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11. Kapitel - Ganzheitliche Vollkommenheit

 

Swami Sivananda war überragend in seiner Weisheit, seiner Leistungsfähigkeit und seiner Lebenseinstellung. Er löste mühelos Probleme, die uns aus dem Konzept brachten. Aus Situationen, in denen wir zusammenbrechen würden, ging er siegreich hervor. Ereignisse, die uns vernichtet hätten, rührten ihn nicht. Das waren seine natürlichen großartigen Eigenschaften. Er war vollkommen in Einklang mit dem Unendlichen. Es gab einen bestimmten Rhythmus in seinem Leben, eine gewisse unverkennbare Routine, aber gleichzeitig auch eine gewisse Unberechenbarkeit. Das Beständige war der Geist der Entsagung, der Liebe, Hingabe und Selbstdisziplin.

Dieser Geist der Entsagung zeigte sich in einer einzigartigen Form von Nicht-
Anhaften. Niemand konnte die Menschen mehr lieben als Swami Sivananda. Das
wurde am offenkundigsten in seinem Verhalten gegenüber seinen Schülern. Da gab es praktisch nichts, was er nicht getan hätte oder nicht hingenommen hätte.

Es gab einen Swami im Ashram, der arbeitete mit Herz und Seele. Er war voller Energie, bedeutend und Swamiji tief ergeben, welcher ihn seinerseits sehr schätzte. Eines Tages wurde dieser Swami von einem wilden tollwütigen Hund gebissen. Obwohl er von Kopf bis Fuß übel zugerichtet war, erholte er sich dank seiner Stärke und Vitalität innerhalb von zwei bis drei Wochen. Wie Swami sich in der Zeit seiner Genesung um ihn kümmerte, lässt sich nicht in Worten beschreiben.

Der Swami hatte seine Arbeit schon wieder aufgenommen, als er plötzlich Schmerzen im linken Arm bekam. Als Swami Sivananda das hörte, bestellte er sofort ein Taxi und schickte den Swami in Begleitung eines Arztes in eine über zweihundert Meilen entfernte Spezialklinik. Swami Sivananda sagte zu dem Arzt: „Tu alles für ihn, ganz unabhängig von den Kosten.“ Am nächsten Tag kam ein Telegramm: „Swami geht es besser“. Als Swami Sivananda es las, strahlte er vor Freude. Er war außer sich vor Freude. Drei oder vier Stunden später, als er gerade sein Bad beendet hatte und essen wollte, kam ein weiteres Telegramm. Der Mann, der das Telegramm überbrachte, kämpfte so stark mit den Tränen, dass er es nicht vorlesen konnte. Swamiji las es und ein tiefer Schock zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, als er sagte: „Er ist tot“.

Am nächsten Morgen, als das Taxi mit dem Leichnam ankam, war Swami Sivananda gerade auf dem Weg zu seinem Büro. Er hat sich einmal umgedreht, um zu schauen. Er war sofort im Büro und erledigte weiter seine Arbeit, als wäre nichts geschehen. Vierundzwanzig Stunden zuvor hatte er alles fallen lassen und diesem Menschen seine volle Aufmerksamkeit und Fürsorge gewidmet. Er hatte ihm seinen eigenen Arzt mit auf den Weg nach Simla gegeben, aber nun, da er tot war, sprach er nicht mehr von ihm, außer im Abend-Satsang, wo er die Friedensgebete für die verstorbene Seele rezitierte. Er liebte ohne Anhaftung und war unverhaftet, ohne gleichgültig zu sein.

Aus diesem Geiste der Entsagung entstand wahre Demut. Das zeigt ein Ereignis am letzten Tag seiner Vortragsreise durch ganz Indien. Swamiji war durch ganz Indien und Ceylon gereist und von Millionen Menschen verehrt worden. Am letzten Tag war er in Delhi. Es ging ihm gesundheitlich nicht gut und er ruhte sich aus - nicht an dem Ort, den die Organisatoren vorgesehen hatten, sondern im Haus eines Anhängers, eines Armee-Offiziers. Nach dem Mittagessen ruhte er. Um 15.15 Uhr sollte er jemanden treffen. Und 5 Minuten nach 3 Uhr fragte er: „Ist es nicht Zeit zu gehen? Ist das Auto schon gekommen?“ Wir antworteten: „Ja, Swamiji, das Auto ist da.“ Unverzüglich stand er auf, nahm seine Tasche und stieg ins Auto. Aus dem Auto blickte er zurück und sah die Frau des Offiziers an der Tür stehen. Er fragte: „Kommen wir noch einmal hierher zurück?“ „Nein“. Swamiji wandte sich ihr zu und hob die gefalteten Hände zum Abschied. Das Auto setzte sich in Bewegung.

Zwei oder drei Minuten später sagte er. „Bittet den Fahrer noch einmal, zu dem Haus zurück zu fahren.“ Das Auto hielt am Eingang des Hauses. Er stieg aus und ging hinein. Die Dame des Hauses war nicht im Flur, sondern in der Küche. Und so ging er geradewegs hindurch ohne zu rufen oder zu klingeln. Er stand auf einmal vor ihr, faltete seine Hände, verbeugte sich vor ihr und mit Tränen in den Augen sagte er: „Bitte vergib mir.“ Sie konnte nichts sagen, sondern begann zu weinen. Swamiji sagte: „Ich musste noch einmal kommen, um mich ordentlich von Dir zu verabschieden. Ich sagte Danke an Dich einfach aus dem Auto heraus. Bitte vergib mir.“ Sie brach zusammen zu seinen Füßen und ergriff diese. Danach ging er zurück, setzte sich in das Auto und sagte: „Nun lasst uns gehen“. Als das Auto sich in Bewegung setzte, sprach er mehr als fünf Minuten lang kein Wort. Dann sagte er: „Von irgendwoher versuchte sich ein klein wenig Selbstgefälligkeit einzuschleichen. Mann muss sehr wachsam sein.“

Es gab keine Schwäche, weder in ihm, in seinem Herzen, noch in seinem Auftreten nach außen. Er konnte stark und unnachgiebig sein – und so war in seinem Fall Demut keine Falle oder ein Gefängnis. Seine Demut war voller Intelligenz und Weisheit. 1953 konnten wir das bei seiner Begegnung mit einem weltberühmten spirituellen Führer von Millionen Menschen in der ganzen Welt sehen, der schon zu seinen Lebzeiten als Inkarnation Gottes verehrt wurde. Swami Sivananda lag mit einem schweren Hexenschuss im Bett. Er konnte sich nicht einmal ohne Hilfe im Bett aufsetzen, aber sein Geist war wach und klar. Es war eine Freude ihn zu sehen, wie er, gestützt durch dicke Kopfkissen, aß, sich unterhielt und arbeitete. Er benutzte seine kräftigen Oberschenkel als Tisch. Er sagte: „Das Einzige, was ich nicht kann, ist, meinen Oberkörper zu drehen.“ Unglücklicherweise kam dieser spirituelle Führer gerade zu dieser Zeit, so dass er der einzige Heilige war, den Swamiji nicht ordnungsgemäß begrüßen konnte. Auf Swamiji’s Gesicht spiegelte sich sein gewaltiger Schmerz darüber: „So ein weltbekannter spiritueller Führer kommt, und ich bin nicht einmal in der Lage, aufzustehen und ihn richtig zu begrüßen.“

mit einem schweren Hexenschuss im Bett. Er konnte sich nicht einmal ohne Hilfe im Bett aufsetzen, aber sein Geist war wach und klar. Es war eine Freude ihn zu sehen, wie er, gestützt durch dicke Kopfkissen, aß, sich unterhielt und arbeitete. Er benutzte seine kräftigen Oberschenkel als Tisch. Er sagte: „Das Einzige, was ich nicht kann, ist, meinen Oberkörper zu drehen.“ Unglücklicherweise kam dieser spirituelle Führer gerade zu dieser Zeit, so dass er der einzige Heilige war, den Swamiji nicht ordnungsgemäß begrüßen konnte. Auf Swamiji’s Gesicht spiegelte sich sein gewaltiger Schmerz darüber: „So ein weltbekannter spiritueller Führer kommt, und ich bin nicht einmal in der Lage, aufzustehen und ihn richtig zu begrüßen.“

Dieser berühmte Führer war der einzige heilige Mann unter den vielen Heiligen, die der Swamiji empfing, der so abrupt von Swami entlassen wurde.

Demut sollte daher nicht mit Schwäche verwechselt werden. Echte Demut kann nur entstehen im Geist vollkommener Entsagung, verbunden mit der Erkenntnis, dass Gott alles ist; nicht nur, dass Gott in allem ist, sondern dass Gott alles ist.

Swamiji freute sich immer, wenn sein Geburtstag gefeiert wurde. Er gab sogar den Anstoß zu den Feierlichkeiten. Schon im April sagte er eines Morgens im Büro: „Venkatesananda Swami, hast Du schon die Rundschreiben vorbereitet, um zu Beiträgen für die Geburtstagsbroschüre aufzurufen? Das erste Rundschreiben sollte so lauten, das zweite so... Bestelle Musiker. Mach’ dies, mach’ das.“ Er initiierte das Ganze. Er erklärte auch warum: „Jede Gelegenheit zum Feiern ist gut. Es macht nichts wie man es nennt - Geburtstag, Guru-Purnima (Vollmondnacht des Guru; besonderes Fest zur Verehrung des Guru) oder Shivaratri („heilige Nacht Shivas“; Feiertag). Wenn Menschen zusammenkommen, gibt es einen schönen Satsang. Wen interessiert es schon, ob er in diesem Körper angebetet wird oder nicht?“ Später sagte er: „Wenn Menschen mich verherrlichen, besonders am Geburtstag, schlage ich mich, sobald ich in meinen Kutir zurückkomme, heftig mit einem Paar Schuhe und sage mir: „Was bist Du? Du erbärmlicher Körper aus Fleisch, Blut und Exkrementen? Du möchtest Girlanden? Kannst Du nicht abgerissene Kleider tragen? Glaubst Du, Du bist großartig? Du möchtest, dass man sich vor Dir niederwirft? Hier, nimm diese Girlanden.“

Am Geburtstag nahmen wir eine große, flache Schale, auf die er seine Füße setzte. 20 bis 30 Menschen saßen darum herum und brachten ihm Blumen auf seine Füße dar. Während wir diese Padapuja (Verehrungsritual der Füße des Guru) verrichteten, saß er dort, schaute diesen oder jenen an, und erkundigte sich nach dessen Wohlbefinden. Diese Menschen wären nicht in den Ashram gekommen, wenn nicht der Geburtstag gefeiert worden wäre, und so war dies eine guter Anlaß sie herzubringen.

