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Ma reist incognito

Manchmal reiste Ma incognito. Obwohl niemand dieses Kheyala verstand, wurde es mit der Zeit ohne Widerspruch akzeptiert. Am 3. August 1936 verreiste sie für längere Zeit mit unbekanntem Ziel. Ihre Begleiter waren Atal Bihari Bhattacharyas Neffe Kamal und Virajmohini. Nach einigen Tagen schickte Ma Kamal nach Hause, nur Virajmohini blieb bei ihr. Auch sie war abenteuerlustig und muß Ma‘s improvisierte Streifzüge ohne Reisekasse und sogar ohne eine Mindestausstattung, wie Kleider zum Wechseln oder einen Trinkbecher, genossen haben.
      Nach etwa vier Monaten gelangten Ma und Virajmohini nach Tarapeeth. Virajmohini schrieb an die Devotees, daß alle, die Ma zu sehen wünschten, nach Tarapeeth kommen könnten. Im Lauf einiger Tage trafen Devotees von nah und fern in großer Zahl ein. Eifrig erkundigten sie sich bei Virajmohini über Ma‘s  Reisen in den vergangenen Monaten. Wie sie zurechtgekommen seien, wer ihnen Geld gegeben habe, wo sie geblieben seien, ob sie irgendwelche Schwierigkeiten gehabt hätten. Von allen Seiten wurden solche und viele andere Fragen gestellt. Virajmohini tat ihr Bestes, alle zufriedenzustellen. Obwohl sie bei der Abreise kaum Geld bei sich gehabt hatten, mangelte es  ihnen nie daran. Im richtigen Moment bekamen sie genau den Betrag, den sie brauchten. Sie konnten immer einfache Mahlzeiten zubereiten, manchmal nur gekochtes Gemüse, und meist ein wenig Milch und Früchte. Ma war in einigen Städten erkannt worden, aber da sie sofort abreiste, konnten sich nie Menschenmengen um sie scharen. Aus Virajmohinis Bericht rekonstruierten Didi und andere Zuhörer folgende Reiseroute:
      Ma‘s erstes Ziel war Puri. Triguna Chakravarty, von dessen Haus aus die Reise begonnen hatte, war nicht glücklich, daß Ma sich total von Almosen abhängig machte. Er gab Virajmohini heimlich einen Dhoti und eine Decke für Ma. Am Bahnhof brachte ein Devotee einen schönen Sari, den Virajmohini in ihr eigenes kleines Bündel packte. In Puri fanden sie Unterkunft in einer Pilgerherberge, der Goenka Dharmashala. Da alle Zimmer besetzt waren, schliefen sie auf der offenen Veranda.
      Als sie ausgingen, um die Tempel zu besuchen, ließ Virajmohini ihre wenigen Habseligkeiten bei einer Familie in einem Zimmer der Herberge. Als sie nach ihrer Rückkehr die Sachen wieder abholen wollte, fragte die Frau, ob sie den Sari kaufen könne. Da Ma und Virajmohini in Dhotis gekleidet waren, dachte sie, sie bräuchten ohnehin keinen Sari. Virajmohini lehnte jedoch ab. Sie sagte, er sei ein Geschenk und daher unverkäuflich. Darauf mischte sich Ma selbst in das Gespräch und überredete die Frau, den Sari als Geschenk anzunehmen. Sie erklärte, sie sei ihre Tochter, und eine Tochter habe jedes Recht, ihrer Mutter einen Sari zu schenken. Am nächsten Tag brachte die ›Mutter‹ ihr einen Dhoti. Nun hatte Ma also Kleidung zum Wechseln.
      Während sie am Strand entlangspazierten, erkannte ein Junge sie als die ›Ma von Dacca‹ und lief fort, um Makhan Babu im Jatia Baba Ashram davon zu berichten. Zurück in der Dharmashala, bemerkte Ma: »Ich sehe Makhan Babu mit einer Laterne in der Hand nach mir Ausschau halten.« Kurz darauf kam  Makhan Babu mit einer Laterne an; er hatte Ma zuerst am Strand und dann in der Stadt gesucht. Nun war er froh, sie in der Goenka Dharmashala gefunden zu haben.
