Geistige Einstellung und Stress

Stress hat Einfluss auf die Psyche und die Psyche hat Einfluss darauf, wie schnell eine äußere Situation als unangenehmer Stress erlebt wird.

Erfahre einiges über positives Denken und die 4 Faktoren, die die Resilienz oder Stressresistenz erhöhen können. Diese Faktoren können dazu beitragen, dass du nicht so schnell in ein Gefühl der Hilflosigkeit, der Angst, der Frustration, der Energielosigkeit gerätst, wenn außergewöhnliche Herausforderungen kommen oder einfach der Stress des Alltags nicht endet oder immer mehr wird.

In unserer schnelllebigen Zeit ist Stress ein ständiger Begleiter. Lass dich vom Stress nicht überwältigen oder krank machen. Du kannst deine Einstellung zu dir selbst, zu anderen und zum Leben bewusst gestalten, innere Kraft entwickeln, deine Resilienz aufbauen, deine Widerstandsfähigkeit erhöhen und auf der Welle des Stresses aufsteigen.

Reaktionsmuster bei Stress

Geistige Einstellungen bestimmen die Reaktionsmuster bei Stress. Man weiß nämlich: Verschiedene Menschen reagieren auf gleiche Herausforderungen unterschiedlich.

  • Es gibt Menschen, die bei einem bestimmten niedrigen Stresslevel eine bestimmte Leistung haben. Interessanterweise: Steigt der Stresslevel, steigt auch die Leistung und irgendwann fällt die Leistung ab. Ab einem gewissen Punkt würde man sagen, ist der Mensch krank und kann nichts mehr Großartiges bewirken. Das ist jetzt Person X.

  • Es gibt interessanterweise auch eine Person Y, die ist relativ beständig, wenig Stress – schon eine bestimmte Leistung, mehr Stress – Leistung steigt nur leicht, und eine ganze Weile ist die Leistung in etwa gleich, und dann sinkt sie auch ab.

  • Dann gibt es Person Z: wenig Stress – wenig Leistung, mehr Stress –  mehr Leistung, noch mehr Stress – noch mehr Leistung, und noch mehr Stress – noch mehr Leistung, und es dauert eine ganze Weile, bis die Leistung runtergeht. Man könnte auch sagen, Person Z fährt unter Stress zur vollen Leistung hoch. Wenn große Belastungen sind, dann fühlt sich Person Z richtig wohl und voll in der Kraft. Aber auch für Person Z gilt: Irgendwann, wenn es zu viel wird, dann kommt auch dort der Zusammenbruch.

Es gibt einige empirische Forschungen in der westlichen Psychologie und auch in der Medizin darüber, was Person X und Person Z voneinander unterscheidet.

Person Y gibt es relativ selten, und Typ Y ist auch nicht zu beliebt; das sind die, die ihre Sache immer gleich machen, egal wieviel zu tun ist. Das heißt, ist viel zu tun, machen sie trotzdem langsam weiter und das empfinden die Kollegen nicht als besonders schön. Denn wenn es schwierig wird, ist Person Y weiter gemütlich.

Also, Person X und Person Z sind da besonders interessant. Was sind die Unterschiede zwischen Person X und Person Z?

Video: Stress abbauen durch positive Lebenseinstellung

Stress abbauen durch positive Lebenseinstellung

Die Salutogenese, die Wissenschaft von der Gesundheitsentstehung, die empirische Psychologie und die Stressforschung (vor allem in Amerika) haben vier Faktoren identifizieret, die sich im Umgang mit Stress als hilfreich erweisen. Man kann tatsächlich seine Stressresistenz – beziehungsweise heute sagt man Resilienz – erhöhen, indem an diesen vier Faktoren gefördert werden.

1. Engagement (englisch: involvement)

Sich engagieren bei dem was man macht; was man macht, mit Herz und Energie tun; Absorbiert-Sein in die anfallende Arbeit/Tätigkeit; Spaß haben an dem, was man macht.

2. Selbstverantwortung (englisch: self-responsibility)

Erkennen von Handlungsalternativen und Selbstvertrauen in die eigene Fähigkeit, Handlungsalternativen zu realisieren: “Ich habe die Situation unter Kontrolle und kann sie beeinflussen”. Situationen planen und aktiv gestalten, anstatt nur passiv zu reagieren.