Swami kümmerte sich auch aktiv darum, dass Biographien von ihm veröffentlicht wurden. Einmal besuchte die Frau eines bedeutenden politischen Führers den Ashram. Wie üblich wurde sie begrüßt und mit Kaffee und Früchten bewirtet. Swami Sivananda gab normalerweise jedem solcher Besucher einen Satz von Büchern, je nach dem, welche da waren, vor allem die neuesten Veröffentlichungen. Zufälligerweise waren gerade nur Biographien von Swami Sivananda von verschiedenen Autoren da. Die Biographien enthielten immer auch einige Kapitel mit seinen Lehren, ebenso wie seine anderen Bücher auch Teile seiner Biographie enthielten. Aber die Titel der Werke waren: „Sivananda - der Erlöser der Welt“; „Sivananda - Göttliche Inkarnation“; „Satguru Sivananda“; „Jagatguru Sivananda“ usw. Die Dame schaute die Bücher an und sagte missbilligend: „Swamiji, warum lässt Du es zu, dass all diese Biographien, diese ganze Selbstverherrlichung, in Deinem eigenen Ashram veröffentlicht wird?“

Seine Antwort war fantastisch. Niemand außer ihm wäre auf eine so einfache Antwort gekommen. Er sah sie an, als wäre sie seine eigene Tochter, und sagte sanft:

„Es ist das, was Dich hierher gebracht hat, glaube ich.“ Und das stimmte natürlich.

Die Dame war tief beeindruckt. Obgleich sie eine so stolze und mächtige Person war, verneigte sie sich sehr demütig. Sie stellte keine weitere Frage. Swami lächelte einfach und hatte keinerlei Anstoß daran. Da gab es weder Eitelkeit noch die Eitelkeit aus falscher Bescheidenheit. „Wie oft drückt sich Selbstgefälligkeit aus in Aussagen wie: „Seht, was für ein großartiger Mensch ich bin. So viele Leute haben über mein Leben geschrieben!“ Und es gibt eine andere Art von Eitelkeit: „Ich lasse derartigen Unsinn in meinem Ashram nicht zu. Ich billige es nicht, wenn Menschen mich verherrlichen. Was, sie haben mein Bild veröffentlicht? Zerreiße es.“ Letzteres nannte er Maha-Eitelkeit (höchste Eitelkeit). Er hatte weder das eine noch das andere. Man konnte über ihn schreiben, was man wollte.

Einmal sandte jemand aus Madras zwei Bücher mit auffallenden Titeln für eine Rezension; der Preis war noch auffälliger. Eines kostete 25 Rupien und das andere über 40. Damals waren Bücher sehr preiswert. Keine der Ashrampublikationen kostete mehr als 10 Rupien. Swami Sivananda sagte zu Swami Venkatesananda: „Schreibe eine freundliche Rezension, die wir im Divine Life Magazine abdrucken.“ Swami Venkatesananda nahm die Bücher mit in sein Zimmer und schlug eines davon willkürlich irgendwo auf. Die Sprache klang vertraut. Er hatte diese ganze Seite schon einmal irgendwo gelesen! In seinem Bücherregal hatte er die Bücher von Swami Sivananda stehen und nahm von dort das Buch Hatha Yoga heraus. Da war es − Wort für Wort: Der Text war einfach kopiert worden. Auf der Rückseite des Buches stand in dicker fetter Schrift: „Verwenden und Kopieren streng verboten. Das Copyright liegt beim Autor.“ Am nächsten Tag brachte er das Buch Swami Sivananda zurück. Swamijis einziger Kommentar war: „Es macht nichts. Was für einen erstklassigen Titel er erfunden hat. Er hat etwas Schönes herausgebracht. Letztlich dient es auch Verbreitung von Wissen, was sehr gut ist.“

Man musste jemanden wie Swami Sivananda erleben um zu verstehen, was Liebe bedeuten kann. Er war eine Verkörperung von Liebe, aber von einer allgemeinen, neutralen Liebe. Es war nicht das sentimentale, romantische Gefühl, das wir mit diesem Wort verbinden, sondern eine Liebe, die man nur als göttlich bezeichnen konnte. Sie schloss alle Arten von Liebe ein, die wir kennen, überragte und übertraf sie jedoch alle.

Schon in seiner frühesten Kindheit war er in der Lage, Gott in allen zu sehen und Gott in allen zu lieben. Seine meist zitierten Lieblingsaussprüche waren: „Sieh Gott in jedem Gesicht.“ „Liebe Gott in allen.“ „Diene Gott in allen.“ Er fasste diese Vorstellung in Worte, aber für ihn waren es keine bloßen Vorstellungen, sondern lebendige Wahrheiten.

SivanandaEr hat nicht einmal seine Schüler wie Schüler behandelt. Bevor ein Schüler sich verneigen konnte, faltete er seine Hände und fragte: „Jaya Bhagavan, geht es Dir gut?“ Seine Worte waren süß wie Honig, voller Liebe. Es waren nicht einfach nur Worte – Worte können wir überall verwenden – sondern das innere Gefühl, welches die Worte würzte, war das Besondere daran.

Einmal war er an Typhus erkrankt. Er wollte etwas frische Luft und auf den Ganges und den Himalaya schauen. Er stützte sich schwankend auf zwei Schüler. Am Ufer des Ganges saß Zalmataji, eine alte Parsi-Frau. Swamiji sagte: „Fragt sie, warum sie hier sitzt. Es ist sehr heiß. Fragt sie, ob sie etwas zu Mittag gegessen hat. Gebt ihr etwas zu essen!“

Was ist das für eine Liebe, die sich um eine alte Frau, die in der Sonne sitzt, kümmert? Wie kann jemand in einer solchen körperlichen Verfassung, an das Wohlergehen und die Bequemlichkeit anderer denken? Das war keine sentimentale Liebe. Swamiji war das Ganze, alles – so gab es keinen Raum für einseitige Sentimentalität. Nicht nur sein Geist, sein Herz und seine Seele, sondern seine gesamte Persönlichkeit lag in jeder Handlung, in jedem Gedanken, in jedem Wort und jeder Tat. Er war ganz Herz, ganz Seele und immer völlig in Einklang mit allem, mit dem Ganzen. Wenn er einen Schüler ermahnte, dann nur deshalb, weil dieser Schüler ein integraler Bestandteil seiner selbst war. Je distanzierter ein Schüler war, umso mehr Liebe brachte er ihm entgegen. Aber wenn er ein bisschen näher rückte, wollte er ihn polieren und verfeinern und nur dann geschah es, dass er manchmal ein wenig barsch erschien und selbst das nur sehr, sehr selten. Wenn es einmal geschah, konnte man sehen, dass es nur wegen seiner großen Liebe zu dem Schüler war. Einmal, bevor er einen seiner Schüler anging, der einen Fehler gemacht hatte, sagte er: „Ich habe die letzten drei Tage darüber nachgedacht. Ich habe die letzten drei Nächte nicht einmal geschlafen.“ Jeder andere hätte sich den Schüler gegriffen und gesagt: „Tue das nicht.“ Aber nein, es könnte ja den Schüler verletzen. Also sogar wenn eine solche Ermahnung einmal zur Sprache gebracht werden musste, schob er sie hinaus und hinaus. Er dachte darüber nach, meditierte darüber und schlief darüber in der Hoffnung, es würde sich von selbst auflösen, dass der Betroffene aufwachen und seinen Irrtum entdecken würde. Wenn nichts half, sagte er schließlich ein bisschen etwas – um dann den fehlgeleiteten Schüler mit Früchten und Honig zu überhäufen. Was für eine wunderbare Liebe, die keine menschliche sondern eine göttliche Liebe war, obwohl sie alle menschlichen Bestandteile enthielt. Er war sehr herzlich und das Wohlergehen aller war ihm ein außergewöhnliches Anliegen, aber das war nicht alles – er schuf den Ashram für die spirituelle Entwicklung eines Jeden.

Swami verteilt Prasad mit LiebeAm meisten Freude bereitete ihm das Verteilen von Prasad. Im Jahre 1947 wurde sein 60ster Geburtstag („Diamantenes Jubiläum“) gefeiert und es waren eine Menge Laddhus (indische Süßigkeiten) übrig. Drei- bis viertausend Menschen hatten am Geburtstag, am Tag davor und am Tag danach im Überfluss gegessen. Alle hatten Laddhus bekommen, aber einer der Räume im Gebäude des Postbüros war immer noch halb voll mit Süßigkeiten. Sie waren hoch gestapelt
bis zur Decke! Von dem Tag an − seit dem 10. September – war er etwa 10
Tage lang überglücklich. Jeder, der zu ihm kam, bekam zwei Hände voll Laddhus!

