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19. Kapitel Krishna Janmashtami

Das ist der Geburtstag von Krishna, der als achte Inkarnation Gottes gilt. Er fällt auf den 8. Tag nach Vollmond des Monats Bhadrapada (August/ September) und ist eines der bedeutendsten hinduistischen Feste. Krishna wurde um Mitternacht geboren. Bei diesem Anlass fastet man 24 Stunden und bricht das Fasten um Mitternacht.

Die Tempel werden geschmückt, man singt Kirtans (Mantras, Namen Gottes), läutet Glocken, bläst das Muschelhorn und rezitiert Sanskrit-Hymnen zu Ehren Krishnas. In Mathura, dem Geburtsort Krishnas, finden besondere spirituelle Feste statt, zu denen Pilger aus ganz Indien kommen.

Krishna
erschien im Jahr Visvavasu, vor 5172 Jahren (von 1945 an gerechnet), also 3227 v.Chr., an einem Mittwoch, dem 8. Tag der abnehmenden Mondphase des Monats Sravana, der gemäß dem Barhaspatyamana72 identisch ist mit dem Monat Bhadrapada, als der Mond in das Haus von Vrishabha (Stier) in der Sternenkonstellation Rohini eintrat.

Studiere die Bhagavatam (ind. hl. Schrift über Krishna) und die Pancharatras, die den Upanishaden (ind. Schriften, Schlussteil der Veden) gleich sind. Dort erfährst du alles über den Ruhm Krishnas, seine Lilas (göttlichen Spiele) und seine übermenschlichen Taten. Krishna, der achte Avatar Vishnus  (avatar = göttliche Inkarnation), wurde zum Liebling vieler Inder und vieler Menschen auf der ganzen Welt. Er hatte drei Ziele beziehungsweise Aufgaben: die Dämonen zu zerstören; die führende Rolle in dem großen Krieg auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra zu übernehmen – wo er seine wundervolle Lehrbotschaft der Bhagavad Gita vermittelte; und die Entwicklung von Bhakti (Gottesverehrung, -liebe, -hingabe) in ganz Indien zu fördern.

Die Hingabe an Krishna ist etwas Großartiges. Wer Radha73 und Krishna liebt, ist wahrhaft reich. Leid resultiert aus mangelnder Hingabe. Wer Krishna liebt, schreitet schnell voran. Denke stets an Seinen Namen, Seine Tugenden und Seine Lilas (göttlicher Zeitvertreib) und meditiere über die Lotusfüße von Radha und Krishna.

Krishna
ist ein Meer der Wonne. Seine zu Herzen gehenden wunderbaren Spiele sind die Wellen. Die honigsüße Musik seiner Flöte zieht seine Verehrer aus allen drei Ebenen an. Seine unvergleichliche und unübertroffene Schönheit versetzt alle lebenden und nichtbelebten Wesen in Erstaunen. Er ziert Seine Freunde mit Seiner unvergleichlichen Liebe.

Seine Handflächen tragen die Symbole des Lotus und des Diskus, die rechte Fußsohle eine Schwertlilie, einen Lotus, einen Donnerkeil, einen Morgenstern, ein Gerstenkorn und die Swastika (Sonnenrad; Symbol für Glück). Seine linke Fußsohle trägt einen Regenbogen, ein Dreieck, einen Wasserkrug, eine Mondsichel, den Himmel, einen Fisch und den Fußabdruck einer Kuh. Seine Gestalt ist verdichtetes, allumfassendes Bewusstsein und Wonne. Sein Körper durchdringt das gesamte Weltall.

Hingabe ist die einzige Möglichkeit, zu Krishna, zu Gott, zu kommen. Bhakti erweckt die Liebe zu Gott. Wenn sich die Liebe auf Gott richtet, wird der Mensch frei von den Fesseln dieser Welt.

Obwohl Krishna in einem menschlichen Körper erschien, hatte er in Wirklichkeit einen göttlichen Körper, der sich nicht aus den fünf Elementen zusammensetzte. Er wurde nicht im herkömmlichen Sinn geboren. Er starb nicht. Er erschien und verschwand wieder kraft seiner Yoga Maya (der Yoga-Kraft der Täuschung), wie Er in der Bhagavad Gita erklärt. Dieses Geheimnis können nur seine Verehrer, Yogis und Weise erfassen.

Seine bezaubernde Gestalt mit der Flöte wird in sehr vielen indischen Haushalten verehrt. Dieser besonderen Form des Göttlichen sind zahllose Verehrer voller Hingabe und höchster Liebe von ganzem Herzen zugetan – nicht nur in Indien, sondern auch in der westlichen Welt. Millionen spiritueller Sucher verehren Ihn und wiederholen Sein Mantra Om Namo Bhagavate Vasudevaya.

Krishna
war sehr klug, mitfühlend und tatkräftig in einem. Seine Lebensgeschichte ist ausgesprochen erfüllt, intensiv, großartig und erhebend.

Krishna
spielte verschiedene Rollen, während er in dieser Welt weilte. Er war der Wagenlenker Arjunas (Held der Bhagavad Gita, Freund und Schüler Krishnas).