3. Sinn/Bedeutung (englisch: meaning)

Vertrauen, dass alles, was geschieht, zum Besten ist. Möglichkeiten:

  • Glaube an einen Sinn im Leben
  • Philosophische Einstellung
  • Gottvertrauen
  • „Misserfolg“/“Fehler“ als Lernerfahrung
  • Leben als Lernprozess
  • Karma
  • Langfristige Ziele helfen, kurzfristige „Fehlschläge“ hinzunehmen

4. Liebe (englisch: love)

Liebe zu sich selbst und zu seinen Mitmenschen. Gute und enge Beziehungen bestimmen das Ausmaß an sozialer Geborgenheit. Bei einem fehlenden sozialen Netzwerk ist der Mensch bis zu 50% krankheitsanfälliger, die Sterbe- und Selbstmordrate steigt. Kontinuierliche und emotionale Unterstützung ist wesentliche Voraussetzung für Entwicklung der Persönlichkeit und von Fähigkeiten zur Stressbewältigung. Kontakte zu pflegen und Bestätigung der eigenen Person fördern das Selbstbewusstsein.

Was heißt das? Grundsätzlich heißt das, Person Z hat mehr „Involvement“, hat ein besseres Gefühl von „Control“, hat ein größeres Gefühl von „Meaning“, und erfährt auch mehr „Love“.

Erläuterung der vier Faktoren zur Steigerung der Stresstoleranz und Resilienz

1. Das erste, „Involvement“, wird auf Deutsch gerne übersetzt als Engagement.  Das schöne deutsche Wort „Engagement“. Das heißt, wenn man sich engagiert bei dem was man macht, dann ist man weniger gestresst als wenn das was man macht einem sowieso wenig Freude macht. Wenn man etwas mit Herz und Energie tut, dann machen einem kleinere Herausforderungen nicht so viel aus. Ein anderer Aspekt ist, absorbiert zu sein in dem was man tut. Also wer in seiner Arbeit, in seinem Tun aufgeht, dem macht es jetzt nichts aus, wenn dort besondere Herausforderungen kommen. Im Gegenteil, es gibt manche Menschen, die besonders engagiert sind wenn Herausforderungen kommen. Und Engagement heißt auch, Spaß zu haben bei dem was man tut.

2. Der zweite Faktor wird auf amerikanisch „Control“ genannt, auf Deutsch wird das übersetzt als Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit. Wer das Gefühl hat, dass das meiste von dem was geschieht nicht änderbar ist, wer empfindet einer Situation hilflos ausgeliefert zu sein, der fühlt sich machtlos, ohnmächtig und leidet erheblich unter Stress. Es gibt sogar Stressforscher, die sagen, Stress, besonders Distress, ist erlernte Hilflosigkeit.

Wer das Gefühl hat: "Ich habe die Situation unter Kontrolle, ich kann selbst etwas ändern, ich kann sie beeinflussen, ich kann die Situation aktiv planen und gestalten, ich kann nicht einfach nur passiv reagieren", der ist nicht so schnell gestresst, auch wenn außer- gewöhnliche Herausforderungen kommen.

3. Der dritte Faktor wird auf Englisch „Meaning“ genannt. Auf Deutsch sagt man Sinn. Das soll heißen, auch vertrauen, dass alles, was geschieht, irgendwo zum Besten ist. Die empirische Forschung sagt, es spielt letztlich keine Rolle, welchen Sinn man sieht, Hauptsache, man sieht einen Sinn und das Menschen bereit sind, alles zu tun, wenn sie wissen, wofür sie es tun. Der Mensch strebt danach, einen Sinn im Leben zu erleben, und letztlich etwas Sinnvolles zu tun.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Sinn zu sehen:

  • Man kann eine philosophische Einstellung haben – was auch immer ich tue ist irgendwo in einem philosophischen Gesamtkontext.
  • Man kann Gottvertrauen haben: Was auch immer geschieht, irgendwo steckt Gott dahinter. Wenn Herausforderungen kommen – Gott wird sie mir irgendwie gegeben haben. Und letztlich: Es gibt nicht nur dieses Leben, es gibt viele Leben, oder es gibt dieses eine Leben, was auf die Ewigkeit vorbereitet…in jedem Fall, man geht davon aus, das Leben hat einen Sinn. Es ist nicht nur einfach paradox, es ist nicht nur einfach Ironie des Schicksals, es ist nicht einfach nur ungerecht, sondern was auch immer geschieht, hat irgendwo einen Sinn.
  • Man kann Leben sehen als einen Lernprozess, man kann den Sinn des Lebens darin sehen, dass das Leben dazu da ist, dass ich mich entwickle, dass ich wachse, dass ich in meiner Persönlichkeitsentwicklung vorankomme.
  • Man kann auch sagen, das Leben ist dazu da, dass ich Gutes bewirke. Meine Mission des Lebens ist, auf diese und jene Weise Gutes zu bewirken, und was auch immer ich tue, irgendwie hilft es.
  • Im Yoga sprechen wir auch von Karma, das heißt das Gesetz von Ursache und Wirkung, da geht man davon aus, was auch immer geschieht, hilft mir daran zu wachsen; hilft mir, Gutes zu bewirken; irgendwo stammt es von Gott. Im Grunde genommen kann man sagen, dass die yogische Interpretation von Karma die verschiedensten Ebenen von „Meaning“ beinhaltet.
  • Menschen mit langfristigen Zielen können mit kurzfristigem Stress besser umgehen. Wenn du ein langfristiges Ziel hast, z.B. den Veganismus in der Welt zu verbreiten und du bist der Überzeugung, das wird langfristig auch geschehen, und du kannst selbst etwas dazu beitragen, dann kannst du auch einiges aushalten, wenn Leute dich kritisieren, dich zum Fanatiker oder zum Verrückten erklären.
  • Oder wenn neue Herausforderungen kommen, wie ein Fernsehinterview, und es dann Personen gibt, die dich kritisieren – wenn du weißt, wozu du das tust, dann bist du bereit, all das zu machen, auch wenn es dich zwischendurch zu Bauchgrimmen, Angstgefühlen, Lampenfieber usw. führt. Wenn du aber nur von deinem Chef dorthin geschickt wirst, um die Politik des Unternehmens zu vertreten obgleich du die selbst nicht für gut hältst – dann wird es schwieriger, mit diesem Stress umzugehen.
  • Wenn dein Sinn ist, viel Geld zu verdienen – auch dafür sind Menschen für einiges bereit.

4. Der vierte Faktor ist „Love“ – Liebe. Liebe zu sich selbst, Liebe zu seinen Mitmenschen. Jemand, der liebevoll zu sich selbst ist, jemand der Liebe zu anderen empfindet, wer das Gefühl hat, dass andere ihn lieben, wer eine gewisse Liebe hat auch zu dem, was er tut, eine Liebe hat zur Natur, oder eine Geborgenheit spürt in einer höheren Wirklichkeit, einem Selbst, einer kosmischen Intelligenz, Gott, Göttin, wie auch immer man es bezeichnen will – wer diese Art von Liebe hat, wird weniger schnell gestresst sein als andere, wenn Dinge schief gehen. Diese tiefe Liebe und die Geborgenheit, die damit einhergeht, hilft Menschen, auch bei außergewöhnlichen Herausforderungen besser zu leben.

Was bedeuten diese einzelnen Faktoren?

  • Liebe zu dir selbst. Du kannst dich selbst fragen: Liebe ich mich selbst? Wie spreche ich zu mir? Glaube ich, dass ich gut genug bin für das was ist.
  • Liebe zu deinen Mitmenschen – wie viele in deiner Umgebung hast du, bei denen du sagen kannst: Diese Menschen liebe ich? Wie viele in deiner Umgebung hast du, wo du das Gefühl hast, die lieben mich? Wie viele hättest du, mit denen du sprechen kannst, wenn du in eine Lebenskrise gerätst? Wie häufig sprichst du über das was dich bedrückt zu deinen Mitmenschen? Wie häufig sprichst du über das, was du toll findest, zu deinen Mitmenschen? Wie viele gäbe es, die du fragen könntest, dir beim Umzug zu helfen, wenn du umziehen willst?
  • Dann aber auch Liebe zur Natur: Was empfindest du, wenn du spazieren gehst in der Natur? Wie viele Pflanzen gibt es, wo du sagen würdest, die mag ich? Hast du einen Lieblingsbaum? Hast du einen Lieblingspark oder Lieblingswald, wo du dich geborgen fühlst, aufgehoben fühlst? Das ist eine andere Dimension der Liebe.
  • Dann gibt es die Liebe zu einer höheren Wirklichkeit: Hast du einen persönlichen Glauben? Glaubst du, es gibt einen Gott? Glaubst du, dieser Gott kümmert sich um dich? Glaubst du, du kannst dich an diesen wenden, oder wendest du dich an ihn? Hast du das Gefühl, du stehst unter diesem spirituellen Schutz?