Swami war besonders glücklich, wenn er die Menschen dazu überreden konnte, noch ein bisschen mehr zu essen. Deshalb ignorierte er eine seiner „Zwanzig Spirituellen Anweisungen“, sobald jemand in den Ashram kam. „Iss ein wenig, trink ein wenig“, pflegte er zu singen. (als spirituelle Anweisung zur Mäßigung, aber das konnte man umsetzen, wenn man wieder zu Hause war! Anmerkung des Herausgebers) „Du sollst Dich fühlen, wie zu Hause.“ Wenn er Prasad, Früchte oder Süßigkeiten verteilte, schaufelte er mit seinen riesigen Händen und gab sie Dir. Man musste sie sofort aufessen. Das zu beobachten bereitete ihm riesige Freude. Es begeisterte ihn, wenn er an die hundert Menschen sitzen und nach Herzenslust essen sah.

Anfangs war er recht streng bei der Einhaltung gewisser Vorschriften wie Fasten an Ekadashi (elfter Tag der vierzehntägigen Mondphase), aber später wurden auch diese Regeln gelockert. Menschen brachten ihm Früchte und Süßigkeiten als Geschenke ins Büro und im Nu wurde das Ganze an alle um ihn herum verteilt.

Swami SivanandaEinmal entstand daraus eine etwas verzwickte Situation. Eine sehr treue Anhängerin aus Südindien, Bombay war in den Ashram gekommen und hatte eine ganz besondere Art von Süßigkeiten mitgebracht, von denen sie wusste, dass Swami Sivananda sie sehr gern mochte. Sie war eine Expertin in der Zubereitung dieser Spezialität und hatte sichtlich viel Mühe damit gehabt. Sie kannte seine Gewohnheit, Prasad an alle zu teilen und hatte das schon mit eingerechnet, aber sie brach fast in Tränen aus, als sie sah, wie er den Teller einem Schüler gab, um ihn an alle weiter zu geben, ohne selbst etwas davon zu nehmen. Ihr Herz sank. Swami Sivananda sagte zu dem Schüler, der verteilte: „Du musst ihr auch etwas geben“, als er plötzlich ihren Gesichtsausdruck sah. Schnell sagte er: „Oh Swamiji, warte. Bringe es her, der Rest ist für mich. Ich esse es alles. Bitte gib es nicht weg.“ Er sah das Gesicht der Dame aufblühen, ihre Wangen wurden rosig. Er nahm ein wenig und irgendwie ging die Platte erneut in der Runde herum.

Swami Venkatesananda erinnerte sich an das folgende Ereignis:
Es war an einem Sonntagnachmittag. Sonntags nahm Swamiji nur Früchte und Milch zu sich. Als ich zu seinem Kutir kam, um Arbeiten zu erledigen, bat Swamiji auf einmal um einen Korb mit Früchten. (Früchte waren in jenen Tagen nicht so einfach zu bekommen.) Als sein Assistent zögerte, ging Swamiji selbst rasch in die Küche und nahm den Korb mit den Früchten. Sein Assistent eilte herbei, um zu helfen und Swamiji kam heraus, gefolgt von seinem Assistenten mit dem Korb in der Hand. Swamiji nahm eine Orange und eine Banane heraus. Der Assistent murmelte: „Swami, diese Orangen sind extra für Dich besorgt worden. Sie sind im Moment sehr schwer zu bekommen. Da Du nichts anderes als Früchte isst heute, sind sie speziell für Dich reserviert. Bitte gib keine Orangen weg.“ Swamiji schaute ihn an. Dann nahm er eine Orange und gab sie mir, und schnell noch eine weitere für einen anderen Schüler.

Auch die Fische bekommen ihren Anteil ...Der Assistent, der nicht wusste, was er tun sollte, verlor seine Geistesgegenwart und rief: „Genug, genug, es sind nur noch vier Stück da.“ „Vier?“, sagte Swamiji. „Ich brauche keine vier. Wenn diese Orange etwas so Seltenes ist, müssen auch die Fische ihren Anteil bekommen.“ Er nahm eine weitere Orange und begann sie augenblicklich zu schälen. Dann begann die Opfergabe. Stück für Stück warf er ins Wasser. Ein Ausdruck tiefer Ehrerbietung lag auf seinem Gesicht und er beobachtete zufrieden wie die Fische aus dem Wasser auftauchten und jedes Stückchen der Orange schnappten, so wie es die Oberfläche des Wassers berührte. Die Freude, die er beim Teilen empfand, war unbeschreiblich.

Die zweitgrößte Freude – nur übertroffen vom Verteilen von Prasad - machte ihm das Verschenken spiritueller Literatur. Er schickte sie kostenlos an Hunderte von Menschen in der ganzen Welt. Die Pakete mussten eingeschrieben geschickt werden. Jedes einzelne berührte und segnete er und er prüfte auch die Adresse. Er pflegte zu sagen: „So überreiche ich dem Empfänger die Bücher, auch wenn dieser Tausende von Meilen entfernt ist.“

Swamiji gab immer; und dieses Geben kam weder aus Eitelkeit noch in Erwartung einer Belohnung, sondern aus reiner göttlicher Liebe in Form von Dienst, Geben von Essen, von Wissen, sich selbst geben in jeder Beziehung.

Gewaltlosigkeit war ganz natürlich für ihn. Er war außer Stande, die Gefühle anderer zu verletzen. Wer ihn gekannt hat, weiß, dass seine Worte sanft und süß waren.Nicht ein barsches Wort, nicht eine unfreundliche Bemerkung kam je von seinen Lippen, weil sie überhaupt nicht in seinem Herzen waren. Er war nicht in der Lage, gegenüber irgendjemand ein Gefühl von Hass oder Unfreundlichkeit zu hegen. Nichts in der Welt konnte ihn beunruhigen, mit Ausnahme der Vorstellung, dass vielleicht ein gut gemeintes Wort von einem Schüler missverstanden worden war und dessen Gefühle verletzt haben könnte. Einmal plagte ihn ein schlechtes Gewissen wegen eines edlen Ratschlags, den er gegeben hatte; das Ausmaß, zu dem er ging, um dem Schüler zu versichern, dass er die allerhöchste Meinung von ihm habe und nur lebte, um ihm zu dienen, war unglaublich.

Ohne Zweifel sind seine Schriften voller Ermahnungen, und seine Vorträge teilweise auch. Im Gespräch war er jedoch immer reine Liebe, voller Lob und Ermutigung. „Verletze niemals die Gefühle anderer, sei freundlich zu allen“, war eine seiner menschenfreundlichsten Lehren und es gab niemand, der dies so vollkommen praktizierte wie er.

In der Praxis missbilligte er sogar berechtigte Empörung und in einem Fall, in dem andere Meister die Anwendung der „Peitsche“ fordern und billigen würden, wandte er nichts anderes an als die Methoden, die er uns gelehrt hatte: „Diene, liebe, gib, meditiere.“ Diene dem Menschen, den du formen und verändern willst; liebe ihn, meditiere und bete für ihn. Das ist der Weg der Gewaltlosigkeit.

Swamiji wurde Gewaltlosigkeit zur positiven Eigenschaft kosmischer Liebe – Liebe in Gedanke, Wort und Tat; Liebe im täglichen Leben, jeder Minute, mit jedem Atemzug. Sie durchdrang selbst den Weg, auf dem er ging. Er war eine stattliche Erscheinung, aber seine Füße bewegten sich so sanft, so leicht, dass niemand ihn hören konnte. Wenn er die Straße entlang ging, war es eine Freude, einfach dazustehen und ihn zu beobachten. In seinem Schritt war Gewaltlosigkeit. Wenn er den Fuß aufsetzte, war es Liebe; nicht einmal ein trockenes Blatt, wurde zerquetscht und selbst wenn er auf Ameisen trat, wurden sie nicht verletzt - so sanft waren seine Bewegungen.

Der Prüfstein für jemanden, der in Gewaltlosigkeit verankert ist, ist, dass er auch nicht einen Augenblick lang ertragen kann, wenn jemand leidet, ohne buchstäblich zu eilen, um den Schmerz zu lindern. Wenn Swamiji ein Bad im Ganges nahm und ein Insekt ins Wasser gestürzt war und um sein Leben kämpfend vorbei trieb, nahm er es in die Hand, ohne auch nur darüber nachzudenken und setzte es ans Ufer. Einmal sagte er, ohne eine Spur von Ekel: „Wenn ein Wurm oder ein Insekt in einem Fäkalienhaufen um sein Leben kämpft, nehme ich es und beschütze es.“ Er erlaubte auch anderen nicht, irgend einem Wesen auf der Erde Schaden zuzufügen.

An einem heißen Tag im Jahre 1955 versuchte ein Mönch des Ashrams einen Affen zu vertreiben, der Wasser aus einem Tonkrug trinken wollte, der als Trinkwasser neben dem Büro stand. Als Swamiji dies sah, rief er aus dem Büro heraus: „Lass ihn trinken.“ Der Mönch hielt inne und der Affe konnte seinen Durst löschen. „Du kannst eines Menschen Herz nicht an der Menge karitativer Werke erkennen, die er ausübt, oder an dem großen Krankenhaus, das er bauen lässt“, kommentierte er. „Beobachte, wie er sich bei alltäglichen Ereignissen verhält. Wenn Du Wasser vom Fluss herausgeholt hast und ein Affe verdirbt es, wie reagierst Du im ersten Moment? Welcher Gedanke taucht als erstes spontan auf? Was ist dein erster Impuls? Das zeigt, ob Du ein Heiliger bist oder nicht.“

Swamiji zwang anderen niemals eine Lehre auf. Im Jahre 1944 kam er auf der Fahrt von Rishikesh nach Bombay auch am Bahnhof von Delhi vorbei. Einige junge Männer, die in Delhi arbeiteten und gleichzeitig die Zweigstelle der Divine Life Society in Delhi leiteten, kamen zum Bahnhof, um ihn kurz zu treffen. Swamiji kam an und sprach mit ihnen. Er sprudelte vor Energie und Begeisterung. Man muß ihn gesehen haben, um zu verstehen, was das heißt, „eine strahlende Persönlichkeit“. Swamiji fragte einen von ihnen: „Wie geht es Deiner Frau?“ „Sie ist nicht hier, Swamiji. Sie ist nach Madras zurück gegangen.“ „Lass sie dort“, sagte Swamiji, „Führe ein unabhängiges Singeldasein. Lass sie dort bleiben.“ Aber der Mann war sehr verliebt in seine Frau und sagte: „Aber wie lange muss ich alleine bleiben, Swamiji? Ich bin nicht sonderlich glücklich darüber.“ „Ist das so? Oh, dann solltest Du sie unverzüglich zurückholen“, erwiderte Swamiji.