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Krishna war ein ausgezeichneter Staatsmann und ein Meister der Musik; er unterrichtete sogar Narada74 in der Kunst, die Vina zu spielen. Die Klänge seiner Flöte bezauberten die Herzen der Gopis (Hirtenmädchen) und aller anderen Menschen. Er war Kuhhirte in Vrindavan (Ort in Nordindien) und Gokul. Schon als Kind zeigte er übernatürliche Kräfte und tötete viele Dämonen. Er offenbarte seiner Pflegemutter Yashoda seine kosmische Gestalt. Er führte die Rasa Lila auf (Tanz mit den Gopis), deren Geheimnis und tiefere Bedeutung sich Verehrern wie Narada, Gauranga75, Radha und den Gopis enthüllt. Er lehrte Arjuna und Uddhava (Freund und Ratgeber von Krishna) die höchste Wahrheit des Karma Yoga, des Bhakti und des Vedanta. Er beherrschte jede der 64 schönen Künste. So gilt er als echte Manifestation Gottes.

Göttliche Inkarnationen erscheinen aus bestimmten Anlässen und unter besonderen Umständen, insbesondere, um die rechtmäßige Ordnung und Frieden wiederherzustellen, wenn diese gestört sind, wenn Verwirrung und Unordnung aufgrund von Unredlichkeit herrschen und die geordnete Entwicklung der Menschheit unmöglich machen, wenn das Gleichgewicht in der Gesellschaft durch Selbstsucht, Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit bedroht ist, wenn Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit vorherrschen und die Grundlagen des sozialen Zusammenlebens untergraben werden.

Eine göttliche Inkarnation ist der Herabstieg Gottes zum Zweck des Aufstiegs der Menschheit. Ein Strahl des Kosmischen Wesens in Seinem latent vorhandenen manifesten Zustand steigt auf die Erde herab und erhält mit Seiner mächtigen Kraft die Harmonie des Universums. Das Werk und die Lehren einer solchen göttlichen Inkarnation haben einen segensreichen Einfluss und helfen der Menschheit bei ihrer Entfaltung zum Göttlichen und zur Selbstverwirklichung.

Eine solche Inkarnation offenbart die göttliche Natur des Menschen und lässt ihn sich über das beschränkte rein materialistisch ausgerichtete Leben voller Leidenschaft und Egoismus erheben.

Die größten Manifestationen Gottes sind die eigentlichen Vollinkarnationen. Rishis (Seher), Munis (Gelehrte), Propheten, Gottessöhne und Boten Gottes sind niedrigere Manifestationen des Göttlichen.

Göttliche Inkarnationen erscheinen gewöhnlich mit ihrer eigenen Gefolgschaft. Rama kam zusammen mit seinen Brüdern Lakshmana, Bharata und Shatrughna, Krishna mit Balarama (älterer Bruder Krishnas), Devas (Engelswesen) und Rishis (Seher). Sanaka erschien mit Sanandana, Sanatkumara und Sanatsujata (alle vier Söhne Brahmas, des Schöpfers). Einige wie Shankara76 und Ramanuja77 kamen als Lehrer und spirituelle Führer. Andere wie Chaitanya78 haben die Bestimmung, die Menschen zur Hingabe zu inspirieren und ihren Geist auf Gott zu richten. Echte Vollinkarnationen wie Krishna erscheinen nur, wenn weitreichendes Unheil die Welt bedroht.

An Krishna Janmashtami schmückt man vor allem in Südindien die Häuser kunstvoll, um Gott gebührend zu empfangen. Frauen bereiten Süßigkeiten zu und bringen sie Krishna dar, ebenso wie Butter, Krishnas Lieblingsspeise. Der Weg vom Eingang zum Meditationsraum des Hauses wird mit Hilfe von mit Wasser verrührtem Mehl mit Fußabdrücken eines Kindes markiert. So entsteht das Gefühl, als hätte Krishna selbst Spuren hinterlassen. Es ist ein großer Freudentag. Man singt, betet und rezitiert die Bhagavatam (Werk über das Leben Krishnas).

Im Sivananda Ashram in Rishikesh wird Krishnas Geburtstag mit intensiven spirituellen Aktivitäten gefeiert:

1. Schon acht Tage vorher wird das Mantra Om Namo Bhagavate Vasudevaya ununterbrochen rezitiert.

2.
Wer kann, rezitiert während dieser Zeit die Bhagavatam. Die anderen hören dabei zu.

3.
Am Geburtstag selbst wird gefastet und man verbringt den ganzen Tag in heiliger Gemeinschaft.

4.
Man begrüßt sich mit dem heiligen Mantra Om Namo Bhagavate Vasudevaya.

5.
Eine große Feuerzeremonie (Havan) wird durchgeführt.

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6. Von morgens 4.00 Uhr bis abends wird ununterbrochen Satsang79 gehalten. Yogis, Sannyasins (die der Welt entsagt haben) und Gelehrte sprechen über das ruhmreiche Leben und die Lehren Krishnas.