Das sind verschiedene Dimensionen, und wenn ich darüber spreche, wirst du vielleicht bei einem sagen „Oh, das fehlt mir“. Aber es kommt jetzt nicht darauf an, dass alle diese Punkte erfüllt sind. Wenn ein paar Punkte dabei sind, die dich im Herzen berühren und wo du dich geborgen fühlst, und worauf du zählen kannst, dann hilft dir das, nicht so schnell ins Stresssyndrom in die höheren Stufen zu kommen, wenn es hart auf hart kommt.

Bestandsaufnahme: Wo stehe ich?

Jetzt hast du vielleicht, während du dies gelesen hast, ein bisschen nachgedacht, wenn du willst kannst du ja jetzt innehalten und über all diese vier Punkte nachdenken, eventuell kannst du auch etwas dazu aufschreiben.

  • Wieweit ist das, was du tust, etwas das dir Spaß macht?
  • Wieweit bist du auch innerlich dabei, mit Gefühl, mit Emotion, mit Engagement, bei dem was du zu tun hast?
  • Wieweit hast du das Gefühl, dass du dein Leben in gewissem Maße unter Kontrolle hast, zumindest einzelne Aspekte deines Lebens?
  • Wieviel Sinn siehst du in der Tätigkeit, die du machst – bei der Arbeit, in deiner Freizeit, bei deinen Mitmenschen – siehst du dort einen höheren Sinn? Bist du für diesen Sinn auch bereit, einiges in Kauf zu nehmen?
  • Wieviel Liebe hast du zu dir selbst, wieviel Liebe bringst du deinen Mitmenschen entgegen oder wieviel Liebe hast du zur Natur.

Dann kannst du sehen, warum du vielleicht mit Stress besser umgehen kannst, oder warum vielleicht weniger gut als manche deiner Mitmenschen.

Du könntest überlegen:

  • Bist du deshalb vielleicht eher Person X, die schnell gestresst ist,
  • oder bist du eher Person Z, die unter Herausforderungen erst zur vollen Freude, zur vollen Energie, zur Hochform aufläuft?

Nachdem du die Bestandsaufnahme gemacht hast, kommt natürlich der nächste Schritt, und der nächste Schritt wäre: Könntest du daran etwas ändern? Auch hier zeigt die empirische Forschung: Ja, man kann tatsächlich etwas ändern. In Amerika gibt es sogar Psychotherapien, die darauf ausgerichtet sind, bewusst diese vier Faktoren zur Steigerung der Stresstoleranz zu kultivieren. Deutsche Programme sind noch nicht so bekannt. Vermutlich wird es in Deutschland in der kognitiven Verhaltenstherapie Ansätze geben, die eben sagen, wir trainieren bewusst diese vier Faktoren zur Steigerung der Stressresistenz, damit Menschen nicht so schnell gestresst sind.

Vier Faktoren zur Stressresistenz- Steigerung bewusst kultivieren

Wie kann man diese vier Faktoren entwickeln? Du bekommst ein paar Anregungen, was du auf den vier Ebenen tun kannst, für mehr Lebenszufriedenheit, um mit Herausforderungen besser umgehen zu können, zur Prävention von psychosomatischen Erkrankungen und auch zur Burnout-Prävention. So kannst du jetzt selbst überlegen wo du für dich Potenzial zum Stressabbau siehst.

1. „Involvement“ – Engagement. Du kannst überlegen, wie kann ich das was zu tun ist mit mehr Freude tun? Du könntest auch überlegen: Angenommen, ich könnte das was zu tun ist, mit Freude tun – wie würde ich das machen? Überlege einen Moment, angenommen, die Situation wäre ideal, dein Chef wäre anders, die Situation würde sich ändern, du hättest mehr Freiheiten. Angenommen, du könntest deine Arbeit so machen, dass du sie mit Freude machen kannst, dass du sie mit Energie machen kannst, dass du deine Talente und Fähigkeiten einsetzen kannst – wie würdest du sie tun? Eventuell magst du dazu auch kurz innehalten und ein bisschen aufschreiben. Nächster Schritt wäre natürlich auch: Könnte ich das mal probieren umzusetzen? Zweite Sache wäre: „Involvement“ heißt auch, in der Gegenwart zu sein. Du kannst überlegen: Wie kann ich mehr im Hier und Jetzt sein? Da gibt es ja auch eine ganze therapeutische Richtung, ursprünglich eine spirituelle Richtung, die nennt sich Achtsamkeit, das heißt im Hier und Jetzt zu sein. Zwischendurch den Geist ins Hier und Jetzt bringen. Auch dazu gibt es in diesem Entspannungskurs eine Übung. Im Hier und Jetzt sein, zwischendurch dem denkenden Geist eine Pause geben. Angenommen du sprichst mit einem Menschen, dann sprich von Herz zu Herz; überlege weniger „Was könnte ich machen statt mit dem Menschen zu sprechen, wann gelingt es mir jetzt schnell das Gespräch höflich zu beenden“, stattdessen könntest du, wenn du mit jemandem sprichst, ganz den Menschen fühlen und spüren, ganz im Hier und Jetzt sein.