Einmal kam ein noch recht junger Mann, bereits ein Bettelmönch, in den Ashram. Er hatte einen wunderschönen fließenden Bart. Er sagte zu Swami Sivananda: „Ich möchte hier bleiben und einer deiner Sannyasin-Schüler werden.“ „Dann musst Du den Kopf und den Bart abrasieren“ sagte Swamiji. Der junge Mann stimmte zögernd zu. Als er das bemerkte, fügte Swamiji schnell hinzu. „Aber Du kannst sie danach gleich wieder wachsen lassen. Die Rasur ist nur für die Einweihungszeremonie notwendig.“ Er sagte, was er sagen wollte, aber er beobachtete sehr genau, ob der Mensch freudig und glücklich darauf reagierte oder ob er nur gezwungenermaßen darauf einging. In letzterem Fall machte er sofort einen Rückzieher. Es war fantastisch und bemerkenswert zu beobachten.

Einmal gab es ein Missverständnis zwischen zwei seiner Schüler. Einer klagte den anderen an, er verhalte sich beleidigend. Swami ruhte gerade in seinem Lehnstuhl, als die beiden kamen. Der Mann, welcher sich schlecht betragen hatte, stand neben Swamijis Füßen, als ihn plötzlich ein Gefühl, eine Emotion, überkam. Er hob die Hände zum Schwur und sagte: „Swamiji ich lege das Gelübde ab....“ Er hatte vor zu sagen, dass er niemals mehr jemanden beleidigen wolle.

„Oh, halt ein, halt ein“, sagte Swamiji und ließ ihn den Satz nicht vollenden. „Wie kannst Du wissen, was Du später tun wirst? Du legst jetzt ein Gelübde ab und wenn Du es morgen brichst, wird es Dich belasten. Du wirst außer dir sein, denn Du wirst nicht nur in Deine schlechte Angewohnheit zurückgefallen sein, sondern auch Dein Gelübde gebrochen haben. Sage lieber: ’Ich werde es versuchen, mit Gottes Gnade.’ Vorsätze ja, Gelübde nein.“

Angst vor öffentlicher Kritik fehlte Swami Sivananda völlig. Er sagte, man soll nicht überheblich sein und die Gesetze der Gesellschaft nicht verletzen, aber trotzdem das tun, von dem man weiß, dass es richtig ist. Wenn er demzufolge etwas tat, machte er es nicht unter Missachtung der öffentlichen Meinung, aber ohne die öffentliche Meinung zu fürchten. Und wenn er etwas unterließ, geschah dies, weil es nicht richtig war, und nicht, weil er vor der öffentlichen Meinung Angst gehabt hätte. Wenn etwas nicht rechtens war, konnte nichts in der Welt ihn dazu bringen, es zu tun und er tat alles, was er für rechtens hielt, ohne Rücksicht auf Kritik. Er sagte: „Wenn Du Angst hast, etwas zu tun, dann tue es gleich und werde so die Angst los.“ Swamiji war immer würdevoll und geschmackvoll gekleidet, aber zu Beginn des Sommers saß er nur mit einem Langoti bekleidet am Gangesufer und rieb sich mit Öl ein. Er kümmerte sich nicht darum, wenn Menschen ihn dabei anstarrten oder über ihn lachten; das war ihre Angelegenheit, nicht die seine.

Eines Tages sagte Swamiji: „Manche Leute hier haben einen „Rhizinusöl“- Ausdruck. Das mag ich nicht. Sie müssen fröhlich sein und lachen. Sie sollten strahlen wie der Sonnenschein.“ Er beschloss, einen Lachwettbewerb zu veranstalten. Er bat Swami Venkatesananda, mit ihm zu lachen und der Ashramfotograf musste es aufnehmen. Nach Büroschluss gingen sie zum Ganges hinunter. Es war Winter, deshalb trug Swamiji einen Mantel. Er bestand darauf, dass Swami Venkatesananda auch einen Mantel anziehen müsse. Tische und Stühle wurden gebracht. Sie setzten sich und Swamiji sagte: „Ok, nun lasst uns lachen“. Er machte einen Scherz und sie fingen beide an zu lachen und hörten nicht mehr auf. Die Schüler, die dabei waren, freuten sich unbändig. Die vorbeikommenden Pilger machten große Augen vor Verblüffung. Swamiji kümmerte sich nicht darum, was sie dachten.

Schon in der Anfangszeit im Swarg Ashram, noch vor der Gründung des Sivanandaashrams, wurde Swami Sivananda von den anderen Swamis kritisiert. Religiöse Menschen sagten über ihn: „Oh er ist ein Hausvater-Swami, obwohl er die orangefarbene Robe trägt, denn er beschäftigt sich mit Geldangelegenheiten und veröffentlicht all diese Literatur. Ein Swami sollte nichts selbst in die Hand nehmen, wenn er irgendwo hingeht. Er sollte nicht einmal sein Wassergefäß selbst tragen. Ein Schüler sollte das tun.“ Jene, die ein solches Verhalten als ihre Regel angenommen hatten, kritisierten ihn natürlich, aber das berührte ihn nicht, noch reagierte er darauf. Man hatte auch noch nie von einem Swami gehört, der Kirtan sang und tanzte. Ein Swami durfte sich noch nicht einmal vor anderen verbeugen. Swamiji fing an, sich vor allen zu verbeugen. Auch dafür wurde er kritisiert und die Menschen machten sich über ihn lustig. Sie dachten, er sei eine Art Schauspieler, weil sie einer anderen Schule angehörten. Sie dachten, ein religiöser Mann müsse sehr gesetzt und ernsthaft wirken, die ganze Zeit über Brahman nachdenkend. Aber muss man die Welt zurückweisen, um Brahman zu erlangen? Diese Philosophie passte nicht zu Swami Sivananda. Einer seiner Kritiker sagte später: „Damals haben einige von uns Swami Sivananda kritisiert. Aber jetzt erkennen wir, dass er Recht hatte und wir Unrecht.“

Swamiji nannte sich selbst einen „Mantel“-Swami, so als ob er sich damit selbst herabsetzen wolle. Aber wenn er einem seiner jungen Schüler einen Mantel gab, erklärte er: „Warum glaubst Du, ein Mantel sei etwas anderes als eine reine Wolldecke? Andere hüllen sich in Wolldecken, was ungeschickt und ungeeignet ist für aktive Tätigkeit. Du trägst genau so eine Decke, nur zerschnitten zusammengenäht, so dass Du Dich damit bewegen und arbeiten kannst.“

Ein Besucher, ein überzeugter Nationalist, fragte Swamiji: „Warum trägst Du ausländische Kleidung?“ Swamiji erwiderte: „Für einen Sadhu ist Sackleinen, Seide oder Baumwolle, indisch noch ausländisch, nicht von Belang. Ich nutze gern Dinge, die mir von aufrichtig Suchenden gegeben werden. „Und“, fügte er hinzu, „sich allein in Khaddar (selbstgewebte Kleidung) zu hüllen, ist kein Kennzeichen von wahrem Patriotismus. Spinne den Faden von Viveka (Unterscheidungskraft), webe ein Tuch aus Shanti (Frieden), trage das daraus gefertigte Kleid von Brahma-Jnana (Gottesverwirklichung) und werde so ein wahrer Patriot.“

Er hatte überhaupt keine Angst vor ansteckenden Krankheiten. Ärzte waschen normalerweise ihre Hände in Lysol, wenn sie einen Patienten auch nur an der Wange berühren. Aber er hatte keinerlei Bedenken. Ein Mann hatte einmal eine höchst bösartige Art von Pocken – er starb auch daran. Swamiji besuchte ihn regelmäßig, ohne sich nachher zu waschen oder seine Kleidung zu wechseln. Er behandelte auch Menschen, die gefährliche Krankheiten wie Cholera und Typhus hatten. Er pflegte sie ohne die geringste Furcht. Er dachte nicht einmal über solche Sachen nach.

Ebenso hatte er auch keine Angst, seinen Ruf zu verlieren. Er tat, was kein anderer seines Ranges je machen würde. Er gab Menschen zu essen, Kleidung oder Unterkunft, die ihn kritisierten. Wenn Du ein Sadhaka (spiritueller Anwärter) mit einem bisschen spirituellem Streben warst, das es wert war, bewahrt und gefördert zu werden oder wenn du Fähigkeiten und Talente hattest, die irgendwie für die Allgemeinheit von Nutzen sein könnten, ließ er dich im Ashram bleiben, auch wenn Du ihn direkt oder hinter seinem Rücken kritisiert hast. Er lobte einen sogar, wohl wissend, dass man ihn kritisiert hatte.