7.
Nach Sonnenuntergang versammeln sich die Menschen im kunstvoll geschmückten Tempel und singen den Namen und Ruhm Gottes.

8.
Viele Hymnen und Teile der Bhagavatam, besonders die Gopika Gita, werden rezitiert.

9.
Gegen Mitternacht findet eine große Verehrungszeremonie zu Ehren Krishnas statt. Symbolisch wird die Statue Krishnas mit Milch übergossen, während sein Name 108 mal wiederholt wird.

10.
Das Mitternachtsritual endet mit dem Darbringen von Blumen, dem Schwenken von Licht (Arati) und der Rezitation des Teils der Bhagavatam, der von der Geburt Krishnas handelt. Das fällt dann genau auf Mitternacht, die Geburtsstunde Krishnas, wo die Murti (Statue; Bildnis) Krishnas in einer prächtig geschmückten Wiege geschaukelt wird. Anschließend erhalten alle Prasad (Opfergabe) und ziehen sich zurück, durchdrungen von der Gnade und dem Segen Krishnas.

Wenn du während dieser Zeit nicht die gesamte Shrimad Bhagavatam lesen kannst, solltest du wenigstens die folgenden vier bedeutendsten Verse des Buches rezitieren. Die beiden einleitenden Verse bilden den Prolog, der letzte Vers den Epilog:

„Erfahre von Mir das geheimste Wissen, verbunden mit der grundlegenden Erkenntnis und den entsprechenden Bestandteilen.“ „Mögest du durch Meine Gnade Wissen über Mich erlangen und über Meine Formen, Eigenschaften und Qualitäten.“

1. „Vor der Schöpfung existierte Ich allein. Da war nichts, weder Sein noch Nicht-Sein. Ich bin das, was nach der Auflösung bleibt.“

2.
„Verstehe, dass alles, was keinen Zweck hat, was nicht im Selbst gefunden werden kann, Maya, Illusion, ist und unwirklich wie Licht und Schatten.“

3.
„So wie die Grundelemente miteinander verschmolzen und gleichzeitig doch voneinander getrennt sind, so durchdringe Ich das ganze Universum und bin doch davon getrennt.“

4.
„Der Aspirant sollte mittels Befragung (Bejahung und Verneinung) das erkennen, was für immer und überall existiert.“

„Erfahre diese Wahrheit im höchsten überbewussten Zustand, so dass du fortan nicht durch die illusorischen Objekte abgelenkt wirst.“

Es gibt noch einen anderen wunderbaren Vers in der Bhagavatam, den du täglich rezitieren kannst: „Vor Urzeiten tötete Krishna, geboren von Devaki, aufgewachsen im Haus Yashodas, die schreckliche Putana (Dämonin)80 in ihrer trügerischen Gestalt, hob den Berg Govardhana an81, überwand Kamsa82 und die Söhne der Kurus83 und beschützte die Söhne Kuntis84. Das ist die Essenz der Bhagavat Purana, die all die ergreifenden Geschichten über die Taten Krishnas erzählt.“

Möge der Segen von Krishna und Radha mit euch allen sein!

19. Kapitel

72. Von Brihaspati = Jupiter und „ma“ = „messen“; Kalender, der sich am Lauf des Jupiter orientiert.
73. Radha: eine der Gopis = Kuhhirtinnen, Milchmädchen und Geliebte Krishnas. Die Spiele mit den Gopis bilden einen großen Teil der Geschichten um Krishna. Sie stehen symbolisch für die mystische Einheit, die vollkommene Vereinigung des Individuums mit Gott.
74. Einer der sieben großen Seher, Herr der himmlischen Musikanten, Erfinder der Vina, eines indischen Saiteninstruments.
75. Anderer Name für Caitanya, bengalischer Heiliger, um 1500 n.Chr.
76. Einer der größten Heiligen und Philosophen Indiens, um 788-820 n.Chr.
77. Philosoph und Heiliger Südindiens, um 1055-1137 n.Chr.
78. Großer bengalischer Heiliger, um 1500 n.Chr., gilt bei Verehrern als Inkarnation Krishnas.
79. Satsang heisst wörtlich „Zusammensein mit Wahrheit“; gemeinsame Meditation, Mantrasingen, Vorträge in spiritueller Gemeinschaft.
80. Putana wollte Krishna bereits im Kindesalter töten, indem sie als seine Amme zu ihm kam. Krishna sog aber so stark an ihr, dass er ihr alle Lebenskraft nahm und sie starb.
81. Bei unaufhörlichem Regen hob Krishna den ganzen Berg an, so dass die Menschen darunter Schutz fanden.
82. Bruder von Devaki, der Mutter Krishnas. Er wollte Krishna töten, weil ihm vorhergesagt worden war, dass ein Sohn Devakis ihn besiegen werde.
83. Vorfahren sowohl der Kauravas als auch der Pandavas, der beiden gegnerischen Parteien in der Bhagavad Gita. Danach sind die Kauravas, der eine Zweig des Geschlechts, benannt.
84. Söhne Kuntis = die Pandavas, die „Guten“ im Kampf der Bhagavad Gita.

 

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