Oder bei der Hausarbeit: Angenommen, du bügelst, oder du spülst, oder du staubsaugst – du kannst das mit Bewusstheit tun. Du kannst auch manuelle Tätigkeiten mit etwas anderem verbinden, was dich dann irgendwo berührt. Aber es ist auch gut, ein paar Minuten wirklich nur Staub zu saugen, und mit ganzem Herzen oder ganzer Bewusstheit, Achtsamkeit zu saugen. Auch wenn du das tust, was zu tun ist, musst du natürlich vor der Arbeit überlegen, wie tu ich’s? Manchmal musst du überlegen, was ist der beste Plan? Aber wenn du dich entschieden hast, dann tue das, was du tust, in der Gegenwart. Und was du in der Gegenwart tust, macht mehr Spaß. Im Yoga sagen wir sogar, wenn man etwas mit Freude tut, dann ruft es die innere Natur wach, und die innere Natur laut Yoga ist – Freude. Also mache das, was du tust, mit Konzentration, dann kommt auch die Freude. Kommt die Freude, bist du natürlich nicht so gestresst. Auch hier kannst du gleich wieder überlegen: Welche meiner Tätigkeiten will ich mit großer Bewusstheit tun? Wann will ich meinem Geist einfach sagen: “Danke, dass du mir noch tausend Alternativen sagen willst. Aber jetzt werde ich das, was ich tue, mit Bewusstheit tun“. Und wenn der Geist dir wieder vorschlägt, du musst dich unbedingt mit dem beschäftigen, was du morgen machst, und du musst überlegen, was der andere von dir denkt, und du musst überlegen, wie du ihn davon überzeugen kannst, anders zu denken, sag deinem Geist: „Danke, dass du mir so viele verschiedene Überlegungen anbietest, aber jetzt volle Konzentration auf dem, was zu tun ist“. Immer wieder in die Gegenwart bringen.

2. „Control“ – auch genannt Selbstverantwortung, Selbstwirksamkeit. Du kannst dir die Frage stellen: Welche Alternativen habe ich? Was könnte ich ändern? Du könntest die Reihenfolge ändern, du könntest mit deinem Chef sprechen, du könntest etwas langsamer arbeiten, du könntest zum ArztStressresistenz steigern gehen und dich krankschreiben lassen, du könntest kündigen, du könntest früher zur Arbeit kommen, später zur Arbeit kommen, du könntest überlegen: Was kann ich tun? Ab und zu mal hilft es, sich aufzuschreiben: Welche Alternativen habe ich? Du kannst sie auch geistig durchspielen. Das hilft manchmal. Es ist jetzt das Jahr 2016, und auf der Ebene der Politik gab es ein paar Jahre lang eine Bundeskanzlerin, Angela Merkel, die hat immer gesagt: “Diese Politik ist ohne Alternative“. Eine Weile sind ihr alle gefolgt, und dann ist eine rechtspopulistische Partei entstanden, die hat sich deshalb genannt „Alternative für Deutschland“. Ständig ohne Alternative zu sein, führt einen zum Stress. Wenn man sich nicht bewusst Alternativen, die produktiv sind, ausdenkt, denkt sich entweder die Kultur oder der Geist selbst andere Alternativen aus. Also im nationalen Kontext hat es zu einer nach meiner Ansicht sehr unschönen Alternative geführt, einer unschönen Alternativpartei. Auch die Psyche denkt sich etwas aus. Wenn man denkt, ich bin dem Ganzen hilflos ausgeliefert, denkt sich die Psyche irgendwann, es gibt eine andere Möglichkeit: „Ich kann in die Depression fallen. Ich kann einen Zusammenbruch haben. Wollen wir mal sehen, ob es nicht eine andere Möglichkeit gibt!“ Also überlege: Welche Alternativen habe ich? Es reicht auch aus, sich die Alternative nur durchzuspielen. Es gab mal in meinem Leben irgendwann mal eine Periode, in der ich eine hohe Herausforderung hatte und in der ich das Gefühl hatte, andere mit denen ich zu tun hatte, haben mich auch nicht richtig behandelt.