Er kümmerte sich niemals um die öffentliche Meinung. Während der Kumbha Mela (berühmtes religiöses indisches Fest mit Millionen von Besuchern) in Haridwar im Jahre 1930 verbreitete jemand das Gerücht, Swami Sivananda würde demnächst heiraten. Einer von Swamijis Schülern brachte diese Neuigkeit in den Ashram und war wütend darüber. Als er es Swamiji erzählte, sagte dieser: „In Ordnung, errichtet ein Podium für ihn! Lasst ihn all das vom Podium herab verkünden. Alle, die es hören, werden hierher kommen, um die Heirat mit zu erleben oder um heraus zu finden, ob es stimmt oder nicht. Ich kann ihnen dann allen meine „20 Spirituellen Anweisungen“ geben und sie zum Kirtansingen anleiten.“

Seine Furchtlosigkeit kam aus einem unmittelbaren Verständnis dessen, was richtig ist. Er ließ sich nie in Streitgespräche über seine Überzeugung ein, reagierte niemals auf eine Herausforderung, noch versuchte er, seine Gegner zu überzeugen. Wenn einer seiner Schüler überzeugt war, seine Art, etwas zu tun, sei richtig und Swamijis falsch, sagte er: „In Ordnung, mache es auf Deine Weise.“ Später entdeckte der Schüler meist, dass er Unrecht gehabt hatte und Swamiji Recht. Wenn ein Besucher versuchte, mit ihm zu argumentieren, ging er überhaupt nicht darauf ein. Er hörte sich alles, was der andere zu sagen hatte, sehr genau und geduldig an, dann bot er ihm eine Tasse Tee, Obst und Bücher an. Was geschah mit dem Streitgespräch? Er tat weiterhin das, von dem er wusste, dass es gut war, mit der Furchtlosigkeit, die auf dem Verständnis der Einheit beruhte.

Als Erleuchteter sah Swamiji eine Vorstellung eben auch als eine solche an und betrachtete sie nicht als Realität. So hatte er zum Beispiel den Namen „Swami Sivananda“. Er akzeptierte, dass er so genannt wurde. Aber er ließ nicht zu, dass dieser Name (diese individuelle Form) mit seiner spirituellen Essenz in Verbindung gebracht wurde. Wenn er Lob oder Kritik bekam, konnte er zwischen den Tatsachen und dem Bezug auf den Namen und die Vorstellung unterscheiden, welche nur eine funktionale Realität hatten, und eben nicht mehr als das, und die deshalb keinerlei Bezug zu seiner wirklichen Essenz, also zur echten Wahrheit, hatten. Zwei Ereignisse veranschaulichen dies: Im Jahre 1953 organisierte Swamiji ein „Parlament der Religionen“. Eine ganze Reihe Gelehrter verschiedener Glaubensrichtungen waren eingeladen worden und es gab viele andere, die einfach nur daran teilnahmen. Demzufolge handelte es sich um eine Veranstaltung, an der nicht nur Schüler und Anhänger von Swami Sivananda teilnahmen, weshalb die Stimmung des Publikums schwer abzuschätzen war.

Da es ein internationales Publikum war, wurde fast alles auf Englisch geleitet, mit Ausnahme der Beiträge von ein, zwei Swamis, die der englischen Sprache nicht mächtig waren; sie sprachen auf Hindi oder Tamil oder in einer anderen Sprache.

Am zweiten Tag gab ein Swami, der auf dem Podium saß, den Organisatoren einen Zettel: „Ich wünsche Zeit eingeräumt zu bekommen zum Sprechen.“ Der Organisator sagte: „Nein, da ist keine Zeit mehr.“ Swamiji, der ebenfalls auf dem Podium saß, beobachtete das mit den Augenwinkeln. Der Zettel wurde ihm weitergereicht. Er sagte: „Lasst ihn sprechen. Ich werde heute nicht sprechen.“

Der Mann stand auf, ergriff das Mikrophon, so dass es ihm niemand mehr wegnehmenkonnte und 10 Minuten lang machte er nichts anderes als Swami Sivananda zu kritisieren und zu beschimpfen: „Er lebt in Nordindien, wo die Sprache Hindi ist, trotzdem schreibt und spricht er Englisch.“ (Es handelte sich um ein Parlament der Religionen und nicht um eines der Sprachen, aber das interessierte diesen Menschen überhaupt nicht. Er war einzig in der Absicht gekommen, Swami Sivananda öffentlich anzugreifen.) Swamiji sagte fortlaufend: „Sehr gut, sehr gut.“ (selbstverständlich in Hindi!). Alle anderen Anwesenden wurden wütend, aber Swamiji blieb ganz ruhig, so als wolle er sagen: „Das ist deine Ansicht, dein Weg – rede weiter.“ Er hatte keinerlei Wunsch, sich zu rechtfertigen oder den Mann zu überzeugen, dass seine Bücher wegen ihrer weltweiten Verbreitung auf Englisch sein mussten.

Der Ausdruck auf Swamijis Gesicht, als er diese Rede hörte, war eine Mischung aus intensiver Aufmerksamkeit und Belustigung. Er nahm die Argumente zur Kenntnis, die der Swami präsentierte, aber persönliche Angriffe auf „Swami Siva nanda“ bedeuteten nichts weiter, denn für ihn war das nur eine funktionale vorübergehende Bezeichnung, ohne jegliche dazu in Verbindung stehende Realität.

Auch als einer seiner eigenen Schüler ihn kritisierte und sich beklagte, das Essen sei unausgewogen und nicht gesund, hörte er mit großer Aufmerksamkeit und Geduld zu und am Ende bat er einen Ashrambewohner, speziell für den sich beklagenden Schüler zu kochen. Die persönlichen Angriffe hatten keine Relevanz für ihn. Er war niemals außer sich, wenn jemand „Swami Sivananda“ kritisierte und niemals freudig erregt, wenn jemand „Swami Sivananda“ verherrlichte; aber aus der Kritik und dem Lob entnahm er die Tatsachen und diese ließ er niemals unbeachtet.

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Religiöse Freiheit

Swami Sivanandas Philosophie und Lehren waren unmittelbar aus seinem Leben abgeleitet. Sein Leben war seine Lehre, seine Lehre war sein Leben. Er widersprach nicht der orthodoxen Tradition. Er hielt selten Vorträge, aber er schrieb eine Menge und in seinen Werken gab er überwiegend traditionelle Lehren weiter. Dabei ließ er seinen eigenen Geist einfließen, insbesondere indem er die schwierigsten Prozesse einfach und unangenehme Wahrheiten verlockend erscheinen ließ. Sowohl im Leben wie auch in seinen Lehren zeigte sich sein großer Sinn für Humor und Einfachheit.

Swami war Anhänger des nondualistischen, monistischen Advaita-Vedanta (Philosophie der absoluten Einheit). Glaube an Gott ist kein essentieller Bestandteil des Advaita-Vedanta. Die nondualistische Doktrin impliziert die vollständige Abwesenheit von Dualität.

Der Monismus sagt: „Es gibt nur Eins, Gott, der allgegenwärtig ist, ist überall.“ Wenn man diese Philosophie hört, drängt sich die offenkundige Frage auf: „Warum soll man dann Gott in einem Tempel, einer Kirche oder einer Synagoge verehren? Warum verehrt man dann Gott nicht überall?“ Die Schwierigkeit ist: Wenn man zum Beispiel diese Seite anschaut, sieht man sie als Papier und nicht als Gott, denn der Geist ist so konditioniert, dass er nicht in der Lage ist, diese Konditionierung fallen zu lassen. In der Praxis hatte Swamiji eine recht interessante, bemerkenswerte Haltung, die sich in seinem täglichen Leben widerspiegelte. Es war eine außergewöhnliche, schöne Kombination von Bhakti (Gottesliebe, Hingabe) und Jnana (Weisheit). Wenn ihm etwas Gutes geschah, sagte er: „Oh, das ist Gottes Gnade.“ Wenn er ein Wunder bewirkte, sagte er: „Es ist alles Gottes Gnade.“ Das ist die Bhakti-Einstellung. Wenn seine Beine schmerzten oder ihm ein schweres Unglück zustieß, pflegte er zu sagen: „All das existiert nicht wirklich.“ Das ist die Jnana- Einstellung.

Bezüglich Bhakti hielt er sich soweit wie möglich an bestimmte Regeln und Vorschriften. Zum Beispiel hielt er gewisse religiöse Feiertage ein und dabei machte er den Eindruck eines extrem orthodoxen Brahmanen. Die Art und Weise, wie er sein Bad nahm, sich anzog und sich die heiligen Pulver auf die Stirn auftrug, ließen den Eindruck entstehen, als hänge er peinlich genau an diesen Regeln und Vorschriften. Dennoch bezeichnete er sich nicht als Bhakta und verzichtete darauf, Vedanta zu studieren und zu meditieren. Er bevorzugte die ganzheitliche Yoga-Praxis - nicht nur dies oder jenes. Beide, der Bhakta und der Monist, verfangen sich in der gleichen Illusion des Ego, indem sie jeweils einen Aspekt des Yoga verleugnen.

Swami Sivananda kritisierte jedoch keine dieser beiden Einstellungen. Das war sein besonderer Geist. Er versuchte, alles einzubeziehen in dem Wissen, dass all das auf einer bestimmten Entwicklungsstufe für einen Menschen eines bestimmten Temperaments wichtig ist. Er wusste, dass dies Stufen sind, die zu dem selben Ziel führen und dass, wenn man einmal in der Verehrung des Idols den Kern berührt, man unweigerlich erkennt, dass das, was man in dem Bildnis verehrt, auch in einem selbst ist. Wie es in den Upanishaden heisst: „Das, was in der Sonne scheint, scheint auch in mir.“ Seine Genialität lag in der Verschmelzung dieser anscheinend widersprüchlichen Grundsätze.

Als Swamiji in Rishikesh ankam, gab es zwei vollkommen gegensätzliche Lager. Eines, wo es hieß: „Vergiss all dein Vedanta, das Hinterfragen und die Meditation. Die Vision Gottes zu haben, ist das höchste Ziel. Um dies zu erreichen, musst Du ein Idol verehren.“ Die andere Seite nannte diese „Götzenverehrer“, unfähig zur Meditation, die die unvergleichliche Philosophie der Upanishaden nicht verstanden. Es gelang Swami Sivananda auf wunderbare, feinfühlige Art und Weise, die eine Gruppe ein bisschen nach oben und die andere ein wenig nach unten zu bringen. Er forderte niemanden heraus. Wenn jemand sagte: „Gott ist in diesem Bildnis“, stimmte er sofort zu und fügte hinzu: „Komm, baue einen kleinen Schrein für dein Idol. Verehre es dort.“ Dann kam jemand anderes und erklärte: „Ich glaube nicht an all das, Swamiji. Ich kann mein Bewusstsein auf die siebte Ebene erheben.“ Swamiji argumentierte niemals mit ihm. Er verstand auch einen Fanatiker und verdammte ihn nicht, weil der Fanatiker zwar etwas sieht, aber nicht reif genug ist, zu sehen, dass dies nicht das vollständige Bild ist. Man muss ihm Zeit lassen, zu dieser Reife zu gelangen. So verbeugte sich Swamiji oft und stellte auch die Fanatiker zufrieden.