      In Puri kam es zu einer bemerkenswerten Begegnung Ma‘s mit Shyamdas Baba, einem alten Mann, der sich ganz seinem Sadhana widmete und schon lange zurückgezogen in Puri lebte. Seit einigen Monaten hatte er plötzlich den starken Wunsch, Ma zu sehen. Obwohl er nicht gesund war, hatte er sich erkundigt, wo Ma sei, und war bereit, nötigenfalls nach Dehra Dun zu fahren. Als einer seiner Freunde diese seltsame Unruhe bemerkte, hielt er ihm vor: »Wieso bist du so versessen auf diesen Darshan? Du führst doch sonst ein so geregeltes Leben. Wenn Ma Anandamayi wirklich ist, was man von ihr sagt, dann gibt sie dir bestimmt in deiner eigenen Hütte Darshan.« Eben dies geschah: Ma besuchte den alten Mann an der Schwelle zum Tod. Sein dringendes Verlangen nach Ma‘s Darshan erfüllte sich völlig unerwartet. Didi fragte sich, ob Ma nur zu diesem Zweck nach Puri gefahren sei.
      Von Puri fuhren Ma und ihre zwei Begleiter nach Bhubaneshwar. Sie besuchten auch Gomoh, Ardra und andere Orte in der Umgebung und machten sich dann auf die lange Fahrt nach Agra in Uttar Pradesh.
      In Agra fragte Ma Kamal, wieviel Geld er habe. Als sie hörte, daß er nur 10 Rupien hatte, sagte sie ihm, er solle eine Fahrkarte nach Calcutta kaufen und zurückfahren. Vergebens versuchte er, sie umzustimmen. Mit Kamal schickte sie das überflüssige(!) Gepäck zurück, das unterwegs hinzugekommen war, da Virajmohini in Puri ein paar Dinge  eingekauft hatte. Ma schnitt ein 1.65 m langes und 60 cm breites Stück von Triguna Babus Decke ab. Sie behielt nur dieses Stück der Decke, einen Dhoti und einen Becher. Virajmohini hatte dieselbe Ausrüstung. Derart unbelastet ließ Kamal sie zurück und fuhr nach Calcutta ab, wo er die Devotees über Ma‘s  bisheriges Wohlergehen in Kenntnis setzen konnte.

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Ma und Virajmohini blieben drei Tage in einer Dharmashala in Mathura. Danach räumten sie - wie es in Pilgerherbergen üblich ist - ihr Zimmer und setzten sich ans Ufer der Yamuna. Virajmohini kaufte einige Früchte, wusch sie im Fluß und schob Ma ein paar Stücke davon in den Mund. Als Passanten sahen, daß ein erwachsener Mensch einen anderen fütterte, blieben sie stehen, um sich dieses Schauspiel anzusehen. Einige fanden es sehr amüsant. Als Ma bemerkte, wie sie sich amüsierten, lachte sie laut, und die Passanten gingen weiter. Wahrscheinlich hielten sie Ma für verrückt.
      Als es dunkel wurde, fragte Ma Virajmohini, ob sie sich fürchte, die Nacht unter freiem Himmel zu verbringen. Bevor ihre Gefährtin verneinen konnte, kam zufällig ein langjähriger Devotee vorbei. Er war wie vom Donner gerührt, als er Ma und Virajmohini sah, beglückwünschte sich immer wieder zu dieser unerwarteten Begegnung und brachte sie in eine geeignetere Unterkunft.
      Am nächsten Tag fuhren sie nach Vrindavan und weiter nach Etawah. Am Bahnhof von Tundla sagte ein junger Mann: »Ma, ich habe dich in Sultanpur gesehen. Komm bitte jetzt mit nach Sultanpur.« Als er erfuhr, daß sie Fahrkarten nach Etawah hatte, tauschte er sie am Schalter gegen Karten nach Sultanpur um.
