein Purascharana durchführen. Das sollte man solange wiederholen, bis der Geist vollkommen gereinigt ist und man die höchste Kraft gewonnen hat. Man sollte auch bedenken, daß Japa während einer Sonnen- oder Mondfinsternis einen gewaltigen Effekt hat; daher sollte man eine so seltene Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen, wenn sie sich einem bietet.

Während aller Jahreszeiten sollte man das Mantra jeweils vormittags, mittags, nachmittags und um Mitternacht beziehungsweise frühmorgens und am frühen Abend rezitieren.

Homa oder Yajna

Man sollte das Mantra jeden Tag gleich oft wiederholen. Jeden Tag nach der Japa-Praxis sollten Opfergaben aus Ghee (gereinigte, geschmolzene Butter) oder Charu (Speise aus Reis, Ghee, Zucker und Milch) im Feuer geopfert werden; ihre Anzahl sollte einem Zehntel der täglichen Mantra-Wiederholungen entsprechen. Wenn man will, kann man diese Opfer auch erst nach jeweils 100.000 Wiederholungen darbringen. Die Havan- oder Homa-Zeremonie sollte genau nach den Vorschriften erfolgen, wie sie im brahmanischen Teil der Veden, in den Kalpa-Sutras und in den Smritis ausgeführt werden. Es ist ratsam, einen erfahrenen Purohita (Priester) hinzuzuziehen.

Wenn die vorgeschriebenen Mantrawiederholungen beendet sind, müssen Opfergaben in Höhe von einem Zehntel der Gesamtzahl der Mantra-Wiederholungen dargebracht werden, wobei man mit jeder Opfergabe das Mantra nochmals wiederholt.

Wenn man kein Homa (Feueropfer) ausführen kann, kann man stattdessen auch die Gottheit verehren; man wiederholt dann zusätzlich zum bereits beendeten Japa das Mantra nochmals ein Zehntel Mal so oft wie vorgeschrieben und gibt dann Brahmanen und Mahatmas (großen Meistern) zu essen.

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Regeln, die während des Japa zu beachten sind

Während der Purascharana muß man sich streng an folgende Gelübde halten:

Auf dem bloßen Boden schlafen, Enthaltsamkeit, dreimal täglich Verehrung der Gottheit, Gebet zur Gottheit, Vertrauen in das Mantra, dreimal täglich ohne Ölzusatz baden.

Zerstreutheit, Faulheit, Spucken während des Japa, Zorn, die Beine während des Sitzens bewegen, eine fremde Sprache außer Sanskrit und der Muttersprache sprechen, mit Menschen anderen Geschlechts und nichtspirituellen Menschen sprechen, Betel-Blätter kauen, tagsüber schlafen, Geschenke annehmen, singen und tanzen, Unfug treiben und Unheil stiften – all das sollte man strikt vermeiden, wenn die spirituelle Praxis Erfolg bringen soll.

Salz, Fleisch, scharfe und süße Speisen, Hülsenfrüchte, lügen, Unrecht tun, andere Götter anbeten, Sandelholzpaste auftragen, sich mit Blumen schmücken, Geschlechtsverkehr, Reden über geschlechtliche Dinge und sich in Gesellschaft von Leuten begeben, die dies tun – auf all das sollte man während des Purascharana vollständig verzichten.

Beim Sitzen sollte man die Beine nicht übereinanderschlagen und die Füße nicht mit den Händen berühren. Konzentration auf das Mantra und seine Bedeutung ist die ganze Zeit über äußerst wichtig. Während des Japa sollte man nicht herumgehen und -schauen. Man sollte sich nicht einmal im Geist mit anderen Dingen beschäftigen, nicht vor sich hinmurmeln oder -brummen und das Gesicht nicht bedecken.

Sühne bei einem Bruch des Japa

Wenn man unmoralische Menschen sieht oder mit ihnen spricht, niest, Gase durch den Anus entweichen läßt oder gähnt, sollte man sofort mit der Mantra-Wiederholung aufhören und erst dann weitermachen, wenn man sich durch Achamana (rituelle Spülung des Mundes), Pranayama und den Anblick (Darshan) des Sonnengottes gereinigt hat.

Zusammenfassung

Nach Beendigung der vorgeschriebenen Anzahl Mantra-Wiederholungen muß eine Feuerzeremonie (Homa) mit so vielen Opfergaben durchgeführt werden, wie einem Zehntel der Japas entspricht. Dann folgen als vorbereitende Reinigungsübungen Tarpana (Wasseropfer) entsprechend einem Zehntel der gebrachten Opfer und Marjana (Reinigung), wobei man sich mit einem Kusha-Grashalm mit Wasser bespritzt (ein Zehntel Mal des Tarpana). Anschließend speist man soviele Brahmanen, wie einem Zehntel des Marjana entspricht. So erlangt man die Kraft des Mantras bald.

Geistige Wachheit, Klarheit und Ruhe, Zufriedenheit und Gleichgültigkeit gegenüber Sinnesobjekten lassen die Mantra-Kraft erwachen, wenn das Purascharana ohne selbstsüchtige Wünsche und Motive ausgeführt wird. Der Praktizierende sieht überall Glanz und sein eigener Körper strahlt im Licht seiner göttlichen Natur. Er sieht seine Gottheit in allem und was immer er sich wünscht, ist für ihn da.

Purascharana sollte nie für irgendeinen kleinen, selbstsüchtigen Zweck praktiziert werden. Verehrung mit weltlichen Wünschen (Sakama-Upasana) bringt keine echte spirituelle Weisheit, Erfahrung oder innere Stärke. Japa sollte mit der Absicht ausgeübt werden, die Gnade Gottes zu erlangen und Gott zu verwirklichen. Nichts ist so groß und edel wie Gottesbewußtsein. Laß dein Purascharana daher frei sein von allen weltlichen Wünschen (Nishkama). Strebe nicht einmal nach Swarga-Loka, dem Erreichen der Himmelsebene. Liebe Gott einfach vorbehaltlos und lege Ihm dein Japa-Purascharana zu Füßen. Wenn es ihm gefällt, bleibt nichts mehr unerreichbar für dich. Das beste Purascharana ist das, welches mit dem Ziel der Selbstreinigung und Selbst- oder Gottesverwirklichung ausgeübt wird.

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