Er kümmerte sich nicht um Religionszugehörigkeit und Glaubensbekenntnis eines Menschen. Er mischte sich da niemals ein, noch unterstellte er, dass eine Religion richtig und eine andere falsch oder eine der anderen überlegen sei. Für ihn war eine Religion so heilig wie die andere, ein Name Gottes so richtig wie der andere.

Von seiner Liebe angezogen lebten Hindus und Moslems, Christen und Juden, Parsen und Buddhisten wie eine Familie in seinem Ashram. Anfangs zeigten einige hinduistische Ashrambewohner Ansätze von Separatismus, aber Kraft seines persönlichen Beispiels berichtigte er das in kürzester Zeit.

1938 nahm er einmal einen christlichen Besucher mit in den Speisesaal des Ashrams. Die Hindus hörten auf zu essen und verließen den Raum mitten während der Mahlzeit. Daraufhin nahm Swamiji den Christen persönlich mit in die Küche, breitete eine Matte für ihn aus zum Sitzen und servierte ihm das Essen persönlich.

Religion ist letztlich ein Abenteuer zwischen dir und Gott. Swami Sivananda legte keinen Wert darauf, anderen seine Lehren, Überzeugungen, Glauben oder selbst seine Gottverwirklichung aufzudrängen. Er hörte bereitwillig jedermann zu, auch wenn er eine diametral entgegengesetzte Ansicht vertrat. Eine seiner berühmtesten Aussagen war: „Reiße die Schranken nieder, die den Menschen vom Menschen trennen.“ Das sagte er hunderte von Malen in vielen Vorträgen. Er sagte: „Solange du das Gefühl hast, dass du gänzlich und vollkommen verschieden von anderen bist, entweder weil du Hindu bist und er Christ oder weil du Inder bist und er Europäer oder aus irgendeinem anderen Grund, ist auch die Gefahr von Hass und Zerstörung da. Erkenne, dass du ein Mensch bist. Die Religion ist deine persönliche Angelegenheit.“

Im Hinduismus gibt es ein paar Hauptströmungen (ähnlich wie es im Christentum Katholiken, Protestanten, Adventisten usw. gibt). Es gibt die Vaishnavas, die Vishnu als ihren Gott betrachten und die Shaivas, für die Shiva Gott ist. Manche sind fanatisch, dass sie niemals an einen Ort gehen würden, der von der jeweils anderen Richtung verehrt wird. Ein Shaiva dieser Sorte zum Beispiel würde dein Haus nicht betreten, wenn du dort ein Bild von Krishna hättest, so wie vielleicht ein orthodoxer Jude nicht irgendwo hingeht, wo sich ein Bildnis Gottes befindet.

Einmal kam ein Swami des Shaiva-Ordens in den Ashram. Am Tag vor seiner Ankunft sagte Swami Sivananda: „Morgen kommt er an. Sorgt dafür, dass kein Bild von Rama oder Krishna in der Meditationshalle ist. Hängt ein Shiva-Bild auf. Singt nur „Jaya Ganesha, jaya Ganesha, jaya Ganesha pahimam, Sri Ganesha, Sri Ganesha, Sri Ganesha Rakshamam.“ Ihr könnt es ein paar Mal wiederholen und dann Om namah Shivaya, Om namah Shivaya, Om namah Shivaya. Kein Hare Rama, hare Krishna.“

Ein gelehrter, frommer, sehr orthodoxer Moslem kam öfter in den Ashram. Als Moslem gab es bestimmte Dinge, die er nicht tun konnte, andere musste er tun. Swamiji wies seine Schüler folgendermaßen an: „Er wird jetzt namaz, moslemische Gebete, durchführen. Stört ihn bitte nicht. Das mag er nicht, gebt ihm das nicht. Er mag dafür das, bringt ihm das. Legt ihm eine Gebetsmatte ins Zimmer.“ Er hatte große Achtung vor der religiösen Praxis anderer Menschen.

Swamiji hatte Glauben an alle, aber selbst praktizierte er das, was er praktizieren wollte. Er hatte seinen eigenen Lebensstil und ließ sich nicht von dem beeinflussen, was andere sagten. Er forderte niemals jemanden heraus noch zwang er jemanden, etwas gegen sein eigenes Gewissen zu tun. Seine Schüler im Ashram hatten die verschiedensten Ansichten, aber er liebte und respektierte sie alle. Nicht das Wort, nicht das Konzept, sondern die Verwirklichung der Allgegenwart Gottes. Diese Verwirklichung lebte als Swami Sivananda.

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Einstellung zum Geld

Swamijis spontane, überwältigende, bedingungslose Großzügigkeit entsprang nicht irgendwelchen Motiven. Wo immer er einen Bedarf feststellte, gab er und sprach danach nie mehr davon. Dem Ashramleiter und dem Schatzmeister bereitete es oft Kopfschmerzen, eine Persönlichkeit wie Swami Sivananda als Kopf zu haben. Er gab, gab, gab und gab. Er schien keine Vorstellung davon zu haben, woher das Geld dafür kam oder wohin es floss. Aber natürlich wusste er es, obwohl sie dachten, er wisse es nicht. Er war sich die ganze Zeit bewusst, dass die Quelle auch das Ziel ist. „Es kommt von Ihm und kehrt zu Ihm zurück. Wir sind nur Kanäle. Wir denken, wir führen diese Institution, diesen Ashram, aber wir sind nur Treuhänder“, sagte er einmal.

Mindestens einmal pro Jahr erlebte der Ashram eine finanzielle Krise. Swami Sivananda dachte dann ernsthaft über die Lage nach und sagte: „Wir werden sehr vorsichtig sein. Wir werden keine neuen Aspiranten in den Ashram aufnehmen.“ Das hielt ein paar Tage an. Bald kam dann ein armer Mann, ohne auch nur Kleidung zum Wechseln zu besitzen und bat, im Ashram bleiben zu können. Swamiji sagte dann sofort: „Ja, ja... lasst ihn besser hier bleiben. Wohin sollte er sonst gehen? Macht euch keine Sorgen wegen der Kosten. Jeder Mensch bringt seine eigene Ration mit. Bevor Gott ihn hergeschickt hat, hat Gott schon das Essen für ihn in die Küche geliefert.“

Das waren nicht einfach nur Worte. Wenn man in sein Gesicht, in seine Augen schaute, wusste man, er sprach die Wahrheit. In ihm gab es überhaupt keinen Zweifel, kein In-Frage-Stellen. In ihm war diese Wahrheit lebendig. Er wusste, dass Gottes Wille allein vorherrscht.

„Wenn wir Bankrott machen sollen, wird es auf jeden Fall geschehen. Kein Grund, sich Sorgen zu machen“, sagte er. Der Ashramleiter gab nach, und die Tore wurden wieder geöffnet –sonst wäre die nächste finanzielle Krise nicht so bald gekommen!

Einmal ereignete sich eine klassische Tragödie. Ein junger Mann hatte sich dem Ashram angeschlossen. Er arbeitete pausenlos und unermüdlich und war in jeder Hinsicht brillant. Er hatte Swamijis Herz erobert. Swamiji liebte und bewunderte ihn und schenkte ihm sein Vertrauen. Er machte ihn fast zum Allmächtigen. Er war gleichzeitig Leiter der Post, Schatzmeister und inoffiziell beinahe der Ashramleiter. Er war verantwortlich für die Kasse und darüber hinaus erledigte er auch noch literarische Arbeiten für Swami Sivananda. Er war so dynamisch. Aber kaum eine halbe Stunde, nachdem er eines Tages den Ashram verlassen hatte, stellten wir fest, dass er unterschlagen hatte. Wie viel wussten wir nicht. Da er sowohl Kassierer wie Postchef gewesen war, konnte niemand so richtig einschätzen, in welcher Höhe er den Ashram betrogen hatte. Alles was wir wussten, war, dass im ganzen Ashram kein einziger Cent mehr aufzufinden war. Diese Nachricht verbreitete sich in Rishikesh. Wieder einmal sagte der Lebensmittel händler sehr höflich zum Ashramleiter: „Es ist besser, wenn ihr eine Weile lang eure Einkäufe bar bezahlt“, denn der Ashram schuldete ihm bereits eine Menge. Das war der schlimmste Schicksalsschlag in der Geschichte des Ashrams. Und was machte Swamiji? Absolut nichts. Er freute sich über das Ganze wie über einen großen Spaß. „Wie war es ihm nur möglich, uns derart zu betrügen? Er war so ein tüchtiger Mensch. Er muss ein Genie sein.“ Zwei Dinge wiederholte er immer wieder: „Er muss ein Genie sein, weil ihm das gelungen ist“ und „aber er hat eine Menge Arbeit geleistet.“ Er fügte hinzu: „Wir müssen ihm Geld geschuldet haben. Aber er hätte mich fragen können, ich hätte es ihm gegeben.“

1946 kam ein Geschäftsmann aus Südindien in den Ashram. Er wusste, dass Swamiji großen Wert auf die Verbreitung spirituellen Wissens legte und dass es ganze Regale voller Bücher gab, die vom Ashram gedruckt und veröffentlicht worden waren. Er sagte deshalb zu Swami Sivananda: „Ich kann deine Bücher in Südindien verkaufen und vermarkten.“ Er nahm eine große Büchersendung mit. Später, als der Ashramleiter an die Adresse schrieb, die er von dem Geschäftsmann erhalten hatte, kam der Brief zurück mit der Aufschrift „Adresse unbekannt“. Der Sekretär war bestürzt. Swamiji sagte: „Wenn du die Einstellung hast, du bist das Selbst des Menschen, der dich betrogen hat, dann wärst du nicht enttäuscht. Wenn Gott alles und allgegenwärtig ist, was ist dann Stehlen? Stehlen heißt einfach nur, eine Sache von der rechten in die linke Hand geben. Wenn du dein eigenes Selbst im anderen erkennst, tut es dir nicht nur nicht leid, sondern du freust dich eventuell sogar darüber.“ Mehr wurde darüber nicht gesprochen.