Da war ich irgendwo in Amerika gewesen. Und ich hatte dann öfter die Möglichkeit durchgespielt, wenn ich’s nicht mehr aushalte, fahre ich an den Flughafen, und fliege einfach zurück nach Deutschland. Diese Alternative habe ich öfter gehabt und hab dann gedacht, da geht auch was ganz anderes. Und so konnte ich diesem Stress den ich dort hatte irgendwo gut begegnen. Ich bin dann zwar nicht nach Deutschland geflogen, ich bin nicht abgehauen, aber ich wusste, ich habe die Möglichkeit und die ist auch okay. Es ist klug, sich irgendeine Alternative auszumalen, dann braucht man sie nicht als Kurzschlussreaktion plötzlich zu machen, sondern man weiß, es gibt andere Möglichkeiten. Es gibt auch manche Menschen, die haben große Schwierigkeiten, sich Alternativen auszudenken. Manchmal hilft es, bewusst mal etwas anders zu machen ohne dazu gezwungen zu sein. Gerade Menschen, die sich oft hilflos ausgeliefert fühlen, können einfach mal was anders machen. Zum Beispiel kann man mal die Zähne statt mit der rechten Hand mit der linken Hand putzen. Ich weiß, das fühlt sich sehr komisch an, wer jemals die rechte Hand in Gips hatte und dann mit der linken Hand die Zähne putzen  muss, weiß das – es freiwillig zu machen zeigt, man kann auch mit der linken Hand Zähne putzen. Oder in einer anderen Reihenfolge aufstehen. Also statt zuerst das etwas anderes zuerst machen. Man hat auch die Zeit, erstmal aus dem Fenster zu gucken und durchzuatmen, man hat die 30 Sekunden noch bevor man auf die Toilette geht. Oder man kann erst ein Gebet sprechen. Oder man kann erst ein paar Räkelübungen im Stehen machen, oder die Tiefenentspannung morgens machen. Oder einen anderen Weg zur Arbeit gehen. Oder mal zu Fuß gehen statt mit dem Auto, das braucht vielleicht ein paar Minuten länger, aber ist vielleicht mal was anderes. Einen anderen Gruß wählen, statt „Moin“ oder „Morsche“ kann man sagen: „Ich wünsche Ihnen einen guten Tag“. Die Leute werden einen komisch angucken, aber irgendwo ist das mal was anderes. Oder tatsächlich 5 Minuten früher zur Arbeit kommen. Gucken, was ändert sich. Oder mal eine Viertelstunde später – ist der Chef dann wirklich so böse wie man das annimmt und weswegen man so gestresst ist? Überlege jetzt selbst: Was kannst du ändern? Was willst du vielleicht ändern? Auch jetzt gilt wieder: Eventuell willst du kurz innehalten und es dir aufschreiben oder geistig ausmalen.

3. „Meaning“ – was Sinn und Vertrauen beinhaltet. Du kannst überlegen: Welchen Sinn macht meine Tätigkeit? Was bewirke ich damit? Wie entwickle ich mich damit? Wenn du das Gefühl hast, deine Tätigkeit macht gar keinen Sinn, du bewirkst nichts Sinnvolles, und du entwickelst dich dabei nicht, dann solltest du vielleicht doch tiefer überlegen, vielleicht bewirkst du doch etwas, vielleicht entwickelst du dich doch. Wenn nicht, müsstest du vielleicht doch etwas ändern mit deiner Tätigkeit. Es kann natürlich auch sein, dass du sagst, der Sinn meiner Tätigkeit ist Geld zu verdienen, dann ist das auch okay. Dann solltest du irgendwo sonst in deinem Leben einen Sinn haben. Vielleicht ist dann dein Sinn, deinen Kindern eine gute Erziehung geben zu können – das ist etwas Sinnvolles. Aber was passiert, wenn die Kinder erwachsen sind? Wenn du dich in deiner Freizeit engagierst, und dort in einem eigennützigen Verein oder in deiner Nachbarschaft irgendwo aktiv bist – gut, dann gibt der Job dir das Geld. Manche Menschen denen es im Job wirklich nur um das Geld geht sind sogar relativ entspannt. Sie wissen, so schnell kann einem nicht gekündigt werden in Deutschland, es gibt Kündigungsschutz, so schlimm kann es nicht kommen, es ist jetzt gar nicht so wichtig, ich tu das einfach, weil ich in meiner Freizeit tätig bin, mich engagiere für „Brot für die Welt“, oder ich engagiere mich als Fußballtrainer für Zehnjährige, und was ich den Jungs dort mitgeben kann, das ist einfach toll. Gut, dann hast du auch einen Sinn. Aber im Allgemeinen ist es doch klug, einen Job zu suchen, wo man das Gefühl hat, es ist etwas Sinnvolles, man bewirkt etwas für andere, und du selbst entwickelst dich.