      In Allahabad stiegen sie in den Zug nach Sultanpur um und nahmen in einem für Frauen reservierten Abteil Platz. In Pratapgarh stieg eine Moslemin ein. Wie unter Inderinnen seit eh und je üblich, wollte sie gleich alles über ihre Mitreisenden wissen. Sie fragte Ma: »Wieviele Kinder hast du?« Ma antwortete: »Ich bin selbst ein Kind, wie könnte ich Kinder haben?« Die Frau schien sehr verblüfft über diese Antwort, und in kürzester Zeit waren sie in ein Gespräch über viele Themen vertieft. Virajmohini hatte auf dem Bahnsteig ein Kinderspielzeug für Ma gekauft, mit dem sie schon einige Zeit herumspielte. Jetzt gab sie es der Frau und sagte: »Heb dieses Spielzeug gut für mich auf.«
      Als die Frau aussteigen mußte, kamen ihr die Tränen. Sie gab Virajmohini ihre Adresse und bat Ma vielmals, sich mit ihr in Verbindung zu setzen, wenn sie wieder in diese Gegend käme. Vielleicht war diese Moslemfrau der Grund dafür, daß Ma ihre Reisepläne geändert hatte.
      In Sultanpur stieg Ma in einen beliebigen Bus und gelangte so nach Ayodhya, wo sie eine Woche blieb. Sobald die Devotees sie dort erkannten, reiste sie nach Lucknow ab. Im Zug lud ein Rechtsanwalt aus Barabanki sie in seine Heimatstadt ein. Sie sagte, sie wolle daran denken. Ma kam wieder nach Etawah und blieb dort dreieinhalb Wochen. Virajmohini nahm mit Dr. Pitambar Panth Kontakt auf.
      Damals sagte Ma ihm, er werde ihr als erster Arzt Medikamente verordnen, falls sie je ein solches Kheyala haben sollte. Jeden Abend besuchte er sie mit einigen Freunden an dem Tempel, wo sie logierte, und führte lange Gespräche mit ihr.
      Oft ging Ma am Flußufer spazieren und besuchte eine sehr arme Zigeunerfamilie, die dort kampierte. Sie boten Ma ein Papayablatt als Sitz an und sprachen so freimütig mit ihr, wie mit einer langjährigen Freundin. Wer weiß, ob ihr die Zigeuner nicht näher standen, als die Elite der Stadt? Sobald mehr Besucher eintrafen, reiste Ma aus Etawah ab. In Barabanki nahm Virajmohini mit dem Rechtsanwalt Verbindung auf, den sie im Zug kennengelernt hatten. Er war sehr froh, daß er ihr eine gute Unterkunft besorgen konnte. Er und seine Freunde hatten vier Tage Gelegenheit, mit Ma über die Wege zum spirituellen Ziel sprechen.
      Dann kam Ma nach Bareilly. Maharatan war überglücklich, Ma so unerwartet in seiner Stadt zu finden, aber es schmerzte ihn, daß sie wie die allerärmste Pilgerin reiste. Deshalb kaufte sie sofort auf dem Markt Wollkleidung, Decken und andere Dinge, die sie für nötig hielt. Nach ein paar Tagen sagte Ma: »Jetzt haben wir so viele warme Sachen. Laß sie uns auch benutzen! Wir fahren nach Nainital!«
      Im 1500 m hoch gelegenen Nainital trafen sie Krishna Panth am Busstand. Rein zufällig war er dort und staunte, Ma aus dem Bus steigen zu sehen. Ma bezog zur Freude der Ortsbewohner für einige Tage im Tempel der Naina Devi Quartier. Von Nainital fuhr sie über Bareilly, Agra und Delhi nach Lahore. Nach einem Tag im Kali-Tempel von Lahore reiste sie über Meerut nach Amritsar und Garhmukteshwar weiter. Von Meerut begleitete ein junger Mann namens Manik sie nach Garhmuk-teshwar, wo sie zwei Wochen blieb.