Eines Nachts wurde in den Ashramtempel eingebrochen, obgleich eine Reihe von Menschen auf der überdachten Veranda schlief, welche die vier Seiten des Tempels umgab. Die silberne Schüssel und andere Silberbehälter fehlten. Der Priester, der den Verlust bemerkte, berichtete Swami von dem Diebstahl. Statt ernst zu bleiben wurde er neugierig. „Die Leute haben direkt dort geschlafen, als der Diebstahl stattfand?“ Er brach in Lachen aus. „Das muss ein sehr cleverer Dieb gewesen sein. Wenn er ausfindig gemacht werden sollte, zeichne ich ihn mit dem Titel Chora Shikaman, „Experte im Stehlen“ aus.

Einmal kam ein mittelloser blinder Junge in den Ashram. Swamiji nahm ihn auf und überschüttete ihn mit Liebe. Der Junge jedoch machte sich in Begleitung eines Sehenden aus dem Staub und nahm ein Harmonium mit. Swamiji zuckte lediglich mit den Achseln. Gott in dem blinden Jungen zu dienen war seine heilige Pflicht und Freude. „Was ich für Gott in ihm tat, hat keinerlei Bezug zu dem, was er mir getan hat“, sagte er. „Durch den Verlust des Instrumentes wird mein Karma ausgearbeitet. Tatsächlich hat der Junge mich nicht bestohlen, sondern mir geholfen, indem er mich von diesem Karma befreit hat.“ Er nannte das dann gupta (heimliche Wohltätigkeit), wo der Empfänger einem die Mühe des Gebets abnimmt. Er brauchte es und nahm es. Das war alles. Swamiji ließ es so erscheinen, als ob es keinen Diebstahl gegeben hätte. Wir fanden, er sollte statt Swami Sivananda Swami Givananda genannt werden – der sich am Geben erfreut. Er wusste, dass alles von der Quelle kam und zur Quelle zurückkehrte. Materielle Überlegungen in Form von Buchhaltung kümmerten ihn überhaupt nicht. Sein eigenes Leben ist der Beweis, dass eine solche Großmütigkeit keinen Bankrott nach sich zieht. Er pflegte sehr oft zu sagen: „Geben hat noch nie einen Menschen arm gemacht.“

Einmal war ein Treffen mit einem Multimillionär engagiert worden, der ein fanatischer Hindu war. Alles, was dieser hören wollte, war: „Sanatana Dharma (die ‘ewige Ordnung’, wie die Hindus ihren Glauben bezeichnen) allein ist richtig“. Während Swami Sivananda zu diesem Treffen geleitet wurde, deutete der Sekretär des Multimillionärs an, dass dieser Swami Sivananda unterstützen und eine große Hilfe bei seiner Mission sein könnte. Swami Sivananda wurde von dem reichen Mann großartig empfangen, der dann seine Standartfrage stellte: „Swamiji, was hältst du vom Islam? Ist das auch eine Religion?“ „Oh ja, ja.“ „Der Koran ist also auch das Wort Gottes?“ fragte der Millionär. „Ja, ja“, erwiderte Swamiji. Er kehrte mit einem Teller voller Früchte als Geschenk zurück. Die meisten verteilte er an Ort und Stelle. Sivananda war nicht käuflich!

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Eine neue Definition von Gesundheit

Swamiji hatte seit seinem 35. Lebensjahr Diabetes, später auch Hexenschuss und verschiedene andere gesundheitliche Probleme. Aber sein Gesicht strahlte und leuchtete, seine Augen sprühten vor Energie und Humor und jede seiner Bewegungen war voller Liebe und Weisheit. Sein Geist war ausgesprochen lebhaft, auch wenn der Körper schwach war.

Selbst körperlich war er sehr anziehend. Seine kräftige Gestalt trug noch zu seiner Attraktivität und Majestät bei. Seine Haut war rein und strahlte wohlgepflegt. Seine Kleidung war immer makellos sauber. Selbst wenn sein Körper krank war, lag ein außergewöhnliches Leuchten auf seinem Gesicht.

Einmal, als er mit Typhus danieder lag, war sein Körper so schwach, dass wir ein, zwei Mal dachten, er würde sterben. Selbst damals glühten seine Augen und sein Gesicht strahlte. Er hatte etwa drei Wochen lang sein Zimmer nicht mehr verlassen können und wollte die Sonne und den Ganges sehen. Langsam führten wir ihn hinaus und er lag in seinem Lieblingssessel. Es sah aus, als sei er ganz in Ordnung. Er war wundervoll anzuschauen und er lachte, scherzte und sprach mit den Menschen. Etwa nach einer Stunde sagte er: „In Ordnung, nun lasst mich zurück gehen ins Bett. Wartet, ich möchte versuchen, selbst aufzustehen.“ Er drückte seine Füße fest auf den Boden, hielt sich an der Lehne des Sessels fest und versuchte, sich aufzurichten, hochzuziehen und... brach zusammen – glücklicherweise zurück in den Sessel. Als er zusammenbrach, begann er zu lachen. „Hm, die Beine haben ihre Kraft verloren. Nicht ich, sondern die Beine.“

Die Art, wie er auf die vielen Krankheiten und Leiden, denen sein Körper ausgesetzt war, reagierte, kann man als eine revolutionäre Neudefinition des gesamten Konzepts von Gesundheit sehen. Gesundheit ist ein Zustand des Geistes, ein Stadium inneren Wohlbefindens, dank dem man funktionieren, seine Aufgaben ohne zu stöhnen und zu klagen erledigen kann. Gesundheit heißt nicht nur, dass der Körper medizinisch gesehen frei von Krankheiten ist. Swamiji machte es gar nichts aus, Medikamente zu nehmen; jedes Mal nach dem Essen gab es einen ganzen Teller voll! Seine Philosophie war, wenn man Essen für den Körper aufnehmen kann, kann man genauso gut auch etwas anderes nehmen, was Medizin genannt wird.

Nicht einmal während all seiner Krankheiten klagte oder jammerte er. Wenn die Ärzte zu ihm kamen, fragte er sie: „Und wie steht es mit Ihrer Gesundheit?“ Auch wenn die Swamis des Ashrams ihn am Krankenlager besuchten, erkundigte er sich nur nach ihrer Gesundheit und bat sie, auf sich aufzupassen. Auch wenn er im Bett lag, führte er seine Arbeit auf wunderbare Weise fort. Er war enorm wach und immer in einem Zustand inneren Wohlbefindens. Manchmal funktionierte der Körper 100-prozentig, manchmal nur zu 80 oder 70 Prozent und er passte sich einfach an.

Swami Sivananda achtete sehr auf seine Sehkraft, und auch seine Stimme war ihm sehr wichtig. Er hatte zeitlebens eine metallglockenartig klingende Stimme und hatte dafür eigene besondere Übungen. Er pflegte auch seine Zähne sehr sorgsam. Er sagte: „Wenn man keine ordentlichen Zähne hat, kann man nicht gut sprechen und auch nicht richtig essen.“ Er übernahm jede Empfehlung, die irgend ein Arzt zur Zahnpflege gab. Das morgendliche Zähneputzen war ein großes Ritual. Er wollte die Instrumente nicht verlieren, mit denen er der Menschheit diente.

SivanandaAuf den riesigen Mantel zeigend, der seine gewaltige Gestalt in den 50er Jahren einhüllte - es war zu Anfang des Winters und die Tage wurden kühl - sagte er mit einem Kichern: „Ich sehe in diesem Aufzug zweifellos modisch aus. Aber ich lege keinen Wert darauf, was die Welt über mich sagt. Solche Dinge sind notwendig, um den Körper in gutem Zustand zu halten, um das gute Werk fortzusetzen, das jetzt durch ihn geleistet wird. Alles was man hat, muss man der Welt geben, sonst verdient das Leben seinen Namen nicht. Dafür muss man die physischen und auch die geistigen Fähigkeiten instand halten. Ich werde nur Hexenschuss bekommen, wenn ich meinen Rücken in meinem Alter der Kälte aussetze. Wenn man von Rückenschmerzen geplagt ist, wie kann man dann sich selbst oder der Welt von Nutzen sein? Der einzige Gewinner ist die Pharmaindustrie.

Alles Neue, das ich lerne oder erfahre, teile ich sofort der Menschheit mit. Ich kann keine Zeit verlieren, andere nicht sofort bis ins Kleinste daran teilhaben zu lassen. So muss ich immer in Aktion sein. Wie könnte ich es mir erlauben, den Zustand des Instrumentes zu gefährden im Namen einer überholten Askese und Kasteiung? Man kann sich nur in geeignetem Zustand für das Dienen halten durch das Vermeiden von Extremen und gleichzeitig genau darauf achten, nicht dem Luxus und der Verwöhnung anheimzufallen.“

Im Sommer liebte es Swamiji zu schwimmen. Er hatte einen kahlen Kopf und saß dann nackt, bis auf einen Lendenschurz am Gangesufer und rieb Kopf und Körper gründlich mit Öl ein, bevor er ins Wasser ging. Er hatte seine eigenen Gesundheitstipps und Vorstellungen vom Sonnenbaden. Nicht nur die Haut musste der Sonne ausgesetzt werden, sondern auch die Zunge und die Zähne. Er saß dann da im Freien, lächelte und grinste die Sonne an und streckte die Zunge heraus, um sie in der Sonne zu baden.