Wenn du vor Herausforderungen stehst, kannst du auch überlegen: Was kann ich daraus lernen? Gehe von der Annahme aus: Alles was geschieht, geschieht, damit ich daran wachse. Und wenn du jetzt, heute oder morgen, eine besondere Herausforderung hast, oder vor einer Woche hattest, dann kannst du auch überlegen: Was lerne ich daraus? Was ist meine Aufgabe? Angenommen dein Chef hat dich gerade gestern kritisiert und du hast dich furchtbar geärgert und du weißt gar nicht, was du heute machen kannst, dann kannst du – anstatt nur zu sagen, der Chef ist dumm und doof und unverschämt, und was soll das überhaupt – auch überlegen: Was lerne ich daraus? Vielleicht gibt es ja tatsächlich etwas was du nicht richtig gemacht hast, und vielleicht hilft dir die Kritik des Chefs, die natürlich im falschen Ton ausgesprochen wurde und er hätte es ja viel freundlicher formulieren können, persönlich zu wachsen. Vielleicht kannst du lernen, Gleichmut zu üben, vielleicht ist es eine Gelassenheitsübung. Vielleicht kannst du auch lernen auch noch mit einem Tag Verspätung bewusst zu sagen, warum du meinst, weshalb die Kritik des Chefs nicht angebracht ist. Vielleicht musst du auch mal etwas sagen, vielleicht ist das der Sinn. Ich weiß nicht, was der Sinn für dich sein könnte, aber du kannst selbst überlegen. Du kannst die Grundannahme in dir kultivieren: Was auch immer geschieht, geschieht, damit ich daran wachse. Und du kannst auch immer überlegen: Wie kann ich das, was zu tun ist, so tun, dass es für andere auch gut ist?

4. „Love“ – Liebe, oder auf gut deutsch: Soziale Unterstützung. Du kannst selbst zu dir sagen: Wie spreche ich zu mir selbst? Vielleicht könnte ich freundlicher mit mir selbst sprechen? Viele Menschen sprechen zu sich auf eine Weise, wie sie nie mit jemand anderem sprechen würden. Manchmal hilft es auch, zu sich selbst so zu sprechen, als ob man ein anderer wäre. Kaum jemand schimpft ja ständig mit anderen Menschen. Aber es gibt gar nicht mal wenige Menschen, die schimpfen mit sich selbst: „Ich tauge nichts, was hab ich da wieder für einen Mist gemacht, was bin ich doch für ein Typ usw.“ Wenn man dagegen zu sich selbst spricht, zum Beispiel: „Liebe Karla, das hättest du anders machen können“, oder: „Liebe Karla, hast du gut gemacht“, oder: „Liebe Karla, wie soll man das machen“, „Liebe …“ usw. Also man spricht zu sich selbst mit Namen; gerade jemandem der sich gerne beschimpft, hilft es, zu sich selbst zu sprechen und seinen Namen zu nennen. Gerade bei Menschen, die zu anderen freundlich sind und zu sich selbst unfreundlich, gilt: Die einfachste Weise, zu sich selbst freundlicher zu werden, ist sich mit Namen zu nennen, und schon spricht man freundlicher zu sich selbst. Ein weiterer Punkt der Selbstliebe ist: Wie reagiere ich auf Lob und Anerkennung? Es gibt viele Menschen, wenn man ihnen Lob gibt oder Anerkennung, die sagen gleich: „Ja aber das hätte ich noch besser machen können“, oder „Der andere hat’s viel besser gemacht, und der andere hat viel mehr gemacht…“ Mein Tipp wäre: Wenn du gelobt wirst, beiße dir gleich sanft auf die Zunge, wenn du sofort sagen willst, jemand anderes macht’s viel besser oder es hat jemand anders gemacht, und das einzige was du machst, ist lächeln und sagen: „Danke“. Das ist auch eine Übung. Für manche Menschen eine der schwierigsten Übungen überhaupt – Lob und Anerkennung anzunehmen. Es gibt viele Menschen, die beschweren sich, dass sie nicht gelobt und anerkannt werden, aber wenn ich sie dann nachher frage: Und, wie reagierst du, wenn dich jemand lobt? Oder ich beobachte wie Menschen reagieren wenn sie gelobt werden: Sie reagieren gleich so, dass man sicher nicht mehr den Wunsch hat, sie nochmal zu loben.