      Scheinbar aufs Geratewohl umherreisend kam Ma nach Deoghar. Sie erlaubte Virajmohini nicht, mit Pran Gopal Kontakt aufzunehmen, der über ihren Darshan hocherfreut gewesen wäre. Stattdessen fand Ma ein Zimmer in einer Dharmashala.
      Im Nebenzimmer bekam eine Frau plötzlich einen Anfall. Der Verwalter der Dharmashala empfahl ihrem Ehemann, die ›Mataji‹ nebenan um Hilfe zu bitten. Der Mann klopfte an. Als Virajmohini verstand, was er wollte, antwortete sie leicht irritiert, Ma sei keine Ärztin und könne bei solchen Krankheiten nicht helfen. Der Mann schob sich an ihr vorbei, fiel Ma zu Füßen, und bat sie, etwas für seine Frau zu tun. Ma sagte zu Virajmohini: »Laß uns sehen, was los ist.« Die Frau im Nebenzimmer schien sehr krank zu sein. Ihre Lippen waren blau, und ihre Hände und Füße kalt. Sie zitterte unkontrolliert. Nachdem Ma sie eine Weile angeschaut hatte, bat sie Virajmohini, ein wenig Fruchtsaft zu pressen und ihn der Frau zu trinken zu geben. Ma ließ das Fenster öffnen, überzeugte sich, daß die Kranke bequem lag und ging wieder in ihr Zimmer. Am nächsten Morgen war die Frau gesund. Virajmohini staunte sehr; an eine so schnelle Erholung hatte sie nicht geglaubt.
      Von Deoghar fuhr Ma nach Tarapeeth. Fast vier Monate lang war sie ohne Gefolge gereist; jetzt war sie von einer großen Menschenmenge umgeben, aber für sie war eins wie das andere. Wie ein geübter Befehlshaber verlegte sie ihr Heer von Devotees mit leichtem Marschgepäck von Ort zu Ort in Bengalen. Das Mittagessen aus diversen Gemüsen, Reis und Linsen wurde in einem großen Topf gekocht. Es wurde auf Bananenblättern serviert, was das Abräumen und Saubermachen erleichterte. Um Ma herum war ein ständiges Kommen und Gehen. Neue Leute begrüßten sie; andere nahmen nach ein oder zwei Tagen von ihr Abschied und reisten ab.
      Ein anderes Mal tauchte Ma plötzlich unter und behielt nur Ruma Devi bei sich. Sie blieben zwei Wochen in Navadvip auf einem Boot. Das Boot wurde tagsüber in die Flußmitte gerudert und nachts wieder in Ufernähe vertäut. Die Ortspolizei zog Erkundigungen über die ›zwei seltsamen Frauen‹ ein. Ramraj, der Bootsmann, sagte aus, sie seien Mahatmas und verhielten sich vorbildlich. Daraufhin übertrug die Polizei ihm die Verantwortung dafür, die beiden nach besten Kräften zu betreuen. Als die Devotees endlich das halbverfallene Boot in Navadvip fanden, war Ramraj von ihrer Dankbarkeit in Worten und Naturalien überwältigt. Ma stahl sich gelegentlich leise davon, aber nie für lange. Es bedarf intensiver Nachforschungen, den Zweck dieser Eskapaden in die Stille und ihrer willkürlichen Ortswahl zu ergründen. Manchmal zog sie zu Devotees, wie Aptap Mitra in Calcutta, Mukerji in Allahabad, Harish Banerji in Varanasi oder Jaipuria in Nainital usw. Ihr Gefolge spürte sie früher oder später auf. Mit ihrem gewohnten Gleichmut akzeptierte Ma die Stille wie die erneute Geschäftigkeit.

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