Er liebte auch Gymnastik und Sport sowie Spaziergänge. Schon als Schüler war er so gut in Gymnastik, dass der Lehrer ihn oft die Klasse unterrichten ließ. In den Anfangsjahren im Ashram band er oft seinen Dhoti (ind. Kleidungsstück) hoch und lief rund um die Bhajan-Halle. Er schrieb einmal: „Menschen im Berufsund Familienleben, die beruflich bedingt viel sitzen müssen, sollten mindestens ein paar Mal um das Gebäude laufen oder sogar im Zimmer. Während der Alltagstätigkeiten öfter einmal tief zu atmen, sich zwischendurch ein paar Minuten inmitten anstrengender Arbeit zu entspannen, ist sehr wichtig, um anhaltende Gesundheit und jugendliche Energie aufrecht zu erhalten.“

In späteren Jahren bemerkte er: „Obwohl meine harten Askeseübungen meine Gesundheit ruiniert und zu schweren Reaktionen geführt haben, habe ich meinem Körper nicht erlaubt, unter den heftigen Attacken unterzugehen. Meine Übungen haben mich gestärkt. Selbst jetzt übe ich noch regelmäßig jeden Tag. Ich lasse es den Krankheiten nicht zu, mich zu überwältigen. Obwohl sich manchmal alles in meinen Kopf dreht, wenn ich aufstehe, überwinde ich es, gehe den Berg hinauf, mache meinen Kopfstand usw. und dann gehe ich wieder an meine Arbeit. Ich sprenge alle Fesseln, halte weiterhin spontane, kraftvolle Reden und halte erst ein, wenn ich erschöpft bin. Dazwischen kann mich nichts stoppen. Es überrascht mich selbst, wie ich das überhaupt bewältigen kann. Während ich mich manchmal zu schwach fühle, um zu stehen, spüre ich, wie Kraft und Stärke mich durchströmen, sobald ich aufstehe. Gott allein weiß, woher diese Kraft kommt. Diese Energie ist nicht die meine. Ich bin lediglich ein Instrument. Aber so viel weiß ich: Es ist das systematische Üben, wodurch ich dieses physische Instrument in einem geeigneten Zustand gehalten habe, um Kanal zu sein für den plötzlichen Fluss dieser Energie.“

Swamijis Geist war scharf, wachsam, voller Energie und Kraft. Er weigerte sich, den Launen des Körpers nachzugeben. Wenn er seine Beine wegen Hexenschuss und Rheuma nicht bewegen konnte, bestand er immer noch darauf: „Ich komme. Ich werde im Büro arbeiten.“

Um ins Büro zu kommen, musste er Treppen steigen. Das ging, so lange der Körper bei guter Gesundheit war, aber wenn er Hexenschuss hatte und nicht so leicht gehen konnte, nahm er einen langen Stock, mit dessen Hilfe er die Treppen erklomm. Später, als das nicht mehr ging, ließ er sich von jemandem hoch helfen. Aber der Körper wurde nicht entschuldigt; was getan werden musste, wurde getan. Eines Tages war niemand in der Nähe, um ihn zu stützen. Da bückte er sich und kroch hinauf. Es gab keinerlei Verzweiflung, keine Ausreden, kein Stöhnen nicht einmal so etwas wie Hemmungen.

Wie muss ein solcher Geist beschaffen sein, der in der Lage ist, körperliche Leiden zu überwinden? Was ist das für ein Geist, der dafür sorgt, dass der Körper, obgleich schwach, gewisse Aufgaben, zu denen er noch fähig ist, freudig, mit ganzem Herzen und hervorragend verrichtet? Diesen Gemütszustand nennt man Gesundheit, in dem nicht einmal ein alternder Körper die innere Kraft auch nur einen Augenblick lang dämpfen oder schwächen kann. Diese Art geistigen Wohlbefindens besaß er Zeit seines Lebens. Man kann es dem zuschreiben, was umgangssprachlich als Erwachen der Kundalini-Energie bezeichnet wird. Das hat er nie erwähnt. Aus seinem Inneren floss die Energie überreichlich. Sie erfüllte ihn und strömte ständig von ihm aus.

1953 fand das Parlament der Religionen im Ashram statt, zu dem Hunderte von Besuchern kamen. Drei Tage lang war der Ashram ein Bienenstock voller Aktivitäten. Am letzten Tag wurde das Programm durch Swami Sivananda verlängert und schloss erst nach Mitternacht, als Swamiji sich zurückzog. Einer der Besucher, der Sprecher des indischen Parlamentes, wollte am nächsten Morgen sehr früh abreisen und hatte Swami Sivananda gefragt: „Kann ich dich vor meiner Abreise noch einmal kurz sehen?“ Swamiji hatte eingewilligt.

Der Sprecher suchte ihn um fünf Uhr morgens auf. Wir konnten kaum die Augen offen halten, aber Swamijis Gesicht zeigte nicht die Spur von Müdigkeit. Er war kaum zwei oder drei Stunden vorher zu Bett gegangen und war doch in der Lage sich ungezwungen zu unterhalten. Egal wie hart oder wie viel er arbeitete - selbst noch im Alter von über 60 - er hatte immer ein solch faszinierendes Leuchten, sprühende Vitalität und überschießende Energie, sowohl körperlich als auch geistig, die ihn erfüllte und überströmte und andere mit Begeisterung erfüllte. Swami Paramananda sagte einmal: „Wenn er nur eine Strasse entlang geht, sammelt sich eine Menschenmenge um ihn. Da braucht es vorher keine Ankündigung und Werbung. Er könnte in London eine Strasse entlang gehen
und würde eine Menschenmenge anziehen.“

Swamiji praktizierte regelmäßig Asanas...Swamiji schrieb diesen ständig sprudelnden inneren Spring brunnen von Energie seiner regelmäßigen Praxis von Asanas, Pranayama und Meditation sowie der Mantra-Wiederholung zu, besonders aber dem Pranayama. Er erkannte, dass Pranayama - nicht einfach nur Atemübungen - eine direkte Wirkung auf das Nervensystem und den Geist hat. Es ruft einen inneren Zustand des Wohlbefindens hervor, der sich von dem, was wir herkömmlich Gesundheit nennen, erheblich unterscheidet. Das verlieh ihm ein phänomenales Gedächtnis und eine wunderbare Fähigkeit zu Ashtavadhana (acht Dinge gleichzeitig erledigen zu können). Pranayama reinigt die Nadis (feinstoffliche Energiekanäle), das Nervensystem und stärkt den Geist. Seine kraftvolle Intelligenz konnte hundert Leuten gleichzeitig Arbeitsanweisungen geben. Jeder seiner Besucher wusste, dass er in Swamijis Gedächtnis gespeichert war und er sich selbst nach einem Jahrzehnt noch an ihn erinnern würde, sollten sie sich erneut treffen. Er konnte sich nach 30, 40 Jahren an ein Gesicht erinnern, selbst wenn es sich verändert hatte. Wenn jemand, den er als kleines Mädchen getroffen hatte, nach mehr als 30 Jahren wieder vorbeikam, konnte er bemerken: „Du siehst aus wie ein kleines Mädchen, das ich dann und da getroffen habe.“ Und die Besucherin antwortete dann: „Ja Swamiji, das war ich.“

Solche Fälle gibt es haufenweise. Während seiner Vortragsreise durch ganz
Indien traf er z.B. den Ersten Minister von Mysore, Sri K.C. Reddy auf dem
Flughafen von Bangalore und unterhielt sich ein paar Minuten mit ihm. Zwei
Jahre später kam Mr. Reddy nach Rishikesh und Swamiji erkannte ihn sofort,
obwohl Mr. Reddy ganz anders gekleidet war. Sadhu Murugadas besuchte den
Ashram im Jahre 1940 und sang wunderschöne Bhajans. Acht Jahre später kam
er erneut und gab ein wunderbares Konzert. Als er schließen wollte, erinnerte
ihn Swamiji: „Was ist mit dem schönen Gebet, mit dem du letztes Mal geendet
hast – Asato Ma Sat Gamaya?“

Als Arzt war Swami Sivananda sich zwangsläufig über die Nutzlosigkeit, den Körper zu verhätscheln, im Klaren. Er hatte keine Illusionen in Bezug auf das menschliche Leben. Er wusste, dass die körperliche Lebensenergie begrenzt ist, dass eine Zeit kommt, wo der Körper altert und das Energieniveau sinkt.

Einmal ging er die vielen Treppen zum Tempel hinauf. Auf halber Höhe setzte er sich auf eine Stufe. Ein junger Knabe, der ebenfalls im Ashram lebte, kam die Treppen herunter gerannt. Swamiji sah ihm voller Bewunderung nach. „Ah, er ist voller Energie. Ich war auch einmal so, aber jetzt kann dieser Körper das nicht mehr.“

Er sagte einmal: „Wenn ich in Malaysia gewusst hätte, dass ich später mit dieser Art von Aktivität beschäftigt sein würde, welche nicht nur einem Patienten oder einem Nachbarn Nutzen bringt, sondern der ganzen Welt, hätte ich etwas mehr Energie bewahrt. Ich hätte mehr auf mich selbst geachtet und nicht soviel Energie verbraucht.“ Er wusste, dass man die Energie auf fruchtbare, intelligente und weise Art einsetzen muss und dass der Tod unvermeidbar ist, auch wenn man noch so lange lebt. Deshalb legte er nicht um seinetwillen Wert auf gute Gesundheit. Er hatte nicht den Wunsch, in diesem Körper zu leben, es sei denn für den Dienst an anderen. Jede Sekunde seines Lebens wurde der Körper nicht nur überredet zum Dienst an anderen, sondern geradezu dazu gepeitscht. Der Körper wurde gut behandelt und versorgt und es wurde ebenso viel Arbeit aus ihm herausgezogen.

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