Das führt nur zu einer schrägen Konversation. Lerne es, Lob und Anerkennung anzunehmen, danke, lächle – und es kommt wieder mehr Lob nach. Die Frage ist auch: Wie häufig drückst du deine Zuneigung, deine Anerkennung aus? Angenommen du bist in einer Beziehung: Hast du heute schon deinem Partner, deiner Partnerin Komplimente gemacht, so wie zu Beginn eurer Beziehung? Wann hast du das das letzte Mal gemacht? Wann hast du das letzte Mal deinen Kollegen gesagt, wie toll du ihre Arbeit findest? Oder deinem Chef, oder deinem Mitarbeiter, deinem Kunden, deinem Lieferanten, deinem Nachbarn? Das ist etwas, was du bewusst machen kannst; suche etwas, womit du dem anderen Zuneigung, Anerkennung ausdrücken kannst. Dein Herz öffnet sich, und andere werden sich dir gegenüber öffnen. Eine weitere Weise ist: Wie häufig spüre ich vom Herzen her das Herz der anderen? Ein Tipp von mir ist ja immer: Bevor du mit jemandem sprichst, nimm dir ein paar Momente Zeit, um von deinem Herzen aus das Herz des anderen zu spüren. Wenn du von deinem Herzen aus das Herz des anderen spürst, dann entsteht ein Gefühl der Liebe. Und ein Gefühl der Liebe ist das, was dich geborgen fühlen lässt, dir Vertrauen gibt, und was dir hilft, mit allen Herausforderungen umso besser umzugehen. Auch hier könntest du einen Moment innehalten. Die höchste Form der Liebe ist eine, die jetzt nicht ganz so leicht zu kultivieren ist: Das ist die Liebe zu einer höheren Wirklichkeit, ein Gottvertrauen, eine Gottesliebe. Wenn du Gottesliebe, Gottvertrauen hast, dann ist das etwas Großartiges. Du kannst diese, wenn du sie denn  hast, auch kultivieren: Über Gebet, über Zwiesprache, über vieles andere. Das wäre aber ein Thema für einen ganz anderen Vortrag, und ich gebe ja auch viele Vorträge über Gottvertrauen, wenn du auf YouTube suchst und eingibst: „Sukadev Gottvertrauen“, „Sukadev Hingabe“, „Sukadev Gott“, dann wirst du Vorträge von mir auch über solche Themen finden.

Seminare - Raja Yoga, positives Denken und Gedankenkraft

Raja Yoga 2


Datum: 07.10.2022 - 09.10.2022
Ort: Nordsee
Leiter: Anantadas Büsseler

Wissenschaftliches Arbeiten aus der Perspektive des Yoga online


Datum: 07.10.2022 - 09.10.2022
Ort: Live Online BM
Leiter: Gudakesha Prof Dr Kurt Becker, Raphael Mousa

Bewusstseinstechniken aus dem Vijnana Bhairava Tantra


Datum: 12.10.2022 - 14.10.2022
Ort: Westerwald
Leiter: Dr phil Oliver Hahn

Meditationstechniken der Hatha Yoga Pradipika


Datum: 14.10.2022 - 16.10.2022
Ort: Allgäu
Leiter: Michael Büchel

Erkenne dich selbst - das Yoga Sutra von Patanjali


Datum: 16.10.2022 - 21.10.2022
Ort: Allgäu
Leiter: Michael Büchel

Sati Zen Praxis


Datum: 23.10.2022 - 26.10.2022
Ort: Westerwald
Leiter: Radhika Siegenbruk, Maik